Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 63

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 linke Seite 

U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

       Heer         Flotte                      Heer            Flotte

     800646      79357                  100000          15000


 linke Spalte 

     Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-

heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

     Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer

Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

     Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


 rechte Spalte 

Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

Verfügung gestellt. 

     Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

     In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

 - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

in bestem Einvernehmen.

     Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


 rechte Seite 

Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                          Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

 linke Spalte

     Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

 - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  ist  zu tun. Machtlos, 

trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die

Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

     Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt

und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch

ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat 

lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,

die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen

der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-

paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"

in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h.  Massen

von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit

natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders

aber unter den Heeresangehörigen,  ihre Anhänger geworben

und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.

Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-

bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame 

des  Hauptausschusses  sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-

gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie

erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-

gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es

kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-

spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"

mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,

in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch

wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,

könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß 

nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-

scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände

mit,  die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der

nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen 

Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-

wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von

Hindenburg den Soldaten versprochen haben. 

     Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und

Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist

er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl

aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite

stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem

Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder

bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.

     Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage

für ein Kriegerheimstättenrecht.  Die ganze Bewegung ist mehr oder

weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten

Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden


 rechte Spalte 

durch das sogenannte Kapitalabfindungsgesetz. Wer also

aus der Gefangenschaft mit einem Kriegsschaden zurückkehrt und eine

Rente bewilligt erhält, der kann seinen Antrag auf Kapitalabfindung

stellen, d.h.  er erhält seine Kriegs- eventl. auch die Verstümmelungs-

zulage kapitalisiert.  Der Betrag wird gewährt zur Ausführung eines

Ansiedlungsvorhabens, zum Erwerb eines Grundstücks. Es handelt

sich um nicht unbedeutende Summen. Wer z. B. 21 Jahre alt ist,

jährlich 180 Mark Kriegszulage (neben der eigentlichen Rente, die

ihm bleibt und die nicht kapitalisierbar ist) erhält, würde eine ein-

malige Abfindung von 3830 Mark erhalten. Bekommt er außerdem

noch die Verstümmelungszulage, die 324 Mark jährlich beträgt (die

doppelte 648 Mark) , so kann er sich auch diese kapitalisieren lassen

und würde demnach noch 5994 Mark bzw. 11 988 Mark erhalten.

Diese Verträge werden je nach dem Alter abgestuft, bei einem  Lebens-

alter von 35 Jahren würde z. B. die Abfindung betragen: 2700 Mark

Kriegszulage, 4860 Mark einfache Verstümmelungszulage und 9720

Mark doppelte Verstümmelungszulage. Mit diesen Beträgen ließe 

sich also schon eine Ansiedlung schaffen. Wer nun von den kriegs-

beschädigten Kameraden Ansiedlungsabsichten hat,  wird gut tun,

diese Kapitalabfindung zu beantragen. Es ist gleich, ob es sich um

die Erwerbung einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen, soge-

nannten Wirtschaftsheimstätte, oder nur um eine städtische Wohn-

heimstätte, ein Eigenheim in einem Vorort, handelt. Es genügt 

auch der Beitritt zu einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft oder

Baugenossenschaft, sofern damit die Ansiedlungswünsche des Be-

werbers Verwirklichung finden. Die Auszahlung der bewilligten

Summe erfolgt nicht unmittelbar an den Antragsteller, sondern an

den Grundstücksverkäufer, damit eine Sicherheit für die bestimmungs-

gemäße Verwendung des Geldes besteht. 

     Wir sehen, daß die kriegsbeschädigten Kameraden ganz wesent- 

lich im Vorteil sind. Es stehen ihnen Mittel zur Verfügung, mit

denen sie sich ansiedeln können. Ganz anders liegt die Sache nun

bei unbemittelten Kameraden. Was hat man für sie getan?

Auch sie haben von der großen Kriegerheimstättenbewegung in

Deutschland gehört und wohl  oft einen stillen, schönen Traum von

einem "eigenen Heim auf eigener Scholle", mit all den Bildern von

Zufriedenheit und Glück gehabt. Wie kann ihnen geholfen werden?

Es gibt wohl, das sei gleich gesagt, für sie keinen anderen Weg, als

den der Selbsthilfe. Der Staat als "Vaterland " ist nicht in der

Lage, ihnen "Heimstätten" zu bauen und "bezugsfertig" zur Ver-

fügung zu stellen.

     Bald nach Erlaß des Kapitalabfindungsgesetzes  wurden überall

im Reiche gemeinnützige Siedlungsgesellschaften ins

Leben gerufen, die ganz gewaltige Summen aufbrachten, vor allem

große Staats- und Gemeindezuschüsse erhielten. Diese Siedlungs-

gesellschaften sollten die eigentlichen Träger auch der Kriegerheim-

stättenbewegung werden. Sie haben aber die Erwartungen  nur zum

Teil erfüllen können. Ihre Tätigkeit war bisher mehr vermittelnder

und vorbereitender Art. Nur wenige von diesen Gesellschaften haben

bis jetzt größere Ländereien für Siedlungszwecke selbst erworben,

oder gar eigene Siedlungen geschaffen. Es sprachen da natürlich die

gegenwärtigen wirtschaftlich-ungünstigen Verhältnisse mit, die großen

Schwierigkeiten auf dem Baumarkt, und es bleibt nur die Hoffnung,

daß die vielen öffentlichen Gelder, die den Siedlungsgesellschaften zur

Verfügung stehen, bei einer "Besserung der Lage" doch noch den

Stellen zugeführt werden, für die sie bestimmt worden sind: für die

Ansiedlung von Kriegsteilnehmern und kinderreichen Familien. Der

Andrang bei den Siedlungsgesellschaften, die Anfragen und Gesuche

sind so groß, daß ihnen bis jetzt nur in ganz unwesentlichem Maße

entsprochen werden konnte. Die siedlungslustigen Kameraden können

sich natürlich zunächst an die für ihren Heimatort zuständige Sied-

lungsgesellschaft (jede Provinz, alle größeren Städte und Kreise haben

heute ihre eigene "Siedlungsgesellschaft") wenden, sie werden dort

beratet, aber sicher auch vertröstet und womöglich abgewiesen werden.

     Das hat nun die Siedler veranlaßt, sich selbst zu helfen.

Wer Geld hat, ist dazu leicht in der Lage, indem er sich einfach ein

Grundstück, ein Haus oder eine kleine Wirtschaft kauft. Schwerer ist







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U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

       Heer         Flotte                      Heer            Flotte

     800646      79357                  100000          15000


 linke Spalte 

     Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-

heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

     Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer

Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

     Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


 rechte Spalte 

Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

Verfügung gestellt. 

     Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

     In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

 - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

in bestem Einvernehmen.

     Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


 rechte Seite 

Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                          Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

 linke Spalte

     Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

 - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  ist  zu tun. Machtlos, 

trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die

Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

     Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt

und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch

ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat 

lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,

die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen

der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-

paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"

in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h.  Massen

von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit

natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders

aber unter den Heeresangehörigen,  ihre Anhänger geworben

und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.

Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-

bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame 

des  Hauptausschusses  sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-

gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie

erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-

gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es

kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-

spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"

mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,

in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch

wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,

könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß 

nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-

scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände

mit,  die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der

nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen 

Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-

wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von

Hindenburg den Soldaten versprochen haben. 

     Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und

Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist

er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl

aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite

stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem

Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder

bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.

     Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage

für ein Kriegerheimstättenrecht.  Die ganze Bewegung ist mehr oder

weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten

Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden


 rechte Spalte 

durch das sogenannte Kapitalabfindungsgesetz. Wer also

aus der Gefangenschaft mit einem Kriegsschaden zurückkehrt und eine

Rente bewilligt erhält, der kann seinen Antrag auf Kapitalabfindung

stellen, d.h.  er erhält seine Kriegs- eventl. auch die Verstümmelungs-

zulage kapitalisiert.  Der Betrag wird gewährt zur Ausführung eines

Ansiedlungsvorhabens, zum Erwerb eines Grundstücks. Es handelt

sich um nicht unbedeutende Summen. Wer z. B. 21 Jahre alt ist,

jährlich 180 Mark Kriegszulage (neben der eigentlichen Rente, die

ihm bleibt und die nicht kapitalisierbar ist) erhält, würde eine ein-

malige Abfindung von 3830 Mark erhalten. Bekommt er außerdem

noch die Verstümmelungszulage, die 324 Mark jährlich beträgt (die

doppelte 648 Mark) , so kann er sich auch diese kapitalisieren lassen

und würde demnach noch 5994 Mark bzw. 11 988 Mark erhalten.

Diese Verträge werden je nach dem Alter abgestuft, bei einem  Lebens-

alter von 35 Jahren würde z. B. die Abfindung betragen: 2700 Mark

Kriegszulage, 4860 Mark einfache Verstümmelungszulage und 9720

Mark doppelte Verstümmelungszulage. Mit diesen Beträgen ließe 

sich also schon eine Ansiedlung schaffen. Wer nun von den kriegs-

beschädigten Kameraden Ansiedlungsabsichten hat,  wird gut tun,

diese Kapitalabfindung zu beantragen. Es ist gleich, ob es sich um

die Erwerbung einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen, soge-

nannten Wirtschaftsheimstätte, oder nur um eine städtische Wohn-

heimstätte, ein Eigenheim in einem Vorort, handelt. Es genügt 

auch der Beitritt zu einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft oder

Baugenossenschaft, sofern damit die Ansiedlungswünsche des Be-

werbers Verwirklichung finden. Die Auszahlung der bewilligten

Summe erfolgt nicht unmittelbar an den Antragsteller, sondern an

den Grundstücksverkäufer, damit eine Sicherheit für die bestimmungs-

gemäße Verwendung des Geldes besteht. 

     Wir sehen, daß die kriegsbeschädigten Kameraden ganz wesent- 

lich im Vorteil sind. Es stehen ihnen Mittel zur Verfügung, mit

denen sie sich ansiedeln können. Ganz anders liegt die Sache nun

bei unbemittelten Kameraden. Was hat man für sie getan?

Auch sie haben von der großen Kriegerheimstättenbewegung in

Deutschland gehört und wohl  oft einen stillen, schönen Traum von

einem "eigenen Heim auf eigener Scholle", mit all den Bildern von

Zufriedenheit und Glück gehabt. Wie kann ihnen geholfen werden?

Es gibt wohl, das sei gleich gesagt, für sie keinen anderen Weg, als

den der Selbsthilfe. Der Staat als "Vaterland " ist nicht in der

Lage, ihnen "Heimstätten" zu bauen und "bezugsfertig" zur Ver-

fügung zu stellen.

     Bald nach Erlaß des Kapitalabfindungsgesetzes  wurden überall

im Reiche gemeinnützige Siedlungsgesellschaften ins

Leben gerufen, die ganz gewaltige Summen aufbrachten, vor allem

große Staats- und Gemeindezuschüsse erhielten. Diese Siedlungs-

gesellschaften sollten die eigentlichen Träger auch der Kriegerheim-

stättenbewegung werden. Sie haben aber die Erwartungen  nur zum

Teil erfüllen können. Ihre Tätigkeit war bisher mehr vermittelnder

und vorbereitender Art. Nur wenige von diesen Gesellschaften haben

bis jetzt größere Ländereien für Siedlungszwecke selbst erworben,

oder gar eigene Siedlungen geschaffen. Es sprachen da natürlich die

gegenwärtigen wirtschaftlich-ungünstigen Verhältnisse mit, die großen

Schwierigkeiten auf dem Baumarkt, und es bleibt nur die Hoffnung,

daß die vielen öffentlichen Gelder, die den Siedlungsgesellschaften zur

Verfügung stehen, bei einer "Besserung der Lage" doch noch den

Stellen zugeführt werden, für die sie bestimmt worden sind: für die

Ansiedlung von Kriegsteilnehmern und kinderreichen Familien. Der

Andrang bei den Siedlungsgesellschaften, die Anfragen und Gesuche

sind so groß, daß ihnen bis jetzt nur in ganz unwesentlichem Maße

entsprochen werden konnte. Die siedlungslustigen Kameraden können

sich natürlich zunächst an die für ihren Heimatort zuständige Sied-

lungsgesellschaft (jede Provinz, alle größeren Städte und Kreise haben

heute ihre eigene "Siedlungsgesellschaft") wenden, sie werden dort

beratet, aber sicher auch vertröstet und womöglich abgewiesen werden.

     Das hat nun die Siedler veranlaßt, sich selbst zu helfen.

Wer Geld hat, ist dazu leicht in der Lage, indem er sich einfach ein

Grundstück, ein Haus oder eine kleine Wirtschaft kauft. Schwerer ist








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  • June 27, 2017 21:12:42 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 

    Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                              Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

     linke Spalte

         Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

    Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

    Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

    Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

    Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

     - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

    ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

    wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

    an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

    losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

    zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

    marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

    Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

    gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  ist  zu tun. Machtlos, 

    trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

    glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

    Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

    zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

    aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

    zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

    älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

    Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

    vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die

    Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

    andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

         Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt

    und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch

    ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat 

    lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,

    die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen

    der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-

    paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"

    in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h.  Massen

    von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit

    natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders

    aber unter den Heeresangehörigen,  ihre Anhänger geworben

    und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.

    Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-

    bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame 

    des  Hauptausschusses  sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-

    gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie

    erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-

    gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es

    kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-

    spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"

    mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,

    in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch

    wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,

    könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß 

    nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-

    scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände

    mit,  die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der

    nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen 

    Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-

    wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von

    Hindenburg den Soldaten versprochen haben. 

         Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und

    Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist

    er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl

    aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite

    stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem

    Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder

    bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.

         Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage

    für ein Kriegerheimstättenrecht.  Die ganze Bewegung ist mehr oder

    weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten

    Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden


     rechte Spalte 

    durch das sogenannte Kapitalabfindungsgesetz. Wer also

    aus der Gefangenschaft mit einem Kriegsschaden zurückkehrt und eine

    Rente bewilligt erhält, der kann seinen Antrag auf Kapitalabfindung

    stellen, d.h.  er erhält seine Kriegs- eventl. auch die Verstümmelungs-

    zulage kapitalisiert.  Der Betrag wird gewährt zur Ausführung eines

    Ansiedlungsvorhabens, zum Erwerb eines Grundstücks. Es handelt

    sich um nicht unbedeutende Summen. Wer z. B. 21 Jahre alt ist,

    jährlich 180 Mark Kriegszulage (neben der eigentlichen Rente, die

    ihm bleibt und die nicht kapitalisierbar ist) erhält, würde eine ein-

    malige Abfindung von 3830 Mark erhalten. Bekommt er außerdem

    noch die Verstümmelungszulage, die 324 Mark jährlich beträgt (die

    doppelte 648 Mark) , so kann er sich auch diese kapitalisieren lassen

    und würde demnach noch 5994 Mark bzw. 11 988 Mark erhalten.

    Diese Verträge werden je nach dem Alter abgestuft, bei einem  Lebens-

    alter von 35 Jahren würde z. B. die Abfindung betragen: 2700 Mark

    Kriegszulage, 4860 Mark einfache Verstümmelungszulage und 9720

    Mark doppelte Verstümmelungszulage. Mit diesen Beträgen ließe 

    sich also schon eine Ansiedlung schaffen. Wer nun von den kriegs-

    beschädigten Kameraden Ansiedlungsabsichten hat,  wird gut tun,

    diese Kapitalabfindung zu beantragen. Es ist gleich, ob es sich um

    die Erwerbung einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen, soge-

    nannten Wirtschaftsheimstätte, oder nur um eine städtische Wohn-

    heimstätte, ein Eigenheim in einem Vorort, handelt. Es genügt 

    auch der Beitritt zu einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft oder

    Baugenossenschaft, sofern damit die Ansiedlungswünsche des Be-

    werbers Verwirklichung finden. Die Auszahlung der bewilligten

    Summe erfolgt nicht unmittelbar an den Antragsteller, sondern an

    den Grundstücksverkäufer, damit eine Sicherheit für die bestimmungs-

    gemäße Verwendung des Geldes besteht. 

         Wir sehen, daß die kriegsbeschädigten Kameraden ganz wesent- 

    lich im Vorteil sind. Es stehen ihnen Mittel zur Verfügung, mit

    denen sie sich ansiedeln können. Ganz anders liegt die Sache nun

    bei unbemittelten Kameraden. Was hat man für sie getan?

    Auch sie haben von der großen Kriegerheimstättenbewegung in

    Deutschland gehört und wohl  oft einen stillen, schönen Traum von

    einem "eigenen Heim auf eigener Scholle", mit all den Bildern von

    Zufriedenheit und Glück gehabt. Wie kann ihnen geholfen werden?

    Es gibt wohl, das sei gleich gesagt, für sie keinen anderen Weg, als

    den der Selbsthilfe. Der Staat als "Vaterland " ist nicht in der

    Lage, ihnen "Heimstätten" zu bauen und "bezugsfertig" zur Ver-

    fügung zu stellen.

         Bald nach Erlaß des Kapitalabfindungsgesetzes  wurden überall

    im Reiche gemeinnützige Siedlungsgesellschaften ins

    Leben gerufen, die ganz gewaltige Summen aufbrachten, vor allem

    große Staats- und Gemeindezuschüsse erhielten. Diese Siedlungs-

    gesellschaften sollten die eigentlichen Träger auch der Kriegerheim-

    stättenbewegung werden. Sie haben aber die Erwartungen  nur zum

    Teil erfüllen können. Ihre Tätigkeit war bisher mehr vermittelnder

    und vorbereitender Art. Nur wenige von diesen Gesellschaften haben

    bis jetzt größere Ländereien für Siedlungszwecke selbst erworben,

    oder gar eigene Siedlungen geschaffen. Es sprachen da natürlich die

    gegenwärtigen wirtschaftlich-ungünstigen Verhältnisse mit, die großen

    Schwierigkeiten auf dem Baumarkt, und es bleibt nur die Hoffnung,

    daß die vielen öffentlichen Gelder, die den Siedlungsgesellschaften zur

    Verfügung stehen, bei einer "Besserung der Lage" doch noch den

    Stellen zugeführt werden, für die sie bestimmt worden sind: für die

    Ansiedlung von Kriegsteilnehmern und kinderreichen Familien. Der

    Andrang bei den Siedlungsgesellschaften, die Anfragen und Gesuche

    sind so groß, daß ihnen bis jetzt nur in ganz unwesentlichem Maße

    entsprochen werden konnte. Die siedlungslustigen Kameraden können

    sich natürlich zunächst an die für ihren Heimatort zuständige Sied-

    lungsgesellschaft (jede Provinz, alle größeren Städte und Kreise haben

    heute ihre eigene "Siedlungsgesellschaft") wenden, sie werden dort

    beratet, aber sicher auch vertröstet und womöglich abgewiesen werden.

         Das hat nun die Siedler veranlaßt, sich selbst zu helfen.

    Wer Geld hat, ist dazu leicht in der Lage, indem er sich einfach ein

    Grundstück, ein Haus oder eine kleine Wirtschaft kauft. Schwerer ist







  • June 27, 2017 21:11:41 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 

    Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                              Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

     linke Spalte

         Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

    Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

    Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

    Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

    Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

     - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

    ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

    wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

    an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

    losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

    zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

    marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

    Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

    gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  ist  zu tun. Machtlos, 

    trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

    glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

    Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

    zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

    aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

    zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

    älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

    Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

    vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die

    Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

    andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

         Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt

    und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch

    ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat 

    lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,

    die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen

    der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-

    paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"

    in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h.  Massen

    von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit

    natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders

    aber unter den Heeresangehörigen,  ihre Anhänger geworben

    und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.

    Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-

    bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame 

    des  Hauptausschusses  sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-

    gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie

    erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-

    gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es

    kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-

    spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"

    mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,

    in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch

    wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,

    könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß 

    nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-

    scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände

    mit,  die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der

    nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen 

    Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-

    wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von

    Hindenburg den Soldaten versprochen haben. 

         Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und

    Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist

    er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl

    aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite

    stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem

    Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder

    bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.

         Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage

    für ein Kriegerheimstättenrecht.  Die ganze Bewegung ist mehr oder

    weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten

    Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden


     rechte Spalte 

    durch das sogenannte Kapitalabfindungsgesetz. Wer also

    aus der Gefangenschaft mit einem Kriegsschaden zurückkehrt und eine

    Rente bewilligt erhält, der kann seinen Antrag auf Kapitalabfindung

    stellen, d.h.  er erhält seine Kriegs- eventl. auch die Verstümmelungs-

    zulage kapitalisiert.  Der Betrag wird gewährt zur Ausführung eines

    Ansiedlungsvorhabens, zum Erwerb eines Grundstücks. Es handelt

    sich um nicht unbedeutende Summen. Wer z. B. 21 Jahre alt ist,

    jährlich 180 Mark Kriegszulage (neben der eigentlichen Rente, die

    ihm bleibt und die nicht kapitalisierbar ist) erhält, würde eine ein-

    malige Abfindung von 3830 Mark erhalten. Bekommt er außerdem

    noch die Verstümmelungszulage, die 324 Mark jährlich beträgt (die

    doppelte 648 Mark) , so kann er sich auch diese kapitalisieren lassen

    und würde demnach noch 5994 Mark bzw. 11 988 Mark erhalten.

    Diese Verträge werden je nach dem Alter abgestuft, bei einem  Lebens-

    alter von 35 Jahren würde z. B. die Abfindung betragen: 2700 Mark

    Kriegszulage, 4860 Mark einfache Verstümmelungszulage und 9720

    Mark doppelte Verstümmelungszulage. Mit diesen Beträgen ließe 

    sich also schon eine Ansiedlung schaffen. Wer nun von den kriegs-

    beschädigten Kameraden Ansiedlungsabsichten hat,  wird gut tun,

    diese Kapitalabfindung zu beantragen. Es ist gleich, ob es sich um

    die Erwerbung einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen, soge-

    nannten Wirtschaftsheimstätte, oder nur um eine städtische Wohn-

    heimstätte, ein Eigenheim in einem Vorort, handelt. Es genügt 

    auch der Beitritt zu einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft oder

    Baugenossenschaft, sofern damit die Ansiedlungswünsche des Be-

    werbers Verwirklichung finden. Die Auszahlung der bewilligten

    Summe erfolgt nicht unmittelbar an den Antragsteller, sondern an

    den Grundstücksverkäufer, damit eine Sicherheit für die bestimmungs-

    gemäße Verwendung des Geldes besteht. 

         Wir sehen, daß die kriegsbeschädigten Kameraden ganz wesent- 

    lich im Vorteil sind. Es stehen ihnen Mittel zur Verfügung, mit

    denen sie sich ansiedeln können. Ganz anders liegt die Sache nun

    bei unbemittelten Kameraden. Was hat man für sie getan?

    Auch sie haben von der großen Kriegerheimstättenbewegung in

    Deutschland gehört und wohl  oft einen stillen, schönen Traum von

    einem "eigenen Heim auf eigener Scholle", mit all den Bildern von

    Zufriedenheit und Glück gehabt. Wie kann ihnen geholfen werden?

    Es gibt wohl, das sei gleich gesagt, für sie keinen anderen Weg, als

    den der Selbsthilfe. Der Staat als "Vaterland " ist nicht in der

    Lage, ihnen "Heimstätten" zu bauen und "bezugsfertig" zur Ver-

    fügung zu stellen.

         Bald nach Erlaß des Kapitalabfindungsgesetzes  wurden überall

    im Reiche gemeinnützige Siedlungsgesellschaften ins

    Leben gerufen, die ganz gewaltige Summen aufbrachten, vor allem

    große Staats- und Gemeindezuschüsse erhielten. Diese Siedlungs-

    gesellschaften sollten die eigentlichen Träger auch der Kriegerheim-

    stättenbewegung werden. Sie haben aber die Erwartungen  nur zum

    Teil erfüllen können.Ihre Tätigkeit war bisher mehr vermittelnder

    und vorbereitender Art. Nur wenige von diesen Gesellschaften haben

    bis jetzt größere Ländereien für Siedlungszwecke selbst erworben,

    oder gar eigene Siedlungen geschaffen. Es sprachen da natürlich die

    gegenwärtigen wirtschaftlich-ungünstigen Verhältnisse mit, die großen

    Schwierigkeiten auf dem Baumarkt, und es bleibt nur die Hoffnung,

    daß die vielen öffentlichen Gelder, die den Siedlungsgesellschaften zur

    Verfügung stehen, bei einer "Besserung der Lage" doch noch den

    Stellen zugeführt werden, für die sie bestimmt worden sind: für die

    Ansiedlung von Kriegsteilnehmern und kinderreichen Familien. Der

    Andrang bei den Siedlungsgesellschaften, die Anfragen und Gesuche

    sind so groß, daß ihnen bis jetzt nur in ganz unwesentlichem Maße

    entsprochen werden konnte. Die siedlungslustigen Kameraden können

    sich natürlich zunächst an die für ihren Heimatort zuständige Sied-

    lungsgesellschaft (jede Provinz, alle größeren Städte und Kreise haben

    heute ihre eigene "Siedlungsgesellschaft") wenden, sie werden dort

    beratet, aber sicher auch vertröstet und womöglich abgewiesen werden.

         Das hat nun die Siedler veranlaßt, sich selbst zu helfen.

    Wer Geld hat, ist dazu leicht in der Lage, indem er sich einfach ein

    Grundstück, ein Haus oder eine kleine Wirtschaft kauft. Schwerer ist








  • June 27, 2017 21:09:33 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 

    Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                              Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

     linke Spalte

         Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

    Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

    Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

    Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

    Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

     - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

    ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

    wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

    an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

    losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

    zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

    marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

    Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

    gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  ist  zu tun. Machtlos, 

    trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

    glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

    Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

    zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

    aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

    zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

    älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

    Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

    vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die

    Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

    andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

         Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt

    und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch

    ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat 

    lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,

    die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen

    der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-

    paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"

    in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h.  Massen

    von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit

    natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders

    aber unter den Heeresangehörigen,  ihre Anhänger geworben

    und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.

    Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-

    bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame 

    des  Hauptausschusses  sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-

    gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie

    erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-

    gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es

    kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-

    spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"

    mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,

    in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch

    wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,

    könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß 

    nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-

    scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände

    mit,  die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der

    nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen 

    Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-

    wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von

    Hindenburg den Soldaten versprochen haben. 

         Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und

    Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist

    er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl

    aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite

    stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem

    Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder

    bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.

         Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage

    für ein Kriegerheimstättenrecht.  Die ganze Bewegung ist mehr oder

    weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten

    Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden


     rechte Spalte 

    durch das sogenannte Kapitalabfindungsgesetz. Wer also

    aus der Gefangenschaft mit einem Kriegsschaden zurückkehrt und eine

    Rente bewilligt erhält, der kann seinen Antrag auf Kapitalabfindung

    stellen, d.h.  er erhält seine Kriegs- eventl. auch die Verstümmelungs-

    zulage kapitalisiert.  Der Betrag wird gewährt zur Ausführung eines

    Ansiedlungsvorhabens, zum Erwerb eines Grundstücks. Es handelt

    sich um nicht unbedeutende Summen. Wer z. B. 21 Jahre alt ist,

    jährlich 180 Mark Kriegszulage (neben der eigentlichen Rente, die

    ihm bleibt und die nicht kapitalisierbar ist) erhält, würde eine ein-

    malige Abfindung von 3830 Mark erhalten. Bekommt er außerdem

    noch die Verstümmelungszulage, die 324 Mark jährlich beträgt (die

    doppelte 648 Mark) , so kann er sich auch diese kapitalisieren lassen

    und würde demnach noch 5994 Mark bzw. 11 988 Mark erhalten.

    Diese Verträge werden je nach dem Alter abgestuft, bei einem  Lebens-

    alter von 35 Jahren würde z. B. die Abfindung betragen: 2700 Mark

    Kriegszulage, 4860 Mark einfache Verstümmelungszulage und 9720

    Mark doppelte Verstümmelungszulage. Mit diesen Beträgen ließe 

    sich also schon eine Ansiedlung schaffen. Wer nun von den kriegs-

    beschädigten Kameraden Ansiedlungsabsichten hat,  wird gut tun,

    diese Kapitalabfindung zu beantragen. Es ist gleich, ob es sich um

    die Erwerbung einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen, soge-

    nannten Wirtschaftsheimstätte, oder nur um eine städtische Wohn-

    heimstätte, ein Eigenheim in einem Vorort, handelt. Es genügt 

    auch der Beitritt zu einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft oder

    Baugenossenschaft, sofern damit die Ansiedlungswünsche des Be-

    werbers Verwirklichung finden. Die Auszahlung der bewilligten

    Summe erfolgt nicht unmittelbar an den Antragsteller, sondern an

    den Grundstücksverkäufer, damit eine Sicherheit für die bestimmungs-

    gemäße Verwendung des Geldes besteht. 

         Wir sehen, daß die kriegsbeschädigten Kameraden ganz wesent- 

    lich im Vorteil sind. Es stehen ihnen Mittel zur Verfügung, mit

    denen sie sich ansiedeln können. Ganz anders liegt die Sache nun

    bei unbemittelten Kameraden. Was hat man für sie getan?

    Auch sie haben von der großen Kriegerheimstättenbewegung in

    Deutschland gehört und wohl  oft einen stillen, schönen Traum von

    einem "eigenen Heim auf eigener Scholle", mit all den Bildern von

    Zufriedenheit und Glück gehabt. Wie kann ihnen geholfen werden?

    Es gibt wohl, das sei gleich gesagt, für sie keinen anderen Weg, als

    den der Selbsthilfe. Der Staat als "Vaterland " ist nicht in der

    Lage, ihnen "Heimstätten" zu bauen und "bezugsfertig" zur Ver-

    fügung zu stellen.

         Bald nach Erlaß des Kapitalabfindungsgesetzes  wurden überall

    im Reiche gemeinnützige Siedlungsgesellschaften ins

    Leben gerufen, die ganz gewaltige Summen aufbrachten, vor allem

    große Staats- und Gemeindezuschüsse erhielten. Diese Siedlungs-

    gesellschaften sollten die eigentlichen Träger auch de Kriegerheim-

    stättenbewegung werden. Sie haben aber die Erwartungen  nur zum

    Teil erfüllen können.Ihre Tätigkeit war bisher mehr vermittelnder

    und vorbereitender Art. Nur wenige von diesen Gesellschaften haben

    bis jetzt größere Ländereien für Siedlungszwecke selbst erworben,

    oder gar eigene Siedlungen geschaffen. Es sprachen da natürlich die

    gegenwärtigen wirtschaftlich-ungünstigen Verhältnisse mit, die großen

    Schwierigkeiten auf dem Baumarkt, und es bleibt nur die Hoffnung,

    daß die vielen öffentlichen Gelder, die den Siedlungsgesellschaften zur

    Verfügung stehen, bei einer "Besserung der Lage" doch noch den

    Stellen zugeführt werden, für die sie bestimmt worden sind: für die

    Ansiedlung von Kriegsteilnehmern und kinderreichen Familien. Der

    Andrang bei den Siedlungsgesellschaften, die Anfragen und Gesuche

    sind so groß, daß ihnen bis jetzt nur in ganz unwesentlichem Maße

    entsprochen werden konnte. Die siedlungslustigen Kameraden können

    sich natürlich zunächst an die für ihren Heimatort zuständige Sied-

    lungsgesellschaft (jede Provinz, alle größeren Städte und Kreise haben

    heute ihre eigene "Siedlungsgesellschaft") wenden, sie werden dort

    beratet, aber sicher auch vertröstet und womöglich abgewiesen werden.

         Das hat nun die Siedler veranlaßt, sich selbst zu helfen.

    Wer Geld hat, ist dazu leicht in der Lage, indem er sich einfach ein

    Grundstück, ein Haus oder eine kleine Wirtschaft kauft. Schwerer ist








  • June 27, 2017 21:09:22 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 

    Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                              Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

     linke Spalte

         Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

    Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

    Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

    Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

    Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

     - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

    ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

    wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

    an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

    losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

    zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

    marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

    Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

    gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  ist  zu tun. Machtlos, 

    trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

    glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

    Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

    zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

    aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

    zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

    älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

    Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

    vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die

    Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

    andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

         Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt

    und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch

    ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat 

    lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,

    die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen

    der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-

    paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"

    in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h.  Massen

    von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit

    natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders

    aber unter den Heeresangehörigen,  ihre Anhänger geworben

    und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.

    Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-

    bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame 

    des  Hauptausschusses  sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-

    gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie

    erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-

    gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es

    kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-

    spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"

    mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,

    in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch

    wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,

    könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß 

    nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-

    scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände

    mit,  die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der

    nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen 

    Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-

    wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von

    Hindenburg den Soldaten versprochen haben. 

         Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und

    Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist

    er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl

    aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite

    stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem

    Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder

    bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.

         Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage

    für ein Kriegerheimstättenrecht.  Die ganze Bewegung ist mehr oder

    weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten

    Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden


     rechte Spalte 

    durch das sogenannte Kapitalabfindungsgesetz. Wer also

    aus der Gefangenschaft mit einem Kriegsschaden zurückkehrt und eine

    Rente bewilligt erhält, der kann seinen Antrag auf Kapitalabfindung

    stellen, d.h.  er erhält seine Kriegs- eventl. auch die Verstümmelungs-

    zulage kapitalisiert.  Der Betrag wird gewährt zur Ausführung eines

    Ansiedlungsvorhabens, zum Erwerb eines Grundstücks. Es handelt

    sich um nicht unbedeutende Summen. Wer z. B. 21 Jahre alt ist,

    jährlich 180 Mark Kriegszulage (neben der eigentlichen Rente, die

    ihm bleibt und die nicht kapitalisierbar ist) erhält, würde eine ein-

    malige Abfindung von 3830 Mark erhalten. Bekommt er außerdem

    noch die Verstümmelungszulage, die 324 Mark jährlich beträgt (die

    doppelte 648 Mark) , so kann er sich auch diese kapitalisieren lassen

    und würde demnach noch 5994 Mark bzw. 11 988 Mark erhalten.

    Diese Verträge werden je nach dem Alter abgestuft, bei einem  Lebens-

    alter von 35 Jahren würde z. B. die Abfindung betragen: 2700 Mark

    Kriegszulage, 4860 Mark einfache Verstümmelungszulage und 9720

    Mark doppelte Verstümmelungszulage. Mit diesen Beträgen ließe 

    sich also schon eine Ansiedlung schaffen. Wer nun von den kriegs-

    beschädigten Kameraden Ansiedlungsabsichten hat,  wird gut tun,

    diese Kapitalabfindung zu beantragen. Es ist gleich, ob es sich um

    die Erwerbung einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen, soge-

    nannten Wirtschaftsheimstätte, oder nur um eine städtische Wohn-

    heimstätte, ein Eigenheim in einem Vorort, handelt. Es genügt 

    auch der Beitritt zu einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft oder

    Baugenossenschaft, sofern damit die Ansiedlungswünsche des Be-

    werbers Verwirklichung finden. Die Auszahlung der bewilligten

    Summe erfolgt nicht unmittelbar an den Antragsteller, sondern an

    den Grundstücksverkäufer, damit eine Sicherheit für die bestimmungs-

    gemäße Verwendung des Geldes besteht. 

         Wir sehen, daß die kriegsbeschädigten Kameraden ganz wesent- 

    lich im Vorteil sind. Es stehen ihnen Mittel zur Verfügung, mit

    denen sie sich ansiedeln können. Ganz anders liegt die Sache nun

    bei unbemittelten Kameraden. Was hat man für sie getan?

    Auch sie haben von der großen Kriegerheimstättenbewegung in

    Deutschland gehört und wohl  oft einen stillen, schönen Traum von

    einem "eigenen Heim auf eigener Scholle", mit all den Bildern von

    Zufriedenheit und Glück gehabt. Wie kann ihnen geholfen werden?

    Es gibt wohl, das sei gleich gesagt, für sie keinen anderen Weg, als

    den der Selbsthilfe. Der Staat als "Vaterland " ist nicht in der

    Lage, ihnen "Heimstätten" zu bauen und "bezugsfertig" zur Ver-

    fügung zu stellen.

         Bald nach Erlaß des Kapitalabfindungsgesetzes  wurden überall

    im Reiche gemeinnützige Siedlungsgesellschaften ins

    Leben gerufen, die ganz gewaltige Summen aufbrachten, vor allem

    große Staats- und Gemeindezuschüsse erhielten. Diese Siedlungs-

    gesellschaften sollten die eigentlichen Träger auch de Kriegerheim-

    stättenbewegung werden. Sie haben aber die Erwartungen  nur zum

    Teil erfüllen können.Ihre Tätigkeit war bisher mehr vermittelnder

    und vorbereitender Art. Nur wenige von diesen Gesellschaften haben

    bis jetzt größere Ländereien für Siedlungszwecke selbst erworben,

    oder gar eigene Siedlungen geschaffen. Es sprachen da natürlich die

    gegenwärtigen wirtschaftlich-ungünstigen Verhältnisse mit, die großen

    Schwierigkeiten auf dem Baumarkt, und es bleibt nur die Hoffnung,

    daß die vielen öffentlichen Gelder, die den Siedlungsgesellschaften zur

    Verfügung stehen, bei einer "Besserung der Lage" doch noch den

    Stellen zugeführt werden, für die sie bestimmt worden sind: für die

    Ansiedlung von Kriegsteilnehmern und kinderreichen Familien. Der

    Andrang bei den Siedlungsgesellschaften, die Anfragen und Gesuche

    sind so groß, daß ihnen bis jetzt nur in ganz unwesentlichem Maße

    entsprochen werden konnte. Die siedlungslustigen Kameraden können

    sich natürlich zunächst an die für ihren Heimatort zuständige Sied-

    lungsgesellschaft (jede Provinz, alle größeren Städte und Kreise haben

    heute ihre eigene "Siedlungsgesellschaft") wenden, sie werden dort

    beratet, aber sicher auch vertröstet und womöglich abgewiesen werden.

         Das hat nun die Siedler veranlaßt, sich selbst zu helfen.

    Wer Geld hat, ist dazu leicht in der Lage, indem er sich einfach ein

    Grundstück, ein Haus ode eine kleine Wirtschaft kauft. Schwerer ist








  • June 27, 2017 20:53:52 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 

    Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                              Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

     linke Spalte

         Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

    Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

    Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

    Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

    Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

     - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

    ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

    wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

    an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

    losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

    zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

    marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

    Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

    gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  ist  zu tun. Machtlos, 

    trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

    glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

    Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

    zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

    aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

    zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

    älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

    Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

    vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die

    Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

    andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

         Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt

    und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch

    ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat 

    lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,

    die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen

    der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-

    paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"

    in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h.  Massen

    von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit

    natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders

    aber unter den Heeresangehörigen,  ihre Anhänger geworben

    und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.

    Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-

    bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame 

    des  Hauptausschusses  sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-

    gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie

    erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-

    gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es

    kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-

    spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"

    mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,

    in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch

    wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,

    könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß 

    nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-

    scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände

    mit,  die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der

    nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen 

    Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-

    wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von

    Hindenburg den Soldaten versprochen haben. 

         Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und

    Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist

    er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl

    aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite

    stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem

    Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder

    bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.

         Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage

    für ein Kriegerheimstättenrecht.  Die ganze Bewegung ist mehr oder

    weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten

    Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden


     rechte Spalte 

    durch das sogenannte Kapitalabfindungsgesetz. Wer also

    aus der Gefangenschaft mit einem Kriegsschaden zurückkehrt und eine

    Rente bewilligt erhält, der kann seinen Antrag auf Kapitalabfindung

    stellen, d.h.  er erhält seine Kriegs- eventl. auch die Verstümmelungs-

    zulage kapitalisiert.  Der Betrag wird gewährt zur Ausführung eines

    Ansiedlungsvorhabens, zum Erwerb eines Grundstücks. Es handelt

    sich um nicht unbedeutende Summen. Wer z. B. 21 Jahre alt ist,

    jährlich 180 Mark Kriegszulage (neben der eigentlichen Rente, die

    ihm bleibt und die nicht kapitalisierbar ist) erhält, würde eine ein-

    malige Abfindung von 3830 Mark erhalten. Bekommt er außerdem

    noch die Verstümmelungszulage, die 324 Mark jährlich beträgt (die

    doppelte 648 Mark) , so kann er sich auch diese kapitalisieren lassen

    und würde demnach noch 5994 Mark bzw. 11 988 Mark erhalten.

    Diese Verträge werden je nach dem Alter abgestuft, bei einem  Lebens-

    alter von 35 Jahren würde z. B. die Abfindung betragen: 2700 Mark

    Kriegszulage, 4860 Mark einfache Verstümmelungszulage und 9720

    Mark doppelte Verstümmelungszulage. Mit diesen Beträgen ließe 

    sich also schon eine Ansiedlung schaffen. Wer nun von den kriegs-

    beschädigten Kameraden Ansiedlungsabsichten hat,  wird gut tun,

    diese Kapitalabfindung zu beantragen. Es ist gleich, ob es sich um

    die Erwerbung einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen, soge-

    nannten Wirtschaftsheimstätte, oder nur um eine städtische Wohn-

    heimstätte, ein Eigenheim in einem Vorort, handelt. Es genügt 

    auch der Beitritt zu einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft oder

    Baugenossenschaft, sofern damit die Ansiedlungswünsche des Be-

    werbers Verwirklichung finden. Die Auszahlung der bewilligten

    Summe erfolgt nicht unmittelbar an den Antragsteller, sondern an

    den Grundstücksverkäufer, damit eine Sicherheit für die bestimmungs-

    gemäße Verwendung des Geldes besteht. 

         Wir sehen, daß die kriegsbeschädigten Kameraden ganz wesent- 

    lich im Vorteil sind. Es stehen ihnen Mittel zur Verfügung, mit

    denen sie sich ansiedeln können. Ganz anders liegt die Sache nun

    bei unbemittelten Kameraden. Was hat man für sie getan?

    Auch sie haben von der großen Kriegerheimstättenbewegung in

    Deutschland gehört und wohl  oft einen stillen, schönen Traum von

    einem "eigenen Heim auf eigener Scholle", mit all den Bildern von

    Zufriedenheit und Glück gehabt. Wie kann ihnen geholfen werden?

    Es gibt wohl, das sei gleich gesagt, für sie keinen anderen Weg, als

    den der Selbsthilfe. Der Staat als "Vaterland " ist nicht in der

    Lage, ihnen "Heimstätten" zu bauen und "bezugsfertig" zur Ver-

    fügung zu stellen.





  • June 27, 2017 20:41:50 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 

    Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                              Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

     linke Spalte

         Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

    Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

    Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

    Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

    Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

     - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

    ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

    wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

    an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

    losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

    zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

    marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

    Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

    gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  ist  zu tun. Machtlos, 

    trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

    glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

    Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

    zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

    aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

    zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

    älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

    Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

    vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die

    Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

    andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

         Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt

    und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch

    ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat 

    lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,

    die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen

    der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-

    paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"

    in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h.  Massen

    von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit

    natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders

    aber unter den Heeresangehörigen,  ihre Anhänger geworben

    und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.

    Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-

    bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame 

    des  Hauptausschusses  sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-

    gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie

    erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-

    gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es

    kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-

    spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"

    mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,

    in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch

    wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,

    könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß 

    nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-

    scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände

    mit,  die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der

    nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen 

    Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-

    wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von

    Hindenburg den Soldaten versprochen haben. 

         Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und

    Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist

    er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl

    aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite

    stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem

    Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder

    bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.

         Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage

    für ein Kriegerheimstättenrecht.  Die ganze Bewegung ist mehr oder

    weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten

    Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden


     rechte Spalte 

    durch das sogenannte Kapitalabfindungsgesetz. Wer also

    aus der Gefangenschaft mit einem Kriegsschaden zurückkehrt und eine

    Rente bewilligt erhält, der kann seinen Antrag auf Kapitalabfindung

    stellen, d.h.  er erhält seine Kriegs- eventl. auch die Verstümmelungs-

    zulage kapitalisiert.  Der Betrag wird gewährt zur Ausführung eines

    Ansiedlungsvorhabens, zum Erwerb eines Grundstücks. Es handelt

    sich um nicht unbedeutende Summen. Wer z. B. 21 Jahre alt ist,

    jährlich 180 Mark Kriegszulage (neben der eigentlichen Rente, die

    ihm bleibt und die nicht kapitalisierbar ist) erhält, würde eine ein-

    malige Abfindung von 3830 Mark erhalten. Bekommt der außerdem

    noch die Verstümmelungszulage, die 324 Mark jährlich beträgt (die

    doppelte 648 Mark) , so kann er sich auch diese kapitalisieren lassen

    und würde demnach noch 5994 Mark bzw. 11 988 Mark erhalten.

    Diese Verträge werden je nach dem Alter abgestuft, bei einem  Lebens-

    alter von 35 Jahren würde z. B. die Abfindung betragen: 2700 Mark

    Kriegszulage, 4860 Mark einfache Verstümmelungszulage und 9720

    Mark doppelte Verstümmelungszulage. Mit diesen Beträgen ließe 

    sich also schon eine Ansiedlung schaffen. Wer nun von den kriegs-

    beschädigten Kameraden Ansiedlungsabsichten hat,  wird ggut tun,

    diese Kapitalabfindung zu beantragen. Es ist gleich, ob es sich um

    die Erwerbung einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen, soge-

    nannten Wirtschaftsheimstätte, oder nur um eine städtische Wohn-

    heimstätte, ein Eigenheim in einem Vorort, handelt. Es genügt 

    auch der Beitritt zu einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft oder

    Baugenossenschaft, sofern damit die Ansiedlungswünsche des Be-

    werbers Verwirklichung finden. die Auszahlung der bewilligten

    Summer erfolgt nicht unmittelbar an den Antragsteller, sondern an

    den Grundstücksverkäufer, damit eine Sicherheit für die bestimmungs-

    gemäße Verwendung des Geldes besteht. 






  • June 27, 2017 20:26:35 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 

    Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                              Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

     linke Spalte

         Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

    Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

    Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

    Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

    Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

     - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

    ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

    wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

    an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

    losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

    zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

    marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

    Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

    gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  ist  zu tun. Machtlos, 

    trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

    glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

    Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

    zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

    aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

    zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

    älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

    Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

    vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die

    Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

    andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

         Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt

    und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch

    ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat 

    lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,

    die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen

    der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-

    paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"

    in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h.  Massen

    von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit

    natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders

    aber unter den Heeresangehörigen,  ihre Anhänger geworben

    und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.

    Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-

    bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame 

    des  Hauptausschusses  sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-

    gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie

    erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-

    gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es

    kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-

    spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"

    mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,

    in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch

    wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,

    könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß 

    nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-

    scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände

    mit,  die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der

    nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen 

    Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-

    wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von

    Hindenburg den Soldaten versprochen haben. 

         Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und

    Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist

    er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl

    aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite

    stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem

    Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder

    bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.

         Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage

    für ein Kriegerheimstättenrecht.  Die ganze Bewegung ist mehr oder

    weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten

    Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden


     rechte Spalte 

    durch das sogenannte Kapitalabfindungsgesetz. Wer also

    aus der Gefangenschaft mit einem Kriegsschaden zurückkehrt und eine

    Rente bewilligt erhält, der kann seinen Antrag auf Kapitalabfindung

    stellen, d.h.  er erhält seine Kriegs- eventl. auch die Verstümmelungs-

    zulage kapitalisiert.  Der Betrag wird gewährt zur Ausführung eines

    Ansiedlungsvorhabens, zum Erwerb eines Grundstücks. Es handelt

    sich um nicht unbedeutende Summen.







  • June 27, 2017 20:20:01 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergangen-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung militärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialistisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitigen Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 

    Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                              Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

     linke Spalte

         Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

    Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

    Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

    Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

    Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

     - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

    ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

    wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

    an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

    losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

    zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

    marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

    Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

    gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  ist  zu tun. Machtlos, 

    trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

    glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

    Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

    zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

    aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

    zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

    älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

    Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

    vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die

    Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

    andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

         Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt

    und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch

    ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat 

    lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,

    die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen

    der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-

    paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"

    in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h.  Massen

    von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit

    natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders

    aber unter den Heeresangehörigen,  ihre Anhänger geworben

    und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.

    Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-

    bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame 

    des  Hauptausschusses  sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-

    gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie

    erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-

    gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es

    kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-

    spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"

    mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,

    in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch

    wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,

    könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß 

    nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-

    scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände

    mit,  die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der

    nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen 

    Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-

    wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von

    Hindenburg den Soldaten versprochen haben. 

         Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und

    Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist

    er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl

    aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite

    stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem

    Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegerheimstätten" weder

    bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.

         Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage

    für ein Kriegerheimstättenrecht.  Die ganze Bewegung ist mehr oder

    weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten

    Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden


     rechte Spalte 






  • June 26, 2017 21:05:11 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 

    Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                              Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

     linke Spalte

         Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

    Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

    Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

    Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

    Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

     - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

    ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

    wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

    an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

    losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

    zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

    marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

    Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

    gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  ist  zu tun. Machtlos, 

    trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

    glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

    Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

    zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

    aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

    zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

    älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

    Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

    vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die

    Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

    andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

         Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt

    und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch

    ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat 

    lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,

    die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen

    der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-

    paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"

    in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h.  Massen

    von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit

    natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders

    aber unter den Heeresangehörigen,  ihre Anhänger geworben

    und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.

    Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-

    bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame 

    des  Hauptausschusses  sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-

    gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie

    erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-

    gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es

    kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-

    spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"

    mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,

    in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch

    wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,

    könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß 

    nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-

    scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände

    mit,  die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der

    nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen 

    Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-

    wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von

    Hindenburg den Soldaten versprochen haben. 

         Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und

    Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist

    er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl

    aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite

    stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem

    Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegsheimstätten" weder

    bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.

         Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage

    für ein Kriegerheimstättenrecht.  Die ganze Bewegung ist mehr oder

    weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten

    Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden


     rechte Spalte 






  • June 26, 2017 21:04:58 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 

    Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                              Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

     linke Spalte

         Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

    Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

    Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

    Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

    Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

     - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

    ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

    wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

    an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

    losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

    zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

    marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

    Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

    gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  ist  zu tun. Machtlos, 

    trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

    glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

    Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

    zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

    aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

    zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

    älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

    Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

    vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die

    Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

    andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

         Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt

    und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch

    ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat 

    lebendig. Der "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,

    die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen

    der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-

    paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"

    in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h.  Massen

    von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit

    natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders

    aber unter den Heeresangehörigen,  ihre Anhänger geworben

    und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.

    Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-

    bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame 

    des  Hauptausschusses  sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-

    gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie

    erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-

    gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es

    kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-

    spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"

    mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,

    in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle, erheben. Auch

    wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,

    könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß 

    nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-

    scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände

    mit,  die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der

    nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen 

    Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-

    wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von

    Hindenburg den Soldaten versprochen haben. 

         Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und

    Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist

    er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl

    aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite

    stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem

    Reichsgesetz über "Heimstättenrecht und Kriegsheimstätten" weder

    bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.

         Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grundlage

    für ein Kriegerheimstättenrecht.  Die ganze Bewegung ist mehr oder

    weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegsbeschädigten

    Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden






  • June 26, 2017 21:00:19 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 

    Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                              Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

     linke Spalte

         Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

    Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

    Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

    Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

    Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

     - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

    ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

    wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

    an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

    losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

    zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

    marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

    Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

    gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  ist  zu tun. Machtlos, 

    trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

    glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

    Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

    zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

    aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

    zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

    älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

    Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

    vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die

    Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

    andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

         Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt

    und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch

    ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat 

    lebendig. De "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,

    die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen

    der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-

    paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"

    in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h.  Massen

    von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit

    natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders

    aber unter den Heeresangehörigen, für die ihre Anhänger geworben

    und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.

    Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-

    bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame 

    des  Hauptausschusses  sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-

    gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie

    erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-

    gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es

    kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-

    spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"

    mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,

    in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle erheben. Auch

    wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,

    könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß 

    nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-

    scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände

    mit,  die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der

    nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen 

    Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-

    wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von

    Hindenburg den Soldaten versprochen haben. 

         Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und

    Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist

    er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl

    aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite

    stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem

    Reichsgesetz übe "Heimstättenrecht und Kriegsheimstätten" weder

    bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.

         Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grindlage

    für ein Kriegerheimstättenrecht.  Die ganze Bewegung ist mehr oder

    weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegbeschädigten

    Kameraden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden






  • June 26, 2017 21:00:15 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 

    Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                              Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

     linke Spalte

         Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

    Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

    Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

    Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

    Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

     - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

    ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

    wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

    an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

    losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

    zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

    marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

    Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

    gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  ist  zu tun. Machtlos, 

    trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

    glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

    Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

    zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

    aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

    zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

    älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

    Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

    vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die

    Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

    andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

         Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt

    und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch

    ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat 

    lebendig. De "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,

    die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen

    der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-

    paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"

    in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h.  Massen

    von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit

    natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders

    aber unter den Heeresangehörigen, für die ihre Anhänger geworben

    und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.

    Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-

    bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame 

    des  Hauptausschusses  sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-

    gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie

    erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-

    gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es

    kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-

    spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"

    mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,

    in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle erheben. Auch

    wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,

    könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß 

    nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-

    scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände

    mit,  die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der

    nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen 

    Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-

    wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von

    Hindenburg den Soldaten versprochen haben. 

         Damaschke ist es gelungen, Hindenburg von seinen Ideen und

    Plänen zu überzeugen, er gewann ihn sich zum Freunde, wiederholt ist

    er bei ihm im Großen Hauptquartier zum Vortrag gewesen. Obwohl

    aber Damaschke ein Mann wie Hindenburg als Förderer zur Seite

    stand, ist es ihm doch nicht gelungen, seinen Entwurf zu einem

    Reichsgesetz übe "Heimstättenrecht und Kriegsheimstätten" weder

    bei der alten noch bei der neuen Regierung durchzusetzen.

         Wir haben also in Deutschland keine gesetzliche Grindlage

    für ein Kriegerheimstättenrecht.  Die ganze Bewegung ist mehr oder

    weniger ganz auf sich selbst gestellt. Nur für die kriegbeschädigten

    Kameaden ist eine solche rechtliche Maßnahme geschaffen worden






  • June 26, 2017 20:53:50 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 

    Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                              Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

     linke Spalte

         Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

    Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

    Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

    Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

    Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

     - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

    ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

    wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

    an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

    losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

    zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

    marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

    Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

    gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  i s t  zu tun. Machtlos, 

    trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

    glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

    Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

    zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

    aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

    zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

    älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

    Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

    vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die

    Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

    andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

         Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt

    und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch

    ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat 

    lebendig. De "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,

    die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen

    der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-

    paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"

    in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h.  Massen

    von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit

    natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders

    aber unter den Heeresangehörigen, für die ihre Anhänger geworben

    und gewonnen wurden. Namentlich unter den letzteren fand Dr.

    Adolf Damaschke, der verdienstvolle Vorkämpfer der Bodenreform-

    bewegung, viel Zustimmung und Freunde. Mit der großen Reklame 

    des  Hauptausschusses  sind aber zugleich auch ganz falsche Vorstellun-

    gen und Hoffnungen erweckt worden, die sich in dem Umfange nie

    erfüllen lassen werden. So wie man die Kriegerheimstätten vor-

    gemalt und versprochen hat, lassen sie sich nicht verwirklichen. Es

    kann nicht jeder heimkehrende Kriegsgefangene ohne weiteres An-

    spruch auf Zuweisung eines kleinen oder größeren "Eigenheims"

    mit Obst- und Gemüsegarten und Kleintierzucht draußen vor der Stadt,

    in nächster Nähe der Straßenbahnhaltestelle erheben. Auch

    wenn wir gesiegt und einen glänzenden Frieden geschlossen hätten,

    könnten wir nicht in dem Maße Kriegerheimstätten erstellen, daß 

    nun jeder Kriegsteilnehmer sofort seinen bescheidenen oder unbe-

    scheidenen Wunsch erfüllt sehen würde. Es sprechen da Umstände

    mit,  die ich hier nicht noch näher auseinandersetzen kann. Bei der

    nach der Revolution eingetretenen politischen und wirtschaftlichen 

    Lage, konnte der "Dank des Vaterlandes" in keiner Weise so ver-

    wirklicht werden, wie ihn Damaschke und Generalfeldmarschall von

    Hindenburg den Soldaten versprochen haben.






  • June 26, 2017 20:38:48 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 

    Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                              Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

     linke Spalte

         Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

    Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

    Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

    Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

    Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

     - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

    ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

    wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

    an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

    losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

    zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

    marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

    Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

    gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  i s t  zu tun. Machtlos, 

    trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

    glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

    Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

    zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

    aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

    zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

    älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

    Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

    vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die

    Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

    andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

         Daß man die Schaffung von Heimstättensiedlungen angestrebt

    und vorbereitet hat, ist ja bekannt. Schon bald nach Kriegsausbruch

    ward der Kriegerheimstättengedanke im Felde und in der Heimat 

    lebendig. De "Bund deutscher Bodenreformer" hat das Verdienst,

    die Idee (aber nur die ideelle Seite derselben, nicht die Lösungen

    der praktische Fragen) gefördert zu haben. Er schaffte eine Pro-

    paganda-Einrichtung, den "Hauptausschuß für Kriegerheimstätten"

    in Berlin, der auf großzügiger Grundlage arbeitete, d. h.  Massen

    von Flug-und Werbeschriften verbreitete. Der Sache war damit

    natürlich nur gedient, indem in weitesten Volkskreisen, besonders

    aber unter den Heeresangehörigen, für die ihre Anhänge geworben

    und gewonnen wurden.

         







  • June 26, 2017 20:30:14 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 

    Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                              Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

     linke Spalte

         Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

    Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

    Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

    Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

    Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

     - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

    ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

    wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

    an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

    losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

    zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

    marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

    Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

    gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  i s t  zu tun. Machtlos, 

    trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

    glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

    Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

    zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

    aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

    zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

    älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

    Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

    vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die

    Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

    andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

         







  • June 26, 2017 20:29:48 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 

    Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                              Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

     linke Spalte

         Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

    Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

    Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

    Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

    Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

     - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

    ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

    wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

    an den Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

    losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

    zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

    marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

    Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

    gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  i s t  zu tun. Machtlos, 

    trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

    glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

    Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

    zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien arbeiten

    aber zum größten Teil noch nicht mal, sie haben ja keine Kohlen

    zum Brennen. Wir sind auf "sparsame Bauweisen"  und auf die

    älteren Bauweisen unserer Vorfahren zurückgekommen und wollen nun

    Lehm- und Holzhäuser bauen. Aber nur sehr langsam und sehr

    vorsichtig beginnt man mit dem Bauen solcher "Heimstätten". Die#

    Kameraden werden sich also gedulden und sich zunächst wie viele 

    andere mit Not- und Behelfswohnungen begnügen müssen.

         







  • June 26, 2017 20:24:22 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 

    Heimstätten für die heimgekehrten Kriegsgefangenen 

                              Von Hanns Horst Kreisel, Dresden.

     linke Spalte

         Es wird so mancher von den kriegsgetrauten Kameraden die

    Heimreise mit der Erwartung antreten, daß man ihnen in der

    Heimat eine "Heimstätte" gebaut habe, die nur auf ihn warte.

    Diese Art "Dank des Vaterlandes" ist nicht möglich gewesen. An

    Bauarbeitern fehlt es zwar nicht mehr, aber an Baustoffen aller Art

     - und besonders an Kohlen. Und wo Baumaterial zu beschaffen

    ist, da ist es so unheimlich teuer, daß das Bauen unwirtschaftlich

    wird. Das private Baugewerbe kann also vorläufig noch gar nicht

    an de Bau von Häusern denken. Wir müssen den beschäftigungs-

    losen Bauarbeitern Unsummen von Erwerbslosenunterstützungen

    zahlen, sie können bei der gegenwärtigen schlechten  Lage des Bau-

    marktes einfach nicht arbeiten. Eine schmerzliche Enttäuschung?

    Sollt Ihr Kameraden dem Wohnungselend in der Heimat preis-

    gegeben werden? Was ist zu tun?  Ja, was  i s t  zu tun. Machtlos, 

    trostlos stehen wir den Dingen gegenüber. Forderungen, die wir

    glatt ablehnen müssen. Wie und wo soll gebaut werden? Das

    Tausend Ziegelsteine, das vor dem Krieg für 20 Mark mindestens 

    zu haben war, kostet jetzt über 120 Mark.  - Die Ziegeleien







  • June 26, 2017 20:10:07 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.


     rechte Seite 








  • June 26, 2017 20:08:07 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.

         Gewiß werden die Freikorps , denen nach den Worten des Reichs-

    wehrministers in der Nationalversammlung das Vaterland schon

    jetzt großen Dank schuldet, einen lebhaften Anziehungspunkt für die

    heimkehrenden Kriegsgefangenen bilden. Es ist wohl anzunehmen, 

    daß letztere nicht sämtlich sofort eine ihnen genehme Stellung in

    ihrem Zivilberuf werden finden können. In den Freikorps aber

    bietet sich ihnen eine ehrenvolle Stätte der Unterkunft. Von ihr aus

    sind sie,  ohne die große Zahl der Arbeitslosen und Unzufriedenen

    noch zu erhöhen, in der Lage, eine günstige Gelegenheit zu wirtschaft-

    licher Betätigung abzuwarten oder sich ganz dem militärischen Berufe 

    zuzuwenden, in dem jetzt auch bewährten Unteroffizieren die Möglich-

    keit geboten ist, zum Offizier befördert zu werden.








  • June 26, 2017 19:59:30 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.

         In der ersten Zeit der drängenden Not ist es wohl vorgekommen,

    daß sich unwürdige Elemente in die Freiwilligenformationen einge-

    schlichen haben. Sie wurden durch die günstigen Soldbedingungen

     - neben mobiler Löhnung  5 Mark täglich Zulage - und die Aus-

    sicht auf gute Verpflegung angelockt, brachten aber nicht den zur Er-

    füllung ernster Pflichten erforderlichen guten Willen und moralischen

    Halt mit. Solche Elemente wurden sehr bald von den Vorgesetzten 

    erkannt und aus der Truppe entfernt. Jetzt, nachdem Auslese ge-

    halten ist und bei der Annahme die gebotene Prüfung der Bewerber

    fachgemäß durchgeführt werden kann, auch die Zeit zu militärischer

    Schulung der Leute gegeben war, gelangt wieder der alte gute Geist,

    die frühere stramme Zucht zu Ehren. Ein sehr erfreuliches  Bild 

    bietet die Schilderung, in der ein Berichterstatter, der die Ostschutz-

    front besucht hat, seine Eindrücke wiedergibt. Er erzählt, daß ein

    Band gegenseitiges Vertrauens die Führer mir der Mannschaft ver-

    bindet und auf diesem Vertrauensverhältnis eine feste Disziplin auf-

    gebaut ist. Überall herrscht ein froher, kameradschaftlicher Ton, An-

    gehörige aller Berufsklassen und aller Parteien stehen nebeneinander

    in bestem Einvernehmen.








  • June 26, 2017 19:38:36 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorcksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.






  • June 26, 2017 19:37:18 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

         Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

         Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

         Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt. 

         Es zeugt von dem soldatischen  Geist des Deutschen und dem in

    ihm wurzelnden Gefühl der moralischen Pflicht zur Verteidigung

    seiner Heimat, daß sich trotz des vorausgegangenen langen Krieges

    sofort Freikorps in großer Zahl bildeten und recht Gutes leisteten.

    Erfolgreich traten sie den spartakistischen wie den polnischen Auf-

    rührern entgegen. In Berlin entstand zuerst die treffliche Truppe

    des Obersten Reinhard. Es reihten sich ihr an und traten in

    edlen Wettbewerb die Freikorps Lüttwitz, Hülsen, Oven,

    Stillfried, Grothe usw.  Auch der heldenhafte Verteidiger

    Ostafrikas, General von Lettow-Vorbeck, ließ bald nach seiner

    Heimkehr die Werbetrommel rühren. Von den Freiwilligenverbän-

    den zum Grenzschutz im Osten seien erwähnt: in Schlesien  Bataillon

    Reichenbach, Sturmabteilung Schlichtingsheim, Frei-

    korps Dohna in Sagan, ferner in Ostpreußen die Freikorps

    Kukutsch in Loetzen, Himburg in Lyk, dieses in Anlehnung

    an das alte Infanterie-Regiment Nr. 147, das Vorksche Freikorps

    in Ortelsburg. Wir hören ferner von westpreußischen und hanno-

    verschen Jägern, "Schwarzen Jägern" in Wilhelmshaven, einem

    westfälischen Freiwilligenkorps in Paderborn, einem Freikorps

    Hessen-Nassau beim Feldartillerie-Regiment Nr. 27, dem Marine-

    Regiment Madlung, dessen Werbestelle sich bei der Garde-Ka-

    vallerie-Schützendivision in Berlin befindet u.a.m.






  • June 26, 2017 19:21:54 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

       Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

       Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

       Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


     rechte Spalte 

    Schutz gegen diese Gefahr haben mangels festgefügter Truppenver-

    bände zunächst wackere Freiwillige, ihren Arm dem Vaterlande zur

    Verfügung gestellt.






  • June 26, 2017 19:20:27 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

       Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

       Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

       Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki gegen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum


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  • June 26, 2017 19:20:14 Beate Jochem

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    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


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       Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

       Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

       Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

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  • June 26, 2017 19:18:53 Beate Jochem

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    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

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       Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

       Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

       Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. War es doch 

    infolge letzterer den Hochverrätern in Posen gelungen, die Herrschaft

    über einen großen Teil der Provinz an sich zu reißen. Schnelles

    Eingreifen tat not, um noch mehr Unheil zu verhüten. Dazu ge-

    sellten sich drohende Anzeichen in Rußland, die einen Vorstoß der

    Bolschewiki eggen deutsches Gebiet befürchten ließen. Auch zum






  • June 26, 2017 19:15:00 Beate Jochem

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    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

       Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

       Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.

       Zunächst gebot es die innere Lage. Das Treiben der

    Spartakisten und der mit ihnen verbrüderten "Unabhängigen" So-

    zialdemokraten, ihre Gewalttaten und Streikanzettelungen führten

    zu unerträglichen Zuständen. Nicht nur unsere gesamte Volkswirt-

    schaft, auch die Regierung selbst geriet in ernste Gefahr. Letzterer,

    als selbst sozialstisch, war es - wie auch Reichswehrminister Noske

    ausgesprochen hat - äußerst unerwünscht, daß eine ihrer ersten

    Maßnahmen darin bestehen mußte, neue militärische Machtmittel

    aufzustellen. Aber die Not ließ keinen anderen Ausweg. Man rief

    Freiwillige zu den Waffen, vaterlandsliebende, militärisch gut

    ausgebildete Leute und kampfesfreudige Neulinge, denen sich erprobte

    Offiziere und Unteroffiziere anschlossen, um der Bevölkerung wieder

    zu Ruhe und Ordnung zu verhelfen und ihr die Möglichkeit zu

    geben, durch Arbeit baldtunlichst über die schwere Zeit unserer jetzigen

    wirtschaftliche Erschöpfung hinwegzukommen. Weiterhin waren es

    die Verhältnisse im Osten, die auf die Notwendigkeit hin-

    wiesen, unserer Wehrlosigkeit ein Ende zu machen. 






  • June 26, 2017 18:58:35 Beate Jochem

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    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

       Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

       Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie die Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,   


    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.


  • June 26, 2017 18:58:31 Beate Jochem

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    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

       Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

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    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

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    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

       Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

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    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft,

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    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.


  • June 26, 2017 18:57:40 Beate Jochem

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    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

       Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

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    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

    müde gemacht, zum Staunen der Welt in katastrophaler Weise zu-

    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.

       Aber bald zeigte es sich, daß trotz der Beendigung des Kampfes

    an der Westfront eine bewaffnete Macht nicht zu entbehren war.

    Die uralte Erfahrung, daß der Staat, gleichviel ob Monarchie oder

    Republik, ob konservativ, demokratisch oder sozialistisch regiert, ohne

    Heer nicht bestehen kann, daß er, um seinen Anordnungen Geltung

    zu verschaffen, sich auf stets bereite Machtmittel stützen muß, fand

    erneut ihre Bestätigung. Sogar die bolschewistischen Führer in Ruß-

    land betrachten es, nachdem sie Staatsleitung an sich gerissen

    hatten, als das erste Erfordernis für die Sicherung ihrer Herrschaft.,

    ein starkes Heer zu schaffen. Für die deutsche Revolutionsregierung

    wurde schon in der allerersten Zeit ihres Bestehens, noch ehe an eine

    Nationalversammlung und eine gesetzmäßige Regelung der Wehr-

    machtfrage zu denken war, die schleunige Aufstellung miliärischer

    Verbände aus zweierlei Rücksicht ein dringendes Bedürfnis.


  • June 26, 2017 18:48:23 Beate Jochem

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    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


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       Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

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    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes das "Volk in Waffen" dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von

    flammender Begeisterung erfüllt, zog sie in den Augusttagen 1914

    erneut über den Rhein in den uns von französischer Rachegier und

    britischem Konkurrenzneid aufgezwungenen Kampf, um das Erbe der

    Väter zu verteidigen. Und dann nach einer endlosen Reihe von

    Siegen vier Jahre hindurch auf allen Kriegsschauplätzen des Völker-

    ringens, in West und Ost, in Italien und am Balkan, brach sie,

    durch üble hetzerische Einflüsse von außen her zermürbt und kampf-

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    sammen. Unsere "schimmernde Wehr", der Schrecken der

    Feinde war dahin. Deutschland besaß keine Wehrmacht mehr.


  • June 26, 2017 18:27:11 Beate Jochem

     linke Seite 

    U n s e r e   F r e i w i l l i g e n k o r p s


    Friedensstärke 1914               Zukünftige Wehrmacht

           Heer         Flotte                      Heer            Flotte

         800646      79357                  100000          15000


     linke Spalte 

       Die ruhmreiche, für die ganze Welt vorbildlich gewordene

    deutsche Armee hat mit dem Ende des Weltkrieges auch

    ihr Ende gefunden. Auf eine wahrhaft glänzende Vergang-

    heit konnte sie zurückblicken. Dank der allgemeinen, von unseren

    Feinden nachgeahmten Wehrpflicht stellte sie im vollen Sinne des

    Wortes des "Volk in Waffen"  dar, geeint durch das gemein-

    same Band der Vaterlandsliebe, hervorragend in Manneszucht,

    Pflichttreue und Dienstfreudigkeit. Ihre Taten waren es, die einst

    Deutschlands politische Einigung auf Frankreichs Feldern erkämpften

    und seinen hohen wirtschaftlichen Aufschwung  ermöglichten. Von


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    Lille, Frankreich

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ID
12998 / 199769
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Uta Hentschel
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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