Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 35
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Seite 930 Champagne-Kriegszeitung Nr. 145
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Innern Afrikas, wiederholt eine wahre Hungersnot geherrscht
habe. Unsere Heeresverwaltung hat dafür Sorge getragen, daß
trotz der Knappheit in der Heimat für das Heer jederzeit eine
auskömmliche Menge von Lebensmitteln bereit gestellt war und
daß sie durch die Feldküchen, wiederum eine kostspielige Neu-
heit dieses Krieges, möglichst bequem und schmackhaft zu-
bereitet wurde. Auch die Einrichtungen unseres Sanitätsdienstes,
bei welchem ohne Rücksicht auf Kosten alle Errungenschaften
der Wissenschaft verwertet werden, sind denjenigen der feind-
lichen Heere überlegen, wie der hohe Prozentsatz der Geheilten
beweist und von unparteiischen Sachverständigen allgemein an-
erkannt wird. Außerordentlich große Beträge erfordern die
Fürsorge für die Familien der Kriegsteilnehmer, die Kriegsver-
letzten und die Hinterbliebenen, welche weit über die Leistungen
anläßlich des Krieges 1870/71 hinausgehen.
Neben dieser Fürsorge im großen, sind im Stellungskriege
vonseiten der Heeresleitung Veranstaltungen zur Pflege des
leiblichen und geistigen Wohles der Mannschaften getroffen, wie
Badeeinrichtungen, Lesezimmer, Kinotheater, Sportplätze u. dergl.
Zu den Ausgaben, welche aus der Kriegsanleihe bestritten
werden müssen, gehören aber nicht nur die Kosten des Land-
heeres, sondern auch die unserer Marine. Es ist das erste
Mal in der deutschen Geschichte, daß wir einen Seekrieg führen,
dazu noch gleichzeitig einen Krieg zu Lande; unserer Marine
ist es gelungen, nicht nur die heimischen Küsten vor den An-
griffen eines übermächtigen Feindes zu beschützen, sondern
auch in glorreichen Taten den "Beherrschern aller Meere", den
Engländern, empfindliche Schläge zu versetzen. Hierzu war
erforderlich, daß während Kriegsdauer fortgesetzt neue Schiffe
gebaut, und mit dem besten Material, Panzer, Geschütze usw.
ausgerüstet wurden, dessen Überlegenheit in der Schlacht vor dem
Skagerrak sich so glanzvoll erwiesen hat. Eine besondere Bedeu-
tung haben die U-Boote erlangt, deren Zahl während des Krieges
sich um ein Vielfaches erhöht hat; während die Zahl der deutschen
U-Boote auf 28 vor dem Kriege angegeben ist, war bereits Anfang
1916 im amtlichen deutschen Bericht ein U-Boot 150 erwähnt.
Der vorstehende kurze Überblick ruft in Erinnerung, wie
gewaltig die Ansprüche sind, die an die Finanzkraft des deut-
schen Reiches im Kriege gestellt werden. Alle aufgezählten
Aufwendungen sind, wie keiner Ausführung bedarf, unbedingt
notwendig, um Armee und Marine schlagfertig zu erhalten und
sie in den Stand zu setzen, weitere Siege und damit den er-
sehnten Frieden zu erringen. Je stärker die finanzielle Kraft
eingesetzt wird, desto kräftiger und schneller fallen die Schläge,
welche uns zu diesem Ziele hinführen. Umgekehrt würde jede
Ermüdung in der finanziellen Unterstützung unserer Heeres-
leitung einen Triumph der Feinde bedeuten, welche uns durch
finanzielle und wirtschaftliche Erschöpfung niederringen zu
können glauben, da sie uns militärisch nicht zu besiegen vermögen.
Deshalb trägt jeder, der Kriegsanleihe zeichnet, und damit zu
seinem Teile einen neuen Beweis der ungeschwächten und
unerschöpfbaren wirtschaftlichen Kraft des deutschen Volkes
gibt, nicht zur Verlängerung, sondern zur Abkürzung des
Krieges bei. Es erscheint nicht überflüssig, diesen Gesichts-
punkt besonders hervorzuheben, nachdem merkwürdiger Weise
hierüber falsche Vorstellungen zu Tage getreten sind. Da kein
Deutscher daran denkt, die Waffen niederzulegen, bevor unsere
Gegner zu einem annehmbaren Frieden bereit sind, müssen
notwendiger Weise auch die zur Fortsetzung des Krieges er-
forderlichen Geldmittel beschafft werden, am besten, wie später
noch dargelegt werden soll, durch Zeichnung der Kriegsanleihe.
Nur ein völlig Gedankenloser kann deshalb annehmen, daß er
zur Abkürzung des Krieges beiträgt, wenn er sich an der
Zeichnung der Kriegsanleihe nicht beteiligt.
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Der hohe Kragen.
Mein Kamerad Wohlleben ist eitel. Selbst im feldgrauen
Rock kann er seine Eitelkeit nicht vergessen. Er muß immer
etwas besonderes haben. "Einen Angelhaken", wie er selber sagt.
Als wir noch zusammen vorne lagen, schlecht und recht
wie jeder Muskote, schippten und schanzten und Posten standen,
da waren "Wohllebens Angelhaken" ein paar braune Glacéhand-
schuhe. "Wohlleben schanzt in Glacanten" ulkten die Kameraden,
"das ist feiner". Aber das focht ihn nicht weiter an. "Einen
Rest von Eleganz kann ich nicht entbehren" sagte er einfach,
und schleppte weiter in Glacéhandschuhen Sandsäcke. — Dann
trug Wohlleben eine Zeit lang Lackschuhe und schneuzte sich
in seidenen Tüchern. Die Tücher wurden mit der Zeit "schützen-
grabenmäßig", daß sie fast nicht mehr wie Seide aussahen,
sondern wie alte, verknüllte Lumpen. Aber es blieb immer-
hin Seide.
Unlängst wurde Wohlleben als Schreiber abkommandiert.
Er dachte: "Ich werde Wert auf meinen äußeren Menschen
legen müssen; ich werde einen neuen Angelhaken finden!"
Dem Entschluß folgte die Tat. Wohlleben ließ sich einen hohen
Kragen auf den Rock nähen! Der Erfolg war fabelhaft. Wohl-
leben schwelgte, nichts mehr und nichts weniger. Er war ent-
zückt, bezaubert von sich selbst. Er war fast in sich verliebt.
Wenn er durch den Graben ging, so schlug jedermann die
Hacken zusammen. Selbst Unteroffiziere verkannten ihn und
grüßten ihn als Offizier. "Gott noch mal, wenn man so chic
ist," dachte Wohlleben und besah seine allerdings mitgenommenen
Lackschuhe, sein seidenes Sacktuch und den höchsten Stolz:
den hohen Kragen. Na, und überhaupt, wer weiß, in ein paar
Wochen, es ist doch Krieg und man ist tüchtig ...
Der erste Tag im hohen Kragen verlief äußerst befriedigend,
ehrenvoll mit Hackenschlagen, Strammstehen und korrekten
Ehrenbezeugungen. Aber einmal hatte er doch ganz deutlich
hinter sich gehört: "So'n Lackel!" Das gab zu denken!
Am nächsten Tag ging er nicht mehr so selbstbewußt wie
am ersten. Ja, als wieder einmal ein Kamerad dem "Offizier"
eine besonders schneidige Ehrenbezeugung gemacht, fühlte er
sich verpflichtet zu sagen: "Danke, laß nur, wir sind Kameraden."
Der aber schrie: "Nee, dank’ schön, so'n Pinsel als Kamerad
is nich'." Wohlleben sagte bei sich: "Welch ein Flegel! Ich
werde korrekter sein." Er ließ grüßen, was grüßte. Hinterher
hörte er oft dann verdächtige Worte reden und schreien. Aber
ein grober Mensch, an dem er vorbeigegangen und der die
Hacken zusammengeschlagen und dem er nicht gedankt hatte, kam
hinter ihm hergerannt und versetzte ihm wortlos eine mächtige
Maulschelle. — Die brannte! — Wohlleben traten die Augen
fast vor den Kopf. Er war völlig verändert. Dazu schwoll die
Backe wie ein roter Pilz. Er fraß eimerweise Wut in sich hinein.
Am Abend ließ er sich beim Schneider den hohen Kragen ab-
nehmen. Dem erstaunten Mann antwortete er: "Ich habe Zahn-
schmerzen!" — Der aber verstand ihn nicht! —
Gefr. O. F. Elverfeld.
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Ein edles Paar.
Bei Beginn des dritten Kriegsjahres haben es sich auch
Joffre und Asquith nicht nehmen lassen, der Welt zu ver-
künden, was sie von der Kriegslage halten. Was sie gesagt
haben, kennzeichnet zwar nicht die wahre Lage, wohl aber
wieder einmal die Persönlichkeit der Redenden und ergänzt
das Bild, das man schon aus früheren Äußerungen von ihnen
gewonnen hat. Diese beiden erbitterten und hartnäckigen Feinde
kann man grob, aber kurz, so kennzeichnen: Joffre lügt, Asquith
schimpft. Joffre hat schon in seinem diesjährigen Neujahrs-
erlaß an seine Truppen sich in dieser Richtung ausgezeichnet,
wo er den französischen Soldaten erzählte, durch die Schlachten
in der Champagne hätten sie dem Feind "gewaltige Niederlagen"
beigebracht, während er in seinem bekannten Armeebefehl vom
September 1915 gesagt hatte, daß das unbedingt zu erreichende
Ziel des bevorstehenden Angriffs sei "sowohl unsere seit 12 Monaten
unterjochten Volksgenossen zu befreien, als auch dem Feind den
wertvollen Besitz unserer besetzten Gebiete zu entreißen." Und jetzt
sagt er neben anderen Unwahrheiten, die französische Heeresleitung
habe zuverlässige Nachrichten, daß Deutschlands Reserven
völlig erschöpft seien. Das ist nicht nur eine Unwahrheit, denn
entweder hat Joffre k e i n e zuverlässige Nachrichten, oder, wenn
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Seite 930 Champagne-Kriegszeitung Nr. 145
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Innern Afrikas, wiederholt eine wahre Hungersnot geherrscht
habe. Unsere Heeresverwaltung hat dafür Sorge getragen, daß
trotz der Knappheit in der Heimat für das Heer jederzeit eine
auskömmliche Menge von Lebensmitteln bereit gestellt war und
daß sie durch die Feldküchen, wiederum eine kostspielige Neu-
heit dieses Krieges, möglichst bequem und schmackhaft zu-
bereitet wurde. Auch die Einrichtungen unseres Sanitätsdienstes,
bei welchem ohne Rücksicht auf Kosten alle Errungenschaften
der Wissenschaft verwertet werden, sind denjenigen der feind-
lichen Heere überlegen, wie der hohe Prozentsatz der Geheilten
beweist und von unparteiischen Sachverständigen allgemein an-
erkannt wird. Außerordentlich große Beträge erfordern die
Fürsorge für die Familien der Kriegsteilnehmer, die Kriegsver-
letzten und die Hinterbliebenen, welche weit über die Leistungen
anläßlich des Krieges 1870/71 hinausgehen.
Neben dieser Fürsorge im großen, sind im Stellungskriege
vonseiten der Heeresleitung Veranstaltungen zur Pflege des
leiblichen und geistigen Wohles der Mannschaften getroffen, wie
Badeeinrichtungen, Lesezimmer, Kinotheater, Sportplätze u. dergl.
Zu den Ausgaben, welche aus der Kriegsanleihe bestritten
werden müssen, gehören aber nicht nur die Kosten des Land-
heeres, sondern auch die unserer Marine. Es ist das erste
Mal in der deutschen Geschichte, daß wir einen Seekrieg führen,
dazu noch gleichzeitig einen Krieg zu Lande; unserer Marine
ist es gelungen, nicht nur die heimischen Küsten vor den An-
griffen eines übermächtigen Feindes zu beschützen, sondern
auch in glorreichen Taten den "Beherrschern aller Meere", den
Engländern, empfindliche Schläge zu versetzen. Hierzu war
erforderlich, daß während Kriegsdauer fortgesetzt neue Schiffe
gebaut, und mit dem besten Material, Panzer, Geschütze usw.
ausgerüstet wurden, dessen Überlegenheit in der Schlacht vor dem
Skagerrak sich so glanzvoll erwiesen hat. Eine besondere Bedeu
tung haben die U-Boote erlangt, deren Zahl während des Krieges
sich um ein Vielfaches erhöht hat; während die Zahl der deutschen
U-Boote auf 28 vor dem Kriege angegeben ist, war bereits Anfang
1916 im amtlichen deutschen Bericht ein U-Boot 150 erwähnt.
Der vorstehende kurze Überblick ruft in Erinnerung, wie
gewaltig die Ansprüche sind, die an die Finanzkraft des deut-
schen Reiches im Kriege gestellt werden. Alle aufgezählten
Aufwendungen sind, wie keiner Ausführung bedarf, unbedingt
notwendig, um Armee und Marine schlagfertig zu erhalten und
sie in den Stand zu setzen, weitere Siege und damit den er-
sehnten Frieden zu erringen. Je stärker die finanzielle Kraft
eingesetzt wird, desto kräftiger und schneller fallen die Schläge,
welche uns zu diesem Ziele hinführen. Umgekehrt würde jede
Ermüdung in der finanziellen Unterstützung unserer Heeres-
leitung einen Triumph der Feinde bedeuten, welche uns durch
finanzielle und wirtschaftliche Erschöpfung niederringen zu
können glauben, da sie uns militärisch nicht zu besiegen vermögen.
Deshalb trägt jeder, der Kriegsanleihe zeichnet, und damit zu
seinem Teile einen neuen Beweis der ungeschwächten und
unerschöpfbaren wirtschaftlichen Kraft des deutschen Volkes
gibt, nicht zur Verlängerung, sondern zur Abkürzung des
Krieges bei. Es erscheint nicht überflüssig, diesen Gesichts-
punkt besonders hervorzuheben, nachdem merkwürdiger Weise
hierüber falsche Vorstellungen zu Tage getreten sind. Da kein
Deutscher daran denkt, die Waffen niederzulegen, bevor unsere
Gegner zu einem annehmbaren Frieden bereit sind, müssen
notwendiger Weise auch die zur Fortsetzung des Krieges er-
forderlichen Geldmittel beschafft werden, am besten, wie später
noch dargelegt werden soll, durch Zeichnung der Kriegsanleihe.
Nur ein völlig Gedankenloser kann deshalb annehmen, daß er
zur Abkürzung des Krieges beiträgt, wenn er sich an der
Zeichnung der Kriegsanleihe nicht beteiligt.
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Der hohe Kragen.
Mein Kamerad Wohlleben ist eitel. Selbst im feldgrauen
Rock kann er seine Eitelkeit nicht vergessen. Er muß immer
etwas besonderes haben. "Einen Angelhaken", wie er selber sagt.
Als wir noch zusammen vorne lagen, schlecht und recht
wie jeder Muskote, schippten und schanzten und Posten standen,
da waren "Wohllebens Angelhaken" ein paar braune Glacéhand-
schuhe. "Wohlleben schanzt in Glacanten" ulkten die Kameraden,
"das ist feiner". Aber das focht ihn nicht weiter an. "Einen
Rest von Eleganz kann ich nicht entbehren" sagte er einfach,
und schleppte weiter in Glacéhandschuhen Sandsäcke. — Dann
trug Wohlleben eine Zeit lang Lackschuhe und schneuzte sich
in seidenen Tüchern. Die Tücher wurden mit der Zeit "schützen-
grabenmäßig", daß sie fast nicht mehr wie Seide aussahen,
sondern wie alte, verknüllte Lumpen. Aber es blieb immer-
hin Seide.
Unlängst wurde Wohlleben als Schreiber abkommandiert.
Er dachte: "Ich werde Wert auf meinen äußeren Menschen
legen müssen; ich werde einen neuen Angelhaken finden!"
Dem Entschluß folgte die Tat. Wohlleben ließ sich einen hohen
Kragen auf den Rock nähen! Der Erfolg war fabelhaft. Wohl-
leben schwelgte, nichts mehr und nichts weniger. Er war ent-
zückt, bezaubert von sich selbst. Er war fast in sich verliebt.
Wenn er durch den Graben ging, so schlug jedermann die
Hacken zusammen. Selbst Unteroffiziere verkannten ihn und
grüßten ihn als Offizier. "Gott noch mal, wenn man so chic
ist," dachte Wohlleben und besah seine allerdings mitgenommenen
Lackschuhe, sein seidenes Sacktuch und den höchsten Stolz:
den hohen Kragen. Na, und überhaupt, wer weiß, in ein paar
Wochen, es ist doch Krieg und man ist tüchtig ...
Der erste Tag im hohen Kragen verlief äußerst befriedigend,
ehrenvoll mit Hackenschlagen, Strammstehen und korrekten
Ehrenbezeugungen. Aber einmal hatte er doch ganz deutlich
hinter sich gehört: "So'n Lackel!" Das gab zu denken!
Am nächsten Tag ging er nicht mehr so selbstbewußt wie
am ersten. Ja, als wieder einmal ein Kamerad dem "Offizier"
eine besonders schneidige Ehrenbezeugung gemacht, fühlte er
sich verpflichtet zu sagen: "Danke, laß nur, wir sind Kameraden."
Der aber schrie: "Nee, dank’ schön, so'n Pinsel als Kamerad
is nich'." Wohlleben sagte bei sich: "Welch ein Flegel! Ich
werde korrekter sein." Er ließ grüßen, was grüßte. Hinterher
hörte er oft dann verdächtige Worte reden und schreien. Aber
ein grober Mensch, an dem er vorbeigegangen und der die
Hacken zusammengeschlagen und dem er nicht gedankt hatte, kam
hinter ihm hergerannt und versetzte ihm wortlos eine mächtige
Maulschelle. — Die brannte! — Wohlleben traten die Augen
fast vor den Kopf. Er war völlig verändert. Dazu schwoll die
Backe wie ein roter Pilz. Er fraß eimerweise Wut in sich hinein.
Am Abend ließ er sich beim Schneider den hohen Kragen ab-
nehmen. Dem erstaunten Mann antwortete er: "Ich habe Zahn-
schmerzen!" — Der aber verstand ihn nicht! —
Gefr. O. F.lverfeld.
-
Ein edles Paar.
Bei Beginn des dritten Kriegsjahres haben es sich auch
Joffre und Asquith nicht nehmen lassen, der Welt zu ver-
künden, was sie von der Kriegslage halten. Was sie gesagt
haben, kennzeichnet zwar nicht die wahre Lage, wohl aber
wieder einmal die Persönlichkeit der Redenden und ergänzt
das Bild, das man schon aus früheren Äußerungen von ihnen
gewonnen hat. Diese beiden erbitterten und hartnäckigen Feinde
kann man grob, aber kurz, so kennzeichnen: Joffre lügt, Asquith
schimpft. Joffre hat schon in seinem diesjährigen Neujahrs-
erlaß an seine Truppen sich in dieser Richtung ausgezeichnet,
wo er den französischen Soldaten erzählte, durch die Schlachten
in der Champagne hätten sie dem Feind "gewaltige Niederlagen"
beigebracht, während er in seinem bekannten Armeebefehl vom
September 1915 gesagt hatte, daß das unbedingt zu erreichende
Ziel des bevorstehenden Angriffs sei "sowohl unsere seit 12 Monaten
unterjochten Volksgenossen zu befreien, als auch dem Feind den
wertvollen Besitz unserer besetzten Gebiete zu entreißen." Und jetzt
sagt er neben anderen Unwahrheiten, die französische Heeresleitung
habe zuverlässige Nachrichten, daß Deutschlands Reserven
völlig erschöpft seien. Das ist nicht nur eine Unwahrheit, denn
entweder hat Joffre k e i n e zuverlässige Nachrichten, oder, wenn
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Lille, Frankreich
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- Contributor
- Uta Hentschel
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