Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 62
Transcription
Transcription history
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von der Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
11. Zum Präsidenten des Deutschen Reiches wird der bisherige Volks-
beauftragte Ebert gewählt. Ministerpräsident wird Scheidemann.
13. Der russische Spartakistenführer Radek wird in Berlin verhaftet.
14. Bei der Erneuerung des Waffenstillstandes wird eine Demarkations-
linie gegen die Polen und Tschechen festgelegt, die von beiden Seiten
nicht überschritten werden darf.
15. Der Nationalversammlung geht eine neue Kreditvorlage über 25
Milliarden Mark zu.
Hindenburg erläßt einen Aufruf zum Kampfe gegen den Bol-
schewismus.
18. Im Ruhrgebiet wird von den Spartakisten der Generalstreik erzwungen.
21. In München wird der Ministerpräsident Eisner ermordet.
Im Landtag schießt ein Spartakist auf den Minister Auer und den
Ministerrat Garres. Der Münchner Landtag wird aufgelöst.
24. Der Generalstreik im Ruhrgebiet, bei dem schwere spartakistische Aus-
schreitungen stattgefunden haben, ist beendet.
27. In der Nationalversammlung wird das Gesetz über die vorläufige
Reichswehr angenommen.
Als Protest gegen die Verschleppung der Sozialisierung wird in
ganz Mitteldeutschland der Generalstreik erklärt.
März 1919.
2. General von Lettow-Vorbeck hält mit Gouverneur Dr. Schnee
und den Ostafrikanern unter großer Begeisterung in Berlin Einzug.
4. Die Reichsregierung kündigt die Sozialisierungsgesetze an.
In Berlin wird unter Anführung der Spartakisten der General-
streik erklärt und durch die Regierungstruppen nach mehrtägigem
Kampfe unterdrückt.
10. Die preußische Regierung veröffentlicht eine Verordnung über die Auf-
teilung der Familiengüter und Fideikommisse.
14. In Spaa wird ein neues Abkommen über Lebensmittellieferungen an
Deutschland unterzeichnet.
20. In Posen werden die Waffenstillstandsverhandlungen mit dem franzö-
sischen General Nudant abgebrochen.
In Hamburg wird durch einen Streik der Seeleute die Ausfahrt
der Lebensmittelschiffe vereitelt.
25. Das erste amerikanische Lebensmittelschiff trifft in Hamburg ein.
26. Der französische General Nudant verlangt in einem Ultimatum den
Durchmarsch der Polen durch Danzig. Diese Forderung wird
von der deutschen Regierung abgelehnt.
27. Die Nationalversammlung beschließt die Errichtung eines Staats-
gerichtshofes zu einer Untersuchung der Schuld am Kriege.
31. Im Ruhrgebiet wird der Generalstreik erklärt und der Belagerungs-
zustand verhängt.
Die deutsche Finanzkommission ist in Paris eingetroffen.
April 1919.
5. In Süddeutschland finden schwere spartakistische Bewegungen statt.
6. Das Reichskabinett beschließt, in der Reichsverfassung die Arbeiter-
und Betriebsräte zu verankern.
7. In München wird die Räterepublik beschlossen.
9. In Berlin wird der 2. Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte er-
öffnet.
In Magdeburg finden spartakistische Straßenkämpfe statt, die
durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
In Berlin wird durch einen Streik der Banken und der Metall-
industrie das Wirtschaftsleben schwer geschädigt.
13. Bei einem spartakistischen Aufstand in Dresden wird der sächsische
Kriegsminister Neuring in die Elbe geworfen und erschossen.
Der Aufstand wird durch die Regierungstruppen unterdrückt.
An Stelle des zurückgetretenen Reichsfinanzministers Dr. Schiffer
wird Dernburg Finanzminister.
17. Durch den Einzug der Regierungstruppen in Braunschweig unter
General Maercker wird dort das Ende einer lange andauernden
Spartakistenherrschaft herbeigeführt.
20. Die Entente lädt die deutsche Friedensdelegation zum 25. April nach
Versailles zur Empfangnahme der Friedenspräliminarien ein.
22. In Hamburg wird wegen schwerer spartakistischen Ausschreitungen
der Belagerungszustand verhängt.
24. Die deutsche Reichsregierung veröffentlicht einen von ihr ausgearbeiteten
Entwurf für einen Völkerbund.
Ueber das Gebiet des Freistaates Sachsen wird wegen sparta-
kistischer Umtriebe der Belagerungszustand verhängt.
27. Durch eine Verfügung der Reichsregierung wird den Kriegs-
beschädigten und deren Hinterbliebenen vom 1. Juni ab
eine erhöhte Teuerungszulage gewährt. Außerdem wird eine
großzügige Kriegsbeschädigtenfürsorge in Aussicht gestellt.
29. Die deutsche Friedensdelegation reist nach Versailles ab.
Generalfeldmarschall von Hindenburg gibt der Reichs-
regierung seinen Rücktritt mit Abschluß der Friedensverhandlungen
bekannt.
Mai 1919.
1. In ganz Deutschland wird der 1. Mai als Feiertag für die allgemeinen
Menschheitsideale, Völkerversöhnung, Kriegsgefangenenbefreiung und
sozialistische Zukunftsideale gefeiert.
2. Nach hartnäckigen Kämpfen wird in München die bayrische Spartakisten-
herrschaft von den Regierungstruppen gestürzt.
3. In der Berliner Handelskammer hält der neue Reichsfinanzminister
Denburg einen bedeutsamen Vortrag über die schwierige deutsche
Finanzlage.
4. - 11. In ganz Deutschland findet eine Opferwoche zugunsten der
Kriegsgefangenen statt, die ein gewaltiges Ergebnis zeitigt.
7. In Versailles werden der deutschen Friedensdelegation die ver-
nichtenden Bedingungen über den Gewaltfrieden der Entente überreicht.
9. - 16. Die deutschen Regierungen verhängen anläßlich der ungeheuer-
lichen Friedensbedingungen eine Trauerwoche über das ganze Reich.
10. Der Vorsitzende der deutschen Friedensdelegation übergibt in Versailles
zwei Protestnoten gegen den Vergewaltigungsfrieden.
11. In ganz Deutschland finden Massenprotestversammlungen
gegen den Gewaltfrieden statt.
12. Die Nationalversammlung tritt in Berlin zusammen und erklärt den
Friedensvorschlag einmütig für unannehmbar.
21. Der Major Pabst von Ohein, welcher sich unserer Kriegsgefangenen
mit größter Entschiedenheit angenommen hatte, scheidet infolge feind-
lichen Drucks aus der Kriegsgefangenen-Kommission aus.
In Bamberg tritt der bayrische Landtag zum ersten Male seit
Beseitigung der Spartakistenherrschaft zusammen.
22. Auf ihre energische Protestnote wird der deutschen Friedenskommission
die feindliche Antwort erteilt, worin in höhnischen Worten jedes Ent-
gegenkommen zugunsten der Kriegsgefangenen abgelehnt wird.
28. Die Reichsregierung erläßt eine Warnung gegen die hochverräterischen
Lösungsbestrebungen in den Rheinlanden.
29. In Versailles werden von der deutschen Friedensdelegation die be-
deutsamen Gegenvorschläge für einen Friedensvertrag gemacht.
Juni 1919.
1. In den Rheinlanden wird der landesverräterische Versuch zur Bildung
selbständiger Republiken von der entrüsteten treudeutschen Bevölkerung
jämmerlich vereitelt.
3. Die deutsche Reichsregierung läßt durch Minister Erzberger einen
geharnischten Protest gegen die französischen Umtriebe im Rheinlande
überreichen.
5. In München wird der Spartakistenführer Levins standrechtlich
erschossen.
10. In Weimar wird der sozialdemokratische Parteitag mit bedeutsamen
Erklärungen der Minister Noske und Scheidemann eröffnet.
20. Rücktritt des Gesamtkabinetts.
21. Im Hinblick auf die Unterzeichnung des Friedensvertrages wird ein
neues Kabinett gebildet: Präsident des Reichsministeriums Bauer;
Reichsminister des Auswärtigen: Hermann Müller; Inneres:
Dr. David; Vertreter des Reichsministerpräsidenten und Reichminister (sic)
der Finanzen: Erzberger; Reichswirtschaftsminister: Wissel;
Reichsarbeitsminister: Schlicke; Reichsschatzminister: Mayer-Kauf-
beuren; Reichspostminister: Giesberts; Reichsverkehrsminister und
weiter betraut mit der Führung des Reichskolonialamts: Dr. Bell;
Reichswehrminister: Noske, Reichsernährungsminister: Schmidt;
Reichsjustizminister: bleibt offen.
Versenkung der gesamten deutschen, in England internierten
Schlachtflotte durch die deutsche Besatzung, unter Führung von
Konteradmiral von Reuter, auf Grund des vom Deutschen Kaiser
im Jahre 1914 gegebenen Befehls, daß die Schiffe niemals in
Feindeshand fallen dürfen.
23. Fristablauf des Ultimatums der Entente. Die Nationalversammlung
erklärt sich für die Unterzeichnung des Friedensvertrages bereit.
25. Appell der Reichsregierung an die Pflichttreue des Volkes.
29. Der Friedensvertrag wird durch den Reichsminister des Auswärtigen
Hermann Müller und Reichsverkehrsminister Dr. Bell, nach-
mittags 3 Uhr im Schloß Versailles unterzeichnet.
Juli 1919.
3. Hindenburgs Abschied. Auflösung der Obersten Heeresleitung.
7. Hindenburg, Ludendorff, Bethmann-Hollweg, und alle
führenden Männer der kaiserlichen Regierung stellen sich der Entente
anstelle des Kaisers zur Verfügung. Aufflammen einer Bewegung
in Deutschland gegen die Auslieferung des Kaisers.
8. Der Staatenausschuß des Deutschen Reiches stimmt der Ratifikation
des Friedensvertrages zu.
9. Schwere revolutionäre Unruhen beginnen in Italien.
10. Zusage der Alliierten für den Beginn des Abtransportes der deutschen
Kriegsgefangenen nach der Heimat.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von der Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
11. Zum Präsidenten des Deutschen Reiches wird der bisherige Volks-
beauftragte Ebert gewählt. Ministerpräsident wird Scheidemann.
13. Der russische Spartakistenführer Radek wird in Berlin verhaftet.
14. Bei der Erneuerung des Waffenstillstandes wird eine Demarkations-
linie gegen die Polen und Tschechen festgelegt, die von beiden Seiten
nicht überschritten werden darf.
15. Der Nationalversammlung geht eine neue Kreditvorlage über 25
Milliarden Mark zu.
Hindenburg erläßt einen Aufruf zum Kampfe gegen den Bol-
schewismus.
18. Im Ruhrgebiet wird von den Spartakisten der Generalstreik erzwungen.
21. In München wird der Ministerpräsident Eisner ermordet.
Im Landtag schießt ein Spartakist auf den Minister Auer und den
Ministerrat Garres. Der Münchner Landtag wird aufgelöst.
24. Der Generalstreik im Ruhrgebiet, bei dem schwere spartakistische Aus-
schreitungen stattgefunden haben, ist beendet.
27. In der Nationalversammlung wird das Gesetz über die vorläufige
Reichswehr angenommen.
Als Protest gegen die Verschleppung der Sozialisierung wird in
ganz Mitteldeutschland der Generalstreik erklärt.
März 1919.
2. General von Lettow-Vorbeck hält mit Gouverneur Dr. Schnee
und den Ostafrikanern unter großer Begeisterung in Berlin Einzug.
4. Die Reichsregierung kündigt die Sozialisierungsgesetze an.
In Berlin wird unter Anführung der Spartakisten der General-
streik erklärt und durch die Regierungstruppen nach mehrtägigem
Kampfe unterdrückt.
10. Die preußische Regierung veröffentlicht eine Verordnung über die Auf-
teilung der Familiengüter und Fideikommisse.
14. In Spaa wird ein neues Abkommen über Lebensmittellieferungen an
Deutschland unterzeichnet.
20. In Posen werden die Waffenstillstandsverhandlungen mit dem franzö-
sischen General Nudant abgebrochen.
In Hamburg wird durch einen Streik der Seeleute die Ausfahrt
der Lebensmittelschiffe vereitelt.
25. Das erste amerikanische Lebensmittelschiff trifft in Hamburg ein.
26. Der französische General Nudant verlangt in einem Ultimatum den
Durchmarsch der Polen durch Danzig. Diese Forderung wird
von der deutschen Regierung abgelehnt.
27. Die Nationalversammlung beschließt die Errichtung eines Staats-
gerichtshofes zu einer Untersuchung der Schuld am Kriege.
31. Im Ruhrgebiet wird der Generalstreik erklärt und der Belagerungs-
zustand verhängt.
Die deutsche Finanzkommission ist in Paris eingetroffen.
April 1919.
5. In Süddeutschland finden schwere spartakistische Bewegungen statt.
6. Das Reichskabinett beschließt, in der Reichsverfassung die Arbeiter-
und Betriebsräte zu verankern.
7. In München wir die Räterepublik beschlossen.
9. In Berlin wird der 2. Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte er-
öffnet.
In Magdeburg finden spartakistische Straßenkämpfe statt, die
durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
In Berlin wird durch einen Streik der Banken und der Metall-
industrie das Wirtschaftsleben schwer geschädigt.
13. Bei einem spartakistischen Aufstand in Dresden wird der sächsische
Kriegsminister Neuring in die Elbe geworfen und erschossen.
Der Aufstand wird durch die Regierungstruppen unterdrückt.
An Stelle des zurückgetretenen Reichsfinanzministers Dr. Schiffer
wird Dernburg Finanzminister.
17. Durch den Einzug der Regierungstruppen in Braunschweig unter
General Maercker wird dort das Ende einer lange andauernden
Spartakistenherrschaft herbeigeführt.
20. Die Entente lädt die deutsche Friedensdelegation zum 25. April nach
Versailles zur Empfangnahme der Friedenspräliminarien ein.
22. In Hamburg wird wegen schwerer spartakistischen Ausschreitungen
der Belagerungszustand verhängt.
24. Die deutsche Reichsregierung veröffentlicht einen von ihr ausgearbeiteten
Entwurf für einen Völkerbund.
Ueber das Gebiet des Freistaates Sachsen wird wegen sparta-
kistischer Umtriebe der Belagerungszustand verhängt.
27. Durch eine Verfügung der Reichsregierung wird den Kriegs-
beschädigten und deren Hinterbliebenen vom 1. Juni ab
eine erhöhte Teuerungszulage gewährt. Außerdem wird eine
großzügige Kriegsbeschädigtenfürsorge in Aussicht gestellt.
29. Die deutsche Friedensdelegation reist nach Versailles ab.
Generalfeldmarschall von Hindenburg gibt der Reichs-
regierung seinen Rücktritt mit Abschluß der Friedensverhandlungen
bekannt.
Mai 1919.
1. In ganz Deutschland wird der 1. Mai als Feiertag für die allgemeinen
Menschheitsideale, Völkerversöhnung, Kriegsgefangenenbefreiung und
sozialistische Zukunftsideale gefeiert.
2. Nach hartnäckigen Kämpfen wird in München die bayrische Spartakisten-
herrschaft von den Regierungstruppen gestürzt.
3. In der Berliner Handelskammer hält der neue Reichsfinanzminister
Denburg einen bedeutsamen Vortrag über die schwierige deutsche
Finanzlage.
4. - 11. In ganz Deutschland findet eine Opferwoche zugunsten der
Kriegsgefangenen statt, die ein gewaltiges Ergebnis zeitigt.
7. In Versailles werden der deutschen Friedensdelegation die ver-
nichtenden Bedingungen über den Gewaltfrieden der Entente überreicht.
9. - 16. Die deutschen Regierungen verhängen anläßlich der ungeheuer-
lichen Friedensbedingungen eine Trauerwoche über das ganze Reich.
10. Der Vorsitzende der deutschen Friedensdelegation übergibt in Versailles
zwei Protestnoten gegen den Vergewaltigungsfrieden.
11. In ganz Deutschland finden Massenprotestversammlungen
gegen den Gewaltfrieden statt.
12. Die Nationalversammlung tritt in Berlin zusammen und erklärt den
Friedensvorschlag einmütig für unannehmbar.
21. Der Major Pabst von Ohein, welcher sich unserer Kriegsgefangenen
mit größter Entschiedenheit angenommen hatte, scheidet infolge feind-
lichen Drucks aus der Kriegsgefangenen-Kommission aus.
In Bamberg tritt der bayrische Landtag zum ersten Male seit
Beseitigung der Spartakistenherrschaft zusammen.
22. Auf ihre energische Protestnote wird der deutschen Friedenskommission
die feindliche Antwort erteilt, worin in höhnischen Worten jedes Ent-
gegenkommen zugunsten der Kriegsgefangenen abgelehnt wird.
28. Die Reichsregierung erläßt eine Warnung gegen die hochverräterischen
Lösungsbestrebungen in den Rheinlanden.
29. In Versailles werden von der deutschen Friedensdelegation die be-
deutsamen Gegenvorschläge für einen Friedensvertrag gemacht.
Juni 1919.
1. In den Rheinlanden wird der landesverräterische Versuch zur Bildung
selbständiger Republiken von der entrüsteten treudeutschen Bevölkerung
jämmerlich vereitelt.
3. Die deutsche Reichsregierung läßt durch Minister Erzberger einen
geharnischten Protest gegen die französischen Umtriebe im Rheinlande
überreichen.
5. In München wird der Spartakistenführer Levins standrechtlich
erschossen.
10. In Weimar wird der sozialdemokratische Parteitag mit bedeutsamen
Erklärungen der Minister Noske und Scheidemann eröffnet.
20. Rücktritt des Gesamtkabinetts.
21. Im Hinblick auf die Unterzeichnung des Friedensvertrages wird ein
neues Kabinett gebildet: Präsident des Reichsministeriums Bauer;
Reichsminister des Auswärtigen: Hermann Müller; Inneres:
Dr. David; Vertreter des Reichsministerpräsidenten und Reichminister (sic)
der Finanzen: Erzberger; Reichswirtschaftsminister: Wissel;
Reichsarbeitsminister: Schlicke; Reichsschatzminister: Mayer-Kauf-
beuren; Reichspostminister: Giesberts; Reichsverkehrsminister und
weiter betraut mit der Führung des Reichskolonialamts: Dr. Bell;
Reichswehrminister: Noske, Reichsernährungsminister: Schmidt;
Reichsjustizminister: bleibt offen.
Versenkung der gesamten deutschen, in England internierten
Schlachtflotte durch die deutsche Besatzung, unter Führung von
Konteradmiral von Reuter, auf Grund des vom Deutschen Kaiser
im Jahre 1914 gegebenen Befehls, daß die Schiffe niemals in
Feindeshand fallen dürfen.
23. Fristablauf des Ultimatums der Entente. Die Nationalversammlung
erklärt sich für die Unterzeichnung des Friedensvertrages bereit.
25. Appell der Reichsregierung an die Pflichttreue des Volkes.
29. Der Friedensvertrag wird durch den Reichsminister des Auswärtigen
Hermann Müller und Reichsverkehrsminister Dr. Bell, nach-
mittags 3 Uhr im Schloß Versailles unterzeichnet.
Juli 1919.
3. Hindenburgs Abschied. Auflösung der Obersten Heeresleitung.
7. Hindenburg, Ludendorff, Bethmann-Hollweg, und alle
führenden Männer der kaiserlichen Regierung stellen sich der Entente
anstelle des Kaisers zur Verfügung. Aufflammen einer Bewegung
in Deutschland gegen die Auslieferung des Kaisers.
8. Der Staatenausschuß des Deutschen Reiches stimmt der Ratifikation
des Friedensvertrages zu.
9. Schwere revolutionäre Unruhen beginnen in Italien.
10. Zusage der Alliierten für den Beginn des Abtransportes der deutschen
Kriegsgefangenen nach der Heimat.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von der Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
11. Zum Präsidenten des Deutschen Reiches wird der bisherige Volks-
beauftragte Ebert gewählt. Ministerpräsident wird Scheidemann.
13. Der russische Spartakistenführer Radek wird in Berlin verhaftet.
14. Bei der Erneuerung des Waffenstillstandes wird eine Demarkations-
linie gegen die Polen und Tschechen festgelegt, die von beiden Seiten
nicht überschritten werden darf.
15. Der Nationalversammlung geht eine neue Kreditvorlage über 25
Milliarden Mark zu.
Hindenburg erläßt einen Aufruf zum Kampfe gegen den Bol-
schewismus.
18. Im Ruhrgebiet wird von den Spartakisten der Generalstreik erzwungen.
21. In München wird der Ministerpräsident Eisner ermordet.
Im Landtag schießt ein Spartakist auf den Minister Auer und den
Ministerrat Garres. Der Münchner Landtag wird aufgelöst.
24. Der Generalstreik im Ruhrgebiet, bei dem schwere spartakistische Aus-
schreitungen stattgefunden haben, ist beendet.
27. In der Nationalversammlung wird das Gesetz über die vorläufige
Reichswehr angenommen.
Als Protest gegen die Verschleppung der Sozialisierung wird in
ganz Mitteldeutschland der Generalstreik erklärt.
März 1919.
2. General von Lettow-Vorbeck hält mit Gouverneur Dr. Schnee
und den Ostafrikanern unter großer Begeisterung in Berlin Einzug.
4. Die Reichsregierung kündigt die Sozialisierungsgesetze an.
In Berlin wird unter Anführung der Spartakisten der General-
streik erklärt und durch die Regierungstruppen nach mehrtägigem
Kampfe unterdrückt.
10. Die preußische Regierung veröffentlicht eine Verordnung über die Auf-
teilung der Familiengüter und Fideikommisse.
14. In Spaa wird ein neues Abkommen über Lebensmittellieferungen an
Deutschland unterzeichnet.
20. In Posen werden die Waffenstillstandsverhandlungen mit dem franzö-
sischen General Nudant abgebrochen.
In Hamburg wird durch einen Streik der Seeleute die Ausfahrt
der Lebensmittelschiffe vereitelt.
25. Das erste amerikanische Lebensmittelschiff trifft in Hamburg ein.
26. Der französische General Nudant verlangt in einem Ultimatum den
Durchmarsch der Polen durch Danzig. Diese Forderung wird
von der deutschen Regierung abgelehnt.
27. Die Nationalversammlung beschließt die Errichtung eines Staats-
gerichtshofes zu einer Untersuchung der Schuld am Kriege.
31. Im Ruhrgebiet wird der Generalstreik erklärt und der Belagerungs-
zustand verhängt.
Die deutsche Finanzkommission ist in Paris eingetroffen.
April 1919.
5. In Süddeutschland finden schwere spartakistische Bewegungen statt.
6. Das Reichskabinett beschließt, in der Reichsverfassung die Arbeiter-
und Betriebsräte zu verankern.
7. In München wir die Räterepublik beschlossen.
9. In Berlin wird der 2. Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte er-
öffnet.
In Magdeburg finden spartakistische Straßenkämpfe statt, die
durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
In Berlin wird durch einen Streik der Banken und der Metall-
industrie das Wirtschaftsleben schwer geschädigt.
13. Bei einem spartakistischen Aufstand in Dresden wird der sächsische
Kriegsminister Neuring in die Elbe geworfen und erschossen.
Der Aufstand wird durch die Regierungstruppen unterdrückt.
An Stelle des zurückgetretenen Reichsfinanzministers Dr. Schiffer
wird Dernburg Finanzminister.
17. Durch den Einzug der Regierungstruppen in Braunschweig unter
General Maercker wird dort das Ende einer lange andauernden
Spartakistenherrschaft herbeigeführt.
20. Die Entente lädt die deutsche Friedensdelegation zum 25. April nach
Versailles zur Empfangnahme der Friedenspräliminarien ein.
22. In Hamburg wird wegen schwerer spartakistischen Ausschreitungen
der Belagerungszustand verhängt.
24. Die deutsche Reichsregierung veröffentlicht einen von ihr ausgearbeiteten
Entwurf für einen Völkerbund.
Ueber das Gebiet des Freistaates Sachsen wird wegen sparta-
kistischer Umtriebe der Belagerungszustand verhängt.
27. Durch eine Verfügung der Reichsregierung wird den Kriegs-
beschädigten und deren Hinterbliebenen vom 1. Juni ab
eine erhöhte Teuerungszulage gewährt. Außerdem wird eine
großzügige Kriegsbeschädigtenfürsorge in Aussicht gestellt.
29. Die deutsche Friedensdelegation reist nach Versailles ab.
Generalfeldmarschall von Hindenburg gibt der Reichs-
regierung seinen Rücktritt mit Abschluß der Friedensverhandlungen
bekannt.
Mai 1919.
1. In ganz Deutschland wird der 1. Mai als Feiertag für die allgemeinen
Menschheitsideale, Völkerversöhnung, Kriegsgefangenenbefreiung und
sozialistische Zukunftsideale gefeiert.
2. Nach hartnäckigen Kämpfen wird in München die bayrische Spartakisten-
herrschaft von den Regierungstruppen gestürzt.
3. In der Berliner Handelskammer hält der neue Reichsfinanzminister
Denburg einen bedeutsamen Vortrag über die schwierige deutsche
Finanzlage.
4. - 11. In ganz Deutschland findet eine Opferwoche zugunsten der
Kriegsgefangenen statt, die ein gewaltiges Ergebnis zeitigt.
7. In Versailles werden der deutschen Friedensdelegation die ver-
nichtenden Bedingungen über den Gewaltfrieden der Entente überreicht.
9. - 16. Die deutschen Regierungen verhängen anläßlich der ungeheuer-
lichen Friedensbedingungen eine Trauerwoche über das ganze Reich.
10. Der Vorsitzende der deutschen Friedensdelegation übergibt in Versailles
zwei Protestnoten gegen den Vergewaltigungsfrieden.
11. In ganz Deutschland finden Massenprotestversammlungen
gegen den Gewaltfrieden statt.
12. Die Nationalversammlung tritt in Berlin zusammen und erklärt den
Friedensvorschlag einmütig für unannehmbar.
21. Der Major Pabst von Ohein, welcher sich unserer Kriegsgefangenen
mit größter Entschiedenheit angenommen hatte, scheidet infolge feind-
lichen Drucks aus der Kriegsgefangenen-Kommission aus.
In Bamberg tritt der bayrische Landtag zum ersten Male seit
Beseitigung der Spartakistenherrschaft zusammen.
22. Auf ihre energische Protestnote wird der deutschen Friedenskommission
die feindliche Antwort erteilt, worin in höhnischen Worten jedes Ent-
gegenkommen zugunsten der Kriegsgefangenen abgelehnt wird.
28. Die Reichsregierung erläßt eine Warnung gegen die hochverräterischen
Lösungsbestrebungen in den Rheinlanden.
29. In Versailles werden von der deutschen Friedensdelegation die be-
deutsamen Gegenvorschläge für einen Friedensvertrag gemacht.
Juni 1919.
1. In den Rheinlanden wird der landesverräterische Versuch zur Bildung
selbständiger Republiken von der entrüsteten treudeutschen Bevölkerung
jämmerlich vereitelt.
3. Die deutsche Reichsregierung läßt durch Minister Erzberger einen
geharnischten Protest gegen die französischen Umtriebe im Rheinlande
überreichen.
5. In München wird der Spartakistenführer Levins standrechtlich
erschossen.
10. In Weimar wird der sozialdemokratische Parteitag mit bedeutsamen
Erklärungen der Minister Noske und Scheidemann eröffnet.
20. Rücktritt des Gesamtkabinetts.
21. Im Hinblick auf die Unterzeichnung des Friedensvertrages wird ein
neues Kabinett gebildet: Präsident des Reichsministeriums Bauer;
Reichsminister des Auswärtigen: Hermann Müller; Inneres:
Dr. David; Vertreter des Reichsministerpräsidenten und Reichminister (sic)
der Finanzen: Erzberger; Reichswirtschaftsminister: Wissel;
Reichsarbeitsminister: Schlicke; Reichsschatzminister: Mayer-Kauf-
beuren; Reichspostminister: Giesberts; Reichsverkehrsminister und
weiter betraut mit der Führung des Reichskolonialamts: Dr. Bell;
Reichswehrminister: Noske, Reichsernährungsminister: Schmidt;
Reichsjustizminister: bleibt offen.
Versenkung der gesamten deutschen, in England internierten
Schlachtflotte durch die deutsche Besatzung, unter Führung von
Konteradmiral von Reuter, auf Grund des vom Deutschen Kaiser
im Jahre 1914 gegebenen Befehls, daß die Schiffe niemals in
Feindeshand fallen dürfen.
23. Fristablauf des Ultimatums der Entente. Die Nationalversammlung
erklärt sich für die Unterzeichnung des Friedensvertrages bereit.
25. Appell der Reichsregierung an die Pflichttreue des Volkes.
29. Der Friedensvertrag wird durch den Reichsminister des Auswärtigen
Hermann Müller und Reichsverkehrsminister Dr. Bell, nach-
mittags 3 Uhr im Schloß Versailles unterzeichnet.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von der Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
11. Zum Präsidenten des Deutschen Reiches wird der bisherige Volks-
beauftragte Ebert gewählt. Ministerpräsident wird Scheidemann.
13. Der russische Spartakistenführer Radek wird in Berlin verhaftet.
14. Bei der Erneuerung des Waffenstillstandes wird eine Demarkations-
linie gegen die Polen und Tschechen festgelegt, die von beiden Seiten
nicht überschritten werden darf.
15. Der Nationalversammlung geht eine neue Kreditvorlage über 25
Milliarden Mark zu.
Hindenburg erläßt einen Aufruf zum Kampfe gegen den Bol-
schewismus.
18. Im Ruhrgebiet wird von den Spartakisten der Generalstreik erzwungen.
21. In München wird der Ministerpräsident Eisner ermordet.
Im Landtag schießt ein Spartakist auf den Minister Auer und den
Ministerrat Garres. Der Münchner Landtag wird aufgelöst.
24. Der Generalstreik im Ruhrgebiet, bei dem schwere spartakistische Aus-
schreitungen stattgefunden haben, ist beendet.
27. In der Nationalversammlung wird das Gesetz über die vorläufige
Reichswehr angenommen.
Als Protest gegen die Verschleppung der Sozialisierung wird in
ganz Mitteldeutschland der Generalstreik erklärt.
März 1919.
2. General von Lettow-Vorbeck hält mit Gouverneur Dr. Schnee
und den Ostafrikanern unter großer Begeisterung in Berlin Einzug.
4. Die Reichsregierung kündigt die Sozialisierungsgesetze an.
In Berlin wird unter Anführung der Spartakisten der General-
streik erklärt und durch die Regierungstruppen nach mehrtägigem
Kampfe unterdrückt.
10. Die preußische Regierung veröffentlicht eine Verordnung über die Auf-
teilung der Familiengüter und Fideikommisse.
14. In Spaa wird ein neues Abkommen über Lebensmittellieferungen an
Deutschland unterzeichnet.
20. In Posen werden die Waffenstillstandsverhandlungen mit dem franzö-
sischen General Nudant abgebrochen.
In Hamburg wird durch einen Streik der Seeleute die Ausfahrt
der Lebensmittelschiffe vereitelt.
25. Das erste amerikanische Lebensmittelschiff trifft in Hamburg ein.
26. Der französische General Nudant verlangt in einem Ultimatum den
Durchmarsch der Polen durch Danzig. Diese Forderung wird
von der deutschen Regierung abgelehnt.
27. Die Nationalversammlung beschließt die Errichtung eines Staats-
gerichtshofes zu einer Untersuchung der Schuld am Kriege.
31. Im Ruhrgebiet wird der Generalstreik erklärt und der Belagerungs-
zustand verhängt.
Die deutsche Finanzkommission ist in Paris eingetroffen.
April 1919.
5. In Süddeutschland finden schwere spartakistische Bewegungen statt.
6. Das Reichskabinett beschließt, in der Reichsverfassung die Arbeiter-
und Betriebsräte zu verankern.
7. In München wir die Räterepublik beschlossen.
9. In Berlin wird der 2. Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte er-
öffnet.
In Magdeburg finden spartakistische Straßenkämpfe statt, die
durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
In Berlin wird durch einen Streik der Banken und der Metall-
industrie das Wirtschaftsleben schwer geschädigt.
13. Bei einem spartakistischen Aufstand in Dresden wird der sächsische
Kriegsminister Neuring in die Elbe geworfen und erschossen.
Der Aufstand wird durch die Regierungstruppen unterdrückt.
An Stelle des zurückgetretenen Reichsfinanzministers Dr. Schiffer
wird Dernburg Finanzminister.
17. Durch den Einzug der Regierungstruppen in Braunschweig unter
General Maercker wird dort das Ende einer lange andauernden
Spartakistenherrschaft herbeigeführt.
20. Die Entente lädt die deutsche Friedensdelegation zum 25. April nach
Versailles zur Empfangnahme der Friedenspräliminarien ein.
22. In Hamburg wird wegen schwerer spartakistischen Ausschreitungen
der Belagerungszustand verhängt.
24. Die deutsche Reichsregierung veröffentlicht einen von ihr ausgearbeiteten
Entwurf für einen Völkerbund.
Ueber das Gebiet des Freistaates Sachsen wird wegen sparta-
kistischer Umtriebe der Belagerungszustand verhängt.
27. Durch eine Verfügung der Reichsregierung wird den Kriegs-
beschädigten und deren Hinterbliebenen vom 1. Juni ab
eine erhöhte Teuerungszulage gewährt. Außerdem wird eine
großzügige Kriegsbeschädigtenfürsorge in Aussicht gestellt.
29. Die deutsche Friedensdelegation reist nach Versailles ab.
Generalfeldmarschall von Hindenburg gibt der Reichs-
regierung seinen Rücktritt mit Abschluß der Friedensverhandlungen
bekannt.
Mai 1919.
1. In ganz Deutschland wird der 1. Mai als Feiertag für die allgemeinen
Menschheitsideale, Völkerversöhnung, Kriegsgefangenenbefreiung und
sozialistische Zukunftsideale gefeiert.
2. Nach hartnäckigen Kämpfen wird in München die bayrische Spartakisten-
herrschaft von den Regierungstruppen gestürzt.
3. In der Berliner Handelskammer hält der neue Reichsfinanzminister
Denburg einen bedeutsamen Vortrag über die schwierige deutsche
Finanzlage.
4. - 11. In ganz Deutschland findet eine Opferwoche zugunsten der
Kriegsgefangenen statt, die ein gewaltiges Ergebnis zeitigt.
7. In Versailles werden der deutschen Friedensdelegation die ver-
nichtenden Bedingungen über den Gewaltfrieden der Entente überreicht.
9. - 16. Die deutschen Regierungen verhängen anläßlich der ungeheuer-
lichen Friedensbedingungen eine Trauerwoche über das ganze Reich.
10. Der Vorsitzende der deutschen Friedensdelegation übergibt in Versailles
zwei Protestnoten gegen den Vergewaltigungsfrieden.
11. In ganz Deutschland finden Massenprotestversammlungen
gegen den Gewaltfrieden statt.
12. Die Nationalversammlung tritt in Berlin zusammen und erklärt den
Friedensvorschlag einmütig für unannehmbar.
21. Der Major Pabst von Ohein, welcher sich unserer Kriegsgefangenen
mit größter Entschiedenheit angenommen hatte, scheidet infolge feind-
lichen Drucks aus der Kriegsgefangenen-Kommission aus.
In Bamberg tritt der bayrische Landtag zum ersten Male seit
Beseitigung der Spartakistenherrschaft zusammen.
22. Auf ihre energische Protestnote wird der deutschen Friedenskommission
die feindliche Antwort erteilt, worin in höhnischen Worten jedes Ent-
gegenkommen zugunsten der Kriegsgefangenen abgelehnt wird.
28. Die Reichsregierung erläßt eine Warnung gegen die hochverräterischen
Lösungsbestrebungen in den Rheinlanden.
29. In Versailles werden von der deutschen Friedensdelegation die be-
deutsamen Gegenvorschläge für einen Friedensvertrag gemacht.
Juni 1919.
1. In den Rheinlanden wird der landesverräterische Versuch zur Bildung
selbständiger Republiken von der entrüsteten treudeutschen Bevölkerung
jämmerlich vereitelt.
3. Die deutsche Reichsregierung läßt durch Minister Erzberger einen
geharnischten Protest gegen die französischen Umtriebe im Rheinlande
überreichen.
5. In München wird der Spartakistenführer Levins standrechtlich
erschossen.
10. In Weimar wird der sozialdemokratische Parteitag mit bedeutsamen
Erklärungen der Minister Noske und Scheidemann eröffnet.
20. Rücktritt des Gesamtkabinetts.
21. Im Hinblick auf die Unterzeichnung des Friedensvertrages wird ein
neues Kabinett gebildet: Präsident des Reichsministeriums Bauer;
Reichsminister des Auswärtigen: Hermann Müller; Inneres:
Dr. David; Vertreter des Reichsministerpräsidenten und Reichminister (sic)
der Finanzen: Erzberger; Reichswirtschaftsminister: Wissel;
Reichsarbeitsminister: Schlicke; Reichsschatzminister: Mayer-Kauf-
beuren; Reichspostminister: Giesberts; Reichsverkehrsminister und
weiter betraut mit der Führung des Reichskolonialamts: Dr. Bell;
Reichswehrminister: Noske, Reichsernährungsminister: Schmidt;
Reichsjustizminister: bleibt offen.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von der Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
11. Zum Präsidenten des Deutschen Reiches wird der bisherige Volks-
beauftragte Ebert gewählt. Ministerpräsident wird Scheidemann.
13. Der russische Spartakistenführer Radek wird in Berlin verhaftet.
14. Bei der Erneuerung des Waffenstillstandes wird eine Demarkations-
linie gegen die Polen und Tschechen festgelegt, die von beiden Seiten
nicht überschritten werden darf.
15. Der Nationalversammlung geht eine neue Kreditvorlage über 25
Milliarden Mark zu.
Hindenburg erläßt einen Aufruf zum Kampfe gegen den Bol-
schewismus.
18. Im Ruhrgebiet wird von den Spartakisten der Generalstreik erzwungen.
21. In München wird der Ministerpräsident Eisner ermordet.
Im Landtag schießt ein Spartakist auf den Minister Auer und den
Ministerrat Garres. Der Münchner Landtag wird aufgelöst.
24. Der Generalstreik im Ruhrgebiet, bei dem schwere spartakistische Aus-
schreitungen stattgefunden haben, ist beendet.
27. In der Nationalversammlung wird das Gesetz über die vorläufige
Reichswehr angenommen.
Als Protest gegen die Verschleppung der Sozialisierung wird in
ganz Mitteldeutschland der Generalstreik erklärt.
März 1919.
2. General von Lettow-Vorbeck hält mit Gouverneur Dr. Schnee
und den Ostafrikanern unter großer Begeisterung in Berlin Einzug.
4. Die Reichsregierung kündigt die Sozialisierungsgesetze an.
In Berlin wird unter Anführung der Spartakisten der General-
streik erklärt und durch die Regierungstruppen nach mehrtägigem
Kampfe unterdrückt.
10. Die preußische Regierung veröffentlicht eine Verordnung über die Auf-
teilung der Familiengüter und Fideikommisse.
14. In Spaa wird ein neues Abkommen über Lebensmittellieferungen an
Deutschland unterzeichnet.
20. In Posen werden die Waffenstillstandsverhandlungen mit dem franzö-
sischen General Nudant abgebrochen.
In Hamburg wird durch einen Streik der Seeleute die Ausfahrt
der Lebensmittelschiffe vereitelt.
25. Das erste amerikanische Lebensmittelschiff trifft in Hamburg ein.
26. Der französische General Nudant verlangt in einem Ultimatum den
Durchmarsch der Polen durch Danzig. Diese Forderung wird
von der deutschen Regierung abgelehnt.
27. Die Nationalversammlung beschließt die Errichtung eines Staats-
gerichtshofes zu einer Untersuchung der Schuld am Kriege.
31. Im Ruhrgebiet wird der Generalstreik erklärt und der Belagerungs-
zustand verhängt.
Die deutsche Finanzkommission ist in Paris eingetroffen.
April 1919.
5. In Süddeutschland finden schwere spartakistische Bewegungen statt.
6. Das Reichskabinett beschließt, in der Reichsverfassung die Arbeiter-
und Betriebsräte zu verankern.
7. In München wir die Räterepublik beschlossen.
9. In Berlin wird der 2. Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte er-
öffnet.
In Magdeburg finden spartakistische Straßenkämpfe statt, die
durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
In Berlin wird durch einen Streik der Banken und der Metall-
industrie das Wirtschaftsleben schwer geschädigt.
13. Bei einem spartakistischen Aufstand in Dresden wird der sächsische
Kriegsminister Neuring in die Elbe geworfen und erschossen.
Der Aufstand wird durch die Regierungstruppen unterdrückt.
An Stelle des zurückgetretenen Reichsfinanzministers Dr. Schiffer
wird Dernburg Finanzminister.
17. Durch den Einzug der Regierungstruppen in Braunschweig unter
General Maercker wird dort das Ende einer lange andauernden
Spartakistenherrschaft herbeigeführt.
20. Die Entente lädt die deutsche Friedensdelegation zum 25. April nach
Versailles zur Empfangnahme der Friedenspräliminarien ein.
22. In Hamburg wird wegen schwerer spartakistischen Ausschreitungen
der Belagerungszustand verhängt.
24. Die deutsche Reichsregierung veröffentlicht einen von ihr ausgearbeiteten
Entwurf für einen Völkerbund.
Ueber das Gebiet des Freistaates Sachsen wird wegen sparta-
kistischer Umtriebe der Belagerungszustand verhängt.
27. Durch eine Verfügung der Reichsregierung wird den Kriegs-
beschädigten und deren Hinterbliebenen vom 1. Juni ab
eine erhöhte Teuerungszulage gewährt. Außerdem wird eine
großzügige Kriegsbeschädigtenfürsorge in Aussicht gestellt.
29. Die deutsche Friedensdelegation reist nach Versailles ab.
Generalfeldmarschall von Hindenburg gibt der Reichs-
regierung seinen Rücktritt mit Abschluß der Friedensverhandlungen
bekannt.
Mai 1919.
1. In ganz Deutschland wird der 1. Mai als Feiertag für die allgemeinen
Menschheitsideale, Völkerversöhnung, Kriegsgefangenenbefreiung und
sozialistische Zukunftsideale gefeiert.
2. Nach hartnäckigen Kämpfen wird in München die bayrische Spartakisten-
herrschaft von den Regierungstruppen gestürzt.
3. In der Berliner Handelskammer hält der neue Reichsfinanzminister
Denburg einen bedeutsamen Vortrag über die schwierige deutsche
Finanzlage.
4. - 11. In ganz Deutschland findet eine Opferwoche zugunsten der
Kriegsgefangenen statt, die ein gewaltiges Ergebnis zeitigt.
7. In Versailles werden der deutschen Friedensdelegation die ver-
nichtenden Bedingungen über den Gewaltfrieden der Entente überreicht.
9. - 16. Die deutschen Regierungen verhängen anläßlich der ungeheuer-
lichen Friedensbedingungen eine Trauerwoche über das ganze Reich.
10. Der Vorsitzende der deutschen Friedensdelegation übergibt in Versailles
zwei Protestnoten gegen den Vergewaltigungsfrieden.
11. In ganz Deutschland finden Massenprotestversammlungen
gegen den Gewaltfrieden statt.
12. Die Nationalversammlung tritt in Berlin zusammen und erklärt den
Friedensvorschlag einmütig für unannehmbar.
21. Der Major Pabst von Ohein, welcher sich unserer Kriegsgefangenen
mit größter Entschiedenheit angenommen hatte, scheidet infolge feind-
lichen Drucks aus der Kriegsgefangenen-Kommission aus.
In Bamberg tritt der bayrische Landtag zum ersten Male seit
Beseitigung der Spartakistenherrschaft zusammen.
22. Auf ihre energische Protestnote wird der deutschen Friedenskommission
die feindliche Antwort erteilt, worin in höhnischen Worten jedes Ent-
gegenkommen zugunsten der Kriegsgefangenen abgelehnt wird.
28. Die Reichsregierung erläßt eine Warnung gegen die hochverräterischen
Lösungsbestrebungen in den Rheinlanden.
29. In Versailles werden von der deutschen Friedensdelegation die be-
deutsamen Gegenvorschläge für einen Friedensvertrag gemacht.
Juni 1919.
1. In den Rheinlanden wird der landesverräterische Versuch zur Bildung
selbständiger Republiken von der entrüsteten treudeutschen Bevölkerung
jämmerlich vereitelt.
3. Die deutsche Reichsregierung läßt durch Minister Erzberger einen
geharnischten Protest gegen die französischen Umtriebe im Rheinlande
überreichen.
5. In München wird der Spartakistenführer Levins standrechtlich
erschossen.
10. In Weimar wird der sozialdemokratische Parteitag mit bedeutsamen
Erklärungen der Minister Noske und Scheidemann eröffnet.
20. Rücktritt des Gesamtkabinetts.
21. Im Hinblick auf die Unterzeichnung des Friedensvertrages wird ein
neues Kabinett gebildet: Präsident des Reichsministeriums Bauer;
Reichsminister des Auswärtigen: Herrmann Müller; Inneres:
Dr. David; Vertreter des Reichsministerpräsidenten und Reichminister (sic)
der Finanzen: Erzberger; Reichswirtschaftsminister: Wissel;
Reichsarbeitsminister: Schlicke; Reichsschatzminister: Mayer-Kauf-
beuren; Reichspostminister: Giesberts; Reichsverkehrsminister und
weiter betraut mit der Führung des Reichskolonialamts: Dr. Bell;
Reichswehrminister: Noske, Reichsernährungsminister: Schmidt;
Reichsjustizminister: bleibt offen.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von der Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
11. Zum Präsidenten des Deutschen Reiches wird der bisherige Volks-
beauftragte Ebert gewählt. Ministerpräsident wird Scheidemann.
13. Der russische Spartakistenführer Radek wird in Berlin verhaftet.
14. Bei der Erneuerung des Waffenstillstandes wird eine Demarkations-
linie gegen die Polen und Tschechen festgelegt, die von beiden Seiten
nicht überschritten werden darf.
15. Der Nationalversammlung geht eine neue Kreditvorlage über 25
Milliarden Mark zu.
Hindenburg erläßt einen Aufruf zum Kampfe gegen den Bol-
schewismus.
18. Im Ruhrgebiet wird von den Spartakisten der Generalstreik erzwungen.
21. In München wird der Ministerpräsident Eisner ermordet.
Im Landtag schießt ein Spartakist auf den Minister Auer und den
Ministerrat Garres. Der Münchner Landtag wird aufgelöst.
24. Der Generalstreik im Ruhrgebiet, bei dem schwere spartakistische Aus-
schreitungen stattgefunden haben, ist beendet.
27. In der Nationalversammlung wird das Gesetz über die vorläufige
Reichswehr angenommen.
Als Protest gegen die Verschleppung der Sozialisierung wird in
ganz Mitteldeutschland der Generalstreik erklärt.
März 1919.
2. General von Lettow-Vorbeck hält mit Gouverneur Dr. Schnee
und den Ostafrikanern unter großer Begeisterung in Berlin Einzug.
4. Die Reichsregierung kündigt die Sozialisierungsgesetze an.
In Berlin wird unter Anführung der Spartakisten der General-
streik erklärt und durch die Regierungstruppen nach mehrtägigem
Kampfe unterdrückt.
10. Die preußische Regierung veröffentlicht eine Verordnung über die Auf-
teilung der Familiengüter und Fideikommisse.
14. In Spaa wird ein neues Abkommen über Lebensmittellieferungen an
Deutschland unterzeichnet.
20. In Posen werden die Waffenstillstandsverhandlungen mit dem franzö-
sischen General Nudant abgebrochen.
In Hamburg wird durch einen Streik der Seeleute die Ausfahrt
der Lebensmittelschiffe vereitelt.
25. Das erste amerikanische Lebensmittelschiff trifft in Hamburg ein.
26. Der französische General Nudant verlangt in einem Ultimatum den
Durchmarsch der Polen durch Danzig. Diese Forderung wird
von der deutschen Regierung abgelehnt.
27. Die Nationalversammlung beschließt die Errichtung eines Staats-
gerichtshofes zu einer Untersuchung der Schuld am Kriege.
31. Im Ruhrgebiet wird der Generalstreik erklärt und der Belagerungs-
zustand verhängt.
Die deutsche Finanzkommission ist in Paris eingetroffen.
April 1919.
5. In Süddeutschland finden schwere spartakistische Bewegungen statt.
6. Das Reichskabinett beschließt, in der Reichsverfassung die Arbeiter-
und Betriebsräte zu verankern.
7. In München wir die Räterepublik beschlossen.
9. In Berlin wird der 2. Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte er-
öffnet.
In Magdeburg finden spartakistische Straßenkämpfe statt, die
durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
In Berlin wird durch einen Streik der Banken und der Metall-
industrie das Wirtschaftsleben schwer geschädigt.
13. Bei einem spartakistischen Aufstand in Dresden wird der sächsische
Kriegsminister Neuring in die Elbe geworfen und erschossen.
Der Aufstand wird durch die Regierungstruppen unterdrückt.
An Stelle des zurückgetretenen Reichsfinanzministers Dr. Schiffer
wird Dernburg Finanzminister.
17. Durch den Einzug der Regierungstruppen in Braunschweig unter
General Maercker wird dort das Ende einer lange andauernden
Spartakistenherrschaft herbeigeführt.
20. Die Entente lädt die deutsche Friedensdelegation zum 25. April nach
Versailles zur Empfangnahme der Friedenspräliminarien ein.
22. In Hamburg wird wegen schwerer spartakistischen Ausschreitungen
der Belagerungszustand verhängt.
24. Die deutsche Reichsregierung veröffentlicht einen von ihr ausgearbeiteten
Entwurf für einen Völkerbund.
Ueber das Gebiet des Freistaates Sachsen wird wegen sparta-
kistischer Umtriebe der Belagerungszustand verhängt.
27. Durch eine Verfügung der Reichsregierung wird den Kriegs-
beschädigten und deren Hinterbliebenen vom 1. Juni ab
eine erhöhte Teuerungszulage gewährt. Außerdem wird eine
großzügige Kriegsbeschädigtenfürsorge in Aussicht gestellt.
29. Die deutsche Friedensdelegation reist nach Versailles ab.
Generalfeldmarschall von Hindenburg gibt der Reichs-
regierung seinen Rücktritt mit Abschluß der Friedensverhandlungen
bekannt.
Mai 1919.
1. In ganz Deutschland wird der 1. Mai als Feiertag für die allgemeinen
Menschheitsideale, Völkerversöhnung, Kriegsgefangenenbefreiung und
sozialistische Zukunftsideale gefeiert.
2. Nach hartnäckigen Kämpfen wird in München die bayrische Spartakisten-
herrschaft von den Regierungstruppen gestürzt.
3. In der Berliner Handelskammer hält der neue Reichsfinanzminister
Denburg einen bedeutsamen Vortrag über die schwierige deutsche
Finanzlage.
4. - 11. In ganz Deutschland findet eine Opferwoche zugunsten der
Kriegsgefangenen statt, die ein gewaltiges Ergebnis zeitigt.
7. In Versailles werden der deutschen Friedensdelegation die ver-
nichtenden Bedingungen über den Gewaltfrieden der Entente überreicht.
9. - 16. Die deutschen Regierungen verhängen anläßlich der ungeheuer-
lichen Friedensbedingungen eine Trauerwoche über das ganze Reich.
10. Der Vorsitzende der deutschen Friedensdelegation übergibt in Versailles
zwei Protestnoten gegen den Vergewaltigungsfrieden.
11. In ganz Deutschland finden Massenprotestversammlungen
gegen den Gewaltfrieden statt.
12. Die Nationalversammlung tritt in Berlin zusammen und erklärt den
Friedensvorschlag einmütig für unannehmbar.
21. Der Major Pabst von Ohein, welcher sich unserer Kriegsgefangenen
mit größter Entschiedenheit angenommen hatte, scheidet infolge feind-
lichen Drucks aus der Kriegsgefangenen-Kommission aus.
In Bamberg tritt der bayrische Landtag zum ersten Male seit
Beseitigung der Spartakistenherrschaft zusammen.
22. Auf ihre energische Protestnote wird der deutschen Friedenskommission
die feindliche Antwort erteilt, worin in höhnischen Worten jedes Ent-
gegenkommen zugunsten der Kriegsgefangenen abgelehnt wird.
28. Die Reichsregierung erläßt eine Warnung gegen die hochverräterischen
Lösungsbestrebungen in den Rheinlanden.
29. In Versailles werden von der deutschen Friedensdelegation die be-
deutsamen Gegenvorschläge für einen Friedensvertrag gemacht.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von der Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
11. Zum Präsidenten des Deutschen Reiches wird der bisherige Volks-
beauftragte Ebert gewählt. Ministerpräsident wird Scheidemann.
13. Der russische Spartakistenführer Radek wird in Berlin verhaftet.
14. Bei der Erneuerung des Waffenstillstandes wird eine Demarkations-
linie gegen die Polen und Tschechen festgelegt, die von beiden Seiten
nicht überschritten werden darf.
15. Der Nationalversammlung geht eine neue Kreditvorlage über 25
Milliarden Mark zu.
Hindenburg erläßt einen Aufruf zum Kampfe gegen den Bol-
schewismus.
18. Im Ruhrgebiet wird von den Spartakisten der Generalstreik erzwungen.
21. In München wird der Ministerpräsident Eisner ermordet.
Im Landtag schießt ein Spartakist auf den Minister Auer und den
Ministerrat Garres. Der Münchner Landtag wird aufgelöst.
24. Der Generalstreik im Ruhrgebiet, bei dem schwere spartakistische Aus-
schreitungen stattgefunden haben, ist beendet.
27. In der Nationalversammlung wird das Gesetz über die vorläufige
Reichswehr angenommen.
Als Protest gegen die Verschleppung der Sozialisierung wird in
ganz Mitteldeutschland der Generalstreik erklärt.
März 1919.
2. General von Lettow-Vorbeck hält mit Gouverneur Dr. Schnee
und den Ostafrikanern unter großer Begeisterung in Berlin Einzug.
4. Die Reichsregierung kündigt die Sozialisierungsgesetze an.
In Berlin wird unter Anführung der Spartakisten der General-
streik erklärt und durch die Regierungstruppen nach mehrtägigem
Kampfe unterdrückt.
10. Die preußische Regierung veröffentlicht eine Verordnung über die Auf-
teilung der Familiengüter und Fideikommisse.
14. In Spaa wird ein neues Abkommen über Lebensmittellieferungen an
Deutschland unterzeichnet.
20. In Posen werden die Waffenstillstandsverhandlungen mit dem franzö-
sischen General Nudant abgebrochen.
In Hamburg wird durch einen Streik der Seeleute die Ausfahrt
der Lebensmittelschiffe vereitelt.
25. Das erste amerikanische Lebensmittelschiff trifft in Hamburg ein.
26. Der französische General Nudant verlangt in einem Ultimatum den
Durchmarsch der Polen durch Danzig. Diese Forderung wird
von der deutschen Regierung abgelehnt.
27. Die Nationalversammlung beschließt die Errichtung eines Staats-
gerichtshofes zu einer Untersuchung der Schuld am Kriege.
31. Im Ruhrgebiet wird der Generalstreik erklärt und der Belagerungs-
zustand verhängt.
Die deutsche Finanzkommission ist in Paris eingetroffen.
April 1919.
5. In Süddeutschland finden schwere spartakistische Bewegungen statt.
6. Das Reichskabinett beschließt, in der Reichsverfassung die Arbeiter-
und Betriebsräte zu verankern.
7. In München wir die Räterepublik beschlossen.
9. In Berlin wird der 2. Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte er-
öffnet.
In Magdeburg finden spartakistische Straßenkämpfe statt, die
durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
In Berlin wird durch einen Streik der Banken und der Metall-
industrie das Wirtschaftsleben schwer geschädigt.
13. Bei einem spartakistischen Aufstand in Dresden wird der sächsische
Kriegsminister Neuring in die Elbe geworfen und erschossen.
Der Aufstand wird durch die Regierungstruppen unterdrückt.
An Stelle des zurückgetretenen Reichsfinanzministers Dr. Schiffer
wird Dernburg Finanzminister.
17. Durch den Einzug der Regierungstruppen in Braunschweig unter
General Maercker wird dort das Ende einer lange andauernden
Spartakistenherrschaft herbeigeführt.
20. Die Entente lädt die deutsche Friedensdelegation zum 25. April nach
Versailles zur Empfangnahme der Friedenspräliminarien ein.
22. In Hamburg wird wegen schwerer spartakistischen Ausschreitungen
der Belagerungszustand verhängt.
24. Die deutsche Reichsregierung veröffentlicht einen von ihr ausgearbeiteten
Entwurf für einen Völkerbund.
Ueber das Gebiet des Freistaates Sachsen wird wegen sparta-
kistischer Umtriebe der Belagerungszustand verhängt.
27. Durch eine Verfügung der Reichsregierung wird den Kriegs-
beschädigten und deren Hinterbliebenen vom 1. Juni ab
eine erhöhte Teuerungszulage gewährt. Außerdem wird eine
großzügige Kriegsbeschädigtenfürsorge in Aussicht gestellt.
29. Die deutsche Friedensdelegation reist nach Versailles ab.
Generalfeldmarschall von Hindenburg gibt der Reichs-
regierung seinen Rücktritt mit Abschluß der Friedensverhandlungen
bekannt.
Mai 1919.
1. In ganz Deutschland wird der 1. Mai als Feiertag für die allgemeinen
Menschheitsideale, Völkerversöhnung, Kriegsgefangenenbefreiung und
sozialistische Zukunftsideale gefeiert.
2. Nach hartnäckigen Kämpfen wird in München die bayrische Spartakisten-
herrschaft von den Regierungstruppen gestürzt.
3. In der Berliner Handelskammer hält der neue Reichsfinanzminister
Denburg einen bedeutsamen Vorttrag über die schwierige deutsche
Finanzlage.
4. - 11. In ganz Deutschland findet eine Opferwoche zugunsten der
Kriegsgefangenen statt, die ein gewaltiges Ergebnis zeitigt.
7. In Versailles werden der deutschen Friedensdelegation die ver-
nichtenden Bedingungen über den Gewaltfrieden der Entente überreicht.
9. - 16. Die deutschen Regierungen verhängen anläßlich der ungeheuer-
lichen Friedensbedingungen eine Trauerwoche über das ganze Reich.
10. Der Vorsitzende der deutschen Friedensdelegation übergibt in Versailles
zwei Protestnoten gegen den Vergewaltigungsfrieden.
11. In ganz Deutschland finden Massenprotestversammlungen
gegen den Gewaltfrieden statt.
12. Die Nationalversammlung tritt in Berlin zusammen und erklärt den
Friedensvorschlag einmütig für unannehmbar.
21. Der Major Pabst von Ohein, welcher sich unserer Kriegsgefangenen
mit größter Entschiedenheit angenommen hatte, scheidet infolge feind-
lichen Drucks aus der Kriegsgefangenen-Kommission aus.
In Bamberg tritt der bayrische Landtag zum ersten Male seit
Beseitigung der Spartakistenherrschaft zusammen.
22. Auf ihre energische Protestnote wird der deutschen Friedenskommission
die feindliche Antwort erteilt, worin in höhnischen Worten jedes Ent-
gegenkommen zugunsten der Kriegsgefangenen abgelehnt wird.
28. Die Reichsregierung erläßt eine Warnung gegen die hochverräterischen
Lösungsbestrebungen in den Rheinlanden.
29. In Versailles werden von der deutschen Friedensdelegation die be-
deutsamen Gegenvorschläge für einen Friedensvertrag gemacht.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von der Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
11. Zum Präsidenten des Deutschen Reiches wird der bisherige Volks-
beauftragte Ebert gewählt. Ministerpräsident wird Scheidemann.
13. Der russische Spartakistenführer Radek wird in Berlin verhaftet.
14. Bei der Erneuerung des Waffenstillstandes wird eine Demarkations-
linie gegen die Polen und Tschechen festgelegt, die von beiden Seiten
nicht überschritten werden darf.
15. Der Nationalversammlung geht eine neue Kreditvorlage über 25
Milliarden Mark zu.
Hindenburg erläßt einen Aufruf zum Kampfe gegen den Bol-
schewismus.
18. Im Ruhrgebiet wird von den Spartakisten der Generalstreik erzwungen.
21. In München wird der Ministerpräsident Eisner ermordet.
Im Landtag schießt ein Spartakist auf den Minister Auer und den
Ministerrat Garres. Der Münchner Landtag wird aufgelöst.
24. Der Generalstreik im Ruhrgebiet, bei dem schwere spartakistische Aus-
schreitungen stattgefunden haben, ist beendet.
27. In der Nationalversammlung wird das Gesetz über die vorläufige
Reichswehr angenommen.
Als Protest gegen die Verschleppung der Sozialisierung wird in
ganz Mitteldeutschland der Generalstreik erklärt.
März 1919.
2. General von Lettow-Vorbeck hält mit Gouverneur Dr. Schnee
und den Ostafrikanern unter großer Begeisterung in Berlin Einzug.
4. Die Reichsregierung kündigt die Sozialisierungsgesetze an.
In Berlin wird unter Anführung der Spartakisten der General-
streik erklärt und durch die Regierungstruppen nach mehrtägigem
Kampfe unterdrückt.
10. Die preußische Regierung veröffentlicht eine Verordnung über die Auf-
teilung der Familiengüter und Fideikommisse.
14. In Spaa wird ein neues Abkommen über Lebensmittellieferungen an
Deutschland unterzeichnet.
20. In Posen werden die Waffenstillstandsverhandlungen mit dem franzö-
sischen General Nudant abgebrochen.
In Hamburg wird durch einen Streik der Seeleute die Ausfahrt
der Lebensmittelschiffe vereitelt.
25. Das erste amerikanische Lebensmittelschiff trifft in Hamburg ein.
26. Der französische General Nudant verlangt in einem Ultimatum den
Durchmarsch der Polen durch Danzig. Diese Forderung wird
von der deutschen Regierung abgelehnt.
27. Die Nationalversammlung beschließt die Errichtung eines Staats-
gerichtshofes zu einer Untersuchung der Schuld am Kriege.
31. Im Ruhrgebiet wird der Generalstreik erklärt und der Belagerungs-
zustand verhängt.
Die deutsche Finanzkommission ist in Paris eingetroffen.
April 1919.
5. In Süddeutschland finden schwere spartakistische Bewegungen statt.
6. Das Reichskabinett beschließt, in der Reichsverfassung die Arbeiter-
und Betriebsräte zu verankern.
7. In München wir die Räterepublik beschlossen.
9. In Berlin wird der 2. Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte er-
öffnet.
In Magdeburg finden spartakistische Straßenkämpfe statt, die
durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
In Berlin wird durch einen Streik der Banken und der Metall-
industrie das Wirtschaftsleben schwer geschädigt.
13. Bei einem spartakistischen Aufstand in Dresden wird der sächsische
Kriegsminister Neuring in die Elbe geworfen und erschossen.
Der Aufstand wird durch die Regierungstruppen unterdrückt.
An Stelle des zurückgetretenen Reichsfinanzministers Dr. Schiffer
wird Dernburg Finanzminister.
17. Durch den Einzug der Regierungstruppen in Braunschweig unter
General Maercker wird dort das Ende einer lange andauernden
Spartakistenherrschaft herbeigeführt.
20. Die Entente lädt die deutsche Friedensdelegation zum 25. April nach
Versailles zur Empfangnahme der Friedenspräliminarien ein.
22. In Hamburg wird wegen schwerer spartakistischen Ausschreitungen
der Belagerungszustand verhängt.
24. Die deutsche Reichsregierung veröffentlicht einen von ihr ausgearbeiteten
Entwurf für einen Völkerbund.
Ueber das Gebiet des Freistaates Sachsen wird wegen sparta-
kistischer Umtriebe der Belagerungszustand verhängt.
27. Durch eine Verfügung der Reichsregierung wird den Kriegs-
beschädigten und deren Hinterbliebenen vom 1. Juni ab
eine erhöhte Teuerungszulage gewährt. Außerdem wird eine
großzügige Kriegsbeschädigtenfürsorge in Aussicht gestellt.
29. Die deutsche Friedensdelegation reist nach Versailles ab.
Generalfeldmarschall von Hindenburg gibt der Reichs-
regierung seinen Rücktritt mit Abschluß der Friedensverhandlungen
bekannt.
Mai 1919.
1. In ganz Deutschland wird der 1. Mai als Feiertag für die allgemeinen
Menschheitsideale, Völkerversöhnung, Kriegsgefangenenbefreiung und
sozialistische Zukunftsideale gefeiert.
2. Nach hartnäckigen Kämpfen wird in München die bayrische Spartakisten-
herrschaft von den Regierungstruppen gestürzt.
3. In der Berliner Handelskammer hält der neue Reichsfinanzminister
Denburg einen bedeutsamen Vorttrag über die schwierige deutsche
Finanzlage.
4. - 11. In ganz Deutschland findet eine Opferwoche zugunsten der
Kriegsgefangenen statt, die ein gewaltiges Ergebnis zeitigt.
7. In Versailles werden der deutschen Friedensdelegation die ver-
nichtenden Bedingungen über den Gewaltfrieden der Entente überreicht.
9. - 16. Die deutschen Regierungen verhängen anläßlich der ungeheuer-
lichen Friedensbedingungen eine Trauerwoche über das ganze Reich.
10. Der Vorsitzende der deutschen Friedensdelegation übergibt in Versailles
zwei Protestnoten gegen den Vergewaltigungsfrieden.
11. In ganz Deutschland finden Massenprotestversammlungen
gegen den Gewaltfrieden statt.
12. Die Nationalversammlung tritt in Berlin zusammen und erklärt den
Friedensvorschlag einmütig für unannehmbar.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von der Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
11. Zum Präsidenten des Deutschen Reiches wird der bisherige Volks-
beauftragte Ebert gewählt. Ministerpräsident wird Scheidemann.
13. Der russische Spartakistenführer Radek wird in Berlin verhaftet.
14. Bei der Erneuerung des Waffenstillstandes wird eine Demarkations-
linie gegen die Polen und Tschechen festgelegt, die von beiden Seiten
nicht überschritten werden darf.
15. Der Nationalversammlung geht eine neue Kreditvorlage über 25
Milliarden Mark zu.
Hindenburg erläßt einen Aufruf zum Kampfe gegen den Bol-
schewismus.
18. Im Ruhrgebiet wird von den Spartakisten der Generalstreik erzwungen.
21. In München wird der Ministerpräsident Eisner ermordet.
Im Landtag schießt ein Spartakist auf den Minister Auer und den
Ministerrat Garres. Der Münchner Landtag wird aufgelöst.
24. Der Generalstreik im Ruhrgebiet, bei dem schwere spartakistische Aus-
schreitungen stattgefunden haben, ist beendet.
27. In der Nationalversammlung wird das Gesetz über die vorläufige
Reichswehr angenommen.
Als Protest gegen die Verschleppung der Sozialisierung wird in
ganz Mitteldeutschland der Generalstreik erklärt.
März 1919.
2. General von Lettow-Vorbeck hält mit Gouverneur Dr. Schnee
und den Ostafrikanern unter großer Begeisterung in Berlin Einzug.
4. Die Reichsregierung kündigt die Sozialisierungsgesetze an.
In Berlin wird unter Anführung der Spartakisten der General-
streik erklärt und durch die Regierungstruppen nach mehrtägigem
Kampfe unterdrückt.
10. Die preußische Regierung veröffentlicht eine Verordnung über die Auf-
teilung der Familiengüter und Fideikommisse.
14. In Spaa wird ein neues Abkommen über Lebensmittellieferungen an
Deutschland unterzeichnet.
20. In Posen werden die Waffenstillstandsverhandlungen mit dem franzö-
sischen General Nudant abgebrochen.
In Hamburg wird durch einen Streik der Seeleute die Ausfahrt
der Lebensmittelschiffe vereitelt.
25. Das erste amerikanische Lebensmittelschiff trifft in Hamburg ein.
26. Der französische General Nudant verlangt in einem Ultimatum den
Durchmarsch der Polen durch Danzig. Diese Forderung wird
von der deutschen Regierung abgelehnt.
27. Die Nationalversammlung beschließt die Errichtung eines Staats-
gerichtshofes zu einer Untersuchung der Schuld am Kriege.
31. Im Ruhrgebiet wird der Generalstreik erklärt und der Belagerungs-
zustand verhängt.
Die deutsche Finanzkommission ist in Paris eingetroffen.
April 1919.
5. In Süddeutschland finden schwere spartakistische Bewegungen statt.
6. Das Reichskabinett beschließt, in der Reichsverfassung die Arbeiter-
und Betriebsräte zu verankern.
7. In München wir die Räterepublik beschlossen.
9. In Berlin wird der 2. Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte er-
öffnet.
In Magdeburg finden spartakistische Straßenkämpfe statt, die
durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
In Berlin wird durch einen Streik der Banken und der Metall-
industrie das Wirtschaftsleben schwer geschädigt.
13. Bei einem spartakistischen Aufstand in Dresden wird der sächsische
Kriegsminister Neuring in die Elbe geworfen und erschossen.
Der Aufstand wird durch die Regierungstruppen unterdrückt.
An Stelle des zurückgetretenen Reichsfinanzministers Dr. Schiffer
wird Dernburg Finanzminister.
17. Durch den Einzug der Regierungstruppen in Braunschweig unter
General Maercker wird dort das Ende einer lange andauernden
Spartakistenherrschaft herbeigeführt.
20. Die Entente lädt die deutsche Friedensdelegation zum 25. April nach
Versailles zur Empfangnahme der Friedenspräliminarien ein.
22. In Hamburg wird wegen schwerer spartakistischen Ausschreitungen
der Belagerungszustand verhängt.
24. Die deutsche Reichsregierung veröffentlicht einen von ihr ausgearbeiteten
Entwurf für einen Völkerbund.
Ueber das Gebiet des Freistaates Sachsen wird wegen sparta-
kistischer Umtriebe der Belagerungszustand verhängt.
27. Durch eine Verfügung der Reichsregierung wird den Kriegs-
beschädigten und deren Hinterbliebenen vom 1. Juni ab
eine erhöhte Teuerungszulage gewährt. Außerdem wird eine
großzügige Kriegsbeschädigtenfürsorge in Aussicht gestellt.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von der Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
11. Zum Präsidenten des Deutschen Reiches wird der bisherige Volks-
beauftragte Ebert gewählt. Ministerpräsident wird Scheidemann.
13. Der russische Spartakistenführer Radek wird in Berlin verhaftet.
14. Bei der Erneuerung des Waffenstillstandes wird eine Demarkations-
linie gegen die Polen und Tschechen festgelegt, die von beiden Seiten
nicht überschritten werden darf.
15. Der Nationalversammlung geht eine neue Kreditvorlage über 25
Milliarden Mark zu.
Hindenburg erläßt einen Aufruf zum Kampfe gegen den Bol-
schewismus.
18. Im Ruhrgebiet wird von den Spartakisten der Generalstreik erzwungen.
21. In München wird der Ministerpräsident Eisner ermordet.
Im Landtag schießt ein Spartakist auf den Minister Auer und den
Ministerrat Garres. Der Münchner Landtag wird aufgelöst.
24. Der Generalstreik im Ruhrgebiet, bei dem schwere spartakistische Aus-
schreitungen stattgefunden haben, ist beendet.
27. In der Nationalversammlung wird das Gesetz über die vorläufige
Reichswehr angenommen.
Als Protest gegen die Verschleppung der Sozialisierung wird in
ganz Mitteldeutschland der Generalstreik erklärt.
März 1919.
2. General von Lettow-Vorbeck hält mit Gouverneur Dr. Schnee
und den Ostafrikanern unter großer Begeisterung in Berlin Einzug.
4. Die Reichsregierung kündigt die Sozialisierungsgesetze an.
In Berlin wird unter Anführung der Spartakisten der General-
streik erklärt und durch die Regierungstruppen nach mehrtägigem
Kampfe unterdrückt.
10. Die preußische Regierung veröffentlicht eine Verordnung über die Auf-
teilung der Familiengüter und Fideikommisse.
14. In Spaa wird ein neues Abkommen über Lebensmittellieferungen an
Deutschland unterzeichnet.
20. In Posen werden die Waffenstillstandsverhandlungen mit dem franzö-
sischen General Nudant abgebrochen.
In Hamburg wird durch einen Streik der Seeleute die Ausfahrt
der Lebensmittelschiffe vereitelt.
25. Das erste amerikanische Lebensmittelschiff trifft in Hamburg ein.
26. Der französische General Nudant verlangt in einem Ultimatum den
Durchmarsch der Polen durch Danzig. Diese Forderung wird
von der deutschen Regierung abgelehnt.
27. Die Nationalversammlung beschließt die Errichtung eines Staats-
gerichtshofes zu einer Untersuchung der Schuld am Kriege.
31. Im Ruhrgebiet wird der Generalstreik erklärt und der Belagerungs-
zustand verhängt.
Die deutsche Finanzkommission ist in Paris eingetroffen.
April 1919.
5. In Süddeutschland finden schwere spartakistische Bewegungen statt.
6. Das Reichskabinett beschließt, in der Reichsverfassung die Arbeiter-
und Betriebsräte zu verankern.
7. In München wir die Räterepublik beschlossen.
9. In Berlin wird der 2. Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte er-
öffnet.
In Magdeburg finden spartakistische Straßenkämpfe statt, die
durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
In Berlin wird durch einen Streik der Banken und der Metall-
industrie das Wirtschaftsleben schwer geschädigt.
13. Bei einem spartakistischen Aufstand in Dresden wird der sächsische
Kriegsminister Neuring in die Elbe geworfen und erschossen.
Der Aufstand wird durch die Regierungstruppen unterdrückt.
An Stelle des zurückgetretenen Reichsfinanzministers Dr. Schiffer
wird Dernburg Finanzminister.
17. Durch den Einzug der Regierungstruppen in Braunschweig unter
General Maercker wird dort das Ende einer lange andauernden
Spartakistenherrschaft herbeigeführt.
20. Die Entente lädt die deutsche Friedensdelegation zum 25. April nach
Versailles zur Empfangnahme der Friedenspräliminarien ein.
22. In Hamburg wird wegen schwerer spartakistischen Ausschreitungen
der Belagerungszustand verhängt.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von der Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
11. Zum Präsidenten des Deutschen Reiches wird der bisherige Volks-
beauftragte Ebert gewählt. Ministerpräsident wird Scheidemann.
13. Der russische Spartakistenführer Radek wird in Berlin verhaftet.
14. Bei der Erneuerung des Waffenstillstandes wird eine Demarkations-
linie gegen die Polen und Tschechen festgelegt, die von beiden Seiten
nicht überschritten werden darf.
15. Der Nationalversammlung geht eine neue Kreditvorlage über 25
Milliarden Mark zu.
Hindenburg erläßt einen Aufruf zum Kampfe gegen den Bol-
schewismus.
18. Im Ruhrgebiet wird von den Spartakisten der Generalstreik erzwungen.
21. In München wird der Ministerpräsident Eisner ermordet.
Im Landtag schießt ein Spartakist auf den Minister Auer und den
Ministerrat Garres. Der Münchner Landtag wird aufgelöst.
24. Der Generalstreik im Ruhrgebiet, bei dem schwere spartakistische Aus-
schreitungen stattgefunden haben, ist beendet.
27. In der Nationalversammlung wird das Gesetz über die vorläufige
Reichswehr angenommen.
Als Protest gegen die Verschleppung der Sozialisierung wird in
ganz Mitteldeutschland der Generalstreik erklärt.
März 1919.
2. General von Lettow-Vorbeck hält mit Gouverneur Dr. Schnee
und den Ostafrikanern unter großer Begeisterung in Berlin Einzug.
4. Die Reichsregierung kündigt die Sozialisierungsgesetze an.
In Berlin wird unter Anführung der Spartakisten der General-
streik erklärt und durch die Regierungstruppen nach mehrtägigem
Kampfe unterdrückt.
10. Die preußische Regierung veröffentlicht eine Verordnung über die Auf-
teilung der Familiengüter und Fideikommisse.
14. In Spaa wird ein neues Abkommen über Lebensmittellieferungen an
Deutschland unterzeichnet.
20. In Posen werden die Waffenstillstandsverhandlungen mit dem franzö-
sischen General Nudant abgebrochen.
In Hamburg wird durch einen Streik der Seeleute die Ausfahrt
der Lebensmittelschiffe vereitelt.
25. Das erste amerikanische Lebensmittelschiff trifft in Hamburg ein.
26. Der französische General Nudant verlangt in einem Ultimatum den
Durchmarsch der Polen durch Danzig. Diese Forderung wird
von der deutschen Regierung abgelehnt.
27. Die Nationalversammlung beschließt die Errichtung eines Staats-
gerichtshofes zu einer Untersuchung der Schuld am Kriege.
31. Im Ruhrgebiet wird der Generalstreik erklärt und der Belagerungs-
zustand verhängt.
Die deutsche Finanzkommission ist in Paris eingetroffen.
April 1919.
5. In Süddeutschland finden schwere spartakistische Bewegungen statt.
6. Das Reichskabinett beschließt, in der Reichsverfassung die Arbeiter-
und Betriebsräte zu verankern.
7. In München wir die Räterepublik beschlossen.
9. In Berlin wird der 2. Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte er-
öffnet.
In Magdeburg finden spartakistische Straßenkämpfe statt, die
durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
In Berlin wird durch einen Streik der Banken und der Metall-
industrie das Wirtschaftsleben schwer geschädigt.
13. Bei einem spartakistischen Aufstand in Dresden wird der sächsische
Kriegsminister Neuring in die Elbe geworfen und erschossen.
Der Aufstand wird durch die Regierungstruppen unterdrückt.
An Stelle des zurückgetretenen Reichsfinanzministers Dr. Schiffer
wird Dernburg Finanzminister.
17. Durch den Einzug der Regierungstruppen in Braunschweig unter
General Maercker wird dort das Ende einer lange andauernden
Spartakistenherrschaft herbeigeführt.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von der Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
11. Zum Präsidenten des Deutschen Reiches wird der bisherige Volks-
beauftragte Ebert gewählt. Ministerpräsident wird Scheidemann.
13. Der russische Spartakistenführer Radek wird in Berlin verhaftet.
14. Bei der Erneuerung des Waffenstillstandes wird eine Demarkations-
linie gegen die Polen und Tschechen festgelegt, die von beiden Seiten
nicht überschritten werden darf.
15. Der Nationalversammlung geht eine neue Kreditvorlage über 25
Milliarden Mark zu.
Hindenburg erläßt einen Aufruf zum Kampfe gegen den Bol-
schewismus.
18. Im Ruhrgebiet wird von den Spartakisten der Generalstreik erzwungen.
21. In München wird der Ministerpräsident Eisner ermordet.
Im Landtag schießt ein Spartakist auf den Minister Auer und den
Ministerrat Garres. Der Münchner Landtag wird aufgelöst.
24. Der Generalstreik im Ruhrgebiet, bei dem schwere spartakistische Aus-
schreitungen stattgefunden haben, ist beendet.
27. In der Nationalversammlung wird das Gesetz über die vorläufige
Reichswehr angenommen.
Als Protest gegen die Verschleppung der Sozialisierung wird in
ganz Mitteldeutschland der Generalstreik erklärt.
März 1919.
2. General von Lettow-Vorbeck hält mit Gouverneur Dr. Schnee
und den Ostafrikanern unter großer Begeisterung in Berlin Einzug.
4. Die Reichsregierung kündigt die Sozialisierungsgesetze an.
In Berlin wird unter Anführung der Spartakisten der General-
streik erklärt und durch die Regierungstruppen nach mehrtägigem
Kampfe unterdrückt.
10. Die preußische Regierung veröffentlicht eine Verordnung über die Auf-
teilung der Familiengüter und Fideikommisse.
14. In Spaa wird ein neues Abkommen über Lebensmittellieferungen an
Deutschland unterzeichnet.
20. In Posen werden die Waffenstillstandsverhandlungen mit dem franzö-
sischen General Nudant abgebrochen.
In Hamburg wird durch einen Streik der Seeleute die Ausfahrt
der Lebensmittelschiffe vereitelt.
25. Das erste amerikanische Lebensmittelschiff trifft in Hamburg ein.
26. Der französische General Nudant verlangt in einem Ultimatum den
Durchmarsch der Polen durch Danzig. Diese Forderung wird
von der deutschen Regierung abgelehnt.
27. Die Nationalversammlung beschließt die Errichtung eines Staats-
gerichtshofes zu einer Untersuchung der Schuld am Kriege.
31. Im Ruhrgebiet wird der Generalstreik erklärt und der Belagerungs-
zustand verhängt.
Die deutsche Finanzkommission ist in Paris eingetroffen.
April 1919.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von der Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
11. Zum Präsidenten des Deutschen Reiches wird der bisherige Volks-
beauftragte Ebert gewählt. Ministerpräsident wird Scheidemann.
13. Der russische Spartakistenführer Radek wird in Berlin verhaftet.
14. Bei der Erneuerung des Waffenstillstandes wird eine Demarkations-
linie gegen die Polen und Tschechen festgelegt, die von beiden Seiten
nicht überschritten werden darf.
15. Der Nationalversammlung geht eine neue Kreditvorlage über 25
Milliarden Mark zu.
Hindenburg erläßt einen Aufruf zum Kampfe gegen den Bol-
schewismus.
18. Im Ruhrgebiet wird von den Spartakisten der Generalstreik erzwungen.
21. In München wird der Ministerpräsident Eisner ermordet.
Im Landtag schießt ein Spartakist auf den Minister Auer und den
Ministerrat Garres. Der Münchner Landtag wird aufgelöst.
24. Der Generalstreik im Ruhrgebiet, bei dem schwere spartakistische Aus-
schreitungen stattgefunden haben, ist beendet.
27. In der Nationalversammlung wird das Gesetz über die vorläufige
Reichswehr angenommen.
Als Protest gegen die Verschleppung der Sozialisierung wird in
ganz Mitteldeutschland der Generalstreik erklärt.
März 1919.
2. General von Lettow-Vorbeck hält mit Gouverneur Dr. Schnee
und den Ostafrikanern unter großer Begeisterung in Berlin Einzug.
4. Die Reichsregierung kündigt die Sozialisierungsgesetze an.
In Berlin wird unter Anführung der Spartakisten der General-
streik erklärt und durch die Regierungstruppen nach mehrtägigem
Kampfe unterdrückt.
10. Die preußische Regierung veröffentlicht eine Verordnung über die Auf-
teilung der Familiengüter und Fideikommisse.
14. In Spaa wird ein neues Abkommen über Lebensmittellieferungen an
Deutschland unterzeichnet.
20. In Posen werden die Waffenstillstandsverhandlungen mit dem franzö-
sischen General Nudant abgebrochen.
In Hamburg wird durch einen Streik der Seeleute die Ausfahrt
der Lebensmittelschiffe vereitelt.
25. Das erste amerikanische Lebensmittelschiff trifft in Hamburg ein.
26. Der französische General Nudant verlangt in einem Ultimatum den
Durchmarsch der Polen durch Danzig. Diese Forderung wird
von der deutschen Regierung abgelehnt.
27. Die Nationalversammlung beschließt die Errichtung eines Staats-
gerichtshofes zu einer Untersuchung der Schuld am Kriege.
31. Im Ruhrgebiet wird der Generalstreik erklärt und der Belagerungs-
zustand verhängt.
Die deutsche Finanzkommission ist in Paris eingetroffen.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von der Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
11. Zum Präsidenten des Deutschen Reiches wird der bisherige Volks-
beauftragte Ebert gewählt. Ministerpräsident wird Scheidemann.
13. Der russische Spartakistenführer Radek wird in Berlin verhaftet.
14. Bei der Erneuerung des Waffenstillstandes wird eine Demarkations-
linie gegen die Polen und Tschechen festgelegt, die von beiden Seiten
nicht überschritten werden darf.
15. Der Nationalversammlung geht eine neue Kreditvorlage über 25
Milliarden Mark zu.
Hindenburg erläßt einen Aufruf zum Kampfe gegen den Bol-
schewismus.
18. Im Ruhrgebiet wird von den Spartakisten der Generalstreik erzwungen.
21. In München wird der Ministerpräsident Eisner ermordet.
Im Landtag schießt ein Spartakist auf den Minister Auer und den
Ministerrat Garres. Der Münchner Landtag wird aufgelöst.
24. Der Generalstreik im Ruhrgebiet, bei dem schwere spartakistische Aus-
schreitungen stattgefunden haben, ist beendet.
27. In der Nationalversammlung wird das Gesetz über die vorläufige
Reichswehr angenommen.
Als Protest gegen die Verschleppung der Sozialisierung wird in
ganz Mitteldeutschland der Generalstreik erklärt.
März 1919.
2. General von Lettow-Vorbeck hält mit Gouverneur Dr. Schnee
und den Ostafrikanern unter großer Begeisterung in Berlin Einzug.
4. Die Reichsregierung kündigt die Sozialisierungsgesetze an.
In Berlin wurd unter Anführung der Spartakisten der General-
streik erklärt und durch die Regierungstruppen nach mehrtägigem
Kampfe unterdrückt.
10. Die preußische Regierung veröffentlicht eine Verordnung über die uf-
teilung der Familiengüter und Fideikommisse.
10.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von der Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
11. Zum Präsidenten des Deutschen Reiches wird der bisherige Volks-
beauftragte Ebert gewählt. Ministerpräsident wird Scheidemann.
13. Der russische Spartakistenführer Radek wird in Berlin verhaftet.
14. Bei der Erneuerung des Waffenstillstandes wird eine Demarkations-
linie gegen die Polen und Tschechen festgelegt, die von beiden Seiten
nicht überschritten werden darf.
15. Der Nationalversammlung geht eine neue Kreditvorlage über 25
Milliarden Mark zu.
Hindenburg erläßt einen Aufruf zum Kampfe gegen den Bol-
schewismus.
18. Im Ruhrgebiet wird von den Spartakisten der Generalstreik erzwungen.
21. In München wird der Ministerpräsident Eisner ermordet.
Im Landtag schießt ein Spartakist auf den Minister Auer und den
Ministerrat Garres. Der Münchner Landtag wird aufgelöst.
24. Der Generalstreik im Ruhrgebiet, bei dem schwere spartakistische Aus-
schreitungen stattgefunden haben, ist beendet.
27. In der Nationalversammlung wird das Gesetz über die vorläufige
Reichswehr angenommen.
Als Protest gegen die Verschleppung der Sozialisierung wird in
ganz Mitteldeutschland der Generalstreik erklärt.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von der Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
11. Zum Präsidenten des Deutschen Reiches wird der bisherige Volks-
beauftragte Ebert gewählt. Ministerpräsident wird Scheidemann.
13. Der russische Spartakistenführer Radek wird in Berlin verhaftet.
14. Bei der Erneuerung des Waffenstillstandes wird eine Demarkations-
linie gegen die Polen und Tschechen festgelegt, die von beiden Seiten
nicht überschritten werden darf.
15. Der Nationalversammlung geht eine neue Kreditvorlage über 25
Milliarden Mark zu.Generalstreik erzwungen
Hindenburg erläßt eine Aufruf zum Kampfe gegen den Bol-
schewismus.
18. Im Ruhrgebiet wird von den Spartakisten der Generalstreik erzwungen.
21. In München wird der Ministerpräsident Eisner ermordet.
Im Landtag schießt ein Spartakist auf den Minister Auer und den
Ministerrat Garres. Der Münchner Landtag wird aufgelöst.
24. Der Generalstreik im Ruhrgebiet, bei dem schwere spartakistische Aus-
schreitungen stattgefunden haben, ist beendet.
27. In der Nationalversammlung wird das Gesetz über die vorläufige
Reichswehr angenommen.
Als Protest gegen die Verschleppung der Sozialisierung wird in
ganz Mitteldeutschland der Generalstreik erklärt.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von der Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
11. Zum Präsidenten des Deutschen Reiches wird der bisherige Volks-
beauftragte Ebert gewählt. Ministerpräsident wird Scheidemann.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
linke Spalte
29. In Wilhelmshaven finden schwere spartakistische Straßenkämpfe statt,
die durch die Regierungstruppen unterdrückt werden.
31. Die Reichsregierung erläßt zwei Verordnungen über die Aufteilung
des Grundbesitzes und die Landarbeitsordnung.
Februar 1919.
4. Schwere spartakistische Kämpfe in Bremen enden mit dem Sieg der
Regierungsdivision Gerstenberg.
6. Die deutsche Nationalversammlung wird in Weimar eröffnet.
8. Der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen
erläßt einen geharnischten Aufruf an alle Völker der Erde zur Heraus-
gabe unserer Kriegsgefangenen.
10. Das Lebensmittelabkommen mit der Entente wird von de Waffen-
stillstandskommission unterzeichnet.
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
rechte Seite
-
linke Seite
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesversammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mit einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesvesammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommandierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mi einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesvesammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommadierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mi einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
23. Infolge des zunehmende Kohlemangels durch die fortdauernden
Streiks müssen schwerwiegende Einschränkungen der Beleuchtung und
des Eisenbahnverkehrs eingeführt werden.
24. Nach einer erregten Sitzung der Waffenstillstandskommission tritt
der deutsche Generalbevollmächtigte General von Winterfeldt aus der
Kommission aus.
26. In Preußen finden die Wahlen zur Landesvesammlung statt:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 42
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 75
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .163
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 22
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommadierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mi einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
Deutschnationale Volkspartei . . . . . . . . 34
Christliche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . 88
Deutsche Volkspartei . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Deutsche demokratische Partei . . . . . . . 77
Sozialdemokratische Partei . . . . . . . . . . .164
Unabhängige Sozialdemokraten . . . . . . 24
Fraktionslose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommadierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mi einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
Die Polen sind bis Bentschen und hart an Bromberg vorgerückt.
18. Die Reichsregierung erläßt eine Verordnung über die Sozialisierung
der Bergwerke.
19. Im ganzen deutschen Reiche finden die Wahlen zur National-
versammlung statt mit dem Ergebnis, daß von 421 Abgeordneten
gewählt werden:
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommadierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mi einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
In Berlin wird das Verkehrsleben durch Streik der Hochbahn-
angestellten empfindlich gestört.
14. Die Regierung erläßt einem Aufruf zum Zusammenschluß aller Bürger-
wehren zu einer republikanischen Schutztruppe.
Die Regierung gibt die neuen Kriegssteuergesetze bekannt.
15. Minister Erzberger verlangt bei der Waffenstillstandskommission in
Trier die Auslieferung unserer Kriegsgefangenen.
16. Die Spartakistenführer Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden
nach langem Suchen verhaftet und bei ihrer Verhaftung getötet.
Der Waffenstillstand ist in Trier unter neuen schweren Bedingungen
(Ablieferung der deutschen Handelsflotte, ungeheurer Mengen land-
wirtschaftlicher Maschinen) verlängert worden.
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommadierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mi einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
13. In Halle a. S. wird der Generalstreik erklärt.
In Essen erzwingen die Spartakisten die Einstellung der Arbeit.
Die deutsche Regierung erhebt bei der Waffenstillstandskommission
Protest gegen die tyrannischen Forderungen unserer Feinde.
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
Die polnischen Unruhen geifen rasch auf andere Städte in Posen
und Oberschlesien um sich.
*
Januar 1919.
1. In der Provinz Posen finden neue Kämpfe statt; die Eisenbahn
Posen-Thorn wird von den Polen besetzt.
3. Zum Kriegsminister wird Oberst Reinhardt ernannt.
Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus dem preußischen
Ministerium aus.
4. Der frühere Reichskanzler Graf Hertling verschieden.
In Oberschlesien und Posen entwickeln sich neue Kämpfe zwischen
Polen und den Heimatschutztruppen.
Die Polen stellen ein Ultimatum zur Räumung des Bahnhofs
Bentschen.
Die Regierung beschließt eine Aufruf zur Verstärkung des
Grenzschutzes.
5. Thorn und Bromberg sind von den vordringenden Polen bedroht.
Der Berliner Polizeipräsident Eichhorn wird seines Amtes
entsetzt.
6. Die Reichsregierung beschließt energische Mittel gegen das Umsich-
greifen des Spartakismus.
Der Volksbeauftragte Noske wird zum Oberkommadierenden
der Regierungstruppen ernannt.
In Berlin finden schwere spartakistische Umtriebe statt, die durch
die Absetzung des Polizeipräsidenten Eichhorn veranlaßt waren.
8. Nachdem die Verhandlungen mit den Spartakisten gescheitert sind,
wird der Belagerungszustand über Berlin verhängt.
Schwere Kämpfe finden in der Reichshauptstadt zwischen der
Regierung und den Spartakisten, vor allem im Zeitungsviertel, statt.
12. Nach schweren Kämpfen endet der siebentägige Spartakistenkampf in
Berlin mi einem vollen Siege der Regierung.
Die Polen stehen vor Bromberg und Schneidemühl.
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderewski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
In Posen finden nach dem Eintreffen von Paderewski zunehmende
deutschfeindliche Demonstrationen statt.
30. Offiziere werden entwaffnet und verjagt, über Posen wird das Stand-
recht verhängt.
31. Die Reichsregierung veröffentlicht einen Erlaß über die neuen Steuer-
pläne, insbesondere über scharfe Erfassung der Kriegsgewinne und
eine große allgemeine Vermögensabgabe.
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
rechte Spalte
27. In Polen trifft der neue Ministerpräsident Paderowski unter ameri-
kanischer Eskorte aus Danzig ein.
29. Die Unabhängigen Sozialdemokraten treten aus der Reichsregierung
aus. Noske, Loebel und Wissel treten neu in die Regierung ein.
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und der Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
4
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und de Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
4
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen Aufruf zur Bildung von freiwilligen
Volkswehren.
Zwischen Polen und Deutschland werden die Beziehungen ab-
gebrochen. Die Warschauer Regierung schreibt Wahlen zur polnischen
Nationalversammlung auch für Posen, Westpreußen und Oberschlesien aus.
16. In Berlin tritt die Reichskonferenz der deutschen Arbeiter- und
Soldatenräte zusammen, die sich mit großer Majorität für die
baldige Einberufung einer deutschen Nationalversammlung ausspricht.
17. Kriegsminister Scheuch erklärt seinen Rücktritt.
18. Im Ruhrrevier wird durch spartakistische Umtriebe die Kohlenförderung
ernstlich gefährdet.
20. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. Solf tritt zurück, an seine
Stelle tritt Graf von Brockdorff-Rantzau.
24. In Berlin finden zwischen Matrosen und de Regierung schwere
Kämpfe statt, die zur Beschießung von Schloß und Marstall führen.
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
12. In Trier wird über die Verlängerung der Waffenstillstandsbedingungen
verhandelt. Die Entente verspricht, Lebensmittel für Deutschland gegen
Abtretung erheblicher Mengen von Beförderungsmitteln.
15. Die Reichsregierung erläßt einen
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
10. Die Garderegimenter halten ihren Einzug in Berlin und werden auf
die Republik verpflichtet.
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
4. In Köln a. Rh. finden schwere Plünderungen statt. In mehreren
Riesenversammlungen wird Stimmung für die Gründung einer selb-
ständigen rheinisch-westfälischen Republik gemacht.
7. In Berlin und München finden spartakistische Demonstrationen statt.
9. Deutschland erhebt Protest gegen die vertragswidrige Absperrung des
besetzten linken Rheinufers.
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der ganzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
Dezember 1918.
1. Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt eine Kundgebung an die
heimkehrenden Krieger, daß ihnen große Siedlungsländereien zur Ver-
fügung gestellt werden sollen.
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der gnzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
25. In Berlin treten die Minister der deutschen Bundesstaaten zusammen,
um die Einheit des Deutschen Reichs gegen allerlei Loslösungs-
bestimmungen zu dokumentieren.
26. Die Franzosen halten ihren Einzug in Straßburg.
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der gnzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
14. Die Unabhängige Sozialdemokratie spaltet sich und bildet unter der
Anführung von Liebknecht eine besondere Spartakuspartei.
Der Reichstag und der preußische Landtag werden für aufgelöst
erklärt.
19. Aus Posen kommen erste Mitteilungen über polnische Erhebungen
gegen die deutsche Herrschaft.
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
10. Exkaiser Wilhelm verläßt das Heer und begibt sich nach Holland.
Der Text der Waffenstillstandsbedingungen von unerhörter Härte wird
bekannt gegeben.
Die Soziallisten bilden eine provisorische Regierung unter dem
Namen "Rat der Volksbeauftragten" und dem Vorsitz von
Ebert und Haase.
Die neue Regierung nimmt die Waffenstillstandsbedingungen an.
11. Vormittags 11 Uhr werden die Feindseligkeiten auf der gnzen West-
front eingestellt.
Der Rat der Volksbeauftragten verkündet in einem Erlaß an das
deutsche Volk freiheitliche Sozialgesetze.
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
König Ludwig von Bayern ist zurückgetreten und in
München die Republik ausgerufen. Der Sozialist Eisner wird Präsident.
Die Revolutionsbewegung ergreift weitere große Städte des
Reiches, verschiedene Landesherren treten zurück.
9. Der Deutsche Kaiser dankt ab. Ueberall im Deutschen Reiche
werden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. In Berlin finden ver-
einzelte Straßenkämpfe statt.
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort; aus andern großen Städten werden
Mitteilungen über große sozialistische Demonstrationen bekannt.
8. 1 Uhr mittags. Das sozialdemokratische Rücktrittsultimatum an den
Kaiser ist ohne Antwort geblieben.
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
November 1918.
2. Kaiser Wilhelm erläßt beim Inkrafttreten der Verfassungsänderungen
eine bedeutsame Kundgebung über das Kaiseramt als "Dienst am Volke".
4. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden erläßt im Namen der neuen
parlamentarische Regierung einen bedeutsamen Aufruf an das Volk.
5. In Kiel entstehen Matrosen- und Arbeiterdemonstrationen, die mit
der Ausrufung des Arbeiter- und Soldatenrates endigen. Das
Proletariat wird bewaffnet.
6. Die deutsche Waffenstillstandskommission ist von Berlin nach dem Westen
abgereist.
Präsident Wilson erklärt der deutschen Regierung, daß die Entente
bereit ist, auf Grund der 14 Punkte in Friedensverhandlungen ein-
zutreten.
7. Von Kiel aus pflanzt sich die Revolution rasch nach Lübeck, Hamburg,
Cuxhaven und Schwerin fort
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
linke Spalte
Durch den Waffenstillstand und die harten Absperrungsmaßregeln
unserer Feinde haben viele von Euch, Kameraden, die Fühlung mit
der politischen Entwicklung im Deutschen Reiche verloren. Es fehlen
Euch vielfach, wenn Ihr nun in die Heimat zurückkommt, die Zu-
sammenhänge für das Verständnis der neuen Lage. Deshalb geben
wir im nachstehenden eine kurze Übersicht über die wichtigeren
Ereignisse seit Ausbruch der Revolution.
-
D a s n e u e D e u t s c h l a n d
Description
Save description- 50.6293465||3.05707689999997||||1
Lille, Frankreich
Location(s)
Story location Lille, Frankreich
- ID
- 12998 / 199768
- Contributor
- Uta Hentschel
Login to edit the languages
Login to edit the fronts
- Western Front
Login to add keywords
- Propaganda






































































Login to leave a note