Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 5
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182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
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Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
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Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-
gaben so viel für ihre Behaglichkeit zu tun, wie die Verhältnisses im Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
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Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 183
linke Spalte
drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm
Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.
. . . , den 4. Oktober 1914.
Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen
zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch
vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,
auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert
uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen
herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben
seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer
auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.
Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben
die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin
ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,
man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,
gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und
mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem
Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für
uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die
wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-
getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder
darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-
geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten
keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter
einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform
anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder
Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder
Mann als Soldat.
Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die
Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht
erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.
Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen
in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.
. . . . . . . , 7. Oktober 1914.
Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen
feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den
letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich
nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.
Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein
will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen
als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.
Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel
Ordonnanz meldet: Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort
bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten
heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man
manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand
Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich
Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,
Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt
oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.
Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die
Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird
geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier
in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-
stiche! Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,
schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,
denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug
stets durch Artilleriefeuer decken; Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar
als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife
doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald
wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.
Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen
ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand
der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern
Verhältnisse wieder herzustellen.
. . . , den 8. Oktober 1914.
Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,
haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe
vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein
Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Teile,
zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben
und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,
wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu
schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen
Baudenkmälern den Krieg aufgeben.
. . . , den 12. Oktober 1914.
Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten
Tage waren für uns nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch
gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-
drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da
ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir
lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,
lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann
stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee vermutlich nach
Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns
abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,
dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder
St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende
Nachricht, daß wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in
Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend
rechte Spalte
kamen wir halbwegs nach Antwerpen, todmüde, keine Quartiere, man lag, so
gut es ging, beim Vieh, auf den Heuböden, aber die Begeisterung für den
Einzug in Antwerpen wog alles auf. Morgens früh um 5 Uhr wieder los
und dann bis Antwerpen durch. Gottlob habe ich ja immer mein schönes
treues Pferd, die "Seekuh" mit Namen; das lange Reiten strengt aber auch
höllisch an. 12 Uhr nachts zogen wir in Antwerpen ein, lagen an der Schelde
bis gegen Mittag, dann gings durch die Stadt hindurch, an der Seite wieder
heraus, und nach M., wo wir jetzt liegen, ein großes Dorf neben dem gleich-
namigen Fort.
Gestern erhielt ich das Eiserne Kreuz, was wir im Kameradenkreise dann
noch gehörig feierten. Unsre Leute sind brav gewesen, willig, tüchtig, und
trotz aller Anstrengungen immer bei der Sache und nie mißmutig. Nun sind
sie aber recht erschöpft und Ruhe, Ruhe auf der ganzen Linie für einige
Tage doch mindestens ist das beseligende Gefühl für alle und jeden. Unsre
eigentliche Aufgabe war wohl von vornherein die Besatzung von
Antwerpen und den Scheldeforts. Unsre Armee war wundervoll in ihrem
Vorgehen, die Feldartillerie, die Pioniere, unsre Matrosendivision, alles
Prachtkerle und Prachttruppen, leider haben wir auch manchen schweren
Verlust, von meiner Kompanie hat einer Schuß ins Auge, einer beim
Anlegen Schuß durch Hand und Brust, er war einer der besten, er liegt schwer
verwundet in Brüssel. Ich habe für ihn das Eiserne Kreuz in der Tasche.
Von der 3. Kompanie hat eine Granate die Kompanieschreibstube in einem
Häuschen erledigt; alles tot, ich bin heil und gesund, das ist mir immer wie
ein Wunder, tagelang im dicksten Granatregen, neben mir, vor mir, hinter
mir die Einschläge, der Dreck ist mir über das Gesicht und alles gespritzt. Die
Gase der Sprenggranaten verhinderten zeitweise das Atmen in den Unterständen,
direkt neben einem meiner Maschinengewehre reißt eine Sprenggranate alles
auf, Gewehr und Mannschaft heil, Wunder, Wunder, und bei H.
trieben wir dann die letzten Belgier noch in die Ruhsel. Am andern Tage
war kein Feind mehr zu sehen. In Antwerpen liegen regimenterweise die
Uniformen, Gewehre, Tornister von den Schweinehunden, die alle Zivil an-
gezogen und nach Holland und England ausgerissen sind. Selbst die Offiziere
schämen sich nicht, Zivil anzuziehen, um unerkannt zu entkommen, voran die
Engländer selbst. Etwas von der großen Armee haben wir ja noch vor
Ostende gefaßt, aber die meisten sind die Schelde hinunter durch Holland
in Zivil. Antwerpen ist wie ausgestorben, alle Läden geschlossen, nur der Mob
ist noch da.
. . . , 17. Oktober 1914.
Ich schreibe natürlich nicht jeden Tag, und dann gebe ich auch gerne zu,
daß die Tage, in denen wir vorn lagen und dauernd marschierten oder auf
der Landstraße auf Befehle warteten, dann wieder Schützengräben bezogen,
dann wieder vorwärts gingen, kurzum die ganze letzte Zeit bis zum Einzug
in Antwerpen so schnell mir verging, daß ich wohl tatsächlich seltener ge-
schrieben habe, als ich selbst mir einbilden mag. Und dann, wie bekommt
man die Briefe oder Karten zur Post? Die gibt man so irgendeinem mit,
der angeblich bald an die Stelle kommt, wo Feldpost gesammelt wird. Wie lange
der Betreffende dann die Sachen mit sich herumträgt und ob er sie überhaupt
losgeworden ist, ist nicht zu kontrollieren. Jetzt soll ja in Antwerpen ein großes
Postbureau eingerichtet sein. Man kann also direkt nach Antwerpen adressieren,
es wird sogar behauptet, daß dies schneller ginge, als durch das
Marine-Postbureau in Berlin. Hier sieht es noch toll aus. Die belgischen
Landflüchtigen kehren zwar scharenweise zurück, aber die Mehrzahl sitzt fest in
Holland und hat Angst. Ich glaube nicht, daß in Belgien noch viel Kämpfe
sich abspielen werden. Ostende soll ja schon besetzt sein, wenn nicht, so ist
es mindestens eingeschlossen oder abgeschlossen. Ich begreife den Wahnsinn
der belgischen Regierung und des Königs nicht, immer noch mit den Engländern
zu halten und sich auf diese faulen Verbündeten zu stützen. Wahrscheinlich
hat England die Bedingung gestellt, daß keiner der Verbündeten ohne den
andern Frieden schließt. Nun ziehen sie alle allmählich nach Bordeaux oder
gar nach London und lassen ihr Land im Stich. Das ist jammervoll für das Land
und kann die Sache der Deiverbandsleute (sic) doch nur verschlimmern.
Antwerpen hat, im Gegensatz zu allen feindlichen Berichten, wenig gelitten.
Die paar kleinen Geschosse, die man auf die Stadt gefeuert hat, sind nichts
gegenüber unsern großen, mit denen die Forts umgelegt wurden. Bei Fort
Waelhem sah ich Löcher von 4 bis 6 m Tiefe und ebensoviel Durchmesser.
Eine Granate war von oben durch eine wenigstens 4 m starke Erd-
aufschüttung und durch die mehrere Meter starke Eisenbetonwölbung
hindurchgegangen und hatte die darunter befindliche Kasematte völlig
begraben. Die Mannschaften, die sich augenscheinlich dort ganz sicher gefühlt
hatten, sind auf ihren Betten liegend getötet und verschüttet. Überhaupt bot
Waelhem ein wüstes Bild der Zerstörung. Panzertürme einfach umgedreht,
Geschütze ausgehoben aus ihren festen Stellungen. Man kann es kaum
beschreiben. Blendonk hatte sich tapfer gehalten, wollte lange von Kapitulieren
nichts wissen. Nach Aussage des einzigen Arztes dort haben schließlich
die Nerven des Restes der Besatzung versagt. Der Kommandant tot, der
zweite schwer verwundet, ein Leutnant noch allein mit dem Rest der
Mannschaft. Kein Verbandszeug, nur ein Arzt. Die belgische Fortbesatzung
hat sich überhaupt glänzend verhalten, bis sie der Gewalt weichen mußte.
Die Redoute de chemin de fer flog in die Luft, wahrscheinlich absichtlich.
Auch alle andern Forts waren mit Einrichtungen versehen, sie im letzten
Augenblick zu sprengen. Aber meist ist es wohl nicht mehr dazu gekommen.
Gefeuert haben die Kerl auf uns, daß man gar nicht wußte, wo all die
vielen Kanonen herkamen. Aber dann, nach drei Tagen, wurde es stiller
und stiller. Wir lagen fest, vor uns alles überschwemmt, erst nach und nach
konnten wir langsam mit Patrouillen vordringen, und es gelang uns dann
noch, eine stärkere feindliche Truppe aus dem Dorf Hehndonk zu vertreiben,
wobei wir leider auch Verluste hatten. Mit kleinen Booten, teilweise selbst
gezimmert, waren wir übers Wasser gekommen. Ein Deckoffizier schwamm
durch die Senne und holte vom andern Ufer dreist einen Nachen, den die
Belgier für ihren eigenen Bedarf dorthin gelegt hatten. Er hat auf meinen
Vorschlag auch das Eiserne Kreuz erhalten.
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182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-
gaben so viel für ihre Behaglichkeit zu tun, wie die Verhältnisses im Felde
zulassen.
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1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
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Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
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Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 183
linke Spalte
drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm
Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.
. . . , den 4. Oktober 1914.
Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen
zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch
vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,
auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert
uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen
herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben
seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer
auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.
Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben
die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin
ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,
man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,
gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und
mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem
Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für
uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die
wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-
getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder
darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-
geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten
keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter
einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform
anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder
Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder
Mann als Soldat.
Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die
Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht
erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.
Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen
in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.
. . . . . . . , 7. Oktober 1914.
Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen
feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den
letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich
nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.
Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein
will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen
als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.
Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel
Ordonnanz meldet: Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort
bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten
heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man
manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand
Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich
Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,
Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt
oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.
Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die
Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird
geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier
in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-
stiche! Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,
schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,
denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug
stets durch Artilleriefeuer decken; Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar
als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife
doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald
wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.
Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen
ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand
der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern
Verhältnisse wieder herzustellen.
. . . , den 8. Oktober 1914.
Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,
haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe
vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein
Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Teile,
zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben
und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,
wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu
schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen
Baudenkmälern den Krieg aufgeben.
. . . , den 12. Oktober 1914.
Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten
Tage waren für uns nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch
gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-
drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da
ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir
lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,
lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann
stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee vermutlich nach
Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns
abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,
dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder
St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende
Nachricht, daß wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in
Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend
rechte Spalte
kamen wir halbwegs nach Antwerpen, todmüde, keine Quartiere, man lag, so
gut es ging, beim Vieh, auf den Heuböden, aber die Begeisterung für den
Einzug in Antwerpen wog alles auf. Morgens früh um 5 Uhr wieder los
und dann bis Antwerpen durch. Gottlob habe ich ja immer mein schönes
treues Pferd, die "Seekuh" mit Namen; das lange Reiten strengt aber auch
höllisch an. 12 Uhr nachts zogen wir in Antwerpen ein, lagen an der Schelde
bis gegen Mittag, dann gings durch die Stadt hindurch, an der Seite wieder
heraus, und nach M., wo wir jetzt liegen, ein großes Dorf neben dem gleich-
namigen Fort.
Gestern erhielt ich das Eiserne Kreuz, was wir im Kameradenkreise dann
noch gehörig feierten. Unsre Leute sind brav gewesen, willig, tüchtig, und
trotz aller Anstrengungen immer bei der Sache und nie mißmutig. Nun sind
sie aber recht erschöpft und Ruhe, Ruhe auf der ganzen Linie für einige
Tage doch mindestens ist das beseligende Gefühl für alle und jeden. Unsre
eigentliche Aufgabe war wohl von vornherein die Besatzung von
Antwerpen und den Scheldeforts. Unsre Armee war wundervoll in ihrem
Vorgehen, die Feldartillerie, die Pioniere, unsre Matrosendivision, alles
Prachtkerle und Prachttruppen, leider haben wir auch manchen schweren
Verlust, von meiner Kompanie hat einer Schuß ins Auge, einer beim
Anlegen Schuß durch Hand und Brust, er war einer der besten, er liegt schwer
verwundet in Brüssel. Ich habe für ihn das Eiserne Kreuz in der Tasche.
Von der 3. Kompanie hat eine Granate die Kompanieschreibstube in einem
Häuschen erledigt; alles tot, ich bin heil und gesund, das ist mir immer wie
ein Wunder, tagelang im dicksten Granatregen, neben mir, vor mir, hinter
mir die Einschläge, der Dreck ist mir über das Gesicht und alles gespritzt. Die
Gase der Sprenggranaten verhinderten zeitweise das Atmen in den Unterständen,
direkt neben einem meiner Maschinengewehre reißt eine Sprenggranate alles
auf, Gewehr und Mannschaft heil, Wunder, Wunder, und bei H.
trieben wir dann die letzten Belgier noch in die Ruhsel. Am andern Tage
war kein Feind mehr zu sehen. In Antwerpen liegen regimenterweise die
Uniformen, Gewehre, Tornister von den Schweinehunden, die alle Zivil an-
gezogen und nach Holland und England ausgerissen sind. Selbst die Offiziere
schämen sich nicht, Zivil anzuziehen, um unerkannt zu entkommen, voran die
Engländer selbst. Etwas von der großen Armee haben wir ja noch vor
Ostende gefaßt, aber die meisten sind die Schelde hinunter durch Holland
in Zivil. Antwerpen ist wie ausgestorben, alle Läden geschlossen, nur der Mob
ist noch da.
. . . , 17. Oktober 1914.
Ich schreibe natürlich nicht jeden Tag, und dann gebe ich auch gerne zu,
daß die Tage, in denen wir vorn lagen und dauernd marschierten oder auf
der Landstraße auf Befehle warteten, dann wieder Schützengräben bezogen,
dann wieder vorwärts gingen, kurzum die ganze letzte Zeit bis zum Einzug
in Antwerpen so schnell mir verging, daß ich wohl tatsächlich seltene ge-
schrieben habe, als ich selbst mir einbilden mag. Und dann, wie bekommt
man die Briefe oder Karten zur Post? Die gibt man so irgendeinem mit,
der angeblich bald an die Stelle kommt, wo Feldpost gesammelt wird. Wie lange
der Betreffende dann die Sachen mit sich herumträgt und ob er sie überhaupt
losgeworden ist, ist nicht zu kontrollieren. Jetzt soll ja in Antwerpen ein großes
Postbureau eingerichtet sein. Man kann also direkt nach antwerpen adressieren,
es wird sogar behauptet, daß dies schneller ginge, als durch das
Marine-Postbureau in Berlin. Hier sieht es noch toll aus. Die belgischen
Landflüchtigen kehren zwar scharenweise zurück, aber die Mehrzahl sitzt fest in
Holland und hat Angst. Ich glaube nicht, daß in Belgien noch viel Kämpfe
sich abspielen werden. Ostende soll ja schon besetzt sein, wenn nicht, so ist
es mindestens eingeschlossen oder abgeschlossen. Ich begreife den Wahnsinn
der belgischen Regierung und des Königs nicht, immer noch mit den Engländern
zu halten und sich auf diese faulen Verbündeten zu stützen. Wahrscheinlich
hat England die Bedingung gestellt, daß keiner der Verbündeten ohne den
andern Frieden schließt. Nun ziehen sie alle allmählich nach Bordeaux oder
gar nach London und lassen ihr Land in Stich. Das ist jammervoll für das Land
und kann die Sache der Deiverbandsleute (sic) doch nur verschlimmern.
Antwerpen hat, im Gegensatz zu allen feindlichen Berichten, wenig gelitten.
Die paar kleinen Geschosse, die man auf die Stadt gefeuert hat, sind nichts
gegenüber unsern großen, mit denen die Forts umgelegt wurden. Bei Fort
Waelhem sah ich Löcher von 4 bis 6 m Tiefe und ebensoviel Durchmesser.
Eine Granate war von oben durch eine wenigstens 4 m starke Erd-
aufschüttung und durch die mehrere Meter starke Eisenbetonwölbung
hindurchgegangen und hatte die darunter befindliche Kasematte völlig
begraben. die Mannschaften, die sich augenscheinlich dort ganz sicher gefühlt
hatten, sind auf ihren Betten liegend getötet und verschüttet. Überhaupt bot
Waelhem ein wüstes Bild der Zerstörung. Panzertürme einfach umgedreht,
Geschütze ausgehoben aus ihren festen Stellungen. Man kann es kaum
beschreiben. Blendonk hatte sich tapfer gehalten, wollte lange von Kapitulieren
nichts wissen. Nach Aussage des einzigen Arztes dort haben schließlich
die Nerven des Restes der Besatzung versagt. Der Kommandant tot, der
zweite schwer verwundet, ein Leutnant noch allein mit dem Rest der
Mannschaft. Kein Verbandszeug, nur ein Arzt. Die belgische Fortbesatzung
hat sich überhaupt glänzend verhalten, bis sie der Gewalt weichen mußte.
Die Redoute de chemin de fer flog in die Luft, wahrscheinlich absichtlich.
Auch alle andern Forts waren mit Einrichtungen versehen, sie im letzten
Augenblick zu sprengen. Aber meist ist es wohl nicht mehr dazu gekommen.
Gefeuert haben die Kerl auf uns, daß man gar nicht wußte, wo all die
vielen Kanonen herkamen. Aber dann, nach drei Tagen, wurde es stiller
und stiller. Wir lagen fest, vor uns alles überschwemmt, erst nach und nach
konnten wir langsam mit Patrouillen vordringen, und es gelang uns dann
noch, eine stärkere feindliche Truppe aus dem Dorf Hehndonk zu vertreiben,
wobei wir leider auch Verluste hatten. Mit kleinen Booten, teilweise selbst
gezimmert, waren wir übers Wasser gekommen. Ein Deckoffizier schwamm
durch die Senne und holte vom andern Ufer dreist einen Nachen, den die
Belgier für ihren eigenen Bedarf dorthin gelegt hatten. Er hat auf meinen
Vorschlag auch das Eiserne Kreuz erhalten.
-
182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-
gaben so viel für ihre Behaglichkeit zu tun, wie die Verhältnisses im Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 183
linke Spalte
drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm
Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.
. . . , den 4. Oktober 1914.
Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen
zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch
vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,
auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert
uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen
herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben
seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer
auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.
Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben
die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin
ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,
man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,
gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und
mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem
Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für
uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die
wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-
getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder
darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-
geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten
keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter
einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform
anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder
Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder
Mann als Soldat.
Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die
Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht
erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.
Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen
in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.
. . . . . . . , 7. Oktober 1914.
Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen
feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den
letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich
nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.
Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein
will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen
als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.
Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel
Ordonnanz meldet: Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort
bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten
heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man
manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand
Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich
Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,
Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt
oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.
Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die
Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird
geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier
in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-
stiche! Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,
schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,
denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug
stets durch Artilleriefeuer decken; Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar
als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife
doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald
wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.
Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen
ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand
der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern
Verhältnisse wieder herzustellen.
. . . , den 8. Oktober 1914.
Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,
haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe
vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein
Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Teile,
zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben
und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,
wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu
schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen
Baudenkmälern den Krieg aufgeben.
. . . , den 12. Oktober 1914.
Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten
Tage waren für uns nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch
gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-
drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da
ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir
lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,
lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann
stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee vermutlich nach
Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns
abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,
dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder
St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende
Nachricht, daß wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in
Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend
rechte Spalte
kamen wir halbwegs nach Antwerpen, todmüde, keine Quartiere, man lag, so
gut es ging, beim Vieh, auf den Heuböden, aber die Begeisterung für den
Einzug in Antwerpen wog alles auf. Morgens früh um 5 Uhr wieder los
und dann bis Antwerpen durch. Gottlob habe ich ja immer mein schönes
treues Pferd, die "Seekuh" mit Namen; das lange Reiten strengt aber auch
höllisch an. 12 Uhr nachts zogen wir in Antwerpen ein, lagen an der Schelde
bis gegen Mittag, dann gings durch die Stadt hindurch, an der Seite wieder
heraus, und nach M., wo wir jetzt liegen, ein großes Dorf neben dem gleich-
namigen Fort.
Gestern erhielt ich das Eiserne Kreuz, was wir im Kameradenkreise dann
noch gehörig feierten. Unsre Leute sind brav gewesen, willig, tüchtig, und
trotz aller Anstrengungen immer bei der Sache und nie mißmutig. Nun sind
sie aber recht erschöpft und Ruhe, Ruhe auf der ganzen Linie für einige
Tage doch mindestens ist das beseligende Gefühl für alle und jeden. Unsre
eigentliche Aufgabe war wohl von vornherein die Besatzung von
Antwerpen und den Scheldeforts. Unsre Armee war wundervoll in ihrem
Vorgehen, die Feldartillerie, die Pioniere, unsre Matrosendivision, alles
Prachtkerle und Prachttruppen, leider haben wir auch manchen schweren
Verlust, von meiner Kompanie hat einer Schuß ins Auge, einer beim
Anlegen Schuß durch Hand und Brust, er war einer der besten, er liegt schwer
verwundet in Brüssel. Ich habe für ihn das Eiserne Kreuz in der Tasche.
Von der 3. Kompanie hat eine Granate die Kompanieschreibstube in einem
Häuschen erledigt; alles tot, ich bin heil und gesund, das ist mir immer wie
ein Wunder, tagelang im dicksten Granatregen, neben mir, vor mir, hinter
mir die Einschläge, der Dreck ist mir über das Gesicht und alles gespritzt. Die
Gase der Sprenggranaten verhinderten zeitweise das Atmen in den Unterständen,
direkt neben einem meiner Maschinengewehre reißt eine Sprenggranate alles
auf, Gewehr und Mannschaft heil, Wunder, Wunder, und bei H.
trieben wir dann die letzten Belgier noch in die Ruhsel. Am andern Tage
war kein Feind mehr zu sehen. In Antwerpen liegen regimenterweise die
Uniformen, Gewehre, Tornister von den Schweinehunden, die alle Zivil an-
gezogen und nach Holland und England ausgerissen sind. Selbst die Offiziere
schämen sich nicht, Zivil anzuziehen, um unerkannt zu entkommen, voran die
Engländer selbst. etwas von der großen Armee haben wir ja noch vor
Ostende gefaßt, aber die meisten sind die Schelde hinunter durch Holland
in Zivil.Antwerpen ist wie ausgestorben, alleLäden geschlossen, nur der Mob
ist noch da.
. . . , 17. Oktober 1914.
Ich schreibe natürlich nicht jeden Tag, und dann gebe ich auch gerne zu,
daß die Tage, in denen wir vorn lagen und dauernd marschierten oder auf
der Landstraße auf Befehle warteten, dann wieder Schützengräben bezogen,
dann wieder vorwärts gingen, kurzum die ganze letzte Zeit bis zum Einzug
in Antwerpen so schnell mir verging, daß ich wohl tatsächlich seltene ge-
schrieben habe, als ich selbst mir einbilden mag. Und dann, wie bekommt
man die Briefe oder Karten zur Post? Die gibt man so irgendeinem mit,
der angeblich bald an die Stelle kommt, wo Feldpost gesammelt wird. Wie lange
der Betreffende dann die Sachen mit sich herumträgt und ob er sie überhaupt
losgeworden ist, ist nicht zu kontrollieren. Jetzt soll ja in Antwerpen ein großes
Postbureau eingerichtet sein. Man kann also direkt nach antwerpen adressieren,
es wird sogar behauptet, daß dies schneller ginge, als durch das
Marine-Postbureau in Berlin. Hier sieht es noch toll aus. Die belgischen
Landflüchtigen kehren zwar scharenweise zurück, aber die Mehrzahl sitzt fest in
Holland und hat Angst. Ich glaube nicht, daß in Belgien noch viel Kämpfe
sich abspielen werden. Ostende soll ja schon besetzt sein, wenn nicht, so ist
es mindestens eingeschlossen oder abgeschlossen. Ich begreife den Wahnsinn
der belgischen Regierung und des Königs nicht, immer noch mit den Engländern
zu halten und sich auf diese faulen Verbündeten zu stützen. Wahrscheinlich
hat England die Bedingung gestellt, daß keiner der Verbündeten ohne den
andern Frieden schließt. Nun ziehen sie alle allmählich nach Bordeaux oder
gar nach London und lassen ihr Land in Stich. Das ist jammervoll für das Land
und kann die Sache der Deiverbandsleute (sic) doch nur verschlimmern.
Antwerpen hat, im Gegensatz zu allen feindlichen Berichten, wenig gelitten.
Die paar kleinen Geschosse, die man auf die Stadt gefeuert hat, sind nichts
gegenüber unsern großen, mit denen die Forts umgelegt wurden. Bei Fort
Waelhem sah ich Löcher von 4 bis 6 m Tiefe und ebensoviel Durchmesser.
Eine Granate war von oben durch eine wenigstens 4 m starke Erd-
aufschüttung und durch die mehrere Meter starke Eisenbetonwölbung
hindurchgegangen und hatte die darunter befindliche Kasematte völlig
begraben. die Mannschaften, die sich augenscheinlich dort ganz sicher gefühlt
hatten, sind auf ihren Betten liegend getötet und verschüttet. Überhaupt bot
Waelhem ein wüstes Bild der Zerstörung. Panzertürme einfach umgedreht,
Geschütze ausgehoben aus ihren festen Stellungen. Man kann es kaum
beschreiben. Blendonk hatte sich tapfer gehalten, wollte lange von Kapitulieren
nichts wissen. Nach Aussage des einzigen Arztes dort haben schließlich
die Nerven des Restes der Besatzung versagt. Der Kommandant tot, der
zweite schwer verwundet, ein Leutnant noch allein mit dem Rest der
Mannschaft. Kein Verbandszeug, nur ein Arzt. Die belgische Fortbesatzung
hat sich überhaupt glänzend verhalten, bis sie der Gewalt weichen mußte.
Die Redoute de chemin de fer flog in die Luft, wahrscheinlich absichtlich.
Auch alle andern Forts waren mit Einrichtungen versehen, sie im letzten
Augenblick zu sprengen. Aber meist ist es wohl nicht mehr dazu gekommen.
Gefeuert haben die Kerl auf uns, daß man gar nicht wußte, wo all die
vielen Kanonen herkamen. Aber dann, nach drei Tagen, wurde es stiller
und stiller. Wir lagen fest, vor uns alles überschwemmt, erst nach und nach
konnten wir langsam mit Patrouillen vordringen, und es gelang uns dann
noch, eine stärkere feindliche Truppe aus dem Dorf Hehndonk zu vertreiben,
wobei wir leider auch Verluste hatten. Mit kleinen Booten, teilweise selbst
gezimmert, waren wir übers Wasser gekommen. Ein Deckoffizier schwamm
durch die Senne und holte vom andern Ufer dreist einen Nachen, den die
Belgier für ihren eigenen Bedarf dorthin gelegt hatten. Er hat auf meinen
Vorschlag auch das Eiserne Kreuz erhalten.
-
182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-
gaben so viel für ihre Behaglichkeit zu tun, wie die Verhältnisses im Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 183
linke Spalte
drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm
Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.
. . . , den 4. Oktober 1914.
Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen
zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch
vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,
auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert
uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen
herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben
seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer
auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.
Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben
die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin
ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,
man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,
gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und
mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem
Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für
uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die
wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-
getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder
darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-
geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten
keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter
einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform
anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder
Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder
Mann als Soldat.
Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die
Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht
erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.
Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen
in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.
. . . . . . . , 7. Oktober 1914.
Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen
feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den
letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich
nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.
Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein
will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen
als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.
Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel
Ordonnanz meldet: Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort
bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten
heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man
manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand
Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich
Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,
Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt
oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.
Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die
Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird
geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier
in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-
stiche! Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,
schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,
denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug
stets durch Artilleriefeuer decken; Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar
als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife
doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald
wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.
Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen
ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand
der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern
Verhältnisse wieder herzustellen.
. . . , den 8. Oktober 1914.
Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,
haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe
vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein
Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Teile,
zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben
und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,
wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu
schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen
Baudenkmälern den Krieg aufgeben.
. . . , den 12. Oktober 1914.
Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten
Tage waren für uns nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch
gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-
drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da
ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir
lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,
lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann
stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee vermutlich nach
Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns
abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,
dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder
St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende
Nachricht, daß wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in
Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend
rechte Spalte
kamen wir halbwegs nach Antwerpen, todmüde, keine Quartiere, man lag, so
gut es ging, beim Vieh, auf den Heuböden, aber die Begeisterung für den
Einzug in Antwerpen wog alles auf. Morgens früh um 5 Uhr wieder los
und dann bis Antwerpen durch. Gottlob habe ich ja immer mein schönes
treues Pferd, die "Seekuh" mit Namen; das lange Reiten strengt aber auch
höllisch an. 12 Uhr nachts zogen wir in Antwerpen ein, lagen an der Schelde
bis gegen Mittag, dann gings durch die Stadt hindurch, an der Seite wieder
heraus, und nach M., wo wir jetzt liegen, ein großes Fort neben dem gleich-
namigen Fort.
Gestern erhielt ich das Eiserne Kreuz, was wir im Kameradenkreise dann
noch gehörig feierten. Unsre Leute sind brav gewesen, willig, tüchtig, und
trotz aller Anstrengungen immer bei der Sache und nie mißmutig. Nun sind
sie aber recht erschöpft und Ruhe, Ruhe auf der ganzen Linie für einige
Tage doch mindestens ist das beseligende Gefühl für alle und jeden. Unsre
eigentliche Aufgabe war wohl von vornherein die Besatzung von
Antwerpen und den Scheldeforts. Unsre Armee war wundervoll in ihrem
Vorgehen, die Feldartillerie, die Pioniere, unsre Matrosendivision, alles
Prachtkerle und Prachttruppen, leider haben wir auch manchen schweren
Verlust, von meiner Kompanie hat einer Schuß ins Auge, einer beim
Anlegen Schuß durch Hand und Brust, er war einer der besten, er liegt schwer
verwundet in Brüssel. Ich habe für ihn das Eiserne Kreuz in der Tasche.
Von der 3. Kompanie hat eine Granate die Kompanieschreibstube in einem
Häuschen erledigt; alles tot, ich bin heil und gesund, das ist mir immer wie
ein Wunder, tagelang im dicksten Granatregen, neben mir, vor mir, hinter
mir die Einschläge, der Dreck ist mir über das Gesicht und alles gespritzt. Die
Gase der Sprenggranaten verhinderten zeitweise das Atmen in den Unterständen,
direkt neben einem meiner Maschinengewehre reißt eine Sprenggranate alles
auf, Gewehr und Mannschaft heil, Wunder, Wunder, und bei H.
trieben wir dann die letzten Belgier noch in die Ruhsel. Am andern Tage
war kein Feind mehr zu sehen. In Antwerpen liegen regimenterweise die
Uniformen, Gewehre, Tornister von den Schweinehunden, die alle Zivil an-
gezogen und nach Holland und England ausgerissen sind. Selbst die Offiziere
schämen sich nicht, Zivil anzuziehen, um unerkannt zu entkommen, voran die
Engländer selbst. etwas von der großen Armee haben wir ja noch vor
Ostende gefaßt, aber die meisten sind die Schelde hinunter durch Holland
in Zivil.Antwerpen ist wie ausgestorben, alleLäden geschlossen, nur der Mob
ist noch da.
. . . , 17. Oktober 1914.
Ich schreibe natürlich nicht jeden Tag, und dann gebe ich auch gerne zu,
daß die Tage, in denen wir vorn lagen und dauernd marschierten oder auf
der Landstraße auf Befehle warteten, dann wieder Schützengräben bezogen,
dann wieder vorwärts gingen, kurzum die ganze letzte Zeit bis zum Einzug
in Antwerpen so schnell mir verging, daß ich wohl tatsächlich seltene ge-
schrieben habe, als ich selbst mir einbilden mag. Und dann, wie bekommt
man die Briefe oder Karten zur Post? Die gibt man so irgendeinem mit,
der angeblich bald an die Stelle kommt, wo Feldpost gesammelt wird. Wie lange
der Betreffende dann die Sachen mit sich herumträgt und ob er sie überhaupt
losgeworden ist, ist nicht zu kontrollieren. Jetzt soll ja in Antwerpen ein großes
Postbureau eingerichtet sein. Man kann also direkt nach antwerpen adressieren,
es wird sogar behauptet, daß dies schneller ginge, als durch das
Marine-Postbureau in Berlin. Hier sieht es noch toll aus. Die belgischen
Landflüchtigen kehren zwar scharenweise zurück, aber die Mehrzahl sitzt fest in
Holland und hat Angst. Ich glaube nicht, daß in Belgien noch viel Kämpfe
sich abspielen werden. Ostende soll ja schon besetzt sein, wenn nicht, so ist
es mindestens eingeschlossen oder abgeschlossen. Ich begreife den Wahnsinn
der belgischen Regierung und des Königs nicht, immer noch mit den Engländern
zu halten und sich auf diese faulen Verbündeten zu stützen. Wahrscheinlich
hat England die Bedingung gestellt, daß keiner der Verbündeten ohne den
andern Frieden schließt. Nun ziehen sie alle allmählich nach Bordeaux oder
gar nach London und lassen ihr Land in Stich. Das ist jammervoll für das Land
und kann die Sache der Deiverbandsleute (sic) doch nur verschlimmern.
Antwerpen hat, im Gegensatz zu allen feindlichen Berichten, wenig gelitten.
Die paar kleinen Geschosse, die man auf die Stadt gefeuert hat, sind nichts
gegenüber unsern großen, mit denen die Forts umgelegt wurden. Bei Fort
Waelhem sah ich Löcher von 4 bis 6 m Tiefe und ebensoviel Durchmesser.
Eine Granate war von oben durch eine wenigstens 4 m starke Erd-
aufschüttung und durch die mehrere Meter starke Eisenbetonwölbung
hindurchgegangen und hatte die darunter befindliche Kasematte völlig
begraben. die Mannschaften, die sich augenscheinlich dort ganz sicher gefühlt
hatten, sind auf ihren Betten liegend getötet und verschüttet. Überhaupt bot
Waelhem ein wüstes Bild der Zerstörung. Panzertürme einfach umgedreht,
Geschütze ausgehoben aus ihren festen Stellungen. Man kann es kaum
beschreiben. Blendonk hatte sich tapfer gehalten, wollte lange von Kapitulieren
nichts wissen. Nach Aussage des einzigen Arztes dort haben schließlich
die Nerven des Restes der Besatzung versagt. Der Kommandant tot, der
zweite schwer verwundet, ein Leutnant noch allein mit dem Rest der
Mannschaft. Kein Verbandszeug, nur ein Arzt. Die belgische Fortbesatzung
hat sich überhaupt glänzend verhalten, bis sie der Gewalt weichen mußte.
Die Redoute de chemin de fer flog in die Luft, wahrscheinlich absichtlich.
Auch alle andern Forts waren mit Einrichtungen versehen, sie im letzten
Augenblick zu sprengen. Aber meist ist es wohl nicht mehr dazu gekommen.
Gefeuert haben die Kerl auf uns, daß man gar nicht wußte, wo all die
vielen Kanonen herkamen. Aber dann, nach drei Tagen, wurde es stiller
und stiller. Wir lagen fest, vor uns alles überschwemmt, erst nach und nach
konnten wir langsam mit Patrouillen vordringen, und es gelang uns dann
noch, eine stärkere feindliche Truppe aus dem Dorf Hehndonk zu vertreiben,
wobei wir leider auch Verluste hatten. Mit kleinen Booten, teilweise selbst
gezimmert, waren wir übers Wasser gekommen. Ein Deckoffizier schwamm
durch die Senne und holte vom andern Ufer dreist einen Nachen, den die
Belgier für ihren eigenen Bedarf dorthin gelegt hatten. Er hat auf meinen
Vorschlag auch das Eiserne Kreuz erhalten.
-
182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-
gaben so viel für ihre Behaglichkeit zu tun, wie die Verhältnisses im Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 183
linke Spalte
drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm
Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.
. . . , den 4. Oktober 1914.
Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen
zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch
vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,
auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert
uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen
herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben
seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer
auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.
Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben
die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin
ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,
man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,
gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und
mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem
Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für
uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die
wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-
getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder
darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-
geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten
keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter
einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform
anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder
Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder
Mann als Soldat.
Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die
Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht
erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.
Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen
in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.
. . . . . . . , 7. Oktober 1914.
Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen
feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den
letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich
nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.
Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein
will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen
als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.
Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel
Ordonnanz meldet: Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort
bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten
heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man
manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand
Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich
Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,
Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt
oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.
Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die
Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird
geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier
in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-
stiche! Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,
schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,
denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug
stets durch Artilleriefeuer decken; Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar
als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife
doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald
wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.
Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen
ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand
der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern
Verhältnisse wieder herzustellen.
. . . , den 8. Oktober 1914.
Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,
haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe
vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein
Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Teile,
zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben
und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,
wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu
schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen
Baudenkmälern den Krieg aufgeben.
. . . , den 12. Oktober 1914.
Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten
Tage waren für uns nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch
gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-
drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da
ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir
lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,
lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann
stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee vermutlich nach
Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns
abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,
dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder
St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende
Nachricht, daß wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in
Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend
rechte Spalte
kamen wir halbwegs nach Anwerpen, todmüde, keine Quartiere, man lag, so
gut es ging, beim Vieh, auf den Heuböden, aber die Begeisterung für den
Einzug in Antwerpen wog alles auf. Morgens früh um 5 Uhr wieder los
und dann bis Antwerpen durch. Gottlob habe ich ja immer mein schönes
treues Pferd, die "Seekuh" mit Namen; das lange Reiten strengt aber auch
höllisch an. 12 Uhr nachts zogen wir in Antwerpen ein, lagen an der Schelde
bis gegen Mittag, dann gings durch die Stadt hindurch, an der Seite wieder
heraus, und nach M., wo wir jetzt liegen, ein großes Fort neben dem gleich-
namigen Fort.
Gestern erhielt ich das Eiserne Kreuz, was wir im Kameradenkreise dann
noch gehörig feierten. Unsre Leute sind brav gewesen, willig, tüchtig, und
trotz aller Anstrengungen immer bei der Sache und nie mißmutig. Nun sind
sie aber recht erschöpft und Ruhe, Ruhe auf der ganzen Linie für einige
Tage doch mindestens ist das beseligende Gefühl für alle und jeden. Unsre
eigentliche Aufgabe war wohl von vornherein die Besatzung von
Antwerpen und den Scheldeforts. Unsre Armee war wundervoll in ihrem
Vorgehen, die Feldartillerie, die Pioniere, unsre Matrosendivision, alles
Prachtkerle und Prachttruppen, leider haben wir auch manchen schweren
Verlust, von meiner Kompanie hat einer Schuß ins Auge, einer beim
Anlegen Schuß durch Hand und Brust, er war einer der besten, er liegt schwer
verwundet in Brüssel. Ich habe für ihn das Eiserne Kreuz in der Tasche.
Von der 3. Kompanie hat eine Granate die Kompanieschreibstube in einem
Häuschen erledigt; alles tot, ich bin heil und gesund, das ist mir immer wie
ein Wunder, tagelang im dicksten Granatregen, neben mir, vor mir, hinter
mir die Einschläge, der Dreck ist mir über das Gesicht und alles gespritzt. Die
Gase der Sprenggranaten verhinderten zeitweise das Atmen in den Unterständen,
direkt neben einem meiner Maschinengewehre reißt eine Sprenggranate alles
auf, Gewehr und Mannschaft heil, Wunder, Wunder, und bei H.
trieben wir dann die letzten Belgier noch in die Ruhsel. Am andern Tage
war kein Feind mehr zu sehen. In Antwerpen liegen regimenterweise die
Uniformen, Gewehre, Tornister von den Schweinehunden, die alle Zivil an-
gezogen und nach Holland und England ausgerissen sind. Selbst die Offiziere
schämen sich nicht, Zivil anzuziehen, um unerkannt zu entkommen, voran die
Engländer selbst. etwas von der großen Armee haben wir ja noch vor
Ostende gefaßt, aber die meisten sind die Schelde hinunter durch Holland
in Zivil.Antwerpen ist wie ausgestorben, alleLäden geschlossen, nur der Mob
ist noch da.
. . . , 17. Oktober 1914.
Ich schreibe natürlich nicht jeden Tag, und dann gebe ich auch gerne zu,
daß die Tage, in denen wir vorn lagen und dauernd marschierten oder auf
der Landstraße auf Befehle warteten, dann wieder Schützengräben bezogen,
dann wieder vorwärts gingen, kurzum die ganze letzte Zeit bis zum Einzug
in Antwerpen so schnell mir verging, daß ich wohl tatsächlich seltene ge-
schrieben habe, als ich selbst mir einbilden mag. Und dann, wie bekommt
man die Briefe oder Karten zur Post? Die gibt man so irgendeinem mit,
der angeblich bald an die Stelle kommt, wo Feldpost gesammelt wird. Wie lange
der Betreffende dann die Sachen mit sich herumträgt und ob er sie überhaupt
losgeworden ist, ist nicht zu kontrollieren. Jetzt soll ja in Antwerpen ein großes
Postbureau eingerichtet sein. Man kann also direkt nach antwerpen adressieren,
es wird sogar behauptet, daß dies schneller ginge, als durch das
Marine-Postbureau in Berlin. Hier sieht es noch toll aus. Die belgischen
Landflüchtigen kehren zwar scharenweise zurück, aber die Mehrzahl sitzt fest in
Holland und hat Angst. Ich glaube nicht, daß in Belgien noch viel Kämpfe
sich abspielen werden. Ostende soll ja schon besetzt sein, wenn nicht, so ist
es mindestens eingeschlossen oder abgeschlossen. Ich begreife den Wahnsinn
der belgischen Regierung und des Königs nicht, immer noch mit den Engländern
zu halten und sich auf diese faulen Verbündeten zu stützen. Wahrscheinlich
hat England die Bedingung gestellt, daß keiner der Verbündeten ohne den
andern Frieden schließt. Nun ziehen sie alle allmählich nach Bordeaux oder
gar nach London und lassen ihr Land in Stich. Das ist jammervoll für das Land
und kann die Sache der Deiverbandsleute (sic) doch nur verschlimmern.
Antwerpen hat, im Gegensatz zu allen feindlichen Berichten, wenig gelitten.
Die paar kleinen Geschosse, die man auf die Stadt gefeuert hat, sind nichts
gegenüber unsern großen, mit denen die Forts umgelegt wurden. Bei Fort
Waelhem sah ich Löcher von 4 bis 6 m Tiefe und ebensoviel Durchmesser.
Eine Granate war von oben durch eine wenigstens 4 m starke Erd-
aufschüttung und durch die mehrere Meter starke Eisenbetonwölbung
hindurchgegangen und hatte die darunter befindliche Kasematte völlig
begraben. die Mannschaften, die sich augenscheinlich dort ganz sicher gefühlt
hatten, sind auf ihren Betten liegend getötet und verschüttet. Überhaupt bot
Waelhem ein wüstes Bild der Zerstörung. Panzertürme einfach umgedreht,
Geschütze ausgehoben aus ihren festen Stellungen. Man kann es kaum
beschreiben. Blendonk hatte sich tapfer gehalten, wollte lange von Kapitulieren
nichts wissen. Nach Aussage des einzigen Arztes dort haben schließlich
die Nerven des Restes der Besatzung versagt. Der Kommandant tot, der
zweite schwer verwundet, ein Leutnant noch allein mit dem Rest der
Mannschaft. Kein Verbandszeug, nur ein Arzt. Die belgische Fortbesatzung
hat sich überhaupt glänzend verhalten, bis sie der Gewalt weichen mußte.
Die Redoute de chemin de fer flog in die Luft, wahrscheinlich absichtlich.
Auch alle andern Forts waren mit Einrichtungen versehen, sie im letzten
Augenblick zu sprengen. Aber meist ist es wohl nicht mehr dazu gekommen.
Gefeuert haben die Kerl auf uns, daß man gar nicht wußte, wo all die
vielen Kanonen herkamen. Aber dann, nach drei Tagen, wurde es stiller
und stiller. Wir lagen fest, vor uns alles überschwemmt, erst nach und nach
konnten wir langsam mit Patrouillen vordringen, und es gelang uns dann
noch, eine stärkere feindliche Truppe aus dem Dorf Hehndonk zu vertreiben,
wobei wir leider auch Verluste hatten. Mit kleinen Booten, teilweise selbst
gezimmert, waren wir übers Wasser gekommen. Ein Deckoffizier schwamm
durch die Senne und holte vom andern Ufer dreist einen Nachen, den die
Belgier für ihren eigenen Bedarf dorthin gelegt hatten. Er hat auf meinen
Vorschlag auch das Eiserne Kreuz erhalten.
-
182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-
gaben so viel für ihre Behaglichkeit zu tun, wie die Verhältnisses im Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
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Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 183
linke Spalte
drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm
Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.
. . . , den 4. Oktober 1914.
Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen
zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch
vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,
auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert
uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen
herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben
seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer
auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.
Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben
die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin
ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,
man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,
gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und
mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem
Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für
uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die
wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-
getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder
darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-
geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten
keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter
einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform
anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder
Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder
Mann als Soldat.
Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die
Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht
erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.
Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen
in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.
. . . . . . . , 7. Oktober 1914.
Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen
feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den
letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich
nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.
Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein
will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen
als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.
Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel
Ordonnanz meldet: Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort
bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten
heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man
manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand
Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich
Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,
Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt
oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.
Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die
Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird
geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier
in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-
stiche! Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,
schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,
denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug
stets durch Artilleriefeuer decken; Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar
als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife
doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald
wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.
Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen
ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand
der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern
Verhältnisse wieder herzustellen.
. . . , den 8. Oktober 1914.
Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,
haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe
vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein
Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Teile,
zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben
und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,
wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu
schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen
Baudenkmälern den Krieg aufgeben.
. . . , den 12. Oktober 1914.
Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten
Tage waren für uns nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch
gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-
drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da
ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir
lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,
lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann
stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee vermutlich nach
Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns
abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,
dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder
St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende
Nachricht, daß wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in
Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend
rechte Spalte
kamen wir halbwegs nach Anwerpen, todmüde, keine Quartiere, man lag, so
gut es ging, beim Vieh, auf den Heuböden, aber die Begeisterung für den
Einzug in Antwerpen wog alles auf. Morgens früh um 5 Uhr wieder los
und dann bis Antwerpen durch. Gottlob habe ich ja immer mein schönes
treues Pferd, die "Seekuh" mit Namen; das lange Reiten strengt aber auch
höllisch an. 12 Uhr nachts zogen wir in Antwerpen ein, lagen an der Schelde
bis gegen Mittag, dann gings durch die Stadt hindurch, an der Seite wieder
heraus, und nach M., wo wir jetzt liegen, ein großes Fort neben dem gleich-
namigen Fort.
Gestern erhielt ich das Eiserne Kreuz, was wir im Kameradenkreise dann
noch gehörig feierten. Unsre Leute sind brav gewesen, willig, tüchtig, und
trotz aller Anstrengungen immer bei der Sache und nie mißmutig. Nun sind
sie aber recht erschöpft und Ruhe, Ruhe auf der ganzen Linie für einige
Tage doch mindestens ist das beseligende Gefühl für alle und jeden. Unsre
eigentliche Aufgabe war wohl von vornherein die Besatzung von
Antwerpen und den Scheldeforts. Unsre Armee war wundervoll in ihrem
Vorgehen, die Feldartillerie, die Pioniere, unsre Matrosendivision, alles
Prachtkerle und Prachttruppen, leider haben wir auch manchen schweren
Verlust, von meiner Kompanie hat einer Schuß ins Auge, einer beim
Anlegen Schuß durch Hand und Brust, er war einer der besten, er liegt schwer
verwundet in Brüssel. Ich habe für ihn das Eiserne Kreuz in der Tasche.
Von der 3. Kompanie hat eine Granate die Kompanieschreibstube in einem
Häuschen erledigt; alles tot, ich bin heil und gesund, das ist mir immer wie
ein Wunder, tagelang im dicksten Granatregen, neben mir, vor mir, hinter
mir die Einschläge, der Dreck ist mir über das Gesicht und alles gespritzt. Die
Gase der Sprenggranaten verhinderten zeitweise das Atmen in den Unterständen,
direkt neben einem meiner Maschinengewehre reißt eine Sprenggranate alles
auf, Gewehr und Mannschaft heil, Wunder, Wunder, und bei H.
trieben wir dann die letzten Belgier noch in die Ruhsel. Am andern Tage
war kein Feind mehr zu sehen. In Antwerpen liegen regimenterweise die
Uniformen, Gewehre, Tornister von den Schweinehunden, die alle Zivil an-
gezogen und nach Holland und England ausgerissen sind.
-
182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-
gaben so viel für ihre Behaglichkeit zu tun, wie die Verhältnisses im Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 183
linke Spalte
drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm
Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.
. . . , den 4. Oktober 1914.
Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen
zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch
vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,
auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert
uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen
herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben
seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer
auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.
Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben
die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin
ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,
man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,
gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und
mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem
Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für
uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die
wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-
getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder
darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-
geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten
keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter
einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform
anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder
Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder
Mann als Soldat.
Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die
Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht
erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.
Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen
in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.
. . . . . . . , 7. Oktober 1914.
Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen
feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den
letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich
nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.
Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein
will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen
als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.
Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel
Ordonnanz meldet: Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort
bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten
heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man
manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand
Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich
Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,
Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt
oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.
Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die
Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird
geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier
in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-
stiche! Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,
schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,
denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug
stets durch Artilleriefeuer decken; Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar
als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife
doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald
wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.
Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen
ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand
der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern
Verhältnisse wieder herzustellen.
. . . , den 8. Oktober 1914.
Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,
haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe
vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein
Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Teile,
zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben
und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,
wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu
schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen
Baudenkmälern den Krieg aufgeben.
. . . , den 12. Oktober 1914.
Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten
Tage waren für uns nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch
gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-
drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da
ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir
lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,
lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann
stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee vermutlich nach
Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns
abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,
dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder
St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende
Nachricht, daß wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in
Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend
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182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
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das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
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Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
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Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-
gaben so viel für ihre Behaglichkeit zu tun, wie die Verhältnisses im Felde
zulassen.
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1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
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Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 183
linke Spalte
drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm
Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.
. . . , den 4. Oktober 1914.
Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen
zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch
vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,
auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert
uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen
herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben
seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer
auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.
Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben
die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin
ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,
man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,
gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und
mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem
Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für
uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die
wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-
getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder
darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-
geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten
keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter
einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform
anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder
Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder
Mann als Soldat.
Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die
Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht
erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.
Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen
in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.
. . . . . . . , 7. Oktober 1914.
Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen
feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den
letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich
nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.
Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein
will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen
als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.
Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel
Ordonnanz meldet: Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort
bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten
heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man
manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand
Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich
Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,
Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt
oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.
Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die
Schlösser leer, das Vieh treibt sich herrenlos herum, eins und das andre wird
geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier
in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-
stiche! Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,
schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,
denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug
stets durch Artilleriefeuer decken; Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar
als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife
doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald
wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.
Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen
ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand
der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern
Verhältnisse wieder herzustellen.
. . . , den 8. Oktober 1914.
Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,
haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe
vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein
Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Tele,
zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben
und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,
wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu
schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen
Baudenkmälern den Krieg aufgeben.
. . . , den 12. Oktober 1914.
Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten
Tage waren für uns nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch
gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-
drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da
ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir
lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,
lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann
stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee emutlich nach
Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns
abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,
dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder
St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende
Nachricht, da wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in
Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend
-
182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-
gaben so viel für ihre Behaglichkeit zu tun, wie die Verhältnisses im Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 183
linke Spalte
drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm
Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.
. . . , den 4. Oktober 1914.
Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen
zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch
vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,
auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert
uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen
herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben
seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer
auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.
Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben
die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin
ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,
man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,
gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und
mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem
Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für
uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die
wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-
getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder
darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-
geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten
keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter
einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform
anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder
Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder
Mann als Soldat.
Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die
Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht
erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.
Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen
in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.
. . . . . . . , 7. Oktober 1914.
Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen
feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den
letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich
nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.
Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein
will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen
als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.
Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel
Ordonnanz meldet: Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort
bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten
heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man
manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand
Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich
Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,
Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt
oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.
Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die
Schlösser leer, das Vieh treibt isch herrenlos herum, eins und das andre wird
geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier
in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-
stiche! Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,
schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,
denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug
stets durch Artilleriefeuer decken; Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar
als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife
doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald
wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.
Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen
ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand
der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern
Verhältnisse wieder herzustellen.
. . . , den 8. Oktober 1914.
Wir sind über Mecheln und Waelhem, das gefallene Fort, nach hier,
haben zurzeit Alarmquartier bezogen. Unsre Truppen sind über die Nethe
vor, die Belgier haben die Nethelinie aufgegeben. In Mecheln blutete mein
Architektenherz, die Kathedrale ist doch arg zerstört, das heißt einzelne Tele,
zum Beispiel die schönen Fenster. Im ganzen ist sie ja erhalten geblieben
und läßt sich natürlich wieder ausflicken. Die Belgier machen es uns schwer,
wenn sie solche Baudenkmäler zu militärischen Zwecken verwenden, diese zu
schonen. Man tut, was man kann, aber schließlich kann man nicht wegen
Baudenkmälern den Krieg aufgeben.
. . . , den 12. Oktober 1914.
Der große Tag des Einzugs in Antwerpen liegt nun hinter mir. Die letzten
Tage waren für uns nicht schön, denn wir wurden von H. in Marsch
gesetzt nach Osten, um eine Verstärkung unsers jenseits der Senne vorge-
drungenen Abschnitts zu geben. Dazu mußten wir weit südlich zurück, da
ja die Brücken zerstört und alles bis zum Rhysel überschwemmt war. Wir
lagen dann in E. immer alarmbereit, standen auf der Landstraße,
lagen schließlich irgendwo auf einem Strohlager, es war recht übel. Dann
stellte es sich heraus, daß die ganze feindliche Armee emutlich nach
Westen, nach Ostende zu durchzubrechen versuchte. Schon gings mit uns
abends 7 Uhr los nach Westen, marschiert bis 2 Uhr nachts, nach B.,
dort wieder dauernd in Alarmzustand, immer auf dem Sprung, nach T. oder
St. N. verschoben zu werden. Schließlich kam um 6 Uhr die erlösende
Nachricht, da wir sofort abmarschieren sollten, um am Sonntag früh in
Antwerpen einzuziehen. Das war wieder ein weiterer Marsch, am Sonnabend
-
182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
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Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
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Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-
gaben so viel für ihre Behaglichkeit zu tun, wie die Verhältnisses im Felde
zulassen.
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1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
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Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 183
linke Spalte
drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm
Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.
. . . , den 4. Oktober 1914.
Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen
zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch
vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,
auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert
uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen
herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben
seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer
auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.
Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben
die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin
ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,
man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,
gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und
mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem
Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für
uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die
wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-
getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder
darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-
geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten
keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter
einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform
anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder
Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder
Mann als Soldat.
Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die
Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht
erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.
Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen
in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.
. . . . . . . , 7. Oktober 1914.
Seit gestern ist meine Kompanie etwas stärker engagiert gegen
feindliche Feldwache, aber der eigentliche Kampf spielte sich in den
letzten Tagen neben uns östlich ab, während wir erst jetzt voraussichtlich
nach rechts hin nachschieben werden, der Befehl wird stündlich erwartet.
Daß Paul Gerhardt gefallen ist, ist sehr traurig, aber wenn man gerecht sein
will, muß man nicht den Tod der eigenen guten Freunde tragischer nehmen
als den Tod so vieler braven Männer, die man nicht gekannt hat.
Auch der Humor blüht noch manchesmal bei uns, zum Beispiel
Ordonnanz meldet: Herr Leutnant Ostern läßt um sofortige Antwort
bitten, Antwort: Leutnant Ostern soll warten, bis er Pfingsten
heißt. Auch von den Leuten und unter den Leuten hört man
manchen treffenden Witz, und das Räuberleben gibt zu allerhand
Scherz Anlaß. Die Unterstände in den Schützengräben werden allmählich
Wohnungen, ausgeschlagen mit Leinen, Teppichen, oft Samt und Seide,
Matratzen, seidenen Daunendecken, alles ist zu finden. An der Wand hängt
oft eine Uhr, ein zurückgelassener junger Hund wird gepflegt, Ziegen, Schafe usw.
Im übrigen ist hier alles tot und verlassen, die ganze Stadt leer, die
Schlösser leer, das Vieh treibt isch herrenlos herum, eins und das andre wird
geschlachtet, aber das meiste wird wohl allmählich verhungern. Was gibt es hier
in den reichen Häusern und Schlössern für schöne Möbel und wertvolle Kupfer-
stiche! Das bleibt natürlich alles stehen und hängen, aber mitunter denkt man doch,
schade, daß das nun alles allmählich durch Wind und Wetter zerstört wird,
denn die Dächer sind ja meist von den Belgiern eingeschossen, die ihren Rückzug
stets durch Artilleriefeuer decken; Das Land ist an sich sehr reich, fruchtbar
als Garten und Acker und mit seiner großartigen Industrie. Ich begreife
doch nicht die Torheit der belgischen Regierung, diesen Krieg nicht so bald
wie möglich zu beenden, selbst wenn sich Antwerpen noch lange halten würde.
Der Fall der Festung ist doch wohl nur eine Frage der Zeit, und inzwischen
ist das ganze Land so totgemacht, so ausgesogen und durch den Stillstand
der Industrie verarmt, daß ein Menschenalter dazu gehören wird, die frühern
Verhältnisse wieder herzustellen.
-
182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-
gaben so viel für ihre Behaglichkeit zu tun, wie die Verhältnisses im Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 183
linke Spalte
drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm
Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.
. . . , den 4. Oktober 1914.
Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen
zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch
vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,
auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert
uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen
herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben
seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer
auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.
Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben
die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin
ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,
man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,
gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und
mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem
Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für
uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die
wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-
getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder
darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-
geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten
keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter
einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform
anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jeder
Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder
Mann als Soldat.
Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die
Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht
erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.
Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen
in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.
-
182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
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das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
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Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
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Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-
gaben so viel für ihre Behaglichkeit zu tun, wie die Verhältnisses im Felde
zulassen.
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1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
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Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
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Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 183
linke Spalte
drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm
Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.
. . . , den 4. Oktober 1914.
Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen
zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch
vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,
auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert
uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen
herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben
seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer
auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.
Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben
die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin
ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,
man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,
gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und
mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem
Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für
uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die
wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-
getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder
darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-
geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten
keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter
einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform
anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jede
Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder
Mann als Soldat.
Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die
Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht
erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.
Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen
in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.
-
182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-
gaben so viel für ihre Behaglichkeit zu tun, wie die Verhältnisses im Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 183
linke Spalte
drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm
Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.
..., den 4. Oktober 1914.
Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen
zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch
vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,
auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert
uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen
herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben
seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer
auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.
Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben
die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin
ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,
man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,
gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und
mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem
Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für
uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die
wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-
getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder
darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-
geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten
keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter
einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform
anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jede
Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder
Mann als Soldat.
Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die
Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht
erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.
Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen
in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.
-
182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-
gaben so viel für ihre Behaglichkeit zu tun, wie die Verhältnisses im Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
rechte Seite
Nummer 23 "Parole." (Feldnummer.) 183
linke Spalte
drei Tage sogenannte Ruhe. Es ist ein tolles Dasein, aber wenn unserm
Vaterlande damit gedient wird, dann soll´s gut so sein.
..., den 14. Oktober 1914.
Die Städte und Dörfer hier sind leer, die Bevölkerung nach Antwerpen
zu geflüchtet oder getrieben. Die Vorräte meist mitgenommen; was noch
vorhanden, wird schnell verbraucht. Wein haben wir in Hülle und Fülle,
auch im übrigen leben wir nicht schlecht. Fleisch, Kartoffeln, Gemüse liefert
uns das Land, wir schlachten Rinder und Schweine, die hier in Massen
herumlaufen, ohne daß sich jemand um das arme Vieh kümmert. Wir haben
seit drei Tagen, heute ist der vierte, unter dauerndem schweren Artilleriefeuer
auszuhalten, können selbst nichts dagegen tun und müssen eben stillhalten.
Ich habe bis jetzt noch keine Verluste in meiner Kompanie, dagegen haben
die andern schon schwere Verluste zu verzeichnen. Seit acht Tagen bin
ich nicht aus den Kleidern gekommen. Ausziehen in der Nacht ist unmöglich,
man muß jede Minute klar sein; es ist ein eigentümliches Dasein,
gottlob geht es ja noch alles gut. Wir haben noch keinen Mißerfolg gehabt, und
mit der Zeit werden wir die Lausekerls schon kriegen, die sich in ihrem
Antwerpen wie in der Engelsburg vorzukommen scheinen und das für
uneinnehmbar halten. In belgischen Zeitungen kann man darüber die
wunderbarsten Dinge lesen. Die Zivilbevölkerung wird rücksichtslos vor-
getrieben, so jammervoll dies manchmal erscheint, wenn Frauen und Kinder
darunter sind. so habe ich doch jetzt das Empfinden einer gerechten Ver-
geltung für die schamlose Behandlung unser eigenen Landsleute. Wir hätten
keinem Zivilisten ein Haar gekrümmt, wenn diese Bande hier nicht alle unter
einer Decke steckten und, vor allen Dingen je nach Bedarf Zivil oder Uniform
anzögen. Jeder sogenannte Soldat hat Zivilkleider im Tornister, jede
Zivilist wird im Handumdrehen Soldat, deshalb gilt für uns jetzt jeder
Mann als Soldat.
Wollte Dir noch sagen, daß wir sehr gut wollene Strümpfe für die
Mannschaften gebrauchen können, auch Rauchtabak, Zigarren sind stets recht
erwünscht, ebenso verteilen wir gern Stückenzucker an die Leute.
Gestern gingen Schrapnellkugeln über meinen Kopf weg und schlugen
in die Rücken-Traverse, ich habe die, die mir galt, aufgehoben.
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182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
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Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
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Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-
gaben so viel für ihre Behaglichkeit zu tun, wie die Verhältnisses im Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
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Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
rechte Seite
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182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-
gaben so viel für ihre Behaglichkeit zu tun, wie die Verhältnisses im Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts ½ 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
½ 3 Uhr nachmittags bis ¾9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
-
182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Liebes-
gaben so viel für ihre Behaglichkeit zu tun, wie die Verhältnisses im Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
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Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, für Verpflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts 1/2 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
1/2 3 Uhr nachmittags bis 3/4 9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
-
182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
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Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
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Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
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Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, fürVepflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts 1/2 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
1/2 3 Uhr nachmittags bis 3/4 9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen; welche diese
ist, kann allerdings noch niemand sagen, man weiß es nicht, aber wir möchten
doch lieber wieder Artilleristen werden, was wir waren.
Darüber ist nun wieder der 20. geworden, und ich befinde mich bereits
im Abmarsch. Verlassen bis auf weiteres B., und mein schönes Quartier.
In den nächsten drei Tagen liege ich im Schützengraben, dann gibt´s wieder
In den nächsten drei Tafen
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182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
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Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Aus Feindesland.
Vor Antwerpen.
Aus den Familienbriefen eines
Kompanieführers der tapferen Marine-
division werden uns folgende anziehende
Schilderungen über die Kämpfe vor
Antwerpen zur Verfügung gestellt:
. . . . . . , 19. September 1914.
Unsre Reise war bis zur Grenze
in Aachen ein Triumphzug mit
Vorschußlorbeeren, dann aber fürchterlich.
8 Tage Verspätung. Wir sind
116 Stunden Eisenbahn gefahren, nachher ohne Verpflegung und ohne alle
Bequemlichkeit. Ich kann nur alles kurz erzählen und hoffe, später die
Einzelheiten nachholen zu können.
Einmarsch und Ausmarsch aus Brüssel waren noch ein schönes Ereignis,
das man nie vergessen wird, aber die Bevölkerung ist natürlich feindlich,
und man konnte sich nirgends allein zeigen, immer zu Mehreren und
mit Bedeckung. Von Brüssel ging es nun bald hierhin, bald dorthin, jeden
Tag wo anders, bald Nachtlager im Pferdestall, bald auf der Diele,
bald auf einer Matratze. Ich hatte sehr viel zu tun, fürVepflegung
der Kompanie zu sorgen, für Quartiere; ich war eigentlich immer der Führer
vom ganzen Bataillon, da ich allein in der glücklichen Lage war und noch
bin, ein Pferd zu besitzen. So kam es, daß ich schließlich das Bataillon
führen mußte. Inzwischen waren wir am 11. in das große Gefecht ver-
wickelt. Ich kam mit meiner Kompanie zuerst in die Schützengräben morgens
10 Uhr und lag dort bis nachts 1/2 3 Uhr, bis ich abgelöst wurde. Von
1/2 3 Uhr nachmittags bis 3/4 9 Uhr abends in einem mörderischen Artillerie-
feuer, ohne daß wir selbst so recht zum Schuß kamen, da der Feind nicht
mit Infanterie anzugreifen wagte; wir schossen einige Patrouillen fort, durften
aber nicht weiter feuern, da wir den Feind näher heranlaufen lassen wollten.
So etwas von Artilleriefeuer schwersten bis leichtesten Kalibers habe ich
mir nie träumen lassen. Die Schützengräben blieben fast verschont, da die
Belgier immer über uns fortschossen; sie hatten es auf unsere Artillerie, die
Etappenstraßen und Brücken abgesehen. Ins Quartier nach B. zurückgezogen,
mußte ich auf Befehl des Admirals von Schröder zu seiner besonderen Ver-
fügung dort mit meiner Kompanie stehen bleiben, die andern rückten am 12.
ins Gefecht und haben dann einen sehr bösen Tag mitgemacht. Am 12.
abends war der Sieg entschieden, die feindliche Artillerie zum Schweigen
gebracht, mehrere Batterien erobert, und es sollte zum entscheidenden Schlage
vorgegangen werden. Am 13. rückten wir wieder vor, ich als Bataillons-
führer, aber die Belgier waren ausgerissen wie Schafleder. Wir konnten
nicht mehr in Tätigkeit treten, sondern bezogen abends Quartier. Zum ersten
Male kam ich wieder in ein Bett, ich wohne beim Pfarrer und habe gutes
Quartier, gute Verpflegung und liebenswürdige Aufnahme.
Wir sind jetzt reine Infanterie geworden, hoffentlich wird es bald wieder
anders, und wir können unsre eigentliche Bestimmung erfüllen
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182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
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Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
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Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
der Russen, "mit solchem Jubel und
so reich bewirtet und beschenkt empfangen
worden, wie der sächsische Ulan aus
Oschatz, der am Morgen des 12. Sep-
tember als erster deutscher Soldat nach
der Russenherrschaft wieder in Lyck
einzog.
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182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
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das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
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Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen, welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
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Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschinengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet."
*
Ein sächsischer Ulan der erste Soldat im befreiten Lyck.
Der erste deutsche Soldat, der am Morgen des 12. September in das
zum zweiten Male von den Russen
befreite Lyck einzog, war ein Oschatzer
Ulan. "Wohl noch nie ist eine deutsche
Zeichnung siehe oben Patrouille", so heißt es in einem
Briefe eines Lyckers nach der Verjagung
-
182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
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Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen,welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
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Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschienengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Oberjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
Franzosen besetzt war, erobert. Er drang an der Spitze einiger Mann in
die Scheune ein, nahm das Maschinengewehr und machte 25 Gefangene.
Oberjäger Mecking ist von den Angehörigen des zweiten Armeekorps der
Erste, der in diesem Feldzug ein feindliches Maschinengewehr erobert hat,
und er erhält die Spende von 1000 Mark. M. ist zurzeit verwundet.".
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182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
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Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen,welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
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Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
rechte Spalte
Zuführung von Zigarren, Zigaretten und Tabak sowie sonstiger Genußmittel
zu den Truppen, um in Verbindung mit den ihnen zuströmenden Felde
zulassen.
*
1000 Mark-Spende für einen Helden.
Bei Beginn des Krieges waren dem Generalkommando des bayrischen
zweiten Armeekorps von Würzburg her 1000 Mark mit der Bitte übergeben
worden, diese Summe demjenigen Angehörigen des genannten Armeekorps
auszuhändigen, der die erste feindliche Fahne, das erste Geschütz oder
Maschienengewehr erobert. Die Entscheidung ist nun gefallen. Das
Generalkommando des zweiten Armeekorps erklärt: "Der Obrtjäger
Mecking der ersten Kompanie des zweiten Jägerbataillons in Aschaffenburg
hat im Gefecht bei Lagarde am 11. August im Häuserkampf ein in einer
Scheune aufgestelltes französisches Maschinengewehr, das noch von
-
182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
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Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche à tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen,welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
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Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
-
182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort besteht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche a tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen,welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. Die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
-
182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort beseht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche a tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen,welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
- - - - - - - - - - - - - - - - -
Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten. Im
übrigen werden die Klagen auf im Kriege unvermeidliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein. Wenn die betreffende Truppe, wie es in diesem Kriege
häufiger der Fall ist, tagelang dem feindlichen Feuer dermaßen ausgesetzt ist,
daß warmes Essen an sie nicht herangebracht werden kann, dann ist es
unausbleiblich, daß sie sich mit kalter Kost (Brot, Konservenfleisch, Zwieback)
behelfen muß.
Auch die Brotzufuhr stößt gelegentlich auf Schwierigkeiten, obwohl
die Feldbäckereien sich voll bewähren und reichlich Brot backen. Es ist zu
berücksichtigen, daß die Truppen sich vielfach so schnell vorwärtsbewegen,
daß die Kolonnen mit den Brotvorräten ihnen nicht immer im gleichen
Zeitmaße folgen können, oder daß Bahnstörungen den rückwärtigen Nahrungs-
zufluß beeinträchtigen.
Es ist selbstverständlich, daß die Heeresverwaltung der ausreichenden
Ernährung der Truppen und im Zusammenhange damit der Erhaltung
ihrer Gefechtskraft ihre angestrengteste Fürsorge zuwendet und selbst auf das
lebhafteste bedauert, wenn die Verhältnisse des Krieges zu vorübergehenden
oder unvermeidlichen Stockungen, namentlich in der Versorgung der Truppen
mit warmer Nahrung, zwingen.
Die Fürsorge der Heeresverwaltung erstreckt sich natürlich auch auf die
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182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
linke Seite
linke Spalte
das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort beseht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
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Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
Zeichnung siehe oben
Nachbildung aus der Pariser Wochenschrift "Touche a tout." Die deutsche Luftflotte trifft über Plymouth ein
über dem stolzen englischen Kriegshafen Plymouth ein Zeppelin-
geschwader erscheinen,welches nicht nur die gewaltigen englischen
Großkampfschiffe versenkt, sondern auch die Küstenbatterien zerschmettert.
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Allerlei vom Kriege.
Verpflegung in der Front.
In Zuschriften an die Presse wird darüber geklagt, daß die Angehörigen
der Briefschreiber im Felde bisweilen mehrere Tage ohne warme Kost
geblieben seien. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die Verpflegung unsrer
Truppen im allgemeinen durchaus zufriedenstellend, vielfach recht gut ist.
Dieser günstige Zustand ist wesentlich darauf zurückzuführen, daß der größte
Teil der Truppen bei Ausbruch des Krieges bereits Feldküchen besaß, deren
Einführung im Heere ja in der Durchführung begriffen war. die vor-
gebrachten Klagen werden sich in erster Linie auf solche Truppen beziehen,
die noch nicht mit Feldküchen ausgestattet werden konnten. Es
wird die baldige Zuteilung von Feldküchen an alle Truppen-
teile, soweit sich dies nicht für einzelne Waffen verbietet, zwar
angestrebt; es leuchtet aber ein, daß die Industrie Zeit gebraucht , um
die nötigen Fahrzeuge herzustellen. Bis zur Fertigstellung der noch fehlenden
Feldküchen erhalten die Truppen als vorläufigen Ersatz Kochkisten.
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das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort beseht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
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Die deutsche Luftflotte über Plymouth.
(Zu untenstehendem Bilde.)
Wie groß die Angst der Engländer und Franzosen vor unsern
Zeppelinen ist, zeigt diese Darstellung, welche wir nach dem Bilde einer
vielgelesenen französischen Wochenschrift hergestellt haben. Man sieht,
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182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
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das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort beseht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
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182 "Parole." (Feldnummer.) Nummer 23
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das zerschossene Gewehr mit, sammelt kaltblütig im Kugelregen seine
weitzerstreuten Trümmer und läßt nicht einen Spahn (sic) liegen. Ihr
einstiger Führer soll sich davon überzeugen, daß sie ihre Pflicht
erfüllt hat, wie er sie im Frieden gelehrt. Nur die eine Frage
äußert der Schreiber, wann ein neues Gewehr ankäme, damit die
Kompanie weiter zeigen könne, was preußische Krieger leisten.
Gibt es einen bessern Beweis für den Geist unsrer Truppen?
"Wie auf dem Übungsplatze", - dies oft in Schlachtberichten ge-
brauchte Wort beseht hier zu Recht. Einer so goldenen Treue und
einem so strahlenden Pflichteifer gehört der Erfolg. Das ist das
Geheimnis der Siege der deutschen Heere auf allen Kriegsschauplätzen
der Gegenwart. Ehre und Anerkennung jener pflichttreuen Mannschaft,
die, unbekümmert um den sie umtosenden Kugelhagel, an nichts weiter
denkt, als an ihre Pflicht gegen König und Vaterland!
Description
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Lille, Frankreich
Location(s)
Story location Lille, Frankreich
- ID
- 12998 / 199711
- Contributor
- Uta Hentschel
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- Western Front
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