Kriegszeitungen aus dem Besitz von Carl Popp, item 54

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Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

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  1.Spalte  


Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                          Der deutsche Kronprinz.

                          _________________________


Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

Schützen wir mit starker Hand.

Heil! der Sieg muß unser werden,

Unserm deutschen Vaterland!

                                       Ferdinand Goetz.

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Die japanische Auswanderung.

   Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

Gefühl des Volkes.

   Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

trieben.

   Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

 Fortsetzung Spalte 2 oben 

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Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

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                                   Von der Arbeit der Etappe.  

                                         Von G. F. Konrich.

   Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

   Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

ist sicherlich durchaus unangebracht.

   Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

abgeht, ist klar.

   Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

 Fortsetzung Spalte 2 


 Spalte 2 


 Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                          ________________________________

 KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                      der Franzosenzeit.

   In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

Landen paßt.

   Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

heißt es:

   Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

zu bedecken.

   Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                         ___________________________________________

KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

wird."        

                                                                                                   k.k.

   Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

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 Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

an der Front und in der Heimat. J

   Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

und Freiheit heraufzuführen!  

   Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

Orte des Etappengebietes verteilt ist.

   Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

Bekleidungsdepots u. s. f. 

   Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-

 Fortsetzung 3. Spalte unten 


 3. Spalte 

                         Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer

                                             sei deutsch!

   Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-

schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-

sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein

hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der

Fachverbände des Handels und des Gewerbes missing ge-

sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium

in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des

Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur

für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des

Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut

deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,

noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll

erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der

Sache. Nachstehend einige Beispiele:

   Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-

hemd.  Er vervollständigt seinen  Anzug auch nicht mit der Kra-

watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,

zieht er den Überzieher an und steigt  nicht von der zweiten Etage,

sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er

sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße

und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu

frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und

waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-

stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-

karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,

dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-

schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach

Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-

stube geben.

   Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann

aus der Generalagentur eine Hauptvertretung,  aus Konfektion

Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus

Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-

stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-

schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-

zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-

förderung mache. missing mit seinen Geschäftsfreunden be-

dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein

Lieferer ihm(sic)  entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet

Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in

Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum

Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen

Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur

unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der

Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird

den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.

   Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine

Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil

sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm

oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,

Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,

Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie

durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse

heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-

knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer

Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-

gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie

Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls

nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in

die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei. 

Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt

Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie

ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie.  Hat sie ein

Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein

werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil

Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.

Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-

schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-

boden des Empfangszimmers.

   In Handwerk und Gewerbe soll  nach dem Willen der

Verdeutschungsliste  Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-

korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der

Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.

Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-

teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-

freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,

Einrichtung oder Aufstellung nennen.  Für Renovation und reno-

viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.

Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen

möchten sich dafür einbürgern.

   Die Liste weist etwa 325 Verdeutschungen auf, die Auslese

könnte also noch recht umfangreich gestaltet werden. Ob indes die

Liste auf die Stichhaltigkeit aller Ersatzwörter so erprobt ist,

daß sie im gewerblichen und alltäglichen Leben angewendet werden

können, erscheint fraglich. Freilich sagen die Leitsätze zur Liste:

Wem ein Vorschlag nicht gefällt, der schelte nicht,

sondern ersinne Besseres! In diesem Sinne möge den

wohlgemeinten Bestrebungen Beachtung und wohlwollende Auf-

nahme geschenkt werden, dann wird sich allmählich doch manches

gute Ersatzwort allgemein einbürgern lassen. 

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   Türken und Polen. Die Teilnahme türkischer Truppen an

den Kämpfen auf dem galizischen Kriegsschauplatz ruft die ge-

schichtliche Erinnerung an das Eintreten der Türkei für die

Polen, gegenüber den Russen, im Jahre 1768 wach.  Vergebens

hatten die Polen damals gegenüber den harten Bedrückungen

Katharinas II. ihre Leiden wie auch ihre großen Verdienste, die

sie sich ehedem als Vorkämpfer gegen die Mongolen und Türken

erworben, den europäischen  Mächten geschildert. Nur zwei Mächte

traten für die Polen ein: der Papst und -  der Sultan. Der

Papst setzte für sie die Kraft des apostolischen Wortes ein und

der Sultan wollte für Polen das Glück der Waffen versuchen.

Er erklärte im Oktober 1768 der Zarin den Krieg. "Erröten Sie

nicht,"  sagte der Großwesir dem russischen Gesandten in Kon-

stantinopel,  "vor Gott und vor den Menschen über die Greuel,

welche die russischen Truppen zum Hohn aller göttlichen Gesetze

und zur Schmach der Menschheit in Polen begangen, in einem

Lande, das Euch  nicht gehört?"  Und der Pascha Achmed Selim

fragte in seinem Kriegsmanifest: "Wer gab Rußland das Recht,

einen unabhängigen Staat mit Heeresmacht zu überziehen und

mit Schwert und Feuer in Polen zu wüten? Wir wollen die

Polen von jenen Horden, die unter dem Scheine der Freundschaft

ihre Freiheit unterdrücken und ihre Städte und Dörfer verwüsten

und die gar noch für ihre Freveltaten sich auf den Namen des

Allerhöchsten Gottes berufen, zu befreien suchen und hoffen, daß

das Glück uns begünstigen möge in unsern Unternehmungen, die

wahrlich glorreicher sein werden, als schutz- und wehrlose Bischöfe,

Senatoren, Nuntien und Edelleute in die Sklaverei zu schleppen."

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 Fortsetzung von Spalte 2 Von der Arbeit der Etappe 

sorgung der Zivilbevölkerung, der wirtschaftlichen Ausnutzung

des besetzten Gebietes, dem Straßenbauwesen u. a. Bei alledem

muß berücksichtigt werden, daß die Heeresverwaltung zu gleicher

Zeit die Verwaltung des besetzten Gebietes in Händen hat.

Und wenn auch ein Teil der alten einheimischen Beamten in

seinen Stellen beschäftigt ist, so ist doch zumindest die gesamte

Aufsicht in deutschen Händen. Daß diese Verwaltung gleichfalls

bis in die kleinsten Einzelheiten organisiert ist,  bedarf bei der

oft gerühmten deutschen Gründlichkeit nicht erst der Er-

wähnung.

   Die gesamten Bureaus arbeiten mit der gleichen Gewissen-

haftigkeit und Pünktlichkeit wie im Frieden in der Heimat. Der

im Laufe des Krieges riesenhaft angewachsene Schrift-

wechsel, wie ihn der Nachschub für ein gewaltiges Millionenheer

mit sich bringt, wird gleich dem Rechnungswesen von zahllosen

nicht oder nicht mehr an der Front verwendungsfähigen Leuten

bewältigt, deren Dienst oft bis in die späte Nacht hinein währt.

Und ebenso ist es in allen Niederlagen und Werkstätten, wo

neben deutschen Soldaten auch eingeborene Zivildiener be-

schäftigt werden.

   Die Arbeit der Lazarette ist oft genug gewürdigt worden, so

daß es an dieser Stelle nur eines kurzen Hinweises auf die Er-

folge ihrer Anstrengungen bedarf. Ebenso bekannt sind die

Leistungen der Eisenbahner während des Krieges.

   So greift auch in der Etappe, deren Hauptort zudem auch die

Seele der militärischen Operationen ist, ein Rad ins andere.

Nimmer aber darf dieses Räderwerk auch nur für eine Minute

stillestehen. Glaube keiner, daß die Etappe eine Einrichtung für

bequeme oder feige Drückeberger ist. Auch hier muß jeder Mann

auf seinem Posten - und sei es der untergeordnetste und be-

scheidenste - stehen und dem Dienste des Vaterlandes seine

volle Kraft widmen. Was die Etappe im einzelnen während

dieses Krieges geleistet hat und noch leistet, wird in seiner

ganzen Bedeutung erst nach dem Frieden gesagt und gewürdigt

werden können.

   Möchten aber alle daheim, die da glauben, über die Etappen-

leute mit einem vielsagenden Lächeln die Achseln zucken zu 

dürfen, ihr Urteil wandeln: ohne die hingebende, ununter-

brochene Arbeit der Etappe ist heute noch weniger als in früheren

Kriegen ein Sieg zu erringen!

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Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

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Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

Welt gegen uns zu Felde zieht.

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Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

Schützen wir mit starker Hand.

Heil! der Sieg muß unser werden,

Unserm deutschen Vaterland!

                                       Ferdinand Goetz.

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Die japanische Auswanderung.

   Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

(12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

Gefühl des Volkes.

   Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

trieben.

   Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

 Fortsetzung Spalte 2 oben 

_________________________________________________________________________

Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

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                                   Von der Arbeit der Etappe.  

                                         Von G. F. Konrich.

   Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

   Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

ist sicherlich durchaus unangebracht.

   Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

abgeht, ist klar.

   Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

 Fortsetzung Spalte 2 


 Spalte 2 


 Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                          ________________________________

 KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                      der Franzosenzeit.

   In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

Landen paßt.

   Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

heißt es:

   Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

zu bedecken.

   Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                         ___________________________________________

KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

"du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

wird."        

                                                                                                   k.k.

   Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

______________________________________________________________________________

 Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

an der Front und in der Heimat. J

   Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

und Freiheit heraufzuführen!  

   Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

Orte des Etappengebietes verteilt ist.

   Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

Bekleidungsdepots u. s. f. 

   Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-

 Fortsetzung 3. Spalte unten 


 3. Spalte 

                         Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer

                                             sei deutsch!

   Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-

schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-

sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein

hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der

Fachverbände des Handels und des Gewerbes missing ge-

sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium

in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des

Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur

für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des

Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut

deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,

noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll

erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der

Sache. Nachstehend einige Beispiele:

   Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-

hemd.  Er vervollständigt seinen  Anzug auch nicht mit der Kra-

watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,

zieht er den Überzieher an und steigt  nicht von der zweiten Etage,

sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er

sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße

und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu

frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und

waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-

stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-

karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,

dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-

schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach

Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-

stube geben.

   Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann

aus der Generalagentur eine Hauptvertretung,  aus Konfektion

Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus

Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-

stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-

schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-

zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-

förderung mache. missing mit seinen Geschäftsfreunden be-

dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein

Lieferer ihm(sic)  entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet

Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in

Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum

Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen

Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur

unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der

Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird

den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.

   Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine

Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil

sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm

oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,

Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,

Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie

durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse

heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-

knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer

Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-

gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie

Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls

nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in

die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei. 

Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt

Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie

ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie.  Hat sie ein

Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein

werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil

Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.

Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-

schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-

boden des Empfangszimmers.

   In Handwerk und Gewerbe soll  nach dem Willen der

Verdeutschungsliste  Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-

korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der

Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.

Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-

teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-

freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,

Einrichtung oder Aufstellung nennen.  Für Renovation und reno-

viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.

Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen

möchten sich dafür einbürgern.

   Die Liste weist etwa 325 Verdeutschungen auf, die Auslese

könnte also noch recht umfangreich gestaltet werden. Ob indes die

Liste auf die Stichhaltigkeit aller Ersatzwörter so erprobt ist,

daß sie im gewerblichen und alltäglichen Leben angewendet werden

können, erscheint fraglich. Freilich sagen die Leitsätze zur Liste:

Wem ein Vorschlag nicht gefällt, der schelte nicht,

sondern ersinne Besseres! In diesem Sinne möge den

wohlgemeinten Bestrebungen Beachtung und wohlwollende Auf-

nahme geschenkt werden, dann wird sich allmählich doch manches

gute Ersatzwort allgemein einbürgern lassen. 

_____________________________________

   Türken und Polen. Die Teilnahme türkischer Truppen an

den Kämpfen auf dem galizischen Kriegsschauplatz ruft die ge-

schichtliche Erinnerung an das Eintreten der Türkei für die

Polen, gegenüber den Russen, im Jahre 1768 wach.  Vergebens

hatten die Polen damals gegenüber den harten Bedrückungen

Katharinas II. ihre Leiden wie auch ihre großen Verdienste, die

sie sich ehedem als Vorkämpfer gegen die Mongolen und Türken

erworben, den europäischen  Mächten geschildert. Nur zwei Mächte

traten für die Polen ein: der Papst und -  der Sultan. Der

Papst setzte für sie die Kraft des apostolischen Wortes ein und

der Sultan wollte für Polen das Glück der Waffen versuchen.

Er erklärte im Oktober 1768 der Zarin den Krieg. "Erröten Sie

nicht,"  sagte der Großwesir dem russischen Gesandten in Kon-

stantinopel,  "vor Gott und vor den Menschen über die Greuel,

welche die russischen Truppen zum Hohn aller göttlichen Gesetze

und zur Schmach der Menschheit in Polen begangen, in einem

Lande, das Euch  nicht gehört?"  Und der Pascha Achmed Selim

fragte in seinem Kriegsmanifest: "Wer gab Rußland das Recht,

einen unabhängigen Staat mit Heeresmacht zu überziehen und

mit Schwert und Feuer in Polen zu wüten? Wir wollen die

Polen von jenen Horden, die unter dem Scheine der Freundschaft

ihre Freiheit unterdrücken und ihre Städte und Dörfer verwüsten

und die gar noch für ihre Freveltaten sich auf den Namen des

Allerhöchsten Gottes berufen, zu befreien suchen und hoffen, daß

das Glück uns begünstigen möge in unsern Unternehmungen, die

wahrlich glorreicher sein werden, als schutz- und wehrlose Bischöfe,

Senatoren, Nuntien und Edelleute in die Sklaverei zu schleppen."

________________________________________________________________________________

 Fortsetzung von Spalte 2 Von der Arbeit der Etappe 

sorgung der Zivilbevölkerung, der wirtschaftlichen Ausnutzung

des besetzten Gebietes, dem Straßenbauwesen u. a. Bei alledem

muß berücksichtigt werden, daß die Heeresverwaltung zu gleicher

Zeit die Verwaltung des besetzten Gebietes in Händen hat.

Und wenn auch ein Teil der alten einheimischen Beamten in

seinen Stellen beschäftigt ist, so ist doch zumindest die gesamte

Aufsicht in deutschen Händen. Daß diese Verwaltung gleichfalls

bis in die kleinsten Einzelheiten organisiert ist,  bedarf bei der

oft gerühmten deutschen Gründlichkeit nicht erst der Er-

wähnung.

   Die gesamten Bureaus arbeiten mit der gleichen Gewissen-

haftigkeit und Pünktlichkeit wie im Frieden in der Heimat. Der

im Laufe des Krieges riesenhaft angewachsene Schrift-

wechsel, wie ihn der Nachschub für ein gewaltiges Millionenheer

mit sich bringt, wird gleich dem Rechnungswesen von zahllosen

nicht oder nicht mehr an der Front verwendungsfähigen Leuten

bewältigt, deren Dienst oft bis in die späte Nacht hinein währt.

Und ebenso ist es in allen Niederlagen und Werkstätten, wo

neben deutschen Soldaten auch eingeborene Zivildiener be-

schäftigt werden.

   Die Arbeit der Lazarette ist oft genug gewürdigt worden, so

daß es an dieser Stelle nur eines kurzen Hinweises auf die Er-

folge ihrer Anstrengungen bedarf. Ebenso bekannt sind die

Leistungen der Eisenbahner während des Krieges.

   So greift auch in der Etappe, deren Hauptort zudem auch die

Seele der militärischen Operationen ist, ein Rad ins andere.

Nimmer aber darf dieses Räderwerk auch nur für eine Minute

stillestehen. Glaube keiner, daß die Etappe eine Einrichtung für

bequeme oder feige Drückeberger ist. Auch hier muß jeder Mann

auf seinem Posten - und sei es der untergeordnetste und be-

scheidenste - stehen und dem Dienste des Vaterlandes seine

volle Kraft widmen. Was die Etappe im einzelnen während

dieses Krieges geleistet hat und noch leistet, wird in seiner

ganzen Bedeutung erst nach dem Frieden gesagt und gewürdigt

werden können.

   Möchten aber alle daheim, die da glauben, über die Etappen-

leute mit einem vielsagenden Lächeln die Achseln zucken zu 

dürfen, ihr Urteil wandeln: ohne die hingebende, ununter-

brochene Arbeit der Etappe ist heute noch weniger als in früheren

Kriegen ein Sieg zu erringen!

                                   _________________________________




Transcription history
  • July 21, 2017 21:35:02 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 

       Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-

     Fortsetzung 3. Spalte unten 


     3. Spalte 

                             Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer

                                                 sei deutsch!

       Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-

    schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-

    sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein

    hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der

    Fachverbände des Handels und des Gewerbes missing ge-

    sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium

    in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des

    Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur

    für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des

    Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut

    deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,

    noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll

    erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der

    Sache. Nachstehend einige Beispiele:

       Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-

    hemd.  Er vervollständigt seinen  Anzug auch nicht mit der Kra-

    watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,

    zieht er den Überzieher an und steigt  nicht von der zweiten Etage,

    sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er

    sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße

    und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu

    frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und

    waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-

    stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-

    karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,

    dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-

    schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach

    Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-

    stube geben.

       Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann

    aus der Generalagentur eine Hauptvertretung,  aus Konfektion

    Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus

    Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-

    stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-

    schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-

    zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-

    förderung mache. missing mit seinen Geschäftsfreunden be-

    dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein

    Lieferer ihm(sic)  entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet

    Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in

    Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum

    Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen

    Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur

    unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der

    Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird

    den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.

       Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine

    Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil

    sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm

    oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,

    Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,

    Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie

    durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse

    heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-

    knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer

    Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-

    gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie

    Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls

    nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in

    die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei. 

    Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt

    Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie

    ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie.  Hat sie ein

    Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein

    werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil

    Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.

    Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-

    schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-

    boden des Empfangszimmers.

       In Handwerk und Gewerbe soll  nach dem Willen der

    Verdeutschungsliste  Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-

    korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der

    Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.

    Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-

    teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-

    freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,

    Einrichtung oder Aufstellung nennen.  Für Renovation und reno-

    viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.

    Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen

    möchten sich dafür einbürgern.

       Die Liste weist etwa 325 Verdeutschungen auf, die Auslese

    könnte also noch recht umfangreich gestaltet werden. Ob indes die

    Liste auf die Stichhaltigkeit aller Ersatzwörter so erprobt ist,

    daß sie im gewerblichen und alltäglichen Leben angewendet werden

    können, erscheint fraglich. Freilich sagen die Leitsätze zur Liste:

    Wem ein Vorschlag nicht gefällt, der schelte nicht,

    sondern ersinne Besseres! In diesem Sinne möge den

    wohlgemeinten Bestrebungen Beachtung und wohlwollende Auf-

    nahme geschenkt werden, dann wird sich allmählich doch manches

    gute Ersatzwort allgemein einbürgern lassen. 

    _____________________________________

       Türken und Polen. Die Teilnahme türkischer Truppen an

    den Kämpfen auf dem galizischen Kriegsschauplatz ruft die ge-

    schichtliche Erinnerung an das Eintreten der Türkei für die

    Polen, gegenüber den Russen, im Jahre 1768 wach.  Vergebens

    hatten die Polen damals gegenüber den harten Bedrückungen

    Katharinas II. ihre Leiden wie auch ihre großen Verdienste, die

    sie sich ehedem als Vorkämpfer gegen die Mongolen und Türken

    erworben, den europäischen  Mächten geschildert. Nur zwei Mächte

    traten für die Polen ein: der Papst und -  der Sultan. Der

    Papst setzte für sie die Kraft des apostolischen Wortes ein und

    der Sultan wollte für Polen das Glück der Waffen versuchen.

    Er erklärte im Oktober 1768 der Zarin den Krieg. "Erröten Sie

    nicht,"  sagte der Großwesir dem russischen Gesandten in Kon-

    stantinopel,  "vor Gott und vor den Menschen über die Greuel,

    welche die russischen Truppen zum Hohn aller göttlichen Gesetze

    und zur Schmach der Menschheit in Polen begangen, in einem

    Lande, das Euch  nicht gehört?"  Und der Pascha Achmed Selim

    fragte in seinem Kriegsmanifest: "Wer gab Rußland das Recht,

    einen unabhängigen Staat mit Heeresmacht zu überziehen und

    mit Schwert und Feuer in Polen zu wüten? Wir wollen die

    Polen von jenen Horden, die unter dem Scheine der Freundschaft

    ihre Freiheit unterdrücken und ihre Städte und Dörfer verwüsten

    und die gar noch für ihre Freveltaten sich auf den Namen des

    Allerhöchsten Gottes berufen, zu befreien suchen und hoffen, daß

    das Glück uns begünstigen möge in unsern Unternehmungen, die

    wahrlich glorreicher sein werden, als schutz- und wehrlose Bischöfe,

    Senatoren, Nuntien und Edelleute in die Sklaverei zu schleppen."

    ________________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 2 Von der Arbeit der Etappe 

    sorgung der Zivilbevölkerung, der wirtschaftlichen Ausnutzung

    des besetzten Gebietes, dem Straßenbauwesen u. a. Bei alledem

    muß berücksichtigt werden, daß die Heeresverwaltung zu gleicher

    Zeit die Verwaltung des besetzten Gebietes in Händen hat.

    Und wenn auch ein Teil der alten einheimischen Beamten in

    seinen Stellen beschäftigt ist, so ist doch zumindest die gesamte

    Aufsicht in deutschen Händen. Daß diese Verwaltung gleichfalls

    bis in die kleinsten Einzelheiten organisiert ist,  bedarf bei der

    oft gerühmten deutschen Gründlichkeit nicht erst der Er-

    wähnung.

       Die gesamten Bureaus arbeiten mit der gleichen Gewissen-

    haftigkeit und Pünktlichkeit wie im Frieden in der Heimat. Der

    im Laufe des Krieges riesenhaft angewachsene Schrift-

    wechsel, wie ihn der Nachschub für ein gewaltiges Millionenheer

    mit sich bringt, wird gleich dem Rechnungswesen von zahllosen

    nicht oder nicht mehr an der Front verwendungsfähigen Leuten

    bewältigt, deren Dienst oft bis in die späte Nacht hinein währt.

    Und ebenso ist es in allen Niederlagen und Werkstätten, wo

    neben deutschen Soldaten auch eingeborene Zivildiener be-

    schäftigt werden.

       Die Arbeit der Lazarette ist oft genug gewürdigt worden, so

    daß es an dieser Stelle nur eines kurzen Hinweises auf die Er-

    folge ihrer Anstrengungen bedarf. Ebenso bekannt sind die

    Leistungen der Eisenbahner während des Krieges.

       So greift auch in der Etappe, deren Hauptort zudem auch die

    Seele der militärischen Operationen ist, ein Rad ins andere.

    Nimmer aber darf dieses Räderwerk auch nur für eine Minute

    stillestehen. Glaube keiner, daß die Etappe eine Einrichtung für

    bequeme oder feige Drückeberger ist. Auch hier muß jeder Mann

    auf seinem Posten - und sei es der untergeordnetste und be-

    scheidenste - stehen und dem Dienste des Vaterlandes seine

    volle Kraft widmen. Was die Etappe im einzelnen während

    dieses Krieges geleistet hat und noch leistet, wird in seiner

    ganzen Bedeutung erst nach dem Frieden gesagt und gewürdigt

    werden können.

       Möchten aber alle daheim, die da glauben, über die Etappen-

    leute mit einem vielsagenden Lächeln die Achseln zucken zu 

    dürfen, ihr Urteil wandeln: ohne die hingebende, ununter-

    brochene Arbeit der Etappe ist heute noch weniger als in früheren

    Kriegen ein Sieg zu erringen!

                                       _________________________________



  • July 21, 2017 21:34:26 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 

       Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-

     Fortsetzung 3. Spalte unten 


     3. Spalte 

                             Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer

                                                 sei deutsch!

       Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-

    schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-

    sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein

    hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der

    Fachverbände des Handels und des Gewerbes missing ge-

    sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium

    in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des

    Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur

    für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des

    Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut

    deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,

    noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll

    erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der

    Sache. Nachstehend einige Beispiele:

       Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-

    hemd.  Er vervollständigt seinen  Anzug auch nicht mit der Kra-

    watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,

    zieht er den Überzieher an und steigt  nicht von der zweiten Etage,

    sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er

    sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße

    und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu

    frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und

    waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-

    stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-

    karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,

    dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-

    schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach

    Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-

    stube geben.

       Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann

    aus der Generalagentur eine Hauptvertretung,  aus Konfektion

    Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus

    Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-

    stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-

    schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-

    zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-

    förderung mache. missing mit seinen Geschäftsfreunden be-

    dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein

    Lieferer ihm(sic)  entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet

    Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in

    Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum

    Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen

    Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur

    unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der

    Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird

    den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.

       Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine

    Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil

    sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm

    oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,

    Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,

    Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie

    durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse

    heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-

    knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer

    Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-

    gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie

    Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls

    nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in

    die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei. 

    Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt

    Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie

    ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie.  Hat sie ein

    Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein

    werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil

    Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.

    Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-

    schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-

    boden des Empfangszimmers.

       In Handwerk und Gewerbe soll  nach dem Willen der

    Verdeutschungsliste  Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-

    korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der

    Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.

    Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-

    teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-

    freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,

    Einrichtung oder Aufstellung nennen.  Für Renovation und reno-

    viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.

    Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen

    möchten sich dafür einbürgern.

       Die Liste weist etwa 325 Verdeutschungen auf, die Auslese

    könnte also noch recht umfangreich gestaltet werden. Ob indes die

    Liste auf die Stichhaltigkeit aller Ersatzwörter so erprobt ist,

    daß sie im gewerblichen und alltäglichen Leben angewendet werden

    können, erscheint fraglich. Freilich sagen die Leitsätze zur Liste:

    Wem ein Vorschlag nicht gefällt, der schelte nicht,

    sondern ersinne Besseres! In diesem Sinne möge den

    wohlgemeinten Bestrebungen Beachtung und wohlwollende Auf-

    nahme geschenkt werden, dann wird sich allmählich doch manches

    gute Ersatzwort allgemein einbürgern lassen. 

    _____________________________________

       Türken und Polen. Die Teilnahme türkischer Truppen an

    den Kämpfen auf dem galizischen Kriegsschauplatz ruft die ge-

    schichtliche Erinnerung an das Eintreten der Türkei für die

    Polen, gegenüber den Russen, im Jahre 1768 wach.  Vergebens

    hatten die Polen damals gegenüber den harten Bedrückungen

    Katharinas II. ihre Leiden wie auch ihre großen Verdienste, die

    sie sich ehedem als Vorkämpfer gegen die Mongolen und Türken

    erworben, den europäischen  Mächten geschildert. Nur zwei Mächte

    traten für die Polen ein: der Papst und -  der Sultan. Der

    Papst setzte für sie die Kraft des apostolischen Wortes ein und

    der Sultan wollte für Polen das Glück der Waffen versuchen.

    Er erklärte im Oktober 1768 der Zarin den Krieg. "Erröten Sie

    nicht,"  sagte der Großwesir dem russischen Gesandten in Kon-

    stantinopel,  "vor Gott und vor den Menschen über die Greuel,

    welche die russischen Truppen zum Hohn aller göttlichen Gesetze

    und zur Schmach der Menschheit in Polen begangen, in einem

    Lande, das Euch  nicht gehört?"  Und der Pascha Achmed Selim

    fragte in seinem Kriegsmanifest: "Wer gab Rußland das Recht,

    einen unabhängigen Staat mit Heeresmacht zu überziehen und

    mit Schwert und Feuer in Polen zu wüten? Wir wollen die

    Polen von jenen Horden, die unter dem Scheine der Freundschaft

    ihre Freiheit unterdrücken und ihre Städte und Dörfer verwüsten

    und die gar noch für ihre Freveltaten sich auf den Namen des

    Allerhöchsten Gottes berufen, zu befreien suchen und hoffen, daß

    das Glück uns begünstigen möge in unsern Unternehmungen, die

    wahrlich glorreicher sein werden, als schutz- und wehrlose Bischöfe,

    Senatoren, Nuntien und Edelleute in die Sklaverei zu schleppen."

    ________________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 2 Von der Arbeit der Etappe 

    sorgung der Zivilbevölkerung, der wirtschaftlichen Ausnutzung

    des besetzten Gebietes, dem Straßenbauwesen u. a. Bei alledem

    muß berücksichtigt werden, daß die Heeresverwaltung zu gleicher

    Zeit die Verwaltung des besetzten Gebietes in Händen hat.

    Und wenn auch ein Teil der alten einheimischen Beamten in

    seinen Stellen beschäftigt ist, so ist doch zumindest die gesamte

    Aufsicht in deutschen Händen. Daß diese Verwaltung gleichfalls

    bis in die kleinsten Einzelheiten organisiert ist,  bedarf bei der

    oft gerühmten deutschen Gründlichkeit nicht erst der Er-

    wähnung.

       Die gesamten Bureaus arbeiten mit der gleichen Gewissen-

    haftigkeit und Pünktlichkeit wie im Frieden in der Heimat. Der

    im Laufe des Krieges riesenhaft angewachsene Schrift-

    wechsel, wie ihn der Nachschub für ein gewaltiges Millionenheer

    mit sich bringt, wird gleich dem Rechnungswesen von zahllosen

    nicht oder nicht mehr an der Front verwendungsfähigen Leuten

    bewältigt, deren Dienst oft bis in die späte Nacht hinein währt.

    Und ebenso ist es in allen Niederlagen und Werkstätten, wo

    neben deutschen Soldaten auch eingeborene Zivildiener be-

    schäftigt werden.

       Die Arbeit der Lazarette ist oft genug gewürdigt worden, so

    daß es an dieser Stelle nur eines kurzen Hinweises auf die Er-

    folge ihrer Anstrengungen bedarf. Ebenso bekannt sind die

    Leistungen der Eisenbahner während des Krieges.

       So greift auch in der Etappe, deren Hauptort zudem auch die

    Seele der militärischen Operationen ist, ein Rad ins andere.

    Nimmer aber darf dieses Räderwerk auch nur für eine Minute

    stillestehen. Glaube keiner, daß die Etappe eine Einrichtung für

    bequeme oder feige Drückeberger ist. Auch hier muß jeder Mann

    auf seinem Posten - und sei es der untergeordnetste und be-

    scheidenste - stehen und dem Dienste des Vaterlandes seine

    volle Kraft widmen. Was die Etappe im einzelnen während

    dieses Krieges geleistet hat und noch leistet, wird in seiner

    ganzen Bedeutung erst nach dem Frieden gesagt und gewürdigt

    werden können.

       Möchten aber alle daheim, die da glauben, über die Etappen-

    leute mit einem vielsagenden Lächeln die Achseln zucken zu 

    dürfen, ihr Urteil wandeln: ohne die hingebende, ununter-

    brochene Arbeit der Etappe ist heute noch weniger als in früheren

    Kriegen ein Sieg zu erringen!




  • July 21, 2017 21:25:15 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 

       Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-

     Fortsetzung 3. Spalte unten 


     3. Spalte 

                             Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer

                                                 sei deutsch!

       Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-

    schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-

    sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein

    hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der

    Fachverbände des Handels und des Gewerbes missing ge-

    sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium

    in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des

    Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur

    für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des

    Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut

    deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,

    noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll

    erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der

    Sache. Nachstehend einige Beispiele:

       Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-

    hemd.  Er vervollständigt seinen  Anzug auch nicht mit der Kra-

    watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,

    zieht er den Überzieher an und steigt  nicht von der zweiten Etage,

    sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er

    sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße

    und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu

    frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und

    waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-

    stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-

    karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,

    dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-

    schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach

    Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-

    stube geben.

       Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann

    aus der Generalagentur eine Hauptvertretung,  aus Konfektion

    Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus

    Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-

    stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-

    schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-

    zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-

    förderung mache. missing mit seinen Geschäftsfreunden be-

    dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein

    Lieferer ihm(sic)  entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet

    Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in

    Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum

    Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen

    Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur

    unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der

    Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird

    den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.

       Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine

    Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil

    sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm

    oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,

    Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,

    Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie

    durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse

    heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-

    knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer

    Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-

    gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie

    Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls

    nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in

    die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei. 

    Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt

    Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie

    ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie.  Hat sie ein

    Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein

    werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil

    Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.

    Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-

    schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-

    boden des Empfangszimmers.

       In Handwerk und Gewerbe soll  nach dem Willen der

    Verdeutschungsliste  Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-

    korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der

    Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.

    Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-

    teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-

    freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,

    Einrichtung oder Aufstellung nennen.  Für Renovation und reno-

    viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.

    Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen

    möchten sich dafür einbürgern.

       Die Liste weist etwa 325 Verdeutschungen auf, die Auslese

    könnte also noch recht umfangreich gestaltet werden. Ob indes die

    Liste auf die Stichhaltigkeit aller Ersatzwörter so erprobt ist,

    daß sie im gewerblichen und alltäglichen Leben angewendet werden

    können, erscheint fraglich. Freilich sagen die Leitsätze zur Liste:

    Wem ein Vorschlag nicht gefällt, der schelte nicht,

    sondern ersinne Besseres! In diesem Sinne möge den

    wohlgemeinten Bestrebungen Beachtung und wohlwollende Auf-

    nahme geschenkt werden, dann wird sich allmählich doch manches

    gute Ersatzwort allgemein einbürgern lassen. 

    _____________________________________

       Türken und Polen. Die Teilnahme türkischer Truppen an

    den Kämpfen auf dem galizischen Kriegsschauplatz ruft die ge-

    schichtliche Erinnerung an das Eintreten der Türkei für die

    Polen, gegenüber den Russen, im Jahre 1768 wach.  Vergebens

    hatten die Polen damals gegenüber den harten Bedrückungen

    Katharinas II. ihre Leiden wie auch ihre großen Verdienste, die

    sie sich ehedem als Vorkämpfer gegen die Mongolen und Türken

    erworben, den europäischen  Mächten geschildert. Nur zwei Mächte

    traten für die Polen ein: der Papst und -  der Sultan. Der

    Papst setzte für sie die Kraft des apostolischen Wortes ein und

    der Sultan wollte für Polen das Glück der Waffen versuchen.

    Er erklärte im Oktober 1768 der Zarin den Krieg. "Erröten Sie

    nicht,"  sagte der Großwesir dem russischen Gesandten in Kon-

    stantinopel,  "vor Gott und vor den Menschen über die Greuel,

    welche die russischen Truppen zum Hohn aller göttlichen Gesetze

    und zur Schmach der Menschheit in Polen begangen, in einem

    Lande, das Euch  nicht gehört?"  Und der Pascha Achmed Selim

    fragte in seinem Kriegsmanifest: "Wer gab Rußland das Recht,

    einen unabhängigen Staat mit Heeresmacht zu überziehen und

    mit Schwert und Feuer in Polen zu wüten? Wir wollen die

    Polen von jenen Horden, die unter dem Scheine der Freundschaft

    ihre Freiheit unterdrücken und ihre Städte und Dörfer verwüsten

    und die gar noch für ihre Freveltaten sich auf den Namen des

    Allerhöchsten Gottes berufen, zu befreien suchen und hoffen, daß

    das Glück uns begünstigen möge in unsern Unternehmungen, die

    wahrlich glorreicher sein werden, als schutz- und wehrlose Bischöfe,

    Senatoren, Nuntien und Edelleute in die Sklaverei zu schleppen."

    ________________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 2 Von der Arbeit der Etappe 

    sorgung der Zivilbevölkerung, der wirtschaftlichen Ausnutzung

    des besetzten Gebietes, dem Straßenbauwesen u. a. Bei alledem

    muß berücksichtigt werden, daß die Heeresverwaltung zu gleicher

    Zeit die Verwaltung des besetzten Gebietes in Händen hat.

    Und wenn auch ein Teil der alten einheimischen Beamten in

    seinen Stellen beschäftigt ist, so ist doch zumindest die gesamte

    Aufsicht in deutschen Händen. Daß diese Verwaltung gleichfalls

    bis in die kleinsten Einzelheiten organisiert ist,  bedarf bei der

    oft gerühmten deutschen Gründlichkeit nicht erst der Er-

    wähnung.

       Die gesamten Bureaus arbeiten mit der gleichen Gewissen-

    haftigkeit und Pünktlichkeit wie im Frieden in der Heimat. Der

    im Laufe des Krieges riesenhaft angewachsene Schrift-

    wechsel, wie ihn der Nachschub für ein gewaltiges Millionenheer

    mit sich bringt, wird gleich dem Rechnungswesen von zahllosen

    nicht oder nicht mehr an der Front verwendungsfähigen Leuten

    bewältigt, deren Dienst oft bis in die späte Nacht hinein währt.

    Und ebenso ist es in allen Niederlagen und Werkstätten, wo

    neben deutschen Soldaten auch eingeborene Zivildiener be-

    schäftigt werden.

       Die Arbeit der Lazarette ist oft genug gewürdigt worden, so

    daß es an dieser Stelle nur eines kurzen Hinweises auf die Er-

    folge ihrer Anstrengungen bedarf. ebenso bekannt sind die

    Leistungen der Eisenbahner während des Krieges.





  • July 21, 2017 21:10:01 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

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      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 

       Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-

     Fortsetzung 3. Spalte unten 


     3. Spalte 

                             Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer

                                                 sei deutsch!

       Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-

    schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-

    sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein

    hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der

    Fachverbände des Handels und des Gewerbes missing ge-

    sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium

    in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des

    Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur

    für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des

    Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut

    deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,

    noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll

    erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der

    Sache. Nachstehend einige Beispiele:

       Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-

    hemd.  Er vervollständigt seinen  Anzug auch nicht mit der Kra-

    watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,

    zieht er den Überzieher an und steigt  nicht von der zweiten Etage,

    sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er

    sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße

    und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu

    frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und

    waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-

    stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-

    karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,

    dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-

    schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach

    Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-

    stube geben.

       Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann

    aus der Generalagentur eine Hauptvertretung,  aus Konfektion

    Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus

    Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-

    stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-

    schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-

    zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-

    förderung mache. missing mit seinen Geschäftsfreunden be-

    dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein

    Lieferer ihm(sic)  entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet

    Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in

    Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum

    Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen

    Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur

    unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der

    Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird

    den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.

       Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine

    Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil

    sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm

    oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,

    Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,

    Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie

    durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse

    heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-

    knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer

    Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-

    gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie

    Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls

    nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in

    die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei. 

    Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt

    Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie

    ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie.  Hat sie ein

    Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein

    werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil

    Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.

    Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-

    schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-

    boden des Empfangszimmers.

       In Handwerk und Gewerbe soll  nach dem Willen der

    Verdeutschungsliste  Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-

    korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der

    Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.

    Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-

    teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-

    freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,

    Einrichtung oder Aufstellung nennen.  Für Renovation und reno-

    viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.

    Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen

    möchten sich dafür einbürgern.

       Die Liste weist etwa 325 Verdeutschungen auf, die Auslese

    könnte also noch recht umfangreich gestaltet werden. Ob indes die

    Liste auf die Stichhaltigkeit aller Ersatzwörter so erprobt ist,

    daß sie im gewerblichen und alltäglichen Leben angewendet werden

    können, erscheint fraglich. Freilich sagen die Leitsätze zur Liste:

    Wem ein Vorschlag nicht gefällt, der schelte nicht,

    sondern ersinne Besseres! In diesem Sinne möge den

    wohlgemeinten Bestrebungen Beachtung und wohlwollende Auf-

    nahme geschenkt werden, dann wird sich allmählich doch manches

    gute Ersatzwort allgemein einbürgern lassen. 

    _____________________________________

       Türken und Polen. Die Teilnahme türkischer Truppen an

    den Kämpfen auf dem galizischen Kriegsschauplatz ruft die ge-

    schichtliche Erinnerung an das Eintreten der Türkei für die

    Polen, gegenüber den Russen, im Jahre 1768 wach.  Vergebens

    hatten die Polen damals gegenüber den harten Bedrückungen

    Katharinas II. ihre Leiden wie auch ihre großen Verdienste, die

    sie sich ehedem als Vorkämpfer gegen die Mongolen und Türken

    erworben, den europäischen  Mächten geschildert. Nur zwei Mächte

    traten für die Polen ein: der Papst und -  der Sultan. Der

    Papst setzte für sie die Kraft des apostolischen Wortes ein und

    der Sultan wollte für Polen das Glück der Waffen versuchen.

    Er erklärte im Oktober 1768 der Zarin den Krieg. "Erröten Sie

    nicht,"  sagte der Großwesir dem russischen Gesandten in Kon-

    stantinopel,  "vor Gott und vor den Menschen über die Greuel,

    welche die russischen Truppen zum Hohn aller göttlichen Gesetze

    und zur Schmach der Menschheit in Polen begangen, in einem

    Lande, das Euch  nicht gehört?"  Und der Pascha Achmed Selim

    fragte in seinem Kriegsmanifest: "Wer gab Rußland das Recht,

    einen unabhängigen Staat mit Heeresmacht zu überziehen und

    mit Schwert und Feuer in Polen zu wüten? Wir wollen die

    Polen von jenen Horden, die unter dem Scheine der Freundschaft

    ihre Freiheit unterdrücken und ihre Städte und Dörfer verwüsten

    und die gar noch für ihre Freveltaten sich auf den Namen des

    Allerhöchsten Gottes berufen, zu befreien suchen und hoffen, daß

    das Glück uns begünstigen möge in unsern Unternehmungen, die

    wahrlich glorreicher sein werden, als schutz- und wehrlose Bischöfe,

    Senatoren, Nuntien und Edelleute in die Sklaverei zu schleppen."






  • July 21, 2017 21:08:06 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

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      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 

       Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-

     Fortsetzung 3. Spalte unten 


     3. Spalte 

                             Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer

                                                 sei deutsch!

       Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-

    schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-

    sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein

    hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der

    Fachverbände des Handels und des Gewerbes missing ge-

    sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium

    in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des

    Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur

    für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des

    Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut

    deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,

    noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll

    erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der

    Sache. Nachstehend einige Beispiele:

       Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-

    hemd.  Er vervollständigt seinen  Anzug auch nicht mit der Kra-

    watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,

    zieht er den Überzieher an und steigt  nicht von der zweiten Etage,

    sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er

    sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße

    und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu

    frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und

    waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-

    stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-

    karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,

    dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-

    schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach

    Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-

    stube geben.

       Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann

    aus der Generalagentur eine Hauptvertretung,  aus Konfektion

    Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus

    Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-

    stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-

    schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-

    zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-

    förderung mache. missing mit seinen Geschäftsfreunden be-

    dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein

    Lieferer ihm(sic)  entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet

    Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in

    Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum

    Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen

    Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur

    unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der

    Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird

    den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.

       Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine

    Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil

    sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm

    oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,

    Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,

    Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie

    durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse

    heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-

    knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer

    Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-

    gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie

    Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls

    nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in

    die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei. 

    Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt

    Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie

    ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie.  Hat sie ein

    Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein

    werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil

    Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.

    Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-

    schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-

    boden des Empfangszimmers.

       In Handwerk und Gewerbe soll  nach dem Willen der

    Verdeutschungsliste  Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-

    korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der

    Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.

    Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-

    teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-

    freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,

    Einrichtung oder Aufstellung nennen.  Für Renovation und reno-

    viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.

    Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen

    möchten sich dafür einbürgern.

       Die Liste weist etwa 325 Verdeutschungen auf, die Auslese

    könnte also noch recht umfangreich gestaltet werden. Ob indes die

    Liste auf die Stichhaltigkeit aller Ersatzwörter so erprobt ist,

    daß sie im gewerblichen und alltäglichen Leben angewendet werden

    können, erscheint fraglich. Freilich sagen die Leitsätze zur Liste:

    Wem ein Vorschlag nicht gefällt, der schelte nicht,

    sondern ersinne Besseres! In diesem Sinne möge den

    wohlgemeinten Bestrebungen Beachtung und wohlwollende Auf-

    nahme geschenkt werden, dann wird sich allmählich doch manches

    gute Ersatzwort allgemein einbürgern lassen. 

    _____________________________________

       Türken und Polen. Die Teilnahme türkischer Truppen an

    den Kämpfen auf dem galizischen Kriegsschauplatz ruft die ge-

    schichtliche Erinnerung an das Eintreten der Türkei für die

    Polen, gegenüber den Russen, im Jahre 1768 wach.  Vergebens

    hatten die Polen damals gegenüber den harten Bedrückungen

    Katharinas II. ihre Leiden wie auch ihre großen Verdienste, die

    sie sich ehedem als Vorkämpfer gegen die Mongolen und Türken

    erworben, den europäischen  Mächten geschildert. Nur zwei Mächte

    traten für die Polen ein: der Papst und -  der Sultan. Der

    Papst setzte für sie die Kraft des apostolischen Wortes ein und

    der Sultan wollte für Polen das Glück der Waffen versuchen.

    Er erklärte im Oktober 1768 der Zarin den Krieg. "Erröten Sie

    nicht,"  sagte der Großwesir dem russischen Gesandten in Kon-

    stantinopel,  "vor Gott und vor den Menschen über die Greuel,

    welche die russischen Truppen zum Hohn aller göttlichen Gesetze

    und zur Schmach der Menschheit in Polen begangen, in einem

    Lande, das Euch  nicht gehört?"  Und der Pascha Achmed Selim

    fragte in seinem Kriegsmanifest: "Wer gab Rußland das Recht,

    einen unabhängigen Staat mit Heeresmacht zu überziehen und

    mit Schwert und Feuer in Polen zu wüten? Wir wollen die

    Polen von jenen Horden, die unter dem Scheine der Freundschaft

    ihre Freiheit unterdrücken und ihre Städte und Dörfer verwüsten

    und die gar noch für ihre Freveltaten sich auf den Namen des

    Allerhöchsten Gottes berufen, zu befreien suchen und hoffen, daß

    das Glück und begünstigen möge in unsern Unternehmungen, die

    wahrlich glorreicher sein werden, als schutz- und wehrlose Bischöfe,

    Senatoren, Nuntien und Edelleute in die Sklaverei zu schleppen."






  • July 19, 2017 21:23:23 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

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      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 

       Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-

     Fortsetzung 3. Spalte unten 


     3. Spalte 

                             Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer

                                                 sei deutsch!

       Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-

    schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-

    sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein

    hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der

    Fachverbände des Handels und des Gewerbes missing ge-

    sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium

    in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des

    Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur

    für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des

    Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut

    deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,

    noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll

    erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der

    Sache. Nachstehend einige Beispiele:

       Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-

    hemd.  Er vervollständigt seinen  Anzug auch nicht mit der Kra-

    watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,

    zieht er den Überzieher an und steigt  nicht von der zweiten Etage,

    sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er

    sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße

    und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu

    frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und

    waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-

    stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-

    karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,

    dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-

    schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach

    Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-

    stube geben.

       Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann

    aus der Generalagentur eine Hauptvertretung,  aus Konfektion

    Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus

    Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-

    stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-

    schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-

    zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-

    förderung mache. missing mit seinen Geschäftsfreunden be-

    dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein

    Lieferer ihm(sic)  entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet

    Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in

    Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum

    Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen

    Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur

    unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der

    Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird

    den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.

       Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine

    Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil

    sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm

    oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,

    Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,

    Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie

    durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse

    heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-

    knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer

    Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-

    gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie

    Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls

    nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in

    die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei. 

    Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt

    Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie

    ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie.  Hat sie ein

    Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein

    werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil

    Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.

    Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-

    schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-

    boden des Empfangszimmers.

       In Handwerk und Gewerbe soll  nach dem Willen der

    Verdeutschungsliste  Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-

    korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der

    Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.

    Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-

    teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-

    freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,

    Einrichtung oder Aufstellung nennen.  Für Renovation und reno-

    viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.

    Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen

    möchten sich dafür einbürgern.

       Die Liste weist etwa 325 Verdeutschungen auf, die Auslese

    könnte also noch recht umfangreich gestaltet werden. Ob indes die

    Liste auf die Stichhaltigkeit aller Ersatzwörter so erprobt ist,

    daß sie im gewerblichen und alltäglichen Leben angewendet werden

    können, erscheint fraglich. Freilich sagen die Leitsätze zur Liste:

    Wem ein Vorschlag nicht gefällt, der schelte nicht,

    sondern ersinne Besseres! In diesem Sinne möge den

    wohlgemeinten Bestrebungen Beachtung und wohlwollende Auf-

    nahme geschenkt werden, dann wird sich allmählich doch manches

    gute Ersatzwort allgemein einbürgern lassen. 

    _____________________________________







  • July 19, 2017 21:22:38 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 

       Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-

     Fortsetzung 3. Spalte unten 


     3. Spalte 

                             Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer

                                                 sei deutsch!

       Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-

    schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-

    sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein

    hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der

    Fachverbände des Handels und des Gewerbes missing ge-

    sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium

    in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des

    Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur

    für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des

    Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut

    deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,

    noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll

    erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der

    Sache. Nachstehend einige Beispiele:

       Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-

    hemd.  Er vervollständigt seinen  Anzug auch nicht mit der Kra-

    watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,

    zieht er den Überzieher an und steigt  nicht von der zweiten Etage,

    sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er

    sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße

    und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu

    frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und

    waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-

    stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-

    karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,

    dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-

    schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach

    Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-

    stube geben.

       Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann

    aus der Generalagentur eine Hauptvertretung,  aus Konfektion

    Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus

    Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-

    stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-

    schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-

    zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-

    förderung mache. missing mit seinen Geschäftsfreunden be-

    dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein

    Lieferer ihm(sic)  entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet

    Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in

    Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum

    Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen

    Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur

    unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der

    Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird

    den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.

       Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine

    Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil

    sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm

    oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,

    Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,

    Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie

    durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse

    heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-

    knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer

    Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-

    gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie

    Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls

    nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in

    die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei. 

    Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt

    Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie

    ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie.  Hat sie ein

    Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein

    werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil

    Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.

    Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-

    schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-

    boden des Empfangszimmers.

       In Handwerk und Gewerbe soll  nach dem Willen der

    Verdeutschungsliste  Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-

    korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der

    Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.

    Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-

    teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-

    freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,

    Einrichtung oder Aufstellung nennen.  Für Renovation und reno-

    viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.

    Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen

    möchten sich dafür einbürgern.

       Die Liste weist etwa 325 Verdeutschungen auf, die Auslese

    könnte also noch recht umfangreich gestaltet werden. Ob indes die

    Liste auf die Stichhaltigkeit aller Ersatzwörter so erprobt ist,

    daß sie im gewerblichen und alltäglichen Leben angewendet werden

    können, erscheint fraglich. Freilich sagen die Leitsätze zur Liste:

    Wem ein Vorschlag nicht gefällt, der schelte nicht,

    sondern ersinne Besseres! In diesem Sinne möge den

    wohlgemeinten Bestrebungen Beachtung und wohlwollende Auf-

    nahme geschenkt werden, dann wird sich allmählich doch manches

    gute Ersatzwort allgemein einbürgern lassen. 








  • July 19, 2017 21:16:31 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

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     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 

       Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-

     Fortsetzung 3. Spalte unten 


     3. Spalte 

                             Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer

                                                 sei deutsch!

       Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-

    schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-

    sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein

    hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der

    Fachverbände des Handels und des Gewerbes missing ge-

    sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium

    in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des

    Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur

    für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des

    Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut

    deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,

    noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll

    erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der

    Sache. Nachstehend einige Beispiele:

       Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-

    hemd.  Er vervollständigt seinen  Anzug auch nicht mit der Kra-

    watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,

    zieht er den Überzieher an und steigt  nicht von der zweiten Etage,

    sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er

    sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße

    und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu

    frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und

    waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-

    stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-

    karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,

    dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-

    schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach

    Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-

    stube geben.

       Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann

    aus der Generalagentur eine Hauptvertretung,  aus Konfektion

    Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus

    Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-

    stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-

    schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-

    zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-

    förderung mache. missing mit seinen Geschäftsfreunden be-

    dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein

    Lieferer ihm(sic)  entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet

    Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in

    Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum

    Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen

    Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur

    unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der

    Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird

    den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.

       Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine

    Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil

    sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm

    oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,

    Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,

    Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie

    durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse

    heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-

    knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer

    Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-

    gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie

    Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls

    nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in

    die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei. 

    Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt

    Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie

    ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie.  Hat sie ein

    Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein

    werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil

    Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.

    Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-

    schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-

    boden des Empfangszimmers.

       In Handwerk und Gewerbe soll  nach dem Willen der

    Verdeutschungsliste  Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-

    korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der

    Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.

    Aus der Garage werde endlich die Fahrzeughalle. Der Installa-

    teur soll sich mit der Bezeichnung Gas - und Wassereinrichter be-

    freunden und seine bisherigen Installationen in Zukunft Anlage,

    Einrichtung oder Aufstellung nennen.  Für Renovation und reno-

    viert wird mit Recht Instandsetzung bezw. instandgesetzt gefordert.

    Reparaturen gibt es nicht mehr. Ausbesserungen, Erneuerungen

    möchten sich dafür einbürgern.







  • July 19, 2017 21:11:50 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 

       Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-

     Fortsetzung 3. Spalte unten 


     3. Spalte 

                             Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer

                                                 sei deutsch!

       Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-

    schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-

    sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein

    hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der

    Fachverbände des Handels und des Gewerbes missing ge-

    sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium

    in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des

    Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur

    für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des

    Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut

    deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,

    noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll

    erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der

    Sache. Nachstehend einige Beispiele:

       Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-

    hemd.  Er vervollständigt seinen  Anzug auch nicht mit der Kra-

    watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,

    zieht er den Überzieher an und steigt  nicht von der zweiten Etage,

    sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er

    sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße

    und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu

    frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und

    waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-

    stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-

    karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,

    dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-

    schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach

    Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-

    stube geben.

       Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann

    aus der Generalagentur eine Hauptvertretung,  aus Konfektion

    Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus

    Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-

    stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-

    schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-

    zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-

    förderung mache. missing mit seinen Geschäftsfreunden be-

    dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein

    Lieferer ihm(sic)  entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet

    Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in

    Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum

    Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen

    Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur

    unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der

    Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird

    den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.

       Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine

    Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil

    sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm

    oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,

    Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,

    Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie

    durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse

    heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-

    knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer

    Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-

    gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie

    Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls

    nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in

    die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei. 

    Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt

    Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie

    ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie.  Hat sie ein

    Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein

    werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil

    Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.

    Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-

    schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-

    boden des Empfangszimmers.

       In Handwerk und Gewerbe soll  nach dem Willen der

    Verdeutschungsliste  Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-

    korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der

     Hauderer empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.







  • July 19, 2017 21:09:24 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 

       Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-

     Fortsetzung 3. Spalte unten 


     3. Spalte 

                             Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer

                                                 sei deutsch!

       Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-

    schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-

    sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein

    hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der

    Fachverbände des Handels und des Gewerbes missing ge-

    sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium

    in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des

    Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur

    für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des

    Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut

    deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,

    noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll

    erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der

    Sache. Nachstehend einige Beispiele:

       Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-

    hemd.  Er vervollständigt seinen  Anzug auch nicht mit der Kra-

    watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,

    zieht er den Überzieher an und steigt  nicht von der zweiten Etage,

    sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er

    sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße

    und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu

    frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und

    waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-

    stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-

    karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,

    dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-

    schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach

    Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-

    stube geben.

       Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann

    aus der Generalagentur eine Hauptvertretung,  aus Konfektion

    Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus

    Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-

    stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-

    schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-

    zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-

    förderung mache. missing mit seinen Geschäftsfreunden be-

    dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein

    Lieferer ihm(sic)  entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet

    Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in

    Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum

    Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen

    Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur

    unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der

    Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird

    den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.

       Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine

    Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil

    sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm

    oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,

    Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,

    Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie

    durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse

    heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-

    knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer

    Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-

    gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie

    Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls

    nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in

    die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei. 

    Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt

    Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie

    ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie.  Hat sie ein

    Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein

    werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil

    Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.

    Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-

    schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-

    boden des Empfangszimmers.

       In Handwerk und Gewerbe soll  nach dem Willen der

    Verdeutschungsliste  Branche stets Fach oder Zweig sein. Der De-

    korateur soll als Ausschmücker Ausschmückungen herstellen. Der

     Hauderer   empfehle keine Equipagen, sondern Herrschaftswagen.







  • July 19, 2017 20:59:56 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 

       Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-

     Fortsetzung 3. Spalte unten 


     3. Spalte 

                             Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer

                                                 sei deutsch!

       Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-

    schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-

    sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein

    hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der

    Fachverbände des Handels und des Gewerbes missing ge-

    sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium

    in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des

    Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur

    für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des

    Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut

    deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,

    noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll

    erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der

    Sache. Nachstehend einige Beispiele:

       Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-

    hemd.  Er vervollständigt seinen  Anzug auch nicht mit der Kra-

    watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,

    zieht er den Überzieher an und steigt  nicht von der zweiten Etage,

    sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er

    sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße

    und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu

    frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und

    waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-

    stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-

    karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,

    dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-

    schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach

    Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-

    stube geben.

       Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann

    aus der Generalagentur eine Hauptvertretung,  aus Konfektion

    Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus

    Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-

    stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-

    schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-

    zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-

    förderung mache. missing mit seinen Geschäftsfreunden be-

    dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein

    Lieferer ihm(sic)  entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet

    Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in

    Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum

    Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen

    Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur

    unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der

    Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird

    den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.

       Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine

    Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil

    sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm

    oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,

    Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,

    Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie

    durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse

    heißt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-

    knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer

    Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-

    gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie

    Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls

    nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in

    die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei. 

    Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt

    Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie

    ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie.  Hat sie ein

    Rendezvous, soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein

    werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil

    Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.

    Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-

    schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-

    boden des Empfangszimmers.







  • July 19, 2017 20:58:10 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 

       Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-

     Fortsetzung 3. Spalte unten 


     3. Spalte 

                             Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer

                                                 sei deutsch!

       Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-

    schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-

    sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein

    hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der

    Fachverbände des Handels und des Gewerbes missing ge-

    sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium

    in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des

    Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur

    für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des

    Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut

    deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,

    noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll

    erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der

    Sache. Nachstehend einige Beispiele:

       Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-

    hemd.  Er vervollständigt seinen  Anzug auch nicht mit der Kra-

    watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,

    zieht er den Überzieher an und steigt  nicht von der zweiten Etage,

    sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er

    sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße

    und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu

    frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und

    waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-

    stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-

    karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,

    dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-

    schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach

    Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-

    stube geben.

       Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann

    aus der Generalagentur eine Hauptvertretung,  aus Konfektion

    Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus

    Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-

    stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-

    schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-

    zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-

    förderung mache. missing mit seinen Geschäftsfreunden be-

    dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein

    Lieferer ihm(sic)  entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet

    Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in

    Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum

    Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen

    Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur

    unter dem Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der

    Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand wird

    den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.

       Die Dame trägt nur noch Jacken- oder Wollkleider, keine

    Kostüme mehr; die Linie fördert sie nicht durch das Korset, weil

    sie es Mieder nennen soll. Sie bemüht sich statt elegant vornehm

    oder geschmackvoll zu sein. Teintpflege ist Schönheitspflege,

    Toilettenartikel sind Waschtischbedarf, Ondulieren heißt Wellen,

    Parfum ist der Duft. Manikure, Pedikure und Massage ersetzt sie

    durch Hand- und Fußpflege bezw. Heilknetung. ; ihre Masseuse

    heußt also Heilkneterin, und Vibrationsmassage soll Schüttel-

    knetung heißen. Sie sucht die Schneiderin (statt Modistin) in ihrer

    Modenwerkstatt (statt Modesalon) auf und läßt sich von ihr zeit-

    gemäß (nicht modern) kleiden. An Stelle der Pleureusen trägt sie

    Knüpffedern oder Straußenhänger auf dem Hute, ihre Shawls

    nennt sie Schultertücher. sie geht nicht mehr ins Cafe oder in

    die Konditorei, sondern ins Kaffeehaus oder in die Feinküchlerei. 

    Dort nimmt sie Sahnegebäck an Stelle von Biskuits, Süßwaren statt

    Konfitüren, Feinkost für Delikatessen. Zum Zahlen entnimmt sie

    ihrer Handtasche die Börse, nicht das Portemonnaie.  Hat sie ein

    Rendezvous,soll es künftig zur Begegnung oder zum Stelldichein

    werden. Daheim hat sie keine Stores und Portieren mehr, weil

    Zugvorhänge und Türbehänge dem deutschen Ohr besser klingen.

    Jalousien und Markisen gelten als Wetterschutz und als Licht-

    schützer, das Parkett des Empfangsalons wird zum Täfelfuß-

    boden des Empfangszimmers.







  • July 19, 2017 20:33:27 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 

       Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-

     Fortsetzung 3. Spalte unten 


     3. Spalte 

                             Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer

                                                 sei deutsch!

       Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-

    schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-

    sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein

    hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der

    Fachverbände des Handels und des Gewerbes missing ge-

    sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium

    in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des

    Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur

    für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des

    Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut

    deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,

    noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll

    erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der

    Sache. Nachstehend einige Beispiele:

       Der Herr legt kein Chemisette mehr an, sondern ein Vor-

    hemd.  Er vervollständigt seinen  Anzug auch nicht mit der Kra-

    watte, sondern mit der Halsbinde. Da der Paletot verpönt ist,

    zieht er den Überzieher an und steigt  nicht von der zweiten Etage,

    sondern vom zweiten Stock auf die Straße hinab. Hier schaut er

    sich nach einem Kraftwagen um und nennt dem Lenker Straße

    und Hausnummer seines Haarpflegers, der aufhören muß, zu

    frisieren und zu shamponieren, weil er das Haar machen und

    waschen soll. Ist der Betreffende Künstler, eilt er zu seiner Kunst-

    stätte, die er vordem Atelier nannte; er erreicht sie mit einer Zeit-

    karte auf der Elektrischen schnell. Ist er Kaufmann oder Beamter,

    dann sucht er nicht mehr sein Bureau auf; er kann unter Aus-

    schaltung des nur halbdeutschen Büros seiner Arbeitsstätte nach

    Wahl die Bezeichnung Geschäftszimmer, Kanzlei oder Schreib-

    stube geben.

       Für Firmenaufschriften ist es erwünscht, daß der Kaufmann

    aus der Generalagentur eine Hauptvertretung,  aus Konfektion

    Kleiderei oder Bekleiderei, aus Depositenkasse Einlagenkasse, aus

    Expedition Abfertigung, aus Fabrikation Erzeugung oder Her-

    stellung, aus Filiale Zweiggeschäft, aus immobilien Liegen-

    schaften, aus Inkasso Geldeinziehung, aus Spediteur Güter-

    zusteller, aus Spezialgeschäft Fachgeschäft, aus Transport Be-

    förderung mache. missing mit seinen Geschäftsfreunden be-

    dient er sich natürlich des Fernsprechers, er erwartet, daß sein

    Lieferer ihm(sic)  entgegenkommend, nicht kulant, bedient; er erbittet

    Angebote auf Stammpackungen. Seine Briefe verschickt er in

    Umschlägen oder Hüllen. Nach getaner Arbeit geht er nicht zum

    Kasino, Gesellschaftshaus soll es künftig heißen. Einen feurigen

    Tropfen trank er bisher in der Bodega, er möge sie künftig nur

    unter dm Namen Südweinstube kennen. Daheim wird aus der

    Chaiselongue ein Ruhesofa werden, wachsender Bücherbestand

    wird den Sammelnamen Bücherei statt Bibliothek bekommen.

       








  • July 19, 2017 20:02:56 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

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    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

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    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 

       Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-

     Fortsetzung 3. Spalte unten 


     3. Spalte 

                             Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer

                                                 sei deutsch!

       Unter diesem Geleitworte hat der Verlag des Allgemeinen Deut-

    schen Sprachwesens eine Verdeutschungsliste fremd-

    sprachiger Geschäftsschilder und Schriften herausgegeben. Der Verein

    hat sich für die Wahl der Verdeutschungen die Mitwirkung der

    Fachverbände des Handels und des Gewerbes missing ge-

    sichert. Die Zusammenstellung selbst rührt vom Polizeipräsidium

    in Berlin her. Die Liste soll der sprachlichen Säuberung des

    Straßenbildes, der Schilder und Aufschriften dienen. Richtschnur

    für die gewählten Verdeutschungen ist der bekannte Leitsatz des

    Sprachvereins: Kein Fremdwort für das, was gut

    deutsch ausgedrückt werden kann. Nicht Übersetzung,

    noch weniger erschöpfende Erläuterung des fremden Wortes soll

    erstrebt werden, sonder eine deutsch gedachte Bezeichnung der

    Sache. Nachstehend einige Beispiele:








  • July 19, 2017 19:08:56 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

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    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

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                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 

       Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-

     Fortsetzung 3. Spalte unten 


     3. Spalte 

                             Deutscher Kaufmann, deutscher Käufer

                                                 sei deutsch!







  • July 19, 2017 19:05:51 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unter-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 

       Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-








  • July 19, 2017 19:04:49 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unger-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 

       Weitere Einrichtungen dienen der Zivilverwaltung, der Ver-








  • July 19, 2017 19:04:08 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.

       Da gibt es zunächst die zahlreichen gewaltigen Magazine für

    Lebensmittel und Materialien aller Art und für die Marke-

    tendereien der Armee, dann die bis an den Rand gefüllten

    Niederlagen für diese und jene Heereseinrichtung. Da sind die

    Munitionslager, die Pionierparks, die Artilleriewerkstätten, die

    Kraftwagenparks usw. Eine große Gruppe für sich bilden die

    Einrichtungen des Sanitätsdienstes. die Lazarette, Verwundeten-

    und Leichtkrankensammelstellen, die Bade- und Entlausungs-

    anstalten, die Sanitätsdepots und was sonst alles dazu gehört.

    Ferner die Bäckereien und Schlachtereien mit allen ihren zahl-

    reichen Nebenbetrieben, die Brauereien, Mineralwasser- und Eis-

    fabriken, die Holzwollfabriken und andern gewerblichen Unger-

    nehmungen aller Art, die Sammelstelle für Kriegsbeute, die

    Bekleidungsdepots u. s. f. 








  • July 19, 2017 18:54:05 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

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    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  

       Wer einen Überblick über die vielen, vielen Einrichtungen

    der Etappe gewinnen will, wandert am besten einmal durch die

    Straßen des Etappen-Hauptortes und studiert die Schilder an 

    den Häusern. Er muß jedoch dabei berücksichtigen, daß ihm hier

    nur die hauptsächlichsten Betriebe der Etappe ins Auge fallen,

    da ein großer Teil derselben auf andere größere und kleinere

    Orte des Etappengebietes verteilt ist.








  • July 19, 2017 18:50:40 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. J

       Und nun zur Arbeit der Etappe. Ja könntet ihr alle, die ihr

    über die Etappenleute geringschätzig die Achseln zuckt, einmal in

    die vielen Geschäftszimmer und Werkstätten, in die Anstalten

    und Fabriken aller Art, in die Lazarette für Mensch und Tier

    hineinblicken: euer Urteil würde sich gar schnell wandeln. Was

    wäre die Front ohne die Etappe, die ihr Tag und Nacht

    abnimmt, was ihr nicht mehr nötig ist! Hand in Hand arbeiten

    Front und Etappe, - Etappe und Front, um Deutschlands Sieg

    und Freiheit heraufzuführen!  









  • July 19, 2017 18:22:37 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung  von Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde des Königs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleiner, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine Antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.

    ______________________________________________________________________________

     Fortsetzung von Spalte 1 Von der Arbeit der Etappe 

    glauben. Jeder Mann hat allerdings seinen Strohsack unter

    sich und sein Dach über dem Kopfe. Das ist viel, aber eben 

    auch alles. Die vereinzelten in vornehmen Bürgerhäusern oder

    in verlassenen Villen untergebrachten Offiziere und Beamten der

    Heeresleitung und Heeresverwaltung bilden die die Regel be-

    stätigende Ausnahme. Wer aber wollte denen, auf deren Schul-

    tern ein großer Teil der Verantwortung für den guten Aus-

    gang des Krieges ruht, manche Bequemlichkeit mißgönnen? Was

    darüber hinausgeht, verurteilt man in der Etappe so auch wie

    an der Front und in der Heimat. 









  • July 19, 2017 18:12:34 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ___________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."        

                                                                                                       k.k.

       Warum das Büble geweint hat. In seiner Jubiläumsschrift

    Der Schwabenkönig und sein Haus erzählt Wilhelm Wid-

    mann folgendes Geschichtchen: Kurz nach Verlegung der Residenz

    ins Schloß Friedrichshafen im Sommer 1899 wurden der König,

    die Königin und deren Hofdame auf einem Spaziergange, an dem

    auch die beiden Spitzerhunde desKönigs,  Ali und Rüdi, teil-

    nahmen, von Kindern lebhaft umdrängt. Da gewahrte die Königin

    einen heftig weinenden Buben. Mit landesmütterlichem Wohlwollen

    fragte die Königin: "Bübchen, warum weinst du?" Keine Ant-

    wort, immer lauteres Schluchzen und Heulen. Die Hofdame legte

    sich ins Mittel und fragte eindringlich: "Kleineef, warum weinst

    du denn? Weißt du, die Königin hat dich gefragt, da muß man

    hübsch folgsam sein und Antwort geben!"  Wieder keine antwort,

    fortgesetztes Heulen. Nun versuchte der König seine  Kunst, indem

    er auf schwäbisch fragte: "Büble, was greinscht?" Da platzte der
    Junge heraus: "Deine Sauspitzer hent m´r  mei Hos´ 

    verrissa!" - Das Königspaar soll noch selten so gelacht haben,

    wie bei dieser urwüchsigen Auskunft. Natürlich wurde der Junge

    getröstet und erhielt bald reichlichen Ersatz für seine zerrissene Hose.







  • July 19, 2017 17:57:11 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

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    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

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                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ____________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin."

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." Dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."









  • July 19, 2017 17:55:44 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

     KV           Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ____________________________________________

    KV      Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger. Die schwarzen

    Krieger, die Frankreich aus den fernsten Erdteilen nach dem

    europäischen Kiegsschauplatz geschleppt hat, sehen sich in ihrer Korre-

    spondenz mit ihren überseeischen Verwandten unerwarteten

    Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen wegen der Militärzensur

    ihre Feldpostbriefe nur in französischer Sprache schreiben und

    hierbei treten oft die seltsamsten Satzgefüge und missing

    Wendungen zutage. Einige dieser Stilblüten werden im Journal

    des Debats mitgeteilt. So schreibt ein schwarzer Schütze an seine

    Mutter: "Ich gebe dir guten Tag. Da ich nicht tot bin, befinde

    ich mich wohl. Ich hoffe, daß es dir ebenso ergeht. Du sollst

    meine Frau nicht einem anderen geben, da ich nicht gefallen bin.12

    Ein anderer schreibt: "Gib meine Frau meinem kleinen Bruder,

    da ich nicht weiß, wann ich zurückkommen werde." Auffallend ist

    in alle Briefen, daß die Schwarzen einerseits jede Person mit

    "du" anreden, anderseits aber im selben Atem außerordentlich

    zeremonielle Redewendungen gebrauchen. So schreibt ein schwarzer

    Regimentskoch: "Ich gebe mir die Ehre, dir, meiner Gattin

    Torigbe Kamara, diesen Brief zu schreiben." dieser Mann scheint

    übrigens einen sehr offenen Blick zu haben, da er über seine

    Beobachtungen in Frankreich mitteilt, er sei durchaus nicht be-

    geistert von dem "Benehmen der Weißen",  und er werde schleunigst

    in seine Heimat zurückkehren, wenn  "es endlich zu Ende sein

    wird."









  • July 19, 2017 17:31:35 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

                Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ____________________________________________

          Aus den Feldpostbriefen schwarzer Krieger.








  • July 18, 2017 22:48:12 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

                Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

                             ____________________________________________

       








  • July 18, 2017 22:47:07 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

                Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Bettlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

       








  • July 18, 2017 22:45:51 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

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    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

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                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

                Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt gelegene Dorf  Eil  hat von Eurer

    Kurfürstlichen Durchlaucht noch frischhin die gnädigste Erlaubnis

    zum  missing erhalten, weil die Bewohner ganz verarmt sind,

    ihre Häuser abgetragen und ihnen das Vieh weggetrieben wurde.

    Die Bewohner der übrigen Ortschaften des besagten Botamts

    leben mit Eil leider in gleichem traurigen Schicksal, da wir

    mehr als zwanzigmal ausgeplündert, mehrmals

    für lange Zeit in die Wildnis der Waldungen verjagt und in

    solch erbärmlichen Zustand versetzt worden sind, daß wir ohne

    Unterschied nicht mehr imstande sind, uns zu ernähren. Ob vor-

    dem jemand noch so wohlhabend war, müssen wir doch jetzt alle

    betteln und die Milde anderer ansprechen, um nicht zu ver-

    hungern. Unser Hausgerät ist längst geraubt, Früchte und Vieh

    sind nicht mehr vorhanden, geschweige noch Pferd und Karren.

    Den meisten fehlt es sogar an hinreichender Kleidung, ihre Blöße

    zu bedecken.

       Der damalige Oberamtmann Fehr, von Lützerode bestätigte in

    einem Berichte an den Landeskommissar von Kühlwetter die An-

    gaben der Bittschrift, die leider nur zu wahr seien, so daß dem 

    Botamte Porz die Stellung von Pferd und Karren zu erlassen

    sei, weil kein einziges Pferd und kein einziger Karren mehr in

    allen Dörfern des Botamtes vorhanden wären. In den übrigen

    Botämtern der Umgebung sehe es nicht besser aus, da in den Be-

    zirken Merheim, Stammheim, Herkenrath, B.-Glad-

    bach und Scheiderhöhe alles weggeraubt sei und die Unter-

    tanen nicht einmal mehr trockenes Holz hätten; nur Jammer

    und Elend sei unter den Leuen anzutreffen. Die Armut war so

    groß, daß trotz der Erschwerung des Rheinübergangs die Stadt

    Köln und die Ortschaften der linken Rheinseite von bergischen

    Betttlern. darunter von Leuten, die kurz zuvor noch im Wohlstande

    gelebt hatten, heimgesucht wurden.

       








  • July 18, 2017 22:19:30 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

                Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des Botamtes*  Porz   am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       Das in unserem Botamt* gelegene Dorf 

       








  • July 18, 2017 22:10:26 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

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    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

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                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

                Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des   ... missing am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der Auflage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:

       








  • July 18, 2017 22:06:02 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

                Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer vom September an

    bis tief in den Winter hinein in die bergischen Wälder geflüchtet und

    lagerten hier monatelang in Hunger und Frost. Die Aus-

    saugung des Landes durch die französischen Machthaber hatte eine

    schreckliche Verarmung der Bevölkerung zur Folge. Hiervon gibt

    eine Bittschrift, welche die Einwohner des   ... missing am

    2. März 1799 an die kurfürstliche Landesregierung nach Düssel-

    dorf richtete, beredte Kunde. In dieser Bittschrift. in der die Be-

    wohner um Befreiung von der audlage ersuchten, zwei Karren und

    sieben Mann zum Festungsbau von Düsseldorf stellen zu müssen,

    heißt es:








  • July 18, 2017 21:54:27 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

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    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

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                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

                Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.

       Im Jahre 1795, als das französische Lager auf der Thurner-

    heide stand, waren die Bewohner vieler Dörfer








  • July 18, 2017 21:52:13 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.

                              ________________________________

                Das Elend auf der rechten Rheinseite während

                                          der Franzosenzeit.

       In unseren Tagen, wo dank der Tapferkeit unserer heldenhaften

    Truppen unsere Heimat vor den Schrecken des Krieges bewahrt

    geblieben ist, tut man zuweilen gut, einmal an die Greuel zu er-

    innern, denen weite Striche unserer nächsten Umgebung in der

    Franzosenzeit  von unseren welschen Feinden ausgesetzt waren, die

    jetzt in Verleumdungen gegen unsere Soldaten sich nicht zu er-

    schöpfen wissen und unser deutsches Volk als Barbaren bezeichnen -

    ein Name, der gerade auf das Treiben der Franzosen vor hundert

    Jahren und früher am Rhein und namentlich in den bergischen

    Landen paßt.








  • July 18, 2017 21:42:26 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

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    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

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                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


     Spalte 2 


     Fortsetzung Spalte 1 Die japanische Auswanderung 

    die ersteren hauptsächlich das Auswanderungsgeschäft betreiben,

    ist die dritte direkt kolonisatorisch tätig und hat große Reis-

    felder im Staate Sao Paolo angelegt. Der größte Teil der

    Japaner in Südamerika ist auf Pflanzungen beschäftigt, in

    Peru besonders auf Zuckerplantagen, in Brasilien auf Kaffee-

    plantagen. Bemerkenswert ist, was Gado Damada, der Heraus-

    geber der Gomu Sekai, über die Herkunft der Auswanderer

    sagt. Nach ihm rekrutieren sich die Auswanderer nach Brasilien

    hauptsächlich aus den Distrikten Kumamoto, Fukuoka, Hiro-

    shima, Okyama und Fukushima, im wesentlichen also aus

    Kyushu und den nördlich an die  missing angrenzenden Ge-

    bieten. Als Gründe für die Auswanderung gibt er hauptsäch-

    lich die lockende Aussicht auf höheren Verdienst an und die

    Schwierigkeiten, sich eine eigene Existenz in der Heimat zu

    schaffen. Wenn ein Japaner, aus welchem Grunde es auch sei,

    sein östliche Heimat verlasse, gehe er lieber nach dem Ausland,

    als nach einem anderen Teile Japans. Die zahlreichen Aus-

    wanderungsgesellschaften und Agenten sind ihm gern behilflich.






  • July 18, 2017 20:55:05 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

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      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

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                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch

     Fortsetzung Spalte 2 


  • July 18, 2017 20:52:40 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

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      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

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    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und Unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstechen, wird auch  kein verständiger Mensch


  • July 18, 2017 20:52:14 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

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                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.

       Auch die mancherlei Krankheiten, die an der Front aufzutreten

    pflegen, sind der Etappe nicht fremd, wenn es dort gewiß auch

    leichter ist, ihnen sofort erfolgreich zu begegnen. Und daß end-

    lich Verpflegung und unterkunft hinsichtlich ihrer Güte gar zu

    sehr von der Front abstehen, wird auch  kein verständiger Mensch


  • July 18, 2017 20:48:19 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

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                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

       Zunächst ist es ein großer Irrtum, anzunehmen, das Leben

    in der Etappe sei ein völlig gefahrloses. Die feindlichen Flieger,

    die ja gerade in letzter Zeit auch deutsche, weit hinter dem

    eigentlichen Kampfgebiete zurückliegende Städte zu finden wußten,

    sind in den wichtigeren Orten der Etappe tägliche, oder besser

    gesagt nächtliche ungebetene Gäste. Ist doch eine ihrer Haupt-

    aufgaben, unsere rückwärtigen Verbindungen zu stören und zu

    zerstören. Daß es - wie auf der Gegenseite - bei den

    Fliegerbesuchen trotz größter Vorsicht nicht jedesmal ohne Opfer

    abgeht, ist klar.


  • July 18, 2017 20:41:46 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    _________________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916

    _________________________________________________________________________

                                       Von der Arbeit der Etappe.  

                                             Von G. F. Konrich.

       Kaum irgendetwas wird in diesem Kriege mit so scheelen Augen

    angesehen, als die Etappe. Die menschlich verständliche, wenn

    auch völlig unberechtigte Mißachtung alles dessen, was zur Etappe

    zählt, durch die Fronttruppen, macht sich auch in der Heimat

    geltend. Auch dort spricht man zumeist mit großer Geringschätzung

    von der Etappe, für deren Angehörige man ein wenig schönes,

    aber leider um so bekannteres Wort geprägt hat.

       Und woher diese Mißachtung? Oberflächliche Beobachtung

    wertet im Kriege nur den persönlichen Mut, der Gefahren und

    Entbehrungen trotzt und in vorderster Linie Gelegenheit zur

    Betätigung findet. Ihr gilt die geräuschlose Arbeit hinter

    der Front nichts. Kennen doch die meisten daheim den Krieg

    nur aus den amtlichen Tagesberichten, aus Briefen und Erzäh-

    lungen der im Felde Stehenden und aus den Schilderungen in

    den Zeitungen. Und wie selten hören sie da von dem, was

    hinter der Front geschieht! Gewiß: für farbenglühende, die

    Nerven anspannende Berichte gibt die Etappe kaum Stoff. Was

    sie schafft in fieberhafter angestrengter  Arbeit bei Tag und Nacht

    muß zudem im militärischen  Interesse zum größten Teile geheim

    gehalten werden. Aber die ihr entgegengebrachte Geringschätzung

    ist sicherlich durchaus unangebracht.

                                  


  • July 16, 2017 20:50:23 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen Kolonisation: die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    ________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916



  • July 16, 2017 20:48:49 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. November 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen kolonisation. die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    ________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916



  • July 16, 2017 20:48:26 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. Dezember 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.

       Besonders auffällig ist die in letzter Zeit zu beobachtende

    Auswanderung nach Mittel- und Südamerika.

    Schon 1907 lebten in Mexiko etwa 2000 Japaner, in Peru

    2200, aber auch auf der Ostküste fanden sich einige Japaner,

    allerdings in Zahl noch gering, in Brasilien 35 und in Argen-

    tinien 27. Wieviel Japaner heute in Mexiko leben, läßt sich

    nicht feststellen, doch hat sich ihre Zahl im letzten Jahrzehnt

    sicher vervielfacht. In Peru leben mehr als 10 000, und etwa

    800 sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres dorthin

    ausgewandert. In Brasilien wies allein der Staat Sao Paolo

    missing 1914 nicht weniger als 15 462 Japaner auf, und drei 

    große japanische Gesellschaften beschäftigten sich mit diesem Teil

    der japanischen kolonisation. die Toyo Imin Kaisha, die Man-

    dei Imin Kaisha und die Brazil Takoshoku Kaisha.  Während

     Fortsetzung Spalte 2 oben 

    ________________________________________________________________

    Feldberichte der Kölnischen Volkszeitung. Nr. 701           4. Nov. 1916



  • July 16, 2017 20:32:19 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. Dezember 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen der

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japaner, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.


  • July 16, 2017 20:30:45 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. Dezember 1916

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      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Jesso,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.

       Als Japan mit dem Beginn der Periode Meiji 1868 seine

    alte Abgeschlossenheit aufgab, lebten kaum ein paar Dutzend

    Japaner außerhalb der Landesgrenzen. Sehr allmählich ver-

    größerte sich ihre Zahl und betrug im Jahre 1893 noch nicht

    mehr als 35 550 Personen. Dann kam der Krieg mit China

    und brachte Japan den ersten Kolonialbesitz ein: Formosa .

    Dieses Land, das bisher den bedeutenderen Teil der japanischen

    Auswanderung aufgenommen hatte, fällt also für die weiteren

    Zahlen nicht mehr unter den Begriff  "Ausland". Trotzdem

    wuchs die Zahl der im Ausland befindlichen Japaner ständig:

    1900 waren es bereits 123 971. 1904/05 kam dann der russisch-

    japanische Krieg, der den Japanern die Südhälfte von Sachalin,

    die südmandschurische Halbinsel Liaotung und, wenngleich die

    förmliche Einverleibung erst 1911 ausgesprochen wurde, auch Korea 

    als Kolonialbesitz einbrachte. Nunmehr verschwinden auch diese

    Gebiete aus dem Begriff "Ausland". Aber die Wanderungen de

    Japaner über See verstärkten sich nur noch: 1906 lebten 272 000

    Japaner im Auslande. Ende 1914 waren es nach der offiziellen

    Statistik 542 686, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß

    die Gesamtzahl noch zu niedrig ist. rechnet man dazu die in

    dem seit 1895 erworbenen Kolonialbesitz, in Formosa, in Korea

    und Sachalin lebenden Japaner, so befinden sich wenigstens

    1,5 bis 2 Millionen Japaner außerhalb des alten Heimatlandes.

    Beachtenswert ist die Verteilung der japanischen Auswanderung.

    Am meisten Auswanderer hat China aufgenommen. Hier lebten

    Ende 1915 nicht weniger als 500 446 Japaner, 1907 noch

    waren es 33 000, in der Südmandschurei missing gegen damals

    43 783. Die drittgrößte Zahl Japaner finden wir in Hawaii, wo

    93 136 leben, die viertgrößte in Amerika, etwa 70 000.

    Aber auch in Kanada finden wir etwa 9000 Japanerr, in 

    Australien 4000. Weniger in Britisch-Indien, Niederländisch-

    Indien, auf den Philippinen und auf den Südsee-Inseln.

    Doch wird gerade für die Auswanderung nach diesen letztge-

    nannten Gebieten seit einiger Zeit eine starke Propaganda ge-

    trieben.


  • July 16, 2017 19:58:52 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. Dezember 1916

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      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Yeddo ,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter der starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.


  • July 16, 2017 19:58:31 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. Dezember 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht. Die Bevölkerungs-

    zunahme ist - dieses muß gegenüber den oft gehörten maß-

    losen Uebertreibungen besonders hervorgehoben werden -

    durchaus nicht außergewöhnlich hoch und bleibt mit missing

    im jährlichen Durchschnitt unter der von Deutschland (missing),

    Holland (1,39), Dänemark (missing), der Schweiz (missing) und über-

    trifft nur um ein Geringes Rußland (1,14). Die absolute Be-

    völkerungsziffer stieg zwischen den letzten beiden großen

    Volkszählungen in dem Jahrzehnt 1898 bis 1908 von missing auf

    49,6 Millionen. Die oft genannte Ziffer von 70 Millionen

    schließt auch die Kolonien ein, dürfte aber auch so nicht richtig

    sein, und erweckt jedenfalls falsche Vorstellungen. Der Geburten-

    überschuß ist mit 12,9 pro 1000 etwas größer als  in Deutschland

    (12,4), ebenso groß als in Italien, geringer aber als in Däne-

    mark (13,6), Portugal (14,6), Holland (15,9), Rußland (16,0)

    und den meisten Balkanstaaten, von denen Bulgarien mit 18,8

    die höchste in Europa vorkommende Ziffer aufweist. Auch die

    Bevölkerungsdichte, 130 pro Quadratkilometer, ist keine sehr

    hohe, höher allerdings als in Deutschland (120), niedriger aber

    als in England (144,2), Holland (171,4) und Belgien (202).

    Die Hauptnahrungsmittel (Fische, Reis und Gemüse) werden 

    im Lande gewonnen und machen eine nur geringfügige Er-

    gänzung durch Einfuhr nötig. Nahrungsmittel (meist Reis)

    bildeten 1910 mit noch nicht 26 Millionen Yen nur 5 Proz.

    der japanischen Einfuhr, Nahrungsmittel erscheinen aber zu-

    gleich mit ebenso viel Prozent auch in der Ausfuhr Japans.

    Zudem zeigt die Einfuhr von Nahrungsmitteln eine sinkende,

    die Ausfuhr eine steigenden Tendenz. Ein besonderer wirtschaft-

    licher Zwang zur Auswanderung in ferne Gebiete - in dem

    Sinne, als ob die Heimat nicht Nahrung genug liefere -  be-

    steht auch schon darum nicht, weil die nördlichste Insel  Yeddo ,

    die nach sachkundigem Urteil acht bis neuen Millionen Menschen

    ernähren könnte, heute nur von 1,5 Millionen bewohnt wird.

    Eine stärkere Rolle spielen wohl die außerordentlich ungünstigen

    Lebensbedingungen und Lohnverhältnisse der japanischen Fa-

    brikarbeiter. Im allgemeinen aber dürften hinter de starken

    japanischen Auswanderung weniger wirtschaftliche Gründe zu

    suchen sein, als  politische Tendenzen, nicht so sehr in dem

    Sinne eines organisierten Willens, als in einem noch dumpfen

    Gefühl des Volkes.


  • July 16, 2017 19:14:43 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. Dezember 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


    Die japanische Auswanderung.

       Eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neueren Zeit

    ist das plötzlich erwachte und überaus schnell gewachsene Aus-

    dehnungsbedürfnis der Bevölkerung Japans. Die Gründe hier-

    für sind bis heute noch nicht untersucht


  • July 16, 2017 19:06:01 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. Dezember 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.

                              _________________________


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.

    =================================================


  • July 16, 2017 19:05:20 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. Dezember 1916

    ___________________________________________________________________________________________________________________

      1.Spalte  


    Wir wollen, wir müssen siegen, wenn auch die ganze

    Welt gegen uns zu Felde zieht.

                                              Der deutsche Kronprinz.


    Jeden Fußbreit deutscher Erden - 

    Schützen wir mit starker Hand.

    Heil! der Sieg muß unser werden,

    Unserm deutschen Vaterland!

                                           Ferdinand Goetz.


  • July 16, 2017 19:00:32 Beate Jochem

    Nr. 701  -  Kriegs-Ausgabe.                 Kölnische Volkszeitung.                   Samstag, 4. Dezember 1916      


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    Lille, Frankreich

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ID
12998 / 199760
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Uta Hentschel
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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