Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 64
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es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
______________________________________________________________________
Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt
werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit
ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-
absicht herangehen. Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten
wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein
bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark
in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer
mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-
stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein
Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde
jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch
der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll
heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben, je
nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.
Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-) Heimstätten auf dem Lande
dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann
muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der
Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An
Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht. Abgesehen von den
großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur
Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-
lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen
bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen
zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar
nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung
auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.
Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,
nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis
des Hausbaues und zu seinem jetzigen Ertragswert als "Überteuerungs-
zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-
nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),
nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine
und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen
also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird
diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben! Noch ist aber
keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im
Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-
not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine neue hohe Summe
bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen
werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"
zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist
die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine
so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser
erstellen kann.
Ich komme zum Schluß und stelle zusammenfassend fest, daß
Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-
lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber
"bezugsfertige Heimstätten" nicht bereitgestellt werden konnten. Wer
siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen,
sondern muß sich selbst helfen. Organisationen zur Vertretung der
Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,
sich solchen Verbänden anzuschließen.
rechte Seite
Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die
heimkehrenden Kriegsgefangenen
Zeichnung siehe oben
linke Spalte
Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege
nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-
gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-
lernten Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-
licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man
den ausgebildeten Arbeiter.
Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-
geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-
ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-
produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-
niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-
fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-
lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen
Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und Ein-
richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-
bedarf zu schaffen.
Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-
fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen
für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der
Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft
geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in
der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,
so reichten diese Kräfte doch nicht aus, um die Produktion auf der
Höhe zu halten.
Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche
Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp
wurden. Überall mußte "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem
Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.
Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-
duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,
mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-
keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.
Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-
bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen
der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die
Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst
glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die
Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen
wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf
den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen. Dazu trat der
Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.
Auch die Nebenerscheinungen der Revolution, die Abschaffung
der Akkordarbeit, die Erhöhung der Stundenlöhne, die Verminderung
der Arbeitszeit, die überall auftretenden Nebenregierungen wirkten
darauf hin, daß dauernd die Arbeitsleistungen sanken, und daß der
Wert der geleisteten Arbeit nicht mehr im wirtschaftlichen Verhältnis
zu den aufgewendeten Löhnen stand.
Auf diese Weise stiegen die Preise für Lebensmittel und alle
ähnlichen Produkte, welche nicht der Zwangsbewirtschaftung unter-
lagen, ganz gewaltig, und auch die Zwangsbewirtschaftung konnte bei
den ihr unterstellten Gegenständen eine dauernde Steigerung und
Aufwärtsbewegung der Preise nicht hemmen.
rechte Spalte
So sank die Produktion in der Landwirtschaft, in den Berg-
werken, den Braunkohlengruben, den Erzgruben, den Eisenhütten und
Stahlwerken, den Waggon- und Lokomotivwerken, den Kali- und
Stickstoffwerken. Überall dort, wo eine vermehrte Produktion drin-
gend notwendig gewesen wäre, um den Wiederaufbau der Friedens-
wirtschaft zu fördern, wurde die Steigerung der Produktion künstlich,
durch Streiks, behindert.
So wurden Kohlen und Rohmaterialien vielen Werken ent-
zogen, bei denen sonst Arbeitsgelegenheit in größerem Umfange vor-
handen war; durch den Mangel an Kohle und Rohmaterial wurden
sie zur Einschränkung der Arbeitszeit, zu vorübergehender Still-
legung, zur Vergeudung ihrer Reserven und Betriebsmittel ge-
zwungen.
Dazu kam die Hinauszögerung des Friedens, dazu kamen die
harten Friedensbedingungen, welche uns von der Entente auf-
gezwungen worden sind. Was die aus der Gefangenschaft heim-
kehrenden Kameraden erduldet haben, das soll in der Heimat fort-
gesetzt, das soll dem ganzen deutschen Volke im eigenen Lande auf-
gezwungen werden.
Unsere Industrie, ihre Blüte und Leistungsfähigkeit, wurde uns
geneidet, darum soll unsere Industrie zu Tode getroffen werden, ihre
Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkte soll vernichtet werden. Und
wenn dies nicht gelingt, so sollen unsere Industrie und unsere In-
dustriearbeiter für die Interessen unserer bisherigen Feinde aus-
gebeutet werden. Aber es gibt für uns noch Mittel und Wege, den
drückendsten Mangel an Nahrungsmitteln und den größten Mangel
an vielen Rohmaterialien zu beseitigen. Über 500 000 landfremde
Hilfsarbeiter wurden in der Landwirtschaft jährlich benötigt, um alle
Arbeiten bewältigen zu können. Italiener, Polen und andere Aus-
länder arbeiteten zu Tausenden in unseren Kaliwerken, Kohlenwerken
und den Eisenhütten, um die Anforderungen erfüllen zu können,
welche an unsere Industrie gestellt wurden.
Dort ist der Platz für unsere, aus der Gefangenschaft zurück-
kehrenden Kämpfer. Durch rastlose Arbeit muß die Produktion un-
serer Landwirtschaft gehoben, die Kultivierung von Ödländereien
durchgeführt werden. Durch rege Arbeit muß die Förderung in den
Kaliwerken, die Produktion sonstiger Düngemittel gehoben werden,
damit dem ausgesaugten Boden neue Kraft zugeführt werden kann.
Beschleunigt müssen Lokomotiven und sonstige Transportmittel her-
gestellt werden. Für die Inangriffnahme und Förderung aller dieser
Arbeiten ist die erste Voraussetzung, daß die Produktion in den
Kohlenbergwerken wesentlich vermehrt wird und falls dies nicht zu
erreichen sein sollte, würde eine erhöhte Ausbeutung unserer Braun-
kohlengruben aushelfen müssen.
Sind die Aussichten in den Industrien auch trübe, so gilt für
die aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Kameraden um so mehr
der Satz: "Arbeiten und nicht verzweifeln". Die Kriegervereine, be-
sonders auf dem Lande und in den kleineren Städten, werden sich be-
mühen, auch die aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Kameraden
zu unterstützen, wie seinerzeit die aus dem Felde zurückkehrenden
Kameraden, wenn sie den redlichen Willen zu nutzbringender und
redlicher Arbeit haben.
Geheimrat H ö l z e r m a n n, Potsdam.
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es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
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Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt
werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit
ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-
absicht herangehen. Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten
wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein
bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark
in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer
mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-
stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein
Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde
jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch
der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll
heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben, je
nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.
Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-) Heimstätten auf dem Lande
dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann
muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der
Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An
Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht. Abgesehen von den
großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur
Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-
lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen
bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen
zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar
nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung
auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.
Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,
nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis
des Hausbaues und zu seinem jetzigen Ertragswert als "Überteuerungs-
zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-
nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),
nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine
und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen
also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird
diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben! Noch ist aber
keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im
Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-
not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine neue hohe Summe
bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen
werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"
zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist
die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine
so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser
erstellen kann.
Ich komme zum Schluß und stelle zusammenfassend fest, daß
Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-
lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber
"bezugsfertige Heimstätten" nicht bereitgestellt werden konnten. Wer
siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen,
sondern muß sich selbst helfen. Organisationen zur Vertretung der
Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,
sich solchen Verbänden anzuschließen.
rechte Seite
Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die
heimkehrenden Kriegsgefangenen
Zeichnung siehe oben
linke Spalte
Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege
nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-
gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-
lernten Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-
licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man
den ausgebildeten Arbeiter.
Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-
geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-
ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-
produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-
niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-
fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-
lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen
Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und Ein-
richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-
bedarf zu schaffen.
Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-
fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen
für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der
Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft
geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in
der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,
so reichten diese Kräfte doch nicht aus, um die Produktion auf der
Höhe zu halten.
Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche
Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp
wurden. Überall mußte "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem
Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.
Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-
duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,
mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-
keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.
Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-
bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen
der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die
Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst
glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die
Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen
wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf
den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen. Dazu trat der
Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.
Auch die Nebenerscheinungen der Revolution, die Abschaffung
der Akkordarbeit, die Erhöhung der Stundenlöhne, die Verminderung
der Arbeitszeit, die überall auftretenden Nebenregierungen wirkten
darauf hin, daß dauernd die Arbeitsleistungen sanken, und daß der
Wert der geleisteten Arbeit nicht mehr im wirtschaftlichen Verhältnis
zu den aufgewendeten Löhnen stand.
Auf diese Weise stiegen die Preise für Lebensmittel und alle
ähnlichen Produkte, welche nicht der Zwangsbewirtschaftung unter-
lagen, ganz gewaltig, und auch die Zwangsbewirtschaftung konnte bei
den ihr unterstellten Gegenständen eine dauernde Steigerung und
Aufwärtsbewegung der Preise nicht hemmen.
rechte Spalte
So sank die Produktion in der Landwirtschaft, in den Berg-
werken, den Braunkohlengruben, den Erzgruben, den Eisenhütten und
Stahlwerken, den Waggon- und Lokomotivwerken, den Kali- und
Stickstoffwerken. Überall dort, wo eine vermehrte Produktion drin-
gend notwendig gewesen wäre, um den Wiederaufbau der Friedens-
wirtschaft zu fördern, wurde die Steigerung der Produktion künstlich,
durch Streiks, behindert.
So wurden Kohlen und Rohmaterialien vielen Werken ent-
zogen, bei denen sonst Arbeitsgelegenheit in größerem Umfange vor-
handen war; durch den Mangel an Kohle und Rohmaterial wurden
sie zur Einschränkung der Arbeitszeit, zu vorübergehender Still-
legung, zur Vergeudung ihrer Reserven und Betriebsmittel ge-
zwungen.
Dazu kam die Hinauszögerung des Friedens, dazu kamen die
harten Friedensbedingungen, welche uns von der Entente auf-
gezwungen worden sind. Was die aus der Gefangenschaft heim-
kehrenden Kameraden erduldet haben, das soll in der Heimat fort-
gesetzt, das soll dem ganzen deutschen Volke im eigenen Lande auf-
gezwungen werden.
Unsere Industrie, ihre Blüte und Leistungsfähigkeit, wurde uns
geneidet, darum soll unsere Industrie zu Tode getroffen werden, ihre
Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkte soll vernichtet werden. Und
wenn dies nicht gelingt, so sollen unsere Industrie und unsere In-
dustriearbeiter für die Interessen unserer bisherigen Feinde aus-
gebeutet werden. Aber es gibt für uns noch Mittel und Wege, den
drückendsten Mangel an Nahrungsmitteln und den größten Mangel
an vielen Rohmaterialien zu beseitigen. Über 500 000 landfremde
Hilfsarbeiter wurden in der Landwirtschaft jährlich benötigt, um alle
Arbeiten bewältigen zu können. Italiener, Polen und andere Aus-
länder arbeiteten zu Tausenden in unseren Kaliwerken, Kohlenwerken
und den Eisenhütten, um die Anforderungen erfüllen zu können,
welche an unsere Industrie gestellt wurden.
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linke Spalte
es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
______________________________________________________________________
Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt
werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit
ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-
absicht herangehen. Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten
wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein
bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark
in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer
mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-
stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein
Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde
jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch
der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll
heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben, je
nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.
Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-) Heimstätten auf dem Lande
dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann
muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der
Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An
Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht. Abgesehen von den
großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur
Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-
lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen
bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen
zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar
nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung
auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.
Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,
nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis
des Hausbaues und zu seinem jetzigen Ertragswert als "Überteuerungs-
zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-
nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),
nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine
und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen
also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird
diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben! Noch ist aber
keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im
Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-
not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine neue hohe Summe
bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen
werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"
zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist
die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine
so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser
erstellen kann.
Ich komme zum Schluß und stelle zusammenfassend fest, daß
Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-
lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber
"bezugsfertige Heimstätten" nicht bereitgestellt werden konnten. Wer
siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen,
sondern muß sich selbst helfen. Organisationen zur Vertretung der
Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,
sich solchen Verbänden anzuschließen.
rechte Seite
Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die
heimkehrenden Kriegsgefangenen
Zeichnung siehe oben
linke Spalte
Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege
nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-
gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-
lernten Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-
licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man
den ausgebildeten Arbeiter.
Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-
geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-
ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-
produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-
niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-
fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-
lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen
Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und Ein-
richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-
bedarf zu schaffen.
Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-
fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen
für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der
Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft
geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in
der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,
so reichten diese Kräfte doch nicht aus, um die Produktion auf der
Höhe zu halten.
Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche
Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp
wurden. Überall mußte "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem
Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.
Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-
duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,
mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-
keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.
Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-
bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen
der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die
Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst
glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die
Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen
wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf
den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen. Dazu trat der
Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.
Auch die Nebenerscheinungen der Revolution, die Abschaffung
der Akkordarbeit, die Erhöhung der Stundenlöhne, die Verminderung
der Arbeitszeit, die überall auftretenden Nebenregierungen wirkten
darauf hin, daß dauernd die Arbeitsleistungen sanken, und daß der
Wert der geleisteten Arbeit nicht mehr im wirtschaftlichen Verhältnis
zu den aufgewendeten Löhnen stand.
Auf diese Weise stiegen die Preise für Lebensmittel und alle
ähnlichen Produkte, welche nicht der Zwangsbewirtschaftung unter-
lagen, ganz gewaltig, und auch die Zwangsbewirtschaftung konnte bei
den ihr unterstellten Gegenständen eine dauernde Steigerung und
Aufwärtsbewegung der Preise nicht hemmen.
rechte Spalte
So sank die Produktion in der Landwirtschaft, in den Berg-
werken, den Braunkohlengruben, den Erzgruben, den Eisenhütten und
Stahlwerken, den Waggon- und Lokomotivwerken, den Kali- und
Stickstoffwerken. Überall dort, wo eine vermehrte Produktion drin-
gend notwendig gewesen wäre, um den Wiederaufbau der Friedens-
wirtschaft zu fördern, wurde die Steigerung der Produktion künstlich,
durch Streiks, behindert.
So wurden Kohlen und Rohmaterialien vielen Werken ent-
zogen, bei denen sonst Arbeitsgelegenheit in größerem Umfange vor-
handen war; durch den Mangel an Kohle und Rohmaterial wurden
sie zur Einschränkung der Arbeitszeit, zu vorübergehender Still-
legung, zur Vergeudung ihrer Reserven und Betriebsmittel ge-
zwungen.
Dazu kam die Hinauszögerung des Friedens, dazu kamen die
harten Friedensbedingungen, welche uns von der Entente auf-
gezwungen worden sind. Was die aus der Gefangenschaft heim-
kehrenden Kameraden erduldet haben, das soll in der Heimat fort-
gesetzt, das soll dem ganzen deutschen Volke im eigenen Lande auf-
gezwungen werden.
-
linke Seite
linke Spalte
es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
______________________________________________________________________
Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt
werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit
ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-
absicht herangehen. Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten
wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein
bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark
in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer
mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-
stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein
Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde
jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch
der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll
heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben, je
nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.
Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-) Heimstätten auf dem Lande
dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann
muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der
Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An
Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht. Abgesehen von den
großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur
Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-
lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen
bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen
zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar
nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung
auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.
Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,
nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis
des Hausbaues und zu seinem jetzigen Ertragswert als "Überteuerungs-
zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-
nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),
nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine
und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen
also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird
diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben! Noch ist aber
keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im
Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-
not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine neue hohe Summe
bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen
werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"
zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist
die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine
so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser
erstellen kann.
Ich komme zum Schluß und stelle zusammenfassend fest, daß
Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-
lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber
"bezugsfertige Heimstätten" nicht bereitgestellt werden konnten. Wer
siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen,
sondern muß sich selbst helfen. Organisationen zur Vertretung der
Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,
sich solchen Verbänden anzuschließen.
rechte Seite
Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die
heimkehrenden Kriegsgefangenen
Zeichnung siehe oben
linke Spalte
Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege
nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-
gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-
lernten Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-
licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man
den ausgebildeten Arbeiter.
Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-
geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-
ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-
produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-
niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-
fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-
lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen
Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und Ein-
richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-
bedarf zu schaffen.
Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-
fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen
für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der
Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft
geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in
der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,
so reichten diese Kräfte doch nicht aus, um die Produktion auf der
Höhe zu halten.
Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche
Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp
wurden. Überall mußte "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem
Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.
Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-
duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,
mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-
keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.
Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-
bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen
der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die
Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst
glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die
Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen
wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf
den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen. Dazu trat der
Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.
Auch die Nebenerscheinungen der Revolution, die Abschaffung
der Akkordarbeit, die Erhöhung der Stundenlöhne, die Verminderung
der Arbeitszeit, die überall auftretenden Nebenregierungen wirkten
darauf hin, daß dauernd die Arbeitsleistungen sanken, und daß der
Wert der geleisteten Arbeit nicht mehr im wirtschaftlichen Verhältnis
zu den aufgewendeten Löhnen stand.
Auf diese Weise stiegen die Preise für Lebensmittel und alle
ähnlichen Produkte, welche nicht der Zwangsbewirtschaftung unter-
lagen, ganz gewaltig, und auch die Zwangsbewirtschaftung konnte bei
den ihr unterstellten Gegenständen eine dauernde Steigerung und
Aufwärtsbewegung der Preise nicht hemmen.
rechte Spalte
So sank die Produktion in der Landwirtschaft, in den Berg-
werken, den Braunkohlengruben, den Erzgruben, den Eisenhütten und
Stahlwerken, den Waggon- und Lokomotivwerken, den Kali- und
Stickstoffwerken. Überall dort, wo eine vermehrte Produktion drin-
gend notwendig gewesen wäre, um den Wiederaufbau der Friedens-
wirtschaft zu fördern, wurde die Steigerung der Produktion künstlich,
durch Streiks, behindert.
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es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
______________________________________________________________________
Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt
werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit
ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-
absicht herangehen. Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten
wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein
bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark
in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer
mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-
stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein
Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde
jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch
der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll
heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben, je
nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.
Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-) Heimstätten auf dem Lande
dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann
muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der
Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An
Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht. Abgesehen von den
großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur
Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-
lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen
bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen
zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar
nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung
auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.
Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,
nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis
des Hausbaues und zu seinem jetzigen Ertragswert als "Überteuerungs-
zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-
nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),
nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine
und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen
also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird
diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben! Noch ist aber
keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im
Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-
not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine neue hohe Summe
bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen
werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"
zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist
die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine
so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser
erstellen kann.
Ich komme zum Schluß und stelle zusammenfassend fest, daß
Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-
lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber
"bezugsfertige Heimstätten" nicht bereitgestellt werden konnten. Wer
siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen,
sondern muß sich selbst helfen. Organisationen zur Vertretung der
Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,
sich solchen Verbänden anzuschließen.
rechte Seite
Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die
heimkehrenden Kriegsgefangenen
Zeichnung siehe oben
linke Spalte
Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege
nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-
gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-
lernten Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-
licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man
den ausgebildeten Arbeiter.
Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-
geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-
ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-
produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-
niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-
fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-
lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen
Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und Ein-
richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-
bedarf zu schaffen.
Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-
fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen
für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der
Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft
geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in
der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,
so reichten diese Kräfte doch nicht aus, um die Produktion auf der
Höhe zu halten.
Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche
Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp
wurden. Überall mußte "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem
Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.
Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-
duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,
mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-
keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.
Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-
bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen
der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die
Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst
glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die
Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen
wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf
den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen. Dazu trat der
Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.
Auch die Nebenerscheinungen der Revolution, die Abschaffung
der Akkordarbeit, die Erhöhung der Stundenlöhne, die Verminderung
der Arbeitszeit, die überall auftretenden Nebenregierungen wirkten
darauf hin, daß dauernd die Arbeitsleistungen sanken, und daß der
Wert der geleisteten Arbeit nicht mehr im wirtschaftlichen Verhältnis
zu den aufgewendeten Löhnen stand.
Auf diese Weise stiegen die Preise für Lebensmittel und alle
ähnlichen Produkte, welche nicht der Zwangsbewirtschaftung unter-
lagen, ganz gewaltig, und auch die Zwangsbewirtschaftung konnte bei
den ihr unterstellten Gegenständen eine dauernde Steigerung und
Aufwärtsbewegung der Preise nicht hemmen.
rechte Spalte
-
linke Seite
linke Spalte
es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
______________________________________________________________________
Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt
werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit
ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-
absicht herangehen. Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten
wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein
bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark
in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer
mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-
stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein
Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde
jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch
der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll
heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben, je
nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.
Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-) Heimstätten auf dem Lande
dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann
muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der
Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An
Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht. Abgesehen von den
großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur
Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-
lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen
bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen
zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar
nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung
auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.
Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,
nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis
des Hausbaues und zu seinem jetzigen Ertragswert als "Überteuerungs-
zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-
nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),
nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine
und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen
also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird
diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben! Noch ist aber
keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im
Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-
not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine neue hohe Summe
bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen
werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"
zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist
die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine
so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser
erstellen kann.
Ich komme zum Schluß und stelle zusammenfassend fest, daß
Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-
lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber
"bezugsfertige Heimstätten" nicht bereitgestellt werden konnten. Wer
siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen,
sondern muß sich selbst helfen. Organisationen zur Vertretung der
Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,
sich solchen Verbänden anzuschließen.
rechte Seite
Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die
heimkehrenden Kriegsgefangenen
Zeichnung siehe oben
linke Spalte
Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege
nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-
gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-
lernen Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-
licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man
den ausgebildeten Arbeiter.
Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-
geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-
ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-
produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-
niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-
fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-
lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen
Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und Ein-
richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-
bedarf zu schaffen.
Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-
fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen
für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der
Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft
geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in
der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,
so reichten diese Kräfte doch nicht aus, um die Produktion auf der
Höhe zu halten.
Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche
Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp
wurden. Überall mußte "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem
Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.
Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-
duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,
mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-
keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.
Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-
bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen
der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die
Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst
glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die
Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen
wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf
den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen. Dazu trat der
Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.
Auch die Nebenerscheinungen der Revolution, die Abschaffung
der Akkordarbeit, die Erhöhung der Stundenlöhne, die Verminderung
der Arbeitszeit, die überall auftretenden Nebenregierungen wirkten
darauf hin, daß dauernd die Arbeitsleistungen sanken, und daß der
Wert der geleisteten Arbeit nicht mehr im wirtschaftlichen Verhältnis
zu den aufgewendeten Löhnen stand.
Auf diese Weise stiegen die Preise für Lebensmittel und alle
ähnlichen Produkte, welche nicht der Zwangsbewirtschaftung unter-
lagen, ganz gewaltig, und auch die Zwangsbewirtschaftung konnte bei
den ihr unterstellten Gegenständen eine dauernde Steigerung und
Aufwärtsbewegung der Preise nicht hemmen.
-
linke Seite
linke Spalte
es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
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Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt
werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit
ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-
absicht herangehen. Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten
wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein
bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark
in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer
mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-
stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein
Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde
jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch
der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll
heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben, je
nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.
Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-) Heimstätten auf dem Lande
dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann
muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der
Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An
Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht. Abgesehen von den
großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur
Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-
lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen
bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen
zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar
nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung
auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.
Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,
nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis
des Hausbaues und zu seinem jetzigen Ertragswert als "Überteuerungs-
zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-
nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),
nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine
und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen
also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird
diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben! Noch ist aber
keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im
Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-
not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine neue hohe Summe
bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen
werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"
zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist
die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine
so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser
erstellen kann.
Ich komme zum Schluß und stelle zusammenfassend fest, daß
Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-
lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber
"bezugsfertige Heimstätten" nicht bereitgestellt werden konnten. Wer
siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen,
sondern muß sich selbst helfen. Organisationen zur Vertretung der
Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,
sich solchen Verbänden anzuschließen.
rechte Seite
Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die
heimkehrenden Kriegsgefangenen
Zeichnung siehe oben
linke Spalte
Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege
nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-
gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-
lernen Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-
licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man
den ausgebildeten Arbeiter.
Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-
geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-
ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-
produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-
niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-
fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-
lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen
Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und Ein-
richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-
bedarf zu schaffen.
Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-
fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen
für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der
Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft
geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in
der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,
so reichten diese Kräfte doch nicht aus, um die Produktion auf der
Höhe zu halten.
Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche
Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp
wurden. Überall mußte "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem
Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.
Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-
duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,
mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-
keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.
Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-
bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen
der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die
Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst
glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die
Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen
wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf
den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen. Dazu trat der
Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.
-
linke Seite
linke Spalte
es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
______________________________________________________________________
Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt
werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit
ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-
absicht herangehen. Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten
wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein
bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark
in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer
mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-
stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein
Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde
jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch
der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll
heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben, je
nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.
Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-) Heimstätten auf dem Lande
dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann
muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der
Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An
Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht. Abgesehen von den
großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur
Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-
lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen
bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen
zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar
nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung
auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.
Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,
nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis
des Hausbaues und zu seinem jetzigen Ertragswert als "Überteuerungs-
zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-
nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),
nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine
und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen
also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird
diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben! Noch ist aber
keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im
Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-
not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine neue hohe Summe
bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen
werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"
zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist
die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine
so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser
erstellen kann.
Ich komme zum Schluß und stelle zusammenfassend fest, daß
Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-
lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber
"bezugsfertige Heimstätten" nicht bereitgestellt werden konnten. Wer
siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen,
sondern muß sich selbst helfen. Organisationen zur Vertretung der
Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,
sich solchen Verbänden anzuschließen.
rechte Seite
Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die
heimkehrenden Kriegsgefangenen
Zeichnung siehe oben
linke Spalte
Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege
nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-
gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-
lernen Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-
licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man
den ausgebildeten Arbeiter.
Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-
geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-
ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-
produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-
niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-
fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-
lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen
Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und Ein-
richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-
bedarf zu schaffen.
Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-
fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen
für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der
Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft
geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in
der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,
so reichten diese Kräfte doch nicht aus, um die Produktion auf der
Höhe zu halten.
Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche
Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp
wurden. Überall mußte "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem
Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.
Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-
duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,
mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-
keit und de Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.
Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-
bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen
der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die
Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst
glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die
Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen
wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf
den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen. Dazu trat der
Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.
-
linke Seite
linke Spalte
es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
______________________________________________________________________
Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt
werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit
ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-
absicht herangehen. Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten
wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein
bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark
in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer
mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-
stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein
Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde
jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch
der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll
heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben, je
nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.
Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-) Heimstätten auf dem Lande
dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann
muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der
Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An
Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht. Abgesehen von den
großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur
Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-
lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen
bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen
zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar
nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung
auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.
Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,
nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis
des Hausbaues und zu seinem jetzigen Ertragswert als "Überteuerungs-
zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-
nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),
nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine
und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen
also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird
diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben! Noch ist aber
keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im
Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-
not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine neue hohe Summe
bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen
werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"
zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist
die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine
so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser
erstellen kann.
Ich komme zum Schluß und stelle zusammenfassend fest, daß
Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-
lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber
"bezugsfertige Heimstätten" nicht bereitgestellt werden konnten. Wer
siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen,
sondern muß sich selbst helfen. Organisationen zur Vertretung der
Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,
sich solchen Verbänden anzuschließen.
rechte Seite
Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die
heimkehrenden Kriegsgefangenen
Zeichnung siehe oben
linke Spalte
Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege
nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-
gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-
lernen Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-
licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man
den ausgebildeten Arbeiter.
Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-
geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-
ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-
produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-
niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-
fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-
lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen
Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und Ein-
richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-
bedarf zu schaffen.
Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-
fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen
für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der
Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft
geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in
der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,
so reichten diese Kräfte doch nicht aus, um die Produktion auf der
Höhe zu halten.
Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche
Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp
wurden. Überall mußte "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem
Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.
Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-
duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,
mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, Industriearbeiter.
Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-
bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen
der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die
Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst
glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die
Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen
wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf
den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen. Dazu trat der
Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.
-
linke Seite
linke Spalte
es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
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Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt
werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit
ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-
absicht herangehen. Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten
wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein
bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark
in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer
mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-
stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein
Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde
jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch
der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll
heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben, je
nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.
Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-) Heimstätten auf dem Lande
dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann
muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der
Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An
Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht. Abgesehen von den
großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur
Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-
lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen
bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen
zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar
nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung
auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.
Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,
nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis
des Hausbaues und zu seinem jetzigen Ertragswert als "Überteuerungs-
zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-
nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),
nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine
und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen
also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird
diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben! Noch ist aber
keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im
Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-
not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine neue hohe Summe
bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen
werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"
zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist
die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine
so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser
erstellen kann.
Ich komme zum Schluß und stelle zusammenfassend fest, daß
Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-
lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber
"bezugsfertige Heimstätten" nicht bereitgestellt werden konnten. Wer
siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen,
sondern muß sich selbst helfen. Organisationen zur Vertretung der
Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,
sich solchen Verbänden anzuschließen.
rechte Seite
Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die
heimkehrenden Kriegsgefangenen
Zeichnung siehe oben
linke Spalte
Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege
nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-
gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-
lernen Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-
licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man
den ausgebildeten Arbeiter.
Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-
geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-
ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-
produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-
niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-
fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-
lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen
Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und Ein-
richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-
bedarf zu schaffen.
Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-
fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen
für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der
Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft
geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in
der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,
so reichten diese Kräfte doch nicht aus, um die Produktion auf der
Höhe zu halten.
Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche
Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp
wurden. Überall mußte "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem
Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.
Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-
duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,
mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-
keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren industriearbeiter.
Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-
bei.
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linke Seite
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es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
______________________________________________________________________
Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt
werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit
ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-
absicht herangehen. Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten
wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein
bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark
in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer
mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-
stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein
Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde
jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch
der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll
heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben, je
nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.
Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-) Heimstätten auf dem Lande
dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann
muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der
Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An
Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht. Abgesehen von den
großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur
Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-
lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen
bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen
zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar
nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung
auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.
Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,
nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis
des Hausbaues und zu seinem jetzigen Ertragswert als "Überteuerungs-
zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-
nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),
nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine
und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen
also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird
diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben! Noch ist aber
keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im
Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-
not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine neue hohe Summe
bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen
werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"
zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist
die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine
so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser
erstellen kann.
Ich komme zum Schluß und stelle zusammenfassend fest, daß
Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-
lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber
"bezugsfertige Heimstätten" nicht bereitgestellt werden konnten. Wer
siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen,
sondern muß sich selbst helfen. Organisationen zur Vertretung der
Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,
sich solchen Verbänden anzuschließen.
rechte Seite
Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die
heimkehrenden Kriegsgefangenen
Zeichnung siehe oben
linke Spalte
Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege
nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-
gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-
lernen Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-
licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man
den ausgebildeten Arbeiter.
Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-
geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-
ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-
produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-
niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-
fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-
lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen
Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und Ein-
richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-
bedarf zu schaffen.
-
linke Seite
linke Spalte
es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
______________________________________________________________________
Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt
werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit
ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-
absicht herangehen. Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten
wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein
bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark
in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer
mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-
stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein
Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde
jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch
der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll
heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben, je
nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.
Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-) Heimstätten auf dem Lande
dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann
muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der
Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An
Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht. Abgesehen von den
großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur
Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-
lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen
bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen
zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar
nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung
auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.
Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,
nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis
des Hausbaues und zu seinem jetzigen Ertragswert als "Überteuerungs-
zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-
nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),
nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine
und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen
also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird
diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben! Noch ist aber
keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im
Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-
not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine neue hohe Summe
bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen
werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"
zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist
die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine
so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser
erstellen kann.
Ich komme zum Schluß und stelle zusammenfassend fest, daß
Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-
lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber
"bezugsfertige Heimstätten" nicht bereitgestellt werden konnten. Wer
siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen,
sondern muß sich selbst helfen. Organisationen zur Vertretung der
Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,
sich solchen Verbänden anzuschließen.
rechte Seite
Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die
heimkehrenden Kriegsgefangenen
Zeichnung siehe oben
linke Spalte
Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege
nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-
gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-
lernen Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-
licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man
den ausgebildeten Arbeiter.
Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-
geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-
ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-
produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-
niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-
fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-
lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen
Hochleistungmaschinen, mit bsonderen Spezialmaschinen und Ein-
richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-
bedarf zu schaffen.
-
linke Seite
linke Spalte
es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
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Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt
werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit
ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-
absicht herangehen. Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten
wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein
bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark
in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer
mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-
stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein
Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde
jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch
der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll
heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben, je
nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.
Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-) Heimstätten auf dem Lande
dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann
muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der
Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An
Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht. Abgesehen von den
großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur
Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-
lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen
bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen
zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar
nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung
auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.
Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,
nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis
des Hausbaues und zu seinem jetzigen Ertragswert als "Überteuerungs-
zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-
nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),
nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine
und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen
also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird
diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben! Noch ist aber
keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im
Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-
not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine neue hohe Summe
bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen
werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"
zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist
die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine
so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser
erstellen kann.
Ich komme zum Schluß und stelle zusammenfassend fest, daß
Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-
lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber
"bezugsfertige Heimstätten" nicht bereitgestellt werden konnten. Wer
siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen,
sondern muß sich selbst helfen. Organisationen zur Vertretung der
Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,
sich solchen Verbänden anzuschließen.
rechte Seite
Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die
heimkehrenden Kriegsgefangenen
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linke Seite
linke Spalte
es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
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Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt
werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit
ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-
absicht herangehen. Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten
wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein
bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark
in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer
mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-
stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein
Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde
jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch
der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll
heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben, je
nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.
Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-) Heimstätten auf dem Lande
dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann
muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der
Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An
Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht. Abgesehen von den
großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur
Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-
lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen
bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen
zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar
nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung
auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.
Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,
nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis
des Hausbaues und zu seinem jetzigen Ertragswert als "Überteuerungs-
zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-
nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),
nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine
und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen
also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird
diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben! Noch ist aber
keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im
Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-
not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine neue hohe Summe
bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen
werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"
zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist
die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine
so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser
erstellen kann.
Ich komme zum Schluß und stelle zusammenfassend fest, daß
Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-
lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber
"bezugsfertige Heimstätten" nicht bereitgestellt werden konnten. Wer
siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen,
sondern muß sich selbst helfen. Organisationen zur Vertretung der
Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,
sich solchen Verbänden anzuschließen.
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es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
______________________________________________________________________
Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt
werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit
ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-
absicht herangehen. Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten
wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein
bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark
in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer
mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-
stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein
Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde
jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch
der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll
heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben, je
nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.
Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-) Heimstätten auf dem Lande
dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann
muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der
Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. _an
Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht. Abgesehen von den
großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur
Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-
lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen
bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen
zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar
nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung
auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.
Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,
nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis
des Hausbaues und zu seinem jetzigen Ertragswert als "Überteuerungs-
zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-
nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),
nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine
und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen
also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird
diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben! Noch ist aber
keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im
Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-
not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine neue hohe Summe
bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen
werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"
zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist
die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine
so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser
erstellen kann.
Ich komme zum Schluß und stelle zusammenfassend fest, daß
Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-
lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber
"bezugsfertige Heimstätten" nicht bereitgestellt werden konnten. Wer
siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen,
sondern muß sich selbst helfen. Organisationen zur Vertretung der
Interessen der Siiedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,
sich solchen Verbänden anzuschließen.
-
linke Seite
linke Spalte
es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
______________________________________________________________________
Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt
werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit
ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-
-
linke Seite
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es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
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Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
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Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
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es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
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Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab Ihr gabt uns das Geleite . Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
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es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
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Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab
Ihr gabt uns das Geleite. Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
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es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
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Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab
Ihr gabt uns das Geleite. Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
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es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
______________________________________________________________________
Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab
Ihr gabt uns das Geleite. Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
rechte Spalte
Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen
siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine
neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-
geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich einer der Pro-
vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.
-
linke Seite
linke Spalte
es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
______________________________________________________________________
Der Krieg ist aus, wir ziehen heim Kameradengräber auf und ab,
Von ferner, fremder Heide, Im Feld, am Weg, an Rainen;
Kameradengräber hier und dort, Es wusch die meisten Namen ab
Ihr gabt uns das Geleite. Vom Kreuz des Regens Weinen.
Kameradengräber ab und auf, Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging
Verfallen und verwittert, Durchs Land in Nebelschwaden; Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf, Wir sprachen noch ein still Gebet:
Hier schutzlos, dort umgittert. Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.
-
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den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
______________________________________________________________________
Der Krieg ist aus, wir ziehen heim
Von ferner, fremder Heide,
Kameradengräber hier und dort,
Ihr gabt uns das Geleite.
Kameradengräber ab und auf,
Verfallen und verwittert,
Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,
Hier schutzlos, dort umgittert.
Fortsetzung Ende rechter Spalte
-
linke Seite
linke Spalte
es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten
______________________________________________________________________
Der Krieg ist aus, wir ziehen heim
Von ferner, fremder Heide,
Kameradengräber hier und dort,
Ihr gabt uns das Geleite.
Kameradengräber ab und auf,
V efallen und verwittert,
Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,
Hier schutzlos, dort umgittert.
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es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltesten
-
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es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Derr
Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen
Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur
ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf
notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es
sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,
ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen
Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-
geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltesten
-
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es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
werden.
Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-
sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwind-
dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch
eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-
gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der
Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur
Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen
Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird
sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.
Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,
aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her
gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden
gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach
einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,
sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband,
als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-
verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer
Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-
nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-
ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen.
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es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in
Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"
(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der
Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""
(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die
heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden
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es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann. Also
bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und gleich-
strebenden Kameraden zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf
genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen
denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände
ein. Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in
Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben
gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-
Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner
Mitglieder befriedigen helfen will. Der Genossenschaftsanteil beträgt
300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.
Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild
folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-
kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert
sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem
Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen
vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht
organisiert sind, empfiehlt ich der Beitritt zu einem Siedlerverein,
die sich jetzt auch allerwärts bilden.
-
linke Seite
linke Spalte
es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft
anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-
den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß
der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.
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Lille, Frankreich
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Story location Lille, Frankreich
- ID
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- Contributor
- Uta Hentschel
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