Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 7

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180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

 linke Spalte 

   Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

übriggelassen hat.

   Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

 gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                      *

                                 Seegefecht am Bosporus.

   Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

Türken hatten keine Verluste.

                                          ______________________________

                     Märchen über die großen Brummer.

      Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: Über das deutsche

42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

   Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

Zeitung":

   Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

erhalten dazu folgende Zuschrift: 

   Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

zulässigen Punkte herauszugreifen:

   Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

- während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

   Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

   Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

er trotzdem als eine Kriegsüberraschung erst 1914 bekannt wird, ist

nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

heit auffallen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!

   


 rechte Spalte 

   Die Einzelheiten, die über das Geschütz in den letzten beiden

Monaten bekannt geworden sind, begründen sich auf Vermutungen.

Die "Züricher Post" läßt den Schuß auf 48000 M. bewerten und

 die französischen Blätter berechnen ihn nach dem "Standard" auf

35000 Franken.

   Dann die Lebensfähigkeit: man hat sie zuerst unbegrenzt

genannt. Das ist natürlich Unsinn. Aber bekanntlich sind die Mörser

langlebiger als lange Geschütze; und wenn man annehmen darf, daß

zum Beispiel lange englische Schiffskanonen infolge ihrer Draht-

konstruktion etwa 80 Schüsse aushalten entgegen den mindestens 250

unsrer langen Kanonen, so ergibt sich, daß man unsern 42ern schon

einige Leistungsfähigkeit zutrauen kann.

   Über die Tragweite der Geschosse verlautet manches Abenteuer-

liche. Man liest von 32 km und selbst von 44 km. Eine bestimmte

Zahl will ich nicht angeben. Aber jedenfalls schießt der Mörser weit,

und die vorläufig eingehaltenen Entfernungen werden von feindlichen

Geschützen nicht erreicht. Was bis jetzt über das Gewicht der Geschosse 

geschrieben wurde, hat - trotz der zahlreichen verschiedenen Angaben -

das Tatsächliche nicht erraten.                                 

                                                   _______________ 

                                 Papier für Gold, Papier für Gold.

   Aus dem Felde wird uns geschrieben:

   "Um die finanzielle Kraft unsers Vaterlandes zu stärken, hält die

Reichsbank das Gold zurück, denn in diesem Kriege ist die finanzielle

Kriegsbereitschaft des Reiches zum Teil ausschlaggebend.

   Völlig abgesehen aber davon, daß die Reichsbank das Gold unbedingt

nötig hat, ist es sogar falsch, in Feindesland in deutschem Golde zu be-

zahlen, denn es steht im Kurse höher als das fremde Gold, so daß jeder,

der in deutschem Golde zahlt, wenn auch unbewußt, das eigne Vaterland

schädigt. Dazu kommt, daß unser Papiergeld in den besetzten feindlichen

Gebieten Zwangskurs hat und von den Bewohnern zu seinem vollen Werte

angenommen werden muß. Auch das Silbergeld darf nicht durch Abfluß

ins Ausland dem Staate verloren gehen.

   Darum soll alles Gold, das sich noch in den Händen der Kameraden 

im Felde befindet, gegen Papiergeld eingetauscht werden, um sodann das

Gold durch die Zahlmeister an die Reichsbank abführen zu lassen.

   Infolge dieses Hinweises sind in einem kleinen Kreise von etwa

1100 Köpfen in drei Tagen weit über 5000 M. in Gold durch Umwechseln

gesammelt und an die Reichsbank abgeführt worden."

   Wir geben unsern Kameraden von obigem Schreiben Kenntnis

und empfehlen dringend, ebenso zu handeln. Es wäre mit Dank zu

begrüßen, wenn die Herren Kompanie=, Eskadron= und Batterieführer

sich der Sache annehmen wollten, um aufklärend zu wirken und

selbsttätig die Sammlung einzuleiten. Auch möchten wir die Auf-

merksamkeit aller Herren Offiziere, Sanitäts= und  Veterinäroffiziere

sowie der Herren Beamten auf diese Frage lenken. 

                      Der Vorstand des Deutschen Kriegerbundes.

                                                       Westphal,

                Geheimer Regierungsrat, Geschäftsführender Vorsitzenden.

                                   =========================

                                 Die Rache ist mein.

                             Dramatisches Gedicht.

                             Gedanken von Renate.

O Gott, vom Himmel sieh darein,

Es wachsen unsrer Feinde Reih´n,

    Um ganz uns zu verderben.

Uns übermannt der Rache Wut,

Wir lechzen nach der Dränger Blut,

     Zu siegen oder sterben.

Mein deutsches Volk, hab nur Geduld,

Du hast so oft schon meine Huld

     Im Lauf der Zeit erfahren.

 

Den Erdkreis komme richten ich; -

Gerechtigkeit soll fürchterlich

     Auf Deine Feinde fahren.

Wir glauben, Herr, Du wirst uns nicht,

Bricht voll herein Dein Strafgericht,

     In schwerer Not verlassen.

Wir haben zwar zu viel gefehlt,

Doch nun uns Hoffnung neu beseelt,

     Da Deine Hand wir fassen.

Wirst Du, mein Volk, in Deiner Not

Befolgen gerne mein Gebot:

     So sollst Du Wunder schauen:

Als Werkzeug wirst in meiner Hand

Du niederstrecken Engelland,

     Das mich betrübt zum Grauen.

                        _______________________________

               Fortsetzung in der Beilage.





   



   




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180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

 linke Spalte 

   Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

übriggelassen hat.

   Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

 gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                      *

                                 Seegefecht am Bosporus.

   Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

Türken hatten keine Verluste.

                                          ______________________________

                     Märchen über die großen Brummer.

      Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: Über das deutsche

42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

   Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

Zeitung":

   Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

erhalten dazu folgende Zuschrift: 

   Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

zulässigen Punkte herauszugreifen:

   Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

- während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

   Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

   Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

er trotzdem als eine Kriegsüberraschung erst 1914 bekannt wird, ist

nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

heit auffallen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!

   


 rechte Spalte 

   Die Einzelheiten, die über das Geschütz in den letzten beiden

Monaten bekannt geworden sind, begründen sich auf Vermutungen.

Die "Züricher Post" läßt den Schuß auf 48000 M. bewerten und

 die französischen Blätter berechnen ihn nach dem "Standard" auf

35000 Franken.

   Dann die Lebensfähigkeit: man hat sie zuerst unbegrenzt

genannt. Das ist natürlich Unsinn. Aber bekanntlich sind die Mörser

langlebiger als lange Geschütze; und wenn man annehmen darf, daß

zum Beispiel lange englische Schiffskanonen infolge ihrer Draht-

konstruktion etwa 80 Schüsse aushalten entgegen den mindestens 250

unsrer langen Kanonen, so ergibt sich, daß man unsern 42ern schon

einige Leistungsfähigkeit zutrauen kann.

   Über die Tragweite der Geschosse verlautet manches Abenteuer-

liche. Man liest von 32 km und selbst von 44 km. Eine bestimmte

Zahl will ich nicht angeben. Aber jedenfalls schießt der Mörser weit,

und die vorläufig eingehaltenen Entfernungen werden von feindlichen

Geschützen nicht erreicht. Was bis jetzt über das Gewicht der Geschosse 

geschrieben wurde, hat - trotz der zahlreichen verschiedenen Angaben -

das Tatsächliche nicht erraten.                                 

                                                   _______________ 

                                 Papier für Gold, Papier für Gold.

   Aus dem Felde wird uns geschrieben:

   "Um die finanzielle Kraft unsers Vaterlandes zu stärken, hält die

Reichsbank das Gold zurück, denn in diesem Kriege ist die finanzielle

Kriegsbereitschaft des Reiches zum Teil ausschlaggebend.

   Völlig abgesehen aber davon, daß die Reichsbank das Gold unbedingt

nötig hat, ist es sogar falsch, in Feindesland in deutschem Golde zu be-

zahlen, denn es steht im Kurse höher als das fremde Gold, so daß jeder,

der in deutschem Golde zahlt, wenn auch unbewußt, das eigne Vaterland

schädigt. Dazu kommt, daß unser Papiergeld in den besetzten feindlichen

Gebieten Zwangskurs hat und von den Bewohnern zu seinem vollen Werte

angenommen werden muß. Auch das Silbergeld darf nicht durch Abfluß

ins Ausland dem Staate verloren gehen.

   Darum soll alles Gold, das sich noch in den Händen der Kameraden 

im Felde befindet, gegen Papiergeld eingetauscht werden, um sodann das

Gold durch die Zahlmeister an die Reichsbank abführen zu lassen.

   Infolge dieses Hinweises sind in einem kleinen Kreise von etwa

1100 Köpfen in drei Tagen weit über 5000 M. in Gold durch Umwechseln

gesammelt und an die Reichsbank abgeführt worden."

   Wir geben unsern Kameraden von obigem Schreiben Kenntnis

und empfehlen dringend, ebenso zu handeln. Es wäre mit Dank zu

begrüßen, wenn die Herren Kompanie=, Eskadron= und Batterieführer

sich der Sache annehmen wollten, um aufklärend zu wirken und

selbsttätig die Sammlung einzuleiten. Auch möchten wir die Auf-

merksamkeit aller Herren Offiziere, Sanitäts= und  Veterinäroffiziere

sowie der Herren Beamten auf diese Frage lenken. 

                      Der Vorstand des Deutschen Kriegerbundes.

                                                       Westphal,

                Geheimer Regierungsrat, Geschäftsführender Vorsitzenden.

                                   =========================

                                 Die Rache ist mein.

                             Dramatisches Gedicht.

                             Gedanken von Renate.

O Gott, vom Himmel sieh darein,

Es wachsen unsrer Feinde Reih´n,

    Um ganz uns zu verderben.

Uns übermannt der Rache Wut,

Wir lechzen nach der Dränger Blut,

     Zu siegen oder sterben.

Mein deutsches Volk, hab nur Geduld,

Du hast so oft schon meine Huld

     Im Lauf der Zeit erfahren.

 

Den Erdkreis komme richten ich; -

Gerechtigkeit soll fürchterlich

     Auf Deine Feinde fahren.

Wir glauben, Herr, Du wirst uns nicht,

Bricht voll herein Dein Strafgericht,

     In schwerer Not verlassen.

Wir haben zwar zu viel gefehlt,

Doch nun uns Hoffnung neu beseelt,

     Da Deine Hand wir fassen.

Wirst Du, mein Volk, in Deiner Not

Befolgen gerne mein Gebot:

     So sollst Du Wunder schauen:

Als Werkzeug wirst in meiner Hand

Du niederstrecken Engelland,

     Das mich betrübt zum Grauen.

                        _______________________________

               Fortsetzung in der Beilage.





   



   





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  • June 17, 2017 19:38:21 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: Über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zulässigen Punkte herauszugreifen:

       Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

    immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

    großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

    kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

    - während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

    Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

    Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

    Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

       Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

    Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

    Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

    übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

    42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

    wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

    worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

    durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

       Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

    Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

    er trotzdem als eine Kriegsüberraschung erst 1914 bekannt wird, ist

    nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

    heit auffallen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!

       


     rechte Spalte 

       Die Einzelheiten, die über das Geschütz in den letzten beiden

    Monaten bekannt geworden sind, begründen sich auf Vermutungen.

    Die "Züricher Post" läßt den Schuß auf 48000 M. bewerten und

     die französischen Blätter berechnen ihn nach dem "Standard" auf

    35000 Franken.

       Dann die Lebensfähigkeit: man hat sie zuerst unbegrenzt

    genannt. Das ist natürlich Unsinn. Aber bekanntlich sind die Mörser

    langlebiger als lange Geschütze; und wenn man annehmen darf, daß

    zum Beispiel lange englische Schiffskanonen infolge ihrer Draht-

    konstruktion etwa 80 Schüsse aushalten entgegen den mindestens 250

    unsrer langen Kanonen, so ergibt sich, daß man unsern 42ern schon

    einige Leistungsfähigkeit zutrauen kann.

       Über die Tragweite der Geschosse verlautet manches Abenteuer-

    liche. Man liest von 32 km und selbst von 44 km. Eine bestimmte

    Zahl will ich nicht angeben. Aber jedenfalls schießt der Mörser weit,

    und die vorläufig eingehaltenen Entfernungen werden von feindlichen

    Geschützen nicht erreicht. Was bis jetzt über das Gewicht der Geschosse 

    geschrieben wurde, hat - trotz der zahlreichen verschiedenen Angaben -

    das Tatsächliche nicht erraten.                                 

                                                       _______________ 

                                     Papier für Gold, Papier für Gold.

       Aus dem Felde wird uns geschrieben:

       "Um die finanzielle Kraft unsers Vaterlandes zu stärken, hält die

    Reichsbank das Gold zurück, denn in diesem Kriege ist die finanzielle

    Kriegsbereitschaft des Reiches zum Teil ausschlaggebend.

       Völlig abgesehen aber davon, daß die Reichsbank das Gold unbedingt

    nötig hat, ist es sogar falsch, in Feindesland in deutschem Golde zu be-

    zahlen, denn es steht im Kurse höher als das fremde Gold, so daß jeder,

    der in deutschem Golde zahlt, wenn auch unbewußt, das eigne Vaterland

    schädigt. Dazu kommt, daß unser Papiergeld in den besetzten feindlichen

    Gebieten Zwangskurs hat und von den Bewohnern zu seinem vollen Werte

    angenommen werden muß. Auch das Silbergeld darf nicht durch Abfluß

    ins Ausland dem Staate verloren gehen.

       Darum soll alles Gold, das sich noch in den Händen der Kameraden 

    im Felde befindet, gegen Papiergeld eingetauscht werden, um sodann das

    Gold durch die Zahlmeister an die Reichsbank abführen zu lassen.

       Infolge dieses Hinweises sind in einem kleinen Kreise von etwa

    1100 Köpfen in drei Tagen weit über 5000 M. in Gold durch Umwechseln

    gesammelt und an die Reichsbank abgeführt worden."

       Wir geben unsern Kameraden von obigem Schreiben Kenntnis

    und empfehlen dringend, ebenso zu handeln. Es wäre mit Dank zu

    begrüßen, wenn die Herren Kompanie=, Eskadron= und Batterieführer

    sich der Sache annehmen wollten, um aufklärend zu wirken und

    selbsttätig die Sammlung einzuleiten. Auch möchten wir die Auf-

    merksamkeit aller Herren Offiziere, Sanitäts= und  Veterinäroffiziere

    sowie der Herren Beamten auf diese Frage lenken. 

                          Der Vorstand des Deutschen Kriegerbundes.

                                                           Westphal,

                    Geheimer Regierungsrat, Geschäftsführender Vorsitzenden.

                                       =========================

                                     Die Rache ist mein.

                                 Dramatisches Gedicht.

                                 Gedanken von Renate.

    O Gott, vom Himmel sieh darein,

    Es wachsen unsrer Feinde Reih´n,

        Um ganz uns zu verderben.

    Uns übermannt der Rache Wut,

    Wir lechzen nach der Dränger Blut,

         Zu siegen oder sterben.

    Mein deutsches Volk, hab nur Geduld,

    Du hast so oft schon meine Huld

         Im Lauf der Zeit erfahren.

     

    Den Erdkreis komme richten ich; -

    Gerechtigkeit soll fürchterlich

         Auf Deine Feinde fahren.

    Wir glauben, Herr, Du wirst uns nicht,

    Bricht voll herein Dein Strafgericht,

         In schwerer Not verlassen.

    Wir haben zwar zu viel gefehlt,

    Doch nun uns Hoffnung neu beseelt,

         Da Deine Hand wir fassen.

    Wirst Du, mein Volk, in Deiner Not

    Befolgen gerne mein Gebot:

         So sollst Du Wunder schauen:

    Als Werkzeug wirst in meiner Hand

    Du niederstrecken Engelland,

         Das mich betrübt zum Grauen.

                            _______________________________

                   Fortsetzung in der Beilage.





       



       




  • June 17, 2017 19:34:18 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: Über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zulässigen Punkte herauszugreifen:

       Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

    immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

    großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

    kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

    - während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

    Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

    Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

    Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

       Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

    Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

    Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

    übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

    42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

    wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

    worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

    durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

       Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

    Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

    er trotzdem als eine Kriegsüberraschung erst 1914 bekannt wird, ist

    nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

    heit auffallen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!

       


     rechte Spalte 

       Die Einzelheiten, die über das Geschütz in den letzten beiden

    Monaten bekannt geworden sind, begründen sich auf Vermutungen.

    Die "Züricher Post" läßt den Schuß auf 48000 M. bewerten und

     die französischen Blätter berechnen ihn nach dem "Standard" auf

    35000 Franken.

       Dann die Lebensfähigkeit: man hat sie zuerst unbegrenzt

    genannt. Das ist natürlich Unsinn. Aber bekanntlich sind die Mörser

    langlebiger als lange Geschütze; und wenn man annehmen darf, daß

    zum Beispiel lange englische Schiffskanonen infolge ihrer Draht-

    konstruktion etwa 80 Schüsse aushalten entgegen den mindestens 250

    unsrer langen Kanonen, so ergibt sich, daß man unsern 42ern schon

    einige Leistungsfähigkeit zutrauen kann.

       Über die Tragweite der Geschosse verlautet manches Abenteuer-

    liche. Man liest von 32 km und selbst von 44 km. Eine bestimmte

    Zahl will ich nicht angeben. Aber jedenfalls schießt der Mörser weit,

    und die vorläufig eingehaltenen Entfernungen werden von feindlichen

    Geschützen nicht erreicht. Was bis jetzt über das Gewicht der Geschosse 

    geschrieben wurde, hat - trotz der zahlreichen verschiedenen Angaben -

    das Tatsächliche nicht erraten.                                 

                                                       _______________ 

                                     Papier für Gold, Papier für Gold.

       Aus dem Felde wird uns geschrieben:

       "Um die finanzielle Kraft unsers Vaterlandes zu stärken, hält die

    Reichsbank das Gold zurück, denn in diesem Kriege ist die finanzielle

    Kriegsbereitschaft des Reiches zum Teil ausschlaggebend.

       Völlig abgesehen aber davon, daß die Reichsbank das Gold unbedingt

    nötig hat, ist es sogar falsch, in Feindesland in deutschem Golde zu be-

    zahlen, denn es steht im Kurse höher als das fremde Gold, so daß jeder,

    der in deutschem Golde zahlt, wenn auch unbewußt, das eigne Vaterland

    schädigt. Dazu kommt, daß unser Papiergeld in den besetzten feindlichen

    Gebieten Zwangskurs hat und von den Bewohnern zu seinem vollen Werte

    angenommen werden muß. Auch das Silbergeld darf nicht durch Abfluß

    ins Ausland dem Staate verloren gehen.

       Darum soll alles Gold, das sich noch in den Händen der Kameraden 

    im Felde befindet, gegen Papiergeld eingetauscht werden, um sodann das

    Gold durch die Zahlmeister an die Reichsbank abführen zu lassen.

       Infolge dieses Hinweises sind in einem kleinen Kreise von etwa

    1100 Köpfen in drei Tagen weit über 5000 M. in Gold durch Umwechseln

    gesammelt und an die Reichsbank abgeführt worden."

       Wir geben unsern Kameraden von obigem Schreiben Kenntnis

    und empfehlen dringend, ebenso zu handeln. Es wäre mit Dank zu

    begrüßen, wenn die Herren Kompanie=, Eskadron= und Batterieführer

    sich der Sache annehmen wollten, um aufklärend zu wirken und

    selbsttätig die Sammlung einzuleiten. Auch möchten wir die Auf-

    merksamkeit aller Herren Offiziere, Sanitäts= und  Veterinäroffiziere

    sowie der Herren Beamten auf diese Frage lenken. 

                          Der Vorstand des Deutschen Kriegerbundes.

                                                           Westphal,

                    Geheimer Regierungsrat, Geschäftsführender Vorsitzenden.

                                       =========================

                                     Die Rache ist mein.

                                 Dramatisches Gedicht.

                                 Gedanken von Renate.

    O Gott, vom Himmel sieh darein,

    Es wachsen unsrer Feinde Reih´n,

        Um ganz uns zu verderben.

    Uns übermannt der Rache Wut,

    Wir lechzen nach der Dränger Blut,

         Zu siegen oder sterben.

    Mein deutsches Volk, hab nur Geduld,

    Du hast so oft schon meine Huld

         Im Lauf der Zeit erfahren.

    Den Erdkreis komme richten ich; -

    Gerechtigkeit soll fürchterlich

         Auf Deine Feinde fahren.

    Wir glauben, Herr, Du wirst uns nicht,

    Bricht voll herein Dein Strafgericht,

         In schwerer Not verlassen.

    Wir haben zwar zu viel gefehlt,

    Doch nun uns Hoffnung neu beseelt,

         Da Deine Hand wir fassen.

    Wirst Du, mein Volk, in Deiner Not

    Befolgen gerne mein Gebot:

         So sollst Du Wunder schauen:

    Als Werkzeug wirst in meiner Hand

    Du niederstrecken Engelland,

         Das mich betrübt zum Grauen.





       



       





  • June 17, 2017 19:33:57 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: Über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zulässigen Punkte herauszugreifen:

       Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

    immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

    großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

    kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

    - während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

    Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

    Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

    Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

       Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

    Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

    Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

    übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

    42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

    wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

    worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

    durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

       Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

    Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

    er trotzdem als eine Kriegsüberraschung erst 1914 bekannt wird, ist

    nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

    heit auffallen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!

       


     rechte Spalte 

       Die Einzelheiten, die über das Geschütz in den letzten beiden

    Monaten bekannt geworden sind, begründen sich auf Vermutungen.

    Die "Züricher Post" läßt den Schuß auf 48000 M. bewerten und

     die französischen Blätter berechnen ihn nach dem "Standard" auf

    35000 Franken.

       Dann die Lebensfähigkeit: man hat sie zuerst unbegrenzt

    genannt. Das ist natürlich Unsinn. Aber bekanntlich sind die Mörser

    langlebiger als lange Geschütze; und wenn man annehmen darf, daß

    zum Beispiel lange englische Schiffskanonen infolge ihrer Draht-

    konstruktion etwa 80 Schüsse aushalten entgegen den mindestens 250

    unsrer langen Kanonen, so ergibt sich, daß man unsern 42ern schon

    einige Leistungsfähigkeit zutrauen kann.

       Über die Tragweite der Geschosse verlautet manches Abenteuer-

    liche. Man liest von 32 km und selbst von 44 km. Eine bestimmte

    Zahl will ich nicht angeben. Aber jedenfalls schießt der Mörser weit,

    und die vorläufig eingehaltenen Entfernungen werden von feindlichen

    Geschützen nicht erreicht. Was bis jetzt über das Gewicht der Geschosse 

    geschrieben wurde, hat - trotz der zahlreichen verschiedenen Angaben -

    das Tatsächliche nicht erraten.                                 

                                                       _______________ 

                                     Papier für Gold, Papier für Gold.

       Aus dem Felde wird uns geschrieben:

       "Um die finanzielle Kraft unsers Vaterlandes zu stärken, hält die

    Reichsbank das Gold zurück, denn in diesem Kriege ist die finanzielle

    Kriegsbereitschaft des Reiches zum Teil ausschlaggebend.

       Völlig abgesehen aber davon, daß die Reichsbank das Gold unbedingt

    nötig hat, ist es sogar falsch, in Feindesland in deutschem Golde zu be-

    zahlen, denn es steht im Kurse höher als das fremde Gold, so daß jeder,

    der in deutschem Golde zahlt, wenn auch unbewußt, das eigne Vaterland

    schädigt. Dazu kommt, daß unser Papiergeld in den besetzten feindlichen

    Gebieten Zwangskurs hat und von den Bewohnern zu seinem vollen Werte

    angenommen werden muß. Auch das Silbergeld darf nicht durch Abfluß

    ins Ausland dem Staate verloren gehen.

       Darum soll alles Gold, das sich noch in den Händen der Kameraden 

    im Felde befindet, gegen Papiergeld eingetauscht werden, um sodann das

    Gold durch die Zahlmeister an die Reichsbank abführen zu lassen.

       Infolge dieses Hinweises sind in einem kleinen Kreise von etwa

    1100 Köpfen in drei Tagen weit über 5000 M. in Gold durch Umwechseln

    gesammelt und an die Reichsbank abgeführt worden."

       Wir geben unsern Kameraden von obigem Schreiben Kenntnis

    und empfehlen dringend, ebenso zu handeln. Es wäre mit Dank zu

    begrüßen, wenn die Herren Kompanie=, Eskadron= und Batterieführer

    sich der Sache annehmen wollten, um aufklärend zu wirken und

    selbsttätig die Sammlung einzuleiten. Auch möchten wir die Auf-

    merksamkeit aller Herren Offiziere, Sanitäts= und  Veterinäroffiziere

    sowie der Herren Beamten auf diese Frage lenken. 

                          Der Vorstand des Deutschen Kriegerbundes.

                                                           Westphal,

                    Geheimer Regierungsrat, Geschäftsführender Vorsitzenden.

                                       =========================

                                     Die Rache ist mein.

                                 Dramatisches Gedicht.

                                 Gedanken von Renate.

    O Gott, vom Himmel sieh darein,

    Es wachsen unsrer Feinde Reih´n,

        Um ganz uns zu verderben.

    Uns übermannt der Rache Wut,

    Wir lechzen nach der Dränger Blut,

         Zu siegen oder sterben.

    Mein deutsches Volk, hab nur Geduld,

    Du hast so oft schon meine Huld

         Im Lauf der Zeit erfahren.

    Den Erdkreis komme richten ich; -

    Gerechtigkeit soll fürchterlich

         Auf Deine Feinde fahren.

    Wir glauben, Herr, Du wirst uns nicht,

    Bricht voll herein Dein Strafgericht,

         In schwerer Not verlassen.

    Wir haben zwar zu viel gefehlt,

    Doch nun uns Hoffnung neu beseelt,

         Da Deine Hand wir fassen.

    Wirst Du, mein Volk, in Deiner Not

    Befolgen gerne mein Gebot:

         So sollst Du Wunder schauen:

    Als Werkzeug wirst in meiner Hand

    Du niederstrecken Engelland,

         Das mich betrübt zum Grauen.




       



       





  • June 17, 2017 19:29:59 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: Über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zulässigen Punkte herauszugreifen:

       Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

    immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

    großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

    kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

    - während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

    Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

    Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

    Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

       Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

    Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

    Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

    übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

    42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

    wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

    worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

    durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

       Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

    Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

    er trotzdem als eine Kriegsüberraschung erst 1914 bekannt wird, ist

    nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

    heit auffallen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!

       


     rechte Spalte 

       Die Einzelheiten, die über das Geschütz in den letzten beiden

    Monaten bekannt geworden sind, begründen sich auf Vermutungen.

    Die "Züricher Post" läßt den Schuß auf 48000 M. bewerten und

     die französischen Blätter berechnen ihn nach dem "Standard" auf

    35000 Franken.

       Dann die Lebensfähigkeit: man hat sie zuerst unbegrenzt

    genannt. Das ist natürlich Unsinn. Aber bekanntlich sind die Mörser

    langlebiger als lange Geschütze; und wenn man annehmen darf, daß

    zum Beispiel lange englische Schiffskanonen infolge ihrer Draht-

    konstruktion etwa 80 Schüsse aushalten entgegen den mindestens 250

    unsrer langen Kanonen, so ergibt sich, daß man unsern 42ern schon

    einige Leistungsfähigkeit zutrauen kann.

       Über die Tragweite der Geschosse verlautet manches Abenteuer-

    liche. Man liest von 32 km und selbst von 44 km. Eine bestimmte

    Zahl will ich nicht angeben. Aber jedenfalls schießt der Mörser weit,

    und die vorläufig eingehaltenen Entfernungen werden von feindlichen

    Geschützen nicht erreicht. Was bis jetzt über das Gewicht der Geschosse 

    geschrieben wurde, hat - trotz der zahlreichen verschiedenen Angaben -

    das Tatsächliche nicht erraten.                                 

                                                       _______________ 

                                     Papier für Gold, Papier für Gold.

       Aus dem Felde wird uns geschrieben:

       "Um die finanzielle Kraft unsers Vaterlandes zu stärken, hält die

    Reichsbank das Gold zurück, denn in diesem Kriege ist die finanzielle

    Kriegsbereitschaft des Reiches zum Teil ausschlaggebend.

       Völlig abgesehen aber davon, daß die Reichsbank das Gold unbedingt

    nötig hat, ist es sogar falsch, in Feindesland in deutschem Golde zu be-

    zahlen, denn es steht im Kurse höher als das fremde Gold, so daß jeder,

    der in deutschem Golde zahlt, wenn auch unbewußt, das eigne Vaterland

    schädigt. Dazu kommt, daß unser Papiergeld in den besetzten feindlichen

    Gebieten Zwangskurs hat und von den Bewohnern zu seinem vollen Werte

    angenommen werden muß. Auch das Silbergeld darf nicht durch Abfluß

    ins Ausland dem Staate verloren gehen.

       Darum soll alles Gold, das sich noch in den Händen der Kameraden 

    im Felde befindet, gegen Papiergeld eingetauscht werden, um sodann das

    Gold durch die Zahlmeister an die Reichsbank abführen zu lassen.

       Infolge dieses Hinweises sind in einem kleinen Kreise von etwa

    1100 Köpfen in drei Tagen weit über 5000 M. in Gold durch Umwechseln

    gesammelt und an die Reichsbank abgeführt worden."

       Wir geben unsern Kameraden von obigem Schreiben Kenntnis

    und empfehlen dringend, ebenso zu handeln. Es wäre mit Dank zu

    begrüßen, wenn die Herren Kompanie=, Eskadron= und Batterieführer

    sich der Sache annehmen wollten, um aufklärend zu wirken und

    selbsttätig die Sammlung einzuleiten. Auch möchten wir die Auf-

    merksamkeit aller Herren Offiziere, Sanitäts= und  Veterinäroffiziere

    sowie der Herren Beamten auf diese Frage lenken. 

                          Der Vorstand des Deutschen Kriegerbundes.

                                                           Westphal,

                    Geheimer Regierungsrat, Geschäftsführender Vorsitzenden.

                                       =========================

                                     Die Rache ist mein.

    Dramatisches Gedicht.

    Gedanken von Renate.

    O Gott, vom Himmel sieh darein,

    Es wachsen unsrer Feinde Reih´n,

    Um ganz uns zu verderben.

    Uns übermannt der Rache Wut,

    Wir lechzen nach der Dränger Blut,

    Zu siegen oder sterben.

    Mein deutsches Volk, hab nur Geduld,

    Du hast so oft schon meine Huld

    Im Lauf der Zeit erfahren.

    Den Erdkreis komme richten ich; -

    Gerechtigkeit soll fürchterlich

    Auf Deine Feinde fahren.

    Wir glauben, Herr, Du wirst uns nicht,

    Bricht voll herein Dein Strafgericht,

    In schwerer Not verlassen.

    Wir haben zwar zu viel gefehlt,

    Doch nun uns hoffungneu beseelt,

    Da Deine Hand wir fassen.

    Wirst Du, mein Volk, in Deiner Not

    Befolgen gerne mein Gebot:

    So sollst Du Wunder schauen:

    Als Werkzeug wirst in meiner Hand

    Du niederstrecken Engelland,

    Das mich betrübt zum Grauen.




       



       





  • June 17, 2017 19:20:29 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: Über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zulässigen Punkte herauszugreifen:

       Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

    immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

    großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

    kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

    - während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

    Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

    Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

    Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

       Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

    Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

    Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

    übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

    42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

    wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

    worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

    durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

       Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

    Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

    er trotzdem als eine Kriegsüberraschung erst 1914 bekannt wird, ist

    nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

    heit auffallen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!

       


     rechte Spalte 

       Die Einzelheiten, die über das Geschütz in den letzten beiden

    Monaten bekannt geworden sind, begründen sich auf Vermutungen.

    Die "Züricher Post" läßt den Schuß auf 48000 M. bewerten und

     die französischen Blätter berechnen ihn nach dem "Standard" auf

    35000 Franken.

       Dann die Lebensfähigkeit: man hat sie zuerst unbegrenzt

    genannt. Das ist natürlich Unsinn. Aber bekanntlich sind die Mörser

    langlebiger als lange Geschütze; und wenn man annehmen darf, daß

    zum Beispiel lange englische Schiffskanonen infolge ihrer Draht-

    konstruktion etwa 80 Schüsse aushalten entgegen den mindestens 250

    unsrer langen Kanonen, so ergibt sich, daß man unsern 42ern schon

    einige Leistungsfähigkeit zutrauen kann.

       Über die Tragweite der Geschosse verlautet manches Abenteuer-

    liche. Man liest von 32 km und selbst von 44 km. Eine bestimmte

    Zahl will ich nicht angeben. Aber jedenfalls schießt der Mörser weit,

    und die vorläufig eingehaltenen Entfernungen werden von feindlichen

    Geschützen nicht erreicht. Was bis jetzt über das Gewicht der Geschosse 

    geschrieben wurde, hat - trotz der zahlreichen verschiedenen Angaben -

    das Tatsächliche nicht erraten.                                 

                                                       _______________ 

                                     Papier für Gold, Papier für Gold.

       Aus dem Felde wird uns geschrieben:

       "Um die finanzielle Kraft unsers Vaterlandes zu stärken, hält die

    Reichsbank das Gold zurück, denn in diesem Kriege ist die finanzielle

    Kriegsbereitschaft des Reiches zum Teil ausschlaggebend.

       Völlig abgesehen aber davon, daß die Reichsbank das Gold unbedingt

    nötig hat, ist es sogar falsch, in Feindesland in deutschem Golde zu be-

    zahlen, denn es steht im Kurse höher als das fremde Gold, so daß jeder,

    der in deutschem Golde zahlt, wenn auch unbewußt, das eigne Vaterland

    schädigt. Dazu kommt, daß unser Papiergeld in den besetzten feindlichen

    Gebieten Zwangskurs hat und von den Bewohnern zu seinem vollen Werte

    angenommen werden muß. Auch das Silbergeld darf nicht durch Abfluß

    ins Ausland dem Staate verloren gehen.

       Darum soll alles Gold, das sich noch in den Händen der Kameraden 

    im Felde befindet, gegen Papiergeld eingetauscht werden, um sodann das

    Gold durch die Zahlmeister an die Reichsbank abführen zu lassen.

       Infolge dieses Hinweises sind in einem kleinen Kreise von etwa

    1100 Köpfen in drei Tagen weit über 5000 M. in Gold durch Umwechseln

    gesammelt und an die Reichsbank abgeführt worden."

       Wir geben unsern Kameraden von obigem Schreiben Kenntnis

    und empfehlen dringend, ebenso zu handeln. Es wäre mit Dank zu

    begrüßen, wenn die Herren Kompanie=, Eskadron= und Batterieführer

    sich der Sache annehmen wollten, um aufklärend zu wirken und

    selbsttätig die Sammlung einzuleiten. Auch möchten wir die Auf-

    merksamkeit aller Herren Offiziere, Sanitäts= und  Veterinäroffiziere

    sowie der Herren Beamten auf diese Frage lenken. 

                          Der Vorstand des Deutschen Kriegerbundes.

                                                           Westphal,

                    Geheimer Regierungsrat, Geschäftsführender Vorsitzenden.

       



       





  • June 17, 2017 19:18:46 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: Über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zulässigen Punkte herauszugreifen:

       Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

    immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

    großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

    kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

    - während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

    Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

    Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

    Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

       Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

    Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

    Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

    übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

    42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

    wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

    worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

    durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

       Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

    Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

    er trotzdem als eine Kriegsüberraschung erst 1914 bekannt wird, ist

    nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

    heit auffallen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!

       


     rechte Spalte 

       Die Einzelheiten, die über das Geschütz in den letzten beiden

    Monaten bekannt geworden sind, begründen sich auf Vermutungen.

    Die "Züricher Post" läßt den Schuß auf 48000 M. bewerten und

     die französischen Blätter berechnen ihn nach dem "Standard" auf

    35000 Franken.

       Dann die Lebensfähigkeit: man hat sie zuerst unbegrenzt

    genannt. Das ist natürlich Unsinn. Aber bekanntlich sind die Mörser

    langlebiger als lange Geschütze; und wenn man annehmen darf, daß

    zum Beispiel lange englische Schiffskanonen infolge ihrer Draht-

    konstruktion etwa 80 Schüsse aushalten entgegen den mindestens 250

    unsrer langen Kanonen, so ergibt sich, daß man unsern 42ern schon

    einige Leistungsfähigkeit zutrauen kann.

       Über die Tragweite der Geschosse verlautet manches Abenteuer-

    liche. Man liest von 32 km und selbst von 44 km. Eine bestimmte

    Zahl will ich nicht angeben. Aber jedenfalls schießt der Mörser weit,

    und die vorläufig eingehaltenen Entfernungen werden von feindlichen

    Geschützen nicht erreicht. Was bis jetzt über das Gewicht der Geschosse 

    geschrieben wurde, hat - trotz der zahlreichen verschiedenen Angaben -

    das Tatsächliche nicht erraten.                                 

                                                       _______________ 

                                     Papier für Gold, Papier für Gold.

       Aus dem Felde wird uns geschrieben:

       "Um die finanzielle Kraft unsers Vaterlandes zu stärken, hält die

    Reichsbank das Gold zurück, denn in diesem Kriege ist die finanzielle

    Kriegsbereitschaft des Reiches zum Teil ausschlaggebend.

       Völlig abgesehen aber davon, daß die Reichsbank das Gold unbedingt

    nötig hat, ist es sogar falsch, in Feindesland in deutschem Golde zu be-

    zahlen, denn es steht im Kurse höher als das fremde Gold, so daß jeder,

    der in deutschem Golde zahlt, wenn auch unbewußt, das eigne Vaterland

    schädigt. Dazu kommt, daß unser Papiergeld in den besetzten feindlichen

    Gebieten Zwangskurs hat und von den Bewohnern zu seinem vollen Werte

    angenommen werden muß. Auch das Silbergeld darf nicht durch Abfluß

    ins Ausland dem Staate verloren gehen.

       Darum soll alles Gold, das sich noch in den Händen der Kameraden 

    im Felde befindet, gegen Papiergeld eingetauscht werden, um sodann das

    Gold durch die Zahlmeister an die Reichsbank abführen zu lassen.

       Infolge dieses Hinweises sind in einem kleinen Kreise von etwa

    1100 Köpfen in drei Tagen weit über 5000 M. in Gold durch Umwechseln

    gesammelt und an die Reichsbank abgeführt worden."

       Wir geben unsern Kameraden von obigem Schreiben Kenntnis

    und empfehlen dringend, ebenso zu handeln. Es wäre mit Dank zu

    begrüßen, wenn die Herren Kompanie=, Eskadron= und Batterieführer

    sich der Sache annehmen wollten, um aufklärend zu wirken und

    selbsttätig die Sammlung einzuleiten. Auch möchten wir die Auf-

    merksamkeit aller Herren Offiziere, Sanitäts= und  Veterinäroffiziere

    sowie der Herren Beamten auf diese Frage lenken. 


       



       





  • June 17, 2017 19:13:57 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: Über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zulässigen Punkte herauszugreifen:

       Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

    immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

    großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

    kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

    - während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

    Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

    Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

    Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

       Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

    Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

    Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

    übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

    42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

    wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

    worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

    durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

       Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

    Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

    er trotzdem als eine Kriegsüberraschung erst 1914 bekannt wird, ist

    nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

    heit auffallen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!

       


     rechte Spalte 

       Die Einzelheiten, die über das Geschütz in den letzten beiden

    Monaten bekannt geworden sind, begründen sich auf Vermutungen.

    Die "Züricher Post" läßt den Schuß auf 48000 M. bewerten und

     die französischen Blätter berechnen ihn nach dem "Standard" auf

    35000 Franken.

       Dann die Lebensfähigkeit: man hat sie zuerst unbegrenzt

    genannt. Das ist natürlich Unsinn. Aber bekanntlich sind die Mörser

    langlebiger als lange Geschütze; und wenn man annehmen darf, daß

    zum Beispiel lange englische Schiffskanonen infolge ihrer Draht-

    konstruktion etwa 80 Schüsse aushalten entgegen den mindestens 250

    unsrer langen Kanonen, so ergibt sich, daß man unsern 42ern schon

    einige Leistungsfähigkeit zutrauen kann.

       Über die Tragweite der Geschosse verlautet manches Abenteuer-

    liche. Man liest von 32 km und selbst von 44 km. Eine bestimmte

    Zahl will ich nicht angeben. Aber jedenfalls schießt der Mörser weit,

    und die vorläufig eingehaltenen Entfernungen werden von feindlichen

    Geschützen nicht erreicht. Was bis jetzt über das Gewicht der Geschosse 

    geschrieben wurde, hat - trotz der zahlreichen verschiedenen Angaben -

    das Tatsächliche nicht erraten.                                 

                                                       _______________ 

                                     Papier für Gold, Papier für Gold.

       Aus dem Felde wird uns geschrieben:

       "Um die finanzielle Kraft unsers Vaterlandes zu stärken, hält die

    Reichsbank das Gold zurück, denn in diesem Kriege ist die finanzielle

    Kriegsbereitschaft des Reiches zum Teil ausschlaggebend.

       Völlig abgesehen aber davon, daß die Reichsbank das Gold unbedingt

    nötig hat, ist es sogar falsch, in Feindesland in deutschem Golde zu be-

    zahlen, denn es steht im Kurse höher als das fremde Gold, so daß jeder,

    der in deutschem Golde zahlt, wenn auch unbewußt, das eigne Vaterland

    schädigt. Dazu kommt, daß unser Papiergeld in den besetzten feindlichen

    Gebieten Zwangskurs hat und von den Bewohnern zu seinem vollen Werte

    angenommen werden muß. Auch das Silbergeld darf nicht durch Abfluß

    ins Ausland dem Staate verloren gehen.

       Darum soll alles Gold, das sich noch in den Händen der Kameraden 

    im Felde befindet, gegen Papiergeld eingetauscht werden, um sodann das

    Gold durch die Zahlmeister an die Reichsbank abführen zu lassen.

       Infolge dieses Hinweises sind in einem kleinen Kreise von etwa

    1100 Köpfen in drei Tagen weit über 5000 M. in Gold durch Umwechseln

    gesammelt und an die Reichsbank abgeführt worden."

       



       





  • June 17, 2017 19:13:17 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: Über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zulässigen Punkte herauszugreifen:

       Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

    immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

    großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

    kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

    - während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

    Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

    Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

    Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

       Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

    Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

    Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

    übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

    42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

    wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

    worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

    durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

       Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

    Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

    er trotzdem als eine Kriegsüberraschung erst 1914 bekannt wird, ist

    nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

    heit auffallen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!

       


     rechte Spalte 

       Die Einzelheiten, die über das Geschütz in den letzten beiden

    Monaten bekannt geworden sind, begründen sich auf Vermutungen.

    Die "Züricher Post" läßt den Schuß auf 48000 M. bewerten und

     die französischen Blätter berechnen ihn nach dem "Standard" auf

    35000 Franken.

       Dann die Lebensfähigkeit: man hat sie zuerst unbegrenzt

    genannt. Das ist natürlich Unsinn. Aber bekanntlich sind die Mörser

    langlebiger als lange Geschütze; und wenn man annehmen darf, daß

    zum Beispiel lange englische Schiffskanonen infolge ihrer Draht-

    konstruktion etwa 80 Schüsse aushalten entgegen den mindestens 250

    unsrer langen Kanonen, so ergibt sich, daß man unsern 42ern schon

    einige Leistungsfähigkeit zutrauen kann.

       Über die Tragweite der Geschosse verlautet manches Abenteuer-

    liche. Man liest von 32 km und selbst von 44 km. Eine bestimmte

    Zahl will ich nicht angeben. Aber jedenfalls schießt der Mörser weit,

    und die vorläufig eingehaltenen Entfernungen werden von feindlichen

    Geschützen nicht erreicht. Was bis jetzt über das Gewicht der Geschosse 

    geschrieben wurde, hat - trotz der zahlreichen verschiedenen Angaben -

    das Tatsächliche nicht erraten.                                 

                                                       _______________ 

                                     Papier für Gold, Papier für Gold.

       Aus dem Felde wird uns geschrieben:

       "Um die finanzielle Kraft unsers Vaterlandes zu stärken, hält die

    Reichsbank das Gold zurück, denn in diesem Kriege ist die finanzielle

    Kriegsbereitschaft des Reiches zum Teil ausschlaggebend.

       Völlig abgesehen aber davon, daß die Reichsbank das Gold unbedingt

    nötig hat, ist es sogar falsch, in Feindesland in deutschem Golde zu be-

    zahlen, denn es steht im Kurse höher als das fremde Gold, so daß jeder,

    der in deutschem Golde zahlt, wenn auch unbewußt, das eigne Vaterland

    schädigt. Dazu kommt, daß unser Papiergeld in den besetzten feindlichen

    Gebieten Zwangskurs hat und von den Bewohnern zu seinem vollen Werte

    angenommen werden muß. Auch das Silbergeld darf nicht durch Abfluß

    ins Ausland dem Staate verloren gehen.

       Darum soll alles Gold, das sich noch in den Händen der Kameraden 

    im Felde befindet, gegen Papiergeld eingetauscht werden, um sodann das

    Gold durch die Zahlmeister an die Reichsbank abführen zu lassen.

       Infolge dieses Hinweises sind in einem kleinen Kreise von etwa

    1100 Köpfen in drei Tagen weit über 5000 M. in Gold durch Umwechseln

    gesammelt und an die Reichsbank abgeführt worden."



       





  • June 17, 2017 19:09:31 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: Über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zulässigen Punkte herauszugreifen:

       Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

    immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

    großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

    kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

    - während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

    Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

    Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

    Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

       Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

    Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

    Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

    übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

    42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

    wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

    worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

    durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

       Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

    Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

    er trotzdem als eine Kriegsüberraschung erst 1914 bekannt wird, ist

    nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

    heit auffallen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!

       


     rechte Spalte 

       Die Einzelheiten, die über das Geschütz in den letzten beiden

    Monaten bekannt geworden sind, begründen sich auf Vermutungen.

    Die "Züricher Post" läßt den Schuß auf 48000 M. bewerten und

     die französischen Blätter berechnen ihn nach dem "Standard" auf

    35000 Franken.

       Dann die Lebensfähigkeit: man hat sie zuerst unbegrenzt

    genannt. Das ist natürlich Unsinn. Aber bekanntlich sind die Mörser

    langlebiger als lange Geschütze; und wenn man annehmen darf, daß

    zum Beispiel lange englische Schiffskanonen infolge ihrer Draht-

    konstruktion etwa 80 Schüsse aushalten entgegen den mindestens 250

    unsrer langen Kanonen, so ergibt sich, daß man unsern 42ern schon

    einige Leistungsfähigkeit zutrauen kann.

       Über die Tragweite der Geschosse verlautet manches Abenteuer-

    liche. Man liest von 32 km und selbst von 44 km. Eine bestimmte

    Zahl will ich nicht angeben. Aber jedenfalls schießt der Mörser weit,

    und die vorläufig eingehaltenen Entfernungen werden von feindlichen

    Geschützen nicht erreicht. Was bis jetzt über das Gewicht der Geschosse 

    geschrieben wurde, hat - trotz der zahlreichen verschiedenen Angaben -

    das Tatsächliche nicht erraten.                                 

                                                       _______________ 

                                     Papier für Gold, Papier für Gold.

       Aus dem Felde wird uns geschrieben:

       "Um die finanzielle Kraft unsers Vaterlandes zu stärken, hält die

    Reichsbank das Gold zurück, denn in diesem Kriege ist die finanzielle

    Kriegsbereitschaft des Reiches zum Teil ausschlaggebend.

       Völlig abgesehen aber davon, daß die Reichsbank das Gold unbedingt

    nötig hat, ist es sogar falsch, in Feindesland in deutschem Golde zu be-

    zahlen, denn es steht im Kurse höher als das fremde Gold, so daß jeder,

    der in deutschem Golde zahlt, wenn auch unbewußt, das eigne Vaterland

    schädigt. Dazu kommt, daß unser Papiergeld in den besetzten feindlichen

    Gebieten Zwangskurs hat und von den Bewohnern zu seinem vollen Werte

    angenommen werden muß. Auch das Silbergeld darf nicht durch Abfluß

    ins Ausland dem Statte verloren gehen.



       





  • June 17, 2017 19:00:51 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: Über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zulässigen Punkte herauszugreifen:

       Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

    immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

    großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

    kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

    - während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

    Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

    Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

    Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

       Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

    Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

    Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

    übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

    42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

    wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

    worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

    durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

       Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

    Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

    er trotzdem als eine Kriegsüberraschung erst 1914 bekannt wird, ist

    nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

    heit auffallen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!

       


     rechte Spalte 

       Die Einzelheiten, die über das Geschütz in den letzten beiden

    Monaten bekannt geworden sind, begründen sich auf Vermutungen.

    Die "Züricher Post" läßt den Schuß auf 48000 M. bewerten und

     die französischen Blätter berechnen ihn nach dem "Standard" auf

    35000 Franken.

       Dann die Lebensfähigkeit: man hat sie zuerst unbegrenzt

    genannt. Das ist natürlich Unsinn. Aber bekanntlich sind die Mörser

    langlebiger als lange Geschütze; und wenn man annehmen darf, daß

    zum Beispiel lange englische Schiffskanonen infolge ihrer Draht-

    konstruktion etwa 80 Schüsse aushalten entgegen den mindestens 250

    unsrer langen Kanonen, so ergibt sich, daß man unsern 42ern schon

    einige Leistungsfähigkeit zutrauen kann.

       Über die Tragweite der Geschosse verlautet manches Abenteuer-

    liche. Man liest von 32 km und selbst von 44 km. Eine bestimmte

    Zahl will ich nicht angeben. Aber jedenfalls schießt der Mörser weit,

    und die vorläufig eingehaltenen Entfernungen werden von feindlichen

    Geschützen nicht erreicht. Was bis jetzt über das Gewicht der Geschosse 

    geschrieben wurde, hat - trotz der zahlreichen verschiedenen Angaben -

    das Tatsächliche nicht erraten.





  • June 17, 2017 18:59:57 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: Über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zulässigen Punkte herauszugreifen:

       Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

    immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

    großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

    kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

    - während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

    Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

    Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

    Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

       Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

    Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

    Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

    übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

    42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

    wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

    worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

    durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

       Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

    Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

    er trotzdem als eine Kriegsüberraschung erst 1914 bekannt wird, ist

    nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

    heit auffallen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!

       


     rechte Spalte 

       Die Einzelheiten, die über das Geschütz in den letzten beiden

    Monaten bekannt geworden sind, begründen sich auf Vermutungen.

    Die "Züricher Post" läßt den Schuß auf 48000 M. bewerten und

     die französischen Blätter berechnen ihn nach dem "Standard" auf

    35000 Franken.

       Dann die Lebensfähigkeit: man hat sie zuerst unbegrenzt

    genannt. Das ist natürlich Unsinn. Aber bekanntlich sind die Mörser

    langlebiger als lange Geschütze; und wenn man annehmen darf, daß

    zum Beispiel lange englische Schiffskanonen infolge ihrer Draht-

    konstruktion etwa 80 Schüsse aushalten entgegen den mindestens 250

    unsrer langen Kanonen, so ergibt sich, daß man unsern 42ern schon

    einige Leistungsfähigkeit zutrauen kann.

       Über die Tragweite der Geschosse verlautet manches Abenteuer-

    liches. Man liest von 32 km und selbst von 44 km. Eine bestimmte

    Zahl will ich nicht angeben. Aber jedenfalls schießt der Mörser weit,

    und die vorläufig eingehaltenen Entfernungen werden von feindlichen

    Geschützen nicht erreicht. Was bis jetzt über da Gewicht der Geschosse 

    geschrieben wurde, hat - trotz der zahlreichen verschiedenen Angaben -

    das Tatsächliche nicht erraten.





  • June 17, 2017 18:57:06 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: Über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zulässigen Punkte herauszugreifen:

       Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

    immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

    großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

    kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

    - während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

    Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

    Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

    Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

       Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

    Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

    Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

    übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

    42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

    wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

    worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

    durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

       Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

    Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

    er trotzdem als eine Kriegsüberraschung erst 1914 bekannt wird, ist

    nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

    heit auffallen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!

       


     rechte Spalte 

       Die Einzelheiten, die über das Geschütz in den letzten beiden

    Monaten bekannt geworden sind, begründen sich auf Vermutungen.

    Die "Züricher Post" läßt den Schuß auf 48000 M. bewerten und

     die französischen Blätter berechnen ihn nach dem "Standard" auf

    35000 Franken.

       Dann die Lebensfähigkeit: man hat sie zuerst unbegrenzt

    genannt. Das ist natürlich Unsinn. Aber bekanntlich sind die Mörser

    langlebiger als lange Geschütze; und wenn man annehmen darf, daß

    zum Beispiel lange englische Schiffskanonen infolge ihrer Draht-

    konstruktion etwa 80 Schüsse aushalten entgegen den mindestens 250

    unsrer langen Kanonen, so ergibt sich, daß man unsern 42ern schon

    einige Leistungsfähigkeit zutrauen kann.

       Über die Tragweite der Geschosse verlautet manches Abenteuer-

    liches. Man liest von 32 km und selbst von 44 km. 





  • June 17, 2017 18:54:45 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: Über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zulässigen Punkte herauszugreifen:

       Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

    immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

    großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

    kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

    - während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

    Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

    Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

    Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

       Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

    Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

    Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

    übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

    42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

    wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

    worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

    durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

       Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

    Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

    er trotzdem als eine Kriegsüberraschung erst 1914 bekannt wird, ist

    nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

    heit auffallen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!

       


     rechte Spalte 

       Die Einzelheiten, die über das Geschütz in den letzten beiden

    Monaten bekannt geworden sind, begründen sich auf Vermutungen.

    Die "Züricher Post" läßt den Schuß auf 48000 M. bewerten und

     die französischen Blätter berechnen ihn nach dem "Standard" auf

    35000 Franken.

       Dann die Lebensfähigkeit: man hat sie zuerst unbegrenzt

    genannt. Das ist natürlich Unsinn. Aber bekanntlich sind die Mörser

    langlebiger als lange Geschütze; und wenn man annehmen darf, daß

    zum Beispiel lange englische Schiffskanonen infolge ihrer Draht-

    konstruktion etwa 80 Schüsse aushalten entgegen den mindestens 250

    unsrer langen Kanonen, so ergibt sich, daß man unsern 42ern schon

    einige Leistungsfähigkeit zutrauen kann.





  • June 17, 2017 18:47:11 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: Über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zulässigen Punkte herauszugreifen:

       Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

    immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

    großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

    kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

    - während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

    Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

    Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

    Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

       Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

    Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

    Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

    übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

    42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

    wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

    worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

    durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

       Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

    Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

    er trotzdem als eine Kriegsüberraschung erst 1914 bekannt wird, ist

    nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

    heit auffallen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!



  • June 17, 2017 18:43:53 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zuässigen Punkte herauszugreifen:

       Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

    immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

    großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

    kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

    - während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

    Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

    Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

    Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

       Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

    Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

    Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

    übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

    42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

    wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

    worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

    durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

       Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

    Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

    er trotzdem als eine Kriegsüberaschung erst 1914 bekannt wird, ist

    nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

    heit auffallen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!



  • June 17, 2017 18:43:06 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zuässigen Punkte herauszugreifen:

       Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

    immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

    großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

    kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

    - während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

    Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

    Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

    Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

       Es scheint sich aus solchen Mitteilungen im Publikum die

    Meinung festgesetzt zu haben, als ob die Mörser entweder noch

    Kruppsches Eigentum wären oder jetzt erst an die Heeresverwaltung

    übergegangen seien. Beides ist unrichtig: die Versuche mit den

    42 cm=Mörsern liegen mehr als sechs Jahre zurück und

    wurden von der Artillerieprüfungskommission  Berlin vorgenommen,

    worauf die Geschütze dem Vorschlage der Kommission entsprechend

    durch das Kriegsministerium eingeführt wurden.

       Selbstverständlich sind seit einer Reihe von Jahren Offiziere und

    Mannschaften planmäßig an dem Mörser ausgebildet worden. Daß

    er trotzdem als eine Kriegsüberaschung erst 1914 bekannt wird, ist

    nicht weiter verwunderlich. Oder soll die langgewahrte Verschwiegen-

    heit auffllen? Sie ist doch ohne weiters Soldatenpflicht!



  • June 17, 2017 18:34:21 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zuässigen Punkte herauszugreifen:

       Zunächst muß es uns Artilleristen doch langsam ärgern, daß

    immerwährend Kruppsche Ingenieure als Bedienungsmannschaften der

    großen Mörser gesehen werden wollen. Ein Berliner Blatt ging

    kürzlich sogar so weit, von "eleganten Herren in Cutaways" zu sprechen

    - während vom ersten Tage an, an dem die Mörser in

    Tätigkeit traten, ausschließlich uniformierte regelrechte

    Artilleristen des deutschen Heeres, die in keinem Verhältnis zu den

    Kruppschen Werken stehen, die Mörser bedient haben und bedienen.

       



  • June 17, 2017 18:28:04 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 

       Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, mit einem höhern deutschen

    Artillerieoffizier über das Thema zu sprechen, und bin in der Lage,

    aus dem Rahmen der Unterhaltung die folgenden zur Veröffentlichung

    zuässigen Punkte herauszugreifen:


  • June 17, 2017 18:14:14 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.

                                              ______________________________

                         Märchen über die großen Brummer.

          Amtlich wird durch W.T.B. mitgeteilt: über das deutsche

    42 cm= Belagerungsgeschütz werden fortgesetzt allerlei Gerüchte

    verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes 

    überhaupt in Frage gestellt wird, werden anderseits Beschreibungen,

    Zahlenangaben und Abbildungen veröffentlicht, die sich darauf

    beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andre. Nach-

    dem vom Großen Generalstab unter Nennung dieses Geschützes

    Photographien der damit gegen die Lütticher Forts erreichten

    Wirkung veröffentlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer

    Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über

    dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden, und alles

    darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer

    verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind.

       Ferner lesen wir in der halbamtlichen "Norddeutschen Allgemeinen

    Zeitung":

       Wiederum kommen auf dem Umwege über die Schweizer Zeitungen

    ausführliche Beschreibungen der 42 cm=Mörser zu uns, die, trotz ihrer

    fast als zuverlässig erscheinenden Aufmachung, als Federphantasien

    abgelehnt werden müssen. Die "Münchner Neuesten Nachrichten"

    erhalten dazu folgende Zuschrift: 


  • June 17, 2017 18:00:08 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

                                                          *

                                     Seegefecht am Bosporus.

       Nach einer amtlichen Meldung aus Konstantinopel machten

    einige russische Torpedoboote den Versuch, die Ausfahrt

    der türkischen Flotte in das Schwarze Meer zu verhindern.

    Die türkische Flotte eröffnete auf die russischen Schiffe ihr

    Feuer und brachte zwei Fahrzeuge zum Sinken. Es

    wurden 86 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen, Die

    Türken hatten keine Verluste.


  • June 17, 2017 17:54:49 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraft verleihen, zu siegen.

       


  • June 17, 2017 17:54:35 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den Wage-

    mut der Türkei, die seit 1911 zwei große Kriege hinter sich hat,

    staunen, wenn man nicht wüßte, wie trefflich die Türkei in den

    letzten Jahren an ihrer Wiederaufrichtung gearbeitet hat und

    wie einmütig die Bevölkerung hinter der Regierung steht. Noch nie

    hat man, wie zuverlässige Berichte verkünden, in der Türkei  eine

    Mobilisierung so sorgfältig, so umsichtig ausgeführt wie die jetzige.

    Es ist ein Krieg um Sein oder Nichtsein, den die Türkei jetzt ficht,

    und diese Gewißheit wird ihr die Kraf veleien, zu siegen.

       


  • June 17, 2017 17:49:49 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über den

       


  • June 17, 2017 17:49:28 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

     linke Spalte 

       Jetzt ist für die Türkei nach der Ansicht ihrer leitenden Staats-

    männer der heiß ersehnte Augenblick gekommen, die jahre= und

    jahrzehntelangen Anschläge Rußlands und Englands auf ihre staatliche

    Selbständigkeit zu zerstören. Jetzt oder nie. Denn ein siegreicher

    Dreiverband würde vollenden, was die ränkevolle Diplomatie  Peters-

    burgs und Londons lange vorbereitet hat: den Zerfall der

    Türkei, die Aufteilung dessen, was der Balkankrieg von der Türkei

    übriggelassen hat.

       Der Krieg der Türkei gegen Rußland ist natürlich auch der Krieg

     gegen die Bundesgenossen Rußlands. Man könnte über  den

       


  • June 17, 2017 17:41:44 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23

    linke Spalte


  • June 17, 2017 17:35:50 Beate Jochem

    180                                        "Parole." (Feldnummer.)                                Nummer 23


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    Lille, Frankreich

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12998 / 199713
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Uta Hentschel
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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