Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 5

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182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

 linke Seite 

 linke Spalte 

das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

   Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

        Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                (Zu untenstehendem  Bilde.) 

   Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


    Zeichnung siehe oben 


Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                         - - - - - - - - - - - - - - - - -

                     Allerlei vom Kriege.

                 Verpflegung in der Front.

    In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

behelfen muß.

   Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

zufluß beeinträchtigen.

   Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

mit warmer Nahrung, zwingen.

   Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


 rechte Spalte 

Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

zulassen.

                                                   *

                  1000 Mark-Spende für einen Helden. 

   Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                             *

       Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

   Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                     zum zweiten Male von den Russen

                                                     befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                     Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

  Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                     Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                     der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                     so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                     worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                     Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                     tember als erster deutscher Soldat nach

                                                     der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                     einzog.

                                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                  Aus Feindesland.

                                                                   Vor Antwerpen.

                                                         Aus den Familienbriefen eines

                                                     Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                     division werden uns folgende anziehende

                                                     Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                     Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                . . . . . . , 19. September 1914.

                                                        Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                     in Aachen ein Triumphzug mit

                                                     Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                     8 Tage Verspätung. Wir sind

116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

Einzelheiten nachholen zu können.

     Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

   Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

   Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder

                

 rechte Seite 

Nummer 23             "Parole." (Feldnummer.)                                    183       

 linke Spalte 

drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm

Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.

                                                     . . . , den 4. Oktober 1914.

   Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen

zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch

vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,

auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert

uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen

herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben

seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer 

auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.

Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben

die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin

ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,

man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,

gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und

mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem

Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für 

uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die

wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-

getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder

darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-

geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten

keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter

einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform

anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder

Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder

Mann als Soldat.

   Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die

Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht

erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.

    Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen

in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.

                                                               . . . . . . . , 7. Oktober 1914.

    Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen

feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den

letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich

nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.

Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein

will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen

als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.

   Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel

Ordonnanz meldet:  Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort

bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten

heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man

manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand

Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich

Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,

Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt

oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.

Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die

Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird

geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier

in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-

stiche!  Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,

schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,

denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug

stets durch Artilleriefeuer decken;  Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar

als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife

doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald

wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.

Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen

ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand

der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern

Verhältnisse wieder herzustellen.

                                                                       . . . , den 8. Oktober 1914.

   Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,

haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe

vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein

Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Teile,

zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben

und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,

wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu

schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen

Baudenkmälern den Krieg aufgeben.

                                                                      . . . , den 12. Oktober 1914.

   Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten 

Tage waren für uns  nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch

gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-

drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da

ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir

lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,

lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann

stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee vermutlich nach

Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns

abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,

dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder

St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende

Nachricht, daß wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in

Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend


 rechte Spalte 

kamen wir halbwegs nach Antwerpen, todmüde, keine Quartiere, man lag, so

gut es ging, beim Vieh, auf den Heuböden, aber die Begeisterung für den

Einzug in Antwerpen wog alles auf. Morgens früh um 5 Uhr wieder los

und dann bis Antwerpen durch. Gottlob habe ich ja immer mein schönes

treues Pferd, die "Seekuh" mit Namen; das lange Reiten strengt aber auch

höllisch an. 12 Uhr nachts zogen wir in Antwerpen ein, lagen an der Schelde 

bis gegen Mittag, dann gings durch die Stadt hindurch, an der Seite wieder

heraus, und nach M., wo wir jetzt liegen, ein großes Dorf neben dem gleich-

namigen Fort. 

   Gestern erhielt ich das Eiserne Kreuz, was wir im Kameradenkreise dann

noch gehörig feierten. Unsre Leute sind brav gewesen, willig, tüchtig, und

trotz aller Anstrengungen immer bei der Sache und nie mißmutig. Nun sind

sie aber recht erschöpft und Ruhe, Ruhe auf der ganzen Linie für einige

Tage doch mindestens ist das beseligende Gefühl für alle und jeden. Unsre

eigentliche Aufgabe war wohl von vornherein die Besatzung von

Antwerpen und den Scheldeforts. Unsre Armee war wundervoll in ihrem

Vorgehen, die Feldartillerie, die Pioniere, unsre Matrosendivision, alles

Prachtkerle und Prachttruppen, leider haben wir auch manchen schweren

Verlust, von meiner Kompanie hat einer Schuß ins Auge, einer beim

Anlegen Schuß durch Hand und Brust, er war einer der besten, er liegt schwer

verwundet in Brüssel. Ich habe für ihn das Eiserne Kreuz in der Tasche.

Von der 3. Kompanie hat eine Granate die Kompanieschreibstube in einem

Häuschen erledigt; alles tot, ich bin heil und gesund, das ist mir immer wie

ein Wunder, tagelang im dicksten Granatregen, neben mir, vor mir, hinter

mir die Einschläge, der Dreck ist mir über das Gesicht und alles gespritzt. Die

Gase der Sprenggranaten verhinderten zeitweise das Atmen in den Unterständen,

direkt neben einem meiner Maschinengewehre reißt eine Sprenggranate alles

auf,  Gewehr und Mannschaft heil, Wunder, Wunder, und bei H.

trieben wir dann die letzten Belgier noch in die Ruhsel. Am andern Tage

war kein Feind mehr zu sehen. In Antwerpen liegen regimenterweise  die

Uniformen, Gewehre, Tornister von den Schweinehunden, die alle Zivil an-

gezogen und nach Holland und England ausgerissen sind. Selbst die Offiziere

schämen sich nicht, Zivil anzuziehen, um unerkannt zu entkommen, voran die

Engländer selbst. Etwas von der großen Armee haben wir ja noch vor

Ostende gefaßt, aber die meisten sind die Schelde hinunter durch Holland

in Zivil. Antwerpen ist wie ausgestorben, alle Läden geschlossen, nur der Mob

ist noch da.

                                                                         . . . , 17. Oktober 1914.

   Ich schreibe natürlich nicht jeden Tag, und dann gebe ich auch gerne zu,

daß die Tage, in denen wir vorn lagen und dauernd marschierten oder auf

der Landstraße auf Befehle warteten, dann wieder Schützengräben bezogen,

dann wieder vorwärts gingen, kurzum die ganze letzte Zeit bis zum Einzug

in Antwerpen so schnell mir verging, daß ich wohl tatsächlich seltener ge-

schrieben habe, als ich selbst mir einbilden mag. Und dann, wie bekommt

man die Briefe oder Karten zur Post? Die gibt man so irgendeinem mit,

der angeblich bald an die Stelle kommt, wo Feldpost gesammelt wird. Wie lange

der Betreffende dann die Sachen mit sich herumträgt und ob er sie überhaupt

losgeworden ist, ist nicht zu kontrollieren. Jetzt soll ja in Antwerpen ein großes

Postbureau eingerichtet sein. Man kann also direkt nach Antwerpen adressieren,

es wird sogar behauptet, daß dies schneller ginge, als durch das 

Marine-Postbureau in Berlin. Hier sieht es noch toll aus. Die belgischen

Landflüchtigen kehren zwar scharenweise zurück, aber die Mehrzahl sitzt fest in

Holland und hat Angst. Ich glaube  nicht, daß in  Belgien noch viel Kämpfe

sich abspielen werden. Ostende soll ja schon besetzt sein, wenn nicht, so ist

es mindestens eingeschlossen oder abgeschlossen. Ich begreife den Wahnsinn

der belgischen Regierung und des Königs nicht, immer noch mit den Engländern

zu halten und sich auf diese faulen Verbündeten zu stützen. Wahrscheinlich

hat England die Bedingung gestellt, daß keiner der Verbündeten ohne den

andern Frieden schließt. Nun ziehen sie alle allmählich nach Bordeaux oder

gar nach London und lassen ihr Land im Stich. Das ist jammervoll für das Land

und kann die Sache der Deiverbandsleute (sic)  doch nur verschlimmern.

   Antwerpen hat, im Gegensatz zu allen feindlichen Berichten, wenig gelitten.

Die paar kleinen Geschosse, die man auf die Stadt gefeuert hat, sind nichts

gegenüber unsern großen, mit denen die Forts umgelegt wurden. Bei Fort

Waelhem sah ich Löcher von 4 bis 6 m Tiefe und ebensoviel Durchmesser.

Eine Granate war von oben durch eine wenigstens 4 m starke Erd-

aufschüttung und durch die mehrere Meter starke Eisenbetonwölbung

hindurchgegangen und hatte die darunter befindliche Kasematte völlig

begraben. Die Mannschaften, die sich augenscheinlich dort ganz sicher gefühlt

hatten, sind auf ihren Betten liegend getötet und verschüttet. Überhaupt bot

Waelhem  ein wüstes Bild der Zerstörung. Panzertürme einfach umgedreht,

Geschütze ausgehoben aus ihren festen Stellungen. Man kann es kaum

beschreiben. Blendonk hatte sich tapfer gehalten, wollte lange von Kapitulieren

nichts wissen. Nach Aussage des einzigen Arztes dort haben schließlich

die Nerven des Restes der Besatzung versagt. Der Kommandant tot, der

zweite schwer verwundet, ein Leutnant noch allein mit dem Rest der

Mannschaft. Kein Verbandszeug,  nur ein Arzt. Die belgische Fortbesatzung 

hat sich überhaupt glänzend verhalten, bis sie der Gewalt weichen mußte.

Die Redoute de chemin de fer flog in die Luft, wahrscheinlich absichtlich.

Auch alle andern Forts waren mit Einrichtungen versehen, sie im letzten

Augenblick zu sprengen. Aber meist ist es wohl nicht mehr dazu gekommen.

Gefeuert haben die Kerl auf uns, daß man gar nicht wußte,  wo all die

vielen Kanonen herkamen. Aber dann, nach drei Tagen, wurde es stiller

und stiller. Wir lagen fest, vor uns alles überschwemmt, erst nach und nach

konnten wir langsam mit Patrouillen vordringen, und es gelang uns dann

noch, eine stärkere feindliche Truppe aus dem Dorf Hehndonk zu vertreiben,

wobei wir leider auch Verluste hatten. Mit kleinen Booten, teilweise selbst

gezimmert, waren wir übers Wasser gekommen. Ein Deckoffizier schwamm

durch die Senne und holte vom andern Ufer dreist einen Nachen, den die

Belgier für ihren eigenen Bedarf dorthin gelegt hatten. Er hat auf meinen

Vorschlag auch das Eiserne Kreuz erhalten.



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182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

 linke Seite 

 linke Spalte 

das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

   Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                          - - - - - - - - - - - - - - - - -

        Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                (Zu untenstehendem  Bilde.) 

   Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


    Zeichnung siehe oben 


Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                         - - - - - - - - - - - - - - - - -

                     Allerlei vom Kriege.

                 Verpflegung in der Front.

    In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

behelfen muß.

   Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

zufluß beeinträchtigen.

   Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

mit warmer Nahrung, zwingen.

   Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


 rechte Spalte 

Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

zulassen.

                                                   *

                  1000 Mark-Spende für einen Helden. 

   Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                             *

       Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

   Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                     zum zweiten Male von den Russen

                                                     befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                     Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

  Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                     Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                     der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                     so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                     worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                     Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                     tember als erster deutscher Soldat nach

                                                     der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                     einzog.

                                                                   - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                  Aus Feindesland.

                                                                   Vor Antwerpen.

                                                         Aus den Familienbriefen eines

                                                     Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                     division werden uns folgende anziehende

                                                     Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                     Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                . . . . . . , 19. September 1914.

                                                        Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                     in Aachen ein Triumphzug mit

                                                     Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                     8 Tage Verspätung. Wir sind

116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

Einzelheiten nachholen zu können.

     Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

   Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

   Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder

                

 rechte Seite 

Nummer 23             "Parole." (Feldnummer.)                                    183       

 linke Spalte 

drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm

Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.

                                                     . . . , den 4. Oktober 1914.

   Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen

zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch

vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,

auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert

uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen

herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben

seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer 

auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.

Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben

die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin

ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,

man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,

gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und

mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem

Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für 

uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die

wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-

getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder

darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-

geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten

keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter

einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform

anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder

Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder

Mann als Soldat.

   Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die

Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht

erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.

    Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen

in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.

                                                               . . . . . . . , 7. Oktober 1914.

    Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen

feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den

letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich

nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.

Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein

will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen

als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.

   Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel

Ordonnanz meldet:  Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort

bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten

heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man

manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand

Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich

Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,

Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt

oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.

Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die

Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird

geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier

in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-

stiche!  Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,

schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,

denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug

stets durch Artilleriefeuer decken;  Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar

als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife

doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald

wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.

Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen

ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand

der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern

Verhältnisse wieder herzustellen.

                                                                       . . . , den 8. Oktober 1914.

   Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,

haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe

vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein

Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Teile,

zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben

und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,

wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu

schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen

Baudenkmälern den Krieg aufgeben.

                                                                      . . . , den 12. Oktober 1914.

   Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten 

Tage waren für uns  nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch

gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-

drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da

ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir

lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,

lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann

stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee vermutlich nach

Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns

abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,

dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder

St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende

Nachricht, daß wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in

Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend


 rechte Spalte 

kamen wir halbwegs nach Antwerpen, todmüde, keine Quartiere, man lag, so

gut es ging, beim Vieh, auf den Heuböden, aber die Begeisterung für den

Einzug in Antwerpen wog alles auf. Morgens früh um 5 Uhr wieder los

und dann bis Antwerpen durch. Gottlob habe ich ja immer mein schönes

treues Pferd, die "Seekuh" mit Namen; das lange Reiten strengt aber auch

höllisch an. 12 Uhr nachts zogen wir in Antwerpen ein, lagen an der Schelde 

bis gegen Mittag, dann gings durch die Stadt hindurch, an der Seite wieder

heraus, und nach M., wo wir jetzt liegen, ein großes Dorf neben dem gleich-

namigen Fort. 

   Gestern erhielt ich das Eiserne Kreuz, was wir im Kameradenkreise dann

noch gehörig feierten. Unsre Leute sind brav gewesen, willig, tüchtig, und

trotz aller Anstrengungen immer bei der Sache und nie mißmutig. Nun sind

sie aber recht erschöpft und Ruhe, Ruhe auf der ganzen Linie für einige

Tage doch mindestens ist das beseligende Gefühl für alle und jeden. Unsre

eigentliche Aufgabe war wohl von vornherein die Besatzung von

Antwerpen und den Scheldeforts. Unsre Armee war wundervoll in ihrem

Vorgehen, die Feldartillerie, die Pioniere, unsre Matrosendivision, alles

Prachtkerle und Prachttruppen, leider haben wir auch manchen schweren

Verlust, von meiner Kompanie hat einer Schuß ins Auge, einer beim

Anlegen Schuß durch Hand und Brust, er war einer der besten, er liegt schwer

verwundet in Brüssel. Ich habe für ihn das Eiserne Kreuz in der Tasche.

Von der 3. Kompanie hat eine Granate die Kompanieschreibstube in einem

Häuschen erledigt; alles tot, ich bin heil und gesund, das ist mir immer wie

ein Wunder, tagelang im dicksten Granatregen, neben mir, vor mir, hinter

mir die Einschläge, der Dreck ist mir über das Gesicht und alles gespritzt. Die

Gase der Sprenggranaten verhinderten zeitweise das Atmen in den Unterständen,

direkt neben einem meiner Maschinengewehre reißt eine Sprenggranate alles

auf,  Gewehr und Mannschaft heil, Wunder, Wunder, und bei H.

trieben wir dann die letzten Belgier noch in die Ruhsel. Am andern Tage

war kein Feind mehr zu sehen. In Antwerpen liegen regimenterweise  die

Uniformen, Gewehre, Tornister von den Schweinehunden, die alle Zivil an-

gezogen und nach Holland und England ausgerissen sind. Selbst die Offiziere

schämen sich nicht, Zivil anzuziehen, um unerkannt zu entkommen, voran die

Engländer selbst. Etwas von der großen Armee haben wir ja noch vor

Ostende gefaßt, aber die meisten sind die Schelde hinunter durch Holland

in Zivil. Antwerpen ist wie ausgestorben, alle Läden geschlossen, nur der Mob

ist noch da.

                                                                         . . . , 17. Oktober 1914.

   Ich schreibe natürlich nicht jeden Tag, und dann gebe ich auch gerne zu,

daß die Tage, in denen wir vorn lagen und dauernd marschierten oder auf

der Landstraße auf Befehle warteten, dann wieder Schützengräben bezogen,

dann wieder vorwärts gingen, kurzum die ganze letzte Zeit bis zum Einzug

in Antwerpen so schnell mir verging, daß ich wohl tatsächlich seltener ge-

schrieben habe, als ich selbst mir einbilden mag. Und dann, wie bekommt

man die Briefe oder Karten zur Post? Die gibt man so irgendeinem mit,

der angeblich bald an die Stelle kommt, wo Feldpost gesammelt wird. Wie lange

der Betreffende dann die Sachen mit sich herumträgt und ob er sie überhaupt

losgeworden ist, ist nicht zu kontrollieren. Jetzt soll ja in Antwerpen ein großes

Postbureau eingerichtet sein. Man kann also direkt nach Antwerpen adressieren,

es wird sogar behauptet, daß dies schneller ginge, als durch das 

Marine-Postbureau in Berlin. Hier sieht es noch toll aus. Die belgischen

Landflüchtigen kehren zwar scharenweise zurück, aber die Mehrzahl sitzt fest in

Holland und hat Angst. Ich glaube  nicht, daß in  Belgien noch viel Kämpfe

sich abspielen werden. Ostende soll ja schon besetzt sein, wenn nicht, so ist

es mindestens eingeschlossen oder abgeschlossen. Ich begreife den Wahnsinn

der belgischen Regierung und des Königs nicht, immer noch mit den Engländern

zu halten und sich auf diese faulen Verbündeten zu stützen. Wahrscheinlich

hat England die Bedingung gestellt, daß keiner der Verbündeten ohne den

andern Frieden schließt. Nun ziehen sie alle allmählich nach Bordeaux oder

gar nach London und lassen ihr Land im Stich. Das ist jammervoll für das Land

und kann die Sache der Deiverbandsleute (sic)  doch nur verschlimmern.

   Antwerpen hat, im Gegensatz zu allen feindlichen Berichten, wenig gelitten.

Die paar kleinen Geschosse, die man auf die Stadt gefeuert hat, sind nichts

gegenüber unsern großen, mit denen die Forts umgelegt wurden. Bei Fort

Waelhem sah ich Löcher von 4 bis 6 m Tiefe und ebensoviel Durchmesser.

Eine Granate war von oben durch eine wenigstens 4 m starke Erd-

aufschüttung und durch die mehrere Meter starke Eisenbetonwölbung

hindurchgegangen und hatte die darunter befindliche Kasematte völlig

begraben. Die Mannschaften, die sich augenscheinlich dort ganz sicher gefühlt

hatten, sind auf ihren Betten liegend getötet und verschüttet. Überhaupt bot

Waelhem  ein wüstes Bild der Zerstörung. Panzertürme einfach umgedreht,

Geschütze ausgehoben aus ihren festen Stellungen. Man kann es kaum

beschreiben. Blendonk hatte sich tapfer gehalten, wollte lange von Kapitulieren

nichts wissen. Nach Aussage des einzigen Arztes dort haben schließlich

die Nerven des Restes der Besatzung versagt. Der Kommandant tot, der

zweite schwer verwundet, ein Leutnant noch allein mit dem Rest der

Mannschaft. Kein Verbandszeug,  nur ein Arzt. Die belgische Fortbesatzung 

hat sich überhaupt glänzend verhalten, bis sie der Gewalt weichen mußte.

Die Redoute de chemin de fer flog in die Luft, wahrscheinlich absichtlich.

Auch alle andern Forts waren mit Einrichtungen versehen, sie im letzten

Augenblick zu sprengen. Aber meist ist es wohl nicht mehr dazu gekommen.

Gefeuert haben die Kerl auf uns, daß man gar nicht wußte,  wo all die

vielen Kanonen herkamen. Aber dann, nach drei Tagen, wurde es stiller

und stiller. Wir lagen fest, vor uns alles überschwemmt, erst nach und nach

konnten wir langsam mit Patrouillen vordringen, und es gelang uns dann

noch, eine stärkere feindliche Truppe aus dem Dorf Hehndonk zu vertreiben,

wobei wir leider auch Verluste hatten. Mit kleinen Booten, teilweise selbst

gezimmert, waren wir übers Wasser gekommen. Ein Deckoffizier schwamm

durch die Senne und holte vom andern Ufer dreist einen Nachen, den die

Belgier für ihren eigenen Bedarf dorthin gelegt hatten. Er hat auf meinen

Vorschlag auch das Eiserne Kreuz erhalten.




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  • June 15, 2017 23:11:39 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

    gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    ½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder

                    

     rechte Seite 

    Nummer 23             "Parole." (Feldnummer.)                                    183       

     linke Spalte 

    drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm

    Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.

                                                         . . . , den 4. Oktober 1914.

       Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen

    zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch

    vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,

    auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert

    uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen

    herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben

    seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer 

    auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.

    Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben

    die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin

    ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,

    man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,

    gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und

    mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem

    Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für 

    uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die

    wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-

    getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder

    darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-

    geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten

    keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter

    einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform

    anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder

    Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder

    Mann als Soldat.

       Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die

    Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht

    erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.

        Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen

    in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.

                                                                   . . . . . . . , 7. Oktober 1914.

        Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen

    feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den

    letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich

    nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.

    Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein

    will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen

    als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.

       Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel

    Ordonnanz meldet:  Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort

    bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten

    heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man

    manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand

    Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich

    Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,

    Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt

    oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.

    Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die

    Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird

    geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier

    in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-

    stiche!  Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,

    schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,

    denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug

    stets durch Artilleriefeuer decken;  Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar

    als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife

    doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald

    wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.

    Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen

    ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand

    der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern

    Verhältnisse wieder herzustellen.

                                                                           . . . , den 8. Oktober 1914.

       Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,

    haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe

    vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein

    Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Teile,

    zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben

    und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,

    wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu

    schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen

    Baudenkmälern den Krieg aufgeben.

                                                                          . . . , den 12. Oktober 1914.

       Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten 

    Tage waren für uns  nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch

    gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-

    drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da

    ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir

    lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,

    lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann

    stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee vermutlich nach

    Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns

    abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,

    dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder

    St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende

    Nachricht, daß wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in

    Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend


     rechte Spalte 

    kamen wir halbwegs nach Antwerpen, todmüde, keine Quartiere, man lag, so

    gut es ging, beim Vieh, auf den Heuböden, aber die Begeisterung für den

    Einzug in Antwerpen wog alles auf. Morgens früh um 5 Uhr wieder los

    und dann bis Antwerpen durch. Gottlob habe ich ja immer mein schönes

    treues Pferd, die "Seekuh" mit Namen; das lange Reiten strengt aber auch

    höllisch an. 12 Uhr nachts zogen wir in Antwerpen ein, lagen an der Schelde 

    bis gegen Mittag, dann gings durch die Stadt hindurch, an der Seite wieder

    heraus, und nach M., wo wir jetzt liegen, ein großes Dorf neben dem gleich-

    namigen Fort. 

       Gestern erhielt ich das Eiserne Kreuz, was wir im Kameradenkreise dann

    noch gehörig feierten. Unsre Leute sind brav gewesen, willig, tüchtig, und

    trotz aller Anstrengungen immer bei der Sache und nie mißmutig. Nun sind

    sie aber recht erschöpft und Ruhe, Ruhe auf der ganzen Linie für einige

    Tage doch mindestens ist das beseligende Gefühl für alle und jeden. Unsre

    eigentliche Aufgabe war wohl von vornherein die Besatzung von

    Antwerpen und den Scheldeforts. Unsre Armee war wundervoll in ihrem

    Vorgehen, die Feldartillerie, die Pioniere, unsre Matrosendivision, alles

    Prachtkerle und Prachttruppen, leider haben wir auch manchen schweren

    Verlust, von meiner Kompanie hat einer Schuß ins Auge, einer beim

    Anlegen Schuß durch Hand und Brust, er war einer der besten, er liegt schwer

    verwundet in Brüssel. Ich habe für ihn das Eiserne Kreuz in der Tasche.

    Von der 3. Kompanie hat eine Granate die Kompanieschreibstube in einem

    Häuschen erledigt; alles tot, ich bin heil und gesund, das ist mir immer wie

    ein Wunder, tagelang im dicksten Granatregen, neben mir, vor mir, hinter

    mir die Einschläge, der Dreck ist mir über das Gesicht und alles gespritzt. Die

    Gase der Sprenggranaten verhinderten zeitweise das Atmen in den Unterständen,

    direkt neben einem meiner Maschinengewehre reißt eine Sprenggranate alles

    auf,  Gewehr und Mannschaft heil, Wunder, Wunder, und bei H.

    trieben wir dann die letzten Belgier noch in die Ruhsel. Am andern Tage

    war kein Feind mehr zu sehen. In Antwerpen liegen regimenterweise  die

    Uniformen, Gewehre, Tornister von den Schweinehunden, die alle Zivil an-

    gezogen und nach Holland und England ausgerissen sind. Selbst die Offiziere

    schämen sich nicht, Zivil anzuziehen, um unerkannt zu entkommen, voran die

    Engländer selbst. Etwas von der großen Armee haben wir ja noch vor

    Ostende gefaßt, aber die meisten sind die Schelde hinunter durch Holland

    in Zivil. Antwerpen ist wie ausgestorben, alle Läden geschlossen, nur der Mob

    ist noch da.

                                                                             . . . , 17. Oktober 1914.

       Ich schreibe natürlich nicht jeden Tag, und dann gebe ich auch gerne zu,

    daß die Tage, in denen wir vorn lagen und dauernd marschierten oder auf

    der Landstraße auf Befehle warteten, dann wieder Schützengräben bezogen,

    dann wieder vorwärts gingen, kurzum die ganze letzte Zeit bis zum Einzug

    in Antwerpen so schnell mir verging, daß ich wohl tatsächlich seltener ge-

    schrieben habe, als ich selbst mir einbilden mag. Und dann, wie bekommt

    man die Briefe oder Karten zur Post? Die gibt man so irgendeinem mit,

    der angeblich bald an die Stelle kommt, wo Feldpost gesammelt wird. Wie lange

    der Betreffende dann die Sachen mit sich herumträgt und ob er sie überhaupt

    losgeworden ist, ist nicht zu kontrollieren. Jetzt soll ja in Antwerpen ein großes

    Postbureau eingerichtet sein. Man kann also direkt nach Antwerpen adressieren,

    es wird sogar behauptet, daß dies schneller ginge, als durch das 

    Marine-Postbureau in Berlin. Hier sieht es noch toll aus. Die belgischen

    Landflüchtigen kehren zwar scharenweise zurück, aber die Mehrzahl sitzt fest in

    Holland und hat Angst. Ich glaube  nicht, daß in  Belgien noch viel Kämpfe

    sich abspielen werden. Ostende soll ja schon besetzt sein, wenn nicht, so ist

    es mindestens eingeschlossen oder abgeschlossen. Ich begreife den Wahnsinn

    der belgischen Regierung und des Königs nicht, immer noch mit den Engländern

    zu halten und sich auf diese faulen Verbündeten zu stützen. Wahrscheinlich

    hat England die Bedingung gestellt, daß keiner der Verbündeten ohne den

    andern Frieden schließt. Nun ziehen sie alle allmählich nach Bordeaux oder

    gar nach London und lassen ihr Land im Stich. Das ist jammervoll für das Land

    und kann die Sache der Deiverbandsleute (sic)  doch nur verschlimmern.

       Antwerpen hat, im Gegensatz zu allen feindlichen Berichten, wenig gelitten.

    Die paar kleinen Geschosse, die man auf die Stadt gefeuert hat, sind nichts

    gegenüber unsern großen, mit denen die Forts umgelegt wurden. Bei Fort

    Waelhem sah ich Löcher von 4 bis 6 m Tiefe und ebensoviel Durchmesser.

    Eine Granate war von oben durch eine wenigstens 4 m starke Erd-

    aufschüttung und durch die mehrere Meter starke Eisenbetonwölbung

    hindurchgegangen und hatte die darunter befindliche Kasematte völlig

    begraben. Die Mannschaften, die sich augenscheinlich dort ganz sicher gefühlt

    hatten, sind auf ihren Betten liegend getötet und verschüttet. Überhaupt bot

    Waelhem  ein wüstes Bild der Zerstörung. Panzertürme einfach umgedreht,

    Geschütze ausgehoben aus ihren festen Stellungen. Man kann es kaum

    beschreiben. Blendonk hatte sich tapfer gehalten, wollte lange von Kapitulieren

    nichts wissen. Nach Aussage des einzigen Arztes dort haben schließlich

    die Nerven des Restes der Besatzung versagt. Der Kommandant tot, der

    zweite schwer verwundet, ein Leutnant noch allein mit dem Rest der

    Mannschaft. Kein Verbandszeug,  nur ein Arzt. Die belgische Fortbesatzung 

    hat sich überhaupt glänzend verhalten, bis sie der Gewalt weichen mußte.

    Die Redoute de chemin de fer flog in die Luft, wahrscheinlich absichtlich.

    Auch alle andern Forts waren mit Einrichtungen versehen, sie im letzten

    Augenblick zu sprengen. Aber meist ist es wohl nicht mehr dazu gekommen.

    Gefeuert haben die Kerl auf uns, daß man gar nicht wußte,  wo all die

    vielen Kanonen herkamen. Aber dann, nach drei Tagen, wurde es stiller

    und stiller. Wir lagen fest, vor uns alles überschwemmt, erst nach und nach

    konnten wir langsam mit Patrouillen vordringen, und es gelang uns dann

    noch, eine stärkere feindliche Truppe aus dem Dorf Hehndonk zu vertreiben,

    wobei wir leider auch Verluste hatten. Mit kleinen Booten, teilweise selbst

    gezimmert, waren wir übers Wasser gekommen. Ein Deckoffizier schwamm

    durch die Senne und holte vom andern Ufer dreist einen Nachen, den die

    Belgier für ihren eigenen Bedarf dorthin gelegt hatten. Er hat auf meinen

    Vorschlag auch das Eiserne Kreuz erhalten.



  • June 15, 2017 23:08:03 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

    gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    ½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder

                    

     rechte Seite 

    Nummer 23             "Parole." (Feldnummer.)                                    183       

     linke Spalte 

    drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm

    Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.

                                                         . . . , den 4. Oktober 1914.

       Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen

    zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch

    vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,

    auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert

    uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen

    herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben

    seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer 

    auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.

    Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben

    die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin

    ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,

    man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,

    gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und

    mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem

    Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für 

    uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die

    wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-

    getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder

    darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-

    geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten

    keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter

    einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform

    anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder

    Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder

    Mann als Soldat.

       Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die

    Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht

    erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.

        Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen

    in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.

                                                                   . . . . . . . , 7. Oktober 1914.

        Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen

    feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den

    letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich

    nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.

    Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein

    will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen

    als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.

       Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel

    Ordonnanz meldet:  Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort

    bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten

    heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man

    manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand

    Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich

    Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,

    Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt

    oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.

    Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die

    Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird

    geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier

    in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-

    stiche!  Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,

    schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,

    denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug

    stets durch Artilleriefeuer decken;  Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar

    als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife

    doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald

    wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.

    Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen

    ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand

    der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern

    Verhältnisse wieder herzustellen.

                                                                           . . . , den 8. Oktober 1914.

       Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,

    haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe

    vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein

    Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Teile,

    zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben

    und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,

    wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu

    schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen

    Baudenkmälern den Krieg aufgeben.

                                                                          . . . , den 12. Oktober 1914.

       Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten 

    Tage waren für uns  nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch

    gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-

    drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da

    ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir

    lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,

    lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann

    stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee vermutlich nach

    Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns

    abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,

    dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder

    St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende

    Nachricht, daß wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in

    Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend


     rechte Spalte 

    kamen wir halbwegs nach Antwerpen, todmüde, keine Quartiere, man lag, so

    gut es ging, beim Vieh, auf den Heuböden, aber die Begeisterung für den

    Einzug in Antwerpen wog alles auf. Morgens früh um 5 Uhr wieder los

    und dann bis Antwerpen durch. Gottlob habe ich ja immer mein schönes

    treues Pferd, die "Seekuh" mit Namen; das lange Reiten strengt aber auch

    höllisch an. 12 Uhr nachts zogen wir in Antwerpen ein, lagen an der Schelde 

    bis gegen Mittag, dann gings durch die Stadt hindurch, an der Seite wieder

    heraus, und nach M., wo wir jetzt liegen, ein großes Dorf neben dem gleich-

    namigen Fort. 

       Gestern erhielt ich das Eiserne Kreuz, was wir im Kameradenkreise dann

    noch gehörig feierten. Unsre Leute sind brav gewesen, willig, tüchtig, und

    trotz aller Anstrengungen immer bei der Sache und nie mißmutig. Nun sind

    sie aber recht erschöpft und Ruhe, Ruhe auf der ganzen Linie für einige

    Tage doch mindestens ist das beseligende Gefühl für alle und jeden. Unsre

    eigentliche Aufgabe war wohl von vornherein die Besatzung von

    Antwerpen und den Scheldeforts. Unsre Armee war wundervoll in ihrem

    Vorgehen, die Feldartillerie, die Pioniere, unsre Matrosendivision, alles

    Prachtkerle und Prachttruppen, leider haben wir auch manchen schweren

    Verlust, von meiner Kompanie hat einer Schuß ins Auge, einer beim

    Anlegen Schuß durch Hand und Brust, er war einer der besten, er liegt schwer

    verwundet in Brüssel. Ich habe für ihn das Eiserne Kreuz in der Tasche.

    Von der 3. Kompanie hat eine Granate die Kompanieschreibstube in einem

    Häuschen erledigt; alles tot, ich bin heil und gesund, das ist mir immer wie

    ein Wunder, tagelang im dicksten Granatregen, neben mir, vor mir, hinter

    mir die Einschläge, der Dreck ist mir über das Gesicht und alles gespritzt. Die

    Gase der Sprenggranaten verhinderten zeitweise das Atmen in den Unterständen,

    direkt neben einem meiner Maschinengewehre reißt eine Sprenggranate alles

    auf,  Gewehr und Mannschaft heil, Wunder, Wunder, und bei H.

    trieben wir dann die letzten Belgier noch in die Ruhsel. Am andern Tage

    war kein Feind mehr zu sehen. In Antwerpen liegen regimenterweise  die

    Uniformen, Gewehre, Tornister von den Schweinehunden, die alle Zivil an-

    gezogen und nach Holland und England ausgerissen sind. Selbst die Offiziere

    schämen sich nicht, Zivil anzuziehen, um unerkannt zu entkommen, voran die

    Engländer selbst. Etwas von der großen Armee haben wir ja noch vor

    Ostende gefaßt, aber die meisten sind die Schelde hinunter durch Holland

    in Zivil. Antwerpen ist wie ausgestorben, alle Läden geschlossen, nur der Mob

    ist noch da.

                                                                             . . . , 17. Oktober 1914.

       Ich schreibe natürlich nicht jeden Tag, und dann gebe ich auch gerne zu,

    daß die Tage, in denen wir vorn lagen und dauernd marschierten oder auf

    der Landstraße auf Befehle warteten, dann wieder Schützengräben bezogen,

    dann wieder vorwärts gingen, kurzum die ganze letzte Zeit bis zum Einzug

    in Antwerpen so schnell mir verging, daß ich wohl tatsächlich seltene ge-

    schrieben habe, als ich selbst mir einbilden mag. Und dann, wie bekommt

    man die Briefe oder Karten zur Post? Die gibt man so irgendeinem mit,

    der angeblich bald an die Stelle kommt, wo Feldpost gesammelt wird. Wie lange

    der Betreffende dann die Sachen mit sich herumträgt und ob er sie überhaupt

    losgeworden ist, ist nicht zu kontrollieren. Jetzt soll ja in Antwerpen ein großes

    Postbureau eingerichtet sein. Man kann also direkt nach antwerpen adressieren,

    es wird sogar behauptet, daß dies schneller ginge, als durch das 

    Marine-Postbureau in Berlin. Hier sieht es noch toll aus. Die belgischen

    Landflüchtigen kehren zwar scharenweise zurück, aber die Mehrzahl sitzt fest in

    Holland und hat Angst. Ich glaube  nicht, daß in  Belgien noch viel Kämpfe

    sich abspielen werden. Ostende soll ja schon besetzt sein, wenn nicht, so ist

    es mindestens eingeschlossen oder abgeschlossen. Ich begreife den Wahnsinn

    der belgischen Regierung und des Königs nicht, immer noch mit den Engländern

    zu halten und sich auf diese faulen Verbündeten zu stützen. Wahrscheinlich

    hat England die Bedingung gestellt, daß keiner der Verbündeten ohne den

    andern Frieden schließt. Nun ziehen sie alle allmählich nach Bordeaux oder

    gar nach London und lassen ihr Land in Stich. Das ist jammervoll für das Land

    und kann die Sache der Deiverbandsleute (sic)  doch nur verschlimmern.

       Antwerpen hat, im Gegensatz zu allen feindlichen Berichten, wenig gelitten.

    Die paar kleinen Geschosse, die man auf die Stadt gefeuert hat, sind nichts

    gegenüber unsern großen, mit denen die Forts umgelegt wurden. Bei Fort

    Waelhem sah ich Löcher von 4 bis 6 m Tiefe und ebensoviel Durchmesser.

    Eine Granate war von oben durch eine wenigstens 4 m starke Erd-

    aufschüttung und durch die mehrere Meter starke Eisenbetonwölbung

    hindurchgegangen und hatte die darunter befindliche Kasematte völlig

    begraben. die Mannschaften, die sich augenscheinlich dort ganz sicher gefühlt

    hatten, sind auf ihren Betten liegend getötet und verschüttet. Überhaupt bot

    Waelhem  ein wüstes Bild der Zerstörung. Panzertürme einfach umgedreht,

    Geschütze ausgehoben aus ihren festen Stellungen. Man kann es kaum

    beschreiben. Blendonk hatte sich tapfer gehalten, wollte lange von Kapitulieren

    nichts wissen. Nach Aussage des einzigen Arztes dort haben schließlich

    die Nerven des Restes der Besatzung versagt. Der Kommandant tot, der

    zweite schwer verwundet, ein Leutnant noch allein mit dem Rest der

    Mannschaft. Kein Verbandszeug,  nur ein Arzt. Die belgische Fortbesatzung 

    hat sich überhaupt glänzend verhalten, bis sie der Gewalt weichen mußte.

    Die Redoute de chemin de fer flog in die Luft, wahrscheinlich absichtlich.

    Auch alle andern Forts waren mit Einrichtungen versehen, sie im letzten

    Augenblick zu sprengen. Aber meist ist es wohl nicht mehr dazu gekommen.

    Gefeuert haben die Kerl auf uns, daß man gar nicht wußte,  wo all die

    vielen Kanonen herkamen. Aber dann, nach drei Tagen, wurde es stiller

    und stiller. Wir lagen fest, vor uns alles überschwemmt, erst nach und nach

    konnten wir langsam mit Patrouillen vordringen, und es gelang uns dann

    noch, eine stärkere feindliche Truppe aus dem Dorf Hehndonk zu vertreiben,

    wobei wir leider auch Verluste hatten. Mit kleinen Booten, teilweise selbst

    gezimmert, waren wir übers Wasser gekommen. Ein Deckoffizier schwamm

    durch die Senne und holte vom andern Ufer dreist einen Nachen, den die

    Belgier für ihren eigenen Bedarf dorthin gelegt hatten. Er hat auf meinen

    Vorschlag auch das Eiserne Kreuz erhalten.




  • June 15, 2017 23:06:05 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

    gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    ½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder

                    

     rechte Seite 

    Nummer 23             "Parole." (Feldnummer.)                                    183       

     linke Spalte 

    drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm

    Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.

                                                         . . . , den 4. Oktober 1914.

       Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen

    zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch

    vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,

    auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert

    uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen

    herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben

    seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer 

    auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.

    Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben

    die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin

    ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,

    man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,

    gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und

    mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem

    Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für 

    uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die

    wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-

    getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder

    darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-

    geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten

    keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter

    einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform

    anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder

    Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder

    Mann als Soldat.

       Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die

    Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht

    erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.

        Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen

    in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.

                                                                   . . . . . . . , 7. Oktober 1914.

        Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen

    feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den

    letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich

    nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.

    Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein

    will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen

    als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.

       Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel

    Ordonnanz meldet:  Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort

    bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten

    heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man

    manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand

    Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich

    Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,

    Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt

    oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.

    Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die

    Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird

    geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier

    in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-

    stiche!  Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,

    schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,

    denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug

    stets durch Artilleriefeuer decken;  Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar

    als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife

    doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald

    wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.

    Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen

    ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand

    der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern

    Verhältnisse wieder herzustellen.

                                                                           . . . , den 8. Oktober 1914.

       Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,

    haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe

    vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein

    Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Teile,

    zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben

    und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,

    wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu

    schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen

    Baudenkmälern den Krieg aufgeben.

                                                                          . . . , den 12. Oktober 1914.

       Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten 

    Tage waren für uns  nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch

    gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-

    drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da

    ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir

    lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,

    lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann

    stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee vermutlich nach

    Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns

    abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,

    dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder

    St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende

    Nachricht, daß wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in

    Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend


     rechte Spalte 

    kamen wir halbwegs nach Antwerpen, todmüde, keine Quartiere, man lag, so

    gut es ging, beim Vieh, auf den Heuböden, aber die Begeisterung für den

    Einzug in Antwerpen wog alles auf. Morgens früh um 5 Uhr wieder los

    und dann bis Antwerpen durch. Gottlob habe ich ja immer mein schönes

    treues Pferd, die "Seekuh" mit Namen; das lange Reiten strengt aber auch

    höllisch an. 12 Uhr nachts zogen wir in Antwerpen ein, lagen an der Schelde 

    bis gegen Mittag, dann gings durch die Stadt hindurch, an der Seite wieder

    heraus, und nach M., wo wir jetzt liegen, ein großes Dorf neben dem gleich-

    namigen Fort. 

       Gestern erhielt ich das Eiserne Kreuz, was wir im Kameradenkreise dann

    noch gehörig feierten. Unsre Leute sind brav gewesen, willig, tüchtig, und

    trotz aller Anstrengungen immer bei der Sache und nie mißmutig. Nun sind

    sie aber recht erschöpft und Ruhe, Ruhe auf der ganzen Linie für einige

    Tage doch mindestens ist das beseligende Gefühl für alle und jeden. Unsre

    eigentliche Aufgabe war wohl von vornherein die Besatzung von

    Antwerpen und den Scheldeforts. Unsre Armee war wundervoll in ihrem

    Vorgehen, die Feldartillerie, die Pioniere, unsre Matrosendivision, alles

    Prachtkerle und Prachttruppen, leider haben wir auch manchen schweren

    Verlust, von meiner Kompanie hat einer Schuß ins Auge, einer beim

    Anlegen Schuß durch Hand und Brust, er war einer der besten, er liegt schwer

    verwundet in Brüssel. Ich habe für ihn das Eiserne Kreuz in der Tasche.

    Von der 3. Kompanie hat eine Granate die Kompanieschreibstube in einem

    Häuschen erledigt; alles tot, ich bin heil und gesund, das ist mir immer wie

    ein Wunder, tagelang im dicksten Granatregen, neben mir, vor mir, hinter

    mir die Einschläge, der Dreck ist mir über das Gesicht und alles gespritzt. Die

    Gase der Sprenggranaten verhinderten zeitweise das Atmen in den Unterständen,

    direkt neben einem meiner Maschinengewehre reißt eine Sprenggranate alles

    auf,  Gewehr und Mannschaft heil, Wunder, Wunder, und bei H.

    trieben wir dann die letzten Belgier noch in die Ruhsel. Am andern Tage

    war kein Feind mehr zu sehen. In Antwerpen liegen regimenterweise  die

    Uniformen, Gewehre, Tornister von den Schweinehunden, die alle Zivil an-

    gezogen und nach Holland und England ausgerissen sind. Selbst die Offiziere

    schämen sich nicht, Zivil anzuziehen, um unerkannt zu entkommen, voran die

    Engländer selbst. etwas von der großen Armee haben wir ja noch vor

    Ostende gefaßt, aber die meisten sind die Schelde hinunter durch Holland

    in Zivil.Antwerpen ist wie ausgestorben, alleLäden geschlossen, nur der Mob

    ist noch da.

                                                                             . . . , 17. Oktober 1914.

       Ich schreibe natürlich nicht jeden Tag, und dann gebe ich auch gerne zu,

    daß die Tage, in denen wir vorn lagen und dauernd marschierten oder auf

    der Landstraße auf Befehle warteten, dann wieder Schützengräben bezogen,

    dann wieder vorwärts gingen, kurzum die ganze letzte Zeit bis zum Einzug

    in Antwerpen so schnell mir verging, daß ich wohl tatsächlich seltene ge-

    schrieben habe, als ich selbst mir einbilden mag. Und dann, wie bekommt

    man die Briefe oder Karten zur Post? Die gibt man so irgendeinem mit,

    der angeblich bald an die Stelle kommt, wo Feldpost gesammelt wird. Wie lange

    der Betreffende dann die Sachen mit sich herumträgt und ob er sie überhaupt

    losgeworden ist, ist nicht zu kontrollieren. Jetzt soll ja in Antwerpen ein großes

    Postbureau eingerichtet sein. Man kann also direkt nach antwerpen adressieren,

    es wird sogar behauptet, daß dies schneller ginge, als durch das 

    Marine-Postbureau in Berlin. Hier sieht es noch toll aus. Die belgischen

    Landflüchtigen kehren zwar scharenweise zurück, aber die Mehrzahl sitzt fest in

    Holland und hat Angst. Ich glaube  nicht, daß in  Belgien noch viel Kämpfe

    sich abspielen werden. Ostende soll ja schon besetzt sein, wenn nicht, so ist

    es mindestens eingeschlossen oder abgeschlossen. Ich begreife den Wahnsinn

    der belgischen Regierung und des Königs nicht, immer noch mit den Engländern

    zu halten und sich auf diese faulen Verbündeten zu stützen. Wahrscheinlich

    hat England die Bedingung gestellt, daß keiner der Verbündeten ohne den

    andern Frieden schließt. Nun ziehen sie alle allmählich nach Bordeaux oder

    gar nach London und lassen ihr Land in Stich. Das ist jammervoll für das Land

    und kann die Sache der Deiverbandsleute (sic)  doch nur verschlimmern.

       Antwerpen hat, im Gegensatz zu allen feindlichen Berichten, wenig gelitten.

    Die paar kleinen Geschosse, die man auf die Stadt gefeuert hat, sind nichts

    gegenüber unsern großen, mit denen die Forts umgelegt wurden. Bei Fort

    Waelhem sah ich Löcher von 4 bis 6 m Tiefe und ebensoviel Durchmesser.

    Eine Granate war von oben durch eine wenigstens 4 m starke Erd-

    aufschüttung und durch die mehrere Meter starke Eisenbetonwölbung

    hindurchgegangen und hatte die darunter befindliche Kasematte völlig

    begraben. die Mannschaften, die sich augenscheinlich dort ganz sicher gefühlt

    hatten, sind auf ihren Betten liegend getötet und verschüttet. Überhaupt bot

    Waelhem  ein wüstes Bild der Zerstörung. Panzertürme einfach umgedreht,

    Geschütze ausgehoben aus ihren festen Stellungen. Man kann es kaum

    beschreiben. Blendonk hatte sich tapfer gehalten, wollte lange von Kapitulieren

    nichts wissen. Nach Aussage des einzigen Arztes dort haben schließlich

    die Nerven des Restes der Besatzung versagt. Der Kommandant tot, der

    zweite schwer verwundet, ein Leutnant noch allein mit dem Rest der

    Mannschaft. Kein Verbandszeug,  nur ein Arzt. Die belgische Fortbesatzung 

    hat sich überhaupt glänzend verhalten, bis sie der Gewalt weichen mußte.

    Die Redoute de chemin de fer flog in die Luft, wahrscheinlich absichtlich.

    Auch alle andern Forts waren mit Einrichtungen versehen, sie im letzten

    Augenblick zu sprengen. Aber meist ist es wohl nicht mehr dazu gekommen.

    Gefeuert haben die Kerl auf uns, daß man gar nicht wußte,  wo all die

    vielen Kanonen herkamen. Aber dann, nach drei Tagen, wurde es stiller

    und stiller. Wir lagen fest, vor uns alles überschwemmt, erst nach und nach

    konnten wir langsam mit Patrouillen vordringen, und es gelang uns dann

    noch, eine stärkere feindliche Truppe aus dem Dorf Hehndonk zu vertreiben,

    wobei wir leider auch Verluste hatten. Mit kleinen Booten, teilweise selbst

    gezimmert, waren wir übers Wasser gekommen. Ein Deckoffizier schwamm

    durch die Senne und holte vom andern Ufer dreist einen Nachen, den die

    Belgier für ihren eigenen Bedarf dorthin gelegt hatten. Er hat auf meinen

    Vorschlag auch das Eiserne Kreuz erhalten.




  • June 15, 2017 23:05:10 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

    gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    ½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder

                    

     rechte Seite 

    Nummer 23             "Parole." (Feldnummer.)                                    183       

     linke Spalte 

    drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm

    Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.

                                                         . . . , den 4. Oktober 1914.

       Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen

    zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch

    vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,

    auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert

    uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen

    herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben

    seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer 

    auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.

    Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben

    die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin

    ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,

    man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,

    gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und

    mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem

    Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für 

    uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die

    wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-

    getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder

    darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-

    geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten

    keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter

    einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform

    anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder

    Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder

    Mann als Soldat.

       Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die

    Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht

    erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.

        Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen

    in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.

                                                                   . . . . . . . , 7. Oktober 1914.

        Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen

    feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den

    letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich

    nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.

    Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein

    will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen

    als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.

       Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel

    Ordonnanz meldet:  Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort

    bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten

    heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man

    manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand

    Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich

    Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,

    Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt

    oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.

    Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die

    Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird

    geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier

    in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-

    stiche!  Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,

    schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,

    denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug

    stets durch Artilleriefeuer decken;  Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar

    als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife

    doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald

    wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.

    Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen

    ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand

    der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern

    Verhältnisse wieder herzustellen.

                                                                           . . . , den 8. Oktober 1914.

       Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,

    haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe

    vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein

    Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Teile,

    zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben

    und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,

    wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu

    schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen

    Baudenkmälern den Krieg aufgeben.

                                                                          . . . , den 12. Oktober 1914.

       Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten 

    Tage waren für uns  nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch

    gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-

    drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da

    ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir

    lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,

    lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann

    stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee vermutlich nach

    Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns

    abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,

    dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder

    St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende

    Nachricht, daß wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in

    Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend


     rechte Spalte 

    kamen wir halbwegs nach Antwerpen, todmüde, keine Quartiere, man lag, so

    gut es ging, beim Vieh, auf den Heuböden, aber die Begeisterung für den

    Einzug in Antwerpen wog alles auf. Morgens früh um 5 Uhr wieder los

    und dann bis Antwerpen durch. Gottlob habe ich ja immer mein schönes

    treues Pferd, die "Seekuh" mit Namen; das lange Reiten strengt aber auch

    höllisch an. 12 Uhr nachts zogen wir in Antwerpen ein, lagen an der Schelde 

    bis gegen Mittag, dann gings durch die Stadt hindurch, an der Seite wieder

    heraus, und nach M., wo wir jetzt liegen, ein großes Fort neben dem gleich-

    namigen Fort. 

       Gestern erhielt ich das Eiserne Kreuz, was wir im Kameradenkreise dann

    noch gehörig feierten. Unsre Leute sind brav gewesen, willig, tüchtig, und

    trotz aller Anstrengungen immer bei der Sache und nie mißmutig. Nun sind

    sie aber recht erschöpft und Ruhe, Ruhe auf der ganzen Linie für einige

    Tage doch mindestens ist das beseligende Gefühl für alle und jeden. Unsre

    eigentliche Aufgabe war wohl von vornherein die Besatzung von

    Antwerpen und den Scheldeforts. Unsre Armee war wundervoll in ihrem

    Vorgehen, die Feldartillerie, die Pioniere, unsre Matrosendivision, alles

    Prachtkerle und Prachttruppen, leider haben wir auch manchen schweren

    Verlust, von meiner Kompanie hat einer Schuß ins Auge, einer beim

    Anlegen Schuß durch Hand und Brust, er war einer der besten, er liegt schwer

    verwundet in Brüssel. Ich habe für ihn das Eiserne Kreuz in der Tasche.

    Von der 3. Kompanie hat eine Granate die Kompanieschreibstube in einem

    Häuschen erledigt; alles tot, ich bin heil und gesund, das ist mir immer wie

    ein Wunder, tagelang im dicksten Granatregen, neben mir, vor mir, hinter

    mir die Einschläge, der Dreck ist mir über das Gesicht und alles gespritzt. Die

    Gase der Sprenggranaten verhinderten zeitweise das Atmen in den Unterständen,

    direkt neben einem meiner Maschinengewehre reißt eine Sprenggranate alles

    auf,  Gewehr und Mannschaft heil, Wunder, Wunder, und bei H.

    trieben wir dann die letzten Belgier noch in die Ruhsel. Am andern Tage

    war kein Feind mehr zu sehen. In Antwerpen liegen regimenterweise  die

    Uniformen, Gewehre, Tornister von den Schweinehunden, die alle Zivil an-

    gezogen und nach Holland und England ausgerissen sind. Selbst die Offiziere

    schämen sich nicht, Zivil anzuziehen, um unerkannt zu entkommen, voran die

    Engländer selbst. etwas von der großen Armee haben wir ja noch vor

    Ostende gefaßt, aber die meisten sind die Schelde hinunter durch Holland

    in Zivil.Antwerpen ist wie ausgestorben, alleLäden geschlossen, nur der Mob

    ist noch da.

                                                                             . . . , 17. Oktober 1914.

       Ich schreibe natürlich nicht jeden Tag, und dann gebe ich auch gerne zu,

    daß die Tage, in denen wir vorn lagen und dauernd marschierten oder auf

    der Landstraße auf Befehle warteten, dann wieder Schützengräben bezogen,

    dann wieder vorwärts gingen, kurzum die ganze letzte Zeit bis zum Einzug

    in Antwerpen so schnell mir verging, daß ich wohl tatsächlich seltene ge-

    schrieben habe, als ich selbst mir einbilden mag. Und dann, wie bekommt

    man die Briefe oder Karten zur Post? Die gibt man so irgendeinem mit,

    der angeblich bald an die Stelle kommt, wo Feldpost gesammelt wird. Wie lange

    der Betreffende dann die Sachen mit sich herumträgt und ob er sie überhaupt

    losgeworden ist, ist nicht zu kontrollieren. Jetzt soll ja in Antwerpen ein großes

    Postbureau eingerichtet sein. Man kann also direkt nach antwerpen adressieren,

    es wird sogar behauptet, daß dies schneller ginge, als durch das 

    Marine-Postbureau in Berlin. Hier sieht es noch toll aus. Die belgischen

    Landflüchtigen kehren zwar scharenweise zurück, aber die Mehrzahl sitzt fest in

    Holland und hat Angst. Ich glaube  nicht, daß in  Belgien noch viel Kämpfe

    sich abspielen werden. Ostende soll ja schon besetzt sein, wenn nicht, so ist

    es mindestens eingeschlossen oder abgeschlossen. Ich begreife den Wahnsinn

    der belgischen Regierung und des Königs nicht, immer noch mit den Engländern

    zu halten und sich auf diese faulen Verbündeten zu stützen. Wahrscheinlich

    hat England die Bedingung gestellt, daß keiner der Verbündeten ohne den

    andern Frieden schließt. Nun ziehen sie alle allmählich nach Bordeaux oder

    gar nach London und lassen ihr Land in Stich. Das ist jammervoll für das Land

    und kann die Sache der Deiverbandsleute (sic)  doch nur verschlimmern.

       Antwerpen hat, im Gegensatz zu allen feindlichen Berichten, wenig gelitten.

    Die paar kleinen Geschosse, die man auf die Stadt gefeuert hat, sind nichts

    gegenüber unsern großen, mit denen die Forts umgelegt wurden. Bei Fort

    Waelhem sah ich Löcher von 4 bis 6 m Tiefe und ebensoviel Durchmesser.

    Eine Granate war von oben durch eine wenigstens 4 m starke Erd-

    aufschüttung und durch die mehrere Meter starke Eisenbetonwölbung

    hindurchgegangen und hatte die darunter befindliche Kasematte völlig

    begraben. die Mannschaften, die sich augenscheinlich dort ganz sicher gefühlt

    hatten, sind auf ihren Betten liegend getötet und verschüttet. Überhaupt bot

    Waelhem  ein wüstes Bild der Zerstörung. Panzertürme einfach umgedreht,

    Geschütze ausgehoben aus ihren festen Stellungen. Man kann es kaum

    beschreiben. Blendonk hatte sich tapfer gehalten, wollte lange von Kapitulieren

    nichts wissen. Nach Aussage des einzigen Arztes dort haben schließlich

    die Nerven des Restes der Besatzung versagt. Der Kommandant tot, der

    zweite schwer verwundet, ein Leutnant noch allein mit dem Rest der

    Mannschaft. Kein Verbandszeug,  nur ein Arzt. Die belgische Fortbesatzung 

    hat sich überhaupt glänzend verhalten, bis sie der Gewalt weichen mußte.

    Die Redoute de chemin de fer flog in die Luft, wahrscheinlich absichtlich.

    Auch alle andern Forts waren mit Einrichtungen versehen, sie im letzten

    Augenblick zu sprengen. Aber meist ist es wohl nicht mehr dazu gekommen.

    Gefeuert haben die Kerl auf uns, daß man gar nicht wußte,  wo all die

    vielen Kanonen herkamen. Aber dann, nach drei Tagen, wurde es stiller

    und stiller. Wir lagen fest, vor uns alles überschwemmt, erst nach und nach

    konnten wir langsam mit Patrouillen vordringen, und es gelang uns dann

    noch, eine stärkere feindliche Truppe aus dem Dorf Hehndonk zu vertreiben,

    wobei wir leider auch Verluste hatten. Mit kleinen Booten, teilweise selbst

    gezimmert, waren wir übers Wasser gekommen. Ein Deckoffizier schwamm

    durch die Senne und holte vom andern Ufer dreist einen Nachen, den die

    Belgier für ihren eigenen Bedarf dorthin gelegt hatten. Er hat auf meinen

    Vorschlag auch das Eiserne Kreuz erhalten.




  • June 15, 2017 23:01:50 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

    gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    ½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder

                    

     rechte Seite 

    Nummer 23             "Parole." (Feldnummer.)                                    183       

     linke Spalte 

    drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm

    Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.

                                                         . . . , den 4. Oktober 1914.

       Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen

    zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch

    vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,

    auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert

    uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen

    herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben

    seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer 

    auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.

    Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben

    die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin

    ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,

    man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,

    gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und

    mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem

    Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für 

    uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die

    wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-

    getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder

    darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-

    geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten

    keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter

    einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform

    anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder

    Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder

    Mann als Soldat.

       Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die

    Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht

    erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.

        Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen

    in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.

                                                                   . . . . . . . , 7. Oktober 1914.

        Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen

    feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den

    letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich

    nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.

    Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein

    will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen

    als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.

       Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel

    Ordonnanz meldet:  Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort

    bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten

    heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man

    manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand

    Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich

    Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,

    Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt

    oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.

    Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die

    Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird

    geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier

    in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-

    stiche!  Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,

    schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,

    denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug

    stets durch Artilleriefeuer decken;  Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar

    als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife

    doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald

    wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.

    Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen

    ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand

    der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern

    Verhältnisse wieder herzustellen.

                                                                           . . . , den 8. Oktober 1914.

       Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,

    haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe

    vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein

    Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Teile,

    zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben

    und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,

    wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu

    schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen

    Baudenkmälern den Krieg aufgeben.

                                                                          . . . , den 12. Oktober 1914.

       Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten 

    Tage waren für uns  nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch

    gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-

    drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da

    ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir

    lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,

    lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann

    stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee vermutlich nach

    Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns

    abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,

    dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder

    St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende

    Nachricht, daß wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in

    Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend


     rechte Spalte 

    kamen wir halbwegs nach Anwerpen, todmüde, keine Quartiere, man lag, so

    gut es ging, beim Vieh, auf den Heuböden, aber die Begeisterung für den

    Einzug in Antwerpen wog alles auf. Morgens früh um 5 Uhr wieder los

    und dann bis Antwerpen durch. Gottlob habe ich ja immer mein schönes

    treues Pferd, die "Seekuh" mit Namen; das lange Reiten strengt aber auch

    höllisch an. 12 Uhr nachts zogen wir in Antwerpen ein, lagen an der Schelde 

    bis gegen Mittag, dann gings durch die Stadt hindurch, an der Seite wieder

    heraus, und nach M., wo wir jetzt liegen, ein großes Fort neben dem gleich-

    namigen Fort. 

       Gestern erhielt ich das Eiserne Kreuz, was wir im Kameradenkreise dann

    noch gehörig feierten. Unsre Leute sind brav gewesen, willig, tüchtig, und

    trotz aller Anstrengungen immer bei der Sache und nie mißmutig. Nun sind

    sie aber recht erschöpft und Ruhe, Ruhe auf der ganzen Linie für einige

    Tage doch mindestens ist das beseligende Gefühl für alle und jeden. Unsre

    eigentliche Aufgabe war wohl von vornherein die Besatzung von

    Antwerpen und den Scheldeforts. Unsre Armee war wundervoll in ihrem

    Vorgehen, die Feldartillerie, die Pioniere, unsre Matrosendivision, alles

    Prachtkerle und Prachttruppen, leider haben wir auch manchen schweren

    Verlust, von meiner Kompanie hat einer Schuß ins Auge, einer beim

    Anlegen Schuß durch Hand und Brust, er war einer der besten, er liegt schwer

    verwundet in Brüssel. Ich habe für ihn das Eiserne Kreuz in der Tasche.

    Von der 3. Kompanie hat eine Granate die Kompanieschreibstube in einem

    Häuschen erledigt; alles tot, ich bin heil und gesund, das ist mir immer wie

    ein Wunder, tagelang im dicksten Granatregen, neben mir, vor mir, hinter

    mir die Einschläge, der Dreck ist mir über das Gesicht und alles gespritzt. Die

    Gase der Sprenggranaten verhinderten zeitweise das Atmen in den Unterständen,

    direkt neben einem meiner Maschinengewehre reißt eine Sprenggranate alles

    auf,  Gewehr und Mannschaft heil, Wunder, Wunder, und bei H.

    trieben wir dann die letzten Belgier noch in die Ruhsel. Am andern Tage

    war kein Feind mehr zu sehen. In Antwerpen liegen regimenterweise  die

    Uniformen, Gewehre, Tornister von den Schweinehunden, die alle Zivil an-

    gezogen und nach Holland und England ausgerissen sind. Selbst die Offiziere

    schämen sich nicht, Zivil anzuziehen, um unerkannt zu entkommen, voran die

    Engländer selbst. etwas von der großen Armee haben wir ja noch vor

    Ostende gefaßt, aber die meisten sind die Schelde hinunter durch Holland

    in Zivil.Antwerpen ist wie ausgestorben, alleLäden geschlossen, nur der Mob

    ist noch da.

                                                                             . . . , 17. Oktober 1914.

       Ich schreibe natürlich nicht jeden Tag, und dann gebe ich auch gerne zu,

    daß die Tage, in denen wir vorn lagen und dauernd marschierten oder auf

    der Landstraße auf Befehle warteten, dann wieder Schützengräben bezogen,

    dann wieder vorwärts gingen, kurzum die ganze letzte Zeit bis zum Einzug

    in Antwerpen so schnell mir verging, daß ich wohl tatsächlich seltene ge-

    schrieben habe, als ich selbst mir einbilden mag. Und dann, wie bekommt

    man die Briefe oder Karten zur Post? Die gibt man so irgendeinem mit,

    der angeblich bald an die Stelle kommt, wo Feldpost gesammelt wird. Wie lange

    der Betreffende dann die Sachen mit sich herumträgt und ob er sie überhaupt

    losgeworden ist, ist nicht zu kontrollieren. Jetzt soll ja in Antwerpen ein großes

    Postbureau eingerichtet sein. Man kann also direkt nach antwerpen adressieren,

    es wird sogar behauptet, daß dies schneller ginge, als durch das 

    Marine-Postbureau in Berlin. Hier sieht es noch toll aus. Die belgischen

    Landflüchtigen kehren zwar scharenweise zurück, aber die Mehrzahl sitzt fest in

    Holland und hat Angst. Ich glaube  nicht, daß in  Belgien noch viel Kämpfe

    sich abspielen werden. Ostende soll ja schon besetzt sein, wenn nicht, so ist

    es mindestens eingeschlossen oder abgeschlossen. Ich begreife den Wahnsinn

    der belgischen Regierung und des Königs nicht, immer noch mit den Engländern

    zu halten und sich auf diese faulen Verbündeten zu stützen. Wahrscheinlich

    hat England die Bedingung gestellt, daß keiner der Verbündeten ohne den

    andern Frieden schließt. Nun ziehen sie alle allmählich nach Bordeaux oder

    gar nach London und lassen ihr Land in Stich. Das ist jammervoll für das Land

    und kann die Sache der Deiverbandsleute (sic)  doch nur verschlimmern.

       Antwerpen hat, im Gegensatz zu allen feindlichen Berichten, wenig gelitten.

    Die paar kleinen Geschosse, die man auf die Stadt gefeuert hat, sind nichts

    gegenüber unsern großen, mit denen die Forts umgelegt wurden. Bei Fort

    Waelhem sah ich Löcher von 4 bis 6 m Tiefe und ebensoviel Durchmesser.

    Eine Granate war von oben durch eine wenigstens 4 m starke Erd-

    aufschüttung und durch die mehrere Meter starke Eisenbetonwölbung

    hindurchgegangen und hatte die darunter befindliche Kasematte völlig

    begraben. die Mannschaften, die sich augenscheinlich dort ganz sicher gefühlt

    hatten, sind auf ihren Betten liegend getötet und verschüttet. Überhaupt bot

    Waelhem  ein wüstes Bild der Zerstörung. Panzertürme einfach umgedreht,

    Geschütze ausgehoben aus ihren festen Stellungen. Man kann es kaum

    beschreiben. Blendonk hatte sich tapfer gehalten, wollte lange von Kapitulieren

    nichts wissen. Nach Aussage des einzigen Arztes dort haben schließlich

    die Nerven des Restes der Besatzung versagt. Der Kommandant tot, der

    zweite schwer verwundet, ein Leutnant noch allein mit dem Rest der

    Mannschaft. Kein Verbandszeug,  nur ein Arzt. Die belgische Fortbesatzung 

    hat sich überhaupt glänzend verhalten, bis sie der Gewalt weichen mußte.

    Die Redoute de chemin de fer flog in die Luft, wahrscheinlich absichtlich.

    Auch alle andern Forts waren mit Einrichtungen versehen, sie im letzten

    Augenblick zu sprengen. Aber meist ist es wohl nicht mehr dazu gekommen.

    Gefeuert haben die Kerl auf uns, daß man gar nicht wußte,  wo all die

    vielen Kanonen herkamen. Aber dann, nach drei Tagen, wurde es stiller

    und stiller. Wir lagen fest, vor uns alles überschwemmt, erst nach und nach

    konnten wir langsam mit Patrouillen vordringen, und es gelang uns dann

    noch, eine stärkere feindliche Truppe aus dem Dorf Hehndonk zu vertreiben,

    wobei wir leider auch Verluste hatten. Mit kleinen Booten, teilweise selbst

    gezimmert, waren wir übers Wasser gekommen. Ein Deckoffizier schwamm

    durch die Senne und holte vom andern Ufer dreist einen Nachen, den die

    Belgier für ihren eigenen Bedarf dorthin gelegt hatten. Er hat auf meinen

    Vorschlag auch das Eiserne Kreuz erhalten.




  • June 15, 2017 22:14:43 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

    gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    ½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder

                    

     rechte Seite 

    Nummer 23             "Parole." (Feldnummer.)                                    183       

     linke Spalte 

    drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm

    Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.

                                                         . . . , den 4. Oktober 1914.

       Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen

    zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch

    vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,

    auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert

    uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen

    herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben

    seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer 

    auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.

    Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben

    die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin

    ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,

    man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,

    gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und

    mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem

    Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für 

    uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die

    wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-

    getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder

    darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-

    geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten

    keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter

    einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform

    anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder

    Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder

    Mann als Soldat.

       Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die

    Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht

    erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.

        Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen

    in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.

                                                                   . . . . . . . , 7. Oktober 1914.

        Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen

    feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den

    letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich

    nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.

    Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein

    will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen

    als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.

       Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel

    Ordonnanz meldet:  Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort

    bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten

    heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man

    manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand

    Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich

    Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,

    Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt

    oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.

    Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die

    Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird

    geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier

    in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-

    stiche!  Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,

    schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,

    denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug

    stets durch Artilleriefeuer decken;  Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar

    als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife

    doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald

    wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.

    Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen

    ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand

    der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern

    Verhältnisse wieder herzustellen.

                                                                           . . . , den 8. Oktober 1914.

       Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,

    haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe

    vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein

    Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Teile,

    zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben

    und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,

    wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu

    schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen

    Baudenkmälern den Krieg aufgeben.

                                                                          . . . , den 12. Oktober 1914.

       Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten 

    Tage waren für uns  nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch

    gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-

    drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da

    ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir

    lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,

    lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann

    stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee vermutlich nach

    Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns

    abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,

    dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder

    St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende

    Nachricht, daß wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in

    Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend


     rechte Spalte 

    kamen wir halbwegs nach Anwerpen, todmüde, keine Quartiere, man lag, so

    gut es ging, beim Vieh, auf den Heuböden, aber die Begeisterung für den

    Einzug in Antwerpen wog alles auf. Morgens früh um 5 Uhr wieder los

    und dann bis Antwerpen durch. Gottlob habe ich ja immer mein schönes

    treues Pferd, die "Seekuh" mit Namen; das lange Reiten strengt aber auch

    höllisch an. 12 Uhr nachts zogen wir in Antwerpen ein, lagen an der Schelde 

    bis gegen Mittag, dann gings durch die Stadt hindurch, an der Seite wieder

    heraus, und nach M., wo wir jetzt liegen, ein großes Fort neben dem gleich-

    namigen Fort. 

       Gestern erhielt ich das Eiserne Kreuz, was wir im Kameradenkreise dann

    noch gehörig feierten. Unsre Leute sind brav gewesen, willig, tüchtig, und

    trotz aller Anstrengungen immer bei der Sache und nie mißmutig. Nun sind

    sie aber recht erschöpft und Ruhe, Ruhe auf der ganzen Linie für einige

    Tage doch mindestens ist das beseligende Gefühl für alle und jeden. Unsre

    eigentliche Aufgabe war wohl von vornherein die Besatzung von

    Antwerpen und den Scheldeforts. Unsre Armee war wundervoll in ihrem

    Vorgehen, die Feldartillerie, die Pioniere, unsre Matrosendivision, alles

    Prachtkerle und Prachttruppen, leider haben wir auch manchen schweren

    Verlust, von meiner Kompanie hat einer Schuß ins Auge, einer beim

    Anlegen Schuß durch Hand und Brust, er war einer der besten, er liegt schwer

    verwundet in Brüssel. Ich habe für ihn das Eiserne Kreuz in der Tasche.

    Von der 3. Kompanie hat eine Granate die Kompanieschreibstube in einem

    Häuschen erledigt; alles tot, ich bin heil und gesund, das ist mir immer wie

    ein Wunder, tagelang im dicksten Granatregen, neben mir, vor mir, hinter

    mir die Einschläge, der Dreck ist mir über das Gesicht und alles gespritzt. Die

    Gase der Sprenggranaten verhinderten zeitweise das Atmen in den Unterständen,

    direkt neben einem meiner Maschinengewehre reißt eine Sprenggranate alles

    auf,  Gewehr und Mannschaft heil, Wunder, Wunder, und bei H.

    trieben wir dann die letzten Belgier noch in die Ruhsel. Am andern Tage

    war kein Feind mehr zu sehen. In Antwerpen liegen regimenterweise  die

    Uniformen, Gewehre, Tornister von den Schweinehunden, die alle Zivil an-

    gezogen und nach Holland und England ausgerissen sind.





  • June 15, 2017 21:42:51 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

    gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    ½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder

                    

     rechte Seite 

    Nummer 23             "Parole." (Feldnummer.)                                    183       

     linke Spalte 

    drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm

    Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.

                                                         . . . , den 4. Oktober 1914.

       Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen

    zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch

    vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,

    auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert

    uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen

    herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben

    seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer 

    auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.

    Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben

    die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin

    ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,

    man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,

    gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und

    mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem

    Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für 

    uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die

    wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-

    getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder

    darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-

    geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten

    keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter

    einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform

    anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder

    Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder

    Mann als Soldat.

       Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die

    Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht

    erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.

        Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen

    in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.

                                                                   . . . . . . . , 7. Oktober 1914.

        Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen

    feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den

    letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich

    nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.

    Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein

    will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen

    als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.

       Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel

    Ordonnanz meldet:  Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort

    bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten

    heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man

    manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand

    Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich

    Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,

    Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt

    oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.

    Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die

    Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird

    geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier

    in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-

    stiche!  Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,

    schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,

    denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug

    stets durch Artilleriefeuer decken;  Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar

    als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife

    doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald

    wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.

    Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen

    ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand

    der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern

    Verhältnisse wieder herzustellen.

                                                                           . . . , den 8. Oktober 1914.

       Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,

    haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe

    vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein

    Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Teile,

    zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben

    und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,

    wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu

    schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen

    Baudenkmälern den Krieg aufgeben.

                                                                          . . . , den 12. Oktober 1914.

       Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten 

    Tage waren für uns  nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch

    gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-

    drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da

    ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir

    lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,

    lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann

    stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee vermutlich nach

    Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns

    abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,

    dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder

    St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende

    Nachricht, daß wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in

    Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend

       







  • June 15, 2017 21:39:42 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

    gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    ½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder

                    

     rechte Seite 

    Nummer 23             "Parole." (Feldnummer.)                                    183       

     linke Spalte 

    drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm

    Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.

                                                         . . . , den 4. Oktober 1914.

       Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen

    zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch

    vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,

    auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert

    uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen

    herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben

    seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer 

    auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.

    Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben

    die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin

    ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,

    man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,

    gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und

    mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem

    Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für 

    uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die

    wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-

    getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder

    darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-

    geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten

    keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter

    einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform

    anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder

    Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder

    Mann als Soldat.

       Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die

    Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht

    erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.

        Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen

    in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.

                                                                   . . . . . . . , 7. Oktober 1914.

        Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen

    feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den

    letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich

    nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.

    Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein

    will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen

    als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.

       Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel

    Ordonnanz meldet:  Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort

    bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten

    heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man

    manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand

    Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich

    Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,

    Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt

    oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.

    Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die

    Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird

    geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier

    in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-

    stiche!  Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,

    schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,

    denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug

    stets durch Artilleriefeuer decken;  Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar

    als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife

    doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald

    wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.

    Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen

    ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand

    der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern

    Verhältnisse wieder herzustellen.

                                                                           . . . , den 8. Oktober 1914.

       Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,

    haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe

    vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein

    Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Tele,

    zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben

    und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,

    wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu

    schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen

    Baudenkmälern den Krieg aufgeben.

                                                                          . . . , den 12. Oktober 1914.

       Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten 

    Tage waren für uns  nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch

    gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-

    drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da

    ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir

    lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,

    lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann

    stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee emutlich nach

    Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns

    abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,

    dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder

    St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende

    Nachricht, da wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in

    Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend

       







  • June 15, 2017 21:37:12 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

    gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    ½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder

                    

     rechte Seite 

    Nummer 23             "Parole." (Feldnummer.)                                    183       

     linke Spalte 

    drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm

    Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.

                                                         . . . , den 4. Oktober 1914.

       Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen

    zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch

    vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,

    auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert

    uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen

    herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben

    seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer 

    auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.

    Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben

    die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin

    ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,

    man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,

    gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und

    mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem

    Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für 

    uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die

    wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-

    getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder

    darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-

    geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten

    keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter

    einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform

    anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder

    Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder

    Mann als Soldat.

       Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die

    Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht

    erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.

        Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen

    in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.

                                                                   . . . . . . . , 7. Oktober 1914.

        Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen

    feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den

    letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich

    nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.

    Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein

    will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen

    als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.

       Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel

    Ordonnanz meldet:  Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort

    bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten

    heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man

    manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand

    Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich

    Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,

    Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt

    oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.

    Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die

    Schlösser leer, das Vieh treibt isch herrenlos herum, eins und das andre wird

    geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier

    in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-

    stiche!  Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,

    schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,

    denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug

    stets durch Artilleriefeuer decken;  Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar

    als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife

    doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald

    wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.

    Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen

    ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand

    der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern

    Verhältnisse wieder herzustellen.

                                                                           . . . , den 8. Oktober 1914.

       Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,

    haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe

    vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein

    Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Tele,

    zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben

    und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,

    wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu

    schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen

    Baudenkmälern den Krieg aufgeben.

                                                                          . . . , den 12. Oktober 1914.

       Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten 

    Tage waren für uns  nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch

    gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-

    drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da

    ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir

    lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,

    lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann

    stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee emutlich nach

    Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns

    abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,

    dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder

    St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende

    Nachricht, da wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in

    Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend

       







  • June 15, 2017 21:18:32 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

    gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    ½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder

                    

     rechte Seite 

    Nummer 23             "Parole." (Feldnummer.)                                    183       

     linke Spalte 

    drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm

    Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.

                                                         . . . , den 4. Oktober 1914.

       Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen

    zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch

    vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,

    auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert

    uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen

    herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben

    seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer 

    auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.

    Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben

    die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin

    ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,

    man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,

    gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und

    mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem

    Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für 

    uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die

    wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-

    getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder

    darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-

    geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten

    keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter

    einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform

    anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder

    Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder

    Mann als Soldat.

       Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die

    Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht

    erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.

        Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen

    in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.

                                                                   . . . . . . . , 7. Oktober 1914.

        Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen

    feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den

    letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich

    nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.

    Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein

    will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen

    als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.

       Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel

    Ordonnanz meldet:  Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort

    bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten

    heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man

    manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand

    Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich

    Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,

    Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt

    oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.

    Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die

    Schlösser leer, das Vieh treibt isch herrenlos herum, eins und das andre wird

    geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier

    in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-

    stiche!  Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,

    schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,

    denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug

    stets durch Artilleriefeuer decken;  Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar

    als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife

    doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald

    wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.

    Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen

    ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand

    der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern

    Verhältnisse wieder herzustellen.






  • June 15, 2017 20:41:17 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

    gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    ½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder

                    

     rechte Seite 

    Nummer 23             "Parole." (Feldnummer.)                                    183       

     linke Spalte 

    drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm

    Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.

                                                         . . . , den 4. Oktober 1914.

       Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen

    zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch

    vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,

    auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert

    uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen

    herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben

    seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer 

    auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.

    Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben

    die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin

    ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,

    man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,

    gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und

    mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem

    Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für 

    uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die

    wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-

    getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder

    darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-

    geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten

    keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter

    einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform

    anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder

    Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder

    Mann als Soldat.

       Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die

    Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht

    erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.

        Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen

    in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.




  • June 15, 2017 20:39:40 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

    gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    ½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder

                    

     rechte Seite 

    Nummer 23             "Parole." (Feldnummer.)                                    183       

     linke Spalte 

    drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm

    Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.

                                                         . . . , den 4. Oktober 1914.

       Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen

    zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch

    vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,

    auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert

    uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen

    herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben

    seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer 

    auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.

    Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben

    die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin

    ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,

    man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,

    gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und

    mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem

    Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für 

    uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die

    wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-

    getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder

    darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-

    geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten

    keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter

    einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform

    anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jede

    Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder

    Mann als Soldat.

       Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die

    Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht

    erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.

        Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen

    in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.




  • June 15, 2017 20:39:14 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

    gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    ½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder

                    

     rechte Seite 

    Nummer 23             "Parole." (Feldnummer.)                                    183       

     linke Spalte 

    drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm

    Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.

                                                         ..., den 4. Oktober 1914.

       Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen

    zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch

    vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,

    auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert

    uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen

    herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben

    seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer 

    auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.

    Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben

    die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin

    ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,

    man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,

    gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und

    mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem

    Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für 

    uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die

    wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-

    getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder

    darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-

    geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten

    keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter

    einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform

    anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jede

    Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder

    Mann als Soldat.

       Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die

    Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht

    erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.

        Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen

    in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.




  • June 15, 2017 20:38:57 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

    gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    ½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder

                    

     rechte Seite 

    Nummer 23             "Parole." (Feldnummer.)                                    183       

     linke Spalte 

    drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm

    Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.

                                                         ..., den 14. Oktober 1914.

       Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen

    zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch

    vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,

    auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert

    uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen

    herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben

    seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer 

    auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.

    Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben

    die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin

    ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,

    man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,

    gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und

    mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem

    Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für 

    uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die

    wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-

    getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder

    darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-

    geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten

    keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter

    einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform

    anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jede

    Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder

    Mann als Soldat.

       Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die

    Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht

    erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.

        Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen

    in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.




  • June 15, 2017 20:13:44 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

    gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    ½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder


     rechte Seite 




  • June 15, 2017 20:11:10 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

    gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    ½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder




  • June 15, 2017 20:09:43 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-

    gaben  so viel für ihre Behaglichkeit zu tun,  wie die Verhältnisses im Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben    Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts 1/2 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    1/2 3 Uhr nachmittags bis 3/4 9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder




  • June 15, 2017 20:02:49 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben     Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, fürVepflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts 1/2 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    1/2 3 Uhr nachmittags bis 3/4 9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese

    ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten

    doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.

       Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits 

    im Abmarsch.  Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.

    In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder

    In den nächsten drei Tafen



  • June 15, 2017 19:58:17 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben     Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 

                                                                      Aus Feindesland.

                                                                       Vor Antwerpen.

                                                             Aus den Familienbriefen eines

                                                         Kompanieführers der tapferen Marine-

                                                         division werden uns folgende anziehende

                                                         Schilderungen über die Kämpfe vor

                                                         Antwerpen zur Verfügung gestellt:

                                                                    . . . . . . , 19. September 1914.

                                                            Unsre Reise war bis zur Grenze

                                                         in Aachen ein Triumphzug mit

                                                         Vorschußlorbeeren, dann  aber fürchterlich.

                                                         8 Tage Verspätung. Wir sind

    116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle

    Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die

    Einzelheiten nachholen zu können.

         Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,

    das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,

    und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und

    mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden

    Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,

    bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, fürVepflegung

    der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer

    vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage  war und noch

    bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon

    führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-

    wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens

    10  Uhr und lag dort bis nachts 1/2 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von

    1/2 3 Uhr nachmittags bis 3/4 9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-

    feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht

    mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften

    aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.

    So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe  ich

    mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die

    Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die

    Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,

    mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-

    fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.

    ins Gefecht und haben dann einen  sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.

    abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen

    gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage 

    vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-

    führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten

    nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten

    Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes

    Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.

       Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder

    anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen



  • June 15, 2017 19:24:11 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben     Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 

                                                         der Russen, "mit solchem Jubel und

                                                         so reich bewirtet und beschenkt empfangen

                                                         worden, wie der sächsische Ulan aus

                                                         Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-

                                                         tember als erster deutscher Soldat nach

                                                         der Russenherrschaft wieder in Lyck 

                                                         einzog.

                                                                       - - - - - - - - - - - - - - - - - 


  • June 15, 2017 19:19:48 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

            Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

                    (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."

                                                                 *

           Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.

       Der erste deutsche Soldat,  der am Morgen des 12. September in das

                                                         zum zweiten Male von den Russen

                                                         befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer

                                                         Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche

      Zeichnung siehe oben     Patrouille", so heißt es in einem      

                                                         Briefe eines Lyckers nach der Verjagung 


  • June 15, 2017 19:08:13 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

    Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

          (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen,welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschienengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von

    Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in

    die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.

    Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der

    Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,

    und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet.".


  • June 15, 2017 19:00:39 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

    Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

          (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen,welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die


     rechte Spalte 

    Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel

    zu den Truppen,  um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Felde

    zulassen.

                                                       *

                      1000 Mark-Spende für einen Helden. 

       Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen

    zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben

    worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps

    auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder

    Maschienengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das

    Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Obrtjäger

    Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg

    hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer

    Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von


  • June 15, 2017 11:03:00 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

    Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

          (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen,welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die





  • June 15, 2017 11:01:50 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

    Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

          (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche a tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen,welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die





  • June 15, 2017 10:58:43 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort beseht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

    Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

          (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche a tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen,welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im

    übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-

    zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege

    häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,

    daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es

    unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)

    behelfen muß.

       Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl

    die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu

    berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen, 

    daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen

    Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-

    zufluß beeinträchtigen.

       Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden

    Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung

    ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das

    lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden

    oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen

    mit warmer Nahrung, zwingen.

       Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die





  • June 15, 2017 10:44:00 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort beseht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

    Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

          (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,


        Zeichnung siehe oben 


    Nachbildung  aus der Pariser Wochenschrift "Touche a tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein


    über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-

    geschwader erscheinen,welches nicht nur die gewaltigen englischen

    Großkampfschiffe  versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.

                             - - - - - - - - - - - - - - - - -

                         Allerlei vom Kriege.

                     Verpflegung in der Front.

        In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen

    der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost

    geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer

    Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.

    Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte

    Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren

    Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. die vor-

    gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,

    die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es

    wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-

    teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet,  zwar

    angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um

    die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden

    Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten.




  • June 15, 2017 10:22:19 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort beseht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!

                              - - - - - - - - - - - - - - - - -

    Die deutsche Luftflotte über Plymouth.               

          (Zu untenstehendem  Bilde.) 

       Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern

    Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer

    vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,



  • June 15, 2017 10:17:38 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

     linke Seite 

     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort beseht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!



  • June 15, 2017 10:17:23 Beate Jochem

    182                "Parole." (Feldnummer.)               Nummer 23

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     linke Spalte 

    das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine

    weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr

    einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht

    erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage

    äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die

    Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.

       Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?

    "Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-

    brauchte Wort beseht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und

    einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg.  Das ist das

    Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen

    der Gegenwart.  Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,

    die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter

    denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!


  • June 15, 2017 10:03:24 Beate Jochem

    182               "Parole." (Feldnummer)


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    Lille, Frankreich

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12998 / 199711
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Uta Hentschel
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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