Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 6
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184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Briefkasten.
Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam
zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel
erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-
teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und
zuverlässige Adresse mitzuteilen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Zauberbild.
siehe oben
Wo steckt der Franzose?
- - - - - - - - - - - - -- - - - -
Rätsel.
Ein jeder von uns hat´s;
Der Franzmann fürchtet´s sehr,
Stellst Du zwei Zeichen vorn ihm an,
Im deutschen Militär.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":
1. Kalisch 2. Libau 3. Willun.
__________________________________________________________________
Verlag: Deutscher Kriegerbund (Korporation)), Berlin. - Verantwortlich für die Redaktion: Dr. Friedrich Röhrs in Berlin=Friedenau, Redaktion: Berlin W. 50, Geisbergstr. 2.
Geschäftsstelle und Druck: W. Moeser Buchdruckerei, Berlin 8. 14, Stallschreiberstr. 34/35
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 179
linke Spalte
Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903
gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus
acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und
zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-
schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von
etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,
ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-
gange der Straße von Malakka.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Kleine Kriegsnachrichten.
Ein Zeppelin über Paris.
Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-
schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs
Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.
Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde
verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es
entkam jedoch in den Wolken.
*
Der deutsche Minengürtel um England.
Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit
5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine
Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig
Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen
Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-
irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen
Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel
nicht auf sechzig Meilen nähern.
*
Ein deutscher Sieg in Ostafrika.
Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre
eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß
belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry
in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine
vollständige Niederlage erlitten.
Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem
Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet
einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist
der Einfall siegreich zurückgewiesen worden.
- - - - - - - - - - - - - - - - - -
Burenaufstand in Südafrika.
(Hierzu eine Karte.)
Als vor mehreren Wochen
die Nachricht von der "Rebellion"
des Burenobersten Maritz nach
London kam, da glaubte man
sich in England damit beruhigen
zu können, daß es sich hier nur
um eine unbedeutende Angelegen-
heit handle, die rasch erledigt
werden würde. Nicht lange, und
man ließ sich aus Südafrika melden,
daß der "Zwischenfall Maritz"
abgetan, die südafrikanische
Sorge behoben sei. Aber neuerdings Karte siehe oben
ist dieser Täuschung ein jähes
Ende bereitet worden: General
Beyers und Christian Dewet
haben sich an die Spitze der Be-
wegung gestellt, die bezweckt, das
Joch der Engländer abzuschütteln.
Die englische Regierung sieht
sich genötigt, zu erklären: "Die
Regierung hat in Erfahrung ge-
bracht, daß bewaffnete Bürger im
Norden des Oranje=Frei-
staates von Christian Dewet
unter die Fahnen gerufen worden
sind und daß bewaffnete auf-
ständische Banden unter Beyers
in West=Transvaal stehen.
Außerdem sei die Stadt
Heilbronn besetzt und ein
Regierungsbeamter gefangen
worden. In Reitz haben
Aufständische einen Zug an-
gehalten und bewaffnete Bürger
seien von Landwehr ent-
waffnet worden. Alle diese
rechte Spalte
Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-
zugreifen."
Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus
dem letzten Freiheitskriege wider England, derjenige zugleich, der dem
Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Widerstand
entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen
Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-
befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese
Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-
land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des
Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen
Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Welt
deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der
englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.
*
Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.
Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an
die Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:
An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen
Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so
suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.
Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen
die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im
Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,
denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die
Engländer bis zum äußersten führen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Krieg der Türkei gegen Rußland.
Der seit einem Vierteljahre West= und Mitteleuropa beherrschende
Krieg hat nun auch den nahen Osten in Brand gesetzt. Die Türkei
hat die Feindseligkeiten gegen Rußland eröffnet, weil Rußland türkischen
Kriegschiffen völkerrechtswidrig verboten hatte, die türkischen Gewässer
zu verlassen. Eine amtliche russische Nachricht lautet:
Petersburg, 29. Oktober. Die Petersburger Telegraphen-
Agentur meldet: Zwischen 9 1/2 und 10 1/2 Uhr vormittags hat
ein türkischer Kreuzer mit drei Schornsteinen in Theodosia
den Bahnhof und die Stadt beschossen und die Kathedrale,
die griechische Kirche, die Speicher am Hafen und die Mole
beschädigt. Ein Soldat wurde verwundet. Die Filiale der
Russischen Bank für auswärtigen Handel geriet in Brand.
Um 10 1/2 Uhr dampfte der Kreuzer nach Südwesten ab. In
Noworossijsk ist der türkische Kreuzer Hamidie angekommen
und hat die Stadt aufgefordert, sich zu ergeben und das Staats-
Karte siehe oben
Das Aufstandsgebiet in Südafrika.
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184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
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Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
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Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
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Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
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Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Briefkasten.
Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam
zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel
erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-
teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und
zuverlässige Adresse mitzuteilen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Zauberbild.
siehe oben
Wo steckt der Franzose?
- - - - - - - - - - - - -- - - - -
Rätsel.
Ein jeder von uns hat´s;
Der Franzmann fürchtet´s sehr,
Stellst Du zwei Zeichen vorn ihm an,
Im deutschen Militär.
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Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":
1. Kalisch 2. Libau 3. Willun.
__________________________________________________________________
Verlag: Deutscher Kriegerbund (Korporation)), Berlin. - Verantwortlich für die Redaktion: Dr. Friedrich Röhrs in Berlin=Friedenau, Redaktion: Berlin W. 50, Geisbergstr. 2.
Geschäftsstelle und Druck: W. Moeser Buchdruckerei, Berlin 8. 14, Stallschreiberstr. 34/35
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 179
linke Spalte
Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903
gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus
acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und
zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-
schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von
etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,
ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-
gange der Straße von Malakka.
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Kleine Kriegsnachrichten.
Ein Zeppelin über Paris.
Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-
schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs
Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.
Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde
verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es
entkam jedoch in den Wolken.
*
Der deutsche Minengürtel um England.
Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit
5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine
Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig
Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen
Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-
irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen
Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel
nicht auf sechzig Meilen nähern.
*
Ein deutscher Sieg in Ostafrika.
Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre
eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß
belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry
in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine
vollständige Niederlage erlitten.
Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem
Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet
einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist
der Einfall siegreich zurückgewiesen worden.
- - - - - - - - - - - - - - - - - -
Burenaufstand in Südafrika.
(Hierzu eine Karte.)
Als vor mehreren Wochen
die Nachricht von der "Rebellion"
des Burenobersten Maritz nach
London kam, da glaubte man
sich in England damit beruhigen
zu können, daß es sich hier nur
um eine unbedeutende Angelegen-
heit handle, die rasch erledigt
werden würde. Nicht lange, und
man ließ sich aus Südafrika melden,
daß der "Zwischenfall Maritz"
abgetan, die südafrikanische
Sorge behoben sei. Aber neuerdings Karte siehe oben
ist dieser Täuschung ein jähes
Ende bereitet worden: General
Beyers und Christian Dewet
haben sich an die Spitze der Be-
wegung gestellt, die bezweckt, das
Joch der Engländer abzuschütteln.
Die englische Regierung sieht
sich genötigt, zu erklären: "Die
Regierung hat in Erfahrung ge-
bracht, daß bewaffnete Bürger im
Norden des Oranje=Frei-
staates von Christian Dewet
unter die Fahnen gerufen worden
sind und daß bewaffnete auf-
ständische Banden unter Beyers
in West=Transvaal stehen.
Außerdem sei die Stadt
Heilbronn besetzt und ein
Regierungsbeamter gefangen
worden. In Reitz haben
Aufständische einen Zug an-
gehalten und bewaffnete Bürger
seien von Landwehr ent-
waffnet worden. Alle diese
rechte Spalte
Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-
zugreifen."
Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus
dem letzten Freiheitskriege wider England, derjenige zugleich, der dem
Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Widerstand
entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen
Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-
befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese
Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-
land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des
Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen
Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Welt
deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der
englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.
*
Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.
Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an
die Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:
An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen
Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so
suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.
Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen
die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im
Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,
denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die
Engländer bis zum äußersten führen.
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Krieg der Türkei gegen Rußland.
Der seit einem Vierteljahre West= und Mitteleuropa beherrschende
Krieg hat nun auch den nahen Osten in Brand gesetzt. Die Türkei
hat die Feindseligkeiten gegen Rußland eröffnet, weil Rußland türkischen
Kriegschiffen völkerrechtswidrig verboten hatte, die türkischen Gewässer
zu verlassen. Eine amtliche russische Nachricht lautet:
Petersburg, 29. Oktober. Die Petersburger Telegraphen-
Agentur meldet: Zwischen 9 1/2 und 10 1/2 Uhr vormittags hat
ein türkischer Kreuzer mit drei Schornsteinen in Theodosia
den Bahnhof und die Stadt beschossen und die Kathedrale,
die griechische Kirche, die Speicher am Hafen und die Mole
beschädigt. Ein Soldat wurde verwundet. Die Filiale der
Russischen Bank für auswärtigen Handel geriet in Brand.
Um 10 1/2 Uhr dampfte der Kreuzer nach Südwesten ab. In
Noworossijsk ist der türkische Kreuzer Hamidie angekommen
und hat die Stadt aufgefordert, sich zu ergeben und das Staats-
Karte siehe oben
Das Aufstandsgebiet in Südafrika.
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Briefkasten.
Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam
zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel
erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-
teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und
zuverlässige Adresse mitzuteilen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Zauberbild.
siehe oben
Wo steckt der Franzose?
- - - - - - - - - - - - -- - - - -
Rätsel.
Ein jeder von uns hat´s;
Der Franzmann fürchtet´s sehr,
Stellst Du zwei Zeichen vorn ihm an,
Im deutschen Militär.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":
1. Kalisch 2. Libau 3. Willun.
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 179
linke Spalte
Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903
gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus
acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und
zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-
schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von
etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,
ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-
gange der Straße von Malakka.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Kleine Kriegsnachrichten.
Ein Zeppelin über Paris.
Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-
schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs
Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.
Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde
verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es
entkam jedoch in den Wolken.
*
Der deutsche Minengürtel um England.
Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit
5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine
Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig
Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen
Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-
irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen
Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel
nicht auf sechzig Meilen nähern.
*
Ein deutscher Sieg in Ostafrika.
Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre
eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß
belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry
in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine
vollständige Niederlage erlitten.
Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem
Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet
einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist
der Einfall siegreich zurückgewiesen worden.
- - - - - - - - - - - - - - - - - -
Burenaufstand in Südafrika.
(Hierzu eine Karte.)
Als vor mehreren Wochen
die Nachricht von der "Rebellion"
des Burenobersten Maritz nach
London kam, da glaubte man
sich in England damit beruhigen
zu können, daß es sich hier nur
um eine unbedeutende Angelegen-
heit handle, die rasch erledigt
werden würde. Nicht lange, und
man ließ sich aus Südafrika melden,
daß der "Zwischenfall Maritz"
abgetan, die südafrikanische
Sorge behoben sei. Aber neuerdings Karte siehe oben
ist dieser Täuschung ein jähes
Ende bereitet worden: General
Beyers und Christian Dewet
haben sich an die Spitze der Be-
wegung gestellt, die bezweckt, das
Joch der Engländer abzuschütteln.
Die englische Regierung sieht
sich genötigt, zu erklären: "Die
Regierung hat in Erfahrung ge-
bracht, daß bewaffnete Bürger im
Norden des Oranje=Frei-
staates von Christian Dewet
unter die Fahnen gerufen worden
sind und daß bewaffnete auf-
ständische Banden unter Beyers
in West=Transvaal stehen.
Außerdem sei die Stadt
Heilbronn besetzt und ein
Regierungsbeamter gefangen
worden. In Reitz haben
Aufständische einen Zug an-
gehalten und bewaffnete Bürger
seien von Landwehr ent-
waffnet worden. Alle diese
rechte Spalte
Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-
zugreifen."
Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus
dem letzten Freiheitskriege wider England, derjenige zugleich, der dem
Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Widerstand
entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen
Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-
befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese
Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-
land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des
Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen
Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Welt
deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der
englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.
*
Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.
Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an
die Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:
An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen
Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so
suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.
Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen
die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im
Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,
denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die
Engländer bis zum äußersten führen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Krieg der Türkei gegen Rußland.
Der seit einem Vierteljahre West= und Mitteleuropa beherrschende
Krieg hat nun auch den nahen Osten in Brand gesetzt. Die Türkei
hat die Feindseligkeiten gegen Rußland eröffnet, weil Rußland türkischen
Kriegschiffen völkerrechtswidrig verboten hatte, die türkischen Gewässer
zu verlassen. Eine amtliche russische Nachricht lautet:
Petersburg, 29. Oktober. Die Petersburger Telegraphen-
Agentur meldet: Zwischen 9 1/2 und 10 1/2 Uhr vormittags hat
ein türkischer Kreuzer mit drei Schornsteinen in Theodosia
den Bahnhof und die Stadt beschossen und die Kathedrale,
die griechische Kirche, die Speicher am Hafen und die Mole
beschädigt. Ein Soldat wurde verwundet. Die Filiale der
Russischen Bank für auswärtigen Handel geriet in Brand.
Um 10 1/2 Uhr dampfte der Kreuzer nach Südwesten ab. In
Noworossijsk ist der türkische Kreuzer Hamidie angekommen
und hat die Stadt aufgefordert, sich zu ergeben und das Staats-
Karte siehe oben
Das Aufstandsgebiet in Südafrika.
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
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Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
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Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Briefkasten.
Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam
zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel
erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-
teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und
zuverlässige Adresse mitzuteilen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Zauberbild.
siehe oben
Wo steckt der Franzose?
- - - - - - - - - - - - -- - - - -
Rätsel.
Ein jeder von uns hat´s;
Der Franzmann fürchtet´s sehr,
Stellst Du zwei Zeichen vorn ihm an,
Im deutschen Militär.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":
1. Kalisch 2. Libau 3. Willun.
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 179
linke Spalte
Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903
gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus
acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und
zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-
schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von
etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,
ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-
gange der Straße von Malakka.
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Kleine Kriegsnachrichten.
Ein Zeppelin über Paris.
Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-
schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs
Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.
Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde
verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es
entkam jedoch in den Wolken.
*
Der deutsche Minengürtel um England.
Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit
5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine
Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig
Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen
Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-
irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen
Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel
nicht auf sechzig Meilen nähern.
*
Ein deutscher Sieg in Ostafrika.
Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre
eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß
belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry
in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine
vollständige Niederlage erlitten.
Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem
Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet
einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist
der Einfall siegreich zurückgewiesen worden.
- - - - - - - - - - - - - - - - - -
Burenaufstand in Südafrika.
(Hierzu eine Karte.)
Als vor mehreren Wochen
die Nachricht von der "Rebellion"
des Burenobersten Maritz nach
London kam, da glaubte man
sich in England damit beruhigen
zu können, daß es sich hier nur
um eine unbedeutende Angelegen-
heit handle, die rasch erledigt
werden würde. Nicht lange, und
man ließ sich aus Südafrika melden,
daß der "Zwischenfall Maritz"
abgetan, die südafrikanische
Sorge behoben sei. Aber neuerdings Karte siehe oben
ist dieser Täuschung ein jähes
Ende bereitet worden: General
Beyers und Christian Dewet
haben sich an die Spitze der Be-
wegung gestellt, die bezweckt, das
Joch der Engländer abzuschütteln.
Die englische Regierung sieht
sich genötigt, zu erklären: "Die
Regierung hat in Erfahrung ge-
bracht, daß bewaffnete Bürger im
Norden des Oranje=Frei-
staates von Christian Dewet
unter die Fahnen gerufen worden
sind und daß bewaffnete auf-
ständische Banden unter Beyers
in West=Transvaal stehen.
Außerdem sei die Stadt
Heilbronn besetzt und ein
Regierungsbeamter gefangen
worden. In Reitz haben
Aufständische einen Zug an-
gehalten und bewaffnete Bürger
seien von Landwehr ent-
waffnet worden. Alle diese
rechte Spalte
Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-
zugreifen."
Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus
dem letzten Freiheitskriege wider England, derjenige zugleich, der dem
Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Widerstand
entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen
Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-
befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese
Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-
land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des
Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen
Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Welt
deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der
englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.
*
Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.
Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an
die Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:
An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen
Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so
suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.
Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen
die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im
Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,
denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die
Engländer bis zum äußersten führen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Krieg der Türkei gegen Rußland.
Der seit einem Vierteljahre West= und Mitteleuropa beherrschende
Krieg hat nun auch den nahen Osten in Brand gesetzt. Die Türkei
hat die Feindseligkeiten gegen Rußland eröffnet, weil Rußland türkischen
Kriegscgiffen völkerrechtswidrig verboten hatte, die türkischen Gewässer
zu verlassen. Eine amtliche russische Nachricht lautet:
Petersburg, 29.Oktober. Die Petersburger Telegraphen-
Agentur meldet: Zwischen 9 1/2 und 10 1/2 Uhr vormittags hat
ein türkischer Kreuzer mit drei Schornsteinen in Theodosia
den Bahnhof und die Stadt beschossen und die Kathedrale,
die griechische Kirche, die Speicher am Hafen und die Mole
beschädigt. Ein Soldat wurde verwundet. Die Filiale der
Russischen Bank für auswärtigen Handel geriet in Brand.
Um 10 1/2 Uhr dampfte der Kreuzer nach Südwesten ab. In
Noworossijsk ist der türkische Kreuzer Hamidie angekommen
und hat die Stadt aufgefordert, sich zu ergeben und das Staats-
Karte siehe oben
Das Aufstandsgebiet in Südafrika.
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Briefkasten.
Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam
zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel
erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-
teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und
zuverlässige Adresse mitzuteilen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Zauberbild.
siehe oben
Wo steckt der Franzose?
- - - - - - - - - - - - -- - - - -
Rätsel.
Ein jeder von uns hat´s;
Der Franzmann fürchtet´s sehr,
Stellst Du zwei Zeichen vorn ihm an,
Im deutschen Militär.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":
1. Kalisch 2. Libau 3. Willun.
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 179
linke Spalte
Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903
gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus
acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und
zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-
schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von
etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,
ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-
gange der Straße von Malakka.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Kleine Kriegsnachrichten.
Ein Zeppelin über Paris.
Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-
schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs
Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.
Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde
verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es
entkam jedoch in den Wolken.
*
Der deutsche Minengürtel um England.
Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit
5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine
Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig
Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen
Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-
irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen
Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel
nicht auf sechzig Meilen nähern.
*
Ein deutscher Sieg in Ostafrika.
Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre
eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß
belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry
in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine
vollständige Niederlage erlitten.
Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem
Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet
einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist
der Einfall siegreich zurückgewiesen worden.
- - - - - - - - - - - - - - - - - -
Burenaufstand in Südafrika.
(Hierzu eine Karte.)
Als vor mehreren Wochen
die Nachricht von der "Rebellion"
des Burenobersten Maritz nach
London kam, da glaubte man
sich in England damit beruhigen
zu können, daß es sich hier nur
um eine unbedeutende Angelegen-
heit handle, die rasch erledigt
werden würde. Nicht lange, und
man ließ sich aus Südafrika melden,
daß der "Zwischenfall Maritz"
abgetan, die südafrikanische
Sorge behoben sei. Aber neuerdings Karte siehe oben
ist dieser Täuschung ein jähes
Ende bereitet worden: General
Beyers und Christian Dewet
haben sich an die Spitze der Be-
wegung gestellt, die bezweckt, das
Joch der Engländer abzuschütteln.
Die englische Regierung sieht
sich genötigt, zu erklären: "Die
Regierung hat in Erfahrung ge-
bracht, daß bewaffnete Bürger im
Norden des Oranje=Frei-
staates von Christian Dewet
unter die Fahnen gerufen worden
sind und daß bewaffnete auf-
ständische Banden unter Beyers
in West=Transvaal stehen.
Außerdem sei die Stadt
Heilbronn besetzt und ein
Regierungsbeamter gefangen
worden. In Reitz haben
Aufständische einen Zug an-
gehalten und bewaffnete Bürger
seien von Landwehr ent-
waffnet worden. Alle diese
rechte Spalte
Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-
zugreifen."
Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus
dem letzten Freiheitskriege wider England, derjenige zugleich, der dem
Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Widerstand
entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen
Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-
befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese
Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-
land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des
Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen
Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Welt
deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der
englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.
*
Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.
Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an
die Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:
An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen
Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so
suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.
Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen
die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im
Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,
denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die
Engländer bis zum äußersten führen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Krieg der Türkei gegen Rußland.
Der seit einem Vierteljahre West= und Mitteleuropa beherrschende
Krieg hat nun auch den nahen Osten in Brand gesetzt. Die Türkei
hat die Feindseligkeiten gegen Rußland eröffnet, weil Rußland türkischen
Kriegscgiffen völkerrechtswidrig verboten hatte, die türkischen Gewässer
zu verlassen. Eine amtliche russische Nachricht lautet:
Petersburg, 29.Oktober. Die Petersburger Telegraphen-
Agentur meldet: Zwischen 9 1/2 und 10 1/2 Uhr vormittags hat
ein türkischer Kreuzer mit drei Schornsteinen in Theodosia
den Bahnhof und die Stadt beschossen und die Kathedrale,
die griechische Kirche, die Speicher am Hafen und die Mole
beschädigt. Ein Soldat wurde verwundet. Die Filiale der
Russischen Bank für auswärtigen Handel geriet in Brand.
Um 10 1/2 Uhr dampfte der Kreuzer nach Südwesten ab. In
Noworossijsk ist der türkische Kreuzer Hamidie angekommen
und hat die Stadt aufgefordert, sich zu ergeben und das Staats-
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
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Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
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Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Briefkasten.
Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam
zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel
erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-
teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und
zuverlässige Adresse mitzuteilen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Zauberbild.
siehe oben
Wo steckt der Franzose?
- - - - - - - - - - - - -- - - - -
Rätsel.
Ein jeder von uns hat´s;
Der Franzmann fürchtet´s sehr,
Stellst Du zwei Zeichen vorn ihm an,
Im deutschen Militär.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":
1. Kalisch 2. Libau 3. Willun.
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 179
linke Spalte
Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903
gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus
acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und
zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-
schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von
etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,
ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-
gange der Straße von Malakka.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Kleine Kriegsnachrichten.
Ein Zeppelin über Paris.
Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-
schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs
Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.
Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde
verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es
entkam jedoch in den Wolken.
*
Der deutsche Minengürtel um England.
Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit
5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine
Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig
Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen
Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-
irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen
Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel
nicht auf sechzig Meilen nähern.
*
Ein deutscher Sieg in Ostafrika.
Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre
eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß
belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry
in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine
vollständige Niederlage erlitten.
Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem
Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet
einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist
der Einfall siegreich zurückgewiesen worden.
- - - - - - - - - - - - - - - - - -
Burenaufstand in Südafrika.
(Hierzu eine Karte.)
Als vor mehreren Wochen
die Nachricht von der "Rebellion"
des Burenobersten Maritz nach
London kam, da glaubte man
sich in England damit beruhigen
zu können, daß es sich hier nur
um eine unbedeutende Angelegen-
heit handle, die rasch erledigt
werden würde. Nicht lange, und
man ließ sich aus Südafrika melden,
daß der "Zwischenfall Maritz"
abgetan, die südafrikanische
Sorge behoben sei. Aber neuerdings Karte siehe oben
ist dieser Täuschung ein jähes
Ende bereitet worden: General
Beyers und Christian Dewet
haben sich an die Spitze der Be-
wegung gestellt, die bezweckt, das
Joch der Engländer abzuschütteln.
Die englische Regierung sieht
sich genötigt, zu erklären: "Die
Regierung hat in Erfahrung ge-
bracht, daß bewaffnete Bürger im
Norden des Oranje=Frei-
staates von Christian Dewet
unter die Fahnen gerufen worden
sind und daß bewaffnete auf-
ständische Banden unter Beyers
in West=Transvaal stehen.
Außerdem sei die Stadt
Heilbronn besetzt und ein
Regierungsbeamter gefangen
worden. In Reitz haben
Aufständische einen Zug an-
gehalten und bewaffnete Bürger
seien von Landwehr ent-
waffnet worden. Alle diese
rechte Spalte
Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-
zugreifen."
Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus
dem letzten Freiheitskriege wider England, derjenige zugleich, der dem
Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Widerstand
entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen
Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-
befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese
Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-
land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des
Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen
Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Welt
deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der
englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.
*
Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.
Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an
die Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:
An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen
Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so
suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.
Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen
die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im
Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,
denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die
Engländer bis zum äußersten führen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Krieg der Türkei gegen Rußland.
Der seit einem Vierteljahre West= und Mitteleuropa beherrschende
Krieg hat nun auch den nahen Osten in Brand gesetzt. Die Türkei
hat die Feindseligkeiten gegen Rußland eröffnet, weil Rußland türkischen
Kriegscgiffen völkerrechtswidrig verboten hatte, die türkischen Gewässer
zu verlassen. Eine amtliche russische Nachricht lautet:
Petersburg, 29.Oktober. Die Petersburger Telegraphen-
Agenturr meldet: zwischen 9 1/2 und 10 1/2 Uhr vormittags hat
ein türkischer Kreuzer mit drei Schornsteinen in Theodosia
den Bahnhof und die Stadt beschossen und die Kathedrale,
die griechische Kirche, die Speicher am Hafen und die Mole
beschädigt. Ein Soldat wurde verwundet. Die Filiale der
Russischen Bank für auswärtigen Handel geriet in Brand.
Um 10 1/2 Uhr dampfte er Kreuzer nach Südwesten ab. In
Noworossijsk ist der türkische Kreuzer Hamidie angekommen
und hat die Stadt aufgefordert, sich zu ergeben und das Staats-
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Briefkasten.
Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam
zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel
erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-
teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und
zuverlässige Adresse mitzuteilen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Zauberbild.
siehe oben
Wo steckt der Franzose?
- - - - - - - - - - - - -- - - - -
Rätsel.
Ein jeder von uns hat´s;
Der Franzmann fürchtet´s sehr,
Stellst Du zwei Zeichen vorn ihm an,
Im deutschen Militär.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":
1. Kalisch 2. Libau 3. Willun.
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 179
linke Spalte
Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903
gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus
acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und
zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-
schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von
etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,
ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-
gange der Straße von Malakka.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Kleine Kriegsnachrichten.
Ein Zeppelin über Paris.
Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-
schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs
Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.
Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde
verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es
entkam jedoch in den Wolken.
*
Der deutsche Minengürtel um England.
Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit
5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine
Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig
Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen
Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-
irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen
Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel
nicht auf sechzig Meilen nähern.
*
Ein deutscher Sieg in Ostafrika.
Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre
eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß
belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry
in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine
vollständige Niederlage erlitten.
Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem
Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet
einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist
der Einfall siegreich zurückgewiesen worden.
- - - - - - - - - - - - - - - - - -
Burenaufstand in Südafrika.
(Hierzu eine Karte.)
Als vor mehreren Wochen
die Nachricht von der "Rebellion"
des Burenobersten Maritz nach
London kam, da glaubte man
sich in England damit beruhigen
zu können, daß es sich hier nur
um eine unbedeutende Angelegen-
heit handle, die rasch erledigt
werden würde. Nicht lange, und
man ließ sich aus Südafrika melden,
daß der "Zwischenfall Maritz"
abgetan, die südafrikanische
Sorge behoben sei. Aber neuerdings Karte siehe oben
ist dieser Täuschung ein jähes
Ende bereitet worden: General
Beyers und Christian Dewet
haben sich an die Spitze der Be-
wegung gestellt, die bezweckt, das
Joch der Engländer abzuschütteln.
Die englische Regierung sieht
sich genötigt, zu erklären: "Die
Regierung hat in Erfahrung ge-
bracht, daß bewaffnete Bürger im
Norden des Oranje=Frei-
staates von Christian Dewet
unter die Fahnen gerufen worden
sind und daß bewaffnete auf-
ständische Banden unter Beyers
in West=Transvaal stehen.
Außerdem sei die Stadt
Heilbronn besetzt und ein
Regierungsbeamter gefangen
worden. In Reitz haben
Aufständische einen Zug an-
gehalten und bewaffnete Bürger
seien von Landwehr ent-
waffnet worden. Alle diese
rechte Spalte
Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-
zugreifen."
Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus
dem letzten Freiheitskriege wider England, derjenige zugleich, der dem
Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Widerstand
entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen
Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-
befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese
Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-
land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des
Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen
Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Welt
deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der
englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.
*
Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.
Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an
die Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:
An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen
Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so
suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.
Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen
die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im
Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,
denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die
Engländer bis zum äußersten führen.
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
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Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Briefkasten.
Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam
zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel
erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-
teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und
zuverlässige Adresse mitzuteilen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Zauberbild.
siehe oben
Wo steckt der Franzose?
- - - - - - - - - - - - -- - - - -
Rätsel.
Ein jeder von uns hat´s;
Der Franzmann fürchtet´s sehr,
Stellst Du zwei Zeichen vorn ihm an,
Im deutschen Militär.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":
1. Kalisch 2. Libau 3. Willun.
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 179
linke Spalte
Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903
gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus
acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und
zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-
schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von
etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,
ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-
gange der Straße von Malakka.
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Kleine Kriegsnachrichten.
Ein Zeppelin über Paris.
Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-
schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs
Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.
Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde
verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es
entkam jedoch in den Wolken.
*
Der deutsche Minengürtel um England.
Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit
5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine
Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig
Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen
Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-
irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen
Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel
nicht auf sechzig Meilen nähern.
*
Ein deutscher Sieg in Ostafrika.
Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre
eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß
belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry
in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine
vollständige Niederlage erlitten.
Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem
Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet
einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist
der Einfall siegreich zurückgewiesen worden.
- - - - - - - - - - - - - - - - - -
Burenaufstand in Südafrika.
(Hierzu eine Karte.)
Als vor mehreren Wochen
die Nachricht von der "Rebellion"
des Burenobersten Maritz nach
London kam, da glaubte man
sich in England damit beruhigen
zu können, daß es sich hier nur
um eine unbedeutende Angelegen-
heit handle, die rasch erledigt
werden würde. Nicht lange, und
man ließ sich aus Südafrika melden,
daß der "Zwischenfall Maritz"
abgetan, die südafrikanische
Sorge behoben sei. Aber neuerdings Karte siehe oben
ist dieser Täuschung ein jähes
Ende bereitet worden: General
Beyers und Christian Dewet
haben sich an die Spitze der Be-
wegung gestellt, die bezweckt, das
Joch der Engländer abzuschütteln.
Die englische Regierung sieht
sich genötigt, zu erklären: "Die
Regierung hat in Erfahrung ge-
bracht, daß bewaffnete Bürger im
Norden des Oranje=Frei-
staates von Christian Dewet
unter die Fahnen gerufen worden
sind und daß bewaffnete auf-
ständische Banden unter Beyers
in West=Transvaal stehen.
Außerdem sei die Stadt
Heilbronn besetzt und ein
Regierungsbeamter gefangen
worden. In Reitz haben
Aufständische einen Zug an-
gehalten und bewaffnete Bürger
seien von Landwehr ent-
waffnet worden. Alle diese
rechte Spalte
Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-
zugreifen."
Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus
dem letzten Freiheitskriege wieder England, derjenige zugleich, der dem
Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Wiederstand
entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen
Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-
befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese
Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-
land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des
Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen
Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Weltnd vorbereitet
deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der
englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.
*
Gouveneur Seitz an Oberst Maritz.
Der deutsche Gouverneur von Deutsch=Südwestafrika Seitz hat an
Truppen des Obersten Maritz folgenden Aufruf gerichtet:
An die holländischen Bürger von Südafrika. Da englische Truppen
Romansdrist genommen und die deutsche Grenze überschritten haben, so
suchen sie damit den europäischen Krieg nach Südafrika hinüberzubringen.
Ich erkläre daher ausdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen
die holländischen Bürger von Südafrika wünschen. Sie tun im
Gegenteil alles, um den englischen Angriff auf allen Punkten zurückzuwerfen,
denn sie werden den Krieg gegen die Engländer und allein gegen die
Engländer bis zum äußersten führen.
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Briefkasten.
Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam
zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel
erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-
teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und
zuverlässige Adresse mitzuteilen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Zauberbild.
siehe oben
Wo steckt der Franzose?
- - - - - - - - - - - - -- - - - -
Rätsel.
Ein jeder von uns hat´s;
Der Franzmann fürchtet´s sehr,
Stellst Du zwei Zeichen vorn ihm an,
Im deutschen Militär.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":
1. Kalisch 2. Libau 3. Willun.
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 179
linke Spalte
Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903
gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus
acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und
zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-
schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von
etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,
ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-
gange der Straße von Malakka.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Kleine Kriegsnachrichten.
Ein Zeppelin über Paris.
Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-
schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs
Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.
Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde
verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es
entkam jedoch in den Wolken.
*
Der deutsche Minengürtel um England.
Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit
5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine
Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig
Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen
Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-
irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen
Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel
nicht auf sechzig Meilen nähern.
*
Ein deutscher Sieg in Ostafrika.
Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre
eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß
belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry
in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine
vollständige Niederlage erlitten.
Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem
Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet
einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist
der Einfall siegreich zurückgewiesen worden.
- - - - - - - - - - - - - - - - - -
Burenaufstand in Südafrika.
(Hierzu eine Karte.)
Als vor mehreren Wochen
die Nachricht von der "Rebellion"
des Burenobersten Maritz nach
London kam, da glaubte man
sich in England damit beruhigen
zu können, daß es sich hier nur
um eine unbedeutende Angelegen-
heit handle, die rasch erledigt
werden würde. Nicht lange, und
man ließ sich aus Südafrika melden,
daß der "Zwischenfall Maritz"
abgetan, die südafrikanische
Sorge behoben sei. Aber neuerdings Karte siehe oben
ist dieser Täuschung ein jähes
Ende bereitet worden: General
Beyers und Christian Dewet
haben sich an die Spitze der Be-
wegung gestellt, die bezweckt, das
Joch der Engländer abzuschütteln.
Die englische Regierung sieht
sich genötigt, zu erklären: "Die
Regierung hat in Erfahrung ge-
bracht, daß bewaffnete Bürger im
Norden des Oranje=Frei-
staates von Christian Dewet
unter die Fahnen gerufen worden
sind und daß bewaffnete auf-
ständische Banden unter Beyers
in West=Transvaal stehen.
Außerdem sei die Stadt
Heilbronn besetzt und ein
Regierungsbeamter gefangen
worden. In Reitz haben
Aufständische einen Zug an-
gehalten und bewaffnete Bürger
seien von Landwehr ent-
waffnet worden. Alle diese
rechte Spalte
Umstände haben die Regierung gezwungen, mit starker Hand ein-
zugreifen."
Christian Dewet ist der volkstümlichste aller Burenhelden aus
dem letzten Freiheitskriege wieder England, derjenige zugleich, der dem
Frieden mit dem Besieger den längsten und hartnäckigsten Wiederstand
entgegengesetzt hatte. Das Ansehen des Generals Beyers im ganzen
Burenvolke ist kaum minder groß. Er war bis vor kurzem der Ober-
befehlshaber der südafrikanischen Streitkräfte und verzichtete auf diese
Stellung, weil er die Teilnahme Englands am Kriege gegen Deutsch-
land nicht billigte. Wenn sich diese beiden führenden Männer des
Burenvolkes nunmehr entschlossen an die Spitze der englandfeindlichen
Bewegung in Südafrika gestellt haben, so wird es vor aller Weltnd vorbereitet
deutlich, daß hier sich ein Aufstand vorbereitet, der den Bestand der
englischen Herrschaft in Südafrika ernstlich bedroht.
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Briefkasten.
Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam
zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel
erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-
teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und
zuverlässige Adresse mitzuteilen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Zauberbild.
siehe oben
Wo steckt der Franzose?
- - - - - - - - - - - - -- - - - -
Rätsel.
Ein jeder von uns hat´s;
Der Franzmann fürchtet´s sehr,
Stellst Du zwei Zeichen vorn ihm an,
Im deutschen Militär.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":
1. Kalisch 2. Libau 3. Willun.
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 179
linke Spalte
Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903
gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus
acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und
zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-
schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von
etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,
ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-
gange der Straße von Malakka.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Kleine Kriegsnachrichten.
Ein Zeppelin über Paris.
Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-
schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs
Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.
Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde
verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es
entkam jedoch in den Wolken.
*
Der deutsche Minengürtel um England.
Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit
5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine
Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig
Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen
Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-
irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen
Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel
nicht auf sechzig Meilen nähern.
*
Ein deutscher Sieg in Ostafrika.
Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre
eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß
belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry
in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine
vollständige Niederlage erlitten.
Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem
Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet
einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist
der Einfall siegreich zurückgewiesen worden.
- - - - - - - - - - - - - - - - - -
Burenaufstand in Südafrika.
(Hierzu eine Karte.)
Als vor mehreren Wochen
die Nachricht von der "Rebellion"
des Burenobersten Maritz nach
London kam, da glaubte man
sich in England damit beruhigen
zu können, daß es sich hier nur
um eine unbedeutende Angelegen-
heit handle, die rasch erledigt
werden würde. Nicht lange, und
man ließ sich aus Südafrika melden,
daß der "Zwischenfall Maritz"
abgetan, die südafrikanische
Sorge behoben sei. Aber neuerdings Karte siehe oben
ist dieser Täuschung ein jähes
Ende bereitet worden: General
Beyers und Christian Dewet
haben sich an die Spitze der Be-
wegung gestellt, die bezweckt, das
Joch der Engländer abzuschütteln.
Die englische Regierung sieht
sich genötigt, zu erklären: "Die
Regierung hat in Erfahrung ge-
bracht, daß bewaffnete Bürger im
Norden des Oranje=Frei-
staates von Christian Dewet
unter die Fahnen gerufen worden
sind und daß bewaffnete auf-
ständische Banden unter Beyers
in West=Transvaal stehen.
Außerdem sei die Stadt
Heilbronn besetzt und ein
Regierungsbeamter gefangen
worden. In Reitz haben
Aufständische einen Zug an-
gehalten und bewaffnete Bürger
seien von Landwehr ent-
waffnet worden. Alle diese
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Briefkasten.
Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam
zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel
erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-
teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und
zuverlässige Adresse mitzuteilen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Zauberbild.
siehe oben
Wo steckt der Franzose?
- - - - - - - - - - - - -- - - - -
Rätsel.
Ein jeder von uns hat´s;
Der Franzmann fürchtet´s sehr,
Stellst Du zwei Zeichen vorn ihm an,
Im deutschen Militär.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":
1. Kalisch 2. Libau 3. Willun.
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 179
linke Spalte
Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903
gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus
acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und
zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-
schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von
etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,
ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-
gange der Straße von Malakka.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Kleine Kriegsnachrichten.
Ein Zeppelin über Paris.
Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-
schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs
Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.
Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde
verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es
entkam jedoch in den Wolken.
*
Der deutsche Minengürtel um England.
Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit
5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine
Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig
Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen
Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-
irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen
Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel
nicht auf sechzig Meilen nähern.
*
Ein deutscher Sieg in Ostafrika.
Die römische Zeitung "Stampa" meldet aus Paris: Ein in Havre
eingetroffenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga besagt, daß
belgische Truppen unter dem Kommando des Generalkommissars Henry
in einem Gefecht bei Kissenji am Kiwusee durch die Deutschen eine
vollständige Niederlage erlitten.
Kissenji liegt hart an der Grenze des Kongostaates auf deutschem
Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unser Schutzgebiet
einzudringen versucht. Durch die Wachsamkeit unsrer Schutztruppe ist
der Einfall siegreich zurückgewiesen worden.
- - - - - - - - - - - - - - - - - -
Burenaufstand in Südafrika.
(Hierzu eine Karte.)
Als vor mehreren Wochen
die Nachricht von der "Rebellion"
des Burenobersten Maritz nach
London kam, da glaubte man
sich in England damit beruhigen
zu können, daß es sich hier nur
um eine unbedeutende Angelegen-
heit handle, die rasch erledigt
werden würde. Nicht lange, und
man ließ sich aus Südafrika melden,
daß der "Zwischenfall Maritz"
abgetan, die südafrikanische
Sorge behoben sei. Aber neuerdings Karte siehe oben
ist dieser Täuschung ein jähes
Ende bereitet worden: General
Beyers und Christian Dewet
haben sich an die Spitze der Be-
wegung gestellt, die bezweckt, das
Joch der Engländer abzuschütteln.
Die englische Regierung sieht
sich genötigt, zu erklären: "Die
Regierung hat in Erfahrung ge-
bracht, daß bewaffnete Bürger im
Norden des Oranje=Frei-
staates von Christian Dewet
unter de Fahnen gerufen worden
sind und daß bewaffnete auf-
ständische Banden unter Beyers
in West=Transvaal stehen.
Außerdem sei die Stadt
Heilbronn besetzt und ein
Regierungsbeamter gefangen
worden. In Reitz haben
Aufständische einen Zug an-
gehalten und bewaffnete Bürger
seien von Landwehr ent-
waffnet worden. Alle diese
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
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Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Briefkasten.
Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam
zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel
erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-
teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und
zuverlässige Adresse mitzuteilen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Zauberbild.
siehe oben
Wo steckt der Franzose?
- - - - - - - - - - - - -- - - - -
Rätsel.
Ein jeder von uns hat´s;
Der Franzmann fürchtet´s sehr,
Stellst Du zwei Zeichen vorn ihm an,
Im deutschen Militär.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":
1. Kalisch 2. Libau 3. Willun.
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 179
linke Spalte
Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903
gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus
acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und
zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-
schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von
etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,
ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-
gange der Straße von Malakka.
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Kleine Kriegsnachrichten.
Ein Zeppelin über Paris.
Nach einer Göteborger Meldung der "Frankfurter Zeitung" er-
schien am Mittwoch über Paris ein Zeppelin. Es wurden sechs
Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten.
Acht Personen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl wurde
verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreifen, es
entkam jedoch in den Wolken.
*
Der deutsche Minengürtel um England.
Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer Manchester mit
5363 t Gehalt stieß in der Nähe der Nordküste von Irland auf eine
Mine und sank. Der Kapitän und dreizehn Mann ertranken, dreißig
Mann wurden durch einen Schlepper gerettet. Die seemännischen
Behörden von Liverpool erließen ein Warnung für die an Nord-
irland vorübergehende Schiffahrt, daß deutsche Minen in diesen
Gewässern gelegt seien; die Schiffe sollten sich daher der Toryinsel
nicht auf sechzig Meilen nähern.
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
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Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Briefkasten.
Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam
zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel
erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-
teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und
zuverlässige Adresse mitzuteilen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Zauberbild.
siehe oben
Wo steckt der Franzose?
- - - - - - - - - - - - -- - - - -
Rätsel.
Ein jeder von uns hat´s;
Der Franzmann fürchtet´s sehr,
Stellst Du zwei Zeichen vorn ihm an,
Im deutschen Militär.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":
1. Kalisch 2. Libau 3. Willun.
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 179
linke Spalte
Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903
gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus
acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und
zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-
schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von
etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,
ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-
gange der Straße von Malakka.
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Briefkasten.
Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam
zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel
erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-
teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und
zuverlässige Adresse mitzuteilen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Zauberbild.
siehe oben
Wo steckt der Franzose?
- - - - - - - - - - - - -- - - - -
Rätsel.
Ein jeder von uns hat´s;
Der Franzmann fürchtet´s sehr,
Stellst Du zwei Zeichen vorn ihm an,
Im deutschen Militär.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":
1. Kalisch 2. Libau 3. Willun.
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 179
linke Spalte
Der vernichtete russische Kreuzer Jemtschuk war im Jahre 1903
gebaut und verdrängte 3180 t Wasser. Die Bestückung bestand aus
acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren und
zwei Torpedorohren. Die Maschinen verliehen dem Schiffe eine Ge-
schwindigkeit von 24 Knoten. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von
etwa 350 Mann. Pulo Pinang, auch Prince of Wales=Insel genannt,
ist eine britische Besitzung in Hinterindien, nahe dem nördlichen Ein-
gange der Straße von Malakka.
zwei Torpedorohren. Eie Maschinen veliehen
acht 12 cm=, sechs 4,7 cm= Geschützen, sechs Maschinengewehren un
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Briefkasten.
Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam
zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel
erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-
teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und
zuverlässige Adresse mitzuteilen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Zauberbild.
siehe oben
Wo steckt der Franzose?
- - - - - - - - - - - - -- - - - -
Rätsel.
Ein jeder von uns hat´s;
Der Franzmann fürchtet´s sehr,
Stellst Du zwei Zeichen vorn ihm an,
Im deutschen Militär.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Auflösung des Rätsels in der letzten "Parole":
1. Kalisch 2. Libau 3. Willun.
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Briefkasten.
Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam
zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel
erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-
teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und
zuverlässige Adresse mitzuteilen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Zauberbild.
siehe oben
Wo steckt der Franzose?
- - - - - - - - - - - - -- - - - -
Rätsel.
Ein jeder von uns hat´s;
Der Franzmann fürchtet´s sehr,
Stellst Du zwei Zeichen vorn ihm an,
Im deutschen Militär.
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Briefkasten.
Wir werden gebeten, unsre Kameraden im Felde darauf aufmerksam
zu machen, daß die an sie gerichteten Postsendungen nur dann ihr Ziel
erreichen , wenn sie genau adressiert sind. Es liegt daher im eigenen Vor-
teil der Kameraden, ihren Angehörigen und Freunden ihre vollständige und
zuverlässige Adresse mitzuteilen.
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184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Heiteres.
Ermunterung. Ein im Felde stehender Volksschullehrer scheibt uns:
Einige Jungen schickten mir, neulich eine Karte folgenden Inhalts: "Verhauen
sie den Franzosen die Hosen so wie uns, dann wird es schon recht werden!"
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
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Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
Hans Frisch
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Deutsche Worte.
Was heute gelten soll, muß stark sein,
Es darf nicht Knorpel, es muß Mark sein,
Es darf nicht säuseln und nicht flöten,
Erdröhnen muß es wie Trompeten.
Was gelten soll, darf nicht erschlafft sein:
Was gelten soll, muß Sturm und Kraft sein!
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
rechte Spalte
Torpedo ist in der Tat ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens für
unsere Feinde, in erster Linie aber für die Engländer. Wir dürfen bestimmt
erwarten, daß sich der Torpedo wie das deutsche Unterseeboot, das ihn als
Angriffswaffe meisterlich zu führen versteht, für unsre Feinde auch weiter als
ein Gegenstand des Starrens und des Schreckens erweisen wird.
* Das Kriegsgeschrei der Tiroler. Aus Gmunden wird dem
"Linzer Volksblatt" berichtet: Eine Gmundnerin hatte Gelegenheit, in öster-
reichischer Gefangenschaft befindliche Russen zu sprechen. Sie fragte einen
der Gefangenen, wie er und seine Kameraden in die Hände der Österreicher
geraten seien. Der Russe erwiderte, die Jäger (es waren Tiroler) seien mit
einem derartigen "Johlen" auf sie eingedrungen, daß die Russen einen
wahrhaft panischen Schreck bekamen und wie auf Kommando die Gewehre
wegwarfen und sich ergaben. Der Russe konnte nicht genügend Worte finden,
um den Eindruck zu schildern, den das Schreien der kräftigen Gebirgssöhne
- die Tiroler lassen bei Stürmen ihre Juchzer los - auf ihn und seine
Kameraden gemacht hatte.
* Guten Appetit! Ein als wahr verbürgtes Geschichtchen aus einem
Gefangenenlager in Sachsen berichtet das "Frankenberger Tageblatt" wie
folgt: Die in deutsche Gefangenschaft geratenen Russen müssen sich, so un-
gewohnt es ihnen vorkommt, auch an Reinlichkeit gewöhnen. Kürzlich wurden
nun für das Lager zwei Faß weiße Schmierseife geliefert. In verhältnis-
mäßig kurzer Zeit war diese Seife aber verschwunden, ohne daß man sich
ihren Verbleib erklären konnte. Es wurden Nachforschungen angestellt, und
da ergab sich, daß die Russen die weiße Schmierseife aufs Brot geschmiert
hatten. Seitdem kommt nur mehr Stückseife ins Lager. Hoffentlich werden
die Russen die Stückseife nun nicht für Käse ansehen und sich aufs Brot
schneiden.
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Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
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Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein, erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den lebenden
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Torpedo
belegt. Heute könnten wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
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Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
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Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
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Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
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Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio heißt "wünschen",
"sehnen", cupido ist die Liebessehnsucht, und der Cupido ist die verkörperte
Liebessehnsucht, der Liebesgott. Torpeo bedeutet starr sein,erstarren und
torpedo die Erstarrung. Die alten Römer haben das Wort torpedo nicht
verkörpert, sie haben es aber in höchst merkwürdiger Weise zur Be-
zeichnung eines Fisches, des im Mittelländischen Meere häufig vor-
kommenden Zitterrochens, verwandt. Dieser Fisch teilt den leblosen
Wesen, die ihn berühren, elektrische Schläge aus und versetzt sie dadurch in
den Zustand der Erstarrung oder Lähmung, der torpedo. Daher hat man
ihn selbst torpedo genannt. Diesen Namen führt der Fisch heute noch im
Spanischen; als ein Spanier in der Neuzeit die beweglichen Seeminen erfand,
belegte er sie mit dem Fischnamen seiner Sprache torpedo. Von diesem
Namen ging der Amerikaner Bushnell aus, dem wir die im Jahre 1796
gemachte Erfindung der gefährlichsten Schiffswaffe, des Torpedos, zu ver-
danken haben. Man begegnet mitunter der Schreibung "das Torpedo", das
männliche Geschlecht "der Torpedo" ist aber das richtige. Der Italiener, der
den Zitterrochen torpedine nennt, hat mit demselben Namen auch den Topedo
belegt. Heute können wir das Wort Torpedo in derselben Weise verkörpern,
wie es die alten Römer mit dem Wort Cupido getan haben, denn der
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Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
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Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
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Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
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Vermischtes.
* Vom Torpedo. Das lateinische Wort cupio
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
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Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
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Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
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Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich über Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
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Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
Die chinesische Zeitung "Min Pao" schreibt: Die Kriegswolken ziehen
sich übe Tsingtau zusammen. Es ist eine schwere Aufgabe für jene kleine
Ecke in Schantung, sich gegen die Legionen der Verbündeten zu halten.
Obgleich die Lage so hoffnungslos aussieht, sind die Deutschen von allen
Teilen Chinas freudig herbeigeeilt. Sie sind entschlossen, sich zu halten oder
zu sterben in ihrer kleinen Feste. Es ist unmöglich, den Ausgang des
Kampfes vorauszusagen, aber ihre heldenhaften Anstrengungen und ihre
Vaterlandsliebe muß jeder bewundern. Vaterlandsliebe ist die Grundlage
einer starken Nation, und die Bewohner unsers Landes sollten sich dieses edle
Beispiel zum Muster nehmen.
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184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mit Recht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
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Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlich Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie.
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Stimmen des Auslandes.
Ein Chinese über die Helden von Tsingtau.
-
184 "Parole." (Feldnummer.) 23
linke Seite
Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst eine Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende? nach Calais? Wer weiß? Hier bleiben werden wir wohl nicht
lange. Schade, daß ich von Antwerpen gar nichts habe. Denn daß ich hier
abgelöst werde, glaube ich nicht. Wenn, dann gehts eben im ganzen gleich
weiter nach Westen.
Mit den Holländern vertragen wir uns ganz gut. Die Belgier werden
allmählich vernünftig. Aber es gibt noch viel zu tun.
Daß Du nun mi tRecht mich als Ritter des Eisernen Kreuzes ansprechen
darfst, weißt du doch schon? - Also für heute viele tausend Grüße Euch allen
Ihr Lieben daheim!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus der Heimat.
Militärische Fürsorge für Privatangestellte.
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat, der "Frank-
furter Zeitung" zufolge, folgende Bekanntmachung erlassen: Beim General-
kommando sind vielfach Klagen darüber erhoben worden, daß Geschäftsinhaber
nach Kriegsausbruch die Gehälter und Löhne ihrer Angestellten in
erheblichem Maß gekürzt haben. Es ist Pflicht der Geschäftsinhaber als
der durchweg wirtschaftlichen Stärkeren, auf die Lage der Angestellten in der
jetzigen Zeit doppelte Rücksicht zu nehmen, und es muß als verwerflich
bezeichnet werden, wenn die gegenwärtige Notlage vieler Angestellten zu Lohn-
drückereien benutzt wird. Wenngleich nicht verkannt werden soll, daß auch
manche Geschäftsinhaber unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen leiden, so gewinnt es doch den Anschein, als wenn die
Lohnherabsetzungen in einzelnen Fällen in einer Weise erfolgen, die
durch die Verhältnisse des Geschäftsinhabers nicht begründet sind.
Das Generalkommando will in die Vertragsfreiheit der Geschäftsinhaber in
bezug auf die Abschließung der Anstellungsverträge zunächst nicht eingreifen,
gibt aber hiermit bekannt, daß alle diejenigen Geschäfte, bei denen in
unzulässiger Weise eine Kürzung des Gehalts oder Lohnes der Angestellten
erfolgt, von jeglicher Militärlieferung ausgeschlossen werden.
Der Kommandiere General,
gez. Freiherr v. Gall, General der Infanterie
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184 "Parole." (Feldnummer.) 23
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Leider stand dann vor uns, auch das Dorf selbst, alles unter Wasser.
Die Pioniere hatten uns durch die vielen kolossalen Verhaue und Draht-
hindernisse den Weg gebahnt, aber nun gings nicht weiter. So entkam uns
der Feind, seine Toten und Verwundeten teilweise zurücklassend, die wir aus
dem Wasser zogen und beerdigten. Dann kam plötzlich Befehl zum Abmarsch
zur Verstärkung unsers rechten Flügels. Wir hatten selbst einee Brücke
gebaut über die Senne, das heißt auf der zerstörten Brücke, da die Pioniere
abberufen worden waren. So kamen wir bei H. hinüber. Wagen und
Pferde mußten weit nach Süden umfahren. Dabei ertrank dann noch ein
Reitpferd. Schließlich standen wir in E. bereit, aber es wurde
nichts. Der Feind schien nicht auf unsrer rechten, sondern auf unsrer linken
Seite durchzubrechen. Auf nach links! Tag und Nacht marschiert bis B.
Dort wieder gewartet. Es wurde wieder nichts. Schließlich Befehl,
nach Antwerpen einzumarschieren. Darüber schrieb ich Dir schon. Nun be-
setzte ein Teil die Forts, ein Teil blieb vorläufig in Ruhequartier. Das
war sehr schön, in M., aber am nächsten Tage erhielten wir schon wieder
Befehl, zur holländischen Grenze abzurücken. Wieder Tag und Nacht marschiert.
Den ersten Tag hier keine Ruhe. Aber nun gehts ja. Ich kann ausschlafen
und Kräfte sammeln. Wie wirds nun weiter werden? Gehen wir nach
Ostende?
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Description
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Lille, Frankreich
Location(s)
Story location Lille, Frankreich
- ID
- 12998 / 199712
- Contributor
- Uta Hentschel
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- Western Front
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- Propaganda






































































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