Kleiber Manuskript 06 - Käfer und Schmetterlinge, item 45

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45

Von der bei uns so auffallenden u. artenreichen Familie der Laubheuschrecken

(Locustidae) sah ich in beiden in Nordturkestan zugebrachten Sommern

bloß ein einzigesmal eine große grüne Art, die unserem grünen Heupferd  

(Locusta viridissima) ziemlich ähnlich sah.

Zu den häufigsten Kerfen der nordturanischen Steppen gehörten die

Grillen. Eine schwarze Grille, wahrscheinlich unserer Feldgrille nahestehend  

(Gryllus campestis), bevölkerte zu Tausenden  den Steppenstreif

u. es erscholl mit Einbruch der Dunkelheit ihr durchdringendes Gezirpe

weit u. breit. Die Tiere fanden sich auch oft in unseren Wohnräumen

ein, wo dann auf die nächtlichen Sänger und Ruhestörer eifrig

Jagd gemacht wurde. Mich persönlich störte das Zirpen nie,

selbst wenn es knapp am Kopfende der Pritsche ertönte. Große Scharen von

Grillen fanden sich bei den nächtlichen Steppenbeleuchtungen, die

ich öfters zwecks Insektenfang veranstaltete, ein;  ihre Neugier u. Frechheit

war sehr groß; sie sprangen mit gewaltigen Sätzen gegen die Lampen

und das untergebreitete Papier, bis man sich tatsächlich vor lauter Grillen

nicht mehr auskannte. Sehr oft erschienen auch in ihrer Gesellschaft

Maulwurfsgrillen, die wohl mit unserer deutschen Art (Gryllotalpa

vulgaris) identisch sind u. zu den häufigsten, nächtlichen

Steppenbewohnern zählten.

Unsere in der Heimat so häufigen, gemeinen Ohrwürmer sah ich in  

Turkestan niemals; ein einzigesmal kam mir ein großer Vertreter der

Familie, ein über 3 cm langer, dunkelbrauner Ohrwurm zu Gesicht.

Wenn auch die Fauna der Netzflügler u. Kaukerfe Nordturkestans

von den entsprechenden deutschen Faunen in vielen Beziehungen

beträchtlich abweicht, so dürfte sie mit wenigen Ausnahmen nichts

Besonderes bieten u. sich im Großen und Ganzen an die Neuropteren- u. Orthopterenfauna

der Mittelmeerländer u. der süd-osteuropäischen Steppengebiete

anschließen. Für einen Mitteleuropäer auffällige Erscheinungen

sind die Massenvorkommen von Ameisenlöwen, Libellen,  Wanderheuschrecken

u. Grillen, weiters das Auftreten fremdartiger Formen, wie den

Fangheuschrecken, Stabheuschrecken u. behelmten Schwarzheuschrecken,

sowie das beinahe gänzliche Fehlen unserer grünen Heupferdchen (Locustidae).



 

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Von der bei uns so auffallenden u. artenreichen Familie der Laubheuschrecken

(Locustidae) sah ich in beiden in Nordturkestan zugebrachten Sommern

bloß ein einzigesmal eine große grüne Art, die unserem grünen Heupferd  

(Locusta viridissima) ziemlich ähnlich sah.

Zu den häufigsten Kerfen der nordturanischen Steppen gehörten die

Grillen. Eine schwarze Grille, wahrscheinlich unserer Feldgrille nahestehend  

(Gryllus campestis), bevölkerte zu Tausenden  den Steppenstreif

u. es erscholl mit Einbruch der Dunkelheit ihr durchdringendes Gezirpe

weit u. breit. Die Tiere fanden sich auch oft in unseren Wohnräumen

ein, wo dann auf die nächtlichen Sänger und Ruhestörer eifrig

Jagd gemacht wurde. Mich persönlich störte das Zirpen nie,

selbst wenn es knapp am Kopfende der Pritsche ertönte. Große Scharen von

Grillen fanden sich bei den nächtlichen Steppenbeleuchtungen, die

ich öfters zwecks Insektenfang veranstaltete, ein;  ihre Neugier u. Frechheit

war sehr groß; sie sprangen mit gewaltigen Sätzen gegen die Lampen

und das untergebreitete Papier, bis man sich tatsächlich vor lauter Grillen

nicht mehr auskannte. Sehr oft erschienen auch in ihrer Gesellschaft

Maulwurfsgrillen, die wohl mit unserer deutschen Art (Gryllotalpa

vulgaris) identisch sind u. zu den häufigsten, nächtlichen

Steppenbewohnern zählten.

Unsere in der Heimat so häufigen, gemeinen Ohrwürmer sah ich in  

Turkestan niemals; ein einzigesmal kam mir ein großer Vertreter der

Familie, ein über 3 cm langer, dunkelbrauner Ohrwurm zu Gesicht.

Wenn auch die Fauna der Netzflügler u. Kaukerfe Nordturkestans

von den entsprechenden deutschen Faunen in vielen Beziehungen

beträchtlich abweicht, so dürfte sie mit wenigen Ausnahmen nichts

Besonderes bieten u. sich im Großen und Ganzen an die Neuropteren- u. Orthopterenfauna

der Mittelmeerländer u. der süd-osteuropäischen Steppengebiete

anschließen. Für einen Mitteleuropäer auffällige Erscheinungen

sind die Massenvorkommen von Ameisenlöwen, Libellen,  Wanderheuschrecken

u. Grillen, weiters das Auftreten fremdartiger Formen, wie den

Fangheuschrecken, Stabheuschrecken u. behelmten Schwarzheuschrecken,

sowie das beinahe gänzliche Fehlen unserer grünen Heupferdchen (Locustidae).



 


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  • August 11, 2018 14:42:45 Beate Jochem

    45

    Von der bei uns so auffallenden u. artenreichen Familie der Laubheuschrecken

    (Locustidae) sah ich in beiden in Nordturkestan zugebrachten Sommern

    bloß ein einzigesmal eine große grüne Art, die unserem grünen Heupferd  

    (Locusta viridissima) ziemlich ähnlich sah.

    Zu den häufigsten Kerfen der nordturanischen Steppen gehörten die

    Grillen. Eine schwarze Grille, wahrscheinlich unserer Feldgrille nahestehend  

    (Gryllus campestis), bevölkerte zu Tausenden  den Steppenstreif

    u. es erscholl mit Einbruch der Dunkelheit ihr durchdringendes Gezirpe

    weit u. breit. Die Tiere fanden sich auch oft in unseren Wohnräumen

    ein, wo dann auf die nächtlichen Sänger und Ruhestörer eifrig

    Jagd gemacht wurde. Mich persönlich störte das Zirpen nie,

    selbst wenn es knapp am Kopfende der Pritsche ertönte. Große Scharen von

    Grillen fanden sich bei den nächtlichen Steppenbeleuchtungen, die

    ich öfters zwecks Insektenfang veranstaltete, ein;  ihre Neugier u. Frechheit

    war sehr groß; sie sprangen mit gewaltigen Sätzen gegen die Lampen

    und das untergebreitete Papier, bis man sich tatsächlich vor lauter Grillen

    nicht mehr auskannte. Sehr oft erschienen auch in ihrer Gesellschaft

    Maulwurfsgrillen, die wohl mit unserer deutschen Art (Gryllotalpa

    vulgaris) identisch sind u. zu den häufigsten, nächtlichen

    Steppenbewohnern zählten.

    Unsere in der Heimat so häufigen, gemeinen Ohrwürmer sah ich in  

    Turkestan niemals; ein einzigesmal kam mir ein großer Vertreter der

    Familie, ein über 3 cm langer, dunkelbrauner Ohrwurm zu Gesicht.

    Wenn auch die Fauna der Netzflügler u. Kaukerfe Nordturkestans

    von den entsprechenden deutschen Faunen in vielen Beziehungen

    beträchtlich abweicht, so dürfte sie mit wenigen Ausnahmen nichts

    Besonderes bieten u. sich im Großen und Ganzen an die Neuropteren- u. Orthopterenfauna

    der Mittelmeerländer u. der süd-osteuropäischen Steppengebiete

    anschließen. Für einen Mitteleuropäer auffällige Erscheinungen

    sind die Massenvorkommen von Ameisenlöwen, Libellen,  Wanderheuschrecken

    u. Grillen, weiters das Auftreten fremdartiger Formen, wie den

    Fangheuschrecken, Stabheuschrecken u. behelmten Schwarzheuschrecken,

    sowie das beinahe gänzliche Fehlen unserer grünen Heupferdchen (Locustidae).



     

  • August 11, 2018 14:39:14 Beate Jochem

    45

    Von der bei uns so auffallenden u. artenreichen Familie der Laubheuschrecken

    (Locustidae) sah ich in beiden in Nordturkestan zugebrachten Sommern

    bloß ein einzigesmal eine große grüne Art, die unserem grünen Heupferd  

    (Locusta viridissima) ziemlich ähnlich sah.

    Zu den häufigsten Kerfen der nordturanischen Steppen gehörten die

    Grillen. Eine schwarze Grille, wahrscheinlich unserer Feldgrille nahestehend  

    (Gryllus campestis), bevölkerte zu Tausenden  den Steppenstreif

    u. es erscholl mit Einbruch der Dunkelheit ihr durchdringendes Gezirpe

    weit u. breit. Die Tiere fanden sich auch oft in unseren Wohnräumen

    ein, wo dann auf die nächtlichen Sänger und Ruhestörer eifrig

    Jagd gemacht wurde. Mich persönlich störte das Zirpen nie,

    selbst wenn es knapp am Kopfende der Pritsche ertönte. Große Scharen von

    Grillen fanden sich bei den nächtlichen Steppenbeleuchtungen, die

    ich öfters zwecks Insektenfang veranstaltete, ein;  ihre Neugier u. Frechheit

    war sehr groß; sie sprangen mit gewaltigen Sätzen gegen die Lampen

    und das untergebreitete Papier, bis man sich tatsächlich vor lauter Grillen

    nicht mehr auskannte. Sehr oft erschienen auch in ihrer Gesellschaft

    Maulwurfsgrillen, die wohl mit unserer deutschen Art (Gryllotalpa

    vulgaris) identisch sind u. zu den häufigsten, nächtlichen

    Steppenbewohnern zählten.

    Unsere in der Heimat so kräftigen, gemeinen Ohrwürmer sah ich in  Turkestan niemals; ein einzigesmal kam mir ein großer Vertreter der Familie, ein über 3cm langer, dunkelbrauner Ohrwurm zu Gesicht. Wenn auch die Fauna der Netzflügler u. Kaukerfe Nordturkestans von den entsprechenden deutschen Faunen beträ in vielen Beziehungen beträchtlich abweicht, so dürfte sie mit wenigen Ausnahmen nichts Besonderes bieten u. sich im Großen und Ganzen an die Neuropteren- u. Orthopterenfauna der Mittelmeerländer u. der süd-osteuropäischen Steppengebiete anschließen. Für einen Mitteleuropäer auffällige Erscheinungen sind die Massenvorkommen von Ameisenlöwen, Libellen,  Wanderheuschrecken u. Grillen, weiters das Auftreten fremdartiger Formen, wie den Fangheuschrecken, Stabheuschrecken u. behelmten Schwarzheuschrecken, sowie das beinahe gänzliche Fehlen unserer grünen Heupferdchen (Locustidae).



     


  • March 1, 2017 20:25:36 Isabella Kollmann

    45

    Von der bei uns so auffallenden u. artenreichen Familie der Laubheuschrecken (Locustidae) sah ich in beiden in Nordturkestan zugebrachten Sommern bloß ein einzigesmal eine große grüne Art, die unserem grünen Heupferd  (Locusta viridissima) ziemlich ähnlich sah.

    Zu den häufigsten Kerfen der nordturanischen Steppen gehörten die Grillen. Eine schwarze Grille, wahrscheinlich unserer Feldgrille nahestehend  (Gryllus campestis), bevölkerte zu Tausenden  den Steppenstreif u. es erscholl mit Einbruch der Dunkelheit ihr durchdringendes Gezirpe weit u. breit. Die Tiere fanden sich auch oft in unseren Wohnräumen ein, wo dann auf die nächtlichen Sänger und Ruhestörer eifrig Jagd gemacht wurde. Mich persönlich störte das Zirpen nie, selbst wenn es knapp am Kopfende der Pritsche ertönte. Große Scharen von Grillen fanden sich bei den nächtlichen Steppenbeleuchtungen, die ich öfters zwecks Insektenfang veranstaltete, ein; sie sprangen mit gewaltigen Sätzen gegen die Lampen und das untergebreitete Papier, bis man sich tatsächlich vor lauter Grillen nicht mehr auskannte. Sehr oft erschienen auch zu in ihrer Gesellschaft Maulwurfsgrillen, die wohl mit unserer deutschen Art (Gryllotalpa vulgaris) identisch sind u. zu den häufigsten, nächtlichen Steppenbewohnern zählten.

    Unsere in der Heimat so kräftigen, gemeinen Ohrwürmer sah ich in  Turkestan niemals; ein einzigesmal kam mir ein großer Vertreter der Familie, ein über 3cm langer, dunkelbrauner Ohrwurm zu Gesicht. Wenn auch die Fauna der Netzflügler u. Kaukerfe Nordturkestans von den entsprechenden deutschen Faunen beträ in vielen Beziehungen beträchtlich abweicht, so dürfte sie mit wenigen Ausnahmen nichts Besonderes bieten u. sich im Großen und Ganzen an die Neuropteren- u. Orthopterenfauna der Mittelmeerländer u. der süd-osteuropäischen Steppengebiete anschließen. Für einen Mitteleuropäer auffällige Erscheinungen sind die Massenvorkommen von Ameisenlöwen, Libellen,  Wanderheuschrecken u. Grillen, weiters das Auftreten fremdartiger Formen, wie den Fangheuschrecken, Stabheuschrecken u. behelmten Schwarzheuschrecken, sowie das beinahe gänzliche Fehlen unserer grünen Heupferdchen (Locustidae).

     

     

     


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    Kriegsgefangenenlager Perowsk

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F&F
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