Kleiber Manuskript 06 - Käfer und Schmetterlinge, item 42

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übrigen Feldheuschrecken wiesen natürlich abgesehen von Größe und Färbungsunterschieden

einen ziemlichen einheitlichen Typus auf u. bildeten

eine der charakteristischsten  u. zahlreichsten  Insektengruppen. Die wichtigste

u. größte, zugleich auch schädlichste Art war die über ganz

Südosteuropa, Vorder- u. Zentralasien verbreitete echte Wanderheuschrecke 

(Pachytulus migratorius, Taf. XXV/1.), deren mir aus der Naturgeschichte

der Schuljahre wohlbekannten Wanderzüge ich das erste Mal in

Turkestan zu sehen bekam. In Perowsk erschienen in den Jahren 1915 u.

16 von ca. Anfang Juli bis Ende August einige, bald größere, bald

kleinere Züge dieser gefräßigen Insekten. Schon einige Zeit vorher bemerkte

ich Einzelindividuen in der Ufersteppe, solche hielten sich auch

dort als Nachzügler bis in den Herbst. Das Jahr 1916 mußte ein ziemlich

starkes Heuschreckenjahr gewesen sein, da die Tiere in diesem Jahre

viel öfters u. in größeren Scharen erschienen, als im Vorjahre. Mehrere große

Züge giengen einigemal direkt über die Festung. Auf den Ruf "die

Sarantscha kommt!" eilte alles auf Hof und Wälle hinaus, um das interessante

Schauspiel zu betrachten. Von weitem sah man zunächst eine immer

dichter und dunkler erscheinende Wolke über den fernen Oasenbäumen

schweben, bei deren Näherkommen sich ein eigentümliches Rauschen bemerkbar

machte, welches immer stärker anschwoll. Bald erschienen die

Vortruppen in Form von kleinen Zügen nur je ein paar Hundert Tiere

zählend über der Festung, denen in kürzeren oder längeren Pausen der 

Hauptzug folgte; die Nachhuten flogen oft noch einige Tage nach dem

Hauptzuge. Auch außerhalb der Festung sah man über der Oase verschiedene

Teilzüge fliegen; alle Züge waren stets ungefähr von S.O. nach N.W.,

also vom Karatau zur Kysil-Kum, gerichtet u. wurde die Syr-Darja

in der Nähe der Festung überflogen. Wurden die Tiere von der Dämmerung

überrascht, so ließen sie sich in der Steppe nieder, um am nächsten Tage die

Reise fortzusetzen. Wohl durch das Geschrei u. den Lärm in der Festung

konfus gemacht oder auch aus Ruhebedürfnis ließen sich zahlreiche

Wanderheuschrecken im Hofe und in der Ufersteppe nieder, wo sie

eifrig gejagt wurden. Obwohl sie auch im Zuge ziemlich niedrig flogen,

so daß ein Teil vom Boden aus mit Stöcken gut erreichbar war, so

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übrigen Feldheuschrecken wiesen natürlich abgesehen von Größe und Färbungsunterschieden

einen ziemlichen einheitlichen Typus auf u. bildeten

eine der charakteristischsten  u. zahlreichsten  Insektengruppen. Die wichtigste

u. größte, zugleich auch schädlichste Art war die über ganz

Südosteuropa, Vorder- u. Zentralasien verbreitete echte Wanderheuschrecke 

(Pachytulus migratorius, Taf. XXV/1.), deren mir aus der Naturgeschichte

der Schuljahre wohlbekannten Wanderzüge ich das erste Mal in

Turkestan zu sehen bekam. In Perowsk erschienen in den Jahren 1915 u.

16 von ca. Anfang Juli bis Ende August einige, bald größere, bald

kleinere Züge dieser gefräßigen Insekten. Schon einige Zeit vorher bemerkte

ich Einzelindividuen in der Ufersteppe, solche hielten sich auch

dort als Nachzügler bis in den Herbst. Das Jahr 1916 mußte ein ziemlich

starkes Heuschreckenjahr gewesen sein, da die Tiere in diesem Jahre

viel öfters u. in größeren Scharen erschienen, als im Vorjahre. Mehrere große

Züge giengen einigemal direkt über die Festung. Auf den Ruf "die

Sarantscha kommt!" eilte alles auf Hof und Wälle hinaus, um das interessante

Schauspiel zu betrachten. Von weitem sah man zunächst eine immer

dichter und dunkler erscheinende Wolke über den fernen Oasenbäumen

schweben, bei deren Näherkommen sich ein eigentümliches Rauschen bemerkbar

machte, welches immer stärker anschwoll. Bald erschienen die

Vortruppen in Form von kleinen Zügen nur je ein paar Hundert Tiere

zählend über der Festung, denen in kürzeren oder längeren Pausen der 

Hauptzug folgte; die Nachhuten flogen oft noch einige Tage nach dem

Hauptzuge. Auch außerhalb der Festung sah man über der Oase verschiedene

Teilzüge fliegen; alle Züge waren stets ungefähr von S.O. nach N.W.,

also vom Karatau zur Kysil-Kum, gerichtet u. wurde die Syr-Darja

in der Nähe der Festung überflogen. Wurden die Tiere von der Dämmerung

überrascht, so ließen sie sich in der Steppe nieder, um am nächsten Tage die

Reise fortzusetzen. Wohl durch das Geschrei u. den Lärm in der Festung

konfus gemacht oder auch aus Ruhebedürfnis ließen sich zahlreiche

Wanderheuschrecken im Hofe und in der Ufersteppe nieder, wo sie

eifrig gejagt wurden. Obwohl sie auch im Zuge ziemlich niedrig flogen,

so daß ein Teil vom Boden aus mit Stöcken gut erreichbar war, so


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  • August 11, 2018 14:33:51 Beate Jochem

    übrigen Feldheuschrecken wiesen natürlich abgesehen von Größe und Färbungsunterschieden

    einen ziemlichen einheitlichen Typus auf u. bildeten

    eine der charakteristischsten  u. zahlreichsten  Insektengruppen. Die wichtigste

    u. größte, zugleich auch schädlichste Art war die über ganz

    Südosteuropa, Vorder- u. Zentralasien verbreitete echte Wanderheuschrecke 

    (Pachytulus migratorius, Taf. XXV/1.), deren mir aus der Naturgeschichte

    der Schuljahre wohlbekannten Wanderzüge ich das erste Mal in

    Turkestan zu sehen bekam. In Perowsk erschienen in den Jahren 1915 u.

    16 von ca. Anfang Juli bis Ende August einige, bald größere, bald

    kleinere Züge dieser gefräßigen Insekten. Schon einige Zeit vorher bemerkte

    ich Einzelindividuen in der Ufersteppe, solche hielten sich auch

    dort als Nachzügler bis in den Herbst. Das Jahr 1916 mußte ein ziemlich

    starkes Heuschreckenjahr gewesen sein, da die Tiere in diesem Jahre

    viel öfters u. in größeren Scharen erschienen, als im Vorjahre. Mehrere große

    Züge giengen einigemal direkt über die Festung. Auf den Ruf "die

    Sarantscha kommt!" eilte alles auf Hof und Wälle hinaus, um das interessante

    Schauspiel zu betrachten. Von weitem sah man zunächst eine immer

    dichter und dunkler erscheinende Wolke über den fernen Oasenbäumen

    schweben, bei deren Näherkommen sich ein eigentümliches Rauschen bemerkbar

    machte, welches immer stärker anschwoll. Bald erschienen die

    Vortruppen in Form von kleinen Zügen nur je ein paar Hundert Tiere

    zählend über der Festung, denen in kürzeren oder längeren Pausen der 

    Hauptzug folgte; die Nachhuten flogen oft noch einige Tage nach dem

    Hauptzuge. Auch außerhalb der Festung sah man über der Oase verschiedene

    Teilzüge fliegen; alle Züge waren stets ungefähr von S.O. nach N.W.,

    also vom Karatau zur Kysil-Kum, gerichtet u. wurde die Syr-Darja

    in der Nähe der Festung überflogen. Wurden die Tiere von der Dämmerung

    überrascht, so ließen sie sich in der Steppe nieder, um am nächsten Tage die

    Reise fortzusetzen. Wohl durch das Geschrei u. den Lärm in der Festung

    konfus gemacht oder auch aus Ruhebedürfnis ließen sich zahlreiche

    Wanderheuschrecken im Hofe und in der Ufersteppe nieder, wo sie

    eifrig gejagt wurden. Obwohl sie auch im Zuge ziemlich niedrig flogen,

    so daß ein Teil vom Boden aus mit Stöcken gut erreichbar war, so

  • August 11, 2018 14:31:37 Beate Jochem

    übrigen Feldheuschrecken wiesen natürlich abgesehen von Größe und Färbungsunterschieden

    einen ziemlichen einheitlichen Typus auf u. bildeten

    eine der charakteristischsten  u. zahlreichsten  Insektengruppen. Die wichtigste

    u. größte, zugleich auch schädlichste Art war die über ganz

    Südosteuropa, Vorder- u. Zentralasien verbreitete echte Wanderheuschrecke 

    (Pachytulus migratorius, Taf. XXV/1.), deren mir aus der Naturgeschichte

    der Schuljahre wohlbekannten Wanderzüge ich das erste Mal in

    Turkestan zu sehen bekam. In Perowsk erschienen in den Jahren 1915 u.

    16 von ca. Anfang Juli bis Ende August einige, bald größere, bald

    kleinere Züge dieser gefräßigen Insekten. Schon einige Zeit vorher bemerkte

    ich Einzelindividuen in der Ufersteppe, solche hielten sich auch

    dort als Nachzügler bis in den Herbst. Das Jahr 1916 mußte ein ziemlich

    starkes Heuschreckenjahr gewesen sein, da die Tiere in diesem Jahre

    viel öfters u. in größeren Scharen erschienen, als im Vorjahre. Mehrere große

    Züge giengen einigemal direkt über die Festung. Auf den Ruf "die

    Sarantscha kommt!" eilte alles auf Hof und Wälle hinaus, um das interessante

    Schauspiel zu betrachten. Von weitem sah man zunächst eine immer

    dichter und dunkler erscheinende Wolke über den fernen Oasenbäumen

    schweben, bei deren Näherkommen sich ein eigentümliches Rauschen bemerkbar

    machte, welches immer stärker anschwoll. Bald erschienen die

    Vortruppen in Form von kleinen Zügen nur je ein paar Hundert Tiere

    zählend über der Festung, denen in kürzeren oder längeren Pausen der  Hauptzug folgte; die Nachhuten flogen oft noch einige Tage nach dem Hauptzuge. Auch außerhalb der Festung sah man über der Oase verschiedene Teilzüge fliegen; alle Züge waren stets ungefähr von S.O. nach N.W., also vom Karatau zur Kysil-Kum, gerichtet u. wurde die Syr-Darja in der Nähe der Festung überflogen. Wurden die Tiere von der Dämmerung überrascht, so ließen sie sich in der Steppe nieder, um am nächsten Tage die Reise fortzusetzen. Wohl durch das Geschrei u. den Lärm in der Festung konfus gemacht oder auch aus Ruhebedürfnis ließen sich zahlreiche Wanderheuschrecken im Hofe und in der Ufersteppe nieder, wo sie eifrig gejagt wurden. Obwohl sie auch im Zuge ziemlich niedrig flogen, so daß ein Teil vom Boden aus mit Stöcken gut erreichbar war, so


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    Kriegsgefangenenlager Perowsk

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20841 / 235923
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F&F
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http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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