Kleiber Manuskript 06 - Käfer und Schmetterlinge, item 33

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  33     Luft waren die Falter wie ermüdet u. flatterten matt umher, sich stets nach ein paar Flügelschlägen im schütteren Schatten des nächsten Wüstenbusches niederlassend.

Ein wesentlich reicheres Bild als die Tagfalter bieten die Abend bzw. Nachtschmetterlinge, wenn auch eine gewisse Armut den deutschen Verhältnissen gegenüber besonders in Bezug auf die Artenzahl unverkennbar ist; desto merkwürdiger ist das häufige, ja oft massenhafte Auftreten ein u. derselben Art, eine Erscheinung, die in Turkestan beinahe alle Insektenordnungen aufweisen. Besonders auffallend war dies bei den turkestanischen Vertretern unserer Blutströpfchen ((Blutflecke, Zygaena) u. Weiß - oder Glasflecke (Syntomis) der Fall. Beide Arten, die Zygaena  truchurena* (Tafel  XVIII/4) u. der Kaspische Weißfleck  (Syntomis caspia Tafel XVIII/5) sind obzwar endemisch, unseren deutschen Arten in Größe und Aussehen sehr ähnlich u. fliegen wie diese durchaus bei Tage. Als erster im Jahre erschien der Weißfleck, der ca. Anfang Juni plötzlich in großen Mengen im  Steppenstreif auftrat u. namentlich die Rispen der roten Tamariske umschwirrte u. bedeckte. In Kopulation begriffene Pärchen waren allenthalben an Mauern und Bäumen zu finden, auch am Syr-Darjastrande war der Schmetterling häufig u. nicht wenige fielen bei Versuchen, den Fluß zu überfliegen in das Wasser; gegen Ende des Sommers erfolgte noch eine zweite Brut, die aber wenig zahlreich war u. nur vereinzelnte Exemplare hervorbrachte. Ebenso plötzlich als der Weißfleck erschienen war, verschwand er wieder; ein oder zwei kühlere Tage  u. der ganze Lebens- u. Liebesfrühling gieng in ein großes Sterben über. Nach einer ca.  3wöchentlichen Pause, etwa zur Zeit der ersten Blüte des Kameldorns, zeigte sich in ganz ähnlicher Weise das bedeutend schönere und auffallendere Blutströpfchen. Interessant ist die Tatsache, dass das Zeitintervall zwischen dem Erscheinen der beiden Arten in beiden Sommern (1915 u. 16) konstant blieb, trotzdem das Leben in der Natur im Jahre 1916 dem Vorjahre gegenüber stark verspätet war. Die farbenprächtige Zygaene bedeckte in zahllosen Scharen Tamarisken u. Distelköpfe u. es boten die Tiere mit ihren leuchtenden Farben auf den nicht minder leuchtenden Tamariskenrispen im grellen heißen Sonnenschein

*truchurena = turkmenisch

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  33     Luft waren die Falter wie ermüdet u. flatterten matt umher, sich stets nach ein paar Flügelschlägen im schütteren Schatten des nächsten Wüstenbusches niederlassend.

Ein wesentlich reicheres Bild als die Tagfalter bieten die Abend bzw. Nachtschmetterlinge, wenn auch eine gewisse Armut den deutschen Verhältnissen gegenüber besonders in Bezug auf die Artenzahl unverkennbar ist; desto merkwürdiger ist das häufige, ja oft massenhafte Auftreten ein u. derselben Art, eine Erscheinung, die in Turkestan beinahe alle Insektenordnungen aufweisen. Besonders auffallend war dies bei den turkestanischen Vertretern unserer Blutströpfchen ((Blutflecke, Zygaena) u. Weiß - oder Glasflecke (Syntomis) der Fall. Beide Arten, die Zygaena  truchurena* (Tafel  XVIII/4) u. der Kaspische Weißfleck  (Syntomis caspia Tafel XVIII/5) sind obzwar endemisch, unseren deutschen Arten in Größe und Aussehen sehr ähnlich u. fliegen wie diese durchaus bei Tage. Als erster im Jahre erschien der Weißfleck, der ca. Anfang Juni plötzlich in großen Mengen im  Steppenstreif auftrat u. namentlich die Rispen der roten Tamariske umschwirrte u. bedeckte. In Kopulation begriffene Pärchen waren allenthalben an Mauern und Bäumen zu finden, auch am Syr-Darjastrande war der Schmetterling häufig u. nicht wenige fielen bei Versuchen, den Fluß zu überfliegen in das Wasser; gegen Ende des Sommers erfolgte noch eine zweite Brut, die aber wenig zahlreich war u. nur vereinzelnte Exemplare hervorbrachte. Ebenso plötzlich als der Weißfleck erschienen war, verschwand er wieder; ein oder zwei kühlere Tage  u. der ganze Lebens- u. Liebesfrühling gieng in ein großes Sterben über. Nach einer ca.  3wöchentlichen Pause, etwa zur Zeit der ersten Blüte des Kameldorns, zeigte sich in ganz ähnlicher Weise das bedeutend schönere und auffallendere Blutströpfchen. Interessant ist die Tatsache, dass das Zeitintervall zwischen dem Erscheinen der beiden Arten in beiden Sommern (1915 u. 16) konstant blieb, trotzdem das Leben in der Natur im Jahre 1916 dem Vorjahre gegenüber stark verspätet war. Die farbenprächtige Zygaene bedeckte in zahllosen Scharen Tamarisken u. Distelköpfe u. es boten die Tiere mit ihren leuchtenden Farben auf den nicht minder leuchtenden Tamariskenrispen im grellen heißen Sonnenschein

*truchurena = turkmenisch


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  • February 24, 2017 19:31:07 Isabella Kollmann

    Luft waren die Falter wie ermüdet u. flatterten matt umher, sich stets nach ein paar Flügelschlägen im schütteren Schatten des nächsten Wüstenbusches niederlassend.

    Ein wesentlich reicheres Bild als die Tagfalter bieten die Abend bzw. Nachtschmetterlinge, wenn auch eine gewisse Armut den deutschen Verhältnissen gegenüber besonders in Bezug auf die Artenzahl .unverkennbar.. ist; desto merkwürdiger ist das häufige, ja oft massenhafte Auftreten ein u. derselben Art, eine Erscheinung, die in Turkestan beinahe alle Insektenordnungen aufweisen. Besonders auffallend war dies bei den turkestanischen Vertretern unserer Blutströpfchen ((Blutflecke, Zygaena) u. Weiß - oder Glasflecke (Syntomis) der Fall. Beide Arten, die Zygaena  truchurena* (Tafel  XVIII/4) u. der Kaspische Weißfleck  (Syntomis caspia Tafel XVIII/5) sind obzwar endemisch, unseren deutschen Arten in Größe und Aussehen sehr ähnlich u. fliegen wie diese durchaus bei Tage. Als erster im Jahre erschien der Weißfleck, der ca. Anfang Juni plötzlich in großen Mengen im  Steppenstreif auftrat u. namentlich die Rispen der roten Tamariske umschwirrte u. bedeckte. In Kopulation begriffene Pärchen waren allenthalben an Mauern und Bäumen zu finden, auch am Syr-Darjastrande war der Schmetterling häufig u. nicht wenige fielen bei Versuchen, den Fluß zu überfliegen in das Wasser; gegen Ende des Sommers erfolgte noch eine zweite Brut, die aber wenig zahlreich war u. nur vereinzelnte Exemplare hervorbrachte. Ebenso plötzlich als der Weißfleck erschienen war, verschwand er wieder; ein oder zwei kühlere Tage  u. der ganze Lebens- u. Liebesfrühling gieng in ein großes Sterben über. Nach einer ca.  3wöchentlichen Pause, etwa zur Zeit der ersten Blüte des Kameldorns, zeigte sich in ganz ähnlicher Weise das bedeutend schönere und auffallendere Blutströpfchen. Interessant ist die Tatsache, dass das Zeitintervall zwischen dem Erscheinen der beiden Arten in beiden Sommern (1915 u. 16) konstant blieb, trotzdem das Leben in der Natur im Jahre 1916 dem Vorjahre gegenüber stark verspätet war. Die farbenprächtige Zygaene bedeckte in zahllosen Scharen Tamarisken u. Distelköpfe u. es boten die Tiere mit ihren leuchtenden Farben auf den nicht minder leuchtenden Tamariskenrispen im grellen heißen Sonnenschein

    *truchurena = turkmenisch

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    Kriegsgefangenenlager Perowsk

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20841 / 235914
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F&F
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