Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 51

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Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

 1. Spalte 

Vom westlichen Kriegsschauplatz.

          Französischer Bericht.

   Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

übrigen Front ist nichts zu melden.

   Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

   Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

gewehre.

   Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

belgischen Front ist nichts zu melden.

                             Englischer Bericht.

   Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

   Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

Regen gefallen.

                          Die englischen Verluste.

TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                          * * *

   WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                     Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                             Russischer Bericht

Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

keinen Erfolg.

   Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

   Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

legenen Höhen.

   Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                               Der Krieg mit Rumänien.

                  Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                 Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

   WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

Lage führt General Lacroix in Temps aus:

   Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

Eindruck machen. 

                                 

                                  Rumänischer Bericht.   

   Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

   Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                     Der Krieg im Orient.

Der amtliche türkische Bericht.

   WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

150 Stück Vieh weg.

   Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

Stellungen, aber erfolglos.

   Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

   Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

   Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

schlagen.

   Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                           Die Lage in den Kolonien.

              Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

   Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                              

                                                          A r m e r   V e n i z e l o s ! 

 2.  Spalte 

 linke Spalte 

   Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

   Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

und jetzt nach Tische liest man´s anders.

   Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

sehr eigenartig nuanciert.

   Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

 politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

dürfen wir uns ganz besonders freuen.

   Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

 rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

gefangen, mitgehangen.

   Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

noch missing                  missing

Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

landes genannt werden.

   Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

   Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

das Vaterland.

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 2. Spalte  

                                Aus den feindlichen Ländern.  

                 Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

   Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                              1917 - Englands Hungerjahr.

Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

rant von heute abend schreibt:

   Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

beigeben müßte!

     Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

   Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

und dasselbe ist bei Italien der Fall.

   Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

sollen als die Entente.

   Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

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 3. Spalte

                                 Vermischte Nachrichten.                            

                                 Die Beisetzung Boelckes.

   WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

der missing  überführt worden war, fand heute hier für

missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

sich auf dem frischen Hügel.

                                      _____________________________

   Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

selbst zu formen.

                                                      * * *      

Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


 4. Spalte 

                                           Letzte Nachrichen.

                      Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

   WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-

lautbart:

                                 Oestlicher Kriegsschauplatz.

                      Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                       Erzherzog Karl.

   In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen 

unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes

und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen

Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit

gering.

                 Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen

                                 Leopold von Bayern.

   An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der

Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen

die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-

lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen

unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am

Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr

die russischen Vorposten.

                          Italienischer Kriegsschauplatz.

   An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch

gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter

ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die

Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere

Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba

erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der

Gegner zurückgeworfen werden. Das  Chusaer  Land-

sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-

terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.

   Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica

ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von

Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt

war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-

bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien

fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand

des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der

Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32

und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen

Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf

2250 Mann gestiegen.

                                Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

                                         Ereignisse zur See.

   Am 2. November vormittags belegte ein Seeflugzeugge-

schwader die Semaphor Station und Kohlenanlagen von Vieste

und die Radiostation, sowie das Lagerhaus von Torre Porti-

celle erfolgreich mit Bomben.  Abends griff ein Seeflugzeug-

geschwader die Bahnhofsanlagen von Rouchi, die militärischen

Anlagen von Selz, Doberdo und Staranzano und die Batterie

von  Eskanetta an. Es wurden viele Treffer erzielt.

                                       _________________________________

                                         Französischer Bericht.

   Orientarmee:  Von der Struma bis zum Wardar nichts

zu melden, außer einer ziemlichen lebhaften Kanonade, besonders im

Abschnitt des Doiran-Sees. In Gegend der missing wiesen die

Serben mehrere bulgarische Gegenangriffe zurück und erzielten

neue Fortschritte, wobei sie ihrem Gegner fühlbare Verluste bei-

brachten und Gefangene machten. Auf dem linken französischen

Flügel große beiderseitige Artillerietätigkeit.  

                                              Versenkt.

   WTB Bergen, 3.Nov. 1916. (Drahtber.) Nach Bergens Aften-

bladet wurde der englische Dampfer Brenth aus Hull

20 Seemeilen westlich der Mündung des Sognefjords versenkt

und die Besatzung, 18 Mann, von einem norwegischen Dampfer

aufgenommen und gelandet.

                               

                               Deutschland und Holland.

Eigener Drahtbericht der Kölnischen Volkszeitung.

   d.Haag, 3. Nov. 1916. Das Auswärtige Amt teilt mit: Der

deutsche Geschäftsträger hat das Bedauern seiner Regierung

ausgedrückt wegen des Ueberfliegens niederländischen Gebietes

durch ein deutsches Luftschiff am 22.Oktober. Auch

entschuldigte der Geschäftsträger sich im Namen des Großen

Hauptquartiers. Der Kommandant glaubte, er wäre über bel-

gischem Gebiet.

                       _________________________________

                                 Das Eiserne Kreuz _______ 

                           Erster Klasse erhielten:

Kriegsfreiw. Vizefeldw. Heinr. Richter aus Fredeburg. - Ober-

stabsarzt Dr. Hild aus Kaldenkirchen, Divisionsarzt der 5. Land-

wehr-Division.

_________________________________________________________________________

Verantwortlicher Redakteur: Joseph Geisen in Köln.

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 Inserate nicht transkribiert 


 

   


   



Transcription saved

Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

 1. Spalte 

Vom westlichen Kriegsschauplatz.

          Französischer Bericht.

   Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

übrigen Front ist nichts zu melden.

   Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

   Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

gewehre.

   Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

belgischen Front ist nichts zu melden.

                             Englischer Bericht.

   Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

   Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

Regen gefallen.

                          Die englischen Verluste.

TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                          * * *

   WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                     Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                             Russischer Bericht

Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

keinen Erfolg.

   Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

   Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

legenen Höhen.

   Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                               Der Krieg mit Rumänien.

                  Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                 Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

   WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

Lage führt General Lacroix in Temps aus:

   Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

Eindruck machen. 

                                 

                                  Rumänischer Bericht.   

   Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

   Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                     Der Krieg im Orient.

Der amtliche türkische Bericht.

   WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

150 Stück Vieh weg.

   Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

Stellungen, aber erfolglos.

   Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

   Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

   Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

schlagen.

   Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                           Die Lage in den Kolonien.

              Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

   Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                              

                                                          A r m e r   V e n i z e l o s ! 

 2.  Spalte 

 linke Spalte 

   Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

   Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

und jetzt nach Tische liest man´s anders.

   Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

sehr eigenartig nuanciert.

   Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

 politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

dürfen wir uns ganz besonders freuen.

   Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

 rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

"Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

gefangen, mitgehangen.

   Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

noch missing                  missing

Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

landes genannt werden.

   Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

   Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

das Vaterland.

____________________________________________________________________


 2. Spalte  

                                Aus den feindlichen Ländern.  

                 Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

   Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                              1917 - Englands Hungerjahr.

Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

rant von heute abend schreibt:

   Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

beigeben müßte!

     Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

   Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

und dasselbe ist bei Italien der Fall.

   Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

sollen als die Entente.

   Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

___________________________________________________________________


 3. Spalte

                                 Vermischte Nachrichten.                            

                                 Die Beisetzung Boelckes.

   WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

der missing  überführt worden war, fand heute hier für

missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

sich auf dem frischen Hügel.

                                      _____________________________

   Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

"Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

selbst zu formen.

                                                      * * *      

Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


 4. Spalte 

                                           Letzte Nachrichen.

                      Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

   WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-

lautbart:

                                 Oestlicher Kriegsschauplatz.

                      Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                       Erzherzog Karl.

   In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen 

unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes

und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen

Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit

gering.

                 Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen

                                 Leopold von Bayern.

   An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der

Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen

die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-

lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen

unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am

Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr

die russischen Vorposten.

                          Italienischer Kriegsschauplatz.

   An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch

gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter

ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die

Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere

Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba

erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der

Gegner zurückgeworfen werden. Das  Chusaer  Land-

sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-

terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.

   Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica

ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von

Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt

war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-

bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien

fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand

des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der

Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32

und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen

Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf

2250 Mann gestiegen.

                                Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

                                         Ereignisse zur See.

   Am 2. November vormittags belegte ein Seeflugzeugge-

schwader die Semaphor Station und Kohlenanlagen von Vieste

und die Radiostation, sowie das Lagerhaus von Torre Porti-

celle erfolgreich mit Bomben.  Abends griff ein Seeflugzeug-

geschwader die Bahnhofsanlagen von Rouchi, die militärischen

Anlagen von Selz, Doberdo und Staranzano und die Batterie

von  Eskanetta an. Es wurden viele Treffer erzielt.

                                       _________________________________

                                         Französischer Bericht.

   Orientarmee:  Von der Struma bis zum Wardar nichts

zu melden, außer einer ziemlichen lebhaften Kanonade, besonders im

Abschnitt des Doiran-Sees. In Gegend der missing wiesen die

Serben mehrere bulgarische Gegenangriffe zurück und erzielten

neue Fortschritte, wobei sie ihrem Gegner fühlbare Verluste bei-

brachten und Gefangene machten. Auf dem linken französischen

Flügel große beiderseitige Artillerietätigkeit.  

                                              Versenkt.

   WTB Bergen, 3.Nov. 1916. (Drahtber.) Nach Bergens Aften-

bladet wurde der englische Dampfer Brenth aus Hull

20 Seemeilen westlich der Mündung des Sognefjords versenkt

und die Besatzung, 18 Mann, von einem norwegischen Dampfer

aufgenommen und gelandet.

                               

                               Deutschland und Holland.

Eigener Drahtbericht der Kölnischen Volkszeitung.

   d.Haag, 3. Nov. 1916. Das Auswärtige Amt teilt mit: Der

deutsche Geschäftsträger hat das Bedauern seiner Regierung

ausgedrückt wegen des Ueberfliegens niederländischen Gebietes

durch ein deutsches Luftschiff am 22.Oktober. Auch

entschuldigte der Geschäftsträger sich im Namen des Großen

Hauptquartiers. Der Kommandant glaubte, er wäre über bel-

gischem Gebiet.

                       _________________________________

                                 Das Eiserne Kreuz _______ 

                           Erster Klasse erhielten:

Kriegsfreiw. Vizefeldw. Heinr. Richter aus Fredeburg. - Ober-

stabsarzt Dr. Hild aus Kaldenkirchen, Divisionsarzt der 5. Land-

wehr-Division.

_________________________________________________________________________

Verantwortlicher Redakteur: Joseph Geisen in Köln.

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 Inserate nicht transkribiert 


 

   


   




Transcription history
  • July 10, 2017 23:03:51 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


     4. Spalte 

                                               Letzte Nachrichen.

                          Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

       WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-

    lautbart:

                                     Oestlicher Kriegsschauplatz.

                          Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                           Erzherzog Karl.

       In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

    gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

    zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen 

    unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes

    und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen

    Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit

    gering.

                     Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen

                                     Leopold von Bayern.

       An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der

    Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen

    die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-

    lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen

    unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am

    Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr

    die russischen Vorposten.

                              Italienischer Kriegsschauplatz.

       An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch

    gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter

    ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die

    Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere

    Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba

    erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der

    Gegner zurückgeworfen werden. Das  Chusaer  Land-

    sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-

    terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.

       Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica

    ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von

    Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt

    war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-

    bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien

    fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand

    des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der

    Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32

    und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen

    Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf

    2250 Mann gestiegen.

                                    Südöstlicher Kriegsschauplatz.

    Nichts Neues.

                                             Ereignisse zur See.

       Am 2. November vormittags belegte ein Seeflugzeugge-

    schwader die Semaphor Station und Kohlenanlagen von Vieste

    und die Radiostation, sowie das Lagerhaus von Torre Porti-

    celle erfolgreich mit Bomben.  Abends griff ein Seeflugzeug-

    geschwader die Bahnhofsanlagen von Rouchi, die militärischen

    Anlagen von Selz, Doberdo und Staranzano und die Batterie

    von  Eskanetta an. Es wurden viele Treffer erzielt.

                                           _________________________________

                                             Französischer Bericht.

       Orientarmee:  Von der Struma bis zum Wardar nichts

    zu melden, außer einer ziemlichen lebhaften Kanonade, besonders im

    Abschnitt des Doiran-Sees. In Gegend der missing wiesen die

    Serben mehrere bulgarische Gegenangriffe zurück und erzielten

    neue Fortschritte, wobei sie ihrem Gegner fühlbare Verluste bei-

    brachten und Gefangene machten. Auf dem linken französischen

    Flügel große beiderseitige Artillerietätigkeit.  

                                                  Versenkt.

       WTB Bergen, 3.Nov. 1916. (Drahtber.) Nach Bergens Aften-

    bladet wurde der englische Dampfer Brenth aus Hull

    20 Seemeilen westlich der Mündung des Sognefjords versenkt

    und die Besatzung, 18 Mann, von einem norwegischen Dampfer

    aufgenommen und gelandet.

                                   

                                   Deutschland und Holland.

    Eigener Drahtbericht der Kölnischen Volkszeitung.

       d.Haag, 3. Nov. 1916. Das Auswärtige Amt teilt mit: Der

    deutsche Geschäftsträger hat das Bedauern seiner Regierung

    ausgedrückt wegen des Ueberfliegens niederländischen Gebietes

    durch ein deutsches Luftschiff am 22.Oktober. Auch

    entschuldigte der Geschäftsträger sich im Namen des Großen

    Hauptquartiers. Der Kommandant glaubte, er wäre über bel-

    gischem Gebiet.

                           _________________________________

                                     Das Eiserne Kreuz _______ 

                               Erster Klasse erhielten:

    Kriegsfreiw. Vizefeldw. Heinr. Richter aus Fredeburg. - Ober-

    stabsarzt Dr. Hild aus Kaldenkirchen, Divisionsarzt der 5. Land-

    wehr-Division.

    _________________________________________________________________________

    Verantwortlicher Redakteur: Joseph Geisen in Köln.

    =========================================================


     Inserate nicht transkribiert 


     

       


       



  • July 10, 2017 22:57:06 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


     4. Spalte 

                                               Letzte Nachrichen.

                          Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

       WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-

    lautbart:

                                     Oestlicher Kriegsschauplatz.

                          Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                           Erzherzog Karl.

       In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

    gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

    zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen 

    unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes

    und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen

    Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit

    gering.

                     Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen

                                     Leopold von Bayern.

       An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der

    Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen

    die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-

    lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen

    unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am

    Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr

    die russischen Vorposten.

                              Italienischer Kriegsschauplatz.

       An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch

    gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter

    ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die

    Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere

    Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba

    erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der

    Gegner zurückgeworfen werden. Das  Chusaer  Land-

    sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-

    terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.

       Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica

    ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von

    Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt

    war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-

    bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien

    fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand

    des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der

    Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32

    und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen

    Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf

    2250 Mann gestiegen.

                                    Südöstlicher Kriegsschauplatz.

    Nichts Neues.

                                             Ereignisse zur See.

       Am 2. November vormittags belegte ein Seeflugzeugge-

    schwader die Semaphor Station und Kohlenanlagen von Vieste

    und die Radiostation, sowie das Lagerhaus von Torre Porti-

    celle erfolgreich mit Bomben.  Abends griff ein Seeflugzeug-

    geschwader die Bahnhofsanlagen von Rouchi, die militärischen

    Anlagen von Selz, Doberdo und Staranzano und die Batterie

    von  Eskanetta an. Es wurden viele Treffer erzielt.

                                           _________________________________

                                             Französischer Bericht.

       Orientarmee:  Von der Struma bis zum Wardar nichts

    zu melden, außer einer ziemlichen lebhaften Kanonade, besonders im

    Abschnitt des Doiran-Sees. In Gegend der missing wiesen die

    Serben mehrere bulgarische Gegenangriffe zurück und erzielten

    neue Fortschritte, wobei sie ihrem Gegner fühlbare Verluste bei-

    brachten und Gefangene machten. Auf dem linken französischen

    Flügel große beiderseitige Artillerietätigkeit.  

                                                  Versenkt.

       WTB Bergen, 3.Nov. 1916. (Drahtber.) Nach Bergens Aften-

    bladet wurde der englische Dampfer Brenth aus Hull

    20 Seemeilen westlich der Mündung des Sognefjords versenkt

    und die Besatzung, 18 Mann, von einem norwegischen Dampfer

    aufgenommen und gelandet.

                                   

                                   Deutschland und Holland.

    Eigener Drahtbericht der Kölnischen Volkszeitung.

       d.Haag, 3. Nov. 1916. Das Auswärtige Amt teilt mit: Der

    deutsche Geschäftsträger hat das Bedauern seiner Regierung

    ausgedrückt wegen des Ueberfliegens niederländischen Gebietes

    durch ein deutsches Luftschiff am 22.Oktober. Auch

    entschuldigte der Geschäftsträger sich im Namen des Großen

    Hauptquartiers. Der Kommandant glaubte, er wäre über bel-

    gischem Gebiet.


       


       




  • July 10, 2017 22:56:35 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


     4. Spalte 

                                               Letzte Nachrichen.

                          Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

       WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-

    lautbart:

                                     Oestlicher Kriegsschauplatz.

                          Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                           Erzherzog Karl.

       In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

    gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

    zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen 

    unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes

    und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen

    Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit

    gering.

                     Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen

                                     Leopold von Bayern.

       An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der

    Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen

    die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-

    lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen

    unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am

    Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr

    die russischen Vorposten.

                              Italienischer Kriegsschauplatz.

       An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch

    gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter

    ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die

    Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere

    Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba

    erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der

    Gegner zurückgeworfen werden. Das  Chusaer  Land-

    sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-

    terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.

       Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica

    ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von

    Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt

    war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-

    bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien

    fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand

    des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der

    Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32

    und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen

    Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf

    2250 Mann gestiegen.

                                    Südöstlicher Kriegsschauplatz.

    Nichts Neues.

                                             Ereignisse zur See.

       Am 2. November vormittags belegte ein Seeflugzeugge-

    schwader die Semaphor Station und Kohlenanlagen von Vieste

    und die Radiostation, sowie das Lagerhaus von Torre Porti-

    celle erfolgreich mit Bomben.  Abends griff ein Seeflugzeug-

    geschwader die Bahnhofsanlagen von Rouchi, die militärischen

    Anlagen von Selz, Doberdo und Staranzano und die Batterie

    von  Eskanetta an. Es wurden viele Treffer erzielt.

                                           _________________________________

                                             Französischer Bericht.

       Orientarmee:  Von der Struma bis zum Wardar nichts

    zu melden, außer einer ziemlichen lebhaften Kanonade, besonders im

    Abschnitt des Doiran-Sees. In Gegend der missing wiesen die

    Serben mehrere bulgarische Gegenangriffe zurück und erzielten

    neue Fortschritte, wobei sie ihrem Gegner fühlbare Verluste bei-

    brachten und Gefangene machten. Auf dem linken französischen

    Flügel große beiderseitige Artillerietätigkeit.  

                                                  Versenkt.

       WTB Bergen, 3.Nov. 1916. (Drahtber.) Nach Bergens Aften-

    bladet wurde der englische Dampfer Brenth aus Hull

    20 Seemeilen westlich der Mündung des Sognefjords versenkt

    und die Besatzung, 18 Mann, von einem norwegischen Dampfer

    aufgenommen und gelandet.

                                   

                                   Deutschland und Holland.

    Eigener Drahtbericht der Kölnischen Volkszeitung.

       d.Haag, 3.Nov. 1916. Das Auswärtige Amt teilt mit: Der

    deutsche Geschäftsträger hat das Bedauern seiner Regierung

    ausgedrückt wegen des Ueberfliegens niederländischen Gebietes

    durch ein deutsches Luftschiff am 22.Oktober. Auch

    entschuldigte der Geschäftsträger sich im Namen des Großen

    Hauptquartiers. Der Kommandant glaubte, er wäre über bel-

    gischem Gebiet.


       


       




  • July 10, 2017 22:52:08 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


     4. Spalte 

                                               Letzte Nachrichen.

                          Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

       WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-

    lautbart:

                                     Oestlicher Kriegsschauplatz.

                          Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                           Erzherzog Karl.

       In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

    gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

    zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen 

    unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes

    und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen

    Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit

    gering.

                     Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen

                                     Leopold von Bayern.

       An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der

    Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen

    die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-

    lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen

    unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am

    Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr

    die russischen Vorposten.

                              Italienischer Kriegsschauplatz.

       An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch

    gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter

    ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die

    Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere

    Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba

    erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der

    Gegner zurückgeworfen werden. Das  Chusaer  Land-

    sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-

    terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.

       Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica

    ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von

    Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt

    war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-

    bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien

    fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand

    des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der

    Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32

    und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen

    Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf

    2250 Mann gestiegen.

                                    Südöstlicher Kriegsschauplatz.

    Nichts Neues.

                                             Ereignisse zur See.

       Am 2. November vormittags belegte ein Seeflugzeugge-

    schwader die Semaphor Station und Kohlenanlagen von Vieste

    und die Radiostation, sowie das Lagerhaus von Torre Porti-

    celle erfolgreich mit Bomben.  Abends griff ein Seeflugzeug-

    geschwader die Bahnhofsanlagen von Rouchi, die militärischen

    Anlagen von Selz, Doberdo und Staranzano und die Batterie

    von  Eskanetta an. Es wurden viele Treffer erzielt.

                                           _________________________________

                                             Französischer Bericht.

       Orientarmee:  Von der Struma bis zum Wardar nichts

    zu melden, außer einer ziemlichen lebhaften Kanonade, besonders im

    Abschnitt des Doiran-Sees. In Gegend der missing wiesen die

    Serben mehrere bulgarische Gegenangriffe zurück und erzielten

    neue Fortschritte, wobei sie ihrem Gegner fühlbare Verluste bei-

    brachten und Gefangene machten. Auf dem linken französischen

    Flügel große beiderseitige Artillerietätigkeit.  

                                                  Versenkt.

       WTB Bergen, 3.Nov. 1916. (Drahtber.) Nach Bergens Aften-

    bladet wurde der englische Dampfer Brenth aus Hull

    20 Seemeilen westlich der Mündung des Sognefjords versenkt

    und die Besatzung, 18 Mann, von einem norwegischen Dampfer

    aufgenommen und gelandet.



       


       




  • July 10, 2017 22:48:59 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


     4. Spalte 

                                               Letzte Nachrichen.

                          Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

       WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-

    lautbart:

                                     Oestlicher Kriegsschauplatz.

                          Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                           Erzherzog Karl.

       In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

    gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

    zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen 

    unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes

    und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen

    Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit

    gering.

                     Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen

                                     Leopold von Bayern.

       An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der

    Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen

    die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-

    lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen

    unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am

    Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr

    die russischen Vorposten.

                              Italienischer Kriegsschauplatz.

       An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch

    gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter

    ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die

    Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere

    Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba

    erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der

    Gegner zurückgeworfen werden. Das  Chusaer  Land-

    sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-

    terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.

       Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica

    ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von

    Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt

    war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-

    bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien

    fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand

    des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der

    Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32

    und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen

    Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf

    2250 Mann gestiegen.

                                    Südöstlicher Kriegsschauplatz.

    Nichts Neues.

                                             Ereignisse zur See.

       Am 2. November vormittags belegte ein Seeflugzeugge-

    schwader die Semaphor Station und Kohlenanlagen von Vieste

    und die Radiostation, sowie das Lagerhaus von Torre Porti-

    celle erfolgreich mit Bomben.  Abends griff ein Seeflugzeug-

    geschwader die Bahnhofsanlagen von Rouchi, die militärischen

    Anlagen von Selz, Doberdo und Staranzano und die Batterie

    von  Eskanetta an. Es wurden viele Treffer erzielt.

                                           _________________________________

                                             Französischer Bericht.

       Orientarmee:  Von der Struma bis zum Wardar nichts

    zu melden, außer einer ziemlichen lebhaften Kanonade, besonders im

    Abschnitt des Doiran-Sees. In Gegend der missing wiesen die

    Serben mehrere bulgarische Gegenangriffe zurück und erzielten

    neue Fortschritte, wobei sie ihrem Gegner fühlbare Verluste bei-

    brachten und Gefangene machten. Auf dem linken französischen

    Flügel große beiderseitige Artillerietätigkeit.  



       


       




  • July 10, 2017 22:48:18 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


     4. Spalte 

                                               Letzte Nachrichen.

                          Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

       WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-

    lautbart:

                                     Oestlicher Kriegsschauplatz.

                          Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                           Erzherzog Karl.

       In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

    gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

    zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen 

    unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes

    und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen

    Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit

    gering.

                     Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen

                                     Leopold von Bayern.

       An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der

    Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen

    die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-

    lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen

    unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am

    Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr

    die russischen Vorposten.

                              Italienischer Kriegsschauplatz.

       An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch

    gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter

    ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die

    Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere

    Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba

    erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der

    Gegner zurückgeworfen werden. Das  Chusaer  Land-

    sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-

    terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.

       Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica

    ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von

    Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt

    war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-

    bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien

    fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand

    des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der

    Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32

    und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen

    Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf

    2250 Mann gestiegen.

                                    Südöstlicher Kriegsschauplatz.

    Nichts Neues.

                                             Ereignisse zur See.

       Am 2. November vormittags belegte ein Seeflugzeugge-

    schwader die Semaphor Station und Kohlenanlagen von Vieste

    und die Radiostation, sowie das Lagerhaus von Torre Porti-

    celle erfolgreich mit Bomben.  Abends griff ein Seeflugzeug-

    geschwader die Bahnhofsanlagen von Rouchi, die militärischen

    Anlagen von Selz, Doberdo und Staranzano und die Batterie

    von  Eskanetta an. Es wurden viele Treffer erzielt.

                                           _________________________________

                                             Französischer Bericht.

       Orientarmee:  Von der Struma bis zum Wardar nichts

    zu melden, außer einer ziemlichen lebhaften Kanonade, besonders im

    Absdhnitt des Doiran-Sees. In Gegend der missing wiesen die

    Serben mehrere bulgarische Gegenangriffe zurück und erzielten

    neue Fortschritte, wobei sie ihrem Gegner fühlbare Verluste bei-

    brachten und Gefangene machten. Auf dem linken französischen

    Flügel große beiderseitige Artillerietätigkeit.  



       


       




  • July 10, 2017 21:50:02 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


     4. Spalte 

                                               Letzte Nachrichen.

                          Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

       WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-

    lautbart:

                                     Oestlicher Kriegsschauplatz.

                          Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                           Erzherzog Karl.

       In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

    gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

    zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen 

    unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes

    und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen

    Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit

    gering.

                     Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen

                                     Leopold von Bayern.

       An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der

    Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen

    die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-

    lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen

    unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am

    Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr

    die russischen Vorposten.

                              Italienischer Kriegsschauplatz.

       An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch

    gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter

    ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die

    Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere

    Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba

    erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der

    Gegner zurückgeworfen werden. Das  Chusaer  Land-

    sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-

    terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.

       Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica

    ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von

    Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt

    war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-

    bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien

    fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand

    des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der

    Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32

    und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen

    Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf

    2250 Mann gestiegen.

                                    Südöstlicher Kriegsschauplatz.

    Nichts Neues.

                                             Ereignisse zur See.

       Am 2. November vormittags belegte ein Seeflugzeugge-

    schwader die Semaphor Station und Kohlenanlagen von Vieste

    und die Radiostation, sowie das Lagerhaus von Torre Porti-

    celle erfolgreich mit Bomben.  Abends griff ein Seeflugzeug-

    geschwader die Bahnhofsanlagen von Rouchi, die militärischen

    Anlagen von Selz, Doberdo und Staranzano und die Batterie

    von  Eskanetta an. Es wurden viele Treffer erzielt.



       


       




  • July 10, 2017 21:42:45 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


     4. Spalte 

                                               Letzte Nachrichen.

                          Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

       WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-

    lautbart:

                                     Oestlicher Kriegsschauplatz.

                          Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                           Erzherzog Karl.

       In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

    gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

    zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen 

    unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes

    und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen

    Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit

    gering.

                     Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen

                                     Leopold von Bayern.

       An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der

    Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen

    die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-

    lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen

    unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am

    Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr

    die russischen Vorposten.

                              Italienischer Kriegsschauplatz.

       An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch

    gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter

    ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die

    Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere

    Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba

    erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der

    Gegner zurückgeworfen werden. Das  Chusaer  Land-

    sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-

    terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.

       Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica

    ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von

    Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt

    war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-

    bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien

    fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand

    des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der

    Front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32

    und der Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen

    Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf

    2250 Mann gestiegen.






       


       




  • July 10, 2017 21:40:34 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


     4. Spalte 

                                               Letzte Nachrichen.

                          Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

       WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-

    lautbart:

                                     Oestlicher Kriegsschauplatz.

                          Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                           Erzherzog Karl.

       In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

    gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

    zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen 

    unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes

    und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen

    Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit

    gering.

                     Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen

                                     Leopold von Bayern.

       An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der

    Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen

    die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-

    lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen

    unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am

    Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr

    die russischen Vorposten.

                              Italienische Kriegsschauplatz.

       An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch

    gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter

    ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die

    Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere

    Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba

    erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der

    Gegner zurückgeworfen werden. Das  Chusaer  Land-

    sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-

    terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.

       Auf der Karsthochfläche wurde im Raum um Lokvica

    ein neuer italienischer Massenstoß, der über die Höhe von

    Pocinka und entlang der Straße nach Kostanjevica angesetzt

    war, unter schwersten Verlusten des Feindes zum Stehen ge-

    bracht. Zwei hierbei bis zum Aeußersten ausharrende Batterien

    fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in die Hand

    des Feindes. Im südlichen Teil der Hochfläche brachen vor der

    front des tapferen österreichischen Landsturmregiments Nr. 32

    und de Infanterieregimenter Nr. 15 und Nr. 98 alle feindlichen

    Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf

    2250 Mann gestiegen.






       


       




  • July 10, 2017 21:33:38 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


     4. Spalte 

                                               Letzte Nachrichen.

                          Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

       WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-

    lautbart:

                                     Oestlicher Kriegsschauplatz.

                          Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                           Erzherzog Karl.

       In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

    gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

    zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen 

    unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes

    und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen

    Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit

    gering.

                     Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen

                                     Leopold von Bayern.

       An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der

    Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen

    die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-

    lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen

    unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am

    Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr

    die russischen Vorposten.

                              Italienische Kriegsschauplatz.

       An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch

    gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter

    ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die

    Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere

    Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich Veztojba

    erneut das Ziel wütender Angriffe. Überall konnte der

    Gegner zurückgeworfen werden. Das missing  Land-

    sturmregiment Nr. 2 und das dalmatinische Landwehr- Infan-

    terieregiment Nr. 2 hielten zähestens stand.






       


       




  • July 10, 2017 21:13:51 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


     4. Spalte 

                                               Letzte Nachrichen.

                          Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

       WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-

    lautbart:

                                     Oestlicher Kriegsschauplatz.

                          Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                           Erzherzog Karl.

       In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

    gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

    zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen 

    unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes

    und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen

    Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit

    gering.

                     Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen

                                     Leopold von Bayern.

       An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der

    Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen

    die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-

    lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen

    unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am

    Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr

    die russischen Vorposten.

                              Italienische Kriegsschauplatz.

       An der Schlachtfront im Küstengelände wurde auch

    gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter

    ungeheurem Aufwand von Menschen und Munition setzten die

    Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippachtale waren unsere

    Stellungen im Pancwitzer Wald, bei Sober und östlich





       


       




  • July 10, 2017 21:09:39 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


     4. Spalte 

                                               Letzte Nachrichen.

                          Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

       WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-

    lautbart:

                                     Oestlicher Kriegsschauplatz.

                          Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                           Erzherzog Karl.

       In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

    gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

    zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen 

    unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes

    und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen

    Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit

    gering.

                     Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen

                                     Leopold von Bayern.

       An der Bystrzyca Solowinska Vorfeldkämpfe. An der

    Narajowka versuchten die Russen, in sieben Massenstößen

    die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stel-

    lungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen

    unter schwersten Verlusten zusammen. Südlich Husewicze am

    Stochetz vertrieb ein Jagdkommando österreichischer Landwehr

    die russischen Vorposten.





       


       




  • July 10, 2017 20:44:15 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


     4. Spalte 

                                               Letzte Nachrichen.

                          Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

       WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-

    lautbart:

                                     Oestlicher Kriegsschauplatz.

                          Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                           Erzherzog Karl.

       In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

    gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

    zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen 

    unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes

    und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen

    Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit

    gering.

                     Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen

                                     Leopold von Bayern.

       An der Bystrzhea





       


       




  • July 10, 2017 20:42:06 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


     4. Spalte 

                                               Letzte Nachrichen.

                          Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

       WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-

    lautbart:

                                     Oestlicher Kriegsschauplatz.

                          Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                           Erzherzog Karl.

       In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

    gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

    zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen 

    unsere Truppen südöstlich des Beres Toronh (RoterTurm)-Passes

    und südwestlich Pedeal erneut Gelände. An der siebenbürgischen

    Ostfront und in den Waldkarpathen war die Kampftätigkeit

    gering.

                     Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen

                                     Leopold von Bayern.





       


       




  • July 10, 2017 20:32:40 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


     4. Spalte 

                                               Letzte Nachrichen.

                          Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

       WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahbver.) Amtlich wird ver-

    lautbart:

                                     Oestlicher Kriegsschauplatz.

                          Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                           Erzherzog Karl.

       In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

    gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

    zurückgeworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen 

    unsere Truppen südöstlich des





       


       




  • July 10, 2017 20:32:01 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


     4. Spalte 

                                               Letzte Nachrichen.

                          Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

       WTB Wien, 3. Nov. 1916 (Drahtve.) Amtlich wird ver

    lautbart:

                                     Oestlicher Kriegsschauplatz.

                          Heeresfront des Generals der Kavallerie 

                                           Erzherzog Karl.

       In der nördlichen Walachei griffen die Rumänen

    gestern an zahlreichen Stellen an und wurden überall

    zurückgeworfen. Dem Feinde nachdtoßend, gewannen 

    unsere Truppen südöstlich des





       


       




  • July 10, 2017 20:23:21 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.


     4. Spalte 





       


       




  • July 10, 2017 20:22:45 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf, als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.





       


       




  • July 10, 2017 20:21:42 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.

                                                          * * *      

    Kurz vor seinem Tode hat Oswald Boelcke einen Brief an einen

    in Rostock wohnenden befreundeten Herrn gerichtet, der bei diesem

    eintraf,als der Tod des Fliegerhelden amtlich bekanntgegeben war.

    Dieser vermutlich letzte  Brief Boelckes hat, wie uns mitgeteilt

    wird, folgenden Worlaut: "Sehr geehrter Herr . . . Vielen Dank

    für Ihren Brief. Besen Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche.

    Daß ich seit einiger Zeit eine Staffel führe, werden Sie wohl er-

    fahren haben. Es ist sehr viel zu tun, macht mir aber Freude,

    besonders da wir fliegerisch guten Erfolg haben. Es ist hier an

    der Somme ein wahres Fliegereldorado, bei einiger-

    maßen gutem Wetter hängt der ganze Himmel voller Engländer, obwohl

    es schon sehr nachgelassen hat. Ehe ich hierher kam, war ich auf

    längerer Dienstreise abwesend. Es war sehr schön und interessant

    und ich habe viel Neues kennen gelernt. Vielleicht kann ich Ihnen

    einmal persönlich darüber berichten. Mit besten Grüßen für Sie

    und Ihre Frau Gemahlin bin ich Ihr ergebener     O. Boelcke.





       


       




  • July 10, 2017 20:10:55 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzte dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.




       


       




  • July 10, 2017 20:07:58 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzt dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen,

    dann säße ich jetzt möglicherweise da, wo jetzt die beiden Engländer

    und die zwei Franzosen sitzen. Ich sehe darin weniger Glück

    als die Konsequenz rechtzeitigen, überlegten 

    und tatkräftigen Handelns. Mit Bewußtsein arbeiten

    und die Gunst der gegebenen Verhältnisse nutzen: Daraus erwächst

    meist das, was Sie soeben Glück nannten. Ich nenne es etwas

    anderes, aber die Hauptsache bleibt doch, genau wie bei Ihren

    Witzen, die Pointe und der Effekt!" Wir rauchten unsere Zigarren

    ein wenig nachdenklich zu Ende, denn jeder von uns fühlte instink-

    tiv : Da saß einer, der es gewohnt war, Glück und Erfolg sich

    selbst zu formen.




       


       




  • July 10, 2017 20:00:12 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.

                                          _____________________________

       Oswald Boelcke und das "Glück". Man hat viel vom

    "Glück" Boelckes gesprochen und diesem "Glück" eine der Ursachen

    der fabelhaften Kampferfolge des Siegers in so vielen Luftgefechten

    erblicken zu dürfen geglaubt. Aber von "Glück" im landläufigen

    Sinne darf man bei einem Kämpfer vom Schlage Boelckes nicht

    sprechen, denn was vielleicht bei anderen "Glück" genannt werden

    kann, das war bei Oswald Boelcke  nichts anderes als die Meiste-

    rung der Lage durch eine manchmal unfaßbar anmutende Energie-

    konzentration und die unmittelbare Anpassung an Sachlage und

    Aufgabe. Ein kleines Beispiel aus Boelckes Kampf- und Sieges-

    tagen im Westen möge dies illustrieren: Wir feierten, feldmäßig

    schlicht und frugal, im Quartier den Geburtstag eines Kameraden,

    und einer der Fröhlichsten unter den Fröhlichen war (damals noch

    Oberleutnant) Boelcke. Wir saßen bei der Zigarre und ein Kame-

    rad vom Rhein erzählte einen seiner Witze, deren Komplikation

    meist ungeheuerlich zu sein pflegte und deren Pointe fast stets

    lange auf sich warten ließ. Mitten in der Erzählung klingelte das

    Feldtelephon: Es wurde nach Oberleutnant Boelcke gefragt und drei

    Sekunden später war der Allzeitbereite schon draußen, noch im

    Türrahmen dem Kameraden vom Rhein zurufend: "Wenn Ihr

    Witz sich in normaler Weise entwickelt, lieber M., dann hoffe ich

    zur Pointe noch rechtzeitig zurück zu sein!" Nach drei Viertel

    Stunden erschien Boelcke wieder in der Runde, langte sich eine

    frische Zigarre aus der Kiste, zündete sie sorgfältig an, und meinte

    dann, zu Kamerad M. gewandt, lächelnd; "Sind Sie bitte nicht

    böse, aber der Engländer, der mich vom Mokka aufge-

    scheucht, hat mir auch die Pointe Ihres Witzes nicht gegönnt. Sie

    dürfen sich jedoch trösten, denn er hat dafür büßen müssen!" Er-

    klärend setzt dann Boelcke hinzu, daß er in der Zwischenzeit ein

    englisches und ein französisches Flugzeug heruntergeholt, deren In-

    sassen gefangen genommen werden konnten. "Sie sind ein Teufels-

    kerl, Boelcke", bemerkte der Kamerad vom Rhein, "Ihr Glück

    muß schließlich noch die Götter neidisch machen!" Seltsam ernst

    entgegnete darauf Boelcke: "Sie irren, Bester; Glück ist meist etwas

    zufälliges, und ich muß gestehen, mir ist der Zufall immer wenig

    sympathisch gewesen. Sehen Sie z. B.: Hätte ich mich auch nur

    eine halbe Minute später von Ihrem grandiosen Witz  losgerissen





       


       




  • July 10, 2017 19:33:06 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       WTB Dessau, 2.Nov. 1916. (Drahtber.) Nachdem gestern abend

    die Leiche Boelckes hier eingetroffen und im feierlichen Zuge nach

    der missing  überführt worden war, fand heute hier für

    missing eine kirchliche Feier statt. Dann setzte sich der

    Trauerzug unter dem Geläute missing Kirchenglocken die mehrere

    Kilometer lange Straße nach dem Ehrenfriedhof in Bewegung. Zu

    beiden Seiten bildeten die beiden Ersatzbataillone des 33. Infanterie-

    regiments Spalier. An den von einer Ehrenwache begleiteten

    Leichenwagen schlossen sich an: die Angehörigen des Verstorbenen,

    die missing, der kommandierende General von Lyncker als Ver-

    treter Sr. Majestät des Kaisers, Graf Schausberg von der Feld-

    fliegerabteilung der Armee des Kronprinzen als Vertreter des

    Kronprinzen, Prinz Friedrich, der Sohn des Prinzen Leopold von

    Preußen, Konteradmiral von Below, Oberbefehlshaber der Marine-

    streitkräfte, Oberstleutnant Siegismund Thomson, Befehlshaber des

    Generalstabes der Luftstreitkräfte sowie viele Hunderte Offiziere. 

    Auf dem Ehrenfriedhof fand noch eine kirchliche Feier statt. Die

    Einsegnung der Leiche erfolgte durch den Onkel des Verstorbenen,

    Pastor Boelcke. Zu dieser Feier war auch der Herzog von Anhalt

    erschienen. Wohl 20 Doppeldecker umkreisten und begleiteten den

    Trauerzug. Bei der Niederlegung der Kränze für die Stadt Dessau,

    die die Beisetzung übernommen hatte, gedachte Oberbürgermeister

    Dr. Ebeling des größten Mitbürgers. Ein Berg von Lorbeer türmte

    sich auf dem frischen Hügel.




       


       




  • July 10, 2017 19:10:20 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte  Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte)

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

    ___________________________________________________________________


     3. Spalte

                                     Vermischte Nachrichten.                            

                                     Die Beisetzung Boelckes.

       


       




  • July 9, 2017 18:12:07 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ... 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 ½Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 ½

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

       


       




  • July 9, 2017 18:10:22 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ... 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 1/2 Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 1/2

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mittelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

       


       




  • July 9, 2017 18:09:16 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ... 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 1/2 Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 1/2

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mttelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       Allein allem ergibt sich nach dem Urteil von Fachleuten,

    daß die ganze Ernte, die Indien, Australien und allenfalls auch

    Argentinien liefern können, noch immer um hundert Millionen

    Bushels hinter dem Quantum zurückbleiben, was die Vereinigten

    Staaten und Kanada zusammen in diesem Jahre weniger bringen

    als in 1915. Und da die neue Ernte von Argentinien ebenso

    wie die von Australien erst im Frühjahr reif ist, so kann das

    Jahr 1917 in der Tat für England ein Hungerjahr werden.  

       


       




  • July 9, 2017 18:05:01 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ... 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 1/2 Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 1/2

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       Nun sind allerdings die Berichte aus Indien und Australien

    günstig, obgleich wir im Economist lesen, daß in Australien in

    diesem Jahre weit weniger angebaut ist als  in 1914. In jedem

    Fall wird aber die neue Ernte erst im kommenden Frühjahr zur

    Verfügung stehen. In Indien und vor allem in Australien

    scheint allerdings noch viel von der vorjährigen Ernte

    übrig zu sein. Hier machen sich aber die Transportschwierig-

    keiten bemerkbar. Und inzwischen bleiben die Dardanellen für

    russisches Korn geschlossen. Und das rumänische? Vorläufig

    scheint es, als ob davon die Mttelmächte mehr abbekommen

    sollen als die Entente.

       

       


       




  • July 9, 2017 17:59:58 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ... 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 1/2 Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 1/2

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       Die Ernte in England selber scheint mittelmäßig zu sein.

    Man hat mit mindestens 15 Proz. weniger Weizen zu rechnen

    als in 1915. Auch Frankreich wird mehr nötig haben als sonst,

    und dasselbe ist bei Italien der Fall.

       

       


       




  • July 9, 2017 17:58:11 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ... 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 1/2 Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 1/2

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada, heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       

       


       




  • July 9, 2017 17:56:54 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ... 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte!

         Die Lektüre einiger Nummern des englischen Economist, der

    seine eigenen Berichte über den Stand der Ernte und die der

    Firma Montgomery, Jones & Co. in Liverpool veröffentlicht,

    zeigt in der Tat, was ja allerdings schon bekannt, daß die Ver-

    einigten Staaten und Kanada in diesem Jahre eine schlechte

    Weizenernte haben, sowohl was die Menge wie auch die Güte

    anlangt. In dem Bericht von Montgomery vom 22. September

    lesen wir, daß am 1. September die Frühjahrsernte auf 156

    Millionen Bushel geschätzt wurde, gegen 356 1/2 Millionen

    Bushel in 1915. Zusammen mit dem Winterweizen wird  die

    Ernte auf 611 Millionen Bushel geschätzt, gegen 1011 1/2

    Millionen Bushel in 1915. In Kanada , heißt es in dem

    Bericht, war die Weizenernte außergewöhnlich arm. Sie wird

    geschätzt auf 160 Millionen Bushel, gegen 397 Millionen Bushel 

    in 1915. Auch die Qualität ist schlecht. Insgesamt würden die

    Vereinigten Staaten und Kanada also 771 Millionen Bushel

    aufbringen, gegen 14 085 Millionen Bushel im Vorjahre. 

       

       


       




  • July 9, 2017 17:45:57 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ... 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne, was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte?

       


       




  • July 9, 2017 17:45:34 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ... 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       Ein deutscher Großindustrieller hat neulich in einem Gespräch

    mit einem neutralen Journalisten als seine Meinung geäußert,

    daß England im Frühjahr 1917 vielleicht am eigenen Leibe

    spüren könne. was Hunger ist. Die Ernte in Nordamerika war

    in diesem Jahre weit unter dem Durchschnitt geblieben, in Süd-

    amerika sah es auch nicht günstig aus. Wie würde England

    unter solchen Umständen seinen Bedarf decken können? Und

    welche Nemesis würde es sein, wenn England, das Deutschland

    aushungern wollte, selber durch den Hunger gezwungen, klein

    beigeben müßte?

       


       




  • July 9, 2017 17:41:21 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ... 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.

                                  1917 - Englands Hungerjahr.

    Rm. Haag, 1. Nov. 1916. Die Nieuwe Rotterdamsche Cou-

    rant von heute abend schreibt:

       


       




  • July 9, 2017 17:39:20 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ... 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. Zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren. Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.


       




  • July 9, 2017 17:37:54 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ... 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1. Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: Die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    amtliche Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahen und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren.Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.


       




  • July 9, 2017 17:37:22 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ... 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1.Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    missing Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs Drifter zum Sinken gebracht haben,

    die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun

    spielen Drifters in dem modernen Seekriege eine keineswegs

    unwichtige Rolle. Daher ist es schwer zu verstehen, 

    weshalb die Admiralität diese Verluste ver-

    schwiegen hat. Der deutsche Angriff hat in seinem be-

    scheidenen Umfang dem Feind bestimmt einen gewissen Vorteil

    gebracht, und wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Be-

    hauptung blieb, daß zwei deutsche Zerstörer in den Grund ge-

    bohrt seien, so sagte er es doch jetzt in viel weniger

    bestimmter Weise, was bezweifeln läßt, ob sie wohl

    jemand an jenem dunklen Abend wirklich hat sinken sehen. Es

    widersprach der Erwartung der Engländer, daß zehn feindliche

    Kriegsschiffe imstande waren, quer durch unsere Kanalsperre zu

    fahen und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe

    eines zu verlieren.Die meisten von uns hatten geglaubt, daß

    die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.


       




  • July 9, 2017 17:21:55 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ... 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1.Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    missing Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer Fliet

    und Rubian verloren seien, und er gab zu verstehen, daß keine

    anderen Schiffe verloren gegangen wären. zugleich sagten aber

    die Deutschen, daß sie außerdem mindestens elf Patrouillen-

    fahrzeuge in den Grund missing hätten. Jetzt teilt man uns

    mit, daß sie tatsächlich sechs  


       




  • July 9, 2017 17:13:27 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ... 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


     2. Spalte  

                                    Aus den feindlichen Ländern.  

                     Weitere Kritik an der englischen Admiralität.            

    WTB Rotterdam, 2.Nov. 1916.  Die Nieuwe Rotterdamsche

    Courant meldet aus London vom 1.Nov.:

       Daily Chronicle sagt im Leitartikel: die Admiralität ist auch

    diesmal mit ihrem Bericht nicht sehr glücklich gewesen. Der

    missing Bericht, der Freitag bekannt wurde, sagte, daß

    das Transportschiff Queen und die Torpedobootzerstörer 


       




  • July 9, 2017 17:06:23 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2.  Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     Fortsetzung rechte Spalte (3. Spalte) ... 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien 

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.

    ____________________________________________________________________


    2. 



       




  • July 9, 2017 17:01:41 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2. und 3. Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland näher liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.





       




  • July 9, 2017 17:01:34 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2. und 3. Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren. Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland nähe liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.





       




  • July 9, 2017 17:01:13 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2. und 3. Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. Die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.

       Venizelos aber hat sein Spiel schon zum weitaus größten

    Teil verloren, und  wird es voraussichtlich - auch hoffentlich -

    ganz verlieren.Ein warnendes Beispiel für "Patrioten" seiner

    Sorte, denen das Ausland nähe liegt, als die Pflicht gegen

    das Vaterland.





       




  • July 9, 2017 16:58:38 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2. und 3. Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.

       Inzwischen ist der König bereits dabei, kurz entschlossen die

    jetzt gewonnene relative Gunst der Lage nach Kräften aus-

    zunutzen. Er säubert mit fester Hand Heer und Beamtenschaft

    von aufrührerischen oder verdächtigen Elementen und knüpft 

    die Bande der Pflicht gegen das Vaterland stärker noch als sie 

    schon geworden waren. Er ist wieder Herr in seinem Lande,

    nicht nur in Altgriechenland, sondern auch in einem großen

    Teile von Neugriechenland. Saloniki ist natürlich einstweilen

    ausgenommen. Aber einem starken König wird es leichter ge-

    lingen, Saloniki zurückzugewinnen, als einem schwächlichen,

    missing, allzubedächtigen König. Der König hat eine hohes

    Spiel gespielt und spielt es weiter. Bisher hat er es gewonnen. 

    Er hat auch die beste Aussicht es weiter zu gewinnen. die

    Zukunft liegt heute rosiger vor ihm, als noch vor zwei Monaten

    irgend jemand gewagt hätte zu hoffen.





       




  • July 9, 2017 16:46:19 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2. und 3. Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.

       Die Lage ist also zur Zeit diese: Griechenland zieht seine

    Truppen aus Thessalien zurück und räumt Nord-Epirus; das

    in Janina stationierte fünfte griechische Armeekorps wird nach

    Arta verlegt. Die thessalischen Truppen werden nach dem Pelo-

    ponnes  verlegt. Dafür ist aber zugesagt, daß weder Venizelos

    noch missing                  missing

    Die missingüber Nord-Epirus  bleibt vorbehalten. Damit

    hat die geschickte Diplomatie des Königs Kon-

    stantin einen Erfolg erreicht, wie er an sich schon

    höchst ansehnlich ist, und wie er nach der gesamten Lage aller

    Verhältnisse garnicht größer erwartet werden konnte. Der König

    ist zunächst gerettet, und Venizelos ist ziemlich unschädlich ge-

    macht. Der König hat jetzt eine Stellung gewonnen, welche es

    ihm außerordentlich erleichtern wird, durchzuhalten. Bis zum

    Weltfrieden. Und wenn das ihm gelingt, dann ist er endgültig 

    gerettet und wird mit vollstem Recht der Vater seines Vater-

    landes genannt werden.




       




  • July 9, 2017 16:35:32 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2. und 3. Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung der "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.



       




  • July 9, 2017 16:33:27 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2. und 3. Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt, Ost-

    Albanien, da das Land ausschließlich von Albanern bewohnt

    ist, zurückgezogen werden sollen. Bekanntlich hatte Griechenland

    alsbald nach der  Besetzung von Walona durch Italien die von

    ihm früher missing Teile von Nord-Epirus besetzt, um

    sich gegen die Ueberwucherung de "geheiligten Aspirationen"

    Italiens zu sichern. Uns konnte das damals ganz recht sein 

    und den Oesterreichern ebenso. Wenn - was aber jetzt mehr

    wie je  nötig ist - ein selbstständiges Albanien nicht mehr zu-

    stande kommen sollte, gehört Walona immer noch weit mehr in

    die Hände Griechenlands wie in die Hände Italiens. Griechen-

    land sicherte sich also seine Stellung im Hinterland von Walona.

    Nichts war den Italienern unbequemer als diese Maßregel

    Griechenlands. Jetzt haben sie die Gelegenheit ergriffen, diesen

    "Pfahl in ihrem Fleische" zu beseitigen. Dagegen hat Italien, 

    was es solange mit äußerstem Nachdruck abgelehnt hatte, sich

    herbeilassen müssen, starke  Truppenkörper nach

    Saloniki zu senden.  So wird Italien Schritt für Schritt

    gezwungen, seinen alten Standpunkt, daß es nur einen "natio-

    nalen" Krieg führe und im übrigen mit dem Weltkrieg nichts

    zu tun habe, aufzugeben und willenlos in den Strudel des

    Weltkrieges sich hineinziehen zu lassen. Mitgegangen, mit-

    gefangen, mitgehangen.



       




  • July 9, 2017 16:07:00 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2. und 3. Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden. Italien begehrte also auf. Also mußte auch Italien

    etwas mitbekommen. Italien hat die Zulage erhalten, daß die

    griechischen Truppen aus "Nordepirus", besser gesagt,




       





  • July 9, 2017 16:02:36 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     2. und 3. Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden.




       





  • July 9, 2017 16:01:33 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 

     zweite und dritte Spalte 

     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden.




       





  • July 9, 2017 16:00:02 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 


     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem

     rechte Spalte 

    Recht, neutral zu leiben, noch enger an die Entente geknüpft

    werden.




       





  • July 9, 2017 15:58:20 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 


     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde  noch weiter gehen; der König würde mit dem



       





  • July 9, 2017 15:57:46 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 


     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.

       Italien hat offenbar gefürchtet, das Abkommen mit dem

    Könige würde noch weiter gehen; der König würde mit dem



       





  • July 9, 2017 15:56:40 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 


     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.

       Es dürfte sicher sein, daß dieser Frontwechsel der Entente-

     politik mit dem Fortschreiten der Ereignisse 

    auf dem rumänischen Kriegsschauplatze enge

    zusammenhängt. Hätte Venizelos rasch und gründlich

    gesiegt, so wär´s ganz recht gewesen. Dann wäre es heute eine

    vollendete Tatsache, und die Entente würde diese mit Freuden

    anerkannt haben. Aber jetzt -, wo in Rumänien alles schief

    geht - , da kann England  im Rücken der Saloniki-Arme keine

    Unsicherheit und innere Wirren mehr brauchen. Da muß Ruhe

    werden, besonders wo General Sarrail seine Untätigkeit immer

    mit der Gefahr eines Rückenangriffes von Griechenland her

    entschuldigt hat. Also läßt man Venizelos kurzerhand fallen und

    verständigt sich mit dem König, welcher sich als der Stärkere

    erwiesen hat. So hat das Fortschreiten des rumänischen Feld-

    zuges den König von Griechenland gerettet, und dieser Rettung

    dürfen wir uns ganz besonders freuen.



       





  • July 9, 2017 15:29:50 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 


     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    sich eine Anleihe von zehn Millionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.



       





  • July 9, 2017 15:28:55 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 


     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es Reuter getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.

       Geradezu dumm aber ist Reuters tönende Phrase: Venizelos,

    welcher in erster Linie Patriot sei, werde am liebsten zusammen

    mit dem König dem Vaterland dienen. Warum also hat der

    brave Venizelos in Kreta und auf den Inseln Revolution ge-

    macht, für die Auslieferung der griechischen Flotte an die En-

    tente gesorgt, in Saloniki eine revolutionäre Regierung gebildet,

    dich eine Anleihe von zehn Milliionen geben lassen  usw. Ein

    netter "Patriot". Venizelos ist "in erster Linie" Streber, Re-

    volutionär und Werkzeug der Entente. Sein "Patriotismus"

    ist durch die Bestechungsgelder, welcher er erhalten hat, etwas

    sehr eigenartig nuanciert.



       





  • July 9, 2017 15:19:01 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 


     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es missing getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.

       Es ist die alte Methode der englischen Politik: Ein Werkzeug,

    welches sich als untauglich erwiesen hat, wird kurz ent-

    schlossen zur Seite geworfen. Venizelos ist enttäuscht. Was

    er wollte und sollte, hat er in höchst bescheidenem Umfange

    durchführen können. Was man von ihm erwartet hatte, ist nicht

    eingetroffen. Also fort mit ihm! Versuchen wir´s auf anderem

    Wege! Nun auf einmal heißt es, die Alliierten hätten niemals

    daran gedacht, Griechenland zur Aufgabe seiner Neutralität oder

    zur aktiven Teilnahme am Kriege zu zwingen. Niemals, nicht

    einen Augenblick! Sie hätten niemals etwas anderes erstrebt, 

    als entsprechende Garantien für die Sicherheit der Ententetruppen

    in Saloniki. Allerdings:  aber die beste Garantie wäre doch

    nach der früheren offiziellen Ansicht der Entente gewesen, wenn

    man die griechische Armee ebenso in die Hand hätte bekommen

    können, wie die griechische Flotte. So las man´s vor Tische, 

    und in diesem Sinne sind Hunderte von feingeschliffenen Artikeln

    in allen Ententezeitungen erschienen. Inzwischen hat das an-

    gerichtete Mahl einen etwas unerwarteten  Verlauf genommen,

    und jetzt nach Tische liest man´s anders.



       





  • July 9, 2017 15:04:26 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 


     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken, 

    wie es missing getan hat,  welchem es  missing in erster missing

    missing,  den Frontwechsel zu maskieren und zu beschönigen.

    Venizelos wird sich vielleicht mehr als Opfer fühlen,

    welches missing worden ist , um einen anderen Kurs der

    missing zu ermöglichen. Wie andere Leute von objektiver

    Betrachtungsweise es wohl auch tun werden.




       





  • July 9, 2017 14:43:15 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.

                                                                  

                                                              A r m e r   V e n i z e l o s ! 


     linke Spalte 

       Das Abkommen mit dem König von Griechenland, welches

    einen modus vivendi  zwischen der Entente und dem König für

    die Dauer des Krieges herbeiführte, scheint einen noch weit

    missing  Frontwechsel der Entente in ihrer missing

    missing  zu bedeuten, als es anfangs den Anschein hatte.

    missing sind höchst unzufrieden,und geben ihrer Un-

    zufriedenheit in empörten Worten offen Ausdruck. Das läßt

    missing.  Venizelos selbst scheint noch nicht gesprochen zu

    haben. Er würde sich wohl kaum so diplomatisch ausdrücken,

    wie es



       





  • July 8, 2017 22:03:59 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Ruvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pugubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Mgeta bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.


       





  • July 8, 2017 21:23:19 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Kuvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pogubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffes  am Nigria bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.


       





  • July 8, 2017 21:21:08 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.


                                               Die Lage in den Kolonien.

                  Die Zerstörung der Tanganjikabahn in Deutsch-Ostafrika.

       Zu der gründlichen Zerstörung der größten deutsch-ostafrikanischen

    Bahn, der Tanganjikabahn, durch die jetzt südlich der Bahn

    stehenden deutschen Abteilungen erfährt der Daily Telegraph, daß

    auch die zwischen Daressalam und Morogoro über den Kuvufluß

    führende Brücke, die größte der Tanganjikabahn, sowie mehrere

    wichtige Brücken in den Pogubergen, dicht westlich von Daressalam

    gesprengt seien. Die Wiederherstellung der Bahn begegne sehr

    großen Schwierigkeiten, zumal auch dadurch, daß außer den Brücken

    und Uebergängen auch die Schienen meilenweit in die Luft ge-

    sprengt und das Reserveschienenlager von den Deutschen vernichtet

    sei. Aus dieser gründlichen Zerstörung der Tanganjikabahn erklärt

    sich auch wohl mit, daß man von einem weiteren Vorrücken der

    deutschen  Hauptarmee seit der Abweisung des letzten großen

    Angriffe am  Nigria  bei Kissaki durch unsere Ostafrikaner in der

    ersten Hälfte des Monats September nichts mehr gehört hat. Die

    Schlappe, die die Engländer damals bezogen haben, soll übrigens

    mindestens ebenso verlustreich für sie gewesen sein, wie ihre Nieder-

    lage bei Kondoa-Irangi im Mai dieses Jahres.


       





  • July 8, 2017 20:59:55 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.

       Tigrisfront: Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf feind-

    liche Stellungen. Unsere freiwilligen Krieger griffen einen eng-

    lischen Flugzeugschuppen in der Umgebung von Scheik Said an

    und zerstörten abermals ein feindliches Flugzeug. Zur Ver-

    geltung warfen die Engländer Bomben in den Rücken unserer

    Stellungen, aber erfolglos.

       Persische Front: In der Richtung Sendschan warfen wir

    feindliche Kavallerie und Infanterie nordöstlich von Bidschar zurück.

       Kaukasusfront: Im Zentrum und auf dem linken Flügel

    für uns erfolgreiche Scharmützel; wir machten einige Gefangene.

       Galizische Front:  Die Russen machen am 31. Oktober

    und 1. November abermals Angriffe, um die von uns am

    31. Oktober eroberten Siedlungen wiederzunehmen; diese An-

    griffe wurden ebenso wie die vorhergegangenen völlig abge-

    schlagen.

       Auf dem mazedonischen Kriegsschauplatz schlugen

    wir einen Angriff ab, den der Feind am 31.Oktober gegen 

    unsere Truppen an der Strumafront machte.





  • July 8, 2017 20:48:12 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.


                                         Der Krieg im Orient.

    Der amtliche türkische Bericht.

       WTB Konstantinopel, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) Euphrat-

    front: Unsere freiwilligen Krieger griffen eine Linie feindlicher

    Schützen an und nahmen ein: große Menge Kriegsmaterial und

    150 Stück Vieh weg.






  • July 8, 2017 20:42:41 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert der Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.






  • July 8, 2017 20:42:15 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 

                                     

                                      Rumänischer Bericht.   

       Bericht vom 2. November. Nord- und Nordwestfront:

    An der Ostgrenze der Moldau und bis Predeal ist die Lage

    unverändert. Im Praharvatale dauerte der Kampf fast den ganzen

    Tag an. Wir wiesen den Feind durch Gegenangriffe zurück. In

    Gegend Drageslable wiesen wir einen Angriff des Feindes zurück. 

    Oestlich vom Als dauert de Kampf fort. Westlich vom Jiul setzten

    wir die Verfolgung des Feindes fort. Wir erbeuteten viele Mu-

    nitionswagen und eine Menge Kriegsmaterial.

       Südfront: Die Lage ist unverändert.






  • July 8, 2017 20:34:18 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.

       Kaukasusfront: nichts wichtiges zu melden.

       Rumänische Front: Siebenbürgen. Im Alstale drängte 

    der Feind , nachdem er die Dörfer Rakovitza und Titeschii besetzt

    hatte, die rumänischen Truppen etwas nach Süden zurück. Diese

    Truppen befestigten sich auf den südlich der genannten Dörfer ge-

    legenen Höhen.

       Dobrudscha: An der Front Aufklärungsunternehmungen.


                                   Der Krieg mit Rumänien.

                      Die deutschen Erfolge gegen Rumänien.

                     Frankreichs öffentliche Meinung entnervt.

       WTB Bern, 3. Nov. 1916. (Drahtber.) Zur militärischen

    Lage führt General Lacroix in Temps aus:

       Die Ereignisse in der Dobrudscha und die Räumung Sieben-

    bürgens durch die Leistungen Mackensens haben die öffentliche

    Meinung entnervt. Zweifellos seien die Mißerfolge , die sich die

    rumänischen Truppen in den letzten Wochen zugezogen haben, für die

    Franzosen um so empfindlicher, als diese wieder gewohnheitsmäßig

    voreilige Hoffnungen gehegt hätten. Der neue Beweis

    der militärischen Kraft Deutschlands habe die Oeffentlichkeit be-

    unruhigt. Man frage sich, ob die Deutschen denn ins Ungemessene

    neue Heere aufstellen könnten, und ob es nicht entmutigend sein

    müsse, zu sehen, wie sie allen neuen Anforderungen die Stirn

    bieten. Tatsächlich, meint Lacroix, müsse dieses Schauspiel auch

    Eindruck machen. 




  • July 8, 2017 20:18:18 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.



  • July 8, 2017 19:39:18 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1. November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.



  • July 8, 2017 19:38:40 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.


                         Vom östlichen Kriegsschauplatz.

                                 Russischer Bericht

    Bericht vom 1 .November, Westfront:  südlich von Brze-

    zantz in der Gegend von Mikschistschuff und Lipnitza Dolna, sowie

    östlich des Dorfes Svistekmiki dauern die erbitterten Kämpfe an.

    In der Gegend des Waldes von Mikschistschuff griff der Feind nach

    einem heftigen Feuer seiner schweren Artillerie mitüberlegenen

    Kräften unsere Truppen an und drängte sie trotz hartnäckigen

    Widerstandes gegen den Südrand des Waldes zurück. In der

    Gegen des Dorfes Lipnitza Dolna und Svistelmiki wurden

    die Angriffe des  Feindes mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

    In den Waldkarpaten hatten die Versuche des Feindes, unsere

    3 Werst südlich der Stadt Previ  gelegenen Stellungen anzugreifen,

    keinen Erfolg.



  • July 8, 2017 19:20:42 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich 

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

                                              * * *

       WTB Bern, 3.Nov. 1916 (Drahtber. Schweizerische Depeschen-

    agentur.) Gestern  morgen riß sich bei einer Uebung in Frei-

    bergen ein Fesselballon los und überflog die schweizerische

    Grenze bei Basel. Er landete bei Schönau im Groß-

    herzogtum Baden. In der Gondel befanden sich zwei Offiziere.

       





  • July 8, 2017 19:16:22 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.

                                 Englischer Bericht.

       Bericht vom 2. November, abends: Der Feind beschoß unsere

    Front bei Hebaterne und Arras. Unsere Artillerie war tätig südlich

    von Armentieres und nördlich von Ypern. Unsere Flugzeuge be-

    schossen gestern eine Anzahl feindlicher Batterien.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nachts ist schwerer

    Regen gefallen.

                              Die englischen Verluste.

    TU Amsterdam, 2. Nov. 1916 (Drahtber.) die englische Verlust-

    liste vom 28., 29., 30. und 31. Oktober enthält die Namen von

    297 Offizieren und 14 903 Mannschaften und Unteroffizieren.

       





  • July 8, 2017 19:08:25 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir etwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.




  • July 8, 2017 19:07:56 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß eines derselben bei Altkirch ab.

       Bericht vom 2.November, abends: Nördlich von der Somme

    brachte eine am Nachmittag zwischen missingund missing

    durchgeführte Operation uns einen schätzbaren Gelände-

    gewinn  und 201 Gefangene zu den seit gestern gemachten ein; die

    Summe der in diesem Abschnitt gemachten Gefangenen beträgt

    736, drunter 20 Offiziere. Auch  nahmen wir ezwa zehn Maschinen-

    gewehre.

       Belgischer Bericht vom 2. November, abends: Von der

    belgischen Front ist nichts zu melden.




  • July 8, 2017 19:02:14 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei Mogeville-en-missing durch  den Flieger

    Caharret abgeschossen. dies ist sein sechstes Flugzeug. Ein fran-

    zösisches Geschwader griff bei missing deutsche Infanterie-

    kolonnen mit Maschinengewehren und bei Conflans und Magie-

    ennes Eisenbahnzüge an. Im Elsaß griff ein Franzose vier

    deutsche Flugzeuge an und schoß 




  • July 8, 2017 18:30:59 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörten Maschinengewehrneste. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei

    Moistains sein siebentes Flugzeug ab. Ein Dreisitzer brachte am

    gleichen Tage zwei deutsche bei Metz-en-Couture und dem St.

    Quentin-Berge zum Absturz. In der Gegend von Verdun wurde

    ein deutsches Flugzeug bei missing



  • July 8, 2017 18:17:58 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 

    Vom westlichen Kriegsschauplatz.

              Französischer Bericht.

       Bericht vom 2. November nachmittags: Nördlich der

    Somme setzten die Franzosen trotz anhaltenden schlechten Wet-

    ters im Laufe der Nacht ihre Fortschritte zwischen missing und

    missing fort. Sie besetzten das eroberte Gelände, nahmen

    mehrere Stützpunkte und zerstörtem Maschinengewehrnester. Im

    Laufe dieser Tätigkeit  brachten sie 186 Gefangene ein, darunter

    acht Offiziere, wodurch die Zahl der seit gestern in diesem Abschnitt

    gefangen genommenen Deutschen auf 586 sich erhöht. Auf dem

    rechten Maasufer verhältnismäßig ruhige Nacht. Von der

    übrigen Front ist nichts zu melden.

       Flugwesen:  Trotz des Nebels und der Stürme auf dem

    größten Teil der Front waren die französischen Jagdgeschwader

    gestern sehr tätig. An der Somme schoß Feldwebel Tarascon bei




  • July 8, 2017 17:58:12 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916

     1. Spalte 


  • July 8, 2017 17:57:23 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe.         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 1916


  • July 8, 2017 17:57:00 Beate Jochem

    Nr. 701         -     Kriegs-Ausgabe         Kölnische Volkszeitung.                    Samstag, 4. November 196


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  • 50.6293465||3.05707689999997||

    Lille, Frankreich

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  • Story location Lille, Frankreich
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ID
12998 / 199757
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Uta Hentschel
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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