Kleiber Manuskript 06 - Käfer und Schmetterlinge, item 35

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In dem Heer der Nachtschmetterlinge stellten die Eulen (Noc-

tuina) wohl das stärkste Kontingent dar. Eine lange Reihe von

Schmetterlingen zeigte das charakteristische Wappen des Eulenstammes,

Nierenfleck u.  W-Linie in allen möglichen Variationen mehr oder

minder deutlich. Die häufigste Art war das rote Weidenordens-

band (Catocala elocata (nupta) Taf. XVIII/15.), das wohl mit unserer

gemeinen deutschen Art identisch ist u. das mit Vorliebe unsere

Wohnräume zum Tagesaufenthalt benutzte u. uns bei geschlossenem

Fenster öfters im Schlafe störte. Ein blaues Ordensband, wohl unsere

C. fraxini war äußerst selten, etwas häufiger die gelbe Art (Taf XIX./24.),

welche ich vor der Dämmerung öfters über die Dornbüsche der Ufer-

steppe flattern sah. Eine endemische Ordensbandart (Taf XIX/22.), die

etwas kleiner als die rote  Barteule war, doch karminrote Hinter-

flügel u. eine stark verwischte Vorderflügelzeichnung besaß, gehörte

auch den selteneren Erscheinungen. Ebenso häufig wie das große, doch

unscheinbare Apopestes spectrum (Tafel XVII/1.) war eine ganze Anzahl

kleinerer Eulen, die untereinander große Ähnlichkeit besaßen u. deren

variierende Zeichnung vielleicht bei manchen nur auf Geschlechtsun-

terschiede zurückzuführen ist. Sie alle waren auf den stets weißen Hinter-

flügeln durch eine breite schwarze Randbinde, aus welcher nach Außen zu

ein geierschnabelförmiger Hackenfleck vorsprang, sowie wechselnde

kleine Punkte u. Flecke gezeichnet. Ich zählte 4 derartige Eulen, deren

Vorderflügel durchwegs verschieden gefleckt u. gefärbt waren. (Taf. XIX/4. XXI/36-38).

Eine sehr gemeine Nocturine mit breit schwarz geränderten gelbbrau-

nen Hinterflügeln u. deutlichem Nierenfleck (Taf. XIX/19) kam ebenfalls

in zahlreichen Zeichnungs- u. Färbungsvariationen vor, so verblaßte zum

Beispiel die Färbung der Hinterflügel bis zu Fahlgelb u. verschwand die

sonst so deutliche Zeichnung der Vorderflügel bis auf den Nierenfleck völlig.

Hübsche kleinere Eulen waren eine seltenere, silberweiß gefärbte, mit

zierlichen Vorderflügelzeichnungen (Taf. XIX/25.) u. eine zu den häufigsten

Schmetterlingen zählende mit deutlich u. scharf ausgeprägten sammtschwar-

zen Dreiecks-Flecken auf gelbroten Grunde (Taf. XIX/21.); außerdem gab es noch eine ganze Reihe

kleine u. sehr kleine Eulen wie z.B. unsere gemeine Y-Eule (Plusia Y,


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In dem Heer der Nachtschmetterlinge stellten die Eulen (Noc-

tuina) wohl das stärkste Kontingent dar. Eine lange Reihe von

Schmetterlingen zeigte das charakteristische Wappen des Eulenstammes,

Nierenfleck u.  W-Linie in allen möglichen Variationen mehr oder

minder deutlich. Die häufigste Art war das rote Weidenordens-

band (Catocala elocata (nupta) Taf. XVIII/15.), das wohl mit unserer

gemeinen deutschen Art identisch ist u. das mit Vorliebe unsere

Wohnräume zum Tagesaufenthalt benutzte u. uns bei geschlossenem

Fenster öfters im Schlafe störte. Ein blaues Ordensband, wohl unsere

C. fraxini war äußerst selten, etwas häufiger die gelbe Art (Taf XIX./24.),

welche ich vor der Dämmerung öfters über die Dornbüsche der Ufer-

steppe flattern sah. Eine endemische Ordensbandart (Taf XIX/22.), die

etwas kleiner als die rote  Barteule war, doch karminrote Hinter-

flügel u. eine stark verwischte Vorderflügelzeichnung besaß, gehörte

auch den selteneren Erscheinungen. Ebenso häufig wie das große, doch

unscheinbare Apopestes spectrum (Tafel XVII/1.) war eine ganze Anzahl

kleinerer Eulen, die untereinander große Ähnlichkeit besaßen u. deren

variierende Zeichnung vielleicht bei manchen nur auf Geschlechtsun-

terschiede zurückzuführen ist. Sie alle waren auf den stets weißen Hinter-

flügeln durch eine breite schwarze Randbinde, aus welcher nach Außen zu

ein geierschnabelförmiger Hackenfleck vorsprang, sowie wechselnde

kleine Punkte u. Flecke gezeichnet. Ich zählte 4 derartige Eulen, deren

Vorderflügel durchwegs verschieden gefleckt u. gefärbt waren. (Taf. XIX/4. XXI/36-38).

Eine sehr gemeine Nocturine mit breit schwarz geränderten gelbbrau-

nen Hinterflügeln u. deutlichem Nierenfleck (Taf. XIX/19) kam ebenfalls

in zahlreichen Zeichnungs- u. Färbungsvariationen vor, so verblaßte zum

Beispiel die Färbung der Hinterflügel bis zu Fahlgelb u. verschwand die

sonst so deutliche Zeichnung der Vorderflügel bis auf den Nierenfleck völlig.

Hübsche kleinere Eulen waren eine seltenere, silberweiß gefärbte, mit

zierlichen Vorderflügelzeichnungen (Taf. XIX/25.) u. eine zu den häufigsten

Schmetterlingen zählende mit deutlich u. scharf ausgeprägten sammtschwar-

zen Dreiecks-Flecken auf gelbroten Grunde (Taf. XIX/21.); außerdem gab es noch eine ganze Reihe

kleine u. sehr kleine Eulen wie z.B. unsere gemeine Y-Eule (Plusia Y,



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  • February 24, 2017 13:07:45 Sandra Badergruber

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    In dem Heer der Nachtschmetterlinge stellten die Eulen (Noc-

    tuina) wohl das stärkste Kontingent dar. Eine lange Reihe von

    Schmetterlingen zeigte das charakteristischere Wappen des Eulenstammes,

    Nierenfleck u- W-Linie in allen möglichen Variationen mehr oder

    minder deutlich. Die häufigste Art war das rote Weidenordens-

    band (Catocala elocata (nupta) Taf. XVIII/15.), das wohl mit unserer

    gemeinen deutschen Art identisch ist u. das mit Vorliebe unsere

    Wohnräume zum Tagesaufenthalt benutzte u. uns bei geschlossenem

    Fenster öfters im Schlafe störte. Ein blaues Ordensband, wohl unsere

    C. fraxini war äußerst selten, etwas häufiger die gelbe Art (Taf XIX./24.),

    welche ich vor der Dämmerung öfters über die Dornbüsche der Ufer-

    steppe flattern sah. Eine endemische Ordensbandart (Taf XIX/22.), die

    etwas kleiner als die rote Barteule war, doch karminrote Hinter-

    flügel u. eine stark verwischte Vorderflügelzeichnung besaß, gehörte

    auch den selteneren Erscheinungen. Ebenso häufig wie das große, doch

    unscheinbare Apopestes spectrum (Tafel XVII/1.) war eine ganze Anzahl

    kleinerer Eulen, die untereinander große Ähnlichkeit besaßen u. deren

    variierende Zeichnung vielleicht bei manchen nur auf Geschlechtsun-

    terschiede zurückzuführen ist. Siie alle waren auf den stets weißen Hinter-

    flügeln durch eine breite schwarze Randbinde, aus welcher nach Außen zu

    ein geierschnabelförmiger Hackenfleck vorsprang, sowie wechselnde

    kleine Punkte u. Flecke gezeichnet. Ich zählte 4 derartige Eulen, deren

    Vorderflügel durchwegs verschieden gefleckt u. gefärbt waren. (Taf. XIX/4. XXI/36-38).

    Eine sehr gemeine Nocturine mit breit schwarz geränderten gelbbrau-

    nen Hinterflügeln u. deutlichem Nierenfleck (Taf. XIX/19) kam ebenfalls

    in zahlreichen Zeichnungs- u. Färbungsvariationen vor, so verblaßte zum

    Beispiel die Färbung der Hinterflügel bis zu Fahlgelb u. verschwand die

    sonst so deutliche Zeichnung der Vorderflügel bis auf den Nierenfleck völlig.

    Hübsche kleinere Eulen waren eine seltenere, silberweiß gefärbte, mit

    zierlichen Vorderflügelzeichnungen (Taf. XIX/25.) u. eine zu den häufigsten

    Schmetterlingen zählende mit deutlich u. scharf ausgeprägten sammtschwar-

    zen Dreiecks-Flecken auf gelbroten Grunde (Taf. XIX/21.); außerdem gab es noch eine ganze Reihe

    kleine u. sehr kleine Eulen wie z.B. unsere gemeine Y-Eule (Plusia Y,


  • February 24, 2017 12:53:33 Sandra Badergruber

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    In dem Heer der Nachtschmetterlinge stellten die Eulen (Noc-

    tuina) wohl das stärkste Kontingent dar. Eine lange Reihe von

    Schmetterlingen zeigte das charakteristischere Wappen des Eulenstammes,

    Nierenfleck u- W-Linie in allen möglichen Variationen mehr oder

    minder deutlich. Die häufigste Art war das rote Weidenordens-

    band (Catocala elocata (nupta) Taf. XVIII/15.), das wohl mit unserer

    gemeinen deutschen Art identisch ist u. das mit Vorliebe unsere

    Wohnräume zum Tagesaufenthalt benutzte u. uns bei geschlossenem

    Fenster öfters im Schlafe störte. Ein blaues Ordensband, wohl unsere

    C. fraxini war äußerst selten, etwas häufiger die gelbe Art (Taf XIX./24.),

    welche ich vor der Dämmerung öfters über die Dornbüsche der Ufer-

    steppe flattern sah. Eine endemische Ordensbandart (Taf XIX/22.), die

    etwas kleiner als die rote 



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    Kriegsgefangenenlager Perowsk

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20841 / 235916
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http://europeana1914-1918.eu/...
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F&F
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http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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