Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 63
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linke Seite
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Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen
Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.
linke Spalte
Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die
Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der
Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.
Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An
Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art
- und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen
ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich
wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht
an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-
losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen
zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten Lage des Bau-
marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?
Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-
gegeben werden? Was ist zu tun? Ja, was ist zu tun. Machtlos,
trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir
glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das
Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens
zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark. - Die Ziegeleien arbeiten
aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen
zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen" und auf die
älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun
Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr
vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die
Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele
andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.
Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt
und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch
ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat
lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,
die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen
der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-
paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"
in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h. Massen
von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit
natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders
aber unter den Heeresangehörigen, ihre Anhänger geworben
und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.
Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-
bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame
des Hauptausschusses sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-
gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie
erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-
gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es
kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-
spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"
mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,
in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch
wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,
könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß
nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-
scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände
mit, die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der
nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen
Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-
wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von
Hindenburg den Soldaten versprochen haben.
Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und
Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist
er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl
aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite
stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem
Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder
bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.
Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage
für ein Kriegerheimstättenrecht. Die ganze Bewegung ist mehr oder
weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten
Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden
rechte Spalte
durch das sogenannte Kapitalabfindungsgesetz. Wer also
aus der Gefangenschaft mit einem Kriegsschaden zurückkehrt und eine
Rente bewilligt erhält, der kann seinen Antrag auf Kapitalabfindung
stellen, d.h. er erhält seine Kriegs- eventl. auch die Verstümmelungs-
zulage kapitalisiert. Der Betrag wird gewährt zur Ausführung eines
Ansiedlungsvorhabens, zum Erwerb eines Grundstücks. Es handelt
sich um nicht unbedeutende Summen. Wer z. B. 21 Jahre alt ist,
jährlich 180 Mark Kriegszulage (neben der eigentlichen Rente, die
ihm bleibt und die nicht kapitalisierbar ist) erhält, würde eine ein-
malige Abfindung von 3830 Mark erhalten. Bekommt er außerdem
noch die Verstümmelungszulage, die 324 Mark jährlich beträgt (die
doppelte 648 Mark) , so kann er sich auch diese kapitalisieren lassen
und würde demnach noch 5994 Mark bzw. 11 988 Mark erhalten.
Diese Verträge werden je nach dem Alter abgestuft, bei einem Lebens-
alter von 35 Jahren würde z. B. die Abfindung betragen: 2700 Mark
Kriegszulage, 4860 Mark einfache Verstümmelungszulage und 9720
Mark doppelte Verstümmelungszulage. Mit diesen Beträgen ließe
sich also schon eine Ansiedlung schaffen. Wer nun von den kriegs-
beschädigten Kameraden Ansiedlungsabsichten hat, wird gut tun,
diese Kapitalabfindung zu beantragen. Es ist gleich, ob es sich um
die Erwerbung einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen, soge-
nannten Wirtschaftsheimstätte, oder nur um eine städtische Wohn-
heimstätte, ein Eigenheim in einem Vorort, handelt. Es genügt
auch der Beitritt zu einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft oder
Baugenossenschaft, sofern damit die Ansiedlungswünsche des Be-
werbers Verwirklichung finden. Die Auszahlung der bewilligten
Summe erfolgt nicht unmittelbar an den Antragsteller, sondern an
den Grundstücksverkäufer, damit eine Sicherheit für die bestimmungs-
gemäße Verwendung des Geldes besteht.
Wir sehen, daß die kriegsbeschädigten Kameraden ganz wesent-
lich im Vorteil sind. Es stehen ihnen Mittel zur Verfügung, mit
denen sie sich ansiedeln können. Ganz anders liegt die Sache nun
bei unbemittelten Kameraden. Was hat man für sie getan?
Auch sie haben von der großen Kriegerheimstättenbewegung in
Deutschland gehört und wohl oft einen stillen, schönen Traum von
einem "eigenen Heim auf eigener Scholle", mit all den Bildern von
Zufriedenheit und Glück gehabt. Wie kann ihnen geholfen werden?
Es gibt wohl, das sei gleich gesagt, für sie keinen anderen Weg, als
den der Selbsthilfe. Der Staat als "Vaterland " ist nicht in der
Lage, ihnen "Heimstätten" zu bauen und "bezugsfertig" zur Ver-
fügung zu stellen.
Bald nach Erlaß des Kapitalabfindungsgesetzes wurden überall
im Reiche gemeinnützige Siedlungsgesellschaften ins
Leben gerufen, die ganz gewaltige Summen aufbrachten, vor allem
große Staats- und Gemeindezuschüsse erhielten. Diese Siedlungs-
gesellschaften sollten die eigentlichen Träger auch der Kriegerheim-
stättenbewegung werden. Sie haben aber die Erwartungen nur zum
Teil erfüllen können. Ihre Tätigkeit war bisher mehr vermittelnder
und vorbereitender Art. Nur wenige von diesen Gesellschaften haben
bis jetzt größere Ländereien für Siedlungszwecke selbst erworben,
oder gar eigene Siedlungen geschaffen. Es sprachen da natürlich die
gegenwärtigen wirtschaftlich-ungünstigen Verhältnisse mit, die großen
Schwierigkeiten auf dem Baumarkt, und es bleibt nur die Hoffnung,
daß die vielen öffentlichen Gelder, die den Siedlungsgesellschaften zur
Verfügung stehen, bei einer "Besserung der Lage" doch noch den
Stellen zugeführt werden, für die sie bestimmt worden sind: für die
Ansiedlung von Kriegsteilnehmern und kinderreichen Familien. Der
Andrang bei den Siedlungsgesellschaften, die Anfragen und Gesuche
sind so groß, daß ihnen bis jetzt nur in ganz unwesentlichem Maße
entsprochen werden konnte. Die siedlungslustigen Kameraden können
sich natürlich zunächst an die für ihren Heimatort zuständige Sied-
lungsgesellschaft (jede Provinz, alle größeren Städte und Kreise haben
heute ihre eigene "Siedlungsgesellschaft") wenden, sie werden dort
beratet, aber sicher auch vertröstet und womöglich abgewiesen werden.
Das hat nun die Siedler veranlaßt, sich selbst zu helfen.
Wer Geld hat, ist dazu leicht in der Lage, indem er sich einfach ein
Grundstück, ein Haus oder eine kleine Wirtschaft kauft. Schwerer ist
-
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Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen
Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.
linke Spalte
Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die
Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der
Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.
Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An
Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art
- und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen
ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich
wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht
an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-
losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen
zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten Lage des Bau-
marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?
Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-
gegeben werden? Was ist zu tun? Ja, was ist zu tun. Machtlos,
trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir
glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das
Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens
zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark. - Die Ziegeleien arbeiten
aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen
zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen" und auf die
älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun
Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr
vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die
Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele
andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.
Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt
und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch
ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat
lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,
die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen
der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-
paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"
in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h. Massen
von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit
natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders
aber unter den Heeresangehörigen, ihre Anhänger geworben
und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.
Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-
bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame
des Hauptausschusses sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-
gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie
erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-
gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es
kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-
spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"
mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,
in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch
wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,
könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß
nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-
scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände
mit, die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der
nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen
Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-
wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von
Hindenburg den Soldaten versprochen haben.
Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und
Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist
er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl
aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite
stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem
Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder
bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.
Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage
für ein Kriegerheimstättenrecht. Die ganze Bewegung ist mehr oder
weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten
Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden
rechte Spalte
durch das sogenannte Kapitalabfindungsgesetz. Wer also
aus der Gefangenschaft mit einem Kriegsschaden zurückkehrt und eine
Rente bewilligt erhält, der kann seinen Antrag auf Kapitalabfindung
stellen, d.h. er erhält seine Kriegs- eventl. auch die Verstümmelungs-
zulage kapitalisiert. Der Betrag wird gewährt zur Ausführung eines
Ansiedlungsvorhabens, zum Erwerb eines Grundstücks. Es handelt
sich um nicht unbedeutende Summen. Wer z. B. 21 Jahre alt ist,
jährlich 180 Mark Kriegszulage (neben der eigentlichen Rente, die
ihm bleibt und die nicht kapitalisierbar ist) erhält, würde eine ein-
malige Abfindung von 3830 Mark erhalten. Bekommt er außerdem
noch die Verstümmelungszulage, die 324 Mark jährlich beträgt (die
doppelte 648 Mark) , so kann er sich auch diese kapitalisieren lassen
und würde demnach noch 5994 Mark bzw. 11 988 Mark erhalten.
Diese Verträge werden je nach dem Alter abgestuft, bei einem Lebens-
alter von 35 Jahren würde z. B. die Abfindung betragen: 2700 Mark
Kriegszulage, 4860 Mark einfache Verstümmelungszulage und 9720
Mark doppelte Verstümmelungszulage. Mit diesen Beträgen ließe
sich also schon eine Ansiedlung schaffen. Wer nun von den kriegs-
beschädigten Kameraden Ansiedlungsabsichten hat, wird gut tun,
diese Kapitalabfindung zu beantragen. Es ist gleich, ob es sich um
die Erwerbung einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen, soge-
nannten Wirtschaftsheimstätte, oder nur um eine städtische Wohn-
heimstätte, ein Eigenheim in einem Vorort, handelt. Es genügt
auch der Beitritt zu einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft oder
Baugenossenschaft, sofern damit die Ansiedlungswünsche des Be-
werbers Verwirklichung finden. Die Auszahlung der bewilligten
Summe erfolgt nicht unmittelbar an den Antragsteller, sondern an
den Grundstücksverkäufer, damit eine Sicherheit für die bestimmungs-
gemäße Verwendung des Geldes besteht.
Wir sehen, daß die kriegsbeschädigten Kameraden ganz wesent-
lich im Vorteil sind. Es stehen ihnen Mittel zur Verfügung, mit
denen sie sich ansiedeln können. Ganz anders liegt die Sache nun
bei unbemittelten Kameraden. Was hat man für sie getan?
Auch sie haben von der großen Kriegerheimstättenbewegung in
Deutschland gehört und wohl oft einen stillen, schönen Traum von
einem "eigenen Heim auf eigener Scholle", mit all den Bildern von
Zufriedenheit und Glück gehabt. Wie kann ihnen geholfen werden?
Es gibt wohl, das sei gleich gesagt, für sie keinen anderen Weg, als
den der Selbsthilfe. Der Staat als "Vaterland " ist nicht in der
Lage, ihnen "Heimstätten" zu bauen und "bezugsfertig" zur Ver-
fügung zu stellen.
Bald nach Erlaß des Kapitalabfindungsgesetzes wurden überall
im Reiche gemeinnützige Siedlungsgesellschaften ins
Leben gerufen, die ganz gewaltige Summen aufbrachten, vor allem
große Staats- und Gemeindezuschüsse erhielten. Diese Siedlungs-
gesellschaften sollten die eigentlichen Träger auch der Kriegerheim-
stättenbewegung werden. Sie haben aber die Erwartungen nur zum
Teil erfüllen können.Ihre Tätigkeit war bisher mehr vermittelnder
und vorbereitender Art. Nur wenige von diesen Gesellschaften haben
bis jetzt größere Ländereien für Siedlungszwecke selbst erworben,
oder gar eigene Siedlungen geschaffen. Es sprachen da natürlich die
gegenwärtigen wirtschaftlich-ungünstigen Verhältnisse mit, die großen
Schwierigkeiten auf dem Baumarkt, und es bleibt nur die Hoffnung,
daß die vielen öffentlichen Gelder, die den Siedlungsgesellschaften zur
Verfügung stehen, bei einer "Besserung der Lage" doch noch den
Stellen zugeführt werden, für die sie bestimmt worden sind: für die
Ansiedlung von Kriegsteilnehmern und kinderreichen Familien. Der
Andrang bei den Siedlungsgesellschaften, die Anfragen und Gesuche
sind so groß, daß ihnen bis jetzt nur in ganz unwesentlichem Maße
entsprochen werden konnte. Die siedlungslustigen Kameraden können
sich natürlich zunächst an die für ihren Heimatort zuständige Sied-
lungsgesellschaft (jede Provinz, alle größeren Städte und Kreise haben
heute ihre eigene "Siedlungsgesellschaft") wenden, sie werden dort
beratet, aber sicher auch vertröstet und womöglich abgewiesen werden.
Das hat nun die Siedler veranlaßt, sich selbst zu helfen.
Wer Geld hat, ist dazu leicht in der Lage, indem er sich einfach ein
Grundstück, ein Haus oder eine kleine Wirtschaft kauft. Schwerer ist
-
linke Seite
U n s e r e F r e i w i l l i g e n k o r p s
Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen
Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.
linke Spalte
Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die
Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der
Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.
Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An
Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art
- und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen
ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich
wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht
an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-
losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen
zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten Lage des Bau-
marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?
Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-
gegeben werden? Was ist zu tun? Ja, was ist zu tun. Machtlos,
trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir
glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das
Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens
zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark. - Die Ziegeleien arbeiten
aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen
zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen" und auf die
älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun
Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr
vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die
Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele
andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.
Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt
und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch
ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat
lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,
die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen
der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-
paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"
in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h. Massen
von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit
natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders
aber unter den Heeresangehörigen, ihre Anhänger geworben
und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.
Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-
bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame
des Hauptausschusses sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-
gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie
erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-
gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es
kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-
spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"
mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,
in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch
wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,
könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß
nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-
scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände
mit, die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der
nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen
Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-
wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von
Hindenburg den Soldaten versprochen haben.
Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und
Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist
er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl
aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite
stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem
Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder
bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.
Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage
für ein Kriegerheimstättenrecht. Die ganze Bewegung ist mehr oder
weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten
Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden
rechte Spalte
durch das sogenannte Kapitalabfindungsgesetz. Wer also
aus der Gefangenschaft mit einem Kriegsschaden zurückkehrt und eine
Rente bewilligt erhält, der kann seinen Antrag auf Kapitalabfindung
stellen, d.h. er erhält seine Kriegs- eventl. auch die Verstümmelungs-
zulage kapitalisiert. Der Betrag wird gewährt zur Ausführung eines
Ansiedlungsvorhabens, zum Erwerb eines Grundstücks. Es handelt
sich um nicht unbedeutende Summen. Wer z. B. 21 Jahre alt ist,
jährlich 180 Mark Kriegszulage (neben der eigentlichen Rente, die
ihm bleibt und die nicht kapitalisierbar ist) erhält, würde eine ein-
malige Abfindung von 3830 Mark erhalten. Bekommt er außerdem
noch die Verstümmelungszulage, die 324 Mark jährlich beträgt (die
doppelte 648 Mark) , so kann er sich auch diese kapitalisieren lassen
und würde demnach noch 5994 Mark bzw. 11 988 Mark erhalten.
Diese Verträge werden je nach dem Alter abgestuft, bei einem Lebens-
alter von 35 Jahren würde z. B. die Abfindung betragen: 2700 Mark
Kriegszulage, 4860 Mark einfache Verstümmelungszulage und 9720
Mark doppelte Verstümmelungszulage. Mit diesen Beträgen ließe
sich also schon eine Ansiedlung schaffen. Wer nun von den kriegs-
beschädigten Kameraden Ansiedlungsabsichten hat, wird gut tun,
diese Kapitalabfindung zu beantragen. Es ist gleich, ob es sich um
die Erwerbung einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen, soge-
nannten Wirtschaftsheimstätte, oder nur um eine städtische Wohn-
heimstätte, ein Eigenheim in einem Vorort, handelt. Es genügt
auch der Beitritt zu einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft oder
Baugenossenschaft, sofern damit die Ansiedlungswünsche des Be-
werbers Verwirklichung finden. Die Auszahlung der bewilligten
Summe erfolgt nicht unmittelbar an den Antragsteller, sondern an
den Grundstücksverkäufer, damit eine Sicherheit für die bestimmungs-
gemäße Verwendung des Geldes besteht.
Wir sehen, daß die kriegsbeschädigten Kameraden ganz wesent-
lich im Vorteil sind. Es stehen ihnen Mittel zur Verfügung, mit
denen sie sich ansiedeln können. Ganz anders liegt die Sache nun
bei unbemittelten Kameraden. Was hat man für sie getan?
Auch sie haben von der großen Kriegerheimstättenbewegung in
Deutschland gehört und wohl oft einen stillen, schönen Traum von
einem "eigenen Heim auf eigener Scholle", mit all den Bildern von
Zufriedenheit und Glück gehabt. Wie kann ihnen geholfen werden?
Es gibt wohl, das sei gleich gesagt, für sie keinen anderen Weg, als
den der Selbsthilfe. Der Staat als "Vaterland " ist nicht in der
Lage, ihnen "Heimstätten" zu bauen und "bezugsfertig" zur Ver-
fügung zu stellen.
Bald nach Erlaß des Kapitalabfindungsgesetzes wurden überall
im Reiche gemeinnützige Siedlungsgesellschaften ins
Leben gerufen, die ganz gewaltige Summen aufbrachten, vor allem
große Staats- und Gemeindezuschüsse erhielten. Diese Siedlungs-
gesellschaften sollten die eigentlichen Träger auch de Kriegerheim-
stättenbewegung werden. Sie haben aber die Erwartungen nur zum
Teil erfüllen können.Ihre Tätigkeit war bisher mehr vermittelnder
und vorbereitender Art. Nur wenige von diesen Gesellschaften haben
bis jetzt größere Ländereien für Siedlungszwecke selbst erworben,
oder gar eigene Siedlungen geschaffen. Es sprachen da natürlich die
gegenwärtigen wirtschaftlich-ungünstigen Verhältnisse mit, die großen
Schwierigkeiten auf dem Baumarkt, und es bleibt nur die Hoffnung,
daß die vielen öffentlichen Gelder, die den Siedlungsgesellschaften zur
Verfügung stehen, bei einer "Besserung der Lage" doch noch den
Stellen zugeführt werden, für die sie bestimmt worden sind: für die
Ansiedlung von Kriegsteilnehmern und kinderreichen Familien. Der
Andrang bei den Siedlungsgesellschaften, die Anfragen und Gesuche
sind so groß, daß ihnen bis jetzt nur in ganz unwesentlichem Maße
entsprochen werden konnte. Die siedlungslustigen Kameraden können
sich natürlich zunächst an die für ihren Heimatort zuständige Sied-
lungsgesellschaft (jede Provinz, alle größeren Städte und Kreise haben
heute ihre eigene "Siedlungsgesellschaft") wenden, sie werden dort
beratet, aber sicher auch vertröstet und womöglich abgewiesen werden.
Das hat nun die Siedler veranlaßt, sich selbst zu helfen.
Wer Geld hat, ist dazu leicht in der Lage, indem er sich einfach ein
Grundstück, ein Haus oder eine kleine Wirtschaft kauft. Schwerer ist
-
linke Seite
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Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen
Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.
linke Spalte
Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die
Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der
Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.
Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An
Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art
- und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen
ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich
wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht
an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-
losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen
zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten Lage des Bau-
marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?
Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-
gegeben werden? Was ist zu tun? Ja, was ist zu tun. Machtlos,
trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir
glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das
Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens
zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark. - Die Ziegeleien arbeiten
aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen
zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen" und auf die
älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun
Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr
vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die
Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele
andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.
Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt
und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch
ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat
lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,
die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen
der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-
paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"
in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h. Massen
von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit
natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders
aber unter den Heeresangehörigen, ihre Anhänger geworben
und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.
Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-
bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame
des Hauptausschusses sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-
gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie
erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-
gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es
kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-
spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"
mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,
in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch
wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,
könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß
nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-
scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände
mit, die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der
nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen
Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-
wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von
Hindenburg den Soldaten versprochen haben.
Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und
Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist
er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl
aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite
stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem
Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder
bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.
Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage
für ein Kriegerheimstättenrecht. Die ganze Bewegung ist mehr oder
weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten
Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden
rechte Spalte
durch das sogenannte Kapitalabfindungsgesetz. Wer also
aus der Gefangenschaft mit einem Kriegsschaden zurückkehrt und eine
Rente bewilligt erhält, der kann seinen Antrag auf Kapitalabfindung
stellen, d.h. er erhält seine Kriegs- eventl. auch die Verstümmelungs-
zulage kapitalisiert. Der Betrag wird gewährt zur Ausführung eines
Ansiedlungsvorhabens, zum Erwerb eines Grundstücks. Es handelt
sich um nicht unbedeutende Summen. Wer z. B. 21 Jahre alt ist,
jährlich 180 Mark Kriegszulage (neben der eigentlichen Rente, die
ihm bleibt und die nicht kapitalisierbar ist) erhält, würde eine ein-
malige Abfindung von 3830 Mark erhalten. Bekommt er außerdem
noch die Verstümmelungszulage, die 324 Mark jährlich beträgt (die
doppelte 648 Mark) , so kann er sich auch diese kapitalisieren lassen
und würde demnach noch 5994 Mark bzw. 11 988 Mark erhalten.
Diese Verträge werden je nach dem Alter abgestuft, bei einem Lebens-
alter von 35 Jahren würde z. B. die Abfindung betragen: 2700 Mark
Kriegszulage, 4860 Mark einfache Verstümmelungszulage und 9720
Mark doppelte Verstümmelungszulage. Mit diesen Beträgen ließe
sich also schon eine Ansiedlung schaffen. Wer nun von den kriegs-
beschädigten Kameraden Ansiedlungsabsichten hat, wird gut tun,
diese Kapitalabfindung zu beantragen. Es ist gleich, ob es sich um
die Erwerbung einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen, soge-
nannten Wirtschaftsheimstätte, oder nur um eine städtische Wohn-
heimstätte, ein Eigenheim in einem Vorort, handelt. Es genügt
auch der Beitritt zu einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft oder
Baugenossenschaft, sofern damit die Ansiedlungswünsche des Be-
werbers Verwirklichung finden. Die Auszahlung der bewilligten
Summe erfolgt nicht unmittelbar an den Antragsteller, sondern an
den Grundstücksverkäufer, damit eine Sicherheit für die bestimmungs-
gemäße Verwendung des Geldes besteht.
Wir sehen, daß die kriegsbeschädigten Kameraden ganz wesent-
lich im Vorteil sind. Es stehen ihnen Mittel zur Verfügung, mit
denen sie sich ansiedeln können. Ganz anders liegt die Sache nun
bei unbemittelten Kameraden. Was hat man für sie getan?
Auch sie haben von der großen Kriegerheimstättenbewegung in
Deutschland gehört und wohl oft einen stillen, schönen Traum von
einem "eigenen Heim auf eigener Scholle", mit all den Bildern von
Zufriedenheit und Glück gehabt. Wie kann ihnen geholfen werden?
Es gibt wohl, das sei gleich gesagt, für sie keinen anderen Weg, als
den der Selbsthilfe. Der Staat als "Vaterland " ist nicht in der
Lage, ihnen "Heimstätten" zu bauen und "bezugsfertig" zur Ver-
fügung zu stellen.
Bald nach Erlaß des Kapitalabfindungsgesetzes wurden überall
im Reiche gemeinnützige Siedlungsgesellschaften ins
Leben gerufen, die ganz gewaltige Summen aufbrachten, vor allem
große Staats- und Gemeindezuschüsse erhielten. Diese Siedlungs-
gesellschaften sollten die eigentlichen Träger auch de Kriegerheim-
stättenbewegung werden. Sie haben aber die Erwartungen nur zum
Teil erfüllen können.Ihre Tätigkeit war bisher mehr vermittelnder
und vorbereitender Art. Nur wenige von diesen Gesellschaften haben
bis jetzt größere Ländereien für Siedlungszwecke selbst erworben,
oder gar eigene Siedlungen geschaffen. Es sprachen da natürlich die
gegenwärtigen wirtschaftlich-ungünstigen Verhältnisse mit, die großen
Schwierigkeiten auf dem Baumarkt, und es bleibt nur die Hoffnung,
daß die vielen öffentlichen Gelder, die den Siedlungsgesellschaften zur
Verfügung stehen, bei einer "Besserung der Lage" doch noch den
Stellen zugeführt werden, für die sie bestimmt worden sind: für die
Ansiedlung von Kriegsteilnehmern und kinderreichen Familien. Der
Andrang bei den Siedlungsgesellschaften, die Anfragen und Gesuche
sind so groß, daß ihnen bis jetzt nur in ganz unwesentlichem Maße
entsprochen werden konnte. Die siedlungslustigen Kameraden können
sich natürlich zunächst an die für ihren Heimatort zuständige Sied-
lungsgesellschaft (jede Provinz, alle größeren Städte und Kreise haben
heute ihre eigene "Siedlungsgesellschaft") wenden, sie werden dort
beratet, aber sicher auch vertröstet und womöglich abgewiesen werden.
Das hat nun die Siedler veranlaßt, sich selbst zu helfen.
Wer Geld hat, ist dazu leicht in der Lage, indem er sich einfach ein
Grundstück, ein Haus ode eine kleine Wirtschaft kauft. Schwerer ist
-
linke Seite
U n s e r e F r e i w i l l i g e n k o r p s
Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen
Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.
linke Spalte
Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die
Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der
Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.
Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An
Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art
- und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen
ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich
wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht
an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-
losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen
zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten Lage des Bau-
marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?
Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-
gegeben werden? Was ist zu tun? Ja, was ist zu tun. Machtlos,
trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir
glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das
Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens
zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark. - Die Ziegeleien arbeiten
aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen
zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen" und auf die
älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun
Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr
vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die
Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele
andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.
Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt
und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch
ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat
lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,
die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen
der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-
paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"
in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h. Massen
von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit
natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders
aber unter den Heeresangehörigen, ihre Anhänger geworben
und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.
Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-
bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame
des Hauptausschusses sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-
gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie
erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-
gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es
kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-
spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"
mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,
in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch
wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,
könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß
nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-
scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände
mit, die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der
nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen
Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-
wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von
Hindenburg den Soldaten versprochen haben.
Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und
Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist
er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl
aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite
stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem
Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder
bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.
Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage
für ein Kriegerheimstättenrecht. Die ganze Bewegung ist mehr oder
weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten
Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden
rechte Spalte
durch das sogenannte Kapitalabfindungsgesetz. Wer also
aus der Gefangenschaft mit einem Kriegsschaden zurückkehrt und eine
Rente bewilligt erhält, der kann seinen Antrag auf Kapitalabfindung
stellen, d.h. er erhält seine Kriegs- eventl. auch die Verstümmelungs-
zulage kapitalisiert. Der Betrag wird gewährt zur Ausführung eines
Ansiedlungsvorhabens, zum Erwerb eines Grundstücks. Es handelt
sich um nicht unbedeutende Summen. Wer z. B. 21 Jahre alt ist,
jährlich 180 Mark Kriegszulage (neben der eigentlichen Rente, die
ihm bleibt und die nicht kapitalisierbar ist) erhält, würde eine ein-
malige Abfindung von 3830 Mark erhalten. Bekommt er außerdem
noch die Verstümmelungszulage, die 324 Mark jährlich beträgt (die
doppelte 648 Mark) , so kann er sich auch diese kapitalisieren lassen
und würde demnach noch 5994 Mark bzw. 11 988 Mark erhalten.
Diese Verträge werden je nach dem Alter abgestuft, bei einem Lebens-
alter von 35 Jahren würde z. B. die Abfindung betragen: 2700 Mark
Kriegszulage, 4860 Mark einfache Verstümmelungszulage und 9720
Mark doppelte Verstümmelungszulage. Mit diesen Beträgen ließe
sich also schon eine Ansiedlung schaffen. Wer nun von den kriegs-
beschädigten Kameraden Ansiedlungsabsichten hat, wird gut tun,
diese Kapitalabfindung zu beantragen. Es ist gleich, ob es sich um
die Erwerbung einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen, soge-
nannten Wirtschaftsheimstätte, oder nur um eine städtische Wohn-
heimstätte, ein Eigenheim in einem Vorort, handelt. Es genügt
auch der Beitritt zu einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft oder
Baugenossenschaft, sofern damit die Ansiedlungswünsche des Be-
werbers Verwirklichung finden. Die Auszahlung der bewilligten
Summe erfolgt nicht unmittelbar an den Antragsteller, sondern an
den Grundstücksverkäufer, damit eine Sicherheit für die bestimmungs-
gemäße Verwendung des Geldes besteht.
Wir sehen, daß die kriegsbeschädigten Kameraden ganz wesent-
lich im Vorteil sind. Es stehen ihnen Mittel zur Verfügung, mit
denen sie sich ansiedeln können. Ganz anders liegt die Sache nun
bei unbemittelten Kameraden. Was hat man für sie getan?
Auch sie haben von der großen Kriegerheimstättenbewegung in
Deutschland gehört und wohl oft einen stillen, schönen Traum von
einem "eigenen Heim auf eigener Scholle", mit all den Bildern von
Zufriedenheit und Glück gehabt. Wie kann ihnen geholfen werden?
Es gibt wohl, das sei gleich gesagt, für sie keinen anderen Weg, als
den der Selbsthilfe. Der Staat als "Vaterland " ist nicht in der
Lage, ihnen "Heimstätten" zu bauen und "bezugsfertig" zur Ver-
fügung zu stellen.
-
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Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen
Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.
linke Spalte
Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die
Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der
Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.
Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An
Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art
- und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen
ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich
wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht
an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-
losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen
zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten Lage des Bau-
marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?
Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-
gegeben werden? Was ist zu tun? Ja, was ist zu tun. Machtlos,
trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir
glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das
Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens
zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark. - Die Ziegeleien arbeiten
aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen
zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen" und auf die
älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun
Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr
vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die
Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele
andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.
Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt
und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch
ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat
lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,
die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen
der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-
paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"
in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h. Massen
von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit
natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders
aber unter den Heeresangehörigen, ihre Anhänger geworben
und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.
Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-
bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame
des Hauptausschusses sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-
gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie
erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-
gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es
kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-
spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"
mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,
in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch
wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,
könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß
nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-
scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände
mit, die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der
nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen
Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-
wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von
Hindenburg den Soldaten versprochen haben.
Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und
Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist
er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl
aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite
stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem
Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder
bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.
Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage
für ein Kriegerheimstättenrecht. Die ganze Bewegung ist mehr oder
weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten
Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden
rechte Spalte
durch das sogenannte Kapitalabfindungsgesetz. Wer also
aus der Gefangenschaft mit einem Kriegsschaden zurückkehrt und eine
Rente bewilligt erhält, der kann seinen Antrag auf Kapitalabfindung
stellen, d.h. er erhält seine Kriegs- eventl. auch die Verstümmelungs-
zulage kapitalisiert. Der Betrag wird gewährt zur Ausführung eines
Ansiedlungsvorhabens, zum Erwerb eines Grundstücks. Es handelt
sich um nicht unbedeutende Summen. Wer z. B. 21 Jahre alt ist,
jährlich 180 Mark Kriegszulage (neben der eigentlichen Rente, die
ihm bleibt und die nicht kapitalisierbar ist) erhält, würde eine ein-
malige Abfindung von 3830 Mark erhalten. Bekommt der außerdem
noch die Verstümmelungszulage, die 324 Mark jährlich beträgt (die
doppelte 648 Mark) , so kann er sich auch diese kapitalisieren lassen
und würde demnach noch 5994 Mark bzw. 11 988 Mark erhalten.
Diese Verträge werden je nach dem Alter abgestuft, bei einem Lebens-
alter von 35 Jahren würde z. B. die Abfindung betragen: 2700 Mark
Kriegszulage, 4860 Mark einfache Verstümmelungszulage und 9720
Mark doppelte Verstümmelungszulage. Mit diesen Beträgen ließe
sich also schon eine Ansiedlung schaffen. Wer nun von den kriegs-
beschädigten Kameraden Ansiedlungsabsichten hat, wird ggut tun,
diese Kapitalabfindung zu beantragen. Es ist gleich, ob es sich um
die Erwerbung einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen, soge-
nannten Wirtschaftsheimstätte, oder nur um eine städtische Wohn-
heimstätte, ein Eigenheim in einem Vorort, handelt. Es genügt
auch der Beitritt zu einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft oder
Baugenossenschaft, sofern damit die Ansiedlungswünsche des Be-
werbers Verwirklichung finden. die Auszahlung der bewilligten
Summer erfolgt nicht unmittelbar an den Antragsteller, sondern an
den Grundstücksverkäufer, damit eine Sicherheit für die bestimmungs-
gemäße Verwendung des Geldes besteht.
-
linke Seite
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Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen
Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.
linke Spalte
Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die
Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der
Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.
Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An
Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art
- und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen
ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich
wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht
an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-
losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen
zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten Lage des Bau-
marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?
Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-
gegeben werden? Was ist zu tun? Ja, was ist zu tun. Machtlos,
trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir
glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das
Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens
zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark. - Die Ziegeleien arbeiten
aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen
zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen" und auf die
älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun
Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr
vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die
Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele
andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.
Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt
und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch
ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat
lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,
die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen
der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-
paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"
in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h. Massen
von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit
natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders
aber unter den Heeresangehörigen, ihre Anhänger geworben
und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.
Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-
bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame
des Hauptausschusses sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-
gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie
erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-
gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es
kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-
spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"
mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,
in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch
wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,
könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß
nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-
scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände
mit, die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der
nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen
Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-
wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von
Hindenburg den Soldaten versprochen haben.
Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und
Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist
er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl
aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite
stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem
Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder
bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.
Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage
für ein Kriegerheimstättenrecht. Die ganze Bewegung ist mehr oder
weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten
Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden
rechte Spalte
durch das sogenannte Kapitalabfindungsgesetz. Wer also
aus der Gefangenschaft mit einem Kriegsschaden zurückkehrt und eine
Rente bewilligt erhält, der kann seinen Antrag auf Kapitalabfindung
stellen, d.h. er erhält seine Kriegs- eventl. auch die Verstümmelungs-
zulage kapitalisiert. Der Betrag wird gewährt zur Ausführung eines
Ansiedlungsvorhabens, zum Erwerb eines Grundstücks. Es handelt
sich um nicht unbedeutende Summen.
-
linke Seite
U n s e r e F r e i w i l l i g e n k o r p s
Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen
Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.
linke Spalte
Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die
Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der
Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.
Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An
Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art
- und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen
ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich
wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht
an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-
losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen
zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten Lage des Bau-
marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?
Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-
gegeben werden? Was ist zu tun? Ja, was ist zu tun. Machtlos,
trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir
glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das
Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens
zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark. - Die Ziegeleien arbeiten
aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen
zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen" und auf die
älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun
Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr
vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die
Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele
andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.
Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt
und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch
ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat
lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,
die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen
der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-
paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"
in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h. Massen
von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit
natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders
aber unter den Heeresangehörigen, ihre Anhänger geworben
und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.
Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-
bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame
des Hauptausschusses sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-
gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie
erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-
gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es
kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-
spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"
mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,
in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch
wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,
könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß
nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-
scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände
mit, die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der
nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen
Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-
wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von
Hindenburg den Soldaten versprochen haben.
Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und
Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist
er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl
aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite
stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem
Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder
bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.
Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage
für ein Kriegerheimstättenrecht. Die ganze Bewegung ist mehr oder
weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten
Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden
rechte Spalte
-
linke Seite
U n s e r e F r e i w i l l i g e n k o r p s
Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen
Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.
linke Spalte
Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die
Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der
Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.
Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An
Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art
- und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen
ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich
wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht
an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-
losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen
zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten Lage des Bau-
marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?
Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-
gegeben werden? Was ist zu tun? Ja, was ist zu tun. Machtlos,
trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir
glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das
Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens
zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark. - Die Ziegeleien arbeiten
aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen
zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen" und auf die
älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun
Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr
vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die
Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele
andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.
Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt
und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch
ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat
lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,
die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen
der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-
paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"
in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h. Massen
von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit
natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders
aber unter den Heeresangehörigen, ihre Anhänger geworben
und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.
Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-
bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame
des Hauptausschusses sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-
gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie
erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-
gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es
kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-
spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"
mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,
in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch
wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,
könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß
nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-
scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände
mit, die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der
nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen
Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-
wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von
Hindenburg den Soldaten versprochen haben.
Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und
Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist
er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl
aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite
stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem
Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegsheimstätten" weder
bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.
Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage
für ein Kriegerheimstättenrecht. Die ganze Bewegung ist mehr oder
weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten
Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden
rechte Spalte
-
linke Seite
U n s e r e F r e i w i l l i g e n k o r p s
Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen
Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.
linke Spalte
Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die
Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der
Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.
Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An
Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art
- und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen
ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich
wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht
an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-
losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen
zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten Lage des Bau-
marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?
Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-
gegeben werden? Was ist zu tun? Ja, was ist zu tun. Machtlos,
trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir
glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das
Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens
zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark. - Die Ziegeleien arbeiten
aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen
zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen" und auf die
älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun
Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr
vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die
Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele
andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.
Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt
und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch
ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat
lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,
die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen
der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-
paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"
in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h. Massen
von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit
natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders
aber unter den Heeresangehörigen, ihre Anhänger geworben
und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.
Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-
bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame
des Hauptausschusses sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-
gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie
erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-
gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es
kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-
spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"
mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,
in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch
wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,
könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß
nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-
scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände
mit, die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der
nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen
Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-
wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von
Hindenburg den Soldaten versprochen haben.
Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und
Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist
er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl
aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite
stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem
Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegsheimstätten" weder
bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.
Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage
für ein Kriegerheimstättenrecht. Die ganze Bewegung ist mehr oder
weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten
Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden
-
linke Seite
U n s e r e F r e i w i l l i g e n k o r p s
Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen
Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.
linke Spalte
Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die
Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der
Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.
Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An
Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art
- und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen
ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich
wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht
an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-
losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen
zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten Lage des Bau-
marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?
Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-
gegeben werden? Was ist zu tun? Ja, was ist zu tun. Machtlos,
trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir
glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das
Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens
zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark. - Die Ziegeleien arbeiten
aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen
zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen" und auf die
älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun
Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr
vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die
Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele
andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.
Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt
und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch
ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat
lebendig. De "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,
die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen
der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-
paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"
in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h. Massen
von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit
natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders
aber unter den Heeresangehörigen, für die ihre Anhänger geworben
und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.
Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-
bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame
des Hauptausschusses sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-
gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie
erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-
gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es
kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-
spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"
mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,
in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle erheben. Auch
wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,
könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß
nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-
scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände
mit, die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der
nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen
Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-
wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von
Hindenburg den Soldaten versprochen haben.
Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und
Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist
er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl
aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite
stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem
Reichsgesetz übe "Heimstättenrecht und Kriegsheimstätten" weder
bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.
Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grindlage
für ein Kriegerheimstättenrecht. Die ganze Bewegung ist mehr oder
weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegbeschädigten
Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden
-
linke Seite
U n s e r e F r e i w i l l i g e n k o r p s
Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen
Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.
linke Spalte
Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die
Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der
Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.
Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An
Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art
- und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen
ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich
wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht
an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-
losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen
zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten Lage des Bau-
marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?
Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-
gegeben werden? Was ist zu tun? Ja, was ist zu tun. Machtlos,
trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir
glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das
Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens
zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark. - Die Ziegeleien arbeiten
aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen
zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen" und auf die
älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun
Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr
vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die
Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele
andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.
Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt
und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch
ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat
lebendig. De "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,
die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen
der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-
paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"
in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h. Massen
von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit
natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders
aber unter den Heeresangehörigen, für die ihre Anhänger geworben
und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.
Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-
bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame
des Hauptausschusses sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-
gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie
erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-
gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es
kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-
spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"
mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,
in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle erheben. Auch
wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,
könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß
nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-
scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände
mit, die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der
nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen
Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-
wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von
Hindenburg den Soldaten versprochen haben.
Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und
Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist
er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl
aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite
stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem
Reichsgesetz übe "Heimstättenrecht und Kriegsheimstätten" weder
bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.
Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grindlage
für ein Kriegerheimstättenrecht. Die ganze Bewegung ist mehr oder
weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegbeschädigten
Kameaden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden
-
linke Seite
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Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen
Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.
linke Spalte
Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die
Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der
Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.
Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An
Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art
- und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen
ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich
wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht
an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-
losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen
zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten Lage des Bau-
marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?
Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-
gegeben werden? Was ist zu tun? Ja, was i s t zu tun. Machtlos,
trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir
glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das
Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens
zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark. - Die Ziegeleien arbeiten
aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen
zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen" und auf die
älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun
Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr
vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die
Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele
andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.
Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt
und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch
ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat
lebendig. De "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,
die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen
der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-
paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"
in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h. Massen
von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit
natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders
aber unter den Heeresangehörigen, für die ihre Anhänger geworben
und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.
Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-
bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame
des Hauptausschusses sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-
gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie
erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-
gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es
kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-
spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"
mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,
in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle erheben. Auch
wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,
könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß
nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-
scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände
mit, die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der
nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen
Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-
wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von
Hindenburg den Soldaten versprochen haben.
-
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U n s e r e F r e i w i l l i g e n k o r p s
Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen
Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.
linke Spalte
Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die
Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der
Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.
Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An
Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art
- und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen
ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich
wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht
an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-
losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen
zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten Lage des Bau-
marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?
Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-
gegeben werden? Was ist zu tun? Ja, was i s t zu tun. Machtlos,
trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir
glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das
Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens
zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark. - Die Ziegeleien arbeiten
aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen
zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen" und auf die
älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun
Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr
vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die
Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele
andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.
Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt
und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch
ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat
lebendig. De "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,
die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen
der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-
paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"
in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h. Massen
von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit
natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders
aber unter den Heeresangehörigen, für die ihre Anhänge geworben
und gewonnen wurden.
-
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U n s e r e F r e i w i l l i g e n k o r p s
Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen
Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.
linke Spalte
Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die
Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der
Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.
Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An
Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art
- und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen
ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich
wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht
an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-
losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen
zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten Lage des Bau-
marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?
Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-
gegeben werden? Was ist zu tun? Ja, was i s t zu tun. Machtlos,
trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir
glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das
Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens
zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark. - Die Ziegeleien arbeiten
aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen
zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen" und auf die
älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun
Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr
vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die
Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele
andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.
-
linke Seite
U n s e r e F r e i w i l l i g e n k o r p s
Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen
Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.
linke Spalte
Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die
Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der
Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.
Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An
Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art
- und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen
ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich
wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht
an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-
losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen
zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten Lage des Bau-
marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?
Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-
gegeben werden? Was ist zu tun? Ja, was i s t zu tun. Machtlos,
trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir
glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das
Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens
zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark. - Die Ziegeleien arbeiten
aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen
zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen" und auf die
älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun
Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr
vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die#
Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele
andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.
-
linke Seite
U n s e r e F r e i w i l l i g e n k o r p s
Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen
Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.
linke Spalte
Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die
Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der
Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.
Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An
Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art
- und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen
ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich
wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht
an de Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-
losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen
zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten Lage des Bau-
marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?
Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-
gegeben werden? Was ist zu tun? Ja, was i s t zu tun. Machtlos,
trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir
glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das
Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens
zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark. - Die Ziegeleien
-
linke Seite
U n s e r e F r e i w i l l i g e n k o r p s
Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
rechte Seite
-
linke Seite
U n s e r e F r e i w i l l i g e n k o r p s
Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-
wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon
jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die
heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen,
daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in
ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber
bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus
sind sie, ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen
noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-
licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe
zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-
keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.
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Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
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Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,
daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-
schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen
- neben mobiler Löhnung 5 Mark täglich Zulage - und die Aus-
sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-
füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen
Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten
erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-
halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber
fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer
Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,
die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches Bild
bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-
front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein
Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-
bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-
gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-
gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander
in bestem Einvernehmen.
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Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
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800646 79357 100000 15000
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Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
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Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
Es zeugt von dem soldatischen Geist des Deutschen und dem in
ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung
seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges
sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.
Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-
rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe
des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in
edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,
Stillfried, Grothe usw. Auch der heldenhafte Verteidiger
Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner
Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-
den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien Bataillon
Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-
korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps
Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung
an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorksche Freikorps
in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-
verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem
westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps
Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-
Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-
vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.
-
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U n s e r e F r e i w i l l i g e n k o r p s
Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
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linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
rechte Spalte
Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-
bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur
Verfügung gestellt.
-
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U n s e r e F r e i w i l l i g e n k o r p s
Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
linke Spalte
Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum
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Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
Heer Flotte Heer Flotte
800646 79357 100000 15000
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Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen
wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
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Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.
Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel
aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
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wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch
infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft
über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles
Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-
sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der
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ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
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Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der
Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-
zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten
zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-
schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,
als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske
ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten
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aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief
Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut
ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte
Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder
zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu
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wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es
die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-
wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen.
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heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914
erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
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ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
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Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
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Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
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land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
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deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
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britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
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Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.
Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne
Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen
hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,
ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine
Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-
machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer
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800646 79357 100000 15000
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Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes
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Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder
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Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung
zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand
erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-
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ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung
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800646 79357 100000 15000
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Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
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Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
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erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und
britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der
Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von
Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-
ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,
durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-
müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-
sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der
Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.
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Friedensstärke 1914 Zukünftige Wehrmacht
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Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene
deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch
ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-
heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren
Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des
Wortes des "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-
same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,
Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst
Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften
und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichten. Von
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Lille, Frankreich
Location(s)
Story location Lille, Frankreich
- ID
- 12998 / 199769
- Contributor
- Uta Hentschel
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