Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 51
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
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2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
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3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich derTrauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
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Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
4. Spalte
Letzte Nachrichen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-
lautbart:
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen
gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall
zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen
unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes
und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen
Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit
gering.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen
Leopold von Bayern.
An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der
Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen
die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-
lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen
unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am
Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr
die russischen Vorposten.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch
gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter
ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die
Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere
Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba
erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der
Gegner zurückgeworfen werden. Das Chusaer Land-
sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-
terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.
Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica
ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von
Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt
war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-
bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien
fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand
des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der
Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32
und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen
Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf
2250 Mann gestiegen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Ereignisse zur See.
Am 2. November vormittags belegte ein Seeflugzeugge-
schwader die Semaphor Station und Kohlenanlagen von Vieste
und die Radiostation, sowie das Lagerhaus von Torre Porti-
celle erfolgreich mit Bomben. Abends griff ein Seeflugzeug-
geschwader die Bahnhofsanlagen von Rouchi, die militärischen
Anlagen von Selz, Doberdo und Staranzano und die Batterie
von Eskanetta an. Es wurden viele Treffer erzielt.
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Französischer Bericht.
Orientarmee: Von der Struma bis zum Wardar nichts
zu melden, außer einer ziemlichen lebhaften Kanonade, besonders im
Abschnitt des Doiran-Sees. In Gegend der
wiesen dieSerben mehrere bulgarische Gegenangriffe zurück und erzielten
neue Fortschritte, wobei sie ihrem Gegner fühlbare Verluste bei-
brachten und Gefangene machten. Auf dem linken französischen
Flügel große beiderseitige Artillerietätigkeit.
Versenkt.
WTB Bergen, 3.Nov. 1916. (Drahtber.) Nach Bergens Aften-
bladet wurde der englische Dampfer Brenth aus Hull
20 Seemeilen westlich der Mündung des Sognefjords versenkt
und die Besatzung, 18 Mann, von einem norwegischen Dampfer
aufgenommen und gelandet.
Deutschland und Holland.
Eigener Drahtbericht der Kölnischen Volkszeitung.
d.Haag, 3. Nov. 1916. Das Auswärtige Amt teilt mit: Der
deutsche Geschäftsträger hat das Bedauern seiner Regierung
ausgedrückt wegen des Ueberfliegens niederländischen Gebietes
durch ein deutsches Luftschiff am 22.Oktober. Auch
entschuldigte der Geschäftsträger sich im Namen des Großen
Hauptquartiers. Der Kommandant glaubte, er wäre über bel-
gischem Gebiet.
_________________________________
Das Eiserne Kreuz _______
Erster Klasse erhielten:
Kriegsfreiw. Vizefeldw. Heinr. Richter aus Fredeburg. - Ober-
stabsarzt Dr. Hild aus Kaldenkirchen, Divisionsarzt der 5. Land-
wehr-Division.
_________________________________________________________________________
Verantwortlicher Redakteur: Joseph Geisen in Köln.
=========================================================
Inserate nicht transkribiert
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich derTrauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
4. Spalte
Letzte Nachrichen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-
lautbart:
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen
gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall
zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen
unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes
und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen
Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit
gering.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen
Leopold von Bayern.
An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der
Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen
die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-
lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen
unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am
Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr
die russischen Vorposten.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch
gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter
ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die
Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere
Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba
erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der
Gegner zurückgeworfen werden. Das Chusaer Land-
sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-
terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.
Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica
ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von
Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt
war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-
bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien
fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand
des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der
Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32
und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen
Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf
2250 Mann gestiegen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Ereignisse zur See.
Am 2. November vormittags belegte ein Seeflugzeugge-
schwader die Semaphor Station und Kohlenanlagen von Vieste
und die Radiostation, sowie das Lagerhaus von Torre Porti-
celle erfolgreich mit Bomben. Abends griff ein Seeflugzeug-
geschwader die Bahnhofsanlagen von Rouchi, die militärischen
Anlagen von Selz, Doberdo und Staranzano und die Batterie
von Eskanetta an. Es wurden viele Treffer erzielt.
_________________________________
Französischer Bericht.
Orientarmee: Von der Struma bis zum Wardar nichts
zu melden, außer einer ziemlichen lebhaften Kanonade, besonders im
Abschnitt des Doiran-Sees. In Gegend der
wiesen dieSerben mehrere bulgarische Gegenangriffe zurück und erzielten
neue Fortschritte, wobei sie ihrem Gegner fühlbare Verluste bei-
brachten und Gefangene machten. Auf dem linken französischen
Flügel große beiderseitige Artillerietätigkeit.
Versenkt.
WTB Bergen, 3.Nov. 1916. (Drahtber.) Nach Bergens Aften-
bladet wurde der englische Dampfer Brenth aus Hull
20 Seemeilen westlich der Mündung des Sognefjords versenkt
und die Besatzung, 18 Mann, von einem norwegischen Dampfer
aufgenommen und gelandet.
Deutschland und Holland.
Eigener Drahtbericht der Kölnischen Volkszeitung.
d.Haag, 3. Nov. 1916. Das Auswärtige Amt teilt mit: Der
deutsche Geschäftsträger hat das Bedauern seiner Regierung
ausgedrückt wegen des Ueberfliegens niederländischen Gebietes
durch ein deutsches Luftschiff am 22.Oktober. Auch
entschuldigte der Geschäftsträger sich im Namen des Großen
Hauptquartiers. Der Kommandant glaubte, er wäre über bel-
gischem Gebiet.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich derTrauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
4. Spalte
Letzte Nachrichen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-
lautbart:
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen
gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall
zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen
unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes
und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen
Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit
gering.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen
Leopold von Bayern.
An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der
Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen
die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-
lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen
unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am
Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr
die russischen Vorposten.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch
gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter
ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die
Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere
Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba
erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der
Gegner zurückgeworfen werden. Das Chusaer Land-
sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-
terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.
Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica
ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von
Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt
war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-
bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien
fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand
des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der
Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32
und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen
Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf
2250 Mann gestiegen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Ereignisse zur See.
Am 2. November vormittags belegte ein Seeflugzeugge-
schwader die Semaphor Station und Kohlenanlagen von Vieste
und die Radiostation, sowie das Lagerhaus von Torre Porti-
celle erfolgreich mit Bomben. Abends griff ein Seeflugzeug-
geschwader die Bahnhofsanlagen von Rouchi, die militärischen
Anlagen von Selz, Doberdo und Staranzano und die Batterie
von Eskanetta an. Es wurden viele Treffer erzielt.
_________________________________
Französischer Bericht.
Orientarmee: Von der Struma bis zum Wardar nichts
zu melden, außer einer ziemlichen lebhaften Kanonade, besonders im
Abschnitt des Doiran-Sees. In Gegend der
wiesen dieSerben mehrere bulgarische Gegenangriffe zurück und erzielten
neue Fortschritte, wobei sie ihrem Gegner fühlbare Verluste bei-
brachten und Gefangene machten. Auf dem linken französischen
Flügel große beiderseitige Artillerietätigkeit.
Versenkt.
WTB Bergen, 3.Nov. 1916. (Drahtber.) Nach Bergens Aften-
bladet wurde der englische Dampfer Brenth aus Hull
20 Seemeilen westlich der Mündung des Sognefjords versenkt
und die Besatzung, 18 Mann, von einem norwegischen Dampfer
aufgenommen und gelandet.
Deutschland und Holland.
Eigener Drahtbericht der Kölnischen Volkszeitung.
d.Haag, 3.Nov. 1916. Das Auswärtige Amt teilt mit: Der
deutsche Geschäftsträger hat das Bedauern seiner Regierung
ausgedrückt wegen des Ueberfliegens niederländischen Gebietes
durch ein deutsches Luftschiff am 22.Oktober. Auch
entschuldigte der Geschäftsträger sich im Namen des Großen
Hauptquartiers. Der Kommandant glaubte, er wäre über bel-
gischem Gebiet.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
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WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich derTrauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
4. Spalte
Letzte Nachrichen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-
lautbart:
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen
gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall
zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen
unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes
und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen
Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit
gering.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen
Leopold von Bayern.
An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der
Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen
die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-
lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen
unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am
Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr
die russischen Vorposten.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch
gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter
ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die
Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere
Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba
erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der
Gegner zurückgeworfen werden. Das Chusaer Land-
sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-
terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.
Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica
ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von
Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt
war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-
bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien
fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand
des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der
Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32
und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen
Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf
2250 Mann gestiegen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Ereignisse zur See.
Am 2. November vormittags belegte ein Seeflugzeugge-
schwader die Semaphor Station und Kohlenanlagen von Vieste
und die Radiostation, sowie das Lagerhaus von Torre Porti-
celle erfolgreich mit Bomben. Abends griff ein Seeflugzeug-
geschwader die Bahnhofsanlagen von Rouchi, die militärischen
Anlagen von Selz, Doberdo und Staranzano und die Batterie
von Eskanetta an. Es wurden viele Treffer erzielt.
_________________________________
Französischer Bericht.
Orientarmee: Von der Struma bis zum Wardar nichts
zu melden, außer einer ziemlichen lebhaften Kanonade, besonders im
Abschnitt des Doiran-Sees. In Gegend der
wiesen dieSerben mehrere bulgarische Gegenangriffe zurück und erzielten
neue Fortschritte, wobei sie ihrem Gegner fühlbare Verluste bei-
brachten und Gefangene machten. Auf dem linken französischen
Flügel große beiderseitige Artillerietätigkeit.
Versenkt.
WTB Bergen, 3.Nov. 1916. (Drahtber.) Nach Bergens Aften-
bladet wurde der englische Dampfer Brenth aus Hull
20 Seemeilen westlich der Mündung des Sognefjords versenkt
und die Besatzung, 18 Mann, von einem norwegischen Dampfer
aufgenommen und gelandet.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich derTrauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
4. Spalte
Letzte Nachrichen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-
lautbart:
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen
gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall
zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen
unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes
und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen
Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit
gering.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen
Leopold von Bayern.
An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der
Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen
die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-
lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen
unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am
Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr
die russischen Vorposten.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch
gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter
ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die
Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere
Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba
erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der
Gegner zurückgeworfen werden. Das Chusaer Land-
sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-
terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.
Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica
ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von
Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt
war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-
bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien
fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand
des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der
Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32
und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen
Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf
2250 Mann gestiegen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Ereignisse zur See.
Am 2. November vormittags belegte ein Seeflugzeugge-
schwader die Semaphor Station und Kohlenanlagen von Vieste
und die Radiostation, sowie das Lagerhaus von Torre Porti-
celle erfolgreich mit Bomben. Abends griff ein Seeflugzeug-
geschwader die Bahnhofsanlagen von Rouchi, die militärischen
Anlagen von Selz, Doberdo und Staranzano und die Batterie
von Eskanetta an. Es wurden viele Treffer erzielt.
_________________________________
Französischer Bericht.
Orientarmee: Von der Struma bis zum Wardar nichts
zu melden, außer einer ziemlichen lebhaften Kanonade, besonders im
Abschnitt des Doiran-Sees. In Gegend der
wiesen dieSerben mehrere bulgarische Gegenangriffe zurück und erzielten
neue Fortschritte, wobei sie ihrem Gegner fühlbare Verluste bei-
brachten und Gefangene machten. Auf dem linken französischen
Flügel große beiderseitige Artillerietätigkeit.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich derTrauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
4. Spalte
Letzte Nachrichen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-
lautbart:
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen
gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall
zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen
unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes
und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen
Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit
gering.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen
Leopold von Bayern.
An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der
Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen
die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-
lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen
unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am
Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr
die russischen Vorposten.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch
gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter
ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die
Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere
Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba
erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der
Gegner zurückgeworfen werden. Das Chusaer Land-
sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-
terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.
Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica
ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von
Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt
war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-
bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien
fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand
des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der
Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32
und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen
Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf
2250 Mann gestiegen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Ereignisse zur See.
Am 2. November vormittags belegte ein Seeflugzeugge-
schwader die Semaphor Station und Kohlenanlagen von Vieste
und die Radiostation, sowie das Lagerhaus von Torre Porti-
celle erfolgreich mit Bomben. Abends griff ein Seeflugzeug-
geschwader die Bahnhofsanlagen von Rouchi, die militärischen
Anlagen von Selz, Doberdo und Staranzano und die Batterie
von Eskanetta an. Es wurden viele Treffer erzielt.
_________________________________
Französischer Bericht.
Orientarmee: Von der Struma bis zum Wardar nichts
zu melden, außer einer ziemlichen lebhaften Kanonade, besonders im
Absdhnitt des Doiran-Sees. In Gegend der
wiesen dieSerben mehrere bulgarische Gegenangriffe zurück und erzielten
neue Fortschritte, wobei sie ihrem Gegner fühlbare Verluste bei-
brachten und Gefangene machten. Auf dem linken französischen
Flügel große beiderseitige Artillerietätigkeit.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich derTrauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
4. Spalte
Letzte Nachrichen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-
lautbart:
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen
gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall
zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen
unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes
und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen
Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit
gering.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen
Leopold von Bayern.
An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der
Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen
die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-
lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen
unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am
Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr
die russischen Vorposten.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch
gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter
ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die
Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere
Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba
erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der
Gegner zurückgeworfen werden. Das Chusaer Land-
sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-
terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.
Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica
ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von
Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt
war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-
bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien
fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand
des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der
Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32
und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen
Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf
2250 Mann gestiegen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Ereignisse zur See.
Am 2. November vormittags belegte ein Seeflugzeugge-
schwader die Semaphor Station und Kohlenanlagen von Vieste
und die Radiostation, sowie das Lagerhaus von Torre Porti-
celle erfolgreich mit Bomben. Abends griff ein Seeflugzeug-
geschwader die Bahnhofsanlagen von Rouchi, die militärischen
Anlagen von Selz, Doberdo und Staranzano und die Batterie
von Eskanetta an. Es wurden viele Treffer erzielt.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich derTrauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
4. Spalte
Letzte Nachrichen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-
lautbart:
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen
gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall
zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen
unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes
und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen
Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit
gering.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen
Leopold von Bayern.
An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der
Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen
die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-
lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen
unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am
Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr
die russischen Vorposten.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch
gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter
ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die
Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere
Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba
erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der
Gegner zurückgeworfen werden. Das Chusaer Land-
sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-
terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.
Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica
ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von
Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt
war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-
bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien
fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand
des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der
Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32
und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen
Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf
2250 Mann gestiegen.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich derTrauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
4. Spalte
Letzte Nachrichen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-
lautbart:
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen
gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall
zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen
unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes
und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen
Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit
gering.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen
Leopold von Bayern.
An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der
Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen
die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-
lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen
unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am
Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr
die russischen Vorposten.
Italienische Kriegsschauplatz.
An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch
gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter
ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die
Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere
Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba
erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der
Gegner zurückgeworfen werden. Das Chusaer Land-
sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-
terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.
Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica
ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von
Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt
war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-
bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien
fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand
des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der
front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32
und de Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen
Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf
2250 Mann gestiegen.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich derTrauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
4. Spalte
Letzte Nachrichen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-
lautbart:
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen
gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall
zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen
unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes
und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen
Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit
gering.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen
Leopold von Bayern.
An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der
Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen
die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-
lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen
unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am
Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr
die russischen Vorposten.
Italienische Kriegsschauplatz.
An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch
gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter
ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die
Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere
Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba
erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der
Gegner zurückgeworfen werden. Das
Land-sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-
terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich derTrauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
4. Spalte
Letzte Nachrichen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-
lautbart:
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen
gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall
zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen
unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes
und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen
Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit
gering.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen
Leopold von Bayern.
An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der
Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen
die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-
lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen
unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am
Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr
die russischen Vorposten.
Italienische Kriegsschauplatz.
An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch
gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter
ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die
Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere
Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
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3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich derTrauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
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Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
4. Spalte
Letzte Nachrichen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-
lautbart:
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen
gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall
zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen
unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes
und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen
Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit
gering.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen
Leopold von Bayern.
An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der
Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen
die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-
lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen
unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am
Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr
die russischen Vorposten.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich derTrauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
4. Spalte
Letzte Nachrichen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-
lautbart:
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen
gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall
zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen
unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes
und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen
Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit
gering.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen
Leopold von Bayern.
An der Bystrzhea
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich derTrauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
4. Spalte
Letzte Nachrichen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-
lautbart:
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen
gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall
zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen
unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes
und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen
Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit
gering.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen
Leopold von Bayern.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der Trauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
4. Spalte
Letzte Nachrichen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-
lautbart:
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen
gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall
zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen
unsere Truppen südöstlich des
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der Trauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
4. Spalte
Letzte Nachrichen.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahtve.) Amtlich wird ver
lautbart:
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie
Erzherzog Karl.
In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen
gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall
zurückgeworfen. Dem Feinde nachdtoßend, gewannen
unsere Truppen südöstlich des
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
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2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der Trauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
4. Spalte
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
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2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
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3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der Trauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der Trauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
* * *
Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen
in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem
eintraf,als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.
Dieser vermutlich letzte Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt
wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank
für Ihren Brief. Besen Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.
Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-
fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,
besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an
der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-
maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl
es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf
längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant
und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen
einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie
und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener O. Boelcke.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der Trauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
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WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der Trauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzt dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen,
dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer
und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück
als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten
und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten
und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst
meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas
anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren
Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren
ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-
tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich
selbst zu formen.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der Trauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
_____________________________
Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom
"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen
der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten
erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen
Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht
sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden
kann, das war bei Oswald Boelcke nichts anderes als die Meiste-
rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-
konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und
Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-
tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig
schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,
und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch
Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-
rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation
meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets
lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das
Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei
Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im
Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr
Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich
zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel
Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine
frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte
dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht
böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-
scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie
dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-
klärend setzt dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein
englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-
sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-
kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück
muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst
entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas
zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig
sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur
eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz losgerissen
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
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2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
___________________________________________________________________
3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend
die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach
der
überführt worden war, fand heute hier für
eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der Trauerzug unter dem Geläute
Kirchenglocken die mehrereKilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu
beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-
regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten
Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,
die
, der kommandierende General von Lyncker als Ver-treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-
fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des
Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von
Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-
streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des
Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere.
Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die
Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,
Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt
erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den
Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,
die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister
Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte
sich auf dem frischen Hügel.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
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3. Spalte
Vermischte Nachrichten.
Die Beisetzung Boelckes.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
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WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ...
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ...
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 1/2 Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 1/2
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ...
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 1/2 Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 1/2
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mttelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,
daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch
Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen
Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten
Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen
als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso
wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das
Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ...
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 1/2 Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 1/2
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien
günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in
diesem Jahre weit weniger angebaut ist als in 1914. In jedem
Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur
Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien
scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte
übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-
keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für
russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig
scheint es, als ob davon die Mttelmächte mehr abbekommen
sollen als die Entente.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ...
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 1/2 Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 1/2
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.
Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen
als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,
und dasselbe ist bei Italien der Fall.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ...
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 1/2 Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 1/2
Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ...
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte!
Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der
seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der
Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,
zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-
einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte
Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte
anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September
lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156
Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 1/2 Millionen
Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird die
Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 1/2
Millionen Bushel in 1915. In Kanada , heißt es in dem
Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird
geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel
in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die
Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel
aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ...
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte?
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ...
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch
mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,
daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe
spüren könne. was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war
in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-
amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England
unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und
welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland
aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein
beigeben müßte?
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ...
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
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2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
1917 - Englands Hungerjahr.
Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-
rant von heute abend schreibt:
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ...
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ...
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
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2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1. Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß
das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahen und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren.Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ...
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1.Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daßdas Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns
mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,
die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun
spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs
unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen,
weshalb die Admiralität diese Verluste ver-
schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-
scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil
gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-
hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-
bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger
bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl
jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es
widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche
Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu
fahen und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe
eines zu verlieren.Die meisten von uns hatten geglaubt, daß
die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ...
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1.Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daßdas Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet
und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine
anderen Schiffe verloren gegangen wären. zugleich sagten aber
die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-
fahrzeuge in den Grund
hätten. Jetzt teilt man unsmit, daß sie tatsächlich sechs
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ...
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2. Spalte
Aus den feindlichen Ländern.
Weitere Kritik an der englischen Admiralität.
WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche
Courant meldet aus London vom 1.Nov.:
Daily Chronicle sagt im Leitartikel: die Admiralität ist auch
diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der
Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daßdas Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ...
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohesSpiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
____________________________________________________________________
2.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. und 3. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. und 3. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland nähe liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. und 3. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten
Teil verloren, und wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -
ganz verlieren.Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner
Sorte, denen das Ausland nähe liegt, als die Pflicht gegen
das Vaterland.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. und 3. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die
jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-
zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft
von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft
die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie
schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,
nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen
Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen
ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-
lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,
, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen.
Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. die
Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten
irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. und 3. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine
Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das
in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach
Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-
ponnes verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos
noch

Die
über Nord-Epirus bleibt vorbehalten. Damithat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-
stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon
höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller
Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König
ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-
macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es
ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum
Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig
gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-
landes genannt werden.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. und 3. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. und 3. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-
Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt
ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland
alsbald nach der Besetzung von Walona durch Italien die von
ihm früher
Teile von Nord-Epirus besetzt, umsich gegen die Ueberwucherung de "geheiligten Aspirationen"
Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein
und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr
wie je nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-
stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in
die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-
land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.
Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel
Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen
"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien,
was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich
herbeilassen müssen, starke Truppenkörper nach
Saloniki zu senden. So wird Italien Schritt für Schritt
gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-
nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts
zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des
Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-
gefangen, mitgehangen.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. und 3. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien
etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die
griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt,
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
2. und 3. Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
zweite und dritte Spalte
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
rechte Spalte
Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft
werden.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem
Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-
politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse
auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge
zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich
gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine
vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden
anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief
geht - , da kann England im Rücken der Saloniki-Arme keine
Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe
werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer
mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her
entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und
verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere
erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-
zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung
dürfen wir uns ganz besonders freuen.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es Reuter getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,
welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen
mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der
brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-
macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-
tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,
dich eine Anleihe von zehn Milliionen geben lassen usw. Ein
netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-
volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"
ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas
sehr eigenartig nuanciert.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es
getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,
welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-
schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was
er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange
durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht
eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem
Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals
daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder
zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht
einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt,
als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen
in Saloniki. Allerdings: aber die beste Garantie wäre doch
nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn
man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen
können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische,
und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln
in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-
gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten Verlauf genommen,
und jetzt nach Tische liest man´s anders.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zuhaben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es
getan hat, welchem es
in erster 
, den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,
welches
worden ist , um einen anderen Kurs der
zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiverBetrachtungsweise es wohl auch tun werden.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
A r m e r V e n i z e l o s !
linke Spalte
Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches
einen modus vivendi zwischen der Entente und dem König für
die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit
Frontwechsel der Entente in ihrer 
zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.
sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt
. Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,
wie es
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Kuvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pogubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffes am Nigria bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
Die Lage in den Kolonien.
Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.
Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen
Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn
stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß
auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Kuvufluß
führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere
wichtige Brücken in den Pogubergen, dicht westlich von Daressalam
gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr
großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken
und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-
sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet
sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt
sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der
deutschen Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen
Angriffe am Nigria bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der
ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die
Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens
mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-
lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-
liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-
lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an
und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-
geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer
Stellungen, aber erfolglos.
Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir
feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.
Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel
für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.
Galizische Front: Die Russen machen am 31. Oktober
und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am
31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-
griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-
schlagen.
Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen
wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen
unsere Truppen an der Strumafront machte.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
Der Krieg im Orient.
Der amtliche türkische Bericht.
WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-
front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher
Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und
150 Stück Vieh weg.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
Rumänischer Bericht.
Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:
An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage
unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen
Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In
Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück.
Oestlich vom Als dauert de Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten
wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-
nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.
Südfront: Die Lage ist unverändert.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.
Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte
der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt
hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese
Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-
legenen Höhen.
Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.
Der Krieg mit Rumänien.
Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.
Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.
WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen
Lage führt General Lacroix in Temps aus:
Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-
bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche
Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die
rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die
Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig
voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis
der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-
unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene
neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein
müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn
bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch
Eindruck machen.
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
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WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
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WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1. November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
Vom östlichen Kriegsschauplatz.
Russischer Bericht.
Bericht vom 1 .November, Westfront: südlich von Brze-
zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie
östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.
In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach
einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen
Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen
Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der
Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden
die Angriffe des Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere
3 Werst südlich der Stadt Previ gelegenen Stellungen anzugreifen,
keinen Erfolg.
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
* * *
WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-
agentur.) Gestern morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-
bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische
Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-
herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
Englischer Bericht.
Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere
Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich
von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-
schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer
Regen gefallen.
Die englischen Verluste.
TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-
liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von
297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir etwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.
Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme
brachte eine am Nachmittag zwischen
und 
durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-
gewinn und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die
Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt
736, drunter 20 Offiziere. Auch nahmen wir ezwa zehn Maschinen-
gewehre.
Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der
belgischen Front ist nichts zu melden.
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-
durch den FliegerCaharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-
zösisches Geschwader griff bei
deutsche Infanterie-kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-
ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier
deutsche Flugzeuge an und schoß
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmenmehrere Stützpunkte und zerstörten Maschinengewehrneste. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am
gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.
Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde
ein deutsches Flugzeug bei

-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
Vom westlichen Kriegsschauplatz.
Französischer Bericht.
Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der
Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-
ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen
und
fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im
Laufe dieser Tätigkeit brachten sie 186 Gefangene ein, darunter
acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt
gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem
rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der
übrigen Front ist nichts zu melden.
Flugwesen: Trotz des Nebels und der Stürme auf dem
größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader
gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
1. Spalte
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 196
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Lille, Frankreich
Location(s)
Story location Lille, Frankreich
- ID
- 12998 / 199757
- Contributor
- Uta Hentschel
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- Western Front
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- Propaganda






































































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