Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 64

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 linke Seite 

 linke Spalte 

es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

werden.

     Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

     So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

______________________________________________________________________


Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                    

Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



 rechte Spalte 

Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

     Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-

absicht herangehen.  Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten

wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein

bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark

in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer

mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-

stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein

Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde

jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch

der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll

heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben,  je

nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.

Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-)  Heimstätten  auf dem Lande

dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann

muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der

Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An

Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht.  Abgesehen von den

großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur

Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-

lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen

bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen

zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar

nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung

auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.

Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,

nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis

des Hausbaues und zu seinem jetzigen  Ertragswert als "Überteuerungs-

zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-

nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),

nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine

und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen

also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird

diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben!  Noch ist aber

keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im

Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-

not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine  neue hohe Summe

bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen

werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"

zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist

die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine

so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser

erstellen kann.

     Ich komme zum Schluß  und stelle zusammenfassend fest, daß

Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-

lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber

"bezugsfertige Heimstätten"  nicht bereitgestellt werden konnten. Wer

siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen, 

sondern muß sich selbst helfen.  Organisationen zur Vertretung der

Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,

sich solchen Verbänden anzuschließen.


 rechte Seite 

Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die

                        heimkehrenden Kriegsgefangenen


                                           Zeichnung siehe oben 


 linke Spalte 

    Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege

nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-

gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-

lernten Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-

licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man

den ausgebildeten Arbeiter.

     Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-

geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-

ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-

produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-

niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-

fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-

lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen

Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und  Ein-

richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-

bedarf zu schaffen.

     Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-

fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen

für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der

Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft

geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in

der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,

so reichten diese Kräfte doch nicht aus,  um die Produktion auf der

Höhe zu halten.

     Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche

Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp

wurden. Überall mußte  "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem

Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.

Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-

duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,

mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-

keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.

     Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-

bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen

der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die

Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst

glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die

Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen

wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf

den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen.  Dazu trat der

Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.

     Auch die Nebenerscheinungen der Revolution, die Abschaffung

der Akkordarbeit, die Erhöhung der Stundenlöhne, die Verminderung

der Arbeitszeit, die überall auftretenden Nebenregierungen wirkten

darauf hin, daß dauernd die Arbeitsleistungen sanken, und daß der

Wert der geleisteten Arbeit nicht mehr im wirtschaftlichen Verhältnis

zu den aufgewendeten Löhnen stand.

     Auf diese Weise stiegen die Preise für Lebensmittel und alle

ähnlichen Produkte, welche nicht der Zwangsbewirtschaftung unter-

lagen, ganz gewaltig, und auch die Zwangsbewirtschaftung konnte bei

den ihr unterstellten Gegenständen eine dauernde Steigerung und

Aufwärtsbewegung der Preise nicht hemmen.

     

 rechte Spalte 

     So sank die Produktion in der Landwirtschaft, in den Berg-

werken, den Braunkohlengruben, den Erzgruben, den Eisenhütten und

Stahlwerken, den Waggon- und Lokomotivwerken, den Kali- und

Stickstoffwerken. Überall dort, wo eine vermehrte Produktion drin-

gend notwendig gewesen wäre, um den Wiederaufbau der Friedens-

wirtschaft zu fördern, wurde die Steigerung der Produktion künstlich,

durch Streiks, behindert. 

     So wurden Kohlen und Rohmaterialien vielen Werken ent-

zogen, bei denen sonst Arbeitsgelegenheit in größerem Umfange vor-

handen war; durch den Mangel an Kohle und Rohmaterial wurden

sie zur Einschränkung der Arbeitszeit, zu vorübergehender Still-

legung, zur Vergeudung ihrer Reserven und Betriebsmittel ge-

zwungen.

     Dazu kam die Hinauszögerung des Friedens, dazu kamen die

harten Friedensbedingungen, welche uns von der Entente auf-

gezwungen worden sind. Was die aus der Gefangenschaft heim-

kehrenden Kameraden erduldet haben, das soll in der Heimat fort-

gesetzt, das soll dem ganzen deutschen Volke im eigenen Lande auf-

gezwungen werden.

     Unsere Industrie, ihre Blüte und Leistungsfähigkeit, wurde uns

geneidet, darum soll unsere Industrie zu Tode getroffen werden, ihre

Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkte soll vernichtet werden. Und

wenn dies nicht gelingt, so sollen unsere Industrie und unsere In-

dustriearbeiter für die Interessen unserer bisherigen Feinde aus-

gebeutet werden. Aber es gibt für uns noch Mittel und Wege, den

drückendsten Mangel an Nahrungsmitteln und den größten Mangel

an vielen Rohmaterialien zu beseitigen. Über 500 000 landfremde

Hilfsarbeiter wurden in der Landwirtschaft jährlich benötigt, um alle

Arbeiten bewältigen zu können. Italiener, Polen und andere Aus-

länder arbeiteten zu Tausenden in unseren Kaliwerken, Kohlenwerken

und den Eisenhütten, um die Anforderungen erfüllen zu können,

welche an unsere Industrie gestellt wurden.

     Dort ist der Platz für unsere, aus der Gefangenschaft zurück-

kehrenden Kämpfer. Durch rastlose Arbeit muß die Produktion un-

serer Landwirtschaft gehoben, die Kultivierung von Ödländereien

durchgeführt werden. Durch rege Arbeit muß die Förderung in den

Kaliwerken, die Produktion sonstiger Düngemittel gehoben werden,

damit dem ausgesaugten Boden neue Kraft zugeführt werden kann.

Beschleunigt müssen Lokomotiven und sonstige Transportmittel her-

gestellt werden. Für die Inangriffnahme und Förderung aller dieser

Arbeiten ist die erste Voraussetzung, daß die Produktion in den

Kohlenbergwerken wesentlich vermehrt wird und falls dies nicht zu

erreichen sein sollte, würde eine erhöhte Ausbeutung unserer Braun-

kohlengruben aushelfen müssen.

     Sind die Aussichten in den Industrien auch trübe, so gilt für

die aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Kameraden um so mehr

der Satz: "Arbeiten und nicht verzweifeln".  Die Kriegervereine, be-

sonders auf dem Lande und in den kleineren Städten, werden sich be-

mühen, auch die aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Kameraden

zu unterstützen, wie seinerzeit die aus dem Felde zurückkehrenden

Kameraden, wenn sie den redlichen Willen zu nutzbringender und

redlicher Arbeit haben.    

                                                   Geheimrat H ö l z e r m a n n,  Potsdam.

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es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

(Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

(Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

werden.

     Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

     So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

______________________________________________________________________


Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                    

Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



 rechte Spalte 

Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

     Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-

absicht herangehen.  Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten

wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein

bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark

in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer

mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-

stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein

Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde

jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch

der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll

heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben,  je

nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.

Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-)  Heimstätten  auf dem Lande

dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann

muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der

Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An

Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht.  Abgesehen von den

großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur

Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-

lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen

bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen

zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar

nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung

auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.

Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,

nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis

des Hausbaues und zu seinem jetzigen  Ertragswert als "Überteuerungs-

zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-

nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),

nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine

und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen

also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird

diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben!  Noch ist aber

keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im

Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-

not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine  neue hohe Summe

bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen

werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"

zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist

die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine

so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser

erstellen kann.

     Ich komme zum Schluß  und stelle zusammenfassend fest, daß

Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-

lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber

"bezugsfertige Heimstätten"  nicht bereitgestellt werden konnten. Wer

siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen, 

sondern muß sich selbst helfen.  Organisationen zur Vertretung der

Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,

sich solchen Verbänden anzuschließen.


 rechte Seite 

Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die

                        heimkehrenden Kriegsgefangenen


                                           Zeichnung siehe oben 


 linke Spalte 

    Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege

nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-

gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-

lernten Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-

licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man

den ausgebildeten Arbeiter.

     Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-

geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-

ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-

produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-

niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-

fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-

lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen

Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und  Ein-

richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-

bedarf zu schaffen.

     Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-

fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen

für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der

Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft

geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in

der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,

so reichten diese Kräfte doch nicht aus,  um die Produktion auf der

Höhe zu halten.

     Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche

Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp

wurden. Überall mußte  "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem

Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.

Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-

duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,

mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-

keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.

     Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-

bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen

der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die

Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst

glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die

Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen

wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf

den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen.  Dazu trat der

Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.

     Auch die Nebenerscheinungen der Revolution, die Abschaffung

der Akkordarbeit, die Erhöhung der Stundenlöhne, die Verminderung

der Arbeitszeit, die überall auftretenden Nebenregierungen wirkten

darauf hin, daß dauernd die Arbeitsleistungen sanken, und daß der

Wert der geleisteten Arbeit nicht mehr im wirtschaftlichen Verhältnis

zu den aufgewendeten Löhnen stand.

     Auf diese Weise stiegen die Preise für Lebensmittel und alle

ähnlichen Produkte, welche nicht der Zwangsbewirtschaftung unter-

lagen, ganz gewaltig, und auch die Zwangsbewirtschaftung konnte bei

den ihr unterstellten Gegenständen eine dauernde Steigerung und

Aufwärtsbewegung der Preise nicht hemmen.

     

 rechte Spalte 

     So sank die Produktion in der Landwirtschaft, in den Berg-

werken, den Braunkohlengruben, den Erzgruben, den Eisenhütten und

Stahlwerken, den Waggon- und Lokomotivwerken, den Kali- und

Stickstoffwerken. Überall dort, wo eine vermehrte Produktion drin-

gend notwendig gewesen wäre, um den Wiederaufbau der Friedens-

wirtschaft zu fördern, wurde die Steigerung der Produktion künstlich,

durch Streiks, behindert. 

     So wurden Kohlen und Rohmaterialien vielen Werken ent-

zogen, bei denen sonst Arbeitsgelegenheit in größerem Umfange vor-

handen war; durch den Mangel an Kohle und Rohmaterial wurden

sie zur Einschränkung der Arbeitszeit, zu vorübergehender Still-

legung, zur Vergeudung ihrer Reserven und Betriebsmittel ge-

zwungen.

     Dazu kam die Hinauszögerung des Friedens, dazu kamen die

harten Friedensbedingungen, welche uns von der Entente auf-

gezwungen worden sind. Was die aus der Gefangenschaft heim-

kehrenden Kameraden erduldet haben, das soll in der Heimat fort-

gesetzt, das soll dem ganzen deutschen Volke im eigenen Lande auf-

gezwungen werden.

     Unsere Industrie, ihre Blüte und Leistungsfähigkeit, wurde uns

geneidet, darum soll unsere Industrie zu Tode getroffen werden, ihre

Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkte soll vernichtet werden. Und

wenn dies nicht gelingt, so sollen unsere Industrie und unsere In-

dustriearbeiter für die Interessen unserer bisherigen Feinde aus-

gebeutet werden. Aber es gibt für uns noch Mittel und Wege, den

drückendsten Mangel an Nahrungsmitteln und den größten Mangel

an vielen Rohmaterialien zu beseitigen. Über 500 000 landfremde

Hilfsarbeiter wurden in der Landwirtschaft jährlich benötigt, um alle

Arbeiten bewältigen zu können. Italiener, Polen und andere Aus-

länder arbeiteten zu Tausenden in unseren Kaliwerken, Kohlenwerken

und den Eisenhütten, um die Anforderungen erfüllen zu können,

welche an unsere Industrie gestellt wurden.

     Dort ist der Platz für unsere, aus der Gefangenschaft zurück-

kehrenden Kämpfer. Durch rastlose Arbeit muß die Produktion un-

serer Landwirtschaft gehoben, die Kultivierung von Ödländereien

durchgeführt werden. Durch rege Arbeit muß die Förderung in den

Kaliwerken, die Produktion sonstiger Düngemittel gehoben werden,

damit dem ausgesaugten Boden neue Kraft zugeführt werden kann.

Beschleunigt müssen Lokomotiven und sonstige Transportmittel her-

gestellt werden. Für die Inangriffnahme und Förderung aller dieser

Arbeiten ist die erste Voraussetzung, daß die Produktion in den

Kohlenbergwerken wesentlich vermehrt wird und falls dies nicht zu

erreichen sein sollte, würde eine erhöhte Ausbeutung unserer Braun-

kohlengruben aushelfen müssen.

     Sind die Aussichten in den Industrien auch trübe, so gilt für

die aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Kameraden um so mehr

der Satz: "Arbeiten und nicht verzweifeln".  Die Kriegervereine, be-

sonders auf dem Lande und in den kleineren Städten, werden sich be-

mühen, auch die aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Kameraden

zu unterstützen, wie seinerzeit die aus dem Felde zurückkehrenden

Kameraden, wenn sie den redlichen Willen zu nutzbringender und

redlicher Arbeit haben.    

                                                   Geheimrat H ö l z e r m a n n,  Potsdam.


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  • June 28, 2017 21:07:38 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

         Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

    werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

    ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-

    absicht herangehen.  Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten

    wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein

    bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark

    in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer

    mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-

    stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein

    Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde

    jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch

    der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll

    heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben,  je

    nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.

    Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-)  Heimstätten  auf dem Lande

    dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann

    muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der

    Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An

    Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht.  Abgesehen von den

    großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur

    Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-

    lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen

    bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen

    zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar

    nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung

    auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.

    Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,

    nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis

    des Hausbaues und zu seinem jetzigen  Ertragswert als "Überteuerungs-

    zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-

    nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),

    nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine

    und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen

    also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird

    diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben!  Noch ist aber

    keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im

    Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-

    not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine  neue hohe Summe

    bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen

    werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"

    zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist

    die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine

    so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser

    erstellen kann.

         Ich komme zum Schluß  und stelle zusammenfassend fest, daß

    Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-

    lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber

    "bezugsfertige Heimstätten"  nicht bereitgestellt werden konnten. Wer

    siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen, 

    sondern muß sich selbst helfen.  Organisationen zur Vertretung der

    Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,

    sich solchen Verbänden anzuschließen.


     rechte Seite 

    Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die

                            heimkehrenden Kriegsgefangenen


                                               Zeichnung siehe oben 


     linke Spalte 

        Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege

    nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-

    gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-

    lernten Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-

    licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man

    den ausgebildeten Arbeiter.

         Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-

    geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-

    ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-

    produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-

    niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-

    fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-

    lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen

    Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und  Ein-

    richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-

    bedarf zu schaffen.

         Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-

    fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen

    für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der

    Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft

    geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in

    der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,

    so reichten diese Kräfte doch nicht aus,  um die Produktion auf der

    Höhe zu halten.

         Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche

    Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp

    wurden. Überall mußte  "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem

    Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.

    Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-

    duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,

    mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-

    keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.

         Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-

    bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen

    der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die

    Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst

    glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die

    Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen

    wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf

    den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen.  Dazu trat der

    Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.

         Auch die Nebenerscheinungen der Revolution, die Abschaffung

    der Akkordarbeit, die Erhöhung der Stundenlöhne, die Verminderung

    der Arbeitszeit, die überall auftretenden Nebenregierungen wirkten

    darauf hin, daß dauernd die Arbeitsleistungen sanken, und daß der

    Wert der geleisteten Arbeit nicht mehr im wirtschaftlichen Verhältnis

    zu den aufgewendeten Löhnen stand.

         Auf diese Weise stiegen die Preise für Lebensmittel und alle

    ähnlichen Produkte, welche nicht der Zwangsbewirtschaftung unter-

    lagen, ganz gewaltig, und auch die Zwangsbewirtschaftung konnte bei

    den ihr unterstellten Gegenständen eine dauernde Steigerung und

    Aufwärtsbewegung der Preise nicht hemmen.

         

     rechte Spalte 

         So sank die Produktion in der Landwirtschaft, in den Berg-

    werken, den Braunkohlengruben, den Erzgruben, den Eisenhütten und

    Stahlwerken, den Waggon- und Lokomotivwerken, den Kali- und

    Stickstoffwerken. Überall dort, wo eine vermehrte Produktion drin-

    gend notwendig gewesen wäre, um den Wiederaufbau der Friedens-

    wirtschaft zu fördern, wurde die Steigerung der Produktion künstlich,

    durch Streiks, behindert. 

         So wurden Kohlen und Rohmaterialien vielen Werken ent-

    zogen, bei denen sonst Arbeitsgelegenheit in größerem Umfange vor-

    handen war; durch den Mangel an Kohle und Rohmaterial wurden

    sie zur Einschränkung der Arbeitszeit, zu vorübergehender Still-

    legung, zur Vergeudung ihrer Reserven und Betriebsmittel ge-

    zwungen.

         Dazu kam die Hinauszögerung des Friedens, dazu kamen die

    harten Friedensbedingungen, welche uns von der Entente auf-

    gezwungen worden sind. Was die aus der Gefangenschaft heim-

    kehrenden Kameraden erduldet haben, das soll in der Heimat fort-

    gesetzt, das soll dem ganzen deutschen Volke im eigenen Lande auf-

    gezwungen werden.

         Unsere Industrie, ihre Blüte und Leistungsfähigkeit, wurde uns

    geneidet, darum soll unsere Industrie zu Tode getroffen werden, ihre

    Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkte soll vernichtet werden. Und

    wenn dies nicht gelingt, so sollen unsere Industrie und unsere In-

    dustriearbeiter für die Interessen unserer bisherigen Feinde aus-

    gebeutet werden. Aber es gibt für uns noch Mittel und Wege, den

    drückendsten Mangel an Nahrungsmitteln und den größten Mangel

    an vielen Rohmaterialien zu beseitigen. Über 500 000 landfremde

    Hilfsarbeiter wurden in der Landwirtschaft jährlich benötigt, um alle

    Arbeiten bewältigen zu können. Italiener, Polen und andere Aus-

    länder arbeiteten zu Tausenden in unseren Kaliwerken, Kohlenwerken

    und den Eisenhütten, um die Anforderungen erfüllen zu können,

    welche an unsere Industrie gestellt wurden.

         Dort ist der Platz für unsere, aus der Gefangenschaft zurück-

    kehrenden Kämpfer. Durch rastlose Arbeit muß die Produktion un-

    serer Landwirtschaft gehoben, die Kultivierung von Ödländereien

    durchgeführt werden. Durch rege Arbeit muß die Förderung in den

    Kaliwerken, die Produktion sonstiger Düngemittel gehoben werden,

    damit dem ausgesaugten Boden neue Kraft zugeführt werden kann.

    Beschleunigt müssen Lokomotiven und sonstige Transportmittel her-

    gestellt werden. Für die Inangriffnahme und Förderung aller dieser

    Arbeiten ist die erste Voraussetzung, daß die Produktion in den

    Kohlenbergwerken wesentlich vermehrt wird und falls dies nicht zu

    erreichen sein sollte, würde eine erhöhte Ausbeutung unserer Braun-

    kohlengruben aushelfen müssen.

         Sind die Aussichten in den Industrien auch trübe, so gilt für

    die aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Kameraden um so mehr

    der Satz: "Arbeiten und nicht verzweifeln".  Die Kriegervereine, be-

    sonders auf dem Lande und in den kleineren Städten, werden sich be-

    mühen, auch die aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Kameraden

    zu unterstützen, wie seinerzeit die aus dem Felde zurückkehrenden

    Kameraden, wenn sie den redlichen Willen zu nutzbringender und

    redlicher Arbeit haben.    

                                                       Geheimrat H ö l z e r m a n n,  Potsdam.

  • June 28, 2017 20:53:27 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

         Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

    werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

    ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-

    absicht herangehen.  Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten

    wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein

    bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark

    in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer

    mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-

    stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein

    Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde

    jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch

    der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll

    heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben,  je

    nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.

    Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-)  Heimstätten  auf dem Lande

    dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann

    muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der

    Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An

    Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht.  Abgesehen von den

    großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur

    Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-

    lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen

    bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen

    zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar

    nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung

    auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.

    Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,

    nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis

    des Hausbaues und zu seinem jetzigen  Ertragswert als "Überteuerungs-

    zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-

    nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),

    nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine

    und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen

    also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird

    diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben!  Noch ist aber

    keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im

    Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-

    not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine  neue hohe Summe

    bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen

    werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"

    zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist

    die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine

    so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser

    erstellen kann.

         Ich komme zum Schluß  und stelle zusammenfassend fest, daß

    Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-

    lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber

    "bezugsfertige Heimstätten"  nicht bereitgestellt werden konnten. Wer

    siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen, 

    sondern muß sich selbst helfen.  Organisationen zur Vertretung der

    Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,

    sich solchen Verbänden anzuschließen.


     rechte Seite 

    Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die

                            heimkehrenden Kriegsgefangenen


                                               Zeichnung siehe oben 


     linke Spalte 

        Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege

    nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-

    gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-

    lernten Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-

    licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man

    den ausgebildeten Arbeiter.

         Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-

    geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-

    ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-

    produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-

    niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-

    fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-

    lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen

    Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und  Ein-

    richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-

    bedarf zu schaffen.

         Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-

    fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen

    für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der

    Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft

    geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in

    der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,

    so reichten diese Kräfte doch nicht aus,  um die Produktion auf der

    Höhe zu halten.

         Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche

    Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp

    wurden. Überall mußte  "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem

    Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.

    Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-

    duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,

    mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-

    keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.

         Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-

    bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen

    der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die

    Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst

    glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die

    Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen

    wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf

    den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen.  Dazu trat der

    Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.

         Auch die Nebenerscheinungen der Revolution, die Abschaffung

    der Akkordarbeit, die Erhöhung der Stundenlöhne, die Verminderung

    der Arbeitszeit, die überall auftretenden Nebenregierungen wirkten

    darauf hin, daß dauernd die Arbeitsleistungen sanken, und daß der

    Wert der geleisteten Arbeit nicht mehr im wirtschaftlichen Verhältnis

    zu den aufgewendeten Löhnen stand.

         Auf diese Weise stiegen die Preise für Lebensmittel und alle

    ähnlichen Produkte, welche nicht der Zwangsbewirtschaftung unter-

    lagen, ganz gewaltig, und auch die Zwangsbewirtschaftung konnte bei

    den ihr unterstellten Gegenständen eine dauernde Steigerung und

    Aufwärtsbewegung der Preise nicht hemmen.

         

     rechte Spalte 

         So sank die Produktion in der Landwirtschaft, in den Berg-

    werken, den Braunkohlengruben, den Erzgruben, den Eisenhütten und

    Stahlwerken, den Waggon- und Lokomotivwerken, den Kali- und

    Stickstoffwerken. Überall dort, wo eine vermehrte Produktion drin-

    gend notwendig gewesen wäre, um den Wiederaufbau der Friedens-

    wirtschaft zu fördern, wurde die Steigerung der Produktion künstlich,

    durch Streiks, behindert. 

         So wurden Kohlen und Rohmaterialien vielen Werken ent-

    zogen, bei denen sonst Arbeitsgelegenheit in größerem Umfange vor-

    handen war; durch den Mangel an Kohle und Rohmaterial wurden

    sie zur Einschränkung der Arbeitszeit, zu vorübergehender Still-

    legung, zur Vergeudung ihrer Reserven und Betriebsmittel ge-

    zwungen.

         Dazu kam die Hinauszögerung des Friedens, dazu kamen die

    harten Friedensbedingungen, welche uns von der Entente auf-

    gezwungen worden sind. Was die aus der Gefangenschaft heim-

    kehrenden Kameraden erduldet haben, das soll in der Heimat fort-

    gesetzt, das soll dem ganzen deutschen Volke im eigenen Lande auf-

    gezwungen werden.

         Unsere Industrie, ihre Blüte und Leistungsfähigkeit, wurde uns

    geneidet, darum soll unsere Industrie zu Tode getroffen werden, ihre

    Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkte soll vernichtet werden. Und

    wenn dies nicht gelingt, so sollen unsere Industrie und unsere In-

    dustriearbeiter für die Interessen unserer bisherigen Feinde aus-

    gebeutet werden. Aber es gibt für uns noch Mittel und Wege, den

    drückendsten Mangel an Nahrungsmitteln und den größten Mangel

    an vielen Rohmaterialien zu beseitigen. Über 500 000 landfremde

    Hilfsarbeiter wurden in der Landwirtschaft jährlich benötigt, um alle

    Arbeiten bewältigen zu können. Italiener, Polen und andere Aus-

    länder arbeiteten zu Tausenden in unseren Kaliwerken, Kohlenwerken

    und den Eisenhütten, um die Anforderungen erfüllen zu können,

    welche an unsere Industrie gestellt wurden.

     



  • June 28, 2017 20:45:18 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

         Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

    werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

    ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-

    absicht herangehen.  Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten

    wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein

    bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark

    in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer

    mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-

    stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein

    Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde

    jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch

    der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll

    heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben,  je

    nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.

    Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-)  Heimstätten  auf dem Lande

    dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann

    muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der

    Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An

    Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht.  Abgesehen von den

    großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur

    Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-

    lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen

    bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen

    zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar

    nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung

    auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.

    Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,

    nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis

    des Hausbaues und zu seinem jetzigen  Ertragswert als "Überteuerungs-

    zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-

    nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),

    nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine

    und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen

    also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird

    diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben!  Noch ist aber

    keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im

    Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-

    not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine  neue hohe Summe

    bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen

    werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"

    zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist

    die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine

    so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser

    erstellen kann.

         Ich komme zum Schluß  und stelle zusammenfassend fest, daß

    Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-

    lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber

    "bezugsfertige Heimstätten"  nicht bereitgestellt werden konnten. Wer

    siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen, 

    sondern muß sich selbst helfen.  Organisationen zur Vertretung der

    Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,

    sich solchen Verbänden anzuschließen.


     rechte Seite 

    Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die

                            heimkehrenden Kriegsgefangenen


                                               Zeichnung siehe oben 


     linke Spalte 

        Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege

    nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-

    gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-

    lernten Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-

    licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man

    den ausgebildeten Arbeiter.

         Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-

    geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-

    ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-

    produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-

    niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-

    fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-

    lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen

    Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und  Ein-

    richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-

    bedarf zu schaffen.

         Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-

    fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen

    für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der

    Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft

    geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in

    der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,

    so reichten diese Kräfte doch nicht aus,  um die Produktion auf der

    Höhe zu halten.

         Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche

    Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp

    wurden. Überall mußte  "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem

    Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.

    Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-

    duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,

    mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-

    keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.

         Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-

    bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen

    der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die

    Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst

    glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die

    Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen

    wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf

    den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen.  Dazu trat der

    Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.

         Auch die Nebenerscheinungen der Revolution, die Abschaffung

    der Akkordarbeit, die Erhöhung der Stundenlöhne, die Verminderung

    der Arbeitszeit, die überall auftretenden Nebenregierungen wirkten

    darauf hin, daß dauernd die Arbeitsleistungen sanken, und daß der

    Wert der geleisteten Arbeit nicht mehr im wirtschaftlichen Verhältnis

    zu den aufgewendeten Löhnen stand.

         Auf diese Weise stiegen die Preise für Lebensmittel und alle

    ähnlichen Produkte, welche nicht der Zwangsbewirtschaftung unter-

    lagen, ganz gewaltig, und auch die Zwangsbewirtschaftung konnte bei

    den ihr unterstellten Gegenständen eine dauernde Steigerung und

    Aufwärtsbewegung der Preise nicht hemmen.

         

     rechte Spalte 

         So sank die Produktion in der Landwirtschaft, in den Berg-

    werken, den Braunkohlengruben, den Erzgruben, den Eisenhütten und

    Stahlwerken, den Waggon- und Lokomotivwerken, den Kali- und

    Stickstoffwerken. Überall dort, wo eine vermehrte Produktion drin-

    gend notwendig gewesen wäre, um den Wiederaufbau der Friedens-

    wirtschaft zu fördern, wurde die Steigerung der Produktion künstlich,

    durch Streiks, behindert. 

         So wurden Kohlen und Rohmaterialien vielen Werken ent-

    zogen, bei denen sonst Arbeitsgelegenheit in größerem Umfange vor-

    handen war; durch den Mangel an Kohle und Rohmaterial wurden

    sie zur Einschränkung der Arbeitszeit, zu vorübergehender Still-

    legung, zur Vergeudung ihrer Reserven und Betriebsmittel ge-

    zwungen.

         Dazu kam die Hinauszögerung des Friedens, dazu kamen die

    harten Friedensbedingungen, welche uns von der Entente auf-

    gezwungen worden sind. Was die aus der Gefangenschaft heim-

    kehrenden Kameraden erduldet haben, das soll in der Heimat fort-

    gesetzt, das soll dem ganzen deutschen Volke im eigenen Lande auf-

    gezwungen werden.

     



  • June 28, 2017 20:36:37 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

         Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

    werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

    ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-

    absicht herangehen.  Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten

    wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein

    bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark

    in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer

    mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-

    stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein

    Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde

    jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch

    der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll

    heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben,  je

    nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.

    Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-)  Heimstätten  auf dem Lande

    dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann

    muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der

    Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An

    Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht.  Abgesehen von den

    großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur

    Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-

    lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen

    bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen

    zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar

    nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung

    auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.

    Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,

    nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis

    des Hausbaues und zu seinem jetzigen  Ertragswert als "Überteuerungs-

    zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-

    nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),

    nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine

    und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen

    also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird

    diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben!  Noch ist aber

    keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im

    Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-

    not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine  neue hohe Summe

    bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen

    werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"

    zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist

    die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine

    so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser

    erstellen kann.

         Ich komme zum Schluß  und stelle zusammenfassend fest, daß

    Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-

    lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber

    "bezugsfertige Heimstätten"  nicht bereitgestellt werden konnten. Wer

    siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen, 

    sondern muß sich selbst helfen.  Organisationen zur Vertretung der

    Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,

    sich solchen Verbänden anzuschließen.


     rechte Seite 

    Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die

                            heimkehrenden Kriegsgefangenen


                                               Zeichnung siehe oben 


     linke Spalte 

        Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege

    nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-

    gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-

    lernten Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-

    licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man

    den ausgebildeten Arbeiter.

         Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-

    geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-

    ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-

    produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-

    niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-

    fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-

    lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen

    Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und  Ein-

    richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-

    bedarf zu schaffen.

         Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-

    fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen

    für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der

    Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft

    geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in

    der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,

    so reichten diese Kräfte doch nicht aus,  um die Produktion auf der

    Höhe zu halten.

         Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche

    Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp

    wurden. Überall mußte  "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem

    Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.

    Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-

    duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,

    mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-

    keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.

         Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-

    bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen

    der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die

    Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst

    glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die

    Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen

    wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf

    den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen.  Dazu trat der

    Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.

         Auch die Nebenerscheinungen der Revolution, die Abschaffung

    der Akkordarbeit, die Erhöhung der Stundenlöhne, die Verminderung

    der Arbeitszeit, die überall auftretenden Nebenregierungen wirkten

    darauf hin, daß dauernd die Arbeitsleistungen sanken, und daß der

    Wert der geleisteten Arbeit nicht mehr im wirtschaftlichen Verhältnis

    zu den aufgewendeten Löhnen stand.

         Auf diese Weise stiegen die Preise für Lebensmittel und alle

    ähnlichen Produkte, welche nicht der Zwangsbewirtschaftung unter-

    lagen, ganz gewaltig, und auch die Zwangsbewirtschaftung konnte bei

    den ihr unterstellten Gegenständen eine dauernde Steigerung und

    Aufwärtsbewegung der Preise nicht hemmen.

         

     rechte Spalte 

         So sank die Produktion in der Landwirtschaft, in den Berg-

    werken, den Braunkohlengruben, den Erzgruben, den Eisenhütten und

    Stahlwerken, den Waggon- und Lokomotivwerken, den Kali- und

    Stickstoffwerken. Überall dort, wo eine vermehrte Produktion drin-

    gend notwendig gewesen wäre, um den Wiederaufbau der Friedens-

    wirtschaft zu fördern, wurde die Steigerung der Produktion künstlich,

    durch Streiks, behindert. 



  • June 28, 2017 20:32:08 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

         Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

    werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

    ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-

    absicht herangehen.  Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten

    wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein

    bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark

    in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer

    mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-

    stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein

    Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde

    jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch

    der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll

    heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben,  je

    nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.

    Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-)  Heimstätten  auf dem Lande

    dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann

    muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der

    Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An

    Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht.  Abgesehen von den

    großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur

    Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-

    lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen

    bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen

    zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar

    nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung

    auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.

    Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,

    nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis

    des Hausbaues und zu seinem jetzigen  Ertragswert als "Überteuerungs-

    zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-

    nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),

    nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine

    und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen

    also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird

    diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben!  Noch ist aber

    keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im

    Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-

    not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine  neue hohe Summe

    bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen

    werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"

    zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist

    die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine

    so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser

    erstellen kann.

         Ich komme zum Schluß  und stelle zusammenfassend fest, daß

    Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-

    lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber

    "bezugsfertige Heimstätten"  nicht bereitgestellt werden konnten. Wer

    siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen, 

    sondern muß sich selbst helfen.  Organisationen zur Vertretung der

    Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,

    sich solchen Verbänden anzuschließen.


     rechte Seite 

    Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die

                            heimkehrenden Kriegsgefangenen


                                               Zeichnung siehe oben 


     linke Spalte 

        Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege

    nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-

    gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-

    lernten Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-

    licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man

    den ausgebildeten Arbeiter.

         Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-

    geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-

    ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-

    produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-

    niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-

    fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-

    lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen

    Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und  Ein-

    richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-

    bedarf zu schaffen.

         Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-

    fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen

    für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der

    Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft

    geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in

    der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,

    so reichten diese Kräfte doch nicht aus,  um die Produktion auf der

    Höhe zu halten.

         Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche

    Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp

    wurden. Überall mußte  "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem

    Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.

    Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-

    duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,

    mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-

    keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.

         Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-

    bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen

    der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die

    Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst

    glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die

    Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen

    wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf

    den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen.  Dazu trat der

    Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.

         Auch die Nebenerscheinungen der Revolution, die Abschaffung

    der Akkordarbeit, die Erhöhung der Stundenlöhne, die Verminderung

    der Arbeitszeit, die überall auftretenden Nebenregierungen wirkten

    darauf hin, daß dauernd die Arbeitsleistungen sanken, und daß der

    Wert der geleisteten Arbeit nicht mehr im wirtschaftlichen Verhältnis

    zu den aufgewendeten Löhnen stand.

         Auf diese Weise stiegen die Preise für Lebensmittel und alle

    ähnlichen Produkte, welche nicht der Zwangsbewirtschaftung unter-

    lagen, ganz gewaltig, und auch die Zwangsbewirtschaftung konnte bei

    den ihr unterstellten Gegenständen eine dauernde Steigerung und

    Aufwärtsbewegung der Preise nicht hemmen.

         

     rechte Spalte 



  • June 28, 2017 20:28:51 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

         Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

    werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

    ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-

    absicht herangehen.  Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten

    wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein

    bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark

    in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer

    mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-

    stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein

    Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde

    jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch

    der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll

    heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben,  je

    nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.

    Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-)  Heimstätten  auf dem Lande

    dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann

    muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der

    Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An

    Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht.  Abgesehen von den

    großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur

    Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-

    lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen

    bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen

    zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar

    nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung

    auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.

    Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,

    nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis

    des Hausbaues und zu seinem jetzigen  Ertragswert als "Überteuerungs-

    zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-

    nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),

    nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine

    und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen

    also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird

    diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben!  Noch ist aber

    keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im

    Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-

    not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine  neue hohe Summe

    bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen

    werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"

    zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist

    die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine

    so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser

    erstellen kann.

         Ich komme zum Schluß  und stelle zusammenfassend fest, daß

    Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-

    lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber

    "bezugsfertige Heimstätten"  nicht bereitgestellt werden konnten. Wer

    siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen, 

    sondern muß sich selbst helfen.  Organisationen zur Vertretung der

    Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,

    sich solchen Verbänden anzuschließen.


     rechte Seite 

    Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die

                            heimkehrenden Kriegsgefangenen


                                               Zeichnung siehe oben 


     linke Spalte 

        Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege

    nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-

    gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-

    lernen Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-

    licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man

    den ausgebildeten Arbeiter.

         Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-

    geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-

    ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-

    produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-

    niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-

    fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-

    lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen

    Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und  Ein-

    richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-

    bedarf zu schaffen.

         Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-

    fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen

    für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der

    Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft

    geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in

    der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,

    so reichten diese Kräfte doch nicht aus,  um die Produktion auf der

    Höhe zu halten.

         Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche

    Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp

    wurden. Überall mußte  "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem

    Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.

    Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-

    duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,

    mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-

    keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.

         Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-

    bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen

    der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die

    Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst

    glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die

    Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen

    wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf

    den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen.  Dazu trat der

    Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.

         Auch die Nebenerscheinungen der Revolution, die Abschaffung

    der Akkordarbeit, die Erhöhung der Stundenlöhne, die Verminderung

    der Arbeitszeit, die überall auftretenden Nebenregierungen wirkten

    darauf hin, daß dauernd die Arbeitsleistungen sanken, und daß der

    Wert der geleisteten Arbeit nicht mehr im wirtschaftlichen Verhältnis

    zu den aufgewendeten Löhnen stand.

         Auf diese Weise stiegen die Preise für Lebensmittel und alle

    ähnlichen Produkte, welche nicht der Zwangsbewirtschaftung unter-

    lagen, ganz gewaltig, und auch die Zwangsbewirtschaftung konnte bei

    den ihr unterstellten Gegenständen eine dauernde Steigerung und

    Aufwärtsbewegung der Preise nicht hemmen.


  • June 28, 2017 20:23:14 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

         Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

    werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

    ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-

    absicht herangehen.  Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten

    wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein

    bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark

    in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer

    mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-

    stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein

    Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde

    jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch

    der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll

    heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben,  je

    nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.

    Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-)  Heimstätten  auf dem Lande

    dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann

    muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der

    Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An

    Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht.  Abgesehen von den

    großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur

    Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-

    lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen

    bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen

    zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar

    nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung

    auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.

    Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,

    nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis

    des Hausbaues und zu seinem jetzigen  Ertragswert als "Überteuerungs-

    zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-

    nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),

    nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine

    und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen

    also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird

    diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben!  Noch ist aber

    keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im

    Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-

    not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine  neue hohe Summe

    bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen

    werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"

    zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist

    die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine

    so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser

    erstellen kann.

         Ich komme zum Schluß  und stelle zusammenfassend fest, daß

    Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-

    lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber

    "bezugsfertige Heimstätten"  nicht bereitgestellt werden konnten. Wer

    siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen, 

    sondern muß sich selbst helfen.  Organisationen zur Vertretung der

    Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,

    sich solchen Verbänden anzuschließen.


     rechte Seite 

    Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die

                            heimkehrenden Kriegsgefangenen


                                               Zeichnung siehe oben 


     linke Spalte 

        Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege

    nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-

    gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-

    lernen Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-

    licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man

    den ausgebildeten Arbeiter.

         Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-

    geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-

    ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-

    produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-

    niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-

    fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-

    lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen

    Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und  Ein-

    richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-

    bedarf zu schaffen.

         Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-

    fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen

    für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der

    Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft

    geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in

    der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,

    so reichten diese Kräfte doch nicht aus,  um die Produktion auf der

    Höhe zu halten.

         Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche

    Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp

    wurden. Überall mußte  "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem

    Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.

    Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-

    duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,

    mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-

    keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.

         Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-

    bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen

    der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die

    Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst

    glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die

    Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen

    wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf

    den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen.  Dazu trat der

    Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.


  • June 28, 2017 20:22:22 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

         Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

    werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

    ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-

    absicht herangehen.  Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten

    wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein

    bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark

    in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer

    mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-

    stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein

    Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde

    jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch

    der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll

    heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben,  je

    nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.

    Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-)  Heimstätten  auf dem Lande

    dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann

    muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der

    Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An

    Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht.  Abgesehen von den

    großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur

    Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-

    lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen

    bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen

    zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar

    nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung

    auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.

    Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,

    nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis

    des Hausbaues und zu seinem jetzigen  Ertragswert als "Überteuerungs-

    zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-

    nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),

    nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine

    und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen

    also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird

    diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben!  Noch ist aber

    keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im

    Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-

    not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine  neue hohe Summe

    bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen

    werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"

    zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist

    die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine

    so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser

    erstellen kann.

         Ich komme zum Schluß  und stelle zusammenfassend fest, daß

    Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-

    lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber

    "bezugsfertige Heimstätten"  nicht bereitgestellt werden konnten. Wer

    siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen, 

    sondern muß sich selbst helfen.  Organisationen zur Vertretung der

    Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,

    sich solchen Verbänden anzuschließen.


     rechte Seite 

    Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die

                            heimkehrenden Kriegsgefangenen


                                               Zeichnung siehe oben 


     linke Spalte 

        Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege

    nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-

    gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-

    lernen Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-

    licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man

    den ausgebildeten Arbeiter.

         Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-

    geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-

    ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-

    produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-

    niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-

    fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-

    lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen

    Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und  Ein-

    richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-

    bedarf zu schaffen.

         Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-

    fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen

    für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der

    Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft

    geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in

    der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,

    so reichten diese Kräfte doch nicht aus,  um die Produktion auf der

    Höhe zu halten.

         Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche

    Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp

    wurden. Überall mußte  "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem

    Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.

    Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-

    duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,

    mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-

    keit und de Arbeitsfreudigkeit auch der besseren Industriearbeiter.

         Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-

    bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen

    der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die

    Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst

    glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die

    Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen

    wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf

    den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen.  Dazu trat der

    Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.


  • June 28, 2017 20:21:28 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

         Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

    werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

    ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-

    absicht herangehen.  Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten

    wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein

    bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark

    in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer

    mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-

    stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein

    Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde

    jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch

    der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll

    heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben,  je

    nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.

    Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-)  Heimstätten  auf dem Lande

    dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann

    muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der

    Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An

    Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht.  Abgesehen von den

    großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur

    Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-

    lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen

    bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen

    zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar

    nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung

    auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.

    Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,

    nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis

    des Hausbaues und zu seinem jetzigen  Ertragswert als "Überteuerungs-

    zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-

    nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),

    nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine

    und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen

    also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird

    diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben!  Noch ist aber

    keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im

    Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-

    not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine  neue hohe Summe

    bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen

    werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"

    zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist

    die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine

    so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser

    erstellen kann.

         Ich komme zum Schluß  und stelle zusammenfassend fest, daß

    Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-

    lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber

    "bezugsfertige Heimstätten"  nicht bereitgestellt werden konnten. Wer

    siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen, 

    sondern muß sich selbst helfen.  Organisationen zur Vertretung der

    Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,

    sich solchen Verbänden anzuschließen.


     rechte Seite 

    Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die

                            heimkehrenden Kriegsgefangenen


                                               Zeichnung siehe oben 


     linke Spalte 

        Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege

    nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-

    gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-

    lernen Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-

    licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man

    den ausgebildeten Arbeiter.

         Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-

    geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-

    ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-

    produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-

    niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-

    fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-

    lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen

    Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und  Ein-

    richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-

    bedarf zu schaffen.

         Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-

    fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen

    für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der

    Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft

    geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in

    der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,

    so reichten diese Kräfte doch nicht aus,  um die Produktion auf der

    Höhe zu halten.

         Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche

    Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp

    wurden. Überall mußte  "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem

    Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.

    Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-

    duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,

    mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, Industriearbeiter.

         Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-

    bei. Die umfangreichsten Vorbereitungen waren in allen Zweigen

    der Industrie gemacht, um den Abbau der Rüstungsindustrie, die

    Umstellung auf die Friedensarbeit und Friedenswirtschaft möglichst

    glatt und ohne Störungen durchzuführen. Alle diese Pläne hat die

    Revolution vernichtet. Die Härte der Waffenstillstandsbedingungen

    wirkten lähmend auf den Unternehmungsgeist in der Industrie, auf

    den Arbeitstrieb in den produzierenden Kreisen.  Dazu trat der

    Mangel an Rohmaterialien, Kohlen und Nahrungsmitteln.


  • June 28, 2017 20:15:50 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

         Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

    werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

    ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-

    absicht herangehen.  Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten

    wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein

    bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark

    in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer

    mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-

    stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein

    Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde

    jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch

    der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll

    heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben,  je

    nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.

    Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-)  Heimstätten  auf dem Lande

    dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann

    muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der

    Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An

    Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht.  Abgesehen von den

    großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur

    Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-

    lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen

    bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen

    zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar

    nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung

    auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.

    Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,

    nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis

    des Hausbaues und zu seinem jetzigen  Ertragswert als "Überteuerungs-

    zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-

    nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),

    nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine

    und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen

    also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird

    diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben!  Noch ist aber

    keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im

    Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-

    not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine  neue hohe Summe

    bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen

    werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"

    zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist

    die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine

    so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser

    erstellen kann.

         Ich komme zum Schluß  und stelle zusammenfassend fest, daß

    Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-

    lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber

    "bezugsfertige Heimstätten"  nicht bereitgestellt werden konnten. Wer

    siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen, 

    sondern muß sich selbst helfen.  Organisationen zur Vertretung der

    Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,

    sich solchen Verbänden anzuschließen.


     rechte Seite 

    Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die

                            heimkehrenden Kriegsgefangenen


                                               Zeichnung siehe oben 


     linke Spalte 

        Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege

    nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-

    gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-

    lernen Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-

    licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man

    den ausgebildeten Arbeiter.

         Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-

    geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-

    ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-

    produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-

    niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-

    fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-

    lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen

    Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und  Ein-

    richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-

    bedarf zu schaffen.

         Immer geringer wurde die Zahl der für die Arbeiten zur Ver-

    fügung stehenden Männer. Dauernd mußte die Heimat Ersatz stellen

    für den Bedarf der Front, der Etappen, für die auf dem Felde der

    Ehre Gefallenen, für die Verwundeten und die in Gefangenschaft

    geratenen Kämpfer. Wenn auch die feindlichen Kriegsgefangenen in

    der Landwirtschaft und manchen anderen Stellen Verwendung fanden,

    so reichten diese Kräfte doch nicht aus,  um die Produktion auf der

    Höhe zu halten.

         Dazu kam, daß mit der längeren Dauer des Krieges manche

    Düngemittel und viele der notwendigen Rohmaterialien sehr knapp

    wurden. Überall mußte  "Ersatz" eintreten. Überall ging mit dem

    Vorrat an gutem, brauchbarem Rohmaterial die Qualität zurück.

    Die Leistung wurde auch geringer. Immer mehr ging die Pro-

    duktion in der Landwirtschaft zurück und mit der dadurch bedingten,

    mangelhaften Ernährung sank die Arbeitsleistung, die Arbeitsfähig-

    keit und die Arbeitsfreudigkeit auch der besseren industriearbeiter.

         Alles sehnte den Waffenstillstand, einen ehrenvollen Frieden her-

    bei.


  • June 28, 2017 20:00:26 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

         Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

    werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

    ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-

    absicht herangehen.  Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten

    wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein

    bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark

    in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer

    mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-

    stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein

    Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde

    jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch

    der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll

    heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben,  je

    nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.

    Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-)  Heimstätten  auf dem Lande

    dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann

    muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der

    Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An

    Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht.  Abgesehen von den

    großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur

    Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-

    lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen

    bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen

    zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar

    nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung

    auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.

    Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,

    nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis

    des Hausbaues und zu seinem jetzigen  Ertragswert als "Überteuerungs-

    zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-

    nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),

    nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine

    und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen

    also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird

    diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben!  Noch ist aber

    keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im

    Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-

    not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine  neue hohe Summe

    bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen

    werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"

    zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist

    die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine

    so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser

    erstellen kann.

         Ich komme zum Schluß  und stelle zusammenfassend fest, daß

    Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-

    lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber

    "bezugsfertige Heimstätten"  nicht bereitgestellt werden konnten. Wer

    siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen, 

    sondern muß sich selbst helfen.  Organisationen zur Vertretung der

    Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,

    sich solchen Verbänden anzuschließen.


     rechte Seite 

    Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die

                            heimkehrenden Kriegsgefangenen


                                               Zeichnung siehe oben 


     linke Spalte 

        Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege

    nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-

    gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-

    lernen Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-

    licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man

    den ausgebildeten Arbeiter.

         Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-

    geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-

    ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-

    produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-

    niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-

    fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-

    lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen

    Hochleistungsmaschinen, mit besonderen Spezialmaschinen und  Ein-

    richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-

    bedarf zu schaffen.







     



  • June 28, 2017 19:59:53 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

         Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

    werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

    ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-

    absicht herangehen.  Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten

    wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein

    bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark

    in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer

    mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-

    stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein

    Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde

    jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch

    der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll

    heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben,  je

    nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.

    Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-)  Heimstätten  auf dem Lande

    dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann

    muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der

    Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An

    Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht.  Abgesehen von den

    großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur

    Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-

    lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen

    bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen

    zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar

    nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung

    auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.

    Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,

    nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis

    des Hausbaues und zu seinem jetzigen  Ertragswert als "Überteuerungs-

    zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-

    nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),

    nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine

    und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen

    also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird

    diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben!  Noch ist aber

    keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im

    Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-

    not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine  neue hohe Summe

    bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen

    werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"

    zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist

    die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine

    so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser

    erstellen kann.

         Ich komme zum Schluß  und stelle zusammenfassend fest, daß

    Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-

    lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber

    "bezugsfertige Heimstätten"  nicht bereitgestellt werden konnten. Wer

    siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen, 

    sondern muß sich selbst helfen.  Organisationen zur Vertretung der

    Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,

    sich solchen Verbänden anzuschließen.


     rechte Seite 

    Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die

                            heimkehrenden Kriegsgefangenen


                                               Zeichnung siehe oben 


     linke Spalte 

        Unerwartet war der Aufschwung, den die Industrie im Kriege

    nahm. Überall in den auf Munitionsarbeit, die Anferti-

    gung von Kriegsbedarf umgestellten Werken fehlte es an ge-

    lernen Arbeitskräften. Durch Frauenarbeit, durch die Arbeit jugend-

    licher, männlicher und weiblicher, ungelernter Kräfte ersetzte man

    den ausgebildeten Arbeiter.

         Sehr bald stiegen die Löhne für gelernte Arbeitskräfte ganz un-

    geheuer und trieben die Produktionskosten in die Höhe. Den Liefe-

    ranten blieb nur das Mittel, diese Lohnsteigerung durch Massen-

    produktion auszugleichen. Dauernd wurden daher Ingenieure, Tech-

    niker oder sonstige Kräfte mit guten Kenntnissen in der Waffen-

    fabrikation, der Kaliber-Arbeit, der Herstellung der dazu erforder-

    lichen Schablonen und Lehren gesucht. Nur mit zahllosen, neuen

    Hochleistungmaschinen, mit bsonderen Spezialmaschinen und  Ein-

    richtungen war es möglich, die erforderlichen Mengen an Kriegs-

    bedarf zu schaffen.







     



  • June 28, 2017 19:49:48 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

         Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

    werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

    ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-

    absicht herangehen.  Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten

    wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein

    bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark

    in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer

    mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-

    stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein

    Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde

    jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch

    der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll

    heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben,  je

    nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.

    Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-)  Heimstätten  auf dem Lande

    dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann

    muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der

    Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An

    Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht.  Abgesehen von den

    großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur

    Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-

    lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen

    bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen

    zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar

    nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung

    auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.

    Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,

    nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis

    des Hausbaues und zu seinem jetzigen  Ertragswert als "Überteuerungs-

    zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-

    nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),

    nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine

    und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen

    also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird

    diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben!  Noch ist aber

    keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im

    Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-

    not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine  neue hohe Summe

    bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen

    werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"

    zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist

    die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine

    so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser

    erstellen kann.

         Ich komme zum Schluß  und stelle zusammenfassend fest, daß

    Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-

    lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber

    "bezugsfertige Heimstätten"  nicht bereitgestellt werden konnten. Wer

    siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen, 

    sondern muß sich selbst helfen.  Organisationen zur Vertretung der

    Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,

    sich solchen Verbänden anzuschließen.


     rechte Seite 

    Die deutsche Industrie am Ausgange des Weltkriegs und die

                            heimkehrenden Kriegsgefangenen








     



  • June 28, 2017 19:47:59 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

         Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

    werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

    ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-

    absicht herangehen.  Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten

    wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein

    bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark

    in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer

    mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-

    stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein

    Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde

    jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch

    der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll

    heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben,  je

    nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.

    Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-)  Heimstätten  auf dem Lande

    dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann

    muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der

    Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. An

    Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht.  Abgesehen von den

    großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur

    Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-

    lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen

    bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen

    zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar

    nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung

    auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.

    Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,

    nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis

    des Hausbaues und zu seinem jetzigen  Ertragswert als "Überteuerungs-

    zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-

    nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),

    nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine

    und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen

    also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird

    diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben!  Noch ist aber

    keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im

    Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-

    not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine  neue hohe Summe

    bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen

    werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"

    zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist

    die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine

    so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser

    erstellen kann.

         Ich komme zum Schluß  und stelle zusammenfassend fest, daß

    Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-

    lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber

    "bezugsfertige Heimstätten"  nicht bereitgestellt werden konnten. Wer

    siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen, 

    sondern muß sich selbst helfen.  Organisationen zur Vertretung der

    Interessen der Siedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,

    sich solchen Verbänden anzuschließen.








     



  • June 28, 2017 18:34:55 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

         Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

    werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

    ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-

    absicht herangehen.  Ich habe schon eingangs die Schwierigkeiten

    wirtschaftlicher Art, das bald unmögliche Bauen angedeutet. Ein

    bescheidenes Häuschen, das vor dem Kriege 6000 bis 10 000 Mark

    in der Herstellung kostete, veranschlagen heute die Bauunternehmer

    mit 30 000 bis 40 000 Mark "freibleibend", weil die Preise für Bau-

    stoffe und Löhne täglichen Schwankungen unterworfen sind. Ein

    Einfamilienhaus in Zement-Stampfbeton-Bauausführung würde

    jetzt gegen 35 000 Mark kosten. Zu diesem Preis käme noch

    der Betrag für für das Grundstück selbst. Eine Heimstätte soll

    heute mindestens 500 Quadratmeter Gartenland haben,  je

    nach der Kopfzahl der Familie bis zu 1000 Quadratmeter.

    Bei Wirtschafts- (also Erwerbs-)  Heimstätten  auf dem Lande

    dürfen 5000 Quadratmeter das allerwenigste sein. Und dann

    muß schon ganz intensive Bodenkultur erfolgen, wenn der

    Siedler auf dieser Landfläche sein volles Einkommen haben soll. _an

    Siedlungsland fehlt es uns in Deutschland nicht.  Abgesehen von den

    großen Ödländereien stehen uns weite landwirtschaftliche Gebiete zur

    Verfügung. Ein Reichssiedlungsgesetz, das demnächst er-

    lassen werden wird, soll den erforderlichen Landbedarf sicherstellen

    bzw. enteignen. Es fehlt nur an Baustoffen, besonders an Kohlen

    zur Erzeugung solcher. So teuer, wie ich oben sagte, wird man gar

    nicht bauen können, das wäre so unwirtschaftlich , daß jede Siedlung

    auf solcher Grundlage an ihrer eigenen Zinsenlast ersticken würde.

    Deshalb ist vom Reich im Herbst 1918 ein Gesetz erlassen worden,

    nachdem die Mehrbaukosten im Verhältnis zum Friedenspreis

    des Hausbaues und zu seinem jetzigen  Ertragswert als "Überteuerungs-

    zuschüsse" von Reich, Staat und Gemeinden getragen werden. Zu-

    nächst sollen diese Mittel (das Reich hatte 500 Millionen bewilligt),

    nach einer neuerlichen Verordnung an gemeinnützige Bauvereine

    und für Flachbauten bewilligt werden. Die Kriegersiedlungen dürfen

    also in erster Linie berücksichtigt werden. Ich fürchte nur, man wird

    diese 500 Millionen wohl bald aufgebraucht haben!  Noch ist aber

    keine Änderung in den Baustoffpreisverhältnissen eingetreten, im

    Gegenteil; man wird also, da man doch weiter der Kleinwohnungs-

    not entgegenarbeiten muß, wohl oder übel eine  neue hohe Summe

    bewilligen müssen. Es muß gebaut, es müssen Siedlungen geschaffen

    werden. Man wird auf Lehm- und andere "sparsame Bauweisen"

    zurückkommen, solange keine Ziegel zu haben sind. Und in der Tat ist

    die Lehmdrahtbauweise des Herrn Baurat Paetz in Schönebeck eine

    so bewährte Bauart, daß man damit gute und preiswerte Häuser

    erstellen kann.

         Ich komme zum Schluß  und stelle zusammenfassend fest, daß

    Ihr, heimkehrende Kameraden, eine ganz gewaltig gewachsene Sied-

    lungs- und Kriegerheimstättenbewegung finden werdet, daß aber

    "bezugsfertige Heimstätten"  nicht bereitgestellt werden konnten. Wer

    siedeln will, der darf sich nicht auf den Staat und andere verlassen, 

    sondern muß sich selbst helfen.  Organisationen zur Vertretung der

    Interessen der Siiedler sind geschaffen, die Kameraden sind eingeladen,

    sich solchen Verbänden anzuschließen.








     



  • June 28, 2017 17:35:22 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.

         Eine andere Frage ist nun die, ob überhaupt sofort gesiedelt

    werden kann. Die heimkehrenden Kameraden werden teilweise mit

    ganz falschen Vorstellungen an die Verwirklichung ihrer Siedlungs-












  • June 27, 2017 22:54:50 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                    Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.










  • June 27, 2017 22:54:42 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                           Ihr  gabt uns das Geleite .                                                     Vom Kreuz des Regens Weinen.

                                                        

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                   Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.










  • June 27, 2017 22:52:48 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                                         

    Ihr gabt uns das Geleite.                                                       Vom Kreuz des Regens Weinen.

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                           Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                   Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.










  • June 27, 2017 22:52:33 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                                         

    Ihr gabt uns das Geleite.                                                       Vom Kreuz des Regens Weinen.

    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                                            Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                   Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.










  • June 27, 2017 22:51:30 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                                         

    Ihr gabt uns das Geleite.                                                       Vom Kreuz des Regens Weinen.


    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                                            Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                   Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.



     rechte Spalte 

    Fällen eigene Siedlungen bauen. Wer also bald und entschlossen

    siedeln will, der muß sich selbst helfen, sei es durch Anschluß an eine

    neue oder ältere Genossenschaft oder (und das geht zumeist Kriegs-

    geschädigte an) durch Kauf einer Stelle, wobei er sich  einer der Pro-

    vinzial- oder Landessiedlungsgesellschaften wird bedienen können.










  • June 27, 2017 22:47:09 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim                                       Kameradengräber auf und ab,

    Von ferner, fremder Heide,                                                  Im Feld, am Weg, an Rainen;

    Kameradengräber hier und dort,                                        Es wusch die meisten Namen ab                                         

    Ihr gabt uns das Geleite.                                                       Vom Kreuz des Regens Weinen.


    Kameradengräber ab und auf,                                            Die Wolken floh´n, der Sturmwind ging

    Verfallen und verwittert,                                                       Durchs Land in Nebelschwaden;                                            Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,                                   Wir sprachen noch ein still Gebet:

    Hier schutzlos, dort umgittert.                                             Schlaft, wohl, schlaft wohl, Kameraden.










  • June 27, 2017 22:39:40 Beate Jochem

     linke Seite 

     linke Spalte 

    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim

    Von ferner, fremder Heide,

    Kameradengräber hier und dort,

    Ihr gabt uns das Geleite.


    Kameradengräber ab und auf,

    Verfallen und verwittert,

    Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,

    Hier schutzlos, dort umgittert.


     Fortsetzung Ende rechter Spalte 








  • June 27, 2017 22:39:28 Beate Jochem

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    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltensten

    ______________________________________________________________________


    Der Krieg ist aus, wir ziehen heim

    Von ferner, fremder Heide,

    Kameradengräber hier und dort,

    Ihr gabt uns das Geleite.


    Kameradengräber ab und auf,

    V efallen und verwittert,

    Ein Helm hier, dort ein Säbel drauf,

    Hier schutzlos, dort umgittert.


     Fortsetzung Ende rechter Spalte 








  • June 27, 2017 22:35:33 Beate Jochem

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    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Der

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltesten




  • June 27, 2017 22:35:02 Beate Jochem

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    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwin-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 

         So steht jetzt die Siedlungs- und Kriegerheimstättenbewegung. Derr

    Staat wird und kann keine Siedlungen bauen und sie dann seinen

    Kriegern (womöglich kostenlos) überlassen. Er kann die Sache nur

    ganz wesentlich fördern, indem er das zum Bauen und Landkauf

    notwendige Geld zu billigem Zinsfuß leiht. Das tut er auch. Es 

    sind große Geldermittlungsstellen geschaffen und angewiesen worden,

    ihre Vermögen für Siedlungszwecke nutzbar zu machen. Die großen

    Siedlungsgesellschaften werden auch nur in der Hauptsache als Geld-

    geber oder Gründstückserwerber in Frage kommen und in seltesten




  • June 27, 2017 22:28:15 Beate Jochem

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    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.

         Einige Städte und größere Gemeinden haben ja selbst die Ab-

    sicht, Kriegersiedlungen zu erstellen; es wird aber nur ein verschwind-

    dend geringer Bruchteil von ehemaligen Heeresangehörigen dadurch

    eine Heimstätte erhalten. Und zumal die heimgekehrten Kiegs-

    gefangenen werden warten müssen, denn zunächst haben die in der

    Heimat gewesenen Kameraden ihre Pläne ausgearbeitet und zur

    Ausführung vorbereitet. Natürlich werden viele von ihnen in diesen

    Siedlungen noch Aufnahme finden können, aber ein großer Teil wird

    sich auch gedulden müssen, bis neue Möglichkeiten geschaffen sind.

    Und sie werden geschaffen! Die Bewegung wächst aus dem Volke,

    aus allen Kameradenkreisen heraus, nicht "von oben her

    gemacht", ins Volk hinein. Die heimkehrenden Kameraden werden

    gut tun, soweit sie Siedlungsabsichten, also das Verlangen nach 

    einem eigenen Heim vor der Stadt oder auch auf dem Lande haben,

    sich zu organisieren, sei es, daß sie einem Kriegsteilnehmerverband, 

    als dessen größter der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Krieger-

    verbände (mit 3 Millionen Mitgliedern!) vorhanden ist, oder einer

    Siedlervereinigung beitreten. Diese leitet sie dann an eine Ge-

    nossenschaft weiter, durch die ihre Wünsche (nach Prüfung und Be-

    ratung) nach Möglichkeit Erfüllung finden sollen. 



  • June 27, 2017 22:14:49 Beate Jochem

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    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt sich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden. Erwähnt sei z. B. nur die in

    Sachsen tätige "Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen"

    (Dresden, Gutzkowstraße 6). Eine Selbsthilfe-Organisation der

    Siedler auf großzügigster Grundlage wird im "Reichs-Siedler-Bund""

    (Charlottenburg 4, Krummestraße 35/36) geschaffen, durch den die

    heimkehrenden Kameraden wohl zunächst die beste Beratung finden

    werden.


  • June 27, 2017 22:08:49 Beate Jochem

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    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

    anschließen. Die Wohnungen und Hausanwärterlisten der bestehen-

    den älteren Baugenossenschaften sind bereits so stark überzeichnet, daß

    der Bewerber nicht sobald mit Berücksichtigung rechnen kann.  Also

    bliebe nur der Zusammenschluß mit gleichgesinnten und  gleich-

    strebenden Kameraden  zwecks Gründung einer neuen Siedlung auf

    genossenschaftlicher Grundlage. Diesen Weg der Selbsthilfe schlagen

    denn jetzt auch fast alle größeren Berufs- und Interessenverbände

    ein.  Der Deutsche Kriegerbund (Wirtschaftliche Vereinigung) in

    Berlin W. 50, Geisbergstraße 2, hat z. B. ein Unternehmen ins Leben

    gerufen, die "Kriegervereins-Heimstätten Groß-

    Berlin, e. G. m. b. H. " , mit dem er das Siedlungsbedürfnis seiner

    Mitglieder befriedigen helfen will.  Der Genossenschaftsanteil beträgt

    300 Mark, ein Betrag , der auch ratenweise gezahlt werden kann.

    Andere Bezirks- und Ortsvereine werden dem Berliner Vorbild

    folgen und Siedlungsgenossenschaften innerhalb ihres Mitglieder-

    kreises gründen. Kameraden, die in anderen Verbänden organisiert

    sind, werden sich an die Leitung dieser wenden, da auch sie auf dem

    Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe eigene Siedlungsgründungen

    vorbereiten. Für Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte, die nicht

    organisiert sind, empfiehlt ich der Beitritt zu einem Siedlerverein,

    die sich jetzt auch allerwärts bilden.


  • June 27, 2017 21:18:26 Beate Jochem

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    es für den. der keine Mittel hat. Er muß sich einer Genossenschaft

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    Lille, Frankreich

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ID
12998 / 199770
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Uta Hentschel
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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