Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 56
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Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
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Z i t t a u e r M o r g e n = Z e i t u n g.
Expedition: Organ für Volksinteresse. Redaktion:
Fernsprecher 8. Fernsprecher 129.
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Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
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1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-
bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der
Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die
Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser
Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um
ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der
Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-
sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-
tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-
den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-
men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese
noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der
Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-
möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den
Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos
gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-
stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-
tralheizungsanlage versehen werden.
In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert
für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die
Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch
hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.
2. Spalte
Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs
Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-
digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-
sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten
Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-
mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-
ten fünf, der Gruppe 2 drei deutsche höhere Staats- und Pri-
vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-
terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-
zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.
Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas
de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-
thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-
partements du Nord: l´Escarpelle, Aniche, Anzin
und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,
sich einen Überblick über die in den beiden Departements
an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-
rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am
Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut
einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-
tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-
sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-
mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-
und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-
belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der
Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-
heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge-
stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-
nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,
bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die
Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt
worden.
Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-
krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front
ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-
unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer
um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.
Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-
arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-
anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-
gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-
ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-
getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-
gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche
abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-
mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der
Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen
Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden
können.
Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten
Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-
bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder
und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten
Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-
gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,
die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-
kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-
verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon
vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte
den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-
ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-
deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-
men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-
räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-
konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-
öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-
gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien
erstrecken können.
Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.
Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die
deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote
an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse
der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-
richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.
Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-
unwürdige Behandlung. In der Note wird die
Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,
daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen
Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben
werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-
tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen
anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.
Nach der anfänglich guten Behandlung in amerikani-
schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-
zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen
auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben
geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-
gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-
glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-
beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-
bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.
Die Heimsendung der Schwerverwundeten.
Bern, 6. Oktober (Eigener Drahtbericht.) Der Berner
Mitarbeiter des "Vorwärts" meldet, daß die Heimsendung
der schwerverwundeten deutschen Kriegsgefangenen
aus Frankreich, die am heutigen 6. Oktober beginnen
sollte, von der französischen Regierung auf 15 Tage hin-
ausgeschoben worden ist. Da diese Ankündigung ohne
Angabe von Gründen erfolgt, muß angenommen werden,
daß man es hier mit einer Druckmaßnahme zur Unter-
stützung der französischen Forderung in der baltischen
Angelegenheit zu tun hat.
3.Spalte
Sächsische Volkskammer.
59. Sitzung vom Montag, 6. Oktober 1919, nachm. 4 Uhr.
Dresden, 6. Oktober 1919.
(Eigener Drahtbericht.)
Am Regierungstisch sind fast sämtliche Minister an-
wesend. Die öffentlichen Tribünen sind stark überfüllt.
Eingegangen sind zwei Schreiben des Abg. Dr. Koch
(Deutsche Volksp.) und der Abg. Frau Geyer (Unabh.
Soz.), worin sie die Niederlegung ihres Mandates anzeigen.
Der Präsident begrüßt den neuen Abg. Berndt
(Demokrat), der an Stelle des Abg. Dr. Kraft in die Kam-
mer eingetreten ist.
Ministerpräsident Dr. Gradnauer
erhält vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort zu einer
Erklärung über die Regierungsumbildung,
worin er u. a. folgendes ausführt:
Bei der Wiederaufnahme Ihrer Verhandlungen bin ich
in der Lage, Ihnen einige Mitteilungen über Veränderun-
gen zu machen, die sich in jüngster Zeit in der Regierung
unseres Landes vollzogen haben. Das Wesentliche dieser
Mitteilungen ist allerdings bereits durch die Presse bekannt-
gegeben worden. Vor allem ist an das Ausscheiden des
Ministers Kirchhof zu erinnern. Durch die neue Reichs-
verfassung ist das Heerwesen den Einzelstaaten entzogen
und im ganzen Umfang auf das Reich übertragen worden.
Damit hat sich auch das sächsische Kriegsministerium er-
ledigt und der letzte Verwalter dieses Amtes, Herr Kirch-
hof, ist ausgeschieden. Der Ministerpräsident dankt ihm für
seine aufopfernde Arbeit. Eine weitere teilweise Umbildung
der Regierung vollzieht sich, so fährt er fort, durch den Ein-
tritt von Vertretern der Deutschen demokratischen Partei.
Die beiden Minister Buck und Nitzsche haben unter Hin-
weis auf die politischen Erfordernisse ihre Entlassung ge-
nommen, und ich habe zwei Mitglieder der Deutschen demo-
kratischen Partei in die Regierung berufen. Herrn
Nitzschke-Lentzsch ins Finanzministerium und Herrn
Dr. Seufert ins Kultusministerium. Die beiden Herren
haben ihre Arbeitsgeschäfte bereits heute übernommen. Ich
heiße sie auf der Regierungsbank aufs beste willkommen.
Es ist bei den Beratungen über die Neubildung der Re-
gierung auch die Frage der Zusammenlegung des
Wirtschaftsministeriums und des Arbeits-
ministeriums zur Erörterung gebracht worden. Gegen-
wärtig läßt die starke Arbeitsbelastung beider Ministerien
eine Zusammenlegung noch nicht zu, aber schon aus Spar-
samkeitsgründen nimmt die Regierung in Aussicht, wenn
irgend möglich, ihre Zusammenlegung bis zum 31.März
1920 herbeizuführen. Der Ministerpräsident dankt den aus-
scheidenden beiden Ministern aufs wärmste für ihre Arbeit
und fährt fort:
Was nun die Umbildung der Regierung angeht,
so lag deren Notwendigkeit seit langem klar zutage. So-
wohl die demokratischen Grundsätze als auch die Lage des
Landes haben sie erforderlich gemacht. durch die große
Staatsumwälzung im November vorigen Jahres ist im
Reich und in den Ländern die Selbstregierung des Volkes
herbeigeführt worden. Das Volk bringt seine Ueberzeu-
gung und seinen politische Willen durch seine auf Grund
des demokratischen Wahlrechts selbst gewählten Parlamente
zum Ausdruck. Das Parlament wiederum hat die Aufgabe,
aus sich heraus zur Leitung der Staatsgeschäfte die Re-
gierung zu bestellen. Das kann nur durch Mehrheitsbildung
und durch Mehrheitsbeschluß geschehen. Hat nicht eine ein-
zelne politische Partei für sich allein die Mehrheit, so müssen
sich mehrere Parteien, die sich verhältnismäßig nahestehen,
zusammen finden, um eine arbeitsfähige Regierung zu bil-
den. Dies ist der einfache klare Grundgedanke der moder-
nen Demokratie. Demgemäß hätte bei uns alsbald nach
der Volkskammerwahl verfahren werden sollen. Meine per-
sönliche Auffassung ging, wie sie sich erinnern wollen, von
vornherein dahin, daß sämtliche Fraktionen, die auf
dem Boden der Revolution und der Demokratie stehen, sich
zur Regierungsbildung zusammenschließen sollten, damit
durch vereintes Bemühen unser Volk aus der Tiefe, in die
es durch Krieg und Niederlage gestürzt wurde, wieder auf-
gerichtet werden könne. Die Fraktion der Unab-
hängigen aber hat es abgelehnt, mit den sogenannten
bürgerlichen Demokraten zusammenzuarbeiten. Mehr noch,
sie haben auch die ihr von der sozialdemokratischen Fraktion
dargebotene Friedenshand zurückgewiesen. Die
sozialdemokratische Fraktion ist mit äußerster Geduld be-
strebt gewesen, eine Einheitsfront der hinter beiden
Fraktionen stehenden Arbeitermassen zustande zu
bringen. Die Unabhängigen machten jedoch den Eintritt in
die Regierung von Bedingungen abhängig, die für die so-
zialdemokratische Fraktion eine unerträglich Vergewalti-
gung bedeutet hätten. Die Unabhängigen tragen daher die
Verantwortung dafür, daß die Einigung der Arbeiterschaft
verhindert wurde. Sie tragen die Verantwortung
dafür, daß die sozialdemokratische Fraktion sich nunmehr
an die anderen Parteien wenden und ein Zusammengehen
aller mit der demokratischen Fraktion herbeiführen mußte,
damit die erforderliche Mehrheitsbildung zustande kommen
konnte. Unter diesen Umständen ist es erfreulich, daß die
zwischen der demokratischen und der sozialdemokratischen
Fraktion Ende voriger Woche unter meinem Vorsitz geführ-
ten Besprechungen nunmehr schnell zu einem erfolgreichen
Abschluß geführt haben. Damit wird die Zeit eines unge-
klärten und unhaltbaren Regierungszustandes beendigt.
Voraussetzung dafür, daß zwei Fraktionen miteinander
arbeiten können, ist, daß sie in ihren Anschauungen und An-
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Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
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1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
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Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-
bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der
Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die
Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser
Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um
ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der
Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-
sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-
tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-
den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-
men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese
noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der
Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-
möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den
Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos
gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-
stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-
tralheizungsanlage versehen werden.
In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert
für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die
Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch
hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.
2. Spalte
Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs
Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-
digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-
sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten
Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-
mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-
ten fünf, der Gruppe 2 drei deutsche höhere Staats- und Pri-
vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-
terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-
zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.
Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas
de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-
thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-
partements du Nord: l´Escarpelle, Aniche, Anzin
und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,
sich einen Überblick über die in den beiden Departements
an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-
rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am
Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut
einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-
tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-
sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-
mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-
und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-
belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der
Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-
heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge-
stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-
nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,
bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die
Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt
worden.
Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-
krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front
ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-
unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer
um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.
Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-
arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-
anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-
gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-
ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-
getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-
gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche
abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-
mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der
Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen
Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden
können.
Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten
Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-
bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder
und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten
Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-
gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,
die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-
kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-
verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon
vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte
den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-
ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-
deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-
men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-
räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-
konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-
öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-
gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien
erstrecken können.
Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.
Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die
deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote
an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse
der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-
richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.
Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-
unwürdige Behandlung. In der Note wird die
Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,
daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen
Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben
werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-
tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen
anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.
Nach der anfänglich guten Behandlung in amerikani-
schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-
zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen
auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben
geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-
gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-
glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-
beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-
bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.
Die Heimsendung der Schwerverwundeten.
Bern, 6. Oktober (Eigener Drahtbericht.) Der Berner
Mitarbeiter des "Vorwärts" meldet, daß die Heimsendung
der schwerverwundeten deutschen Kriegsgefangenen
aus Frankreich, die am heutigen 6. Oktober beginnen
sollte, von der französischen Regierung auf 15 Tage hin-
ausgeschoben worden ist. Da diese Ankündigung ohne
Angabe von Gründen erfolgt, muß angenommen werden,
daß man es hier mit einer Druckmaßnahme zur Unter-
stützung der französischen Forderung in der baltischen
Angelegenheit zu tun hat.
Sächsische Volkskammer.
59. Sitzung vom Montag, 6. Oktober 1919, nachm. 4 Uhr.
Dresden, 6. Oktober 1919.
(Eigener Drahtbericht.)
Am Regierungstisch sind fast sämtliche Minister an-
wesend. Die öffentlichen Tribünen sind stark überfüllt.
Eingegangen sind zwei Schreiben des Abg. Dr. Koch
(Deutsche Volksp.) und der Abg. Frau Geyer (Unabh.
Soz.), worin sie die Niederlegung ihres Mandates anzeigen.
Der Präsident begrüßt den neuen Abg. Berndt
(Demokrat), der an Stelle des Abg. Dr. Kraft in die Kam-
mer eingetreten ist.
Ministerpräsident Dr. Gradnauer
erhält vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort zu einer
Erklärung über die Regierungsumbildung,
worin er u. a. folgendes ausführt:
Bei der Wiederaufnahme Ihrer Verhandlungen bin ich
in der Lage, Ihnen einige Mitteilungen über Veränderun-
gen zu machen, die sich in jüngster Zeit in der Regierung
unseres Landes vollzogen haben. Das Wesentliche dieser
Mitteilungen ist allerdings bereits durch die Presse bekannt-
gegeben worden. Vor allem ist an das Ausscheiden des
Ministers Kirchhof zu erinnern. Durch die neue Reichs-
verfassung ist das Heerwesen den Einzelstaaten entzogen
und im ganzen Umfang auf das Reich übertragen worden.
Damit hat sich auch das sächsische Kriegsministerium er-
ledigt und der letzte Verwalter dieses Amtes, Herr Kirch-
hof, ist ausgeschieden. Der Ministerpräsident dankt ihm für
seine aufopfernde Arbeit. Eine weitere teilweise Umbildung
der Regierung vollzieht sich, so fährt er fort, durch den Ein-
tritt von Vertretern der Deutschen demokratischen Partei.
Die beiden Minister Buck und Nitzsche haben unter Hin-
weis auf die politischen Erfordernisse ihre Entlassung ge-
nommen, und ich habe zwei Mitglieder der Deutschen demo-
kratischen Partei in die Regierung berufen. Herrn
Nitzschke-Lentzsch ins Finanzministeriium und Herrn
Dr. Seufert ins Kultusministerium. Die beiden Herren
haben ihre Arbeitsgeschäfte bereits heute übernommen. Ich
heiße sie auf der Regierungsbank aufs beste willkommen.
Es ist bei den Beratungen über die Neubildung der Re-
gierung auch die Frage der Zusammenlegung des
Wirtschaftsministeriums und des Arbeits-
ministeriums zur Erörterung gebracht worden. Gegen-
wärtig läßt die starke Arbeitsbelastung beider Ministerien
eine Zusammenlegung noch nicht zu, aber schon aus Spar-
samkeitsgründen nimmt die Regierung in Aussicht, wenn
irgend möglich, ihre Zusammenlegung bis zum 31.März
1920 herbeizuführen. Der Ministerpräsident dankt den aus-
scheidenden beiden Ministern aufs wärmste für ihre Arbeit
und fährt fort:
Was nun die Umbildung der Regierung angeht,
so lag deren Notwendigkeit seit langem klar zutage. So-
wohl die demokratischen Grundsätze als auch die Lage des
Landes haben sie erforderlich gemacht. durch die große
Staatsumwälzung im November vorigen Jahres ist im
Reich und in den Ländern die Selbstregierung des Volkes
herbeigeführt worden. Das Volk bringt seine Ueberzeu-
gung und seinen politische Willen durch seine auf Grund
des demokratischen Wahlrechts selbst gewählten Parlamente
zum Ausdruck. Das Parlament wiederum hat die Aufgabe,
aus sich heraus zur Leitung der Staatsgeschäfte die Re-
gierung zu bestellen. Das kann nur durch Mehrheitsbildung
und durch Mehrheitsbeschluß geschehen. Hat nicht eine ein-
zelne politische Partei für sich allein die Mehrheit, so müssen
sich mehrere Parteien, die sich verhältnismäßig nahestehen,
zusammen finden, um eine arbeitsfähige Regierung zu bil-
den. Dies ist der einfache klare Grundgedanke der moder-
nen Demokratie. Demgemäß hätte bei uns alsbald nach
der Volkskammerwahl verfahren werden sollen. Meine per-
sönliche Auffassung ging, wie sie sich erinnern wollen, von
vornherein dahin, daß sämtliche Fraktionen, die auf
dem Boden der Revolution und der Demokratie stehen, sich
zur Regierungsbildung zusammenschließen sollten, damit
durch vereintes Bemühen unser Volk aus der Tiefe, in die
es durch Krieg und Niederlage gestürzt wurde, wieder auf-
gerichtet werden könne. Die Fraktion der Unab-
hängigen aber hat es abgelehnt, mit den sogenannten
bürgerlichen Demokraten zusammenzuarbeiten. Mehr noch,
sie haben auch die ihr von der sozialdemokratischen Fraktion
dargebotene Friedenshand zurückgewiesen. Die
sozialdemokratische Fraktion ist mit äußerster Geduld be-
strebt gewesen, eine Einheitsfront der hinter beiden
Fraktionen stehenden Arbeitermassen zustande zu
bringen. Die Unabhängigen machten jedoch den Eintritt in
die Regierung von Bedingungen abhängig, die für die so-
zialdemokratische Fraktion eine unerträglich Vergewalti-
gung bedeutet hätten. Die Unabhängigen tragen daher die
Verantwortung dafür, daß die Einigung der Arbeiterschaft
verhindert wurde. Sie tragen die Verantwortung
dafür, daß die sozialdemokratische Fraktion sich nunmehr
an die anderen Parteien wenden und ein Zusammengehen
aller mit der demokratischen Fraktion herbeiführen mußte,
damit die erforderliche Mehrheitsbildung zustande kommen
konnte. Unter diesen Umständen ist es erfreulich, daß die
zwischen der demokratischen und der sozialdemokratischen
Fraktion Ende voriger Woche unter meinem Vorsitz geführ-
ten Besprechungen nunmehr schnell zu einem erfolgreichen
Abschluß geführt haben. Damit wird die Zeit eines unge-
klärten und unhaltbaren Regierungszustandes beendigt.
Voraussetzung dafür, daß zwei Fraktionen miteinander
arbeiten können, ist, daß sie in ihren Anschauungen und An-
-
Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
________________________________________________________________________________________________________________
Z i t t a u e r M o r g e n = Z e i t u n g.
Expedition: Organ für Volksinteresse. Redaktion:
Fernsprecher 8. Fernsprecher 129.
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Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
________________________________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-
bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der
Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die
Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser
Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um
ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der
Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-
sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-
tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-
den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-
men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese
noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der
Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-
möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den
Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos
gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-
stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-
tralheizungsanlage versehen werden.
In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert
für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die
Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch
hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.
2. Spalte
Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs
Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-
digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-
sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten
Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-
mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-
ten fünf, der Gruppe 2 drei deutsche höhere Staats- und Pri-
vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-
terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-
zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.
Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas
de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-
thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-
partements du Nord: l´Escarpelle, Aniche, Anzin
und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,
sich einen Überblick über die in den beiden Departements
an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-
rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am
Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut
einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-
tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-
sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-
mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-
und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-
belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der
Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-
heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge-
stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-
nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,
bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die
Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt
worden.
Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-
krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front
ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-
unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer
um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.
Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-
arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-
anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-
gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-
ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-
getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-
gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche
abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-
mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der
Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen
Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden
können.
Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten
Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-
bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder
und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten
Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-
gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,
die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-
kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-
verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon
vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte
den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-
ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-
deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-
men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-
räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-
konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-
öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-
gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien
erstrecken können.
Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.
Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die
deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote
an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse
der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-
richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.
Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-
unwürdige Behandlung. In der Note wird die
Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,
daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen
Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben
werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-
tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen
anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.
Nach der anfänglich guten Behandlung in amerikani-
schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-
zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen
auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben
geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-
gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-
glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-
beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-
bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.
Die Heimsendung der Schwerverwundeten.
Bern, 6. Oktober (Eigener Drahtbericht.) Der Berner
Mitarbeiter des "Vorwärts" meldet, daß die Heimsendung
der schwerverwundeten deutschen Kriegsgefangenen
aus Frankreich, die am heutigen 6. Oktober beginnen
sollte, von der französischen Regierung auf 15 Tage hin-
ausgeschoben worden ist. Da diese Ankündigung ohne
Angabe von Gründen erfolgt, muß angenommen werden,
daß man es hier mit einer Druckmaßnahme zur Unter-
stützung der französischen Forderung in der baltischen
Angelegenheit zu tun hat.
Sächsische Volkskammer.
59. Sitzung vom Montag, 6. Oktober 1919, nachm. 4 Uhr.
Dresden, 6. Oktober 1919.
(Eigener Drahtbericht.)
Am Regierungstisch sind fast sämtliche Minister an-
wesend. Die öffentlichen Tribünen sind stark überfüllt.
Eingegangen sind zwei Schreiben des Abg. Dr. Koch
(Deutsche Volksp.) und der Abg. Frau Geyer (Unabh.
Soz.), worin sie die Niederlegung ihres Mandates anzeigen.
Der Präsident begrüßt den neuen Abg. Berndt
(Demokrat), der an Stelle des Abg. Dr. Kraft in die Kam-
mer eingetreten ist.
Ministerpräsident Dr. Gradnauer
erhält vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort zu einer
Erklärung über die Regierungsumbildung,
worin er u. a. folgendes ausführt:
Bei der Wiederaufnahme Ihrer Verhandlungen bin ich
in der Lage, Ihnen einige Mitteilungen über Veränderun-
gen zu machen, die sich in jüngster Zeit in der Regierung
unseres Landes vollzogen haben. Das Wesentliche dieser
Mitteilungen ist allerdings bereits durch die Presse bekannt-
gegeben worden. Vor allem ist an das Ausscheiden des
Ministers Kirchhof zu erinnern. Durch die neue Reichs-
verfassung ist das Heerwesen den Einzelstaaten entzogen
und im ganzen Umfang auf das Reich übertragen worden.
Damit hat sich auch das sächsische Kriegsministerium er-
ledigt und der letzte Verwalter dieses Amtes, Herr Kirch-
hof, ist ausgeschieden. Der Ministerpräsident dankt ihm für
seine aufopfernde Arbeit. Eine weitere teilweise Umbildung
der Regierung vollzieht sich, so fährt er fort, durch den Ein-
tritt von Vertretern der Deutschen demokratischen Partei.
Die beiden Minister Buck und Nitzsche haben unter Hin-
weis auf die politischen Erfordernisse ihre Entlassung ge-
nommen, und ich habe zwei Mitglieder der Deutschen demo-
kratischen Partei in die Regierung berufen. Herrn
Nitzschke-Lentzsch ins Finanzministeriium und Herrn
Dr. Seufert ins Kultusministerium. Die beiden Herren
haben ihre Arbeitsgeschäfte bereits heute übernommen. Ich
heiße sie auf der Regierungsbank aufs beste willkommen.
Es ist bei den Beratungen über die Neubildung der Re-
gierung auch die Frage der Zusammenlegung des
Wirtschaftsministeriums und des Arbeits-
ministeriums zur Erörterung gebracht worden. Gegen-
wärtig läßt die starke Arbeitsbelastung beider Ministerien
eine Zusammenlegung noch nicht zu, aber schon aus Spar-
samkeitsgründen nimmt die Regierung in Aussicht, wenn
irgend möglich, ihre Zusammenlegung bis zum 31.März
1920 herbeizuführen. Der Ministerpräsident dankt den aus-
scheidenden beiden Ministern aufs wärmste für ihre Arbeit
und fährt fort:
Was nun die Umbildung der Regierung angeht,
so lag deren Notwendigkeit seit langem klar zutage. So-
wohl die demokratischen Grundsätze als auch die Lage des
Landes haben sie erforderlich gemacht. durch die große
Staatsumwälzung im November vorigen Jahres ist im
Reich und in den Ländern die Selbstregierung des Volkes
herbeigeführt worden. Das Volk bringt seine Ueberzeu-
gung und seinen politische Willen durch seine auf Grund
des demokratischen Wahlrechts selbst gewählten Parlamente
zum Ausdruck. Das Parlament wiederum hat die Aufgabe,
aus sich heraus zur Leitung der Staatsgeschäfte die Re-
gierung zu bestellen. Das kann nur durch Mehrheitsbildung
und durch Mehrheitsbeschluß geschehen. Hat nicht eine ein-
zelne politische Partei für sich allein die Mehrheit, so müssen
sich mehrere Parteien, die sich verhältnismäßig nahestehen,
zusammen finden, um eine arbeitsfähige Regierung zu bil-
den. Dies ist der einfache klare Grundgedanke der moder-
nen Demokratie. Demgemäß hätte bei uns alsbald nach
der Volkskammerwahl verfahren werden sollen. Meine per-
sönliche Auffassung ging, wie sie sich erinnern wollen, von
vornherein dahin, daß sämtliche Fraktionen, die auf
dem Boden der Revolution und der Demokratie stehen, sich
zur Regierungsbildung zusammenschließen sollten, damit
durch vereintes Bemühen unser Volk aus der Tiefe, in die
es durch Krieg und Niederlage gestürzt wurde, wieder auf-
gerichtet werden könne. Die Fraktion der Unab-
hängigen aber hat es abgelehnt, mit den sogenannten
bürgerlichen Demokraten zusammenzuarbeiten. Mehr noch,
sie haben auch die ihr von der sozialdemokratischen Fraktion
dargebotene Friedenshand zurückgewiesen. Die
sozialdemokratische Fraktion ist mit äußerster Geduld be-
strebt gewesen, eine Einheitsfront der hinter beiden
Fraktionen stehenden Arbeitermassen zustande zu
bringen. Die Unabhängigen machten jedoch den Eintritt in
die Regierung von Bedingungen abhängig, die für die so-
zialdemokratische Fraktion eine unerträglich Vergewalti-
gung bedeutet hätten. Die Unabhängigen tragen daher die
Verantwortung dafür, daß die Einigung der Arbeiterschaft
verhindert wurde. Sie tragen die Verantwortung
dafür, daß die sozialdemokratische Fraktion sich nunmehr
an die anderen Parteien wenden und ein Zusammengehen
aller mit der demokratischen Fraktion herbeiführen mußte,
damit die erforderliche Mehrheitsbildung zustande kommen
konnte. Unter diesen Umständen ist es erfreulich, daß die
zwischen der demokratischen und der sozialdemokratischen
Fraktion Ende voriger Woche unter meinem Vorsitz geführ-
ten Besprechungen nunmehr schnell zu einem erfolgreichen
Abschluß geführt haben. Damit wird die Zeit eines unge-
klärten und unhaltbaren Regierungszustndes beendigt.
Voraussetzung dafür, daß zwei Fraktionen miteinander
arbeiten können, ist, daß sie in ihren Anschauungen und An-
-
Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
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Z i t t a u e r M o r g e n = Z e i t u n g.
Expedition: Organ für Volksinteresse. Redaktion:
Fernsprecher 8. Fernsprecher 129.
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Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
________________________________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-
bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der
Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die
Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser
Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um
ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der
Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-
sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-
tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-
den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-
men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese
noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der
Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-
möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den
Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos
gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-
stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-
tralheizungsanlage versehen werden.
In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert
für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die
Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch
hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.
2. Spalte
Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs
Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-
digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-
sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten
Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-
mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-
ten fünf, der Gruppe 2 drei deutsche höhere Staats- und Pri-
vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-
terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-
zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.
Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas
de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-
thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-
partements du Nord: l´Escarpelle, Aniche, Anzin
und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,
sich einen Überblick über die in den beiden Departements
an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-
rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am
Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut
einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-
tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-
sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-
mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-
und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-
belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der
Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-
heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge-
stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-
nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,
bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die
Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt
worden.
Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-
krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front
ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-
unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer
um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.
Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-
arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-
anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-
gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-
ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-
getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-
gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche
abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-
mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der
Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen
Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden
können.
Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten
Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-
bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder
und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten
Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-
gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,
die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-
kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-
verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon
vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte
den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-
ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-
deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-
men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-
räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-
konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-
öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-
gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien
erstrecken können.
Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.
Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die
deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote
an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse
der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-
richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.
Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-
unwürdige Behandlung. In der Note wird die
Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,
daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen
Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben
werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-
tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen
anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.
Nach der anfänglich guten Behandlung in amerikani-
schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-
zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen
auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben
geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-
gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-
glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-
beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-
bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.
Die Heimsendung der Schwerverwundeten.
Bern, 6. Oktober (Eigener Drahtbericht.) Der Berner
Mitarbeiter des "Vorwärts" meldet, daß die Heimsendung
der schwerverwundeten deutschen Kriegsgefangenen
aus Frankreich, die am heutigen 6. Oktober beginnen
sollte, von der französischen Regierung auf 15 Tage hin-
ausgeschoben worden ist. Da diese Ankündigung ohne
Angabe von Gründen erfolgt, muß angenommen werden,
daß man es hier mit einer Druckmaßnahme zur Unter-
stützung der französischen Forderung in der baltischen
Angelegenheit zu tun hat.
Sächsische Volkskammer.
59. Sitzung vom Montag, 6. Oktober 1919, nachm. 4 Uhr.
Dresden, 6. Oktober 1919.
(Eigener Drahtbericht.)
Am Regierungstisch sind fast sämtliche Minister an-
wesend. Die öffentlichen Tribünen sind stark überfüllt.
Eingegangen sind zwei Schreiben des Abg. Dr. Koch
(Deutsche Volksp.) und der Abg. Frau Geyer (Unabh.
Soz.), worin sie die Niederlegung ihres Mandates anzeigen.
Der Präsident begrüßt den neuen Abg. Berndt
(Demokrat), der an Stelle des Abg. Dr. Kraft in die Kam-
mer eingetreten ist.
Ministerpräsident Dr. Gradnauer
erhält vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort zu einer
Erklärung über die Regierungsumbildung,
worin er u. a. folgendes ausführt:
Bei der Wiederaufnahme Ihrer Verhandlungen bin ich
in der Lage, Ihnen einige Mitteilungen über Veränderun-
gen zu machen, die sich in jüngster Zeit in der Regierung
unseres Landes vollzogen haben. Das Wesentliche dieser
Mitteilungen ist allerdings bereits durch die Presse bekannt-
gegeben worden. Vor allem ist an das Ausscheiden des
Ministers Kirchhof zu erinnern. Durch die neue Reichs-
verfassung ist das Heerwesen den Einzelstaaten entzogen
und im ganzen Umfang auf das Reich übertragen worden.
Damit hat sich auch das sächsische Kriegsministerium er-
ledigt und der letzte Verwalter dieses Amtes, Herr Kirch-
hof, ist ausgeschieden. Der Ministerpräsident dankt ihm für
seine aufopfernde Arbeit. Eine weitere teilweise Umbildung
der Regierung vollzieht sich, so fährt er fort, durch den Ein-
tritt von Vertretern der Deutschen demokratischen Partei.
Die beiden Minister Buck und Nitzsche haben unter Hin-
weis auf die politischen Erfordernisse ihre Entlassung ge-
nommen, und ich habe zwei Mitglieder der Deutschen demo-
kratischen Partei in die Regierung berufen. Herrn
Nitzschke-Lentzsch ins Finanzministeriium und Herrn
Dr. Seufert ins Kultusministerium. Die beiden Herren
haben ihre Arbeitsgeschäfte bereits heute übernommen. Ich
heiße sie auf der Regierungsbank aufs beste willkommen.
Es ist bei den Beratungen über die Neubildung der Re-
gierung auch die Frage der Zusammenlegung des
Wirtschaftsministeriums und des Arbeits-
ministeriums zur Erörterung gebracht worden. Gegen-
wärtig läßt die starke Arbeitsbelastung beider Ministerien
eine Zusammenlegung noch nicht zu, aber schon aus Spar-
samkeitsgründen nimmt die Regierung in Aussicht, wenn
irgend möglich, ihre Zusammenlegung bis zum 31.März
1920 herbeizuführen. Der Ministerpräsident dankt den aus-
scheidenden beiden Ministern aufs wärmste für ihre Arbeit
und fährt fort:
-
Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
________________________________________________________________________________________________________________
Z i t t a u e r M o r g e n = Z e i t u n g.
Expedition: Organ für Volksinteresse. Redaktion:
Fernsprecher 8. Fernsprecher 129.
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Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
________________________________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-
bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der
Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die
Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser
Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um
ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der
Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-
sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-
tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-
den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-
men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese
noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der
Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-
möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den
Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos
gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-
stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-
tralheizungsanlage versehen werden.
In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert
für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die
Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch
hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.
2. Spalte
Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs
Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-
digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-
sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten
Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-
mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-
ten fünf, der Gruppe 2 drei deutsche höhere Staats- und Pri-
vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-
terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-
zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.
Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas
de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-
thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-
partements du Nord: l´Escarpelle, Aniche, Anzin
und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,
sich einen Überblick über die in den beiden Departements
an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-
rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am
Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut
einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-
tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-
sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-
mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-
und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-
belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der
Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-
heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge-
stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-
nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,
bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die
Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt
worden.
Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-
krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front
ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-
unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer
um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.
Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-
arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-
anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-
gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-
ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-
getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-
gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche
abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-
mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der
Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen
Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden
können.
Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten
Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-
bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder
und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten
Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-
gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,
die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-
kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-
verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon
vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte
den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-
ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-
deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-
men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-
räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-
konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-
öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-
gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien
erstrecken können.
Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.
Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die
deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote
an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse
der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-
richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.
Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-
unwürdige Behandlung. In der Note wird die
Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,
daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen
Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben
werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-
tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen
anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.
Nach der anfänglich guten Behandlung in amerikani-
schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-
zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen
auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben
geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-
gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-
glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-
beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-
bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.
Die Heimsendung der Schwerverwundeten.
Bern, 6. Oktober (Eigener Drahtbericht.) Der Berner
Mitarbeiter des "Vorwärts" meldet, daß die Heimsendung
der schwerverwundeten deutschen Kriegsgefangenen
aus Frankreich, die am heutigen 6. Oktober beginnen
sollte, von der französischen Regierung auf 15 Tage hin-
ausgeschoben worden ist. Da diese Ankündigung ohne
Angabe von Gründen erfolgt, muß angenommen werden,
daß man es hier mit einer Druckmaßnahme zur Unter-
stützung der französischen Forderung in der baltischen
Angelegenheit zu tun hat.
Sächsische Volkskammer.
59. Sitzung vom Montag, 6. Oktober 1919, nachm. 4 Uhr.
Dresden, 6. Oktober 1919.
(Eigener Drahtbericht.)
Am Regierungstisch sind fast sämtliche Minister an-
wesend. Die öffentlichen Tribünen sind stark überfüllt.
Eingegangen sind zwei Schreiben des Abg. Dr. Koch
(Deutsche Volksp.) und der Abg. Frau Geyer (Unabh.
Soz.), worin sie die Niederlegung ihres Mandates anzeigen.
Der Präsident begrüßt den neuen Abg. Berndt
(Demokrat), der an Stelle des Abg. Dr. Kraft in die Kam-
mer eingetreten ist.
-
Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
________________________________________________________________________________________________________________
Z i t t a u e r M o r g e n = Z e i t u n g.
Expedition: Organ für Volksinteresse. Redaktion:
Fernsprecher 8. Fernsprecher 129.
________________________________________________________________________________________________________________
Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
________________________________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-
bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der
Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die
Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser
Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um
ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der
Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-
sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-
tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-
den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-
men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese
noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der
Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-
möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den
Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos
gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-
stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-
tralheizungsanlage versehen werden.
In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert
für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die
Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch
hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.
2. Spalte
Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs
Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-
digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-
sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten
Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-
mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-
ten fünf, der Gruppe 2 drei deutsche höhere Staats- und Pri-
vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-
terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-
zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.
Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas
de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-
thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-
partements du Nord: l´Escarpelle, Aniche, Anzin
und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,
sich einen Überblick über die in den beiden Departements
an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-
rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am
Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut
einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-
tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-
sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-
mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-
und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-
belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der
Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-
heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge-
stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-
nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,
bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die
Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt
worden.
Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-
krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front
ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-
unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer
um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.
Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-
arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-
anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-
gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-
ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-
getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-
gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche
abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-
mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der
Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen
Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden
können.
Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten
Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-
bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder
und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten
Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-
gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,
die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-
kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-
verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon
vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte
den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-
ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-
deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-
men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-
räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-
konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-
öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-
gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien
erstrecken können.
Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.
Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die
deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote
an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse
der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-
richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.
Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-
unwürdige Behandlung. In der Note wird die
Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,
daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen
Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben
werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-
tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen
anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.
Nach der anfänglich guten Behandlung in amerikani-
schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-
zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen
auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben
geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-
gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-
glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-
beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-
bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.
Die Heimsendung der Schwerverwundeten.
Bern, 6. Oktober (Eigener Drahtbericht.) Der Berner
Mitarbeiter des "Vorwärts" meldet, daß die Heimsendung
der schwerverwundeten deutschen Kriegsgefangenen
aus Frankreich, die am heutigen 6. Oktober beginnen
sollte, von der französischen Regierung auf 15 Tage hin-
ausgeschoben worden ist. Da diese Ankündigung ohne
Angabe von Gründen erfolgt, muß angenommen werden,
daß man es hier mit einer Druckmaßnahme zur Unter-
stützung der französischen Forderung in der baltischen
Angelegenheit zu tun hat.
Sächsische Volkskammer.
59. Sitzung vom Montag, 6. Oktober 1919, nachm. 4 Uhr.
Dresden, 6. Oktober 1919.
(Eigener Drahtbericht.)
-
Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
________________________________________________________________________________________________________________
Z i t t a u e r M o r g e n = Z e i t u n g.
Expedition: Organ für Volksinteresse. Redaktion:
Fernsprecher 8. Fernsprecher 129.
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Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
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1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-
bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der
Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die
Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser
Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um
ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der
Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-
sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-
tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-
den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-
men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese
noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der
Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-
möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den
Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos
gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-
stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-
tralheizungsanlage versehen werden.
In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert
für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die
Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch
hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.
2. Spalte
Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs
Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-
digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-
sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten
Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-
mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-
ten fünf, der Gruppe 2 drei deutsche höhere Staats- und Pri-
vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-
terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-
zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.
Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas
de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-
thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-
partements du Nord: l´Escarpelle, Aniche, Anzin
und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,
sich einen Überblick über die in den beiden Departements
an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-
rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am
Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut
einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-
tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-
sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-
mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-
und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-
belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der
Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-
heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge-
stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-
nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,
bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die
Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt
worden.
Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-
krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front
ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-
unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer
um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.
Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-
arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-
anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-
gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-
ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-
getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-
gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche
abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-
mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der
Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen
Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden
können.
Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten
Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-
bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder
und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten
Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-
gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,
die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-
kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-
verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon
vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte
den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-
ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-
deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-
men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-
räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-
konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-
öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-
gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien
erstrecken können.
Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.
Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die
deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote
an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse
der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-
richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.
Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-
unwürdige Behandlung. In der Note wird die
Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,
daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen
Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben
werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-
tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen
anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.
Nach der anfänglich guten Behandlung in amerikani-
schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-
zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen
auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben
geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-
gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-
glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-
beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-
bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.
Die Heimsendung der Schwerverwundeten.
Bern, 6. Oktober (Eigener Drahtbericht.) Der Berner
Mitarbeiter des "Vorwärts" meldet, daß die Heimsendung
der schwerverwundeten deutschen Kriegsgefangenen
aus Frankreich, die am heutigen 6. Oktober beginnen
sollte, von der französischen Regierung auf 15 Tage hin-
ausgeschoben worden ist. Da diese Ankündigung ohne
Angabe von Gründen erfolgt, muß angenommen werden,
daß man es hier mit einer Druckmaßnahme zur Unter-
stützung der französischen Forderung in der baltischen
Angelegenheit zu tun hat.
-
Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
________________________________________________________________________________________________________________
Z i t t a u e r M o r g e n = Z e i t u n g.
Expedition: Organ für Volksinteresse. Redaktion:
Fernsprecher 8. Fernsprecher 129.
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Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
________________________________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-
bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der
Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die
Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser
Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um
ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der
Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-
sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-
tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-
den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-
men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese
noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der
Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-
möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den
Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos
gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-
stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-
tralheizungsanlage versehen werden.
In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert
für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die
Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch
hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.
2. Spalte
Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs
Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-
digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-
sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten
Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-
mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-
ten fünf, der Gruppe 2 drei deutsche höhere Staats- und Pri-
vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-
terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-
zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.
Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas
de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-
thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-
partements du Nord: l´Escarpelle, Aniche, Anzin
und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,
sich einen Überblick über die in den beiden Departements
an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-
rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am
Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut
einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-
tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-
sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-
mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-
und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-
belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der
Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-
heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge-
stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-
nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,
bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die
Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt
worden.
Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-
krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front
ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-
unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer
um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.
Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-
arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-
anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-
gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-
ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-
getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-
gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche
abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-
mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der
Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen
Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden
können.
Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten
Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-
bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder
und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten
Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-
gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,
die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-
kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-
verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon
vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte
den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-
ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-
deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-
men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-
räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-
konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-
öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-
gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien
erstrecken können.
Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.
Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die
deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote
an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse
der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-
richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.
Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-
unwürdige Behandlung. In der Note wird die
Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,
daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen
Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben
werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-
tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen
anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.
Nach der anfänglich guten Behandlung in amerikani-
schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-
zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen
auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben
geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-
gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-
glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-
beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-
bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.
-
Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
________________________________________________________________________________________________________________
Z i t t a u e r M o r g e n = Z e i t u n g.
Expedition: Organ für Volksinteresse. Redaktion:
Fernsprecher 8. Fernsprecher 129.
________________________________________________________________________________________________________________
Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
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1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-
bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der
Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die
Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser
Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um
ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der
Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-
sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-
tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-
den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-
men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese
noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der
Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-
möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den
Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos
gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-
stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-
tralheizungsanlage versehen werden.
In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert
für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die
Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch
hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.
2. Spalte
Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs
Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-
digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-
sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten
Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-
mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-
ten fünf, der Gruppe 2 drei deutsche höhere Staats- und Pri-
vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-
terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-
zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.
Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas
de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-
thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-
partements du Nord: l´Escarpelle, Aniche, Anzin
und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,
sich einen Überblick über die in den beiden Departements
an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-
rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am
Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut
einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-
tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-
sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-
mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-
und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-
belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der
Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-
heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge-
stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-
nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,
bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die
Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt
worden.
Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-
krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front
ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-
unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer
um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.
Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-
arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-
anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-
gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-
ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-
getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-
gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche
abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-
mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der
Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen
Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden
können.
Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten
Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-
bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder
und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten
Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-
gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,
die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-
kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-
verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon
vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte
den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-
ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-
deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-
men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-
räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-
konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-
öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-
gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien
erstrecken können.
Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.
Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die
deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote
an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse
der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-
richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.
Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-
unwürdige Behandlung. In der Note wird die
Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,
daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen
Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben
werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-
tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen
anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.
Nach der anfänglich guten Behandlung in amerikani-
schen Lagern beginnt jetzt ein Wandel zum Schlechten ein-
zutreten, der neben strengen Strafen für geringe Vergehen
auch zur Gefährdung und Vernichtung von Menschenleben
geführt hat. So sind im Laer St. Cloud 33 Gefan-
gene durch eine Pulverexplosion schwer verun-
glückt. In anderen Lagern wird eine neunstündige Ar-
beit verlangt und neben unzulänglicher Bezahlung in denk-
bar schlechtester Weise für Unterkunft gesorgt.
-
Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
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Z i t t a u e r M o r g e n = Z e i t u n g.
Expedition: Organ für Volksinteresse. Redaktion:
Fernsprecher 8. Fernsprecher 129.
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Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
________________________________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-
bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der
Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die
Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser
Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um
ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der
Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-
sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-
tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-
den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-
men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese
noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der
Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-
möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den
Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos
gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-
stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-
tralheizungsanlage versehen werden.
In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert
für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die
Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch
hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.
2. Spalte
Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs
Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-
digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-
sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten
Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-
mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-
ten fünf, der Gruppe 2 drei deutsche höhere Staats- und Pri-
vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-
terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-
zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.
Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas
de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-
thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-
partements du Nord: l´Escarpelle, Aniche, Anzin
und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,
sich einen Überblick über die in den beiden Departements
an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-
rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am
Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut
einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-
tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-
sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-
mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-
und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-
belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der
Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-
heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge-
stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-
nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,
bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die
Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt
worden.
Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-
krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front
ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-
unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer
um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.
Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-
arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-
anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-
gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-
ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-
getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-
gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche
abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-
mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der
Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen
Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden
können.
Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten
Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-
bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder
und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten
Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-
gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,
die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-
kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-
verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon
vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte
den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-
ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-
deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-
men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-
räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-
konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-
öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-
gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien
erstrecken können.
Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.
Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die
deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote
an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse
der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-
richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.
Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-
unwürdige Behandlung. In der Note wird die
Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,
daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen
Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben
werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-
tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen
anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.
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Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
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Z i t t a u e r M o r g e n = Z e i t u n g.
Expedition: Organ für Volksinteresse. Redaktion:
Fernsprecher 8. Fernsprecher 129.
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Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
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1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-
bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der
Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die
Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser
Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um
ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der
Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-
sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-
tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-
den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-
men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese
noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der
Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-
möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den
Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos
gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-
stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-
tralheizungsanlage versehen werden.
In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert
für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die
Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch
hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.
2. Spalte
Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs
Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-
digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-
sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten
Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-
mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-
ten fünf, der Gruppe 2 drei deutsche höhere Staats- und Pri-
vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-
terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-
zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.
Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas
de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-
thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-
partements du Nord: l´Escarpelle, Aniche, Anzin
und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,
sich einen Überblick über die in den beiden Departements
an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-
rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am
Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut
einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-
tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-
sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-
mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-
und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-
belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der
Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-
heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge-
stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-
nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,
bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die
Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt
worden.
Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-
krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front
ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-
unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer
um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.
Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-
arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-
anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-
gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-
ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-
getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-
gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche
abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-
mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der
Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen
Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden
können.
Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten
Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-
bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder
und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten
Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-
gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,
die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-
kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-
verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon
vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte
den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-
ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-
deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-
men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-
räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-
konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-
öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-
gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien
erstrecken können.
Mißstände in amerikanischen Gefangenenlagern.
Berlin, 6. Oktober (W.T.B.) Wie wir erfahren, hat die
deutsche Regierung Ende September eine Verbalnote
an die schweizerische Regierung betreffend die Verhältnisse
der deutschen Kriegsgefangenen in amerikanischer Hand ge-
richtet. Es scheint hier eine Änderung eingetreten zu sein.
Es kamen heftige Klagen über grausame, menschen-
unwürdige Behandlung. In der Note wird die
Vermittlung der schweizerischen Regierung dafür erbeten,
daß eine Reihe von Fällen zur Kenntnis der amerikanischen
Regierung gebracht und schärfster Einspruch erhoben
werde. Es wird gleichzeitig um Entsendung von Vertre-
tern in diese Gefangenenlager gebeten, die Ermittelungen
anstellen und den Mißständen abhelfen sollen.
-
Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
________________________________________________________________________________________________________________
Z i t t a u e r M o r g e n = Z e i t u n g.
Expedition: Organ für Volksinteresse. Redaktion:
Fernsprecher 8. Fernsprecher 129.
________________________________________________________________________________________________________________
Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
________________________________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-
bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der
Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die
Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser
Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um
ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der
Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-
sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-
tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-
den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-
men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese
noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der
Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-
möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den
Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos
gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-
stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-
tralheizungsanlage versehen werden.
In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert
für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die
Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch
hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.
2. Spalte
Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs
Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-
digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-
sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten
Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-
mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-
ten fünf, der Gruppe 2 drei deutsche höhere Staats- und Pri-
vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-
terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-
zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.
Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas
de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-
thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-
partements du Nord: l´Escarpelle, Aniche, Anzin
und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,
sich einen Überblick über die in den beiden Departements
an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-
rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am
Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut
einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-
tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-
sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-
mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-
und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-
belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der
Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-
heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge-
stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-
nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,
bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die
Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt
worden.
Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-
krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front
ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-
unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer
um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.
Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-
arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-
anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-
gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-
ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-
getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-
gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche
abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-
mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der
Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen
Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden
können.
Im östlichen Teil des Gebietes waren die beschädigten
Bergwerksanlagen zum größten Teil schon wieder im Auf-
bau begriffen. Einige Schächte förderten bereits wieder
und bei manchen steht die Inbetriebnahme für die nächsten
Monate zu erwarten. Im allgemeinen kann man wohl sa-
gen, daß die östlichen Gruben in etwa zwei Jahren,
die westlichen in sechs bis acht Jahren wieder voll-
kommen hergestellt sein werden. Die französischen Gruben-
verwaltungen haben für den Wiederaufbau zumeist schon
vollständig feste Pläne entworfen. Die Kommission hatte
den Eindruck, daß die an die französischen Grubengesellschaf-
ten herantretenden Aufgaben bei dem Wiederaufbau so be-
deutend sind, daß sie die deutsche Hilfe in Anspruch neh-
men werden. Diese Hilfe wird sich besonders auf Auf-
räumungsarbeiten, Schachtreparaturen, Eisen-
konstruktionen, Lieferung von Maschinen, Bau von Koks-
öfen einschließlich Nebenproduktgewinnung, Betriebs-
gebäuden, Arbeiterwohnhäuser in Form ganzer Kolonien
erstrecken können.
-
Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
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Z i t t a u e r M o r g e n = Z e i t u n g.
Expedition: Organ für Volksinteresse. Redaktion:
Fernsprecher 8. Fernsprecher 129.
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Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
________________________________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-
bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der
Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die
Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser
Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um
ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der
Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-
sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-
tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-
den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-
men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese
noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der
Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-
möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den
Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos
gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-
stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-
tralheizungsanlage versehen werden.
In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert
für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die
Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch
hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.
2. Spalte
Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs
Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-
digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-
sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten
Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-
mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-
ten fünf, der Gruppe 2 drei deutsche höhere Staats- und Pri-
vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-
terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-
zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.
Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas
de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-
thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-
partements du Nord: l´Escarpelle, Aniche, Anzin
und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,
sich einen Überblick über die in den beiden Departements
an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-
rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am
Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut
einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-
tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-
sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-
mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-
und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-
belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der
Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-
heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge-
stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-
nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,
bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die
Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt
worden.
Das westliche Gebiet hat bei der Länge des Stellungs-
krieges durch das mehrfache Hin- und Herfließen der Front
ganz besonders gelitten, so daß eine Menge Ortschaften, dar-
unter die Stadt Lens und die großen Bergwerksdörfer
um Lens herum, eigentlich nur noch aus Ruinen bestehen.
Dementsprechend werden auch hier die Wiederherstellungs-
arbeiten bedeutend längere Zeit umfassen, weil Bergwerk-
anlagen und Wohnungen von Grund aus wieder neu auf-
gebaut werden müssen. Die Gruben sind zumeist voll-
ständig ersoffen, und an ihre Sümpfung kann erst heran-
getreten werden, nachdem die Schäden in den Schächten fest-
gestellt und die Schächte aufs neue gegen Wasserdurchbrüche
abgedichtet sind. Diese Arbeiten sind äußerst mühselig, zu-
mal genaue Unterlagen über die Art der Beschädigung der
Schächte naturgemäß fehlen oder, weil von verschiedenen
Truppenkörpern verursacht, nur schwer gesammelt werden
können.
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Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
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Fernsprecher 8. Fernsprecher 129.
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Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
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1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-
bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der
Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die
Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser
Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um
ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der
Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-
sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-
tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-
den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-
men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese
noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der
Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-
möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den
Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos
gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-
stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-
tralheizungsanlage versehen werden.
In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert
für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die
Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch
hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.
2. Spalte
Der Wiederaufbau der Bergwerke Frankreichs
Die Kommission der deutschen Bergbau-Sachverstän-
digen hat in der Zeit vom 23. bis 25. September von Ver-
sailles aus eine Rundfahrt zur Besichtigung der beschädigten
Bergbaugebiete Nordfrankreichs unternommen. Die Kom-
mission war in zwei Gruppen geteilt: Der Gruppe 1 gehör-
ten fünf, der Gruppe 2 drei deutsche höhere Staats- und Pri-
vat-Bergbeamte und je ein Vertreter der deutschen Arbei-
terschaft an. Sie wurden von je einem französischen Offi-
zier und einem französischen höheren Bergbeamten geführt.
Gruppe besuchte die Grubenfelder des Departments Pas
de Calais: Courriere, Lens, Lievin, Drocourt, Meur-
thin, Carvin, Dourges; Gruppe 2 die Grubenfelder des De-
partements du Nord: l´Escarpelle, Aniche, Anzin
und Douchy. Die Aufgabe der Kommission bestand darin,
sich einen Überblick über die in den beiden Departements
an den Bergwerken während des Krieges erfolgten Zerstö-
rungen und ein Bild für die Beteiligung Deutschlands am
Wiederaufbau der Bergwerke zu verschaffen. Sie fand, laut
einer Wolffmeldung vom 5. Oktober aus Versailles, bestä-
tigt, daß der Wiederaufbau sich infolge des Zu-
sammenwirkens vieler schwieriger Fragen, und zwar der Aufräu-
mung, der Wiederherstellung der Verkehrsstraßen, der Zu-
und Abfuhr der Materialien und Lebensmittel, der Wieder-
belebung der Forst- und Landwirtschaft, der Herstellung der
Bergwerke und Wohnungen und der Pflege des Gesund-
heitswesens usw. im allgemeinen überaus verwickelt ge-
stalten wird. Bei den Gruben östlich der Linie He-
nin - Lietard sind fast sämtliche Tagesanlagen,
bei den Gruben westlich dieser Linie außerdem die
Schächte aus Kriegsnotwendigkeit heraus gesprengt
worden.
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Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
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1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-
bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der
Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die
Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser
Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um
ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der
Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-
sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-
tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-
den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-
men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese
noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der
Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-
möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den
Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos
gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-
stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-
tralheizungsanlage versehen werden.
In Titel 14 werden 40 Millionen Mark gefordert
für die Beschaffung von Verpflegungsvorräten durch die
Reichsverpflegämter des besetzten rheinischen Gebietes. Auch
hier ist das Ende noch nicht zu übersehen.
-
Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
________________________________________________________________________________________________________________
Z i t t a u e r M o r g e n = Z e i t u n g.
Expedition: Organ für Volksinteresse. Redaktion:
Fernsprecher 8. Fernsprecher 129.
________________________________________________________________________________________________________________
Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
________________________________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
Bei Titel 13 wird für Grundstückserwer-
bungen, Neubauten und größere Umbauten anläßlich der
Unterbringung der Besatzungstruppen im Rheinland die
Summe von 200 Millionen Mark verlangt. Dieser
Betrag wird nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls um
ein Vielfaches überschritten werden. Die Anforderungen der
Besatzungstruppen im Rheinland sind gar nicht zu über-
sehen. So sind z. B. in Mainz von der städtischen Verwal-
tung 13 Millionen Mark für Neubauten angefordert wor-
den, die von den französischen Behörden in Aussicht genom-
men worden sind. Welcher Art diese Bauten sind, haben diese
noch nicht angegeben, so daß jede Nachprüfung der
Frage, ob die Forderung gestellt werden durfte, noch un-
möglich ist. Unter anderem werden 314 000 Mark für den
Umbau und teilweiser Neuausstattung des Offizierskasinos
gefordert. Ferner sollen die Kasernen, die mit Oefen ausge-
stattet sind, mit Rücksicht auf die schwarzen Truppen mit Zen-
tralheizungsanlage versehen werden.
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Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
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Fernsprecher 8. Fernsprecher 129.
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Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
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1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
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Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
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Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
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1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
Bei Titel 12 c werden für die Unterhaltung der
Besatzungstruppen im Rheinland 210 Mil-
lionen Mark halbjährlich gefordert. Auch dieser Betrag
reicht bei weitem nicht aus. Bisher sind in rund zehn Mo-
naten hierfür vom Verband 892 185 000 Mark in Anspruch
genommen worden. Irgendeine Rechnungsablegung war
trotz mehrfacher Noten nicht zu erreichen. hiernach muß der
Satz von 35 Millionen Mark für den Monat
ebenfalls als zu gering bemessen angenommen werden, wenn
nicht eine erhebliche Verminderung der Zahl Besatzungs-
truppen eintritt. Es muß mindestens auf eine Erhöhung
auf 50 Millionen Mark monatlich, also für das
halbe Jahr auf 300 Millionen Mark, gerechnet werden.
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Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
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Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
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1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung der Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
städten gebildet werden.
Für den Ueberwachungsausschuß in Berlin
werden von dem Verband gefordert 1. für Unterbringung
der Unterausschüsse für Heer und Marine: a) für Wohn-
zwecke der Offiziere ein Hotel mit 300 Zimmern, b) für Ge-
schäftsräume 200 Zimmer, c) weitere Unterkunft für 300
Unteroffiziere und Mannschaften, d) Abstellräume für 60
Kraftwagen. 2. Für den Luftfahrausschuß: a) für
Wohnzwecke der Offiziere ein Hotel mit 200 Zimmern, b)
für Geschäftsräume 100 Zimmer, c) Unterkunft für 450 Per-
sonen, d) Räume für 60 Automobile.
-
Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
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Z i t t a u e r M o r g e n = Z e i t u n g.
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Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
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Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
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folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
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bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
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über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
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Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
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keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
In Titel 12 b werden für Unterbringung de Ueber-
wachungsausschüsse des Verbandes, für Heer, Marine
und Luftfahrangelegenheiten 5 Millionen Mark ver-
langt. Diese Ueberwachungsausschüsse dürfen ihre Dienst-
stellen in Berlin einrichten und an beliebige Punkte
des deutschen Staatsgebietes Unterausschüsse entsenden.
Dementsprechend sollen zunächst ein Hauptüberwachungsaus-
schuß in Berlin und Unterausschüsse in zehn anderen Groß-
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Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
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1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
Die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee
Der Reichsrat hat in seiner öffentlichen Sonnabend-
Sitzung den Entwurf des Etats des Reichsschatz-
ministeriums durchberaten. Von besonderer Wichtig-
keit in bezug auf die Höhe des Etats sind vornehmlich die
Titel 12 a, b und c von Kapitel 2 c des außerordentlichen
Etats. Unter 12 a werden für den Verbandsausschuß
in Koblenz für das Halbjahr Oktober - April 5 Mil-
lionen Mark gefordert. Der Ausschuß nimmt für sich
die am besten eingerichteten Villen und Gebäude in Anspruch.
Nach Angaben der Stadt Koblenz werden 80 - 90 Fami-
lienwohnungen für den Ausschuß erforderlich werden.
Da auch die Geschäftsräume untergebracht werden müssen,
werden die angeforderten 5 Millionen Mark kaum aus-
reichen.
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Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
________________________________________________________________________________________________________________
Z i t t a u e r M o r g e n = Z e i t u n g.
Expedition: Organ für Volksinteresse. Redaktion:
Fernsprecher 8. Fernsprecher 129.
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Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
________________________________________________________________________________________________________________
1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
* * *
Als Delegierter der internationalen Kom-
mission, der die Abstimmung in Nordschleswig vor-
bereiten soll, weilte Sonnabend der schwedische Konsul Lund-
green in Flensburg, um zunächst getrennt mit Vertre-
tern des deutschen und des dänischen Teils der Bevölkerung
über die Frage der Ernährungswirtschaft während
der Abstimmung zu beraten. In einer gemeinsamen dritten
Sitzung unter dem Vorsitz des Staatskommissars für Schles-
wig-Holstein, Dr. Köster, einigte man sich auf ein besonderes
Ernährungsprogramm, das die Beibehaltung in der
bisherigen Lieferfrist und den Austausch aller Überschüsse
des Abstimmungsgebietes gegen Kohlen, Baumaterialien
usw. vorsieht.
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Nr. 232 Dienstag, den 7. Oktober 1919 45. Jahrg.
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Z i t t a u e r M o r g e n = Z e i t u n g.
Expedition: Organ für Volksinteresse. Redaktion:
Fernsprecher 8. Fernsprecher 129.
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Die Zittauer Morgen=Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach einem Sonn-und Festtage - Bezugspreis: 4 M. 95 Pfg. für das Vierteljahr in der Geschäftsstelle in Zittau und bei allen
Postanstalten, ausschließlich Bringerlohn; bei den österreichischen Postanstalten 11 Kronen 2 Heller. -
Anzeigen: Die siebengespaltene Kolonelzeile kostet für Anzeigen aus der Stadt und den Ortschaften der Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau 60 Pfennig; für Anzeigen aus allen anderen Orten 70 Pfennig; im Reklameteil kostet die Zeile 2 M. Anzeigen, bei der die Geschäftsstelle Angebote zu vermitteln oder Auskunft zu erteilen hat, unterliegen einer Sondergebühr von 30 Pfennig. - Anzeigen-Annahme bis spätestens nachmittags 5 Uhr. - Für Rückgabe eingehender Beiträge keine Verbindlichkeit.
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1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
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1. Spalte
Aufruf an die Abstimmungsberechtigten.
Deutsche Männer und Frauen, bewahrt Euch die deut-
sche Heimat! Ihr, die Ihr aus Ost- und Westpreußen,
aus Oberschlesien und Schleswig-Holstein
stammt, bewahrt Eurer Heimat auch die Treue, wenn Ihr
jetzt in fremdem Lande und in fremder Stadt weilt. In
Eurer Hand liegt auch das Schicksal der Gebietsteile, in denen
nach Inkrafttreten des Friedensvertrages Volksabstim-
mungen vorgenommen werden sollen. Ihr sollt mit dar-
über entscheiden, ob Eure Heimat fernerhin noch zum Deut-
schen Reiche gehören soll. Keiner darf bei dieser Ent-
scheidung fehlen. Jeder tue seine Pflicht, jeder Abstim-
mungsberechtigte trage sich in die Frage-
bogen ein, die am 8. Oktober aus Anlaß der Volks-
zählung in jede Familie kommen. Es gilt die Abstim-
mung vorzubereiten. Von der Vorbereitung hängt der Er-
folg ab. Jeder hole die Seinigen herbei, jede Stimme zählt,
jede entscheidet.
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Lille, Frankreich
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Story location Lille, Frankreich
- ID
- 12998 / 199762
- Contributor
- Uta Hentschel
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