Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 6

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184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

 linke Seite 

    Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

 

zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

weiter nach Westen.

   Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

   Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

 Ihr Lieben daheim!

                                         - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                      Aus der Heimat.

                  Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

   Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                 Der Kommandiere General,

                  gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                    - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                               Stimmen des Auslandes.

                Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

   Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

Beispiel zum Muster nehmen.

                                      - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                           Vermischtes.

   * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

"sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


 rechte Spalte 

Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

   * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

Kameraden gemacht hatte. 

   * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

schneiden.

                                               - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                    Deutsche Worte.

                               Was heute gelten soll, muß stark sein,

                               Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                               Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                               Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                               Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                               Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                    Hans Frisch

                                                - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Heiteres.  

Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                               - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                       Briefkasten.       

   Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                 - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                       Zauberbild.


                                                       siehe oben 


                                              Wo steckt der Franzose?

            

                                                  - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                         Rätsel.

                                     Ein jeder von  uns hat´s;

                                     Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                     Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                     Im deutschen Militär.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - - 

Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":

1. Kalisch   2. Libau   3. Willun.

__________________________________________________________________

Verlag: Deutscher Kriegerbund (Korporation)), Berlin. - Verantwortlich für die Redaktion: Dr. Friedrich Röhrs in Berlin=Friedenau, Redaktion: Berlin W. 50, Geisbergstr. 2.

Geschäftsstelle und Druck: W. Moeser Buchdruckerei, Berlin 8. 14, Stallschreiberstr. 34/35





 


 rechte  Seite 

Nummer 23                    "Parole." (Feldnummer.)                             179

 linke Spalte 

Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903

gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus

acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und

zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-

schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von

etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,

ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-

gange der Straße von Malakka.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                     Kleine Kriegsnachrichten.    

                                        Ein Zeppelin über Paris.  

   Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-

schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs

Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.

Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde

verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es

entkam jedoch in den Wolken.

                                                    *

                  Der deutsche Minengürtel um England.

   Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit

5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine

Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig

Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen

Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-

irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen

Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel

nicht auf sechzig Meilen nähern.

                                                    *

                    Ein deutscher Sieg in Ostafrika.

   Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre

eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß

belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry

in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine

vollständige Niederlage erlitten.

   Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem

Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet

einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist

der Einfall siegreich zurückgewiesen worden. 

                                     - - - - - - - - - - - - - - - - - -

                               Burenaufstand in Südafrika.

                                         (Hierzu eine Karte.) 

   Als vor mehreren Wochen

die Nachricht von der "Rebellion"

des Burenobersten Maritz nach

London kam, da glaubte man

sich in England damit beruhigen 

zu können, daß es sich hier nur

um eine unbedeutende Angelegen-

heit handle, die rasch erledigt

werden würde. Nicht lange, und

man ließ sich aus Südafrika melden,

daß der "Zwischenfall Maritz"

abgetan, die südafrikanische

Sorge behoben sei. Aber neuerdings             Karte siehe oben 

ist dieser Täuschung ein jähes

Ende bereitet worden: General

Beyers und Christian Dewet

haben sich an die Spitze der Be-

wegung gestellt, die bezweckt, das

Joch der Engländer abzuschütteln.

Die englische Regierung sieht

sich genötigt, zu erklären: "Die

Regierung hat in Erfahrung ge-

bracht, daß bewaffnete Bürger im 

Norden des Oranje=Frei-

staates von Christian Dewet

unter die Fahnen gerufen worden

sind und daß bewaffnete auf-

ständische Banden unter Beyers

in West=Transvaal stehen.

Außerdem sei die Stadt

Heilbronn besetzt und ein

Regierungsbeamter gefangen

worden. In Reitz haben

Aufständische einen Zug an-

gehalten und bewaffnete Bürger

seien von Landwehr ent-

waffnet worden. Alle diese


 rechte Spalte 

Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-

zugreifen."

   Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus

dem letzten Freiheitskriege wider England, derjenige zugleich, der dem

Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Widerstand

entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen

Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-

befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese

Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-

land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des

Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen

Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Welt

deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der

englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.

                                                              *

                              Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.

   Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an

die Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:

   An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen

Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so

suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.

Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen 

die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im

Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,

denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die

Engländer bis zum äußersten führen.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - -

                              Krieg der Türkei gegen Rußland.

   Der seit einem Vierteljahre West= und Mitteleuropa beherrschende

Krieg hat nun auch den nahen Osten in Brand gesetzt. Die Türkei

hat die Feindseligkeiten gegen Rußland eröffnet, weil Rußland türkischen

Kriegschiffen völkerrechtswidrig verboten hatte, die türkischen Gewässer

zu verlassen. Eine amtliche russische Nachricht lautet:

    Petersburg, 29. Oktober. Die Petersburger Telegraphen-

  Agentur meldet: Zwischen 9 1/2 und 10 1/2 Uhr vormittags hat 

  ein türkischer Kreuzer mit drei Schornsteinen in Theodosia

  den Bahnhof und die Stadt beschossen und die Kathedrale,

  die griechische Kirche, die Speicher am Hafen und die Mole

  beschädigt. Ein Soldat wurde verwundet. Die Filiale der

  Russischen Bank für auswärtigen Handel geriet in Brand.

  Um 10 1/2 Uhr dampfte der Kreuzer nach Südwesten ab. In

  Noworossijsk ist der türkische Kreuzer Hamidie angekommen

  und hat die Stadt aufgefordert, sich zu ergeben und das Staats-



 Karte siehe oben 




Das Aufstandsgebiet in Südafrika.

                        

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184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

 linke Seite 

    Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

 

zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

weiter nach Westen.

   Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

   Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

 Ihr Lieben daheim!

                                         - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                      Aus der Heimat.

                  Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

   Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                 Der Kommandiere General,

                  gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                    - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                               Stimmen des Auslandes.

                Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

   Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

Beispiel zum Muster nehmen.

                                      - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                           Vermischtes.

   * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

"sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


 rechte Spalte 

Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

   * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

Kameraden gemacht hatte. 

   * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

schneiden.

                                               - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                    Deutsche Worte.

                               Was heute gelten soll, muß stark sein,

                               Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                               Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                               Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                               Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                               Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                    Hans Frisch

                                                - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Heiteres.  

Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                               - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                       Briefkasten.       

   Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                 - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                       Zauberbild.


                                                       siehe oben 


                                              Wo steckt der Franzose?

            

                                                  - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                         Rätsel.

                                     Ein jeder von  uns hat´s;

                                     Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                     Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                     Im deutschen Militär.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - - 

Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":

1. Kalisch   2. Libau   3. Willun.

__________________________________________________________________

Verlag: Deutscher Kriegerbund (Korporation)), Berlin. - Verantwortlich für die Redaktion: Dr. Friedrich Röhrs in Berlin=Friedenau, Redaktion: Berlin W. 50, Geisbergstr. 2.

Geschäftsstelle und Druck: W. Moeser Buchdruckerei, Berlin 8. 14, Stallschreiberstr. 34/35





 


 rechte  Seite 

Nummer 23                    "Parole." (Feldnummer.)                             179

 linke Spalte 

Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903

gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus

acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und

zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-

schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von

etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,

ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-

gange der Straße von Malakka.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                     Kleine Kriegsnachrichten.    

                                        Ein Zeppelin über Paris.  

   Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-

schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs

Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.

Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde

verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es

entkam jedoch in den Wolken.

                                                    *

                  Der deutsche Minengürtel um England.

   Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit

5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine

Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig

Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen

Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-

irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen

Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel

nicht auf sechzig Meilen nähern.

                                                    *

                    Ein deutscher Sieg in Ostafrika.

   Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre

eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß

belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry

in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine

vollständige Niederlage erlitten.

   Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem

Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet

einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist

der Einfall siegreich zurückgewiesen worden. 

                                     - - - - - - - - - - - - - - - - - -

                               Burenaufstand in Südafrika.

                                         (Hierzu eine Karte.) 

   Als vor mehreren Wochen

die Nachricht von der "Rebellion"

des Burenobersten Maritz nach

London kam, da glaubte man

sich in England damit beruhigen 

zu können, daß es sich hier nur

um eine unbedeutende Angelegen-

heit handle, die rasch erledigt

werden würde. Nicht lange, und

man ließ sich aus Südafrika melden,

daß der "Zwischenfall Maritz"

abgetan, die südafrikanische

Sorge behoben sei. Aber neuerdings             Karte siehe oben 

ist dieser Täuschung ein jähes

Ende bereitet worden: General

Beyers und Christian Dewet

haben sich an die Spitze der Be-

wegung gestellt, die bezweckt, das

Joch der Engländer abzuschütteln.

Die englische Regierung sieht

sich genötigt, zu erklären: "Die

Regierung hat in Erfahrung ge-

bracht, daß bewaffnete Bürger im 

Norden des Oranje=Frei-

staates von Christian Dewet

unter die Fahnen gerufen worden

sind und daß bewaffnete auf-

ständische Banden unter Beyers

in West=Transvaal stehen.

Außerdem sei die Stadt

Heilbronn besetzt und ein

Regierungsbeamter gefangen

worden. In Reitz haben

Aufständische einen Zug an-

gehalten und bewaffnete Bürger

seien von Landwehr ent-

waffnet worden. Alle diese


 rechte Spalte 

Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-

zugreifen."

   Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus

dem letzten Freiheitskriege wider England, derjenige zugleich, der dem

Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Widerstand

entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen

Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-

befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese

Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-

land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des

Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen

Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Welt

deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der

englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.

                                                              *

                              Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.

   Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an

die Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:

   An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen

Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so

suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.

Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen 

die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im

Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,

denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die

Engländer bis zum äußersten führen.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - -

                              Krieg der Türkei gegen Rußland.

   Der seit einem Vierteljahre West= und Mitteleuropa beherrschende

Krieg hat nun auch den nahen Osten in Brand gesetzt. Die Türkei

hat die Feindseligkeiten gegen Rußland eröffnet, weil Rußland türkischen

Kriegschiffen völkerrechtswidrig verboten hatte, die türkischen Gewässer

zu verlassen. Eine amtliche russische Nachricht lautet:

    Petersburg, 29. Oktober. Die Petersburger Telegraphen-

  Agentur meldet: Zwischen 9 1/2 und 10 1/2 Uhr vormittags hat 

  ein türkischer Kreuzer mit drei Schornsteinen in Theodosia

  den Bahnhof und die Stadt beschossen und die Kathedrale,

  die griechische Kirche, die Speicher am Hafen und die Mole

  beschädigt. Ein Soldat wurde verwundet. Die Filiale der

  Russischen Bank für auswärtigen Handel geriet in Brand.

  Um 10 1/2 Uhr dampfte der Kreuzer nach Südwesten ab. In

  Noworossijsk ist der türkische Kreuzer Hamidie angekommen

  und hat die Stadt aufgefordert, sich zu ergeben und das Staats-



 Karte siehe oben 




Das Aufstandsgebiet in Südafrika.

                        


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  • June 17, 2017 17:40:46 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

     

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                            Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Briefkasten.       

       Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

    zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

    erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

    teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

    zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                     - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Zauberbild.


                                                           siehe oben 


                                                  Wo steckt der Franzose?

                

                                                      - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                             Rätsel.

                                         Ein jeder von  uns hat´s;

                                         Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                         Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                         Im deutschen Militär.

                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

    Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":

    1. Kalisch   2. Libau   3. Willun.

    __________________________________________________________________

    Verlag: Deutscher Kriegerbund (Korporation)), Berlin. - Verantwortlich für die Redaktion: Dr. Friedrich Röhrs in Berlin=Friedenau, Redaktion: Berlin W. 50, Geisbergstr. 2.

    Geschäftsstelle und Druck: W. Moeser Buchdruckerei, Berlin 8. 14, Stallschreiberstr. 34/35





     


     rechte  Seite 

    Nummer 23                    "Parole." (Feldnummer.)                             179

     linke Spalte 

    Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903

    gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus

    acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und

    zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-

    schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von

    etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,

    ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-

    gange der Straße von Malakka.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                         Kleine Kriegsnachrichten.    

                                            Ein Zeppelin über Paris.  

       Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-

    schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs

    Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.

    Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde

    verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es

    entkam jedoch in den Wolken.

                                                        *

                      Der deutsche Minengürtel um England.

       Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit

    5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine

    Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig

    Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen

    Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-

    irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen

    Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel

    nicht auf sechzig Meilen nähern.

                                                        *

                        Ein deutscher Sieg in Ostafrika.

       Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre

    eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß

    belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry

    in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine

    vollständige Niederlage erlitten.

       Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem

    Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet

    einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist

    der Einfall siegreich zurückgewiesen worden. 

                                         - - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                   Burenaufstand in Südafrika.

                                             (Hierzu eine Karte.) 

       Als vor mehreren Wochen

    die Nachricht von der "Rebellion"

    des Burenobersten Maritz nach

    London kam, da glaubte man

    sich in England damit beruhigen 

    zu können, daß es sich hier nur

    um eine unbedeutende Angelegen-

    heit handle, die rasch erledigt

    werden würde. Nicht lange, und

    man ließ sich aus Südafrika melden,

    daß der "Zwischenfall Maritz"

    abgetan, die südafrikanische

    Sorge behoben sei. Aber neuerdings             Karte siehe oben 

    ist dieser Täuschung ein jähes

    Ende bereitet worden: General

    Beyers und Christian Dewet

    haben sich an die Spitze der Be-

    wegung gestellt, die bezweckt, das

    Joch der Engländer abzuschütteln.

    Die englische Regierung sieht

    sich genötigt, zu erklären: "Die

    Regierung hat in Erfahrung ge-

    bracht, daß bewaffnete Bürger im 

    Norden des Oranje=Frei-

    staates von Christian Dewet

    unter die Fahnen gerufen worden

    sind und daß bewaffnete auf-

    ständische Banden unter Beyers

    in West=Transvaal stehen.

    Außerdem sei die Stadt

    Heilbronn besetzt und ein

    Regierungsbeamter gefangen

    worden. In Reitz haben

    Aufständische einen Zug an-

    gehalten und bewaffnete Bürger

    seien von Landwehr ent-

    waffnet worden. Alle diese


     rechte Spalte 

    Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-

    zugreifen."

       Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus

    dem letzten Freiheitskriege wider England, derjenige zugleich, der dem

    Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Widerstand

    entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen

    Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-

    befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese

    Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-

    land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des

    Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen

    Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Welt

    deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der

    englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.

                                                                  *

                                  Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.

       Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an

    die Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:

       An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen

    Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so

    suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.

    Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen 

    die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im

    Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,

    denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die

    Engländer bis zum äußersten führen.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                  Krieg der Türkei gegen Rußland.

       Der seit einem Vierteljahre West= und Mitteleuropa beherrschende

    Krieg hat nun auch den nahen Osten in Brand gesetzt. Die Türkei

    hat die Feindseligkeiten gegen Rußland eröffnet, weil Rußland türkischen

    Kriegschiffen völkerrechtswidrig verboten hatte, die türkischen Gewässer

    zu verlassen. Eine amtliche russische Nachricht lautet:

        Petersburg, 29. Oktober. Die Petersburger Telegraphen-

      Agentur meldet: Zwischen 9 1/2 und 10 1/2 Uhr vormittags hat 

      ein türkischer Kreuzer mit drei Schornsteinen in Theodosia

      den Bahnhof und die Stadt beschossen und die Kathedrale,

      die griechische Kirche, die Speicher am Hafen und die Mole

      beschädigt. Ein Soldat wurde verwundet. Die Filiale der

      Russischen Bank für auswärtigen Handel geriet in Brand.

      Um 10 1/2 Uhr dampfte der Kreuzer nach Südwesten ab. In

      Noworossijsk ist der türkische Kreuzer Hamidie angekommen

      und hat die Stadt aufgefordert, sich zu ergeben und das Staats-



     Karte siehe oben 




    Das Aufstandsgebiet in Südafrika.

                            

  • June 16, 2017 21:48:16 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

     

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                            Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Briefkasten.       

       Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

    zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

    erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

    teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

    zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                     - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Zauberbild.


                                                           siehe oben 


                                                  Wo steckt der Franzose?

                

                                                      - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                             Rätsel.

                                         Ein jeder von  uns hat´s;

                                         Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                         Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                         Im deutschen Militär.

                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

    Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":

    1. Kalisch   2. Libau   3. Willun.

    __________________________________________________________________

    Verlag: Deutscher Kriegerbund (Korporation)), Berlin. - Verantwortlich für die Redaktion: Dr. Friedrich Röhrs in Berlin=Friedenau, Redaktion: Berlin W. 50, Geisbergstr. 2.

    Geschäftsstelle und Druck: W. Moeser Buchdruckerei, Berlin 8. 14, Stallschreiberstr. 34/35





     


     rechte  Seite 

    Nummer 23                    "Parole." (Feldnummer.)                             179

     linke Spalte 

    Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903

    gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus

    acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und

    zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-

    schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von

    etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,

    ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-

    gange der Straße von Malakka.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                         Kleine Kriegsnachrichten.    

                                            Ein Zeppelin über Paris.  

       Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-

    schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs

    Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.

    Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde

    verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es

    entkam jedoch in den Wolken.

                                                        *

                      Der deutsche Minengürtel um England.

       Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit

    5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine

    Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig

    Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen

    Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-

    irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen

    Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel

    nicht auf sechzig Meilen nähern.

                                                        *

                        Ein deutscher Sieg in Ostafrika.

       Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre

    eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß

    belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry

    in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine

    vollständige Niederlage erlitten.

       Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem

    Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet

    einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist

    der Einfall siegreich zurückgewiesen worden. 

                                         - - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                   Burenaufstand in Südafrika.

                                             (Hierzu eine Karte.) 

       Als vor mehreren Wochen

    die Nachricht von der "Rebellion"

    des Burenobersten Maritz nach

    London kam, da glaubte man

    sich in England damit beruhigen 

    zu können, daß es sich hier nur

    um eine unbedeutende Angelegen-

    heit handle, die rasch erledigt

    werden würde. Nicht lange, und

    man ließ sich aus Südafrika melden,

    daß der "Zwischenfall Maritz"

    abgetan, die südafrikanische

    Sorge behoben sei. Aber neuerdings             Karte siehe oben 

    ist dieser Täuschung ein jähes

    Ende bereitet worden: General

    Beyers und Christian Dewet

    haben sich an die Spitze der Be-

    wegung gestellt, die bezweckt, das

    Joch der Engländer abzuschütteln.

    Die englische Regierung sieht

    sich genötigt, zu erklären: "Die

    Regierung hat in Erfahrung ge-

    bracht, daß bewaffnete Bürger im 

    Norden des Oranje=Frei-

    staates von Christian Dewet

    unter die Fahnen gerufen worden

    sind und daß bewaffnete auf-

    ständische Banden unter Beyers

    in West=Transvaal stehen.

    Außerdem sei die Stadt

    Heilbronn besetzt und ein

    Regierungsbeamter gefangen

    worden. In Reitz haben

    Aufständische einen Zug an-

    gehalten und bewaffnete Bürger

    seien von Landwehr ent-

    waffnet worden. Alle diese


     rechte Spalte 

    Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-

    zugreifen."

       Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus

    dem letzten Freiheitskriege wider England, derjenige zugleich, der dem

    Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Widerstand

    entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen

    Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-

    befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese

    Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-

    land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des

    Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen

    Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Welt

    deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der

    englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.

                                                                  *

                                  Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.

       Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an

    die Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:

       An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen

    Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so

    suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.

    Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen 

    die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im

    Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,

    denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die

    Engländer bis zum äußersten führen.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                  Krieg der Türkei gegen Rußland.

       Der seit einem Vierteljahre West= und Mitteleuropa beherrschende

    Krieg hat nun auch den nahen Osten in Brand gesetzt. Die Türkei

    hat die Feindseligkeiten gegen Rußland eröffnet, weil Rußland türkischen

    Kriegschiffen völkerrechtswidrig verboten hatte, die türkischen Gewässer

    zu verlassen. Eine amtliche russische Nachricht lautet:

    Petersburg, 29. Oktober. Die Petersburger Telegraphen-

    Agentur meldet: Zwischen 9 1/2 und 10 1/2 Uhr vormittags hat 

    ein türkischer Kreuzer mit drei Schornsteinen in Theodosia

    den Bahnhof und die Stadt beschossen und die Kathedrale,

    die griechische Kirche, die Speicher am Hafen und die Mole

    beschädigt. Ein Soldat wurde verwundet. Die Filiale der

    Russischen Bank für auswärtigen Handel geriet in Brand.

    Um 10 1/2 Uhr dampfte der Kreuzer nach Südwesten ab. In

    Noworossijsk ist der türkische Kreuzer Hamidie angekommen

    und hat die Stadt aufgefordert, sich zu ergeben und das Staats-



     Karte siehe oben 




    Das Aufstandsgebiet in Südafrika.

                            


  • June 16, 2017 21:42:34 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

     

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                            Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Briefkasten.       

       Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

    zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

    erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

    teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

    zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                     - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Zauberbild.


                                                           siehe oben 


                                                  Wo steckt der Franzose?

                

                                                      - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                             Rätsel.

                                         Ein jeder von  uns hat´s;

                                         Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                         Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                         Im deutschen Militär.

                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

    Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":

    1. Kalisch   2. Libau   3. Willun.

     


     rechte  Seite 

    Nummer 23                    "Parole." (Feldnummer.)                             179

     linke Spalte 

    Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903

    gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus

    acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und

    zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-

    schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von

    etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,

    ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-

    gange der Straße von Malakka.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                         Kleine Kriegsnachrichten.    

                                            Ein Zeppelin über Paris.  

       Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-

    schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs

    Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.

    Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde

    verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es

    entkam jedoch in den Wolken.

                                                        *

                      Der deutsche Minengürtel um England.

       Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit

    5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine

    Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig

    Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen

    Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-

    irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen

    Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel

    nicht auf sechzig Meilen nähern.

                                                        *

                        Ein deutscher Sieg in Ostafrika.

       Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre

    eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß

    belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry

    in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine

    vollständige Niederlage erlitten.

       Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem

    Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet

    einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist

    der Einfall siegreich zurückgewiesen worden. 

                                         - - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                   Burenaufstand in Südafrika.

                                             (Hierzu eine Karte.) 

       Als vor mehreren Wochen

    die Nachricht von der "Rebellion"

    des Burenobersten Maritz nach

    London kam, da glaubte man

    sich in England damit beruhigen 

    zu können, daß es sich hier nur

    um eine unbedeutende Angelegen-

    heit handle, die rasch erledigt

    werden würde. Nicht lange, und

    man ließ sich aus Südafrika melden,

    daß der "Zwischenfall Maritz"

    abgetan, die südafrikanische

    Sorge behoben sei. Aber neuerdings             Karte siehe oben 

    ist dieser Täuschung ein jähes

    Ende bereitet worden: General

    Beyers und Christian Dewet

    haben sich an die Spitze der Be-

    wegung gestellt, die bezweckt, das

    Joch der Engländer abzuschütteln.

    Die englische Regierung sieht

    sich genötigt, zu erklären: "Die

    Regierung hat in Erfahrung ge-

    bracht, daß bewaffnete Bürger im 

    Norden des Oranje=Frei-

    staates von Christian Dewet

    unter die Fahnen gerufen worden

    sind und daß bewaffnete auf-

    ständische Banden unter Beyers

    in West=Transvaal stehen.

    Außerdem sei die Stadt

    Heilbronn besetzt und ein

    Regierungsbeamter gefangen

    worden. In Reitz haben

    Aufständische einen Zug an-

    gehalten und bewaffnete Bürger

    seien von Landwehr ent-

    waffnet worden. Alle diese


     rechte Spalte 

    Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-

    zugreifen."

       Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus

    dem letzten Freiheitskriege wider England, derjenige zugleich, der dem

    Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Widerstand

    entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen

    Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-

    befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese

    Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-

    land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des

    Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen

    Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Welt

    deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der

    englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.

                                                                  *

                                  Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.

       Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an

    die Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:

       An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen

    Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so

    suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.

    Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen 

    die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im

    Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,

    denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die

    Engländer bis zum äußersten führen.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                  Krieg der Türkei gegen Rußland.

       Der seit einem Vierteljahre West= und Mitteleuropa beherrschende

    Krieg hat nun auch den nahen Osten in Brand gesetzt. Die Türkei

    hat die Feindseligkeiten gegen Rußland eröffnet, weil Rußland türkischen

    Kriegschiffen völkerrechtswidrig verboten hatte, die türkischen Gewässer

    zu verlassen. Eine amtliche russische Nachricht lautet:

    Petersburg, 29. Oktober. Die Petersburger Telegraphen-

    Agentur meldet: Zwischen 9 1/2 und 10 1/2 Uhr vormittags hat 

    ein türkischer Kreuzer mit drei Schornsteinen in Theodosia

    den Bahnhof und die Stadt beschossen und die Kathedrale,

    die griechische Kirche, die Speicher am Hafen und die Mole

    beschädigt. Ein Soldat wurde verwundet. Die Filiale der

    Russischen Bank für auswärtigen Handel geriet in Brand.

    Um 10 1/2 Uhr dampfte der Kreuzer nach Südwesten ab. In

    Noworossijsk ist der türkische Kreuzer Hamidie angekommen

    und hat die Stadt aufgefordert, sich zu ergeben und das Staats-



     Karte siehe oben 




    Das Aufstandsgebiet in Südafrika.

                            


  • June 16, 2017 21:41:51 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

     

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                            Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Briefkasten.       

       Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

    zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

    erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

    teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

    zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                     - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Zauberbild.


                                                           siehe oben 


                                                  Wo steckt der Franzose?

                

                                                      - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                             Rätsel.

                                         Ein jeder von  uns hat´s;

                                         Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                         Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                         Im deutschen Militär.

                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

    Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":

    1. Kalisch   2. Libau   3. Willun.

     


     rechte  Seite 

    Nummer 23                    "Parole." (Feldnummer.)                             179

     linke Spalte 

    Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903

    gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus

    acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und

    zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-

    schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von

    etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,

    ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-

    gange der Straße von Malakka.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                         Kleine Kriegsnachrichten.    

                                            Ein Zeppelin über Paris.  

       Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-

    schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs

    Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.

    Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde

    verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es

    entkam jedoch in den Wolken.

                                                        *

                      Der deutsche Minengürtel um England.

       Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit

    5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine

    Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig

    Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen

    Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-

    irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen

    Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel

    nicht auf sechzig Meilen nähern.

                                                        *

                        Ein deutscher Sieg in Ostafrika.

       Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre

    eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß

    belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry

    in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine

    vollständige Niederlage erlitten.

       Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem

    Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet

    einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist

    der Einfall siegreich zurückgewiesen worden. 

                                         - - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                   Burenaufstand in Südafrika.

                                             (Hierzu eine Karte.) 

       Als vor mehreren Wochen

    die Nachricht von der "Rebellion"

    des Burenobersten Maritz nach

    London kam, da glaubte man

    sich in England damit beruhigen 

    zu können, daß es sich hier nur

    um eine unbedeutende Angelegen-

    heit handle, die rasch erledigt

    werden würde. Nicht lange, und

    man ließ sich aus Südafrika melden,

    daß der "Zwischenfall Maritz"

    abgetan, die südafrikanische

    Sorge behoben sei. Aber neuerdings             Karte siehe oben 

    ist dieser Täuschung ein jähes

    Ende bereitet worden: General

    Beyers und Christian Dewet

    haben sich an die Spitze der Be-

    wegung gestellt, die bezweckt, das

    Joch der Engländer abzuschütteln.

    Die englische Regierung sieht

    sich genötigt, zu erklären: "Die

    Regierung hat in Erfahrung ge-

    bracht, daß bewaffnete Bürger im 

    Norden des Oranje=Frei-

    staates von Christian Dewet

    unter die Fahnen gerufen worden

    sind und daß bewaffnete auf-

    ständische Banden unter Beyers

    in West=Transvaal stehen.

    Außerdem sei die Stadt

    Heilbronn besetzt und ein

    Regierungsbeamter gefangen

    worden. In Reitz haben

    Aufständische einen Zug an-

    gehalten und bewaffnete Bürger

    seien von Landwehr ent-

    waffnet worden. Alle diese


     rechte Spalte 

    Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-

    zugreifen."

       Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus

    dem letzten Freiheitskriege wider England, derjenige zugleich, der dem

    Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Widerstand

    entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen

    Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-

    befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese

    Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-

    land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des

    Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen

    Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Welt

    deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der

    englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.

                                                                  *

                                  Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.

       Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an

    die Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:

       An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen

    Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so

    suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.

    Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen 

    die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im

    Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,

    denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die

    Engländer bis zum äußersten führen.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                  Krieg der Türkei gegen Rußland.

       Der seit einem Vierteljahre West= und Mitteleuropa beherrschende

    Krieg hat nun auch den nahen Osten in Brand gesetzt. Die Türkei

    hat die Feindseligkeiten gegen Rußland eröffnet, weil Rußland türkischen

    Kriegscgiffen völkerrechtswidrig verboten hatte, die türkischen Gewässer

    zu verlassen. Eine amtliche russische Nachricht lautet:

    Petersburg, 29.Oktober. Die Petersburger Telegraphen-

    Agentur meldet: Zwischen 9 1/2 und 10 1/2 Uhr vormittags hat 

    ein türkischer Kreuzer mit drei Schornsteinen in Theodosia

    den Bahnhof und die Stadt beschossen und die Kathedrale,

    die griechische Kirche, die Speicher am Hafen und die Mole

    beschädigt. Ein Soldat wurde verwundet. Die Filiale der

    Russischen Bank für auswärtigen Handel geriet in Brand.

    Um 10 1/2 Uhr dampfte der Kreuzer nach Südwesten ab. In

    Noworossijsk ist der türkische Kreuzer Hamidie angekommen

    und hat die Stadt aufgefordert, sich zu ergeben und das Staats-



     Karte siehe oben 




    Das Aufstandsgebiet in Südafrika.

                            


  • June 16, 2017 21:41:03 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

     

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                            Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Briefkasten.       

       Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

    zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

    erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

    teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

    zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                     - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Zauberbild.


                                                           siehe oben 


                                                  Wo steckt der Franzose?

                

                                                      - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                             Rätsel.

                                         Ein jeder von  uns hat´s;

                                         Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                         Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                         Im deutschen Militär.

                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

    Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":

    1. Kalisch   2. Libau   3. Willun.

     


     rechte  Seite 

    Nummer 23                    "Parole." (Feldnummer.)                             179

     linke Spalte 

    Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903

    gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus

    acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und

    zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-

    schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von

    etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,

    ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-

    gange der Straße von Malakka.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                         Kleine Kriegsnachrichten.    

                                            Ein Zeppelin über Paris.  

       Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-

    schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs

    Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.

    Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde

    verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es

    entkam jedoch in den Wolken.

                                                        *

                      Der deutsche Minengürtel um England.

       Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit

    5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine

    Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig

    Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen

    Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-

    irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen

    Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel

    nicht auf sechzig Meilen nähern.

                                                        *

                        Ein deutscher Sieg in Ostafrika.

       Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre

    eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß

    belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry

    in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine

    vollständige Niederlage erlitten.

       Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem

    Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet

    einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist

    der Einfall siegreich zurückgewiesen worden. 

                                         - - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                   Burenaufstand in Südafrika.

                                             (Hierzu eine Karte.) 

       Als vor mehreren Wochen

    die Nachricht von der "Rebellion"

    des Burenobersten Maritz nach

    London kam, da glaubte man

    sich in England damit beruhigen 

    zu können, daß es sich hier nur

    um eine unbedeutende Angelegen-

    heit handle, die rasch erledigt

    werden würde. Nicht lange, und

    man ließ sich aus Südafrika melden,

    daß der "Zwischenfall Maritz"

    abgetan, die südafrikanische

    Sorge behoben sei. Aber neuerdings             Karte siehe oben 

    ist dieser Täuschung ein jähes

    Ende bereitet worden: General

    Beyers und Christian Dewet

    haben sich an die Spitze der Be-

    wegung gestellt, die bezweckt, das

    Joch der Engländer abzuschütteln.

    Die englische Regierung sieht

    sich genötigt, zu erklären: "Die

    Regierung hat in Erfahrung ge-

    bracht, daß bewaffnete Bürger im 

    Norden des Oranje=Frei-

    staates von Christian Dewet

    unter die Fahnen gerufen worden

    sind und daß bewaffnete auf-

    ständische Banden unter Beyers

    in West=Transvaal stehen.

    Außerdem sei die Stadt

    Heilbronn besetzt und ein

    Regierungsbeamter gefangen

    worden. In Reitz haben

    Aufständische einen Zug an-

    gehalten und bewaffnete Bürger

    seien von Landwehr ent-

    waffnet worden. Alle diese


     rechte Spalte 

    Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-

    zugreifen."

       Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus

    dem letzten Freiheitskriege wider England, derjenige zugleich, der dem

    Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Widerstand

    entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen

    Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-

    befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese

    Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-

    land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des

    Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen

    Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Welt

    deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der

    englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.

                                                                  *

                                  Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.

       Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an

    die Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:

       An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen

    Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so

    suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.

    Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen 

    die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im

    Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,

    denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die

    Engländer bis zum äußersten führen.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                  Krieg der Türkei gegen Rußland.

       Der seit einem Vierteljahre West= und Mitteleuropa beherrschende

    Krieg hat nun auch den nahen Osten in Brand gesetzt. Die Türkei

    hat die Feindseligkeiten gegen Rußland eröffnet, weil Rußland türkischen

    Kriegscgiffen völkerrechtswidrig verboten hatte, die türkischen Gewässer

    zu verlassen. Eine amtliche russische Nachricht lautet:

    Petersburg, 29.Oktober. Die Petersburger Telegraphen-

    Agentur meldet: Zwischen 9 1/2 und 10 1/2 Uhr vormittags hat 

    ein türkischer Kreuzer mit drei Schornsteinen in Theodosia

    den Bahnhof und die Stadt beschossen und die Kathedrale,

    die griechische Kirche, die Speicher am Hafen und die Mole

    beschädigt. Ein Soldat wurde verwundet. Die Filiale der

    Russischen Bank für auswärtigen Handel geriet in Brand.

    Um 10 1/2 Uhr dampfte der Kreuzer nach Südwesten ab. In

    Noworossijsk ist der türkische Kreuzer Hamidie angekommen

    und hat die Stadt aufgefordert, sich zu ergeben und das Staats-




                            


  • June 16, 2017 21:40:22 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

     

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                            Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Briefkasten.       

       Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

    zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

    erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

    teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

    zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                     - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Zauberbild.


                                                           siehe oben 


                                                  Wo steckt der Franzose?

                

                                                      - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                             Rätsel.

                                         Ein jeder von  uns hat´s;

                                         Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                         Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                         Im deutschen Militär.

                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

    Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":

    1. Kalisch   2. Libau   3. Willun.

     


     rechte  Seite 

    Nummer 23                    "Parole." (Feldnummer.)                             179

     linke Spalte 

    Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903

    gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus

    acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und

    zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-

    schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von

    etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,

    ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-

    gange der Straße von Malakka.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                         Kleine Kriegsnachrichten.    

                                            Ein Zeppelin über Paris.  

       Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-

    schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs

    Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.

    Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde

    verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es

    entkam jedoch in den Wolken.

                                                        *

                      Der deutsche Minengürtel um England.

       Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit

    5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine

    Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig

    Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen

    Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-

    irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen

    Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel

    nicht auf sechzig Meilen nähern.

                                                        *

                        Ein deutscher Sieg in Ostafrika.

       Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre

    eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß

    belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry

    in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine

    vollständige Niederlage erlitten.

       Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem

    Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet

    einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist

    der Einfall siegreich zurückgewiesen worden. 

                                         - - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                   Burenaufstand in Südafrika.

                                             (Hierzu eine Karte.) 

       Als vor mehreren Wochen

    die Nachricht von der "Rebellion"

    des Burenobersten Maritz nach

    London kam, da glaubte man

    sich in England damit beruhigen 

    zu können, daß es sich hier nur

    um eine unbedeutende Angelegen-

    heit handle, die rasch erledigt

    werden würde. Nicht lange, und

    man ließ sich aus Südafrika melden,

    daß der "Zwischenfall Maritz"

    abgetan, die südafrikanische

    Sorge behoben sei. Aber neuerdings             Karte siehe oben 

    ist dieser Täuschung ein jähes

    Ende bereitet worden: General

    Beyers und Christian Dewet

    haben sich an die Spitze der Be-

    wegung gestellt, die bezweckt, das

    Joch der Engländer abzuschütteln.

    Die englische Regierung sieht

    sich genötigt, zu erklären: "Die

    Regierung hat in Erfahrung ge-

    bracht, daß bewaffnete Bürger im 

    Norden des Oranje=Frei-

    staates von Christian Dewet

    unter die Fahnen gerufen worden

    sind und daß bewaffnete auf-

    ständische Banden unter Beyers

    in West=Transvaal stehen.

    Außerdem sei die Stadt

    Heilbronn besetzt und ein

    Regierungsbeamter gefangen

    worden. In Reitz haben

    Aufständische einen Zug an-

    gehalten und bewaffnete Bürger

    seien von Landwehr ent-

    waffnet worden. Alle diese


     rechte Spalte 

    Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-

    zugreifen."

       Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus

    dem letzten Freiheitskriege wider England, derjenige zugleich, der dem

    Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Widerstand

    entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen

    Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-

    befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese

    Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-

    land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des

    Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen

    Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Welt

    deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der

    englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.

                                                                  *

                                  Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.

       Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an

    die Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:

       An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen

    Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so

    suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.

    Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen 

    die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im

    Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,

    denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die

    Engländer bis zum äußersten führen.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                  Krieg der Türkei gegen Rußland.

       Der seit einem Vierteljahre West= und Mitteleuropa beherrschende

    Krieg hat nun auch den nahen Osten in Brand gesetzt. Die Türkei

    hat die Feindseligkeiten gegen Rußland eröffnet, weil Rußland türkischen

    Kriegscgiffen völkerrechtswidrig verboten hatte, die türkischen Gewässer

    zu verlassen. Eine amtliche russische Nachricht lautet:

    Petersburg, 29.Oktober. Die Petersburger Telegraphen-

    Agenturr meldet: zwischen 9 1/2 und 10 1/2 Uhr vormittags hat 

    ein türkischer Kreuzer mit drei Schornsteinen in Theodosia

    den Bahnhof und die Stadt beschossen und die Kathedrale,

    die griechische Kirche, die Speicher am Hafen und die Mole

    beschädigt. Ein Soldat wurde verwundet. Die Filiale der

    Russischen Bank für auswärtigen Handel geriet in Brand.

    Um 10 1/2 Uhr dampfte er Kreuzer nach Südwesten ab. In

    Noworossijsk ist der türkische Kreuzer Hamidie angekommen

    und hat die Stadt aufgefordert, sich zu ergeben und das Staats-




                            


  • June 16, 2017 21:29:37 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

     

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                            Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Briefkasten.       

       Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

    zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

    erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

    teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

    zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                     - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Zauberbild.


                                                           siehe oben 


                                                  Wo steckt der Franzose?

                

                                                      - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                             Rätsel.

                                         Ein jeder von  uns hat´s;

                                         Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                         Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                         Im deutschen Militär.

                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

    Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":

    1. Kalisch   2. Libau   3. Willun.

     


     rechte  Seite 

    Nummer 23                    "Parole." (Feldnummer.)                             179

     linke Spalte 

    Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903

    gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus

    acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und

    zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-

    schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von

    etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,

    ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-

    gange der Straße von Malakka.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                         Kleine Kriegsnachrichten.    

                                            Ein Zeppelin über Paris.  

       Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-

    schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs

    Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.

    Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde

    verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es

    entkam jedoch in den Wolken.

                                                        *

                      Der deutsche Minengürtel um England.

       Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit

    5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine

    Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig

    Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen

    Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-

    irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen

    Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel

    nicht auf sechzig Meilen nähern.

                                                        *

                        Ein deutscher Sieg in Ostafrika.

       Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre

    eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß

    belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry

    in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine

    vollständige Niederlage erlitten.

       Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem

    Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet

    einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist

    der Einfall siegreich zurückgewiesen worden. 

                                         - - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                   Burenaufstand in Südafrika.

                                             (Hierzu eine Karte.) 

       Als vor mehreren Wochen

    die Nachricht von der "Rebellion"

    des Burenobersten Maritz nach

    London kam, da glaubte man

    sich in England damit beruhigen 

    zu können, daß es sich hier nur

    um eine unbedeutende Angelegen-

    heit handle, die rasch erledigt

    werden würde. Nicht lange, und

    man ließ sich aus Südafrika melden,

    daß der "Zwischenfall Maritz"

    abgetan, die südafrikanische

    Sorge behoben sei. Aber neuerdings             Karte siehe oben 

    ist dieser Täuschung ein jähes

    Ende bereitet worden: General

    Beyers und Christian Dewet

    haben sich an die Spitze der Be-

    wegung gestellt, die bezweckt, das

    Joch der Engländer abzuschütteln.

    Die englische Regierung sieht

    sich genötigt, zu erklären: "Die

    Regierung hat in Erfahrung ge-

    bracht, daß bewaffnete Bürger im 

    Norden des Oranje=Frei-

    staates von Christian Dewet

    unter die Fahnen gerufen worden

    sind und daß bewaffnete auf-

    ständische Banden unter Beyers

    in West=Transvaal stehen.

    Außerdem sei die Stadt

    Heilbronn besetzt und ein

    Regierungsbeamter gefangen

    worden. In Reitz haben

    Aufständische einen Zug an-

    gehalten und bewaffnete Bürger

    seien von Landwehr ent-

    waffnet worden. Alle diese


     rechte Spalte 

    Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-

    zugreifen."

       Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus

    dem letzten Freiheitskriege wider England, derjenige zugleich, der dem

    Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Widerstand

    entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen

    Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-

    befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese

    Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-

    land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des

    Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen

    Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Welt

    deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der

    englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.

                                                                  *

                                  Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.

       Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an

    die Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:

       An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen

    Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so

    suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.

    Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen 

    die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im

    Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,

    denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die

    Engländer bis zum äußersten führen.




                            


  • June 16, 2017 21:27:07 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

     

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                            Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Briefkasten.       

       Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

    zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

    erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

    teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

    zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                     - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Zauberbild.


                                                           siehe oben 


                                                  Wo steckt der Franzose?

                

                                                      - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                             Rätsel.

                                         Ein jeder von  uns hat´s;

                                         Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                         Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                         Im deutschen Militär.

                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

    Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":

    1. Kalisch   2. Libau   3. Willun.

     


     rechte  Seite 

    Nummer 23                    "Parole." (Feldnummer.)                             179

     linke Spalte 

    Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903

    gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus

    acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und

    zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-

    schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von

    etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,

    ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-

    gange der Straße von Malakka.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                         Kleine Kriegsnachrichten.    

                                            Ein Zeppelin über Paris.  

       Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-

    schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs

    Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.

    Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde

    verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es

    entkam jedoch in den Wolken.

                                                        *

                      Der deutsche Minengürtel um England.

       Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit

    5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine

    Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig

    Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen

    Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-

    irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen

    Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel

    nicht auf sechzig Meilen nähern.

                                                        *

                        Ein deutscher Sieg in Ostafrika.

       Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre

    eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß

    belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry

    in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine

    vollständige Niederlage erlitten.

       Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem

    Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet

    einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist

    der Einfall siegreich zurückgewiesen worden. 

                                         - - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                   Burenaufstand in Südafrika.

                                             (Hierzu eine Karte.) 

       Als vor mehreren Wochen

    die Nachricht von der "Rebellion"

    des Burenobersten Maritz nach

    London kam, da glaubte man

    sich in England damit beruhigen 

    zu können, daß es sich hier nur

    um eine unbedeutende Angelegen-

    heit handle, die rasch erledigt

    werden würde. Nicht lange, und

    man ließ sich aus Südafrika melden,

    daß der "Zwischenfall Maritz"

    abgetan, die südafrikanische

    Sorge behoben sei. Aber neuerdings             Karte siehe oben 

    ist dieser Täuschung ein jähes

    Ende bereitet worden: General

    Beyers und Christian Dewet

    haben sich an die Spitze der Be-

    wegung gestellt, die bezweckt, das

    Joch der Engländer abzuschütteln.

    Die englische Regierung sieht

    sich genötigt, zu erklären: "Die

    Regierung hat in Erfahrung ge-

    bracht, daß bewaffnete Bürger im 

    Norden des Oranje=Frei-

    staates von Christian Dewet

    unter die Fahnen gerufen worden

    sind und daß bewaffnete auf-

    ständische Banden unter Beyers

    in West=Transvaal stehen.

    Außerdem sei die Stadt

    Heilbronn besetzt und ein

    Regierungsbeamter gefangen

    worden. In Reitz haben

    Aufständische einen Zug an-

    gehalten und bewaffnete Bürger

    seien von Landwehr ent-

    waffnet worden. Alle diese


     rechte Spalte 

    Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-

    zugreifen."

       Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus

    dem letzten Freiheitskriege wieder England, derjenige zugleich, der dem

    Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Wiederstand

    entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen

    Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-

    befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese

    Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-

    land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des

    Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen

    Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Weltnd vorbereitet

    deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der

    englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.

                                                                  *

                                  Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.

       Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an

    Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:

       An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen

    Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so

    suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.

    Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen 

    die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im

    Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,

    denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die

    Engländer bis zum äußersten führen.




                            


  • June 16, 2017 21:18:04 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

     

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                            Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Briefkasten.       

       Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

    zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

    erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

    teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

    zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                     - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Zauberbild.


                                                           siehe oben 


                                                  Wo steckt der Franzose?

                

                                                      - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                             Rätsel.

                                         Ein jeder von  uns hat´s;

                                         Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                         Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                         Im deutschen Militär.

                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

    Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":

    1. Kalisch   2. Libau   3. Willun.

     


     rechte  Seite 

    Nummer 23                    "Parole." (Feldnummer.)                             179

     linke Spalte 

    Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903

    gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus

    acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und

    zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-

    schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von

    etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,

    ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-

    gange der Straße von Malakka.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                         Kleine Kriegsnachrichten.    

                                            Ein Zeppelin über Paris.  

       Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-

    schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs

    Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.

    Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde

    verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es

    entkam jedoch in den Wolken.

                                                        *

                      Der deutsche Minengürtel um England.

       Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit

    5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine

    Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig

    Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen

    Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-

    irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen

    Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel

    nicht auf sechzig Meilen nähern.

                                                        *

                        Ein deutscher Sieg in Ostafrika.

       Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre

    eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß

    belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry

    in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine

    vollständige Niederlage erlitten.

       Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem

    Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet

    einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist

    der Einfall siegreich zurückgewiesen worden. 

                                         - - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                   Burenaufstand in Südafrika.

                                             (Hierzu eine Karte.) 

       Als vor mehreren Wochen

    die Nachricht von der "Rebellion"

    des Burenobersten Maritz nach

    London kam, da glaubte man

    sich in England damit beruhigen 

    zu können, daß es sich hier nur

    um eine unbedeutende Angelegen-

    heit handle, die rasch erledigt

    werden würde. Nicht lange, und

    man ließ sich aus Südafrika melden,

    daß der "Zwischenfall Maritz"

    abgetan, die südafrikanische

    Sorge behoben sei. Aber neuerdings             Karte siehe oben 

    ist dieser Täuschung ein jähes

    Ende bereitet worden: General

    Beyers und Christian Dewet

    haben sich an die Spitze der Be-

    wegung gestellt, die bezweckt, das

    Joch der Engländer abzuschütteln.

    Die englische Regierung sieht

    sich genötigt, zu erklären: "Die

    Regierung hat in Erfahrung ge-

    bracht, daß bewaffnete Bürger im 

    Norden des Oranje=Frei-

    staates von Christian Dewet

    unter die Fahnen gerufen worden

    sind und daß bewaffnete auf-

    ständische Banden unter Beyers

    in West=Transvaal stehen.

    Außerdem sei die Stadt

    Heilbronn besetzt und ein

    Regierungsbeamter gefangen

    worden. In Reitz haben

    Aufständische einen Zug an-

    gehalten und bewaffnete Bürger

    seien von Landwehr ent-

    waffnet worden. Alle diese


     rechte Spalte 

    Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-

    zugreifen."

       Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus

    dem letzten Freiheitskriege wieder England, derjenige zugleich, der dem

    Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Wiederstand

    entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen

    Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-

    befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese

    Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-

    land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des

    Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen

    Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Weltnd vorbereitet

    deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der

    englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.

                            


  • June 16, 2017 21:08:25 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

     

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                            Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Briefkasten.       

       Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

    zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

    erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

    teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

    zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                     - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Zauberbild.


                                                           siehe oben 


                                                  Wo steckt der Franzose?

                

                                                      - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                             Rätsel.

                                         Ein jeder von  uns hat´s;

                                         Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                         Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                         Im deutschen Militär.

                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

    Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":

    1. Kalisch   2. Libau   3. Willun.

     


     rechte  Seite 

    Nummer 23                    "Parole." (Feldnummer.)                             179

     linke Spalte 

    Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903

    gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus

    acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und

    zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-

    schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von

    etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,

    ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-

    gange der Straße von Malakka.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                         Kleine Kriegsnachrichten.    

                                            Ein Zeppelin über Paris.  

       Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-

    schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs

    Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.

    Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde

    verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es

    entkam jedoch in den Wolken.

                                                        *

                      Der deutsche Minengürtel um England.

       Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit

    5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine

    Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig

    Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen

    Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-

    irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen

    Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel

    nicht auf sechzig Meilen nähern.

                                                        *

                        Ein deutscher Sieg in Ostafrika.

       Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre

    eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß

    belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry

    in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine

    vollständige Niederlage erlitten.

       Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem

    Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet

    einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist

    der Einfall siegreich zurückgewiesen worden. 

                                         - - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                   Burenaufstand in Südafrika.

                                             (Hierzu eine Karte.) 

       Als vor mehreren Wochen

    die Nachricht von der "Rebellion"

    des Burenobersten Maritz nach

    London kam, da glaubte man

    sich in England damit beruhigen 

    zu können, daß es sich hier nur

    um eine unbedeutende Angelegen-

    heit handle, die rasch erledigt

    werden würde. Nicht lange, und

    man ließ sich aus Südafrika melden,

    daß der "Zwischenfall Maritz"

    abgetan, die südafrikanische

    Sorge behoben sei. Aber neuerdings             Karte siehe oben 

    ist dieser Täuschung ein jähes

    Ende bereitet worden: General

    Beyers und Christian Dewet

    haben sich an die Spitze der Be-

    wegung gestellt, die bezweckt, das

    Joch der Engländer abzuschütteln.

    Die englische Regierung sieht

    sich genötigt, zu erklären: "Die

    Regierung hat in Erfahrung ge-

    bracht, daß bewaffnete Bürger im 

    Norden des Oranje=Frei-

    staates von Christian Dewet

    unter die Fahnen gerufen worden

    sind und daß bewaffnete auf-

    ständische Banden unter Beyers

    in West=Transvaal stehen.

    Außerdem sei die Stadt

    Heilbronn besetzt und ein

    Regierungsbeamter gefangen

    worden. In Reitz haben

    Aufständische einen Zug an-

    gehalten und bewaffnete Bürger

    seien von Landwehr ent-

    waffnet worden. Alle diese



  • June 16, 2017 21:06:53 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

     

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                            Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Briefkasten.       

       Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

    zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

    erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

    teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

    zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                     - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Zauberbild.


                                                           siehe oben 


                                                  Wo steckt der Franzose?

                

                                                      - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                             Rätsel.

                                         Ein jeder von  uns hat´s;

                                         Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                         Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                         Im deutschen Militär.

                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

    Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":

    1. Kalisch   2. Libau   3. Willun.

     


     rechte  Seite 

    Nummer 23                    "Parole." (Feldnummer.)                             179

     linke Spalte 

    Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903

    gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus

    acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und

    zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-

    schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von

    etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,

    ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-

    gange der Straße von Malakka.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                         Kleine Kriegsnachrichten.    

                                            Ein Zeppelin über Paris.  

       Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-

    schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs

    Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.

    Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde

    verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es

    entkam jedoch in den Wolken.

                                                        *

                      Der deutsche Minengürtel um England.

       Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit

    5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine

    Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig

    Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen

    Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-

    irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen

    Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel

    nicht auf sechzig Meilen nähern.

                                                        *

                        Ein deutscher Sieg in Ostafrika.

       Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre

    eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß

    belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry

    in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine

    vollständige Niederlage erlitten.

       Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem

    Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet

    einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist

    der Einfall siegreich zurückgewiesen worden. 

                                         - - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                   Burenaufstand in Südafrika.

                                             (Hierzu eine Karte.) 

       Als vor mehreren Wochen

    die Nachricht von der "Rebellion"

    des Burenobersten Maritz nach

    London kam, da glaubte man

    sich in England damit beruhigen 

    zu können, daß es sich hier nur

    um eine unbedeutende Angelegen-

    heit handle, die rasch erledigt

    werden würde. Nicht lange, und

    man ließ sich aus Südafrika melden,

    daß der "Zwischenfall Maritz"

    abgetan, die südafrikanische

    Sorge behoben sei. Aber neuerdings             Karte siehe oben 

    ist dieser Täuschung ein jähes

    Ende bereitet worden: General

    Beyers und Christian Dewet

    haben sich an die Spitze der Be-

    wegung gestellt, die bezweckt, das

    Joch der Engländer abzuschütteln.

    Die englische Regierung sieht

    sich genötigt, zu erklären: "Die

    Regierung hat in Erfahrung ge-

    bracht, daß bewaffnete Bürger im 

    Norden des Oranje=Frei-

    staates von Christian Dewet

    unter de Fahnen gerufen worden

    sind und daß bewaffnete auf-

    ständische Banden unter Beyers

    in West=Transvaal stehen.

    Außerdem sei die Stadt

    Heilbronn besetzt und ein

    Regierungsbeamter gefangen

    worden. In Reitz haben

    Aufständische einen Zug an-

    gehalten und bewaffnete Bürger

    seien von Landwehr ent-

    waffnet worden. Alle diese



  • June 16, 2017 20:42:33 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

     

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                            Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Briefkasten.       

       Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

    zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

    erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

    teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

    zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                     - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Zauberbild.


                                                           siehe oben 


                                                  Wo steckt der Franzose?

                

                                                      - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                             Rätsel.

                                         Ein jeder von  uns hat´s;

                                         Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                         Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                         Im deutschen Militär.

                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

    Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":

    1. Kalisch   2. Libau   3. Willun.

     


     rechte  Seite 

    Nummer 23                    "Parole." (Feldnummer.)                             179

     linke Spalte 

    Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903

    gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus

    acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und

    zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-

    schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von

    etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,

    ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-

    gange der Straße von Malakka.

                                            - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                         Kleine Kriegsnachrichten.    

                                            Ein Zeppelin über Paris.  

       Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-

    schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs

    Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.

    Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde

    verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es

    entkam jedoch in den Wolken.

                                                        *

                      Der deutsche Minengürtel um England.

       Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit

    5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine

    Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig

    Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen

    Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-

    irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen

    Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel

    nicht auf sechzig Meilen nähern.




          

     

     

     

     

     



  • June 16, 2017 19:57:15 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

     

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                            Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Briefkasten.       

       Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

    zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

    erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

    teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

    zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                     - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Zauberbild.


                                                           siehe oben 


                                                  Wo steckt der Franzose?

                

                                                      - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                             Rätsel.

                                         Ein jeder von  uns hat´s;

                                         Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                         Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                         Im deutschen Militär.

                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

    Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":

    1. Kalisch   2. Libau   3. Willun.

     


     rechte  Seite 

    Nummer 23                    "Parole." (Feldnummer.)                             179

     linke Spalte 

    Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903

    gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus

    acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und

    zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-

    schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von

    etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,

    ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-

    gange der Straße von Malakka.





          

     

     

     

     

     



  • June 16, 2017 19:56:27 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

     

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                            Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Briefkasten.       

       Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

    zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

    erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

    teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

    zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                     - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Zauberbild.


                                                           siehe oben 


                                                  Wo steckt der Franzose?

                

                                                      - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                             Rätsel.

                                         Ein jeder von  uns hat´s;

                                         Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                         Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                         Im deutschen Militär.

                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

    Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":

    1. Kalisch   2. Libau   3. Willun.

     


     rechte  Seite 

    Nummer 23                    "Parole." (Feldnummer.)                             179

     linke Spalte 

    Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903

    gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus

    acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und

    zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-

    schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von

    etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,

    ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-

    gange der Straße von Malakka.

    zwei Torpedorohren. Eie Maschinen veliehen

    acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren un





          

     

     

     

     

     



  • June 16, 2017 19:44:42 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                            Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Briefkasten.       

       Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

    zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

    erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

    teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

    zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                     - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Zauberbild.


                                                           siehe oben 


                                                  Wo steckt der Franzose?

                

                                                      - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                             Rätsel.

                                         Ein jeder von  uns hat´s;

                                         Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                         Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                         Im deutschen Militär.

                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

    Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":

    1. Kalisch   2. Libau   3. Willun.




          

     

     

     

     



  • June 16, 2017 19:43:18 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                            Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Briefkasten.       

       Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

    zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

    erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

    teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

    zuverlässige Adresse  mitzuteilen.

                                                     - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Zauberbild.


                                                           siehe oben 


                                                  Wo steckt der Franzose?

                

                                                      - - - - - - - - - - - - -- - - - - 

                                                             Rätsel.

                                         Ein jeder von  uns hat´s;

                                         Der Franzmann fürchtet´s sehr,

                                         Stellst Du zwei Zeichen  vorn ihm an,

                                         Im deutschen Militär.




          

     

     

     

     



  • June 16, 2017 19:36:48 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                            Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                           Briefkasten.       

       Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam

    zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel

    erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-

    teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und

    zuverlässige Adresse  mitzuteilen.




          

     

     

     

     



  • June 16, 2017 19:30:14 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

                                                    - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                    Heiteres.  

    Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:

    Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen

    sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"





          

     

     

     

     



  • June 16, 2017 19:25:14 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

                                   Was heute gelten soll, muß stark sein,

                                   Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

                                   Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

                                   Erdröhnen muß es wie Trompeten.

                                   Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

                                   Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

                                                                                                        Hans Frisch

          

     

     

     

     



  • June 16, 2017 19:23:33 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                                        Deutsche Worte.

    Was heute gelten soll, muß stark sein,

    Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,

    Es darf nicht säuseln und nicht flöten,

    Erdröhnen muß es wie Trompeten.

    Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:

    Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!

          

     

     

     

     



  • June 16, 2017 19:19:31 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der


     rechte Spalte 

    Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für

    unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt

    erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als

    Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als

    ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.

       * Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem

    "Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-

    reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen

    der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher

    geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit

    einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen

    wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre

    wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte  nicht genügend Worte finden,

    um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne 

    - die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine

    Kameraden gemacht hatte. 

       * Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem

    Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie

    folgt: Die in deutsche Gefangenschaft  geratenen Russen müssen sich, so un-

    gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden

    nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-

    mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich

    ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und

    da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert

    hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden

    die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot

    schneiden.

          

     

     

     

     



  • June 16, 2017 18:55:23 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo

    belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der







  • June 16, 2017 18:52:36 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort  cupio heißt "wünschen",

    "sehnen",  cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte

    Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein,erstarren und

    torpedo  die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht

    verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-

    zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-

    kommenden Zitterrochens,  verwandt. Dieser Fisch teilt den leblosen

    Wesen, die ihn  berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in

    den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man

    ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im

    Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,

    belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem

    Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796

    gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-

    danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das

    männliche Geschlecht "der Torpedo"  ist aber das richtige. Der Italiener, der 

    den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Topedo

    belegt. Heute können wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,

    wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der







  • June 16, 2017 18:29:03 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.

                                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                               Vermischtes.

       * Vom Torpedo.  Das lateinische Wort cupio


  • June 16, 2017 18:27:13 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                     Der Kommandiere General,

                      gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.


  • June 16, 2017 18:26:11 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                Der Kommandiere General,

                gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.

       Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen

    sich übe Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine

    Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.

    Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen

    Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder

    zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des

    Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre

    Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage

    einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle

    Beispiel zum Muster nehmen.


  • June 16, 2017 18:18:45 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                Der Kommandiere General,

                gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.

                                        - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                   Stimmen des Auslandes.

                    Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.



  • June 16, 2017 18:11:51 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

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        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht

    lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier 

    abgelöst werde, glaube ich nicht.  Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich

    weiter nach Westen.

       Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden

    allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.

       Daß Du nun mi tRecht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen

    darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen

     Ihr Lieben daheim!

                                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                                          Aus der Heimat.

                      Militärische Fürsorge für Privatangestellte. 

       Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-

    furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-

    kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber

    nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in

    erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als

    der durchweg wirtschaftlichen Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der

    jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu  nehmen, und es muß als verwerflich

    bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-

    drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch

    manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-

    hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die

    Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die

    durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.

    Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in

    bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,

    gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in 

    unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten

    erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.

                                Der Kommandiere General,

                gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie




  • June 16, 2017 17:45:39 Beate Jochem


    184                         "Parole." (Feldnummer.)                        23

     linke Seite 

        Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.

    Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-

    hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns 

    der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus

    dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch

    zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst einee Brücke

    gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere

    abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und

    Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein

    Reitpferd.  Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde

    nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken

    Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B. 

    Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,

    nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-

    setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das

    war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder

    Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.

    Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen

    und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach

    Ostende? 

     





  • June 16, 2017 17:24:02 Beate Jochem

    184                          "Parole." (Feldnummer.)                        23


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12998 / 199712
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Uta Hentschel
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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