Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 54
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
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1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
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Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
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KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
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Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-
Fortsetzung 3. Spalte unten
3. Spalte
Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer
sei deutsch!
Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-
schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-
sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein
hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der
Fachverbände des Handels und des Gewerbes
ge-sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium
in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des
Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur
für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des
Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut
deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,
noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll
erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der
Sache. Nachstehend einige Beispiele:
Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-
hemd. Er vervollständigt seinen Anzug auch nicht mit der Kra-
watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,
zieht er den Überzieher an und steigt nicht von der zweiten Etage,
sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er
sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße
und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu
frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und
waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-
stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-
karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,
dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-
schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach
Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-
stube geben.
Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann
aus der Generalagentur eine Hauptvertretung, aus Konfektion
Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus
Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-
stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-
schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-
zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-
förderung mache.
mit seinen Geschäftsfreunden be-dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein
Lieferer ihm(sic) entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet
Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in
Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum
Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen
Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur
unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der
Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird
den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.
Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine
Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil
sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm
oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,
Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,
Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie
durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse
heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-
knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer
Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-
gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie
Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls
nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in
die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei.
Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt
Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie
ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie. Hat sie ein
Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein
werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil
Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.
Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-
schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-
boden des Empfangszimmers.
In Handwerk und Gewerbe soll nach dem Willen der
Verdeutschungsliste Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-
korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der
Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.
Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-
teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-
freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,
Einrichtung oder Aufstellung nennen. Für Renovation und reno-
viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.
Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen
möchten sich dafür einbürgern.
Die Liste weist etwa 325 Verdeutschungen auf, die Auslese
könnte also noch recht umfangreich gestaltet werden. Ob indes die
Liste auf die Stichhaltigkeit aller Ersatzwörter so erprobt ist,
daß sie im gewerblichen und alltäglichen Leben angewendet werden
können, erscheint fraglich. Freilich sagen die Leitsätze zur Liste:
Wem ein Vorschlag nicht gefällt, der schelte nicht,
sondern ersinne Besseres! In diesem Sinne möge den
wohlgemeinten Bestrebungen Beachtung und wohlwollende Auf-
nahme geschenkt werden, dann wird sich allmählich doch manches
gute Ersatzwort allgemein einbürgern lassen.
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Türken und Polen. Die Teilnahme türkischer Truppen an
den Kämpfen auf dem galizischen Kriegsschauplatz ruft die ge-
schichtliche Erinnerung an das Eintreten der Türkei für die
Polen, gegenüber den Russen, im Jahre 1768 wach. Vergebens
hatten die Polen damals gegenüber den harten Bedrückungen
Katharinas II. ihre Leiden wie auch ihre großen Verdienste, die
sie sich ehedem als Vorkämpfer gegen die Mongolen und Türken
erworben, den europäischen Mächten geschildert. Nur zwei Mächte
traten für die Polen ein: der Papst und - der Sultan. Der
Papst setzte für sie die Kraft des apostolischen Wortes ein und
der Sultan wollte für Polen das Glück der Waffen versuchen.
Er erklärte im Oktober 1768 der Zarin den Krieg. "Erröten Sie
nicht," sagte der Großwesir dem russischen Gesandten in Kon-
stantinopel, "vor Gott und vor den Menschen über die Greuel,
welche die russischen Truppen zum Hohn aller göttlichen Gesetze
und zur Schmach der Menschheit in Polen begangen, in einem
Lande, das Euch nicht gehört?" Und der Pascha Achmed Selim
fragte in seinem Kriegsmanifest: "Wer gab Rußland das Recht,
einen unabhängigen Staat mit Heeresmacht zu überziehen und
mit Schwert und Feuer in Polen zu wüten? Wir wollen die
Polen von jenen Horden, die unter dem Scheine der Freundschaft
ihre Freiheit unterdrücken und ihre Städte und Dörfer verwüsten
und die gar noch für ihre Freveltaten sich auf den Namen des
Allerhöchsten Gottes berufen, zu befreien suchen und hoffen, daß
das Glück uns begünstigen möge in unsern Unternehmungen, die
wahrlich glorreicher sein werden, als schutz- und wehrlose Bischöfe,
Senatoren, Nuntien und Edelleute in die Sklaverei zu schleppen."
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Fortsetzung von Spalte 2 Von der Arbeit der Etappe
sorgung der Zivilbevölkerung, der wirtschaftlichen Ausnutzung
des besetzten Gebietes, dem Straßenbauwesen u. a. Bei alledem
muß berücksichtigt werden, daß die Heeresverwaltung zu gleicher
Zeit die Verwaltung des besetzten Gebietes in Händen hat.
Und wenn auch ein Teil der alten einheimischen Beamten in
seinen Stellen beschäftigt ist, so ist doch zumindest die gesamte
Aufsicht in deutschen Händen. Daß diese Verwaltung gleichfalls
bis in die kleinsten Einzelheiten organisiert ist, bedarf bei der
oft gerühmten deutschen Gründlichkeit nicht erst der Er-
wähnung.
Die gesamten Bureaus arbeiten mit der gleichen Gewissen-
haftigkeit und Pünktlichkeit wie im Frieden in der Heimat. Der
im Laufe des Krieges riesenhaft angewachsene Schrift-
wechsel, wie ihn der Nachschub für ein gewaltiges Millionenheer
mit sich bringt, wird gleich dem Rechnungswesen von zahllosen
nicht oder nicht mehr an der Front verwendungsfähigen Leuten
bewältigt, deren Dienst oft bis in die späte Nacht hinein währt.
Und ebenso ist es in allen Niederlagen und Werkstätten, wo
neben deutschen Soldaten auch eingeborene Zivildiener be-
schäftigt werden.
Die Arbeit der Lazarette ist oft genug gewürdigt worden, so
daß es an dieser Stelle nur eines kurzen Hinweises auf die Er-
folge ihrer Anstrengungen bedarf. Ebenso bekannt sind die
Leistungen der Eisenbahner während des Krieges.
So greift auch in der Etappe, deren Hauptort zudem auch die
Seele der militärischen Operationen ist, ein Rad ins andere.
Nimmer aber darf dieses Räderwerk auch nur für eine Minute
stillestehen. Glaube keiner, daß die Etappe eine Einrichtung für
bequeme oder feige Drückeberger ist. Auch hier muß jeder Mann
auf seinem Posten - und sei es der untergeordnetste und be-
scheidenste - stehen und dem Dienste des Vaterlandes seine
volle Kraft widmen. Was die Etappe im einzelnen während
dieses Krieges geleistet hat und noch leistet, wird in seiner
ganzen Bedeutung erst nach dem Frieden gesagt und gewürdigt
werden können.
Möchten aber alle daheim, die da glauben, über die Etappen-
leute mit einem vielsagenden Lächeln die Achseln zucken zu
dürfen, ihr Urteil wandeln: ohne die hingebende, ununter-
brochene Arbeit der Etappe ist heute noch weniger als in früheren
Kriegen ein Sieg zu erringen!
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
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Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
___________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
______________________________________________________________________________
Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-
Fortsetzung 3. Spalte unten
3. Spalte
Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer
sei deutsch!
Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-
schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-
sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein
hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der
Fachverbände des Handels und des Gewerbes
ge-sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium
in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des
Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur
für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des
Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut
deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,
noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll
erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der
Sache. Nachstehend einige Beispiele:
Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-
hemd. Er vervollständigt seinen Anzug auch nicht mit der Kra-
watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,
zieht er den Überzieher an und steigt nicht von der zweiten Etage,
sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er
sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße
und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu
frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und
waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-
stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-
karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,
dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-
schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach
Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-
stube geben.
Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann
aus der Generalagentur eine Hauptvertretung, aus Konfektion
Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus
Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-
stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-
schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-
zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-
förderung mache.
mit seinen Geschäftsfreunden be-dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein
Lieferer ihm(sic) entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet
Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in
Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum
Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen
Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur
unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der
Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird
den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.
Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine
Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil
sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm
oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,
Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,
Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie
durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse
heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-
knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer
Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-
gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie
Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls
nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in
die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei.
Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt
Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie
ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie. Hat sie ein
Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein
werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil
Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.
Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-
schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-
boden des Empfangszimmers.
In Handwerk und Gewerbe soll nach dem Willen der
Verdeutschungsliste Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-
korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der
Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.
Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-
teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-
freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,
Einrichtung oder Aufstellung nennen. Für Renovation und reno-
viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.
Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen
möchten sich dafür einbürgern.
Die Liste weist etwa 325 Verdeutschungen auf, die Auslese
könnte also noch recht umfangreich gestaltet werden. Ob indes die
Liste auf die Stichhaltigkeit aller Ersatzwörter so erprobt ist,
daß sie im gewerblichen und alltäglichen Leben angewendet werden
können, erscheint fraglich. Freilich sagen die Leitsätze zur Liste:
Wem ein Vorschlag nicht gefällt, der schelte nicht,
sondern ersinne Besseres! In diesem Sinne möge den
wohlgemeinten Bestrebungen Beachtung und wohlwollende Auf-
nahme geschenkt werden, dann wird sich allmählich doch manches
gute Ersatzwort allgemein einbürgern lassen.
_____________________________________
Türken und Polen. Die Teilnahme türkischer Truppen an
den Kämpfen auf dem galizischen Kriegsschauplatz ruft die ge-
schichtliche Erinnerung an das Eintreten der Türkei für die
Polen, gegenüber den Russen, im Jahre 1768 wach. Vergebens
hatten die Polen damals gegenüber den harten Bedrückungen
Katharinas II. ihre Leiden wie auch ihre großen Verdienste, die
sie sich ehedem als Vorkämpfer gegen die Mongolen und Türken
erworben, den europäischen Mächten geschildert. Nur zwei Mächte
traten für die Polen ein: der Papst und - der Sultan. Der
Papst setzte für sie die Kraft des apostolischen Wortes ein und
der Sultan wollte für Polen das Glück der Waffen versuchen.
Er erklärte im Oktober 1768 der Zarin den Krieg. "Erröten Sie
nicht," sagte der Großwesir dem russischen Gesandten in Kon-
stantinopel, "vor Gott und vor den Menschen über die Greuel,
welche die russischen Truppen zum Hohn aller göttlichen Gesetze
und zur Schmach der Menschheit in Polen begangen, in einem
Lande, das Euch nicht gehört?" Und der Pascha Achmed Selim
fragte in seinem Kriegsmanifest: "Wer gab Rußland das Recht,
einen unabhängigen Staat mit Heeresmacht zu überziehen und
mit Schwert und Feuer in Polen zu wüten? Wir wollen die
Polen von jenen Horden, die unter dem Scheine der Freundschaft
ihre Freiheit unterdrücken und ihre Städte und Dörfer verwüsten
und die gar noch für ihre Freveltaten sich auf den Namen des
Allerhöchsten Gottes berufen, zu befreien suchen und hoffen, daß
das Glück uns begünstigen möge in unsern Unternehmungen, die
wahrlich glorreicher sein werden, als schutz- und wehrlose Bischöfe,
Senatoren, Nuntien und Edelleute in die Sklaverei zu schleppen."
________________________________________________________________________________
Fortsetzung von Spalte 2 Von der Arbeit der Etappe
sorgung der Zivilbevölkerung, der wirtschaftlichen Ausnutzung
des besetzten Gebietes, dem Straßenbauwesen u. a. Bei alledem
muß berücksichtigt werden, daß die Heeresverwaltung zu gleicher
Zeit die Verwaltung des besetzten Gebietes in Händen hat.
Und wenn auch ein Teil der alten einheimischen Beamten in
seinen Stellen beschäftigt ist, so ist doch zumindest die gesamte
Aufsicht in deutschen Händen. Daß diese Verwaltung gleichfalls
bis in die kleinsten Einzelheiten organisiert ist, bedarf bei der
oft gerühmten deutschen Gründlichkeit nicht erst der Er-
wähnung.
Die gesamten Bureaus arbeiten mit der gleichen Gewissen-
haftigkeit und Pünktlichkeit wie im Frieden in der Heimat. Der
im Laufe des Krieges riesenhaft angewachsene Schrift-
wechsel, wie ihn der Nachschub für ein gewaltiges Millionenheer
mit sich bringt, wird gleich dem Rechnungswesen von zahllosen
nicht oder nicht mehr an der Front verwendungsfähigen Leuten
bewältigt, deren Dienst oft bis in die späte Nacht hinein währt.
Und ebenso ist es in allen Niederlagen und Werkstätten, wo
neben deutschen Soldaten auch eingeborene Zivildiener be-
schäftigt werden.
Die Arbeit der Lazarette ist oft genug gewürdigt worden, so
daß es an dieser Stelle nur eines kurzen Hinweises auf die Er-
folge ihrer Anstrengungen bedarf. Ebenso bekannt sind die
Leistungen der Eisenbahner während des Krieges.
So greift auch in der Etappe, deren Hauptort zudem auch die
Seele der militärischen Operationen ist, ein Rad ins andere.
Nimmer aber darf dieses Räderwerk auch nur für eine Minute
stillestehen. Glaube keiner, daß die Etappe eine Einrichtung für
bequeme oder feige Drückeberger ist. Auch hier muß jeder Mann
auf seinem Posten - und sei es der untergeordnetste und be-
scheidenste - stehen und dem Dienste des Vaterlandes seine
volle Kraft widmen. Was die Etappe im einzelnen während
dieses Krieges geleistet hat und noch leistet, wird in seiner
ganzen Bedeutung erst nach dem Frieden gesagt und gewürdigt
werden können.
Möchten aber alle daheim, die da glauben, über die Etappen-
leute mit einem vielsagenden Lächeln die Achseln zucken zu
dürfen, ihr Urteil wandeln: ohne die hingebende, ununter-
brochene Arbeit der Etappe ist heute noch weniger als in früheren
Kriegen ein Sieg zu erringen!
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
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Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
___________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
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Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-
Fortsetzung 3. Spalte unten
3. Spalte
Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer
sei deutsch!
Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-
schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-
sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein
hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der
Fachverbände des Handels und des Gewerbes
ge-sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium
in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des
Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur
für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des
Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut
deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,
noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll
erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der
Sache. Nachstehend einige Beispiele:
Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-
hemd. Er vervollständigt seinen Anzug auch nicht mit der Kra-
watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,
zieht er den Überzieher an und steigt nicht von der zweiten Etage,
sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er
sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße
und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu
frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und
waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-
stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-
karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,
dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-
schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach
Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-
stube geben.
Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann
aus der Generalagentur eine Hauptvertretung, aus Konfektion
Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus
Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-
stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-
schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-
zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-
förderung mache.
mit seinen Geschäftsfreunden be-dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein
Lieferer ihm(sic) entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet
Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in
Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum
Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen
Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur
unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der
Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird
den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.
Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine
Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil
sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm
oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,
Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,
Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie
durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse
heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-
knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer
Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-
gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie
Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls
nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in
die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei.
Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt
Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie
ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie. Hat sie ein
Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein
werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil
Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.
Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-
schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-
boden des Empfangszimmers.
In Handwerk und Gewerbe soll nach dem Willen der
Verdeutschungsliste Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-
korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der
Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.
Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-
teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-
freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,
Einrichtung oder Aufstellung nennen. Für Renovation und reno-
viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.
Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen
möchten sich dafür einbürgern.
Die Liste weist etwa 325 Verdeutschungen auf, die Auslese
könnte also noch recht umfangreich gestaltet werden. Ob indes die
Liste auf die Stichhaltigkeit aller Ersatzwörter so erprobt ist,
daß sie im gewerblichen und alltäglichen Leben angewendet werden
können, erscheint fraglich. Freilich sagen die Leitsätze zur Liste:
Wem ein Vorschlag nicht gefällt, der schelte nicht,
sondern ersinne Besseres! In diesem Sinne möge den
wohlgemeinten Bestrebungen Beachtung und wohlwollende Auf-
nahme geschenkt werden, dann wird sich allmählich doch manches
gute Ersatzwort allgemein einbürgern lassen.
_____________________________________
Türken und Polen. Die Teilnahme türkischer Truppen an
den Kämpfen auf dem galizischen Kriegsschauplatz ruft die ge-
schichtliche Erinnerung an das Eintreten der Türkei für die
Polen, gegenüber den Russen, im Jahre 1768 wach. Vergebens
hatten die Polen damals gegenüber den harten Bedrückungen
Katharinas II. ihre Leiden wie auch ihre großen Verdienste, die
sie sich ehedem als Vorkämpfer gegen die Mongolen und Türken
erworben, den europäischen Mächten geschildert. Nur zwei Mächte
traten für die Polen ein: der Papst und - der Sultan. Der
Papst setzte für sie die Kraft des apostolischen Wortes ein und
der Sultan wollte für Polen das Glück der Waffen versuchen.
Er erklärte im Oktober 1768 der Zarin den Krieg. "Erröten Sie
nicht," sagte der Großwesir dem russischen Gesandten in Kon-
stantinopel, "vor Gott und vor den Menschen über die Greuel,
welche die russischen Truppen zum Hohn aller göttlichen Gesetze
und zur Schmach der Menschheit in Polen begangen, in einem
Lande, das Euch nicht gehört?" Und der Pascha Achmed Selim
fragte in seinem Kriegsmanifest: "Wer gab Rußland das Recht,
einen unabhängigen Staat mit Heeresmacht zu überziehen und
mit Schwert und Feuer in Polen zu wüten? Wir wollen die
Polen von jenen Horden, die unter dem Scheine der Freundschaft
ihre Freiheit unterdrücken und ihre Städte und Dörfer verwüsten
und die gar noch für ihre Freveltaten sich auf den Namen des
Allerhöchsten Gottes berufen, zu befreien suchen und hoffen, daß
das Glück uns begünstigen möge in unsern Unternehmungen, die
wahrlich glorreicher sein werden, als schutz- und wehrlose Bischöfe,
Senatoren, Nuntien und Edelleute in die Sklaverei zu schleppen."
________________________________________________________________________________
Fortsetzung von Spalte 2 Von der Arbeit der Etappe
sorgung der Zivilbevölkerung, der wirtschaftlichen Ausnutzung
des besetzten Gebietes, dem Straßenbauwesen u. a. Bei alledem
muß berücksichtigt werden, daß die Heeresverwaltung zu gleicher
Zeit die Verwaltung des besetzten Gebietes in Händen hat.
Und wenn auch ein Teil der alten einheimischen Beamten in
seinen Stellen beschäftigt ist, so ist doch zumindest die gesamte
Aufsicht in deutschen Händen. Daß diese Verwaltung gleichfalls
bis in die kleinsten Einzelheiten organisiert ist, bedarf bei der
oft gerühmten deutschen Gründlichkeit nicht erst der Er-
wähnung.
Die gesamten Bureaus arbeiten mit der gleichen Gewissen-
haftigkeit und Pünktlichkeit wie im Frieden in der Heimat. Der
im Laufe des Krieges riesenhaft angewachsene Schrift-
wechsel, wie ihn der Nachschub für ein gewaltiges Millionenheer
mit sich bringt, wird gleich dem Rechnungswesen von zahllosen
nicht oder nicht mehr an der Front verwendungsfähigen Leuten
bewältigt, deren Dienst oft bis in die späte Nacht hinein währt.
Und ebenso ist es in allen Niederlagen und Werkstätten, wo
neben deutschen Soldaten auch eingeborene Zivildiener be-
schäftigt werden.
Die Arbeit der Lazarette ist oft genug gewürdigt worden, so
daß es an dieser Stelle nur eines kurzen Hinweises auf die Er-
folge ihrer Anstrengungen bedarf. ebenso bekannt sind die
Leistungen der Eisenbahner während des Krieges.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
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Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
___________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
______________________________________________________________________________
Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-
Fortsetzung 3. Spalte unten
3. Spalte
Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer
sei deutsch!
Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-
schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-
sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein
hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der
Fachverbände des Handels und des Gewerbes
ge-sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium
in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des
Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur
für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des
Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut
deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,
noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll
erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der
Sache. Nachstehend einige Beispiele:
Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-
hemd. Er vervollständigt seinen Anzug auch nicht mit der Kra-
watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,
zieht er den Überzieher an und steigt nicht von der zweiten Etage,
sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er
sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße
und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu
frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und
waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-
stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-
karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,
dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-
schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach
Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-
stube geben.
Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann
aus der Generalagentur eine Hauptvertretung, aus Konfektion
Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus
Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-
stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-
schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-
zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-
förderung mache.
mit seinen Geschäftsfreunden be-dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein
Lieferer ihm(sic) entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet
Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in
Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum
Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen
Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur
unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der
Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird
den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.
Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine
Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil
sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm
oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,
Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,
Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie
durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse
heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-
knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer
Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-
gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie
Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls
nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in
die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei.
Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt
Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie
ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie. Hat sie ein
Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein
werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil
Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.
Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-
schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-
boden des Empfangszimmers.
In Handwerk und Gewerbe soll nach dem Willen der
Verdeutschungsliste Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-
korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der
Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.
Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-
teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-
freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,
Einrichtung oder Aufstellung nennen. Für Renovation und reno-
viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.
Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen
möchten sich dafür einbürgern.
Die Liste weist etwa 325 Verdeutschungen auf, die Auslese
könnte also noch recht umfangreich gestaltet werden. Ob indes die
Liste auf die Stichhaltigkeit aller Ersatzwörter so erprobt ist,
daß sie im gewerblichen und alltäglichen Leben angewendet werden
können, erscheint fraglich. Freilich sagen die Leitsätze zur Liste:
Wem ein Vorschlag nicht gefällt, der schelte nicht,
sondern ersinne Besseres! In diesem Sinne möge den
wohlgemeinten Bestrebungen Beachtung und wohlwollende Auf-
nahme geschenkt werden, dann wird sich allmählich doch manches
gute Ersatzwort allgemein einbürgern lassen.
_____________________________________
Türken und Polen. Die Teilnahme türkischer Truppen an
den Kämpfen auf dem galizischen Kriegsschauplatz ruft die ge-
schichtliche Erinnerung an das Eintreten der Türkei für die
Polen, gegenüber den Russen, im Jahre 1768 wach. Vergebens
hatten die Polen damals gegenüber den harten Bedrückungen
Katharinas II. ihre Leiden wie auch ihre großen Verdienste, die
sie sich ehedem als Vorkämpfer gegen die Mongolen und Türken
erworben, den europäischen Mächten geschildert. Nur zwei Mächte
traten für die Polen ein: der Papst und - der Sultan. Der
Papst setzte für sie die Kraft des apostolischen Wortes ein und
der Sultan wollte für Polen das Glück der Waffen versuchen.
Er erklärte im Oktober 1768 der Zarin den Krieg. "Erröten Sie
nicht," sagte der Großwesir dem russischen Gesandten in Kon-
stantinopel, "vor Gott und vor den Menschen über die Greuel,
welche die russischen Truppen zum Hohn aller göttlichen Gesetze
und zur Schmach der Menschheit in Polen begangen, in einem
Lande, das Euch nicht gehört?" Und der Pascha Achmed Selim
fragte in seinem Kriegsmanifest: "Wer gab Rußland das Recht,
einen unabhängigen Staat mit Heeresmacht zu überziehen und
mit Schwert und Feuer in Polen zu wüten? Wir wollen die
Polen von jenen Horden, die unter dem Scheine der Freundschaft
ihre Freiheit unterdrücken und ihre Städte und Dörfer verwüsten
und die gar noch für ihre Freveltaten sich auf den Namen des
Allerhöchsten Gottes berufen, zu befreien suchen und hoffen, daß
das Glück uns begünstigen möge in unsern Unternehmungen, die
wahrlich glorreicher sein werden, als schutz- und wehrlose Bischöfe,
Senatoren, Nuntien und Edelleute in die Sklaverei zu schleppen."
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
___________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
______________________________________________________________________________
Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-
Fortsetzung 3. Spalte unten
3. Spalte
Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer
sei deutsch!
Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-
schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-
sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein
hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der
Fachverbände des Handels und des Gewerbes
ge-sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium
in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des
Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur
für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des
Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut
deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,
noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll
erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der
Sache. Nachstehend einige Beispiele:
Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-
hemd. Er vervollständigt seinen Anzug auch nicht mit der Kra-
watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,
zieht er den Überzieher an und steigt nicht von der zweiten Etage,
sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er
sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße
und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu
frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und
waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-
stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-
karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,
dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-
schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach
Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-
stube geben.
Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann
aus der Generalagentur eine Hauptvertretung, aus Konfektion
Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus
Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-
stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-
schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-
zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-
förderung mache.
mit seinen Geschäftsfreunden be-dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein
Lieferer ihm(sic) entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet
Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in
Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum
Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen
Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur
unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der
Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird
den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.
Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine
Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil
sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm
oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,
Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,
Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie
durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse
heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-
knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer
Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-
gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie
Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls
nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in
die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei.
Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt
Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie
ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie. Hat sie ein
Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein
werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil
Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.
Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-
schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-
boden des Empfangszimmers.
In Handwerk und Gewerbe soll nach dem Willen der
Verdeutschungsliste Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-
korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der
Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.
Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-
teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-
freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,
Einrichtung oder Aufstellung nennen. Für Renovation und reno-
viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.
Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen
möchten sich dafür einbürgern.
Die Liste weist etwa 325 Verdeutschungen auf, die Auslese
könnte also noch recht umfangreich gestaltet werden. Ob indes die
Liste auf die Stichhaltigkeit aller Ersatzwörter so erprobt ist,
daß sie im gewerblichen und alltäglichen Leben angewendet werden
können, erscheint fraglich. Freilich sagen die Leitsätze zur Liste:
Wem ein Vorschlag nicht gefällt, der schelte nicht,
sondern ersinne Besseres! In diesem Sinne möge den
wohlgemeinten Bestrebungen Beachtung und wohlwollende Auf-
nahme geschenkt werden, dann wird sich allmählich doch manches
gute Ersatzwort allgemein einbürgern lassen.
_____________________________________
Türken und Polen. Die Teilnahme türkischer Truppen an
den Kämpfen auf dem galizischen Kriegsschauplatz ruft die ge-
schichtliche Erinnerung an das Eintreten der Türkei für die
Polen, gegenüber den Russen, im Jahre 1768 wach. Vergebens
hatten die Polen damals gegenüber den harten Bedrückungen
Katharinas II. ihre Leiden wie auch ihre großen Verdienste, die
sie sich ehedem als Vorkämpfer gegen die Mongolen und Türken
erworben, den europäischen Mächten geschildert. Nur zwei Mächte
traten für die Polen ein: der Papst und - der Sultan. Der
Papst setzte für sie die Kraft des apostolischen Wortes ein und
der Sultan wollte für Polen das Glück der Waffen versuchen.
Er erklärte im Oktober 1768 der Zarin den Krieg. "Erröten Sie
nicht," sagte der Großwesir dem russischen Gesandten in Kon-
stantinopel, "vor Gott und vor den Menschen über die Greuel,
welche die russischen Truppen zum Hohn aller göttlichen Gesetze
und zur Schmach der Menschheit in Polen begangen, in einem
Lande, das Euch nicht gehört?" Und der Pascha Achmed Selim
fragte in seinem Kriegsmanifest: "Wer gab Rußland das Recht,
einen unabhängigen Staat mit Heeresmacht zu überziehen und
mit Schwert und Feuer in Polen zu wüten? Wir wollen die
Polen von jenen Horden, die unter dem Scheine der Freundschaft
ihre Freiheit unterdrücken und ihre Städte und Dörfer verwüsten
und die gar noch für ihre Freveltaten sich auf den Namen des
Allerhöchsten Gottes berufen, zu befreien suchen und hoffen, daß
das Glück und begünstigen möge in unsern Unternehmungen, die
wahrlich glorreicher sein werden, als schutz- und wehrlose Bischöfe,
Senatoren, Nuntien und Edelleute in die Sklaverei zu schleppen."
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
___________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
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Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-
Fortsetzung 3. Spalte unten
3. Spalte
Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer
sei deutsch!
Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-
schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-
sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein
hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der
Fachverbände des Handels und des Gewerbes
ge-sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium
in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des
Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur
für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des
Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut
deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,
noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll
erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der
Sache. Nachstehend einige Beispiele:
Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-
hemd. Er vervollständigt seinen Anzug auch nicht mit der Kra-
watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,
zieht er den Überzieher an und steigt nicht von der zweiten Etage,
sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er
sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße
und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu
frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und
waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-
stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-
karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,
dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-
schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach
Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-
stube geben.
Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann
aus der Generalagentur eine Hauptvertretung, aus Konfektion
Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus
Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-
stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-
schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-
zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-
förderung mache.
mit seinen Geschäftsfreunden be-dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein
Lieferer ihm(sic) entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet
Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in
Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum
Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen
Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur
unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der
Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird
den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.
Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine
Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil
sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm
oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,
Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,
Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie
durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse
heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-
knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer
Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-
gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie
Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls
nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in
die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei.
Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt
Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie
ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie. Hat sie ein
Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein
werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil
Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.
Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-
schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-
boden des Empfangszimmers.
In Handwerk und Gewerbe soll nach dem Willen der
Verdeutschungsliste Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-
korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der
Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.
Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-
teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-
freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,
Einrichtung oder Aufstellung nennen. Für Renovation und reno-
viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.
Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen
möchten sich dafür einbürgern.
Die Liste weist etwa 325 Verdeutschungen auf, die Auslese
könnte also noch recht umfangreich gestaltet werden. Ob indes die
Liste auf die Stichhaltigkeit aller Ersatzwörter so erprobt ist,
daß sie im gewerblichen und alltäglichen Leben angewendet werden
können, erscheint fraglich. Freilich sagen die Leitsätze zur Liste:
Wem ein Vorschlag nicht gefällt, der schelte nicht,
sondern ersinne Besseres! In diesem Sinne möge den
wohlgemeinten Bestrebungen Beachtung und wohlwollende Auf-
nahme geschenkt werden, dann wird sich allmählich doch manches
gute Ersatzwort allgemein einbürgern lassen.
_____________________________________
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
___________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
______________________________________________________________________________
Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-
Fortsetzung 3. Spalte unten
3. Spalte
Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer
sei deutsch!
Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-
schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-
sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein
hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der
Fachverbände des Handels und des Gewerbes
ge-sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium
in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des
Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur
für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des
Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut
deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,
noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll
erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der
Sache. Nachstehend einige Beispiele:
Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-
hemd. Er vervollständigt seinen Anzug auch nicht mit der Kra-
watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,
zieht er den Überzieher an und steigt nicht von der zweiten Etage,
sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er
sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße
und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu
frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und
waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-
stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-
karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,
dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-
schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach
Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-
stube geben.
Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann
aus der Generalagentur eine Hauptvertretung, aus Konfektion
Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus
Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-
stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-
schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-
zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-
förderung mache.
mit seinen Geschäftsfreunden be-dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein
Lieferer ihm(sic) entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet
Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in
Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum
Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen
Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur
unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der
Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird
den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.
Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine
Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil
sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm
oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,
Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,
Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie
durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse
heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-
knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer
Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-
gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie
Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls
nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in
die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei.
Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt
Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie
ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie. Hat sie ein
Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein
werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil
Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.
Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-
schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-
boden des Empfangszimmers.
In Handwerk und Gewerbe soll nach dem Willen der
Verdeutschungsliste Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-
korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der
Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.
Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-
teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-
freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,
Einrichtung oder Aufstellung nennen. Für Renovation und reno-
viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.
Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen
möchten sich dafür einbürgern.
Die Liste weist etwa 325 Verdeutschungen auf, die Auslese
könnte also noch recht umfangreich gestaltet werden. Ob indes die
Liste auf die Stichhaltigkeit aller Ersatzwörter so erprobt ist,
daß sie im gewerblichen und alltäglichen Leben angewendet werden
können, erscheint fraglich. Freilich sagen die Leitsätze zur Liste:
Wem ein Vorschlag nicht gefällt, der schelte nicht,
sondern ersinne Besseres! In diesem Sinne möge den
wohlgemeinten Bestrebungen Beachtung und wohlwollende Auf-
nahme geschenkt werden, dann wird sich allmählich doch manches
gute Ersatzwort allgemein einbürgern lassen.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
___________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
______________________________________________________________________________
Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-
Fortsetzung 3. Spalte unten
3. Spalte
Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer
sei deutsch!
Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-
schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-
sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein
hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der
Fachverbände des Handels und des Gewerbes
ge-sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium
in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des
Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur
für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des
Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut
deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,
noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll
erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der
Sache. Nachstehend einige Beispiele:
Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-
hemd. Er vervollständigt seinen Anzug auch nicht mit der Kra-
watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,
zieht er den Überzieher an und steigt nicht von der zweiten Etage,
sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er
sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße
und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu
frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und
waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-
stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-
karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,
dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-
schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach
Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-
stube geben.
Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann
aus der Generalagentur eine Hauptvertretung, aus Konfektion
Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus
Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-
stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-
schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-
zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-
förderung mache.
mit seinen Geschäftsfreunden be-dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein
Lieferer ihm(sic) entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet
Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in
Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum
Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen
Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur
unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der
Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird
den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.
Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine
Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil
sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm
oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,
Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,
Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie
durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse
heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-
knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer
Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-
gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie
Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls
nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in
die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei.
Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt
Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie
ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie. Hat sie ein
Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein
werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil
Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.
Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-
schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-
boden des Empfangszimmers.
In Handwerk und Gewerbe soll nach dem Willen der
Verdeutschungsliste Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-
korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der
Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.
Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-
teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-
freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,
Einrichtung oder Aufstellung nennen. Für Renovation und reno-
viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.
Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen
möchten sich dafür einbürgern.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
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Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
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KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
___________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
______________________________________________________________________________
Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-
Fortsetzung 3. Spalte unten
3. Spalte
Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer
sei deutsch!
Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-
schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-
sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein
hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der
Fachverbände des Handels und des Gewerbes
ge-sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium
in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des
Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur
für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des
Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut
deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,
noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll
erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der
Sache. Nachstehend einige Beispiele:
Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-
hemd. Er vervollständigt seinen Anzug auch nicht mit der Kra-
watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,
zieht er den Überzieher an und steigt nicht von der zweiten Etage,
sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er
sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße
und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu
frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und
waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-
stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-
karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,
dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-
schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach
Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-
stube geben.
Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann
aus der Generalagentur eine Hauptvertretung, aus Konfektion
Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus
Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-
stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-
schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-
zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-
förderung mache.
mit seinen Geschäftsfreunden be-dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein
Lieferer ihm(sic) entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet
Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in
Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum
Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen
Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur
unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der
Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird
den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.
Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine
Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil
sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm
oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,
Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,
Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie
durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse
heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-
knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer
Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-
gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie
Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls
nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in
die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei.
Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt
Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie
ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie. Hat sie ein
Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein
werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil
Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.
Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-
schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-
boden des Empfangszimmers.
In Handwerk und Gewerbe soll nach dem Willen der
Verdeutschungsliste Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-
korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der
Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
___________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
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Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-
Fortsetzung 3. Spalte unten
3. Spalte
Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer
sei deutsch!
Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-
schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-
sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein
hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der
Fachverbände des Handels und des Gewerbes
ge-sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium
in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des
Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur
für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des
Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut
deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,
noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll
erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der
Sache. Nachstehend einige Beispiele:
Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-
hemd. Er vervollständigt seinen Anzug auch nicht mit der Kra-
watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,
zieht er den Überzieher an und steigt nicht von der zweiten Etage,
sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er
sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße
und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu
frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und
waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-
stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-
karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,
dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-
schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach
Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-
stube geben.
Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann
aus der Generalagentur eine Hauptvertretung, aus Konfektion
Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus
Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-
stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-
schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-
zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-
förderung mache.
mit seinen Geschäftsfreunden be-dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein
Lieferer ihm(sic) entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet
Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in
Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum
Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen
Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur
unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der
Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird
den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.
Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine
Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil
sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm
oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,
Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,
Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie
durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse
heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-
knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer
Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-
gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie
Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls
nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in
die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei.
Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt
Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie
ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie. Hat sie ein
Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein
werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil
Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.
Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-
schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-
boden des Empfangszimmers.
In Handwerk und Gewerbe soll nach dem Willen der
Verdeutschungsliste Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-
korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der
Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
___________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
______________________________________________________________________________
Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-
Fortsetzung 3. Spalte unten
3. Spalte
Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer
sei deutsch!
Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-
schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-
sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein
hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der
Fachverbände des Handels und des Gewerbes
ge-sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium
in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des
Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur
für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des
Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut
deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,
noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll
erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der
Sache. Nachstehend einige Beispiele:
Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-
hemd. Er vervollständigt seinen Anzug auch nicht mit der Kra-
watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,
zieht er den Überzieher an und steigt nicht von der zweiten Etage,
sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er
sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße
und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu
frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und
waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-
stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-
karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,
dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-
schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach
Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-
stube geben.
Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann
aus der Generalagentur eine Hauptvertretung, aus Konfektion
Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus
Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-
stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-
schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-
zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-
förderung mache.
mit seinen Geschäftsfreunden be-dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein
Lieferer ihm(sic) entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet
Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in
Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum
Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen
Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur
unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der
Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird
den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.
Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine
Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil
sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm
oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,
Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,
Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie
durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse
heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-
knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer
Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-
gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie
Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls
nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in
die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei.
Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt
Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie
ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie. Hat sie ein
Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein
werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil
Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.
Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-
schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-
boden des Empfangszimmers.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
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Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
___________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
______________________________________________________________________________
Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-
Fortsetzung 3. Spalte unten
3. Spalte
Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer
sei deutsch!
Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-
schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-
sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein
hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der
Fachverbände des Handels und des Gewerbes
ge-sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium
in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des
Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur
für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des
Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut
deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,
noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll
erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der
Sache. Nachstehend einige Beispiele:
Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-
hemd. Er vervollständigt seinen Anzug auch nicht mit der Kra-
watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,
zieht er den Überzieher an und steigt nicht von der zweiten Etage,
sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er
sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße
und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu
frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und
waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-
stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-
karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,
dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-
schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach
Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-
stube geben.
Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann
aus der Generalagentur eine Hauptvertretung, aus Konfektion
Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus
Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-
stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-
schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-
zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-
förderung mache.
mit seinen Geschäftsfreunden be-dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein
Lieferer ihm(sic) entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet
Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in
Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum
Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen
Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur
unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der
Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird
den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.
Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine
Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil
sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm
oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,
Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,
Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie
durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse
heußt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-
knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer
Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-
gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie
Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls
nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in
die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei.
Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt
Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie
ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie. Hat sie ein
Rendezvous,soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein
werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil
Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.
Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-
schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-
boden des Empfangszimmers.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
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Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
___________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
______________________________________________________________________________
Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-
Fortsetzung 3. Spalte unten
3. Spalte
Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer
sei deutsch!
Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-
schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-
sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein
hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der
Fachverbände des Handels und des Gewerbes
ge-sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium
in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des
Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur
für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des
Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut
deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,
noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll
erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der
Sache. Nachstehend einige Beispiele:
Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-
hemd. Er vervollständigt seinen Anzug auch nicht mit der Kra-
watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,
zieht er den Überzieher an und steigt nicht von der zweiten Etage,
sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er
sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße
und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu
frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und
waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-
stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-
karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,
dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-
schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach
Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-
stube geben.
Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann
aus der Generalagentur eine Hauptvertretung, aus Konfektion
Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus
Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-
stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-
schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-
zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-
förderung mache.
mit seinen Geschäftsfreunden be-dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein
Lieferer ihm(sic) entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet
Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in
Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum
Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen
Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur
unter dm Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der
Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand
wird den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
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KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
______________________________________________________________________________
Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-
Fortsetzung 3. Spalte unten
3. Spalte
Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer
sei deutsch!
Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-
schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-
sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein
hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der
Fachverbände des Handels und des Gewerbes
ge-sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium
in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des
Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur
für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des
Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut
deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,
noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll
erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der
Sache. Nachstehend einige Beispiele:
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
___________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
______________________________________________________________________________
Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-
Fortsetzung 3. Spalte unten
3. Spalte
Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer
sei deutsch!
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
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Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
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KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
______________________________________________________________________________
Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
___________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
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Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unger-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
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1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
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Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
___________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
______________________________________________________________________________
Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für
Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-
tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten
Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die
Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die
Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die
Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-
und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-
anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.
Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-
reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-
fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unger-
nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die
Bekleidungsdepots u. s. f.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
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KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
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KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
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Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen
der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die
Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an
den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier
nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,
da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere
Orte des Etappengebietes verteilt ist.
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
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Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
___________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
______________________________________________________________________________
Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat. J
Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr
über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in
die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten
und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier
hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was
wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht
abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten
Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg
und Freiheit heraufzuführen!
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
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Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung von Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
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KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
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KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde des Königs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine Antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
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Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe
glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter
sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben
auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder
in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der
Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-
stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-
tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-
gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was
darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie
an der Front und in der Heimat.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
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1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
___________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
k.k.
Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift
Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-
mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz
ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,
die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem
auch die beiden Spitzerhunde desKönigs, Ali und Rüdi, teil-
nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin
einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen
fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-
wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte
sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleineef, warum weinst
du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man
hübsch folgsam sein und Antwort geben!" Wieder keine antwort,
fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine Kunst, indem
er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r mei Hos´verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,
wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge
getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
____________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
KV Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
____________________________________________
KV Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen
Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem
europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-
spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten
Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur
ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und
hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal
des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine
Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde
ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst
meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin.12
Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,
da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist
in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit
"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich
zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer
Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin
Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." dieser Mann scheint
übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine
Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-
geistert von dem "Benehmen der Weißen", und er werde schleunigst
in seine Heimat zurückkehren, wenn "es endlich zu Ende sein
wird."
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
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Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
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Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
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1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
____________________________________________
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
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Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
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Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt gelegene Dorf Eil hat von Eurer
Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis
zum
erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.
Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts
leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir
mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals
für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in
solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne
Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-
dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle
betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-
hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh
sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.
Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße
zu bedecken.
Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in
einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-
gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem
Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen
sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in
allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen
Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-
zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-
bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-
tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer
und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so
groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt
Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen
Betttlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande
gelebt hatten, heimgesucht wurden.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes* Porz am
2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
Das in unserem Botamt* gelegene Dorf
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
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1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des ...
am2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an
bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und
lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-
saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine
schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt
eine Bittschrift, welche die Einwohner des ...
am2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-
dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-
wohner um Befreiung von der audlage ersuchten, zwei Karren und
sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,
heißt es:
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
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Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-
heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
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1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
________________________________
Das Elend auf der rechten Rheinseite während
der Franzosenzeit.
In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften
Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt
geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-
innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der
Franzosenzeit von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die
jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-
schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -
ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert
Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen
Landen paßt.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
Spalte 2
Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung
die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,
ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-
felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der
Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in
Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-
plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-
geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer
sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien
hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-
shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus
Kyushu und den nördlich an die
angrenzenden Ge-bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-
lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die
Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu
schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,
sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,
als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-
wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
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Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
Fortsetzung Spalte 2
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
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1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
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Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstechen, wird auch kein verständiger Mensch
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
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1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
_________________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
_________________________________________________________________________
Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten
pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch
leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-
lich Verpflegung und unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu
sehr von der Front abstehen, wird auch kein verständiger Mensch
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
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Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben
in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,
die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem
eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,
sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser
gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-
aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu
zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den
Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer
abgeht, ist klar.
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
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Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
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Von der Arbeit der Etappe.
Von G. F. Konrich.
Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen
angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn
auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe
zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat
geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung
von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,
aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.
Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung
wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und
Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur
Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter
der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg
nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-
lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in
den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was
hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die
Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was
sie schafft in fieberhafter angestrengter Arbeit bei Tag und Nacht
muß zudem im militärischen Interesse zum größten Teile geheim
gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung
ist sicherlich durchaus unangebracht.
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
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1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. November 1916
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Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen kolonisation. die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
________________________________________________________________
Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701 4. Nov. 1916
-
Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. Dezember 1916
___________________________________________________________________________________________________________________
1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende
Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.
Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru
2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,
allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-
tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich
nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt
sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa
800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin
ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo
1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil
der japanischen kolonisation. die Toyo Imin Kaisha, die Man-
dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha. Während
Fortsetzung Spalte 2 oben
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. Dezember 1916
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1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. Dezember 1916
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1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Jesso,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine
alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend
Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-
größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht
mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China
und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .
Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen
Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren
Zahlen nicht mehr unter den Begriff "Ausland". Trotzdem
wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:
1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-
japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,
die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die
förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea
als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese
Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen de
Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000
Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen
Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß
die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in
dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea
und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens
1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.
Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.
Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten
Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch
waren es 33 000, in der Südmandschurei
gegen damals43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo
93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.
Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japanerr, in
Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-
Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.
Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-
nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-
trieben.
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1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
_________________________
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Yeddo ,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
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Nr. 701 - Kriegs-Ausgabe. Kölnische Volkszeitung. Samstag, 4. Dezember 1916
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Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-
zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-
losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -
durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (
),Holland (1,39), Dänemark (
), der Schweiz (
) und über-trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-
völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen
Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von
auf49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen
schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig
sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-
überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als in Deutschland
(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-
mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)
und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8
die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die
Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr
hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber
als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).
Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden
im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-
gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)
bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.
der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-
gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.
Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,
die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-
licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem
Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere - be-
steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel Yeddo ,
die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen
ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.
Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen
Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-
brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter de starken
japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu
suchen sein, als politische Tendenzen, nicht so sehr in dem
Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen
Gefühl des Volkes.
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Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
Die japanische Auswanderung.
Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit
ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-
dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-
für sind bis heute noch nicht untersucht
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Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
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Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
=================================================
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1.Spalte
Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze
Welt gegen uns zu Felde zieht.
Der deutsche Kronprinz.
Jeden Fußbreit deutscher Erden -
Schützen wir mit starker Hand.
Heil! der Sieg muß unser werden,
Unserm deutschen Vaterland!
Ferdinand Goetz.
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Lille, Frankreich
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Story location Lille, Frankreich
- ID
- 12998 / 199760
- Contributor
- Uta Hentschel
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