Kleiber Manuskript 06 - Käfer und Schmetterlinge, item 56

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56

so zahlreichen bunten Krabbenspinnen (Taf.    ) in Habitus u. Größe 

ziemlich gleichkamen; ebenso dürfte eine sehr hübsche kleine Spinne mit

seidenartigem, tiefschwarzem Körper u. nach Altwiener Art grellweiß u.

unregelmäßig gemustertem (Wiener Werkstätte!) Hinterleib den auf Taf.   

dargestellten Spinnen nahe verwandt sein. Sehr an die Heimat erinnert

wurde ich in den ersten frischen Herbsttagen durch die zahlreichen, in der

milden, reinen Steppenluft umfliegenden Marienfäden oder Altweibersommer,

die sich oft um die letzten Blütenrispen der Tamarisken oder die Stengel

der verschiedenen Chenopodien schlangen u. die wohl von den verschiedenen

Krabbenspinnen herrührten.

Nicht weniger unheimliche Tiere als die Falangen waren die Taranteln, von

denen mir zwei Arten zu Gesicht kamen. Die eine, eigentlich mehr an eine

tropische Vogelspinne erinnernde, riesige plumpe Art (Taf.    ) wurde

mir aus dem weiter flußabwärts gelegenen Mannschaftslager gebracht, doch

wurden mehrere Exemplare derselben Art später öfters am Hofe u. in den dortselbst

zahlreich umherstehenden u. von Kameraden bewohnten  Kirgisenjurten

gefangen. Das große, mir gebrachte Exemplar erwies sich beim Präparieren

als ein hochträchtiges Weibchen u. wurde eine Unmenge von Eiern aus

ihrem Hinterteil herausgedrückt;  die Männchen waren bedeutend kleiner,

weniger plump, hatten längere Beine u. etwas abweichende Färbung u. 

Zeichnung u. kamen dem Taranteltypus näher. Die zweite sich sehr der apulischen

Tarantel nähernde  Art wurde gleichfalls im Festungsrayon gefangen, zeigte

eine schlanke Gestalt u. wies am Hinterleib oben auf lichtem Grunde dunkle

Zeichnungen auf. Eine dieser letzteren Art sonst ganz ähnlich sehende Tarantel,

die in meinem Besitz kam, wurde aus dem Schlammgange der Pumpstation,

in den sie während ihrer nächtlichen Streifzüge gefallen war, tot herausgefischt

u. zeigte  eine gleichmäßige, weißgraue Behaarung ohne jede Zeichnung.

Ein Tarantelbiß oder seine Folgen wurde niemals beobachtet.

Was die dritte Ordnung der Spinnentiere, die Milben ( Acarina) betrifft,

so fand ich außer den gewöhnlichen Tiermilben (Vogelmilben, namentlich

aber Käfermilben auf Nashornkäfern u. Pentoden), vornehmlich Zecken.

Besonders häufig war eine beingelbe , zierlich braun gezeichnete, ziemlich große

harte Zecke, die zu gewissen Zeiten überall auf den Sträuchern zu sehen war (Taf.

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56

so zahlreichen bunten Krabbenspinnen (Taf.    ) in Habitus u. Größe 

ziemlich gleichkamen; ebenso dürfte eine sehr hübsche kleine Spinne mit

seidenartigem, tiefschwarzem Körper u. nach Altwiener Art grellweiß u.

unregelmäßig gemustertem (Wiener Werkstätte!) Hinterleib den auf Taf.   

dargestellten Spinnen nahe verwandt sein. Sehr an die Heimat erinnert

wurde ich in den ersten frischen Herbsttagen durch die zahlreichen, in der

milden, reinen Steppenluft umfliegenden Marienfäden oder Altweibersommer,

die sich oft um die letzten Blütenrispen der Tamarisken oder die Stengel

der verschiedenen Chenopodien schlangen u. die wohl von den verschiedenen

Krabbenspinnen herrührten.

Nicht weniger unheimliche Tiere als die Falangen waren die Taranteln, von

denen mir zwei Arten zu Gesicht kamen. Die eine, eigentlich mehr an eine

tropische Vogelspinne erinnernde, riesige plumpe Art (Taf.    ) wurde

mir aus dem weiter flußabwärts gelegenen Mannschaftslager gebracht, doch

wurden mehrere Exemplare derselben Art später öfters am Hofe u. in den dortselbst

zahlreich umherstehenden u. von Kameraden bewohnten  Kirgisenjurten

gefangen. Das große, mir gebrachte Exemplar erwies sich beim Präparieren

als ein hochträchtiges Weibchen u. wurde eine Unmenge von Eiern aus

ihrem Hinterteil herausgedrückt;  die Männchen waren bedeutend kleiner,

weniger plump, hatten längere Beine u. etwas abweichende Färbung u. 

Zeichnung u. kamen dem Taranteltypus näher. Die zweite sich sehr der apulischen

Tarantel nähernde  Art wurde gleichfalls im Festungsrayon gefangen, zeigte

eine schlanke Gestalt u. wies am Hinterleib oben auf lichtem Grunde dunkle

Zeichnungen auf. Eine dieser letzteren Art sonst ganz ähnlich sehende Tarantel,

die in meinem Besitz kam, wurde aus dem Schlammgange der Pumpstation,

in den sie während ihrer nächtlichen Streifzüge gefallen war, tot herausgefischt

u. zeigte  eine gleichmäßige, weißgraue Behaarung ohne jede Zeichnung.

Ein Tarantelbiß oder seine Folgen wurde niemals beobachtet.

Was die dritte Ordnung der Spinnentiere, die Milben ( Acarina) betrifft,

so fand ich außer den gewöhnlichen Tiermilben (Vogelmilben, namentlich

aber Käfermilben auf Nashornkäfern u. Pentoden), vornehmlich Zecken.

Besonders häufig war eine beingelbe , zierlich braun gezeichnete, ziemlich große

harte Zecke, die zu gewissen Zeiten überall auf den Sträuchern zu sehen war (Taf.


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  • August 11, 2018 16:09:01 Beate Jochem

    56

    so zahlreichen bunten Krabbenspinnen (Taf.    ) in Habitus u. Größe 

    ziemlich gleichkamen; ebenso dürfte eine sehr hübsche kleine Spinne mit

    seidenartigem, tiefschwarzem Körper u. nach Altwiener Art grellweiß u.

    unregelmäßig gemustertem (Wiener Werkstätte!) Hinterleib den auf Taf.   

    dargestellten Spinnen nahe verwandt sein. Sehr an die Heimat erinnert

    wurde ich in den ersten frischen Herbsttagen durch die zahlreichen, in der

    milden, reinen Steppenluft umfliegenden Marienfäden oder Altweibersommer,

    die sich oft um die letzten Blütenrispen der Tamarisken oder die Stengel

    der verschiedenen Chenopodien schlangen u. die wohl von den verschiedenen

    Krabbenspinnen herrührten.

    Nicht weniger unheimliche Tiere als die Falangen waren die Taranteln, von

    denen mir zwei Arten zu Gesicht kamen. Die eine, eigentlich mehr an eine

    tropische Vogelspinne erinnernde, riesige plumpe Art (Taf.    ) wurde

    mir aus dem weiter flußabwärts gelegenen Mannschaftslager gebracht, doch

    wurden mehrere Exemplare derselben Art später öfters am Hofe u. in den dortselbst

    zahlreich umherstehenden u. von Kameraden bewohnten  Kirgisenjurten

    gefangen. Das große, mir gebrachte Exemplar erwies sich beim Präparieren

    als ein hochträchtiges Weibchen u. wurde eine Unmenge von Eiern aus

    ihrem Hinterteil herausgedrückt;  die Männchen waren bedeutend kleiner,

    weniger plump, hatten längere Beine u. etwas abweichende Färbung u. 

    Zeichnung u. kamen dem Taranteltypus näher. Die zweite sich sehr der apulischen

    Tarantel nähernde  Art wurde gleichfalls im Festungsrayon gefangen, zeigte

    eine schlanke Gestalt u. wies am Hinterleib oben auf lichtem Grunde dunkle

    Zeichnungen auf. Eine dieser letzteren Art sonst ganz ähnlich sehende Tarantel,

    die in meinem Besitz kam, wurde aus dem Schlammgange der Pumpstation,

    in den sie während ihrer nächtlichen Streifzüge gefallen war, tot herausgefischt

    u. zeigte  eine gleichmäßige, weißgraue Behaarung ohne jede Zeichnung.

    Ein Tarantelbiß oder seine Folgen wurde niemals beobachtet.

    Was die dritte Ordnung der Spinnentiere, die Milben ( Acarina) betrifft,

    so fand ich außer den gewöhnlichen Tiermilben (Vogelmilben, namentlich

    aber Käfermilben auf Nashornkäfern u. Pentoden), vornehmlich Zecken.

    Besonders häufig war eine beingelbe , zierlich braun gezeichnete, ziemlich große

    harte Zecke, die zu gewissen Zeiten überall auf den Sträuchern zu sehen war (Taf.

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