Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 56

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Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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                                       Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

   Expedition:                        Organ für Volksinteresse.                                           Redaktion:

Fernsprecher 8.                                                                                                         Fernsprecher 129.

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Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

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 1. Spalte 

Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

   Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

mungsberechtigte trage sich in die Frage-

bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

jede entscheidet. 

                                                  *  *  *

   Als Delegierter der internationalen Kom-

mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

über die Frage der Ernährungswirtschaft während

der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

usw. vorsieht.


Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

   Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

reichen.

   In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

städten gebildet werden.

   Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

sonen, d) Räume für 60 Automobile.

   Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

   Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

tralheizungsanlage versehen werden.

   In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert

für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die

Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch

hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.


 2. Spalte 

 Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs

   Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-

digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-

sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten

Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-

mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-

ten fünf, der Gruppe 2  drei deutsche höhere Staats- und Pri-

vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-

terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-

zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.

Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas

de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-

thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-

partements du Nord:  l´Escarpelle, Aniche, Anzin

und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,

sich einen Überblick über die in den beiden Departements

an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-

rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am

Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut

einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-

tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-

sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-

mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-

und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-

belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der

Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-

heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge- 

stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-

nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,

bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die

Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt

worden.   

   Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-

krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front

ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-

unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer

um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.

Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-

arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-

anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-

gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-

ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-

getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-

gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche

abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-

mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der

Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen

Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden

können. 

   Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten

Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-

bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder

und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten

Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-

gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,

die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-

kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-

verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon

vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte

den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-

ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-

deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-

men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-

räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-

konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-

öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-

gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien

erstrecken können.

Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.

   Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die

deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote

an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse

der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-

richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.

Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-

unwürdige Behandlung. In der Note wird die

Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,

daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen

Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben

werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-

tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen

anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.

   Nach der anfänglich guten  Behandlung in amerikani-

schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-

zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen

auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben 

geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-

gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-

glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-

beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-

bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.


Die Heimsendung der Schwerverwundeten.   

  Bern, 6. Oktober (Eigener Drahtbericht.) Der Berner

Mitarbeiter des "Vorwärts" meldet, daß die Heimsendung

der schwerverwundeten deutschen Kriegsgefangenen

aus Frankreich, die am heutigen 6. Oktober beginnen

sollte, von der französischen Regierung auf 15 Tage hin-

ausgeschoben worden ist. Da diese Ankündigung ohne

Angabe von Gründen erfolgt, muß angenommen werden,

daß man es hier mit einer Druckmaßnahme zur Unter-

stützung der französischen Forderung in der baltischen

Angelegenheit zu tun hat.


 3.Spalte 

                            Sächsische Volkskammer.

59. Sitzung vom Montag, 6. Oktober 1919, nachm. 4 Uhr.

                                                  Dresden, 6. Oktober 1919.

                               (Eigener Drahtbericht.)

   Am Regierungstisch sind fast sämtliche Minister an-

wesend. Die öffentlichen Tribünen sind stark überfüllt.

   Eingegangen sind zwei Schreiben des Abg. Dr. Koch

(Deutsche Volksp.) und der Abg. Frau Geyer (Unabh.

Soz.), worin sie die Niederlegung ihres Mandates anzeigen.

   Der Präsident begrüßt den neuen Abg. Berndt

(Demokrat), der an Stelle des Abg. Dr. Kraft in die Kam-

mer eingetreten ist.

              Ministerpräsident Dr. Gradnauer

erhält vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort zu einer

     Erklärung über die Regierungsumbildung,

worin er u. a.  folgendes ausführt:    

   Bei der Wiederaufnahme Ihrer Verhandlungen bin ich

in der Lage, Ihnen einige Mitteilungen über Veränderun-

gen zu machen, die sich in jüngster Zeit in der Regierung

unseres Landes vollzogen haben. Das Wesentliche dieser

Mitteilungen ist allerdings bereits durch die Presse bekannt-

gegeben worden. Vor allem ist an das Ausscheiden des

Ministers Kirchhof zu erinnern. Durch die neue Reichs-

verfassung ist das Heerwesen den Einzelstaaten entzogen

und im ganzen Umfang auf das Reich übertragen worden.

Damit hat sich auch das sächsische Kriegsministerium er-

ledigt und der letzte Verwalter dieses Amtes, Herr Kirch-

hof, ist ausgeschieden. Der Ministerpräsident dankt ihm für

seine aufopfernde Arbeit. Eine weitere teilweise Umbildung

der Regierung vollzieht sich, so fährt er fort, durch den Ein-

tritt von Vertretern der Deutschen demokratischen Partei.

Die beiden Minister Buck und Nitzsche haben unter Hin-

weis auf die politischen Erfordernisse ihre Entlassung ge-

nommen, und ich habe zwei Mitglieder der Deutschen demo-

kratischen Partei in die Regierung berufen. Herrn

Nitzschke-Lentzsch ins Finanzministerium und Herrn

Dr. Seufert ins Kultusministerium. Die beiden Herren

haben ihre Arbeitsgeschäfte bereits heute übernommen. Ich

heiße sie auf der Regierungsbank aufs beste willkommen.

Es ist bei den Beratungen über die Neubildung der Re-

gierung auch die Frage der Zusammenlegung des

Wirtschaftsministeriums und des Arbeits-

ministeriums zur Erörterung gebracht worden. Gegen-

wärtig läßt die starke Arbeitsbelastung beider Ministerien

eine Zusammenlegung noch nicht zu, aber schon aus Spar-

samkeitsgründen nimmt die Regierung in Aussicht, wenn

irgend möglich, ihre Zusammenlegung bis zum 31.März

1920 herbeizuführen. Der Ministerpräsident dankt den aus-

scheidenden beiden Ministern aufs wärmste für ihre Arbeit 

und fährt fort:

   Was nun die Umbildung der Regierung angeht,

so lag deren Notwendigkeit seit langem klar zutage. So-

wohl die demokratischen Grundsätze als auch die Lage des

Landes haben sie erforderlich gemacht. durch die große

Staatsumwälzung im November vorigen Jahres ist im

Reich und in den Ländern die Selbstregierung des Volkes

herbeigeführt worden. Das Volk bringt seine Ueberzeu-

gung und seinen politische Willen durch seine auf Grund

des demokratischen Wahlrechts selbst gewählten Parlamente

zum Ausdruck. Das Parlament wiederum hat die Aufgabe,

aus sich heraus zur Leitung der Staatsgeschäfte die Re-

gierung zu bestellen. Das kann nur durch Mehrheitsbildung

und durch Mehrheitsbeschluß geschehen. Hat nicht eine ein-

zelne politische Partei für sich allein die Mehrheit, so müssen

sich mehrere Parteien, die sich verhältnismäßig nahestehen,

zusammen finden, um eine arbeitsfähige Regierung zu bil-

den. Dies ist der einfache klare Grundgedanke der moder-

nen Demokratie. Demgemäß hätte bei uns alsbald nach

der Volkskammerwahl verfahren werden sollen. Meine per-

sönliche Auffassung ging, wie sie sich erinnern wollen, von

vornherein dahin, daß sämtliche Fraktionen, die auf 

dem Boden der Revolution und der Demokratie stehen, sich

zur Regierungsbildung zusammenschließen sollten, damit

durch vereintes Bemühen unser Volk aus der Tiefe, in die

es durch Krieg und Niederlage gestürzt wurde, wieder auf-

gerichtet werden könne. Die Fraktion der Unab-

hängigen aber hat es abgelehnt, mit den sogenannten

bürgerlichen Demokraten zusammenzuarbeiten.  Mehr noch,

sie haben auch die ihr von der sozialdemokratischen Fraktion

dargebotene Friedenshand zurückgewiesen. Die

sozialdemokratische Fraktion ist mit äußerster Geduld be-

strebt gewesen, eine Einheitsfront der hinter beiden

Fraktionen stehenden Arbeitermassen zustande zu

bringen. Die Unabhängigen machten jedoch den Eintritt in

die Regierung von Bedingungen abhängig, die für die so-

zialdemokratische Fraktion eine unerträglich Vergewalti-

gung bedeutet hätten. Die Unabhängigen tragen daher die

Verantwortung dafür, daß die Einigung der Arbeiterschaft

verhindert wurde. Sie tragen die Verantwortung

dafür, daß die sozialdemokratische Fraktion sich nunmehr 

an die anderen Parteien wenden und ein Zusammengehen

aller mit der demokratischen Fraktion herbeiführen mußte,

damit die erforderliche Mehrheitsbildung zustande kommen

konnte. Unter diesen Umständen ist es erfreulich, daß die

zwischen der demokratischen und der sozialdemokratischen

Fraktion Ende voriger Woche unter meinem Vorsitz geführ-

ten Besprechungen nunmehr schnell zu einem erfolgreichen

Abschluß  geführt haben. Damit wird die Zeit eines unge-

klärten und unhaltbaren Regierungszustandes beendigt.

Voraussetzung dafür, daß zwei Fraktionen miteinander

arbeiten können, ist, daß sie in ihren Anschauungen und An-


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Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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                                       Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

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 1. Spalte 

Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

   Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

mungsberechtigte trage sich in die Frage-

bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

jede entscheidet. 

                                                  *  *  *

   Als Delegierter der internationalen Kom-

mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

über die Frage der Ernährungswirtschaft während

der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

usw. vorsieht.


Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

   Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

reichen.

   In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

städten gebildet werden.

   Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

sonen, d) Räume für 60 Automobile.

   Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

   Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

tralheizungsanlage versehen werden.

   In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert

für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die

Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch

hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.


 2. Spalte 

 Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs

   Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-

digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-

sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten

Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-

mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-

ten fünf, der Gruppe 2  drei deutsche höhere Staats- und Pri-

vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-

terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-

zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.

Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas

de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-

thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-

partements du Nord:  l´Escarpelle, Aniche, Anzin

und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,

sich einen Überblick über die in den beiden Departements

an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-

rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am

Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut

einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-

tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-

sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-

mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-

und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-

belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der

Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-

heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge- 

stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-

nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,

bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die

Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt

worden.   

   Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-

krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front

ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-

unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer

um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.

Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-

arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-

anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-

gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-

ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-

getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-

gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche

abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-

mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der

Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen

Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden

können. 

   Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten

Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-

bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder

und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten

Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-

gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,

die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-

kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-

verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon

vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte

den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-

ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-

deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-

men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-

räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-

konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-

öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-

gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien

erstrecken können.

Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.

   Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die

deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote

an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse

der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-

richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.

Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-

unwürdige Behandlung. In der Note wird die

Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,

daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen

Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben

werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-

tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen

anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.

   Nach der anfänglich guten  Behandlung in amerikani-

schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-

zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen

auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben 

geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-

gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-

glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-

beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-

bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.


Die Heimsendung der Schwerverwundeten.   

  Bern, 6. Oktober (Eigener Drahtbericht.) Der Berner

Mitarbeiter des "Vorwärts" meldet, daß die Heimsendung

der schwerverwundeten deutschen Kriegsgefangenen

aus Frankreich, die am heutigen 6. Oktober beginnen

sollte, von der französischen Regierung auf 15 Tage hin-

ausgeschoben worden ist. Da diese Ankündigung ohne

Angabe von Gründen erfolgt, muß angenommen werden,

daß man es hier mit einer Druckmaßnahme zur Unter-

stützung der französischen Forderung in der baltischen

Angelegenheit zu tun hat.


 3.Spalte 

                            Sächsische Volkskammer.

59. Sitzung vom Montag, 6. Oktober 1919, nachm. 4 Uhr.

                                                  Dresden, 6. Oktober 1919.

                               (Eigener Drahtbericht.)

   Am Regierungstisch sind fast sämtliche Minister an-

wesend. Die öffentlichen Tribünen sind stark überfüllt.

   Eingegangen sind zwei Schreiben des Abg. Dr. Koch

(Deutsche Volksp.) und der Abg. Frau Geyer (Unabh.

Soz.), worin sie die Niederlegung ihres Mandates anzeigen.

   Der Präsident begrüßt den neuen Abg. Berndt

(Demokrat), der an Stelle des Abg. Dr. Kraft in die Kam-

mer eingetreten ist.

              Ministerpräsident Dr. Gradnauer

erhält vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort zu einer

     Erklärung über die Regierungsumbildung,

worin er u. a.  folgendes ausführt:    

   Bei der Wiederaufnahme Ihrer Verhandlungen bin ich

in der Lage, Ihnen einige Mitteilungen über Veränderun-

gen zu machen, die sich in jüngster Zeit in der Regierung

unseres Landes vollzogen haben. Das Wesentliche dieser

Mitteilungen ist allerdings bereits durch die Presse bekannt-

gegeben worden. Vor allem ist an das Ausscheiden des

Ministers Kirchhof zu erinnern. Durch die neue Reichs-

verfassung ist das Heerwesen den Einzelstaaten entzogen

und im ganzen Umfang auf das Reich übertragen worden.

Damit hat sich auch das sächsische Kriegsministerium er-

ledigt und der letzte Verwalter dieses Amtes, Herr Kirch-

hof, ist ausgeschieden. Der Ministerpräsident dankt ihm für

seine aufopfernde Arbeit. Eine weitere teilweise Umbildung

der Regierung vollzieht sich, so fährt er fort, durch den Ein-

tritt von Vertretern der Deutschen demokratischen Partei.

Die beiden Minister Buck und Nitzsche haben unter Hin-

weis auf die politischen Erfordernisse ihre Entlassung ge-

nommen, und ich habe zwei Mitglieder der Deutschen demo-

kratischen Partei in die Regierung berufen. Herrn

Nitzschke-Lentzsch ins Finanzministerium und Herrn

Dr. Seufert ins Kultusministerium. Die beiden Herren

haben ihre Arbeitsgeschäfte bereits heute übernommen. Ich

heiße sie auf der Regierungsbank aufs beste willkommen.

Es ist bei den Beratungen über die Neubildung der Re-

gierung auch die Frage der Zusammenlegung des

Wirtschaftsministeriums und des Arbeits-

ministeriums zur Erörterung gebracht worden. Gegen-

wärtig läßt die starke Arbeitsbelastung beider Ministerien

eine Zusammenlegung noch nicht zu, aber schon aus Spar-

samkeitsgründen nimmt die Regierung in Aussicht, wenn

irgend möglich, ihre Zusammenlegung bis zum 31.März

1920 herbeizuführen. Der Ministerpräsident dankt den aus-

scheidenden beiden Ministern aufs wärmste für ihre Arbeit 

und fährt fort:

   Was nun die Umbildung der Regierung angeht,

so lag deren Notwendigkeit seit langem klar zutage. So-

wohl die demokratischen Grundsätze als auch die Lage des

Landes haben sie erforderlich gemacht. durch die große

Staatsumwälzung im November vorigen Jahres ist im

Reich und in den Ländern die Selbstregierung des Volkes

herbeigeführt worden. Das Volk bringt seine Ueberzeu-

gung und seinen politische Willen durch seine auf Grund

des demokratischen Wahlrechts selbst gewählten Parlamente

zum Ausdruck. Das Parlament wiederum hat die Aufgabe,

aus sich heraus zur Leitung der Staatsgeschäfte die Re-

gierung zu bestellen. Das kann nur durch Mehrheitsbildung

und durch Mehrheitsbeschluß geschehen. Hat nicht eine ein-

zelne politische Partei für sich allein die Mehrheit, so müssen

sich mehrere Parteien, die sich verhältnismäßig nahestehen,

zusammen finden, um eine arbeitsfähige Regierung zu bil-

den. Dies ist der einfache klare Grundgedanke der moder-

nen Demokratie. Demgemäß hätte bei uns alsbald nach

der Volkskammerwahl verfahren werden sollen. Meine per-

sönliche Auffassung ging, wie sie sich erinnern wollen, von

vornherein dahin, daß sämtliche Fraktionen, die auf 

dem Boden der Revolution und der Demokratie stehen, sich

zur Regierungsbildung zusammenschließen sollten, damit

durch vereintes Bemühen unser Volk aus der Tiefe, in die

es durch Krieg und Niederlage gestürzt wurde, wieder auf-

gerichtet werden könne. Die Fraktion der Unab-

hängigen aber hat es abgelehnt, mit den sogenannten

bürgerlichen Demokraten zusammenzuarbeiten.  Mehr noch,

sie haben auch die ihr von der sozialdemokratischen Fraktion

dargebotene Friedenshand zurückgewiesen. Die

sozialdemokratische Fraktion ist mit äußerster Geduld be-

strebt gewesen, eine Einheitsfront der hinter beiden

Fraktionen stehenden Arbeitermassen zustande zu

bringen. Die Unabhängigen machten jedoch den Eintritt in

die Regierung von Bedingungen abhängig, die für die so-

zialdemokratische Fraktion eine unerträglich Vergewalti-

gung bedeutet hätten. Die Unabhängigen tragen daher die

Verantwortung dafür, daß die Einigung der Arbeiterschaft

verhindert wurde. Sie tragen die Verantwortung

dafür, daß die sozialdemokratische Fraktion sich nunmehr 

an die anderen Parteien wenden und ein Zusammengehen

aller mit der demokratischen Fraktion herbeiführen mußte,

damit die erforderliche Mehrheitsbildung zustande kommen

konnte. Unter diesen Umständen ist es erfreulich, daß die

zwischen der demokratischen und der sozialdemokratischen

Fraktion Ende voriger Woche unter meinem Vorsitz geführ-

ten Besprechungen nunmehr schnell zu einem erfolgreichen

Abschluß  geführt haben. Damit wird die Zeit eines unge-

klärten und unhaltbaren Regierungszustandes beendigt.

Voraussetzung dafür, daß zwei Fraktionen miteinander

arbeiten können, ist, daß sie in ihren Anschauungen und An-



Transcription history
  • July 23, 2017 21:55:18 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

    ________________________________________________________________________________________________________________


                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

       Expedition:                        Organ für Volksinteresse.                                           Redaktion:

    Fernsprecher 8.                                                                                                         Fernsprecher 129.

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    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

    ________________________________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

       Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

    bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

    Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

    Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

    Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

    ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

    Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

    sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

    tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

    den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

    men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

    noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

    Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

    möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

    Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

    gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

    stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

    tralheizungsanlage versehen werden.

       In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert

    für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die

    Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch

    hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.


     2. Spalte 

     Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs

       Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-

    digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-

    sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten

    Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-

    mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-

    ten fünf, der Gruppe 2  drei deutsche höhere Staats- und Pri-

    vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-

    terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-

    zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.

    Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas

    de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-

    thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-

    partements du Nord:  l´Escarpelle, Aniche, Anzin

    und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,

    sich einen Überblick über die in den beiden Departements

    an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-

    rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am

    Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut

    einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-

    tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-

    sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-

    mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-

    und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-

    belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der

    Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-

    heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge- 

    stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-

    nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,

    bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die

    Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt

    worden.   

       Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-

    krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front

    ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-

    unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer

    um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.

    Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-

    arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-

    anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-

    gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-

    ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-

    getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-

    gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche

    abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-

    mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der

    Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen

    Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden

    können. 

       Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten

    Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-

    bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder

    und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten

    Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-

    gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,

    die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-

    kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-

    verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon

    vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte

    den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-

    ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-

    deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-

    men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-

    räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-

    konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-

    öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-

    gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien

    erstrecken können.

    Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.

       Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die

    deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote

    an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse

    der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-

    richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.

    Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-

    unwürdige Behandlung. In der Note wird die

    Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,

    daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen

    Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben

    werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-

    tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen

    anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.

       Nach der anfänglich guten  Behandlung in amerikani-

    schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-

    zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen

    auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben 

    geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-

    gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-

    glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-

    beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-

    bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.


    Die Heimsendung der Schwerverwundeten.   

      Bern, 6. Oktober (Eigener Drahtbericht.) Der Berner

    Mitarbeiter des "Vorwärts" meldet, daß die Heimsendung

    der schwerverwundeten deutschen Kriegsgefangenen

    aus Frankreich, die am heutigen 6. Oktober beginnen

    sollte, von der französischen Regierung auf 15 Tage hin-

    ausgeschoben worden ist. Da diese Ankündigung ohne

    Angabe von Gründen erfolgt, muß angenommen werden,

    daß man es hier mit einer Druckmaßnahme zur Unter-

    stützung der französischen Forderung in der baltischen

    Angelegenheit zu tun hat.


     3.Spalte 

                                Sächsische Volkskammer.

    59. Sitzung vom Montag, 6. Oktober 1919, nachm. 4 Uhr.

                                                      Dresden, 6. Oktober 1919.

                                   (Eigener Drahtbericht.)

       Am Regierungstisch sind fast sämtliche Minister an-

    wesend. Die öffentlichen Tribünen sind stark überfüllt.

       Eingegangen sind zwei Schreiben des Abg. Dr. Koch

    (Deutsche Volksp.) und der Abg. Frau Geyer (Unabh.

    Soz.), worin sie die Niederlegung ihres Mandates anzeigen.

       Der Präsident begrüßt den neuen Abg. Berndt

    (Demokrat), der an Stelle des Abg. Dr. Kraft in die Kam-

    mer eingetreten ist.

                  Ministerpräsident Dr. Gradnauer

    erhält vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort zu einer

         Erklärung über die Regierungsumbildung,

    worin er u. a.  folgendes ausführt:    

       Bei der Wiederaufnahme Ihrer Verhandlungen bin ich

    in der Lage, Ihnen einige Mitteilungen über Veränderun-

    gen zu machen, die sich in jüngster Zeit in der Regierung

    unseres Landes vollzogen haben. Das Wesentliche dieser

    Mitteilungen ist allerdings bereits durch die Presse bekannt-

    gegeben worden. Vor allem ist an das Ausscheiden des

    Ministers Kirchhof zu erinnern. Durch die neue Reichs-

    verfassung ist das Heerwesen den Einzelstaaten entzogen

    und im ganzen Umfang auf das Reich übertragen worden.

    Damit hat sich auch das sächsische Kriegsministerium er-

    ledigt und der letzte Verwalter dieses Amtes, Herr Kirch-

    hof, ist ausgeschieden. Der Ministerpräsident dankt ihm für

    seine aufopfernde Arbeit. Eine weitere teilweise Umbildung

    der Regierung vollzieht sich, so fährt er fort, durch den Ein-

    tritt von Vertretern der Deutschen demokratischen Partei.

    Die beiden Minister Buck und Nitzsche haben unter Hin-

    weis auf die politischen Erfordernisse ihre Entlassung ge-

    nommen, und ich habe zwei Mitglieder der Deutschen demo-

    kratischen Partei in die Regierung berufen. Herrn

    Nitzschke-Lentzsch ins Finanzministerium und Herrn

    Dr. Seufert ins Kultusministerium. Die beiden Herren

    haben ihre Arbeitsgeschäfte bereits heute übernommen. Ich

    heiße sie auf der Regierungsbank aufs beste willkommen.

    Es ist bei den Beratungen über die Neubildung der Re-

    gierung auch die Frage der Zusammenlegung des

    Wirtschaftsministeriums und des Arbeits-

    ministeriums zur Erörterung gebracht worden. Gegen-

    wärtig läßt die starke Arbeitsbelastung beider Ministerien

    eine Zusammenlegung noch nicht zu, aber schon aus Spar-

    samkeitsgründen nimmt die Regierung in Aussicht, wenn

    irgend möglich, ihre Zusammenlegung bis zum 31.März

    1920 herbeizuführen. Der Ministerpräsident dankt den aus-

    scheidenden beiden Ministern aufs wärmste für ihre Arbeit 

    und fährt fort:

       Was nun die Umbildung der Regierung angeht,

    so lag deren Notwendigkeit seit langem klar zutage. So-

    wohl die demokratischen Grundsätze als auch die Lage des

    Landes haben sie erforderlich gemacht. durch die große

    Staatsumwälzung im November vorigen Jahres ist im

    Reich und in den Ländern die Selbstregierung des Volkes

    herbeigeführt worden. Das Volk bringt seine Ueberzeu-

    gung und seinen politische Willen durch seine auf Grund

    des demokratischen Wahlrechts selbst gewählten Parlamente

    zum Ausdruck. Das Parlament wiederum hat die Aufgabe,

    aus sich heraus zur Leitung der Staatsgeschäfte die Re-

    gierung zu bestellen. Das kann nur durch Mehrheitsbildung

    und durch Mehrheitsbeschluß geschehen. Hat nicht eine ein-

    zelne politische Partei für sich allein die Mehrheit, so müssen

    sich mehrere Parteien, die sich verhältnismäßig nahestehen,

    zusammen finden, um eine arbeitsfähige Regierung zu bil-

    den. Dies ist der einfache klare Grundgedanke der moder-

    nen Demokratie. Demgemäß hätte bei uns alsbald nach

    der Volkskammerwahl verfahren werden sollen. Meine per-

    sönliche Auffassung ging, wie sie sich erinnern wollen, von

    vornherein dahin, daß sämtliche Fraktionen, die auf 

    dem Boden der Revolution und der Demokratie stehen, sich

    zur Regierungsbildung zusammenschließen sollten, damit

    durch vereintes Bemühen unser Volk aus der Tiefe, in die

    es durch Krieg und Niederlage gestürzt wurde, wieder auf-

    gerichtet werden könne. Die Fraktion der Unab-

    hängigen aber hat es abgelehnt, mit den sogenannten

    bürgerlichen Demokraten zusammenzuarbeiten.  Mehr noch,

    sie haben auch die ihr von der sozialdemokratischen Fraktion

    dargebotene Friedenshand zurückgewiesen. Die

    sozialdemokratische Fraktion ist mit äußerster Geduld be-

    strebt gewesen, eine Einheitsfront der hinter beiden

    Fraktionen stehenden Arbeitermassen zustande zu

    bringen. Die Unabhängigen machten jedoch den Eintritt in

    die Regierung von Bedingungen abhängig, die für die so-

    zialdemokratische Fraktion eine unerträglich Vergewalti-

    gung bedeutet hätten. Die Unabhängigen tragen daher die

    Verantwortung dafür, daß die Einigung der Arbeiterschaft

    verhindert wurde. Sie tragen die Verantwortung

    dafür, daß die sozialdemokratische Fraktion sich nunmehr 

    an die anderen Parteien wenden und ein Zusammengehen

    aller mit der demokratischen Fraktion herbeiführen mußte,

    damit die erforderliche Mehrheitsbildung zustande kommen

    konnte. Unter diesen Umständen ist es erfreulich, daß die

    zwischen der demokratischen und der sozialdemokratischen

    Fraktion Ende voriger Woche unter meinem Vorsitz geführ-

    ten Besprechungen nunmehr schnell zu einem erfolgreichen

    Abschluß  geführt haben. Damit wird die Zeit eines unge-

    klärten und unhaltbaren Regierungszustandes beendigt.

    Voraussetzung dafür, daß zwei Fraktionen miteinander

    arbeiten können, ist, daß sie in ihren Anschauungen und An-


  • July 23, 2017 21:52:30 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

       Expedition:                        Organ für Volksinteresse.                                           Redaktion:

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    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

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     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

       Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

    bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

    Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

    Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

    Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

    ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

    Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

    sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

    tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

    den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

    men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

    noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

    Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

    möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

    Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

    gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

    stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

    tralheizungsanlage versehen werden.

       In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert

    für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die

    Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch

    hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.


     2. Spalte 

     Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs

       Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-

    digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-

    sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten

    Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-

    mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-

    ten fünf, der Gruppe 2  drei deutsche höhere Staats- und Pri-

    vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-

    terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-

    zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.

    Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas

    de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-

    thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-

    partements du Nord:  l´Escarpelle, Aniche, Anzin

    und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,

    sich einen Überblick über die in den beiden Departements

    an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-

    rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am

    Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut

    einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-

    tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-

    sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-

    mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-

    und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-

    belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der

    Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-

    heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge- 

    stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-

    nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,

    bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die

    Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt

    worden.   

       Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-

    krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front

    ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-

    unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer

    um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.

    Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-

    arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-

    anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-

    gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-

    ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-

    getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-

    gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche

    abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-

    mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der

    Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen

    Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden

    können. 

       Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten

    Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-

    bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder

    und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten

    Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-

    gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,

    die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-

    kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-

    verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon

    vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte

    den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-

    ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-

    deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-

    men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-

    räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-

    konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-

    öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-

    gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien

    erstrecken können.

    Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.

       Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die

    deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote

    an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse

    der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-

    richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.

    Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-

    unwürdige Behandlung. In der Note wird die

    Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,

    daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen

    Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben

    werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-

    tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen

    anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.

       Nach der anfänglich guten  Behandlung in amerikani-

    schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-

    zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen

    auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben 

    geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-

    gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-

    glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-

    beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-

    bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.


    Die Heimsendung der Schwerverwundeten.   

      Bern, 6. Oktober (Eigener Drahtbericht.) Der Berner

    Mitarbeiter des "Vorwärts" meldet, daß die Heimsendung

    der schwerverwundeten deutschen Kriegsgefangenen

    aus Frankreich, die am heutigen 6. Oktober beginnen

    sollte, von der französischen Regierung auf 15 Tage hin-

    ausgeschoben worden ist. Da diese Ankündigung ohne

    Angabe von Gründen erfolgt, muß angenommen werden,

    daß man es hier mit einer Druckmaßnahme zur Unter-

    stützung der französischen Forderung in der baltischen

    Angelegenheit zu tun hat.


                                Sächsische Volkskammer.

    59. Sitzung vom Montag, 6. Oktober 1919, nachm. 4 Uhr.

                                                      Dresden, 6. Oktober 1919.

                                   (Eigener Drahtbericht.)

       Am Regierungstisch sind fast sämtliche Minister an-

    wesend. Die öffentlichen Tribünen sind stark überfüllt.

       Eingegangen sind zwei Schreiben des Abg. Dr. Koch

    (Deutsche Volksp.) und der Abg. Frau Geyer (Unabh.

    Soz.), worin sie die Niederlegung ihres Mandates anzeigen.

       Der Präsident begrüßt den neuen Abg. Berndt

    (Demokrat), der an Stelle des Abg. Dr. Kraft in die Kam-

    mer eingetreten ist.

                  Ministerpräsident Dr. Gradnauer

    erhält vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort zu einer

         Erklärung über die Regierungsumbildung,

    worin er u. a.  folgendes ausführt:    

       Bei der Wiederaufnahme Ihrer Verhandlungen bin ich

    in der Lage, Ihnen einige Mitteilungen über Veränderun-

    gen zu machen, die sich in jüngster Zeit in der Regierung

    unseres Landes vollzogen haben. Das Wesentliche dieser

    Mitteilungen ist allerdings bereits durch die Presse bekannt-

    gegeben worden. Vor allem ist an das Ausscheiden des

    Ministers Kirchhof zu erinnern. Durch die neue Reichs-

    verfassung ist das Heerwesen den Einzelstaaten entzogen

    und im ganzen Umfang auf das Reich übertragen worden.

    Damit hat sich auch das sächsische Kriegsministerium er-

    ledigt und der letzte Verwalter dieses Amtes, Herr Kirch-

    hof, ist ausgeschieden. Der Ministerpräsident dankt ihm für

    seine aufopfernde Arbeit. Eine weitere teilweise Umbildung

    der Regierung vollzieht sich, so fährt er fort, durch den Ein-

    tritt von Vertretern der Deutschen demokratischen Partei.

    Die beiden Minister Buck und Nitzsche haben unter Hin-

    weis auf die politischen Erfordernisse ihre Entlassung ge-

    nommen, und ich habe zwei Mitglieder der Deutschen demo-

    kratischen Partei in die Regierung berufen. Herrn

    Nitzschke-Lentzsch ins Finanzministeriium und Herrn

    Dr. Seufert ins Kultusministerium. Die beiden Herren

    haben ihre Arbeitsgeschäfte bereits heute übernommen. Ich

    heiße sie auf der Regierungsbank aufs beste willkommen.

    Es ist bei den Beratungen über die Neubildung der Re-

    gierung auch die Frage der Zusammenlegung des

    Wirtschaftsministeriums und des Arbeits-

    ministeriums zur Erörterung gebracht worden. Gegen-

    wärtig läßt die starke Arbeitsbelastung beider Ministerien

    eine Zusammenlegung noch nicht zu, aber schon aus Spar-

    samkeitsgründen nimmt die Regierung in Aussicht, wenn

    irgend möglich, ihre Zusammenlegung bis zum 31.März

    1920 herbeizuführen. Der Ministerpräsident dankt den aus-

    scheidenden beiden Ministern aufs wärmste für ihre Arbeit 

    und fährt fort:

       Was nun die Umbildung der Regierung angeht,

    so lag deren Notwendigkeit seit langem klar zutage. So-

    wohl die demokratischen Grundsätze als auch die Lage des

    Landes haben sie erforderlich gemacht. durch die große

    Staatsumwälzung im November vorigen Jahres ist im

    Reich und in den Ländern die Selbstregierung des Volkes

    herbeigeführt worden. Das Volk bringt seine Ueberzeu-

    gung und seinen politische Willen durch seine auf Grund

    des demokratischen Wahlrechts selbst gewählten Parlamente

    zum Ausdruck. Das Parlament wiederum hat die Aufgabe,

    aus sich heraus zur Leitung der Staatsgeschäfte die Re-

    gierung zu bestellen. Das kann nur durch Mehrheitsbildung

    und durch Mehrheitsbeschluß geschehen. Hat nicht eine ein-

    zelne politische Partei für sich allein die Mehrheit, so müssen

    sich mehrere Parteien, die sich verhältnismäßig nahestehen,

    zusammen finden, um eine arbeitsfähige Regierung zu bil-

    den. Dies ist der einfache klare Grundgedanke der moder-

    nen Demokratie. Demgemäß hätte bei uns alsbald nach

    der Volkskammerwahl verfahren werden sollen. Meine per-

    sönliche Auffassung ging, wie sie sich erinnern wollen, von

    vornherein dahin, daß sämtliche Fraktionen, die auf 

    dem Boden der Revolution und der Demokratie stehen, sich

    zur Regierungsbildung zusammenschließen sollten, damit

    durch vereintes Bemühen unser Volk aus der Tiefe, in die

    es durch Krieg und Niederlage gestürzt wurde, wieder auf-

    gerichtet werden könne. Die Fraktion der Unab-

    hängigen aber hat es abgelehnt, mit den sogenannten

    bürgerlichen Demokraten zusammenzuarbeiten.  Mehr noch,

    sie haben auch die ihr von der sozialdemokratischen Fraktion

    dargebotene Friedenshand zurückgewiesen. Die

    sozialdemokratische Fraktion ist mit äußerster Geduld be-

    strebt gewesen, eine Einheitsfront der hinter beiden

    Fraktionen stehenden Arbeitermassen zustande zu

    bringen. Die Unabhängigen machten jedoch den Eintritt in

    die Regierung von Bedingungen abhängig, die für die so-

    zialdemokratische Fraktion eine unerträglich Vergewalti-

    gung bedeutet hätten. Die Unabhängigen tragen daher die

    Verantwortung dafür, daß die Einigung der Arbeiterschaft

    verhindert wurde. Sie tragen die Verantwortung

    dafür, daß die sozialdemokratische Fraktion sich nunmehr 

    an die anderen Parteien wenden und ein Zusammengehen

    aller mit der demokratischen Fraktion herbeiführen mußte,

    damit die erforderliche Mehrheitsbildung zustande kommen

    konnte. Unter diesen Umständen ist es erfreulich, daß die

    zwischen der demokratischen und der sozialdemokratischen

    Fraktion Ende voriger Woche unter meinem Vorsitz geführ-

    ten Besprechungen nunmehr schnell zu einem erfolgreichen

    Abschluß  geführt haben. Damit wird die Zeit eines unge-

    klärten und unhaltbaren Regierungszustandes beendigt.

    Voraussetzung dafür, daß zwei Fraktionen miteinander

    arbeiten können, ist, daß sie in ihren Anschauungen und An-



  • July 23, 2017 21:50:59 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

    ________________________________________________________________________________________________________________


                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

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    ________________________________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

       Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

    bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

    Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

    Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

    Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

    ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

    Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

    sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

    tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

    den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

    men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

    noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

    Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

    möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

    Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

    gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

    stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

    tralheizungsanlage versehen werden.

       In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert

    für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die

    Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch

    hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.


     2. Spalte 

     Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs

       Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-

    digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-

    sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten

    Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-

    mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-

    ten fünf, der Gruppe 2  drei deutsche höhere Staats- und Pri-

    vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-

    terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-

    zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.

    Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas

    de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-

    thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-

    partements du Nord:  l´Escarpelle, Aniche, Anzin

    und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,

    sich einen Überblick über die in den beiden Departements

    an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-

    rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am

    Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut

    einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-

    tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-

    sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-

    mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-

    und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-

    belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der

    Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-

    heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge- 

    stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-

    nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,

    bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die

    Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt

    worden.   

       Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-

    krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front

    ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-

    unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer

    um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.

    Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-

    arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-

    anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-

    gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-

    ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-

    getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-

    gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche

    abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-

    mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der

    Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen

    Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden

    können. 

       Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten

    Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-

    bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder

    und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten

    Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-

    gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,

    die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-

    kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-

    verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon

    vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte

    den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-

    ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-

    deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-

    men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-

    räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-

    konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-

    öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-

    gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien

    erstrecken können.

    Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.

       Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die

    deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote

    an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse

    der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-

    richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.

    Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-

    unwürdige Behandlung. In der Note wird die

    Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,

    daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen

    Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben

    werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-

    tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen

    anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.

       Nach der anfänglich guten  Behandlung in amerikani-

    schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-

    zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen

    auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben 

    geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-

    gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-

    glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-

    beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-

    bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.


    Die Heimsendung der Schwerverwundeten.   

      Bern, 6. Oktober (Eigener Drahtbericht.) Der Berner

    Mitarbeiter des "Vorwärts" meldet, daß die Heimsendung

    der schwerverwundeten deutschen Kriegsgefangenen

    aus Frankreich, die am heutigen 6. Oktober beginnen

    sollte, von der französischen Regierung auf 15 Tage hin-

    ausgeschoben worden ist. Da diese Ankündigung ohne

    Angabe von Gründen erfolgt, muß angenommen werden,

    daß man es hier mit einer Druckmaßnahme zur Unter-

    stützung der französischen Forderung in der baltischen

    Angelegenheit zu tun hat.


                                Sächsische Volkskammer.

    59. Sitzung vom Montag, 6. Oktober 1919, nachm. 4 Uhr.

                                                      Dresden, 6. Oktober 1919.

                                   (Eigener Drahtbericht.)

       Am Regierungstisch sind fast sämtliche Minister an-

    wesend. Die öffentlichen Tribünen sind stark überfüllt.

       Eingegangen sind zwei Schreiben des Abg. Dr. Koch

    (Deutsche Volksp.) und der Abg. Frau Geyer (Unabh.

    Soz.), worin sie die Niederlegung ihres Mandates anzeigen.

       Der Präsident begrüßt den neuen Abg. Berndt

    (Demokrat), der an Stelle des Abg. Dr. Kraft in die Kam-

    mer eingetreten ist.

                  Ministerpräsident Dr. Gradnauer

    erhält vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort zu einer

         Erklärung über die Regierungsumbildung,

    worin er u. a.  folgendes ausführt:    

       Bei der Wiederaufnahme Ihrer Verhandlungen bin ich

    in der Lage, Ihnen einige Mitteilungen über Veränderun-

    gen zu machen, die sich in jüngster Zeit in der Regierung

    unseres Landes vollzogen haben. Das Wesentliche dieser

    Mitteilungen ist allerdings bereits durch die Presse bekannt-

    gegeben worden. Vor allem ist an das Ausscheiden des

    Ministers Kirchhof zu erinnern. Durch die neue Reichs-

    verfassung ist das Heerwesen den Einzelstaaten entzogen

    und im ganzen Umfang auf das Reich übertragen worden.

    Damit hat sich auch das sächsische Kriegsministerium er-

    ledigt und der letzte Verwalter dieses Amtes, Herr Kirch-

    hof, ist ausgeschieden. Der Ministerpräsident dankt ihm für

    seine aufopfernde Arbeit. Eine weitere teilweise Umbildung

    der Regierung vollzieht sich, so fährt er fort, durch den Ein-

    tritt von Vertretern der Deutschen demokratischen Partei.

    Die beiden Minister Buck und Nitzsche haben unter Hin-

    weis auf die politischen Erfordernisse ihre Entlassung ge-

    nommen, und ich habe zwei Mitglieder der Deutschen demo-

    kratischen Partei in die Regierung berufen. Herrn

    Nitzschke-Lentzsch ins Finanzministeriium und Herrn

    Dr. Seufert ins Kultusministerium. Die beiden Herren

    haben ihre Arbeitsgeschäfte bereits heute übernommen. Ich

    heiße sie auf der Regierungsbank aufs beste willkommen.

    Es ist bei den Beratungen über die Neubildung der Re-

    gierung auch die Frage der Zusammenlegung des

    Wirtschaftsministeriums und des Arbeits-

    ministeriums zur Erörterung gebracht worden. Gegen-

    wärtig läßt die starke Arbeitsbelastung beider Ministerien

    eine Zusammenlegung noch nicht zu, aber schon aus Spar-

    samkeitsgründen nimmt die Regierung in Aussicht, wenn

    irgend möglich, ihre Zusammenlegung bis zum 31.März

    1920 herbeizuführen. Der Ministerpräsident dankt den aus-

    scheidenden beiden Ministern aufs wärmste für ihre Arbeit 

    und fährt fort:

       Was nun die Umbildung der Regierung angeht,

    so lag deren Notwendigkeit seit langem klar zutage. So-

    wohl die demokratischen Grundsätze als auch die Lage des

    Landes haben sie erforderlich gemacht. durch die große

    Staatsumwälzung im November vorigen Jahres ist im

    Reich und in den Ländern die Selbstregierung des Volkes

    herbeigeführt worden. Das Volk bringt seine Ueberzeu-

    gung und seinen politische Willen durch seine auf Grund

    des demokratischen Wahlrechts selbst gewählten Parlamente

    zum Ausdruck. Das Parlament wiederum hat die Aufgabe,

    aus sich heraus zur Leitung der Staatsgeschäfte die Re-

    gierung zu bestellen. Das kann nur durch Mehrheitsbildung

    und durch Mehrheitsbeschluß geschehen. Hat nicht eine ein-

    zelne politische Partei für sich allein die Mehrheit, so müssen

    sich mehrere Parteien, die sich verhältnismäßig nahestehen,

    zusammen finden, um eine arbeitsfähige Regierung zu bil-

    den. Dies ist der einfache klare Grundgedanke der moder-

    nen Demokratie. Demgemäß hätte bei uns alsbald nach

    der Volkskammerwahl verfahren werden sollen. Meine per-

    sönliche Auffassung ging, wie sie sich erinnern wollen, von

    vornherein dahin, daß sämtliche Fraktionen, die auf 

    dem Boden der Revolution und der Demokratie stehen, sich

    zur Regierungsbildung zusammenschließen sollten, damit

    durch vereintes Bemühen unser Volk aus der Tiefe, in die

    es durch Krieg und Niederlage gestürzt wurde, wieder auf-

    gerichtet werden könne. Die Fraktion der Unab-

    hängigen aber hat es abgelehnt, mit den sogenannten

    bürgerlichen Demokraten zusammenzuarbeiten.  Mehr noch,

    sie haben auch die ihr von der sozialdemokratischen Fraktion

    dargebotene Friedenshand zurückgewiesen. Die

    sozialdemokratische Fraktion ist mit äußerster Geduld be-

    strebt gewesen, eine Einheitsfront der hinter beiden

    Fraktionen stehenden Arbeitermassen zustande zu

    bringen. Die Unabhängigen machten jedoch den Eintritt in

    die Regierung von Bedingungen abhängig, die für die so-

    zialdemokratische Fraktion eine unerträglich Vergewalti-

    gung bedeutet hätten. Die Unabhängigen tragen daher die

    Verantwortung dafür, daß die Einigung der Arbeiterschaft

    verhindert wurde. Sie tragen die Verantwortung

    dafür, daß die sozialdemokratische Fraktion sich nunmehr 

    an die anderen Parteien wenden und ein Zusammengehen

    aller mit der demokratischen Fraktion herbeiführen mußte,

    damit die erforderliche Mehrheitsbildung zustande kommen

    konnte. Unter diesen Umständen ist es erfreulich, daß die

    zwischen der demokratischen und der sozialdemokratischen

    Fraktion Ende voriger Woche unter meinem Vorsitz geführ-

    ten Besprechungen nunmehr schnell zu einem erfolgreichen

    Abschluß  geführt haben. Damit wird die Zeit eines unge-

    klärten und unhaltbaren Regierungszustndes beendigt.

    Voraussetzung dafür, daß zwei Fraktionen miteinander

    arbeiten können, ist, daß sie in ihren Anschauungen und An-



  • July 23, 2017 21:17:10 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

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    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

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    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

    ________________________________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

       Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

    bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

    Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

    Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

    Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

    ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

    Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

    sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

    tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

    den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

    men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

    noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

    Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

    möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

    Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

    gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

    stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

    tralheizungsanlage versehen werden.

       In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert

    für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die

    Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch

    hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.


     2. Spalte 

     Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs

       Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-

    digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-

    sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten

    Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-

    mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-

    ten fünf, der Gruppe 2  drei deutsche höhere Staats- und Pri-

    vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-

    terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-

    zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.

    Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas

    de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-

    thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-

    partements du Nord:  l´Escarpelle, Aniche, Anzin

    und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,

    sich einen Überblick über die in den beiden Departements

    an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-

    rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am

    Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut

    einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-

    tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-

    sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-

    mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-

    und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-

    belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der

    Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-

    heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge- 

    stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-

    nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,

    bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die

    Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt

    worden.   

       Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-

    krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front

    ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-

    unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer

    um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.

    Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-

    arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-

    anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-

    gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-

    ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-

    getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-

    gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche

    abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-

    mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der

    Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen

    Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden

    können. 

       Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten

    Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-

    bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder

    und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten

    Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-

    gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,

    die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-

    kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-

    verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon

    vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte

    den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-

    ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-

    deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-

    men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-

    räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-

    konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-

    öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-

    gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien

    erstrecken können.

    Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.

       Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die

    deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote

    an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse

    der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-

    richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.

    Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-

    unwürdige Behandlung. In der Note wird die

    Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,

    daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen

    Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben

    werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-

    tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen

    anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.

       Nach der anfänglich guten  Behandlung in amerikani-

    schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-

    zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen

    auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben 

    geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-

    gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-

    glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-

    beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-

    bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.


    Die Heimsendung der Schwerverwundeten.   

      Bern, 6. Oktober (Eigener Drahtbericht.) Der Berner

    Mitarbeiter des "Vorwärts" meldet, daß die Heimsendung

    der schwerverwundeten deutschen Kriegsgefangenen

    aus Frankreich, die am heutigen 6. Oktober beginnen

    sollte, von der französischen Regierung auf 15 Tage hin-

    ausgeschoben worden ist. Da diese Ankündigung ohne

    Angabe von Gründen erfolgt, muß angenommen werden,

    daß man es hier mit einer Druckmaßnahme zur Unter-

    stützung der französischen Forderung in der baltischen

    Angelegenheit zu tun hat.


                                Sächsische Volkskammer.

    59. Sitzung vom Montag, 6. Oktober 1919, nachm. 4 Uhr.

                                                      Dresden, 6. Oktober 1919.

                                   (Eigener Drahtbericht.)

       Am Regierungstisch sind fast sämtliche Minister an-

    wesend. Die öffentlichen Tribünen sind stark überfüllt.

       Eingegangen sind zwei Schreiben des Abg. Dr. Koch

    (Deutsche Volksp.) und der Abg. Frau Geyer (Unabh.

    Soz.), worin sie die Niederlegung ihres Mandates anzeigen.

       Der Präsident begrüßt den neuen Abg. Berndt

    (Demokrat), der an Stelle des Abg. Dr. Kraft in die Kam-

    mer eingetreten ist.

                  Ministerpräsident Dr. Gradnauer

    erhält vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort zu einer

         Erklärung über die Regierungsumbildung,

    worin er u. a.  folgendes ausführt:    

       Bei der Wiederaufnahme Ihrer Verhandlungen bin ich

    in der Lage, Ihnen einige Mitteilungen über Veränderun-

    gen zu machen, die sich in jüngster Zeit in der Regierung

    unseres Landes vollzogen haben. Das Wesentliche dieser

    Mitteilungen ist allerdings bereits durch die Presse bekannt-

    gegeben worden. Vor allem ist an das Ausscheiden des

    Ministers Kirchhof zu erinnern. Durch die neue Reichs-

    verfassung ist das Heerwesen den Einzelstaaten entzogen

    und im ganzen Umfang auf das Reich übertragen worden.

    Damit hat sich auch das sächsische Kriegsministerium er-

    ledigt und der letzte Verwalter dieses Amtes, Herr Kirch-

    hof, ist ausgeschieden. Der Ministerpräsident dankt ihm für

    seine aufopfernde Arbeit. Eine weitere teilweise Umbildung

    der Regierung vollzieht sich, so fährt er fort, durch den Ein-

    tritt von Vertretern der Deutschen demokratischen Partei.

    Die beiden Minister Buck und Nitzsche haben unter Hin-

    weis auf die politischen Erfordernisse ihre Entlassung ge-

    nommen, und ich habe zwei Mitglieder der Deutschen demo-

    kratischen Partei in die Regierung berufen. Herrn

    Nitzschke-Lentzsch ins Finanzministeriium und Herrn

    Dr. Seufert ins Kultusministerium. Die beiden Herren

    haben ihre Arbeitsgeschäfte bereits heute übernommen. Ich

    heiße sie auf der Regierungsbank aufs beste willkommen.

    Es ist bei den Beratungen über die Neubildung der Re-

    gierung auch die Frage der Zusammenlegung des

    Wirtschaftsministeriums und des Arbeits-

    ministeriums zur Erörterung gebracht worden. Gegen-

    wärtig läßt die starke Arbeitsbelastung beider Ministerien

    eine Zusammenlegung noch nicht zu, aber schon aus Spar-

    samkeitsgründen nimmt die Regierung in Aussicht, wenn

    irgend möglich, ihre Zusammenlegung bis zum 31.März

    1920 herbeizuführen. Der Ministerpräsident dankt den aus-

    scheidenden beiden Ministern aufs wärmste für ihre Arbeit 

    und fährt fort:



  • July 23, 2017 20:55:08 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

    ________________________________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

       Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

    bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

    Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

    Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

    Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

    ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

    Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

    sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

    tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

    den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

    men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

    noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

    Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

    möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

    Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

    gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

    stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

    tralheizungsanlage versehen werden.

       In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert

    für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die

    Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch

    hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.


     2. Spalte 

     Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs

       Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-

    digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-

    sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten

    Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-

    mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-

    ten fünf, der Gruppe 2  drei deutsche höhere Staats- und Pri-

    vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-

    terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-

    zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.

    Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas

    de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-

    thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-

    partements du Nord:  l´Escarpelle, Aniche, Anzin

    und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,

    sich einen Überblick über die in den beiden Departements

    an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-

    rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am

    Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut

    einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-

    tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-

    sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-

    mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-

    und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-

    belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der

    Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-

    heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge- 

    stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-

    nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,

    bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die

    Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt

    worden.   

       Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-

    krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front

    ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-

    unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer

    um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.

    Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-

    arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-

    anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-

    gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-

    ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-

    getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-

    gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche

    abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-

    mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der

    Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen

    Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden

    können. 

       Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten

    Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-

    bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder

    und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten

    Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-

    gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,

    die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-

    kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-

    verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon

    vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte

    den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-

    ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-

    deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-

    men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-

    räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-

    konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-

    öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-

    gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien

    erstrecken können.

    Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.

       Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die

    deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote

    an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse

    der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-

    richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.

    Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-

    unwürdige Behandlung. In der Note wird die

    Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,

    daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen

    Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben

    werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-

    tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen

    anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.

       Nach der anfänglich guten  Behandlung in amerikani-

    schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-

    zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen

    auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben 

    geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-

    gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-

    glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-

    beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-

    bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.


    Die Heimsendung der Schwerverwundeten.   

      Bern, 6. Oktober (Eigener Drahtbericht.) Der Berner

    Mitarbeiter des "Vorwärts" meldet, daß die Heimsendung

    der schwerverwundeten deutschen Kriegsgefangenen

    aus Frankreich, die am heutigen 6. Oktober beginnen

    sollte, von der französischen Regierung auf 15 Tage hin-

    ausgeschoben worden ist. Da diese Ankündigung ohne

    Angabe von Gründen erfolgt, muß angenommen werden,

    daß man es hier mit einer Druckmaßnahme zur Unter-

    stützung der französischen Forderung in der baltischen

    Angelegenheit zu tun hat.


                                Sächsische Volkskammer.

    59. Sitzung vom Montag, 6. Oktober 1919, nachm. 4 Uhr.

                                                      Dresden, 6. Oktober 1919.

                                   (Eigener Drahtbericht.)

       Am Regierungstisch sind fast sämtliche Minister an-

    wesend. Die öffentlichen Tribünen sind stark überfüllt.

       Eingegangen sind zwei Schreiben des Abg. Dr. Koch

    (Deutsche Volksp.) und der Abg. Frau Geyer (Unabh.

    Soz.), worin sie die Niederlegung ihres Mandates anzeigen.

       Der Präsident begrüßt den neuen Abg. Berndt

    (Demokrat), der an Stelle des Abg. Dr. Kraft in die Kam-

    mer eingetreten ist.



  • July 23, 2017 20:46:32 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

    ________________________________________________________________________________________________________________


                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

       Expedition:                        Organ für Volksinteresse.                                           Redaktion:

    Fernsprecher 8.                                                                                                         Fernsprecher 129.

    ________________________________________________________________________________________________________________

    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

    ________________________________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

       Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

    bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

    Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

    Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

    Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

    ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

    Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

    sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

    tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

    den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

    men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

    noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

    Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

    möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

    Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

    gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

    stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

    tralheizungsanlage versehen werden.

       In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert

    für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die

    Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch

    hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.


     2. Spalte 

     Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs

       Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-

    digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-

    sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten

    Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-

    mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-

    ten fünf, der Gruppe 2  drei deutsche höhere Staats- und Pri-

    vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-

    terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-

    zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.

    Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas

    de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-

    thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-

    partements du Nord:  l´Escarpelle, Aniche, Anzin

    und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,

    sich einen Überblick über die in den beiden Departements

    an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-

    rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am

    Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut

    einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-

    tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-

    sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-

    mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-

    und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-

    belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der

    Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-

    heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge- 

    stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-

    nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,

    bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die

    Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt

    worden.   

       Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-

    krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front

    ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-

    unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer

    um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.

    Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-

    arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-

    anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-

    gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-

    ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-

    getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-

    gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche

    abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-

    mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der

    Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen

    Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden

    können. 

       Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten

    Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-

    bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder

    und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten

    Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-

    gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,

    die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-

    kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-

    verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon

    vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte

    den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-

    ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-

    deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-

    men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-

    räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-

    konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-

    öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-

    gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien

    erstrecken können.

    Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.

       Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die

    deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote

    an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse

    der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-

    richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.

    Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-

    unwürdige Behandlung. In der Note wird die

    Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,

    daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen

    Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben

    werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-

    tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen

    anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.

       Nach der anfänglich guten  Behandlung in amerikani-

    schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-

    zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen

    auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben 

    geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-

    gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-

    glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-

    beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-

    bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.


    Die Heimsendung der Schwerverwundeten.   

      Bern, 6. Oktober (Eigener Drahtbericht.) Der Berner

    Mitarbeiter des "Vorwärts" meldet, daß die Heimsendung

    der schwerverwundeten deutschen Kriegsgefangenen

    aus Frankreich, die am heutigen 6. Oktober beginnen

    sollte, von der französischen Regierung auf 15 Tage hin-

    ausgeschoben worden ist. Da diese Ankündigung ohne

    Angabe von Gründen erfolgt, muß angenommen werden,

    daß man es hier mit einer Druckmaßnahme zur Unter-

    stützung der französischen Forderung in der baltischen

    Angelegenheit zu tun hat.


                                Sächsische Volkskammer.

    59. Sitzung vom Montag, 6. Oktober 1919, nachm. 4 Uhr.

                                                      Dresden, 6. Oktober 1919.

                                   (Eigener Drahtbericht.)


  • July 23, 2017 20:43:58 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

    ________________________________________________________________________________________________________________


                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

       Expedition:                        Organ für Volksinteresse.                                           Redaktion:

    Fernsprecher 8.                                                                                                         Fernsprecher 129.

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    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

    ________________________________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

       Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

    bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

    Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

    Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

    Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

    ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

    Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

    sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

    tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

    den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

    men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

    noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

    Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

    möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

    Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

    gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

    stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

    tralheizungsanlage versehen werden.

       In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert

    für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die

    Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch

    hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.


     2. Spalte 

     Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs

       Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-

    digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-

    sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten

    Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-

    mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-

    ten fünf, der Gruppe 2  drei deutsche höhere Staats- und Pri-

    vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-

    terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-

    zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.

    Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas

    de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-

    thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-

    partements du Nord:  l´Escarpelle, Aniche, Anzin

    und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,

    sich einen Überblick über die in den beiden Departements

    an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-

    rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am

    Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut

    einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-

    tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-

    sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-

    mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-

    und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-

    belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der

    Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-

    heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge- 

    stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-

    nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,

    bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die

    Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt

    worden.   

       Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-

    krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front

    ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-

    unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer

    um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.

    Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-

    arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-

    anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-

    gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-

    ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-

    getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-

    gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche

    abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-

    mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der

    Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen

    Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden

    können. 

       Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten

    Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-

    bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder

    und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten

    Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-

    gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,

    die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-

    kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-

    verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon

    vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte

    den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-

    ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-

    deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-

    men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-

    räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-

    konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-

    öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-

    gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien

    erstrecken können.

    Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.

       Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die

    deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote

    an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse

    der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-

    richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.

    Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-

    unwürdige Behandlung. In der Note wird die

    Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,

    daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen

    Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben

    werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-

    tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen

    anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.

       Nach der anfänglich guten  Behandlung in amerikani-

    schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-

    zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen

    auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben 

    geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-

    gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-

    glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-

    beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-

    bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.


    Die Heimsendung der Schwerverwundeten.   

      Bern, 6. Oktober (Eigener Drahtbericht.) Der Berner

    Mitarbeiter des "Vorwärts" meldet, daß die Heimsendung

    der schwerverwundeten deutschen Kriegsgefangenen

    aus Frankreich, die am heutigen 6. Oktober beginnen

    sollte, von der französischen Regierung auf 15 Tage hin-

    ausgeschoben worden ist. Da diese Ankündigung ohne

    Angabe von Gründen erfolgt, muß angenommen werden,

    daß man es hier mit einer Druckmaßnahme zur Unter-

    stützung der französischen Forderung in der baltischen

    Angelegenheit zu tun hat.


  • July 23, 2017 20:35:17 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

       Expedition:                        Organ für Volksinteresse.                                           Redaktion:

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    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

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     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

       Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

    bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

    Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

    Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

    Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

    ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

    Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

    sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

    tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

    den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

    men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

    noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

    Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

    möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

    Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

    gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

    stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

    tralheizungsanlage versehen werden.

       In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert

    für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die

    Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch

    hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.


     2. Spalte 

    Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs

       Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-

    digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-

    sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten

    Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-

    mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-

    ten fünf, der Gruppe 2  drei deutsche höhere Staats- und Pri-

    vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-

    terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-

    zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.

    Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas

    de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-

    thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-

    partements du Nord:  l´Escarpelle, Aniche, Anzin

    und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,

    sich einen Überblick über die in den beiden Departements

    an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-

    rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am

    Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut

    einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-

    tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-

    sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-

    mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-

    und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-

    belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der

    Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-

    heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge- 

    stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-

    nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,

    bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die

    Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt

    worden.   

       Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-

    krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front

    ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-

    unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer

    um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.

    Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-

    arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-

    anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-

    gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-

    ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-

    getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-

    gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche

    abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-

    mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der

    Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen

    Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden

    können. 

       Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten

    Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-

    bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder

    und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten

    Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-

    gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,

    die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-

    kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-

    verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon

    vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte

    den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-

    ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-

    deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-

    men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-

    räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-

    konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-

    öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-

    gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien

    erstrecken können.


    Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.

       Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die

    deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote

    an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse

    der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-

    richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.

    Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-

    unwürdige Behandlung. In der Note wird die

    Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,

    daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen

    Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben

    werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-

    tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen

    anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.

       Nach der anfänglich guten  Behandlung in amerikani-

    schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-

    zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen

    auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben 

    geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-

    gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-

    glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-

    beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-

    bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.


  • July 23, 2017 20:34:13 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

    ________________________________________________________________________________________________________________


                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

       Expedition:                        Organ für Volksinteresse.                                           Redaktion:

    Fernsprecher 8.                                                                                                         Fernsprecher 129.

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    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

    ________________________________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

       Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

    bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

    Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

    Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

    Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

    ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

    Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

    sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

    tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

    den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

    men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

    noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

    Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

    möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

    Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

    gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

    stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

    tralheizungsanlage versehen werden.

       In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert

    für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die

    Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch

    hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.


     2. Spalte 

    Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs

       Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-

    digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-

    sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten

    Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-

    mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-

    ten fünf, der Gruppe 2  drei deutsche höhere Staats- und Pri-

    vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-

    terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-

    zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.

    Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas

    de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-

    thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-

    partements du Nord:  l´Escarpelle, Aniche, Anzin

    und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,

    sich einen Überblick über die in den beiden Departements

    an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-

    rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am

    Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut

    einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-

    tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-

    sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-

    mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-

    und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-

    belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der

    Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-

    heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge- 

    stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-

    nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,

    bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die

    Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt

    worden.   

       Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-

    krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front

    ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-

    unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer

    um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.

    Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-

    arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-

    anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-

    gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-

    ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-

    getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-

    gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche

    abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-

    mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der

    Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen

    Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden

    können. 

       Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten

    Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-

    bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder

    und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten

    Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-

    gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,

    die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-

    kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-

    verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon

    vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte

    den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-

    ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-

    deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-

    men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-

    räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-

    konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-

    öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-

    gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien

    erstrecken können.


    Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.

       Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die

    deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote

    an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse

    der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-

    richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.

    Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-

    unwürdige Behandlung. In der Note wird die

    Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,

    daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen

    Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben

    werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-

    tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen

    anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.

       Nach der anfänglich guten  Behandlung in amerikani-

    schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-

    zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen

    auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben 

    geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-

    gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-

    glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-

    beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-

    bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.


  • July 23, 2017 20:29:48 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

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    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

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     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

       Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

    bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

    Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

    Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

    Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

    ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

    Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

    sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

    tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

    den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

    men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

    noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

    Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

    möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

    Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

    gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

    stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

    tralheizungsanlage versehen werden.

       In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert

    für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die

    Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch

    hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.


     2. Spalte 

    Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs

       Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-

    digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-

    sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten

    Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-

    mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-

    ten fünf, der Gruppe 2  drei deutsche höhere Staats- und Pri-

    vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-

    terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-

    zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.

    Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas

    de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-

    thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-

    partements du Nord:  l´Escarpelle, Aniche, Anzin

    und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,

    sich einen Überblick über die in den beiden Departements

    an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-

    rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am

    Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut

    einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-

    tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-

    sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-

    mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-

    und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-

    belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der

    Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-

    heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge- 

    stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-

    nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,

    bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die

    Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt

    worden.   

       Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-

    krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front

    ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-

    unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer

    um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.

    Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-

    arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-

    anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-

    gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-

    ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-

    getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-

    gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche

    abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-

    mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der

    Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen

    Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden

    können. 

       Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten

    Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-

    bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder

    und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten

    Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-

    gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,

    die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-

    kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-

    verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon

    vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte

    den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-

    ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-

    deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-

    men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-

    räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-

    konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-

    öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-

    gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien

    erstrecken können.


    Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.

       Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die

    deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote

    an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse

    der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-

    richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.

    Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-

    unwürdige Behandlung. In der Note wird die

    Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,

    daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen

    Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben

    werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-

    tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen

    anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.


  • July 23, 2017 20:29:18 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

       Expedition:                        Organ für Volksinteresse.                                           Redaktion:

    Fernsprecher 8.                                                                                                         Fernsprecher 129.

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    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

    ________________________________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

       Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

    bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

    Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

    Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

    Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

    ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

    Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

    sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

    tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

    den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

    men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

    noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

    Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

    möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

    Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

    gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

    stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

    tralheizungsanlage versehen werden.

       In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert

    für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die

    Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch

    hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.


     2. Spalte 

    Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs

       Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-

    digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-

    sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten

    Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-

    mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-

    ten fünf, der Gruppe 2  drei deutsche höhere Staats- und Pri-

    vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-

    terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-

    zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.

    Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas

    de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-

    thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-

    partements du Nord:  l´Escarpelle, Aniche, Anzin

    und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,

    sich einen Überblick über die in den beiden Departements

    an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-

    rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am

    Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut

    einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-

    tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-

    sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-

    mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-

    und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-

    belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der

    Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-

    heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge- 

    stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-

    nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,

    bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die

    Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt

    worden.   

       Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-

    krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front

    ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-

    unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer

    um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.

    Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-

    arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-

    anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-

    gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-

    ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-

    getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-

    gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche

    abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-

    mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der

    Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen

    Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden

    können. 

       Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten

    Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-

    bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder

    und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten

    Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-

    gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,

    die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-

    kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-

    verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon

    vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte

    den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-

    ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-

    deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-

    men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-

    räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-

    konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-

    öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-

    gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien

    erstrecken können.


    Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.

       Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die

    deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote

    an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse

    der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-

    richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.

    Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-

    unwürdige Behandlung. In der Note wird die

    Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,

    daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen

    Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben

    werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-

    tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen

    anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.


  • July 23, 2017 20:21:20 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

    ________________________________________________________________________________________________________________


                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

       Expedition:                        Organ für Volksinteresse.                                           Redaktion:

    Fernsprecher 8.                                                                                                         Fernsprecher 129.

    ________________________________________________________________________________________________________________

    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

    ________________________________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

       Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

    bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

    Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

    Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

    Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

    ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

    Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

    sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

    tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

    den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

    men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

    noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

    Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

    möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

    Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

    gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

    stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

    tralheizungsanlage versehen werden.

       In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert

    für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die

    Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch

    hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.


     2. Spalte 

    Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs

       Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-

    digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-

    sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten

    Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-

    mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-

    ten fünf, der Gruppe 2  drei deutsche höhere Staats- und Pri-

    vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-

    terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-

    zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.

    Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas

    de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-

    thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-

    partements du Nord:  l´Escarpelle, Aniche, Anzin

    und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,

    sich einen Überblick über die in den beiden Departements

    an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-

    rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am

    Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut

    einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-

    tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-

    sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-

    mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-

    und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-

    belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der

    Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-

    heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge- 

    stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-

    nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,

    bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die

    Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt

    worden.   

       Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-

    krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front

    ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-

    unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer

    um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.

    Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-

    arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-

    anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-

    gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-

    ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-

    getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-

    gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche

    abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-

    mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der

    Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen

    Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden

    können. 

       Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten

    Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-

    bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder

    und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten

    Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-

    gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,

    die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-

    kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-

    verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon

    vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte

    den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-

    ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-

    deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-

    men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-

    räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-

    konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-

    öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-

    gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien

    erstrecken können.




  • July 23, 2017 20:07:26 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

       Expedition:                        Organ für Volksinteresse.                                           Redaktion:

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    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

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     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

       Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

    bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

    Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

    Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

    Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

    ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

    Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

    sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

    tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

    den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

    men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

    noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

    Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

    möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

    Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

    gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

    stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

    tralheizungsanlage versehen werden.

       In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert

    für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die

    Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch

    hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.


     2. Spalte 

    Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs

       Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-

    digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-

    sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten

    Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-

    mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-

    ten fünf, der Gruppe 2  drei deutsche höhere Staats- und Pri-

    vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-

    terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-

    zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.

    Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas

    de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-

    thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-

    partements du Nord:  l´Escarpelle, Aniche, Anzin

    und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,

    sich einen Überblick über die in den beiden Departements

    an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-

    rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am

    Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut

    einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-

    tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-

    sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-

    mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-

    und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-

    belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der

    Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-

    heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge- 

    stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-

    nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,

    bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die

    Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt

    worden.   

       Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-

    krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front

    ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-

    unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer

    um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.

    Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-

    arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-

    anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-

    gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-

    ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-

    getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-

    gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche

    abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-

    mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der

    Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen

    Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden

    können. 



  • July 23, 2017 19:58:21 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

    ________________________________________________________________________________________________________________


                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

       Expedition:                        Organ für Volksinteresse.                                           Redaktion:

    Fernsprecher 8.                                                                                                         Fernsprecher 129.

    ________________________________________________________________________________________________________________

    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

    ________________________________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

       Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

    bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

    Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

    Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

    Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

    ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

    Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

    sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

    tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

    den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

    men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

    noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

    Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

    möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

    Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

    gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

    stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

    tralheizungsanlage versehen werden.

       In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert

    für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die

    Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch

    hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.


     2. Spalte 

    Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs

       Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-

    digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-

    sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten

    Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-

    mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-

    ten fünf, der Gruppe 2  drei deutsche höhere Staats- und Pri-

    vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-

    terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-

    zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.

    Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas

    de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-

    thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-

    partements du Nord:  l´Escarpelle, Aniche, Anzin

    und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,

    sich einen Überblick über die in den beiden Departements

    an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-

    rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am

    Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut

    einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-

    tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-

    sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-

    mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-

    und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-

    belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der

    Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-

    heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge- 

    stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-

    nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,

    bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die

    Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt

    worden.


  • July 22, 2017 14:03:02 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

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    ________________________________________________________________________________________________________________

    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

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     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

       Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

    bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

    Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

    Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

    Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

    ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

    Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

    sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

    tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

    den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

    men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

    noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

    Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

    möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

    Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

    gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

    stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

    tralheizungsanlage versehen werden.

       In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert

    für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die

    Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch

    hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.


  • July 22, 2017 14:00:40 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

    ________________________________________________________________________________________________________________


                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

       Expedition:                        Organ für Volksinteresse.                                           Redaktion:

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    ________________________________________________________________________________________________________________

    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

    ________________________________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom  Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.

       Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-

    bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der

    Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die

    Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser

    Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um

    ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der

    Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-

    sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-

    tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-

    den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-

    men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese

    noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der

    Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-

    möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den

    Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos

    gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-

    stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-

    tralheizungsanlage versehen werden.


  • July 22, 2017 13:48:21 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

    ________________________________________________________________________________________________________________


                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

       Expedition:                        Organ für Volksinteresse.                                           Redaktion:

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    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

    ________________________________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.


  • July 22, 2017 13:46:47 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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    ________________________________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.

       Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der

    Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-

    lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag

    reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-

    naten hierfür  vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch

    genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war

    trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der

    Satz von 35 Millionen Mark für den Monat

    ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn

    nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl  Besatzungs-

    truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung

    auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das

    halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.


  • July 22, 2017 13:39:10 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

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    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

    ________________________________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

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    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

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    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.

       Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin

    werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung 

    der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-

    zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-

    schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300 

    Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60 

    Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß:   a) für 

    Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b) 

    für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-

    sonen, d) Räume für 60 Automobile.


  • July 22, 2017 13:31:33 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

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    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

    ________________________________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.

       In Titel 12 b werden für Unterbringung de Ueber-

    wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine

    und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-

    langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-

    stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte

    des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.

    Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-

    schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-

    städten gebildet werden.





  • July 22, 2017 13:25:59 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

    ________________________________________________________________________________________________________________


                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

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    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage -  Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

    ________________________________________________________________________________________________________________

     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.


    Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee

       Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-

    Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-

    ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-

    keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die

    Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen

    Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß

    in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-

    lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich

    die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.

    Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-

    lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.

    Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,

    werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-

    reichen.





  • July 22, 2017 13:14:53 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

    mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-

    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 

                                                      *  *  *

       Als Delegierter der internationalen Kom-

    mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-

    bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-

    green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-

    tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung

    über die Frage der Ernährungswirtschaft während

    der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten

    Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-

    wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes

    Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der

    bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse

    des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien

    usw. vorsieht.





  • July 22, 2017 13:04:10 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig;  im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.

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     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

    scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-

    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

    bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-

    zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-

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    folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,

    jede entscheidet. 






  • July 22, 2017 13:03:31 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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     1. Spalte 

    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.

       Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-

    sche Heimat!  Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,

    aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein

    stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr

    jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In

    Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen

    nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-

    mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-

    über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-

    schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-

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    mungsberechtigte trage sich in die Frage-

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  • July 21, 2017 22:04:26 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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    Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.






  • July 21, 2017 22:03:24 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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                                           Z i t t a u e r     M  o r g e n = Z e i t u n g.

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  • July 21, 2017 22:03:00 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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  • July 21, 2017 22:01:21 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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  • July 21, 2017 22:00:38 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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  • July 21, 2017 21:58:44 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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    Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Feiertage.- Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen

    Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller.-

    Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig. im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.



  • July 21, 2017 21:45:13 Beate Jochem

    Nr. 232                                    Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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  • July 21, 2017 21:41:11 Beate Jochem

    Nr. 232                              Dienstag, den 7. Oktober 1919                                           45. Jahrg.

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ID
12998 / 199762
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Uta Hentschel
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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