Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 25
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erste Spalte
Tiefseekabel und drahtlose
Telegraphie im Kriege.
Durch die Weltmeere fuehren die Nervenstraenge
des internationalen politischen und wirtschaftlichen
Lebens. Dort ruhen in Tiefen von 3000, 5000,
ja bis zu mehr als 7000 Meter die Seekabel. Sie
ruhen dort scheinbar leblos, und doch rast in ihnen
der elektrische Funke hin und her, vermittelt Nach-
richten und bringt Befehle auf Tausende von Kilo-
metern. Sind schon in Friedenszeiten die Seekabel
ein ausserordentlich wichtiges Instrument des Welt-
verkehrs, so kann die unterseeische Telegraphie,
wie die Kriegsgeschichte der letzten Jahrzehnte
lehrt, kriegerische Ereignisse entscheidend beein-
flussen.
Von dieser Erkenntnis geleitet hat England un-
mittelbar nach seiner Kriegserklaerung an Deutsch-
land die deutschen Kabel nach Nord- und Sued-
amerika durchschnitten; das Kabel nach Sued-
amerika ist erst vor drei Jahren von den norddeut-
schen Kabelwerken in Nordenham vollendet worden.
Da die Unterbrechung des Nachrichtendienstes schon
am 5. August gemeldet wurde, so ist anzunehmen,
dass die Zerstoerung im Aermelkanal erfolgte, wo
die Auffischung der Kabel die geringsten Schwierig-
keiten bietet.
Einer Drahtmeldung aus dem Haag zufolge hat
Deutschland mit der gleichen Massnahme geant-
wortet: wie die Englaender vermuten, hat der deut-
sche Kreuzer "Nuernberg" das australisch-kanadische
Kabel durchschnitten. Diesem kuehnen Handstreich
unserer Schiffe duerften weitere in dem unter-
seeischen Kampfe folgen, und da England das
weitaus groesste Seekabelnetz unter den Nationen
besitzt, so bietet sich unseren in den verschiedenen
Gewaessern kreuzenden Kriegsschiffen ein dank-
bares Betaetigungsfeld zur Unterbindung des feind-
lichen Luegendienstes.
Die Lage der Seekabel wird auf Grund besonde-
rer Karten gestellt; das feindliche Schiff faehrt
unter einem Winkel von 90 Grad gegen den Kabel-
trakt und laesst etwa zwei Seemeilen vor der ver-
mutlichen Lage einen Suchanker auf dem Meeres-
grunde schleifen. Ein in das Ankerseil eingeschalte-
tes Dynamometer - ein der Federwage aehnlicher
Messapparat - laesst erkennen, ob der Anker das
Kabel gefasst hat. Entweder faehrt nun das Schiff
in der angegebenen Richtung weiter, bis das vom
Anker nachgezogene Kabel reisst, oder das Kabel
wird mit dem Anker aufgezogen und an Bord ge-
kappt. Um das Wiederauffinden und die Instand-
setzung zu erschweren, laesst man die durch das
Zerschneiden entstandenen beiden Enden nicht
gleichzeitig wieder ins Meer gleiten, sondern schleppt
das eine Ende noch ein Stueck des Weges mit. Wie-
wohl die Lage der Seekabel mit Ruecksicht auf die
internationalen Interessen den schiffahrttreibenden
Nationen gut bekannt ist, so ist das Suchen nach
einem Kabel auf hoher See keineswegs immer von
einem Erfolge begleitet, die Schiffsbesatzung darf
sich durch mehrmalige Fehlschlaege nicht entmuti-
gen lassen, bis der Versuch endlich glueckt.
restliche erste, zweite und dritte Spalte siehe oben
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Tiefseekabel und drahtlose
Telegraphie im Kriege.
Durch die Weltmeere fuehren die Nervenstraenge
des internationalen politischen und wirtschaftlichen
Lebens. Dort ruhen in Tiefen von 3000, 5000,
ja bis zu mehr als 7000 Meter die Seekabel. Sie
ruhen dort scheinbar leblos, und doch rast in ihnen
der elektrische Funke hin und her, vermittelt Nach-
richten und bringt Befehle auf Tausende von Kilo-
metern. Sind schon in Friedenszeiten die Seekabel
ein ausserordentlich wichtiges Instrument des Welt-
verkehrs, so kann die unterseeische Telegraphie,
wie die Kriegsgeschichte der letzten Jahrzehnte
lehrt, kriegerische Ereignisse entscheidend beein-
flussen.
Von dieser Erkenntnis geleitet hat England un-
mittelbar nach seiner Kriegserklaerung an Deutsch-
land die deutschen Kabel nach Nord- und Sued-
amerika durchschnitten; das Kabel nach Sued-
amerika ist erst vor drei Jahren von den norddeut-
schen Kabelwerken in Nordenham vollendet worden.
Da die Unterbrechung des Nachrichtendienstes schon
am 5. August gemeldet wurde, so ist anzunehmen,
dass die Zerstoerung im Aermelkanal erfolgte, wo
die Auffischung der Kabel die geringsten Schwierig-
keiten bietet.
Einer Drahtmeldung aus dem Haag zufolge hat
Deutschland mit der gleichen Massnahme geant-
wortet: wie die Englaender vermuten, hat der deut-
sche Kreuzer "Nuernberg" das australisch-kanadische
Kabel durchschnitten. Diesem kuehnen Handstreich
unserer Schiffe duerften weitere in dem unter-
seeischen Kampfe folgen, und da England das
weitaus groesste Seekabelnetz unter den Nationen
besitzt, so bietet sich unseren in den verschiedenen
Gewaessern kreuzenden Kriegsschiffen ein dank-
bares Betaetigungsfeld zur Unterbindung des feind-
lichen Luegendienstes.
Die Lage der Seekabel wird auf Grund besonde-
rer Karten gestellt; das feindliche Schiff faehrt
unter einem Winkel von 90 Grad gegen den Kabel-
trakt und laesst etwa zwei Seemeilen vor der ver-
mutlichen Lage einen Suchanker auf dem Meeres-
grunde schleifen. Ein in das Ankerseil eingeschalte-
tes Dynamometer - ein der Federwage aehnlicher
Messapparat - laesst erkennen, ob der Anker das
Kabel gefasst hat. Entweder faehrt nun das Schiff
in der angegebenen Richtung weiter, bis das vom
Anker nachgezogene Kabel reisst, oder das Kabel
wird mit dem Anker aufgezogen und an Bord ge-
kappt. Um das Wiederauffinden und die Instand-
setzung zu erschweren, laesst man die durch das
Zerschneiden entstandenen beiden Enden nicht
gleichzeitig wieder ins Meer gleiten, sondern schleppt
das eine Ende noch ein Stueck des Weges mit. Wie-
wohl die Lage der Seekabel mit Ruecksicht auf die
internationalen Interessen den schiffahrttreibenden
Nationen gut bekannt ist, so ist das Suchen nach
einem Kabel auf hoher See keineswegs immer von
einem Erfolge begleitet, die Schiffsbesatzung darf
sich durch mehrmalige Fehlschlaege nicht entmuti-
gen lassen, bis der Versuch endlich glueckt.
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Tiefseekabel und drahtlose
Teleggraphie im Kriege.
Durch die Weltmeere fuehren die Nervenstraenge
des internationalen politischen und wirtschaftlichen
Lebens. Dort ruhen in Tiefen von 3000, 500,
ja bis zu mehr als 7000 Meter die Seekabel. Sie
ruhen dort scheinbar leblos, und doch rast in ihnen
der elektrische Funke hin un her, vermittelt Nach-
richten und bringt Befehle auf Tausende von Kilo-
metern. Sind schon in Friedenszeiten die Seekabel
ein ausserordentlich wichtiges Instrument des Welt-
verkehrs, so kann die unterseeische Telegraphie,
wie die Kriegsgeschichte der letzten Jahrzehnte
lehrt, kriegerische Ereignisse entscheidend beein-
flussen.
Von dieser Erkenntnis geleitet hat England un-
mittelbar nach seiner Kriegserklaerung an Deutsch-
land die deutschen Kabel nach Nord- und Sued-
amerika durchschnitten; das Kabel nach Sued-
amerika ist erst vor drei Jahren von den norddeut-
schen Kabelwerken in Nordenham vollendet worden.
Da die Unterbrechung des Nachrichtendienstes schon
am 5. August gemeldet wurde, so ist anzunehmen,
dass die Zerstoerung im Aermelkanal erfolgte, wo
die Auffischung der Kabel die geringsten Schwierig-
keiten bietet.
Einer Drahtmeldung aus dem Haag zufolge hat
Deutschland mit der gleichen Massnahme geant-
wortet: wie die Englaender vermuten, hat der deut-
sche Kreuzer "Nuernberg" das australisch-kanadische
Kabel durchschnitten. Diesem kuehen Handstreich
unserer Schiffe duerften weitere in dem unter-
seeischen Kampfe folgen, und da England das
weitaus groesste Seekabelnetz unter den Nationen
besitzt, so bietet sich unseren in den verschiedenen
Gewaessern kreuzenden Kriegsschiffen ein dank-
bares Betaetigungsfeld zur Unterbindung des feind-
lichen Luegendienstes.
Die Lage der Seekabel wird auf Grund besonde-
rer Karten gestellt; das feindliche Schiff faehrt
unter einem Winkel von 90 Grad gegen den Kabel-
trakt und laesst etwa zwei Seemailen vor der ver-
mutlichen Lage einen Suchanker auf dem Meeres-
grunde schleifen. Ein in das Ankerseil eingeschalte-
tes Dynamometer - ein der Federwage aehnlicher
Messapparat - laesst erkennen, ob der Anker das
Kabel gefasst hat. Entweder faehrt nun das Schiff
in der angegebenen Richtung weiter, bis das vom
Anker nachgezogene Kabel reisst, oder das Kabel
wird mit dem Anker aufgezogen und an Bord ge-
kappt. Um das Wiederauffinden und die Instand-
setzung zu erschweren, laesst man die durch das
Zerschneiden entstandenen beiden Enden nicht
gleichzeitig wieder ins Meer gleiten, sondern schleppt
das eine Ende noch ein Stueck des Weges mit. Wie-
wohl die Lage der Seekabel mit Ruecksicht auf die
internationalen Interessen den schiffahrttreibenden
Nationen gut bekannt ist, so ist das Suchen nach
einem Kabel auf hoher See keineswegs immer von
einem Erfolge begleitet, die Schiffsbesatzung darf
sich durch mehrmalige Fehlschlaege nicht entmuti-
gen lassen, bis der Versuch endlich glueckt.
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Lille, Frankreich
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Story location Lille, Frankreich
- ID
- 12998 / 199731
- Contributor
- Uta Hentschel
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- Western Front
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