Tagebuch Reinhold Sieglerschmidt (2), item 151

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Aber gar so traurig wie R. kann ich 

denselben doch nicht aussehen. Man merkt 

doch, dass ein solcher Kriegsberichterstatter 

gewöhnt ist, andauernd als Culturmensch 

zu leben. Uns Frontsoldaten erscheint 

der Aufenthalt - vom blossen Quartier-

standpunkt aus - ganz erträglich. 

Gestern schrieb ich Dir, ich würde Dir noch 

30.40M.[ark] schicken können. Ich habe das Geld 

aber gestern noch nicht empfangen können.

Nun will ich mir überlegen, ob ich es

nicht am besten einem Urlauber, der mor-

gen diesen Brief mitnimmt - übergebe und

in Budapest teilweise in Speck umset-

zen lasse. Derselbe ist dort verhältnismässig 

wohlfeil erhältlich. Die Ungarn haben noch alles.

Meine Erkältung ist jetzt auch in ihren 

letzten Hustenresten überwunden. Überhaupt 

brauchst Du Dir nach dieser Richtung so

 Ende der linken Seite  


 Beginn der rechten Seite 

leicht keine Sorge zu machen. Ich bin doch sehr 

abgehärtet und widerstandsfähig geworden. 

Mein Trautli, mein Herzenstrautli, ge-

gen die K.U.K. Brüder habe ich jetzt einen

schweren Vorwurf auf dem Herzen. Ich ge-

be ihnen die Schuld, dass Deine Briefe zum 

ersten Male nicht regelmässig eintreffen. Ich 

hatte das allerdings von österreichischer Postbe-

förderung nicht anders erwartet.

Mein Trautli, ich umfange Dich in unendlicher 

Sehnsucht. Und doch fühle ich solche Tapferkeit 

und Kraft zum Aushalten. Ich würde des unfass-

baren Flückes, das uns erwartet, ja sonst gar 

nicht wert sein.

Dein, dein, dein Reinhold.

Küsse Rehchen und Mövchen, grüsse Gertrud.

Pakete, wie ich schon schrieb, kommen wohl 

nicht mehr hierher. Riskiere höchstens eini-

ge Cigarren. Alles andere verbiete ich und drohe 

 Ende der rechten Seite 

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Aber gar so traurig wie R. kann ich 

denselben doch nicht aussehen. Man merkt 

doch, dass ein solcher Kriegsberichterstatter 

gewöhnt ist, andauernd als Culturmensch 

zu leben. Uns Frontsoldaten erscheint 

der Aufenthalt - vom blossen Quartier-

standpunkt aus - ganz erträglich. 

Gestern schrieb ich Dir, ich würde Dir noch 

30.40M.[ark] schicken können. Ich habe das Geld 

aber gestern noch nicht empfangen können.

Nun will ich mir überlegen, ob ich es

nicht am besten einem Urlauber, der mor-

gen diesen Brief mitnimmt - übergebe und

in Budapest teilweise in Speck umset-

zen lasse. Derselbe ist dort verhältnismässig 

wohlfeil erhältlich. Die Ungarn haben noch alles.

Meine Erkältung ist jetzt auch in ihren 

letzten Hustenresten überwunden. Überhaupt 

brauchst Du Dir nach dieser Richtung so

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leicht keine Sorge zu machen. Ich bin doch sehr 

abgehärtet und widerstandsfähig geworden. 

Mein Trautli, mein Herzenstrautli, ge-

gen die K.U.K. Brüder habe ich jetzt einen

schweren Vorwurf auf dem Herzen. Ich ge-

be ihnen die Schuld, dass Deine Briefe zum 

ersten Male nicht regelmässig eintreffen. Ich 

hatte das allerdings von österreichischer Postbe-

förderung nicht anders erwartet.

Mein Trautli, ich umfange Dich in unendlicher 

Sehnsucht. Und doch fühle ich solche Tapferkeit 

und Kraft zum Aushalten. Ich würde des unfass-

baren Flückes, das uns erwartet, ja sonst gar 

nicht wert sein.

Dein, dein, dein Reinhold.

Küsse Rehchen und Mövchen, grüsse Gertrud.

Pakete, wie ich schon schrieb, kommen wohl 

nicht mehr hierher. Riskiere höchstens eini-

ge Cigarren. Alles andere verbiete ich und drohe 

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  • April 2, 2018 15:21:34 Enrico Seelig

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    Aber gar so traurig wie R. kann ich 

    denselben doch nicht aussehen. Man merkt 

    doch, dass ein solcher Kriegsberichterstatter 

    gewöhnt ist, andauernd als Culturmensch 

    zu leben. Uns Frontsoldaten erscheint 

    der Aufenthalt - vom blossen Quartier-

    standpunkt aus - ganz erträglich. 

    Gestern schrieb ich Dir, ich würde Dir noch 

    30.40M.[ark] schicken können. Ich habe das Geld 

    aber gestern noch nicht empfangen können.

    Nun will ich mir überlegen, ob ich es

    nicht am besten einem Urlauber, der mor-

    gen diesen Brief mitnimmt - übergebe und

    in Budapest teilweise in Speck umset-

    zen lasse. Derselbe ist dort verhältnismässig 

    wohlfeil erhältlich. Die Ungarn haben noch alles.

    Meine Erkältung ist jetzt auch in ihren 

    letzten Hustenresten überwunden. Überhaupt 

    brauchst Du Dir nach dieser Richtung so

     Ende der linken Seite  


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    leicht keine Sorge zu machen. Ich bin doch sehr 

    abgehärtet und widerstandsfähig geworden. 

    Mein Trautli, mein Herzenstrautli, ge-

    gen die K.U.K. Brüder habe ich jetzt einen

    schweren Vorwurf auf dem Herzen. Ich ge-

    be ihnen die Schuld, dass Deine Briefe zum 

    ersten Male nicht regelmässig eintreffen. Ich 

    hatte das allerdings von österreichischer Postbe-

    förderung nicht anders erwartet.

    Mein Trautli, ich umfange Dich in unendlicher 

    Sehnsucht. Und doch fühle ich solche Tapferkeit 

    und Kraft zum Aushalten. Ich würde des unfass-

    baren Flückes, das uns erwartet, ja sonst gar 

    nicht wert sein.

    Dein, dein, dein Reinhold.

    Küsse Rehchen und Mövchen, grüsse Gertrud.

    Pakete, wie ich schon schrieb, kommen wohl 

    nicht mehr hierher. Riskiere höchstens eini-

    ge Cigarren. Alles andere verbiete ich und drohe 

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    ID
    837 / 3705
    Source
    http://europeana1914-1918.eu/...
    Contributor
    Jörn Sieglerschmidt
    License
    http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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