Deutsche Kriegszeitung - Illustrierte Wochenausgabe, herausgegeben vom Berliner Lokal-Anzeiger, item 26

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 "Deutsche Kriegszeitung", Nummer 30 vom 25. Juli 1915, Seite 2. 


 Karte in der 1. und 2. Spalte: Zu den Kämpfen im Osten: Von der galizischen Grenze bis zum Rigaer Busen.


 1. Spalte: 


und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch verblieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur Windau, sondern auch tief im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


 2. Spalte: 


der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=Autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


 3. Spalte: 


der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und  Usingen , das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


Land und Leute in Kurland.


Zum besseren Verständnis der Ereignisse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Sie hat folgenden Wortlaut:

"Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


 4. Spalte: 


um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


Die russiche Weichselstellung.

Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschauplätzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das Zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die Weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete Westfront, die wie ein fester Riegel den von Westen einbrechenden Feind zurückhält. End= und Schulterpunkte dieses Teiles bilden im Norden, am Einfluß des Narew in die Weichsel, die Festung Nowogeorgiewsk und im Süden, unweit der Sanmündung, die Festung Iwangorod. Von der letzteren ist es sehr fraglich, ob sie modernen Ansprüchen noch einigermaßen gewachsen ist, doch dürfen wie nicht übersehen, daß der Krieg Zeit zum feldmäßigen Ausbau der Verteidigungswerke bot. Das Zentrum, nicht der Lage, aber der Bedeutung nach, bildet die starke Festung Warschau. - Da nun jede Festungslinie umgangen werden kann, die stark in russisches Gebiet vorspringende Provinz Ostpreußen aber schon weiter östlich liegt als diese Stellung, glaubte man russischerseits, an den Schulterpunkt Nowogeorgiewsk eine nach Norden hin absperrende Flankendeckung erreichten zu müssen, deren Befestigungen durch den Njemen, Bobr und Narew eine willkommene Verstärkung fanden. Von diesem Teile der rechten Flankendeckung ist heute die Narewlinie von besonderem Interesse. Im Süden scheint man in bezug auf die Flankendeckung der Weichsellinie sorgloser gewesen zu sein, denn man hat sich dort auf die natürliche Stellungen zwischen Weichsel und Bug verlassen und stützt sich rückwärts der Linie Iwangorod-Warschau auf die große Festung Brest=Litowsk. Der wunde Punkt des Weichselverteidigungssystems liegt nun darin, daß die Zahl der großen Bahnen, welche














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 "Deutsche Kriegszeitung", Nummer 30 vom 25. Juli 1915, Seite 2. 


 Karte in der 1. und 2. Spalte: Zu den Kämpfen im Osten: Von der galizischen Grenze bis zum Rigaer Busen.


 1. Spalte: 


und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch verblieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur Windau, sondern auch tief im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


 2. Spalte: 


der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=Autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


 3. Spalte: 


der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und  Usingen , das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


Land und Leute in Kurland.


Zum besseren Verständnis der Ereignisse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Sie hat folgenden Wortlaut:

"Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


 4. Spalte: 


um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


Die russiche Weichselstellung.

Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschauplätzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das Zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die Weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete Westfront, die wie ein fester Riegel den von Westen einbrechenden Feind zurückhält. End= und Schulterpunkte dieses Teiles bilden im Norden, am Einfluß des Narew in die Weichsel, die Festung Nowogeorgiewsk und im Süden, unweit der Sanmündung, die Festung Iwangorod. Von der letzteren ist es sehr fraglich, ob sie modernen Ansprüchen noch einigermaßen gewachsen ist, doch dürfen wie nicht übersehen, daß der Krieg Zeit zum feldmäßigen Ausbau der Verteidigungswerke bot. Das Zentrum, nicht der Lage, aber der Bedeutung nach, bildet die starke Festung Warschau. - Da nun jede Festungslinie umgangen werden kann, die stark in russisches Gebiet vorspringende Provinz Ostpreußen aber schon weiter östlich liegt als diese Stellung, glaubte man russischerseits, an den Schulterpunkt Nowogeorgiewsk eine nach Norden hin absperrende Flankendeckung erreichten zu müssen, deren Befestigungen durch den Njemen, Bobr und Narew eine willkommene Verstärkung fanden. Von diesem Teile der rechten Flankendeckung ist heute die Narewlinie von besonderem Interesse. Im Süden scheint man in bezug auf die Flankendeckung der Weichsellinie sorgloser gewesen zu sein, denn man hat sich dort auf die natürliche Stellungen zwischen Weichsel und Bug verlassen und stützt sich rückwärts der Linie Iwangorod-Warschau auf die große Festung Brest=Litowsk. Der wunde Punkt des Weichselverteidigungssystems liegt nun darin, daß die Zahl der großen Bahnen, welche















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  • November 3, 2017 23:14:17 Dagmar Veigel

     "Deutsche Kriegszeitung", Nummer 30 vom 25. Juli 1915, Seite 2. 


     Karte in der 1. und 2. Spalte: Zu den Kämpfen im Osten: Von der galizischen Grenze bis zum Rigaer Busen.


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch verblieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur Windau, sondern auch tief im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=Autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und  Usingen , das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignisse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Sie hat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

    Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


    Die russiche Weichselstellung.

    Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschauplätzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das Zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die Weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete Westfront, die wie ein fester Riegel den von Westen einbrechenden Feind zurückhält. End= und Schulterpunkte dieses Teiles bilden im Norden, am Einfluß des Narew in die Weichsel, die Festung Nowogeorgiewsk und im Süden, unweit der Sanmündung, die Festung Iwangorod. Von der letzteren ist es sehr fraglich, ob sie modernen Ansprüchen noch einigermaßen gewachsen ist, doch dürfen wie nicht übersehen, daß der Krieg Zeit zum feldmäßigen Ausbau der Verteidigungswerke bot. Das Zentrum, nicht der Lage, aber der Bedeutung nach, bildet die starke Festung Warschau. - Da nun jede Festungslinie umgangen werden kann, die stark in russisches Gebiet vorspringende Provinz Ostpreußen aber schon weiter östlich liegt als diese Stellung, glaubte man russischerseits, an den Schulterpunkt Nowogeorgiewsk eine nach Norden hin absperrende Flankendeckung erreichten zu müssen, deren Befestigungen durch den Njemen, Bobr und Narew eine willkommene Verstärkung fanden. Von diesem Teile der rechten Flankendeckung ist heute die Narewlinie von besonderem Interesse. Im Süden scheint man in bezug auf die Flankendeckung der Weichsellinie sorgloser gewesen zu sein, denn man hat sich dort auf die natürliche Stellungen zwischen Weichsel und Bug verlassen und stützt sich rückwärts der Linie Iwangorod-Warschau auf die große Festung Brest=Litowsk. Der wunde Punkt des Weichselverteidigungssystems liegt nun darin, daß die Zahl der großen Bahnen, welche















  • November 2, 2017 21:59:17 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     Karte in der 1. und 2. Spalte: Zu den Kämpfen im Osten: Von der galizischen Grenze bis zum Rigaer Busen.


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch verblieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur Windau, sondern auch tief im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=Autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und  Usingen , das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignisse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Sie hat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

    Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


    Die russiche Weichselstellung.

    Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschauplätzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das Zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die Weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete Westfront, die wie ein fester Riegel den von Westen einbrechenden Feind zurückhält. End= und Schulterpunkte dieses Teiles bilden im Norden, am Einfluß des Narew in die Weichsel, die Festung Nowogeorgiewsk und im Süden, unweit der Sanmündung, die Festung Iwangorod. Von der letzteren ist es sehr fraglich, ob sie modernen Ansprüchen noch einigermaßen gewachsen ist, doch dürfen wie nicht übersehen, daß der Krieg Zeit zum feldmäßigen Ausbau der Verteidigungswerke bot. Das Zentrum, nicht der Lage, aber der Bedeutung nach, bildet die starke Festung Warschau. - Da nun jede Festungslinie umgangen werden kann, die stark in russisches Gebiet vorspringende Provinz Ostpreußen aber schon weiter östlich liegt als diese Stellung, glaubte man russischerseits, an den Schulterpunkt Nowogeorgiewsk eine nach Norden hin absperrende Flankendeckung erreichten zu müssen, deren Befestigungen durch den Njemen, Bobr und Narew eine willkommene Verstärkung fanden. Von diesem Teile der rechten Flankendeckung ist heute die Narewlinie von besonderem Interesse. Im Süden scheint man in bezug auf die Flankendeckung der Weichsellinie sorgloser gewesen zu sein, denn man hat sich dort auf die natürliche Stellungen zwischen Weichsel und Bug verlassen und stützt sich rückwärts der Linie Iwangorod-Warschau auf die große Festung Brest=Litowsk. Der wunde Punkt des Weichselverteidigungssystems liegt nun darin, daß die Zahl der großen Bahnen, welche















  • November 2, 2017 21:58:45 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     Karte in der 1. und 2. Spalte: Zu den Kämpfen im Osten: Von der galizischen Grenze bis zum Rigaer Busen.


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch verblieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur Windau, sondern auch tief im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=Autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und  Usingen , das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignisse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

    Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


    Die russiche Weichselstellung.

    Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschauplätzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das Zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die Weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete Westfront, die wie ein fester Riegel den von Westen einbrechenden Feind zurückhält. End= und Schulterpunkte dieses Teiles bilden im Norden, am Einfluß des Narew in die Weichsel, die Festung Nowogeorgiewsk und im Süden, unweit der Sanmündung, die Festung Iwangorod. Von der letzteren ist es sehr fraglich, ob sie modernen Ansprüchen noch einigermaßen gewachsen ist, doch dürfen wie nicht übersehen, daß der Krieg Zeit zum feldmäßigen Ausbau der Verteidigungswerke bot. Das Zentrum, nicht der Lage, aber der Bedeutung nach, bildet die starke Festung Warschau. - Da nun jede Festungslinie umgangen werden kann, die stark in russisches Gebiet vorspringende Provinz Ostpreußen aber schon weiter östlich liegt als diese Stellung, glaubte man russischerseits, an den Schulterpunkt Nowogeorgiewsk eine nach Norden hin absperrende Flankendeckung erreichten zu müssen, deren Befestigungen durch den Njemen, Bobr und Narew eine willkommene Verstärkung fanden. Von diesem Teile der rechten Flankendeckung ist heute die Narewlinie von besonderem Interesse. Im Süden scheint man in bezug auf die Flankendeckung der Weichsellinie sorgloser gewesen zu sein, denn man hat sich dort auf die natürliche Stellungen zwischen Weichsel und Bug verlassen und stützt sich rückwärts der Linie Iwangorod-Warschau auf die große Festung Brest=Litowsk. Der wunde Punkt des Weichselverteidigungssystems liegt nun darin, daß die Zahl der großen Bahnen, welche















  • November 2, 2017 21:56:29 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     Karte in der 1. und 2. Spalte: Zu den Kämpfen im Osten: Von der galizischen Grenze bis zum Rigaer Busen.


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch verblieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur Windau, sondern auch tief im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=Autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und  Usingen , das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

    Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


    Die russiche Weichselstellung.

    Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschauplätzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das Zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die Weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete Westfront, die wie ein fester Riegel den von Westen einbrechenden Feind zurückhält. End= und Schulterpunkte dieses Teiles bilden im Norden, am Einfluß des Narew in die Weichsel, die Festung Nowogeorgiewsk und im Süden, unweit der Sanmündung, die Festung Iwangorod. Von der letzteren ist es sehr fraglich, ob sie modernen Ansprüchen noch einigermaßen gewachsen ist, doch dürfen wie nicht übersehen, daß der Krieg Zeit zum feldmäßigen Ausbau der Verteidigungswerke bot. Das Zentrum, nicht der Lage, aber der Bedeutung nach, bildet die starke Festung Warschau. - Da nun jede Festungslinie umgangen werden kann, die stark in russisches Gebiet vorspringende Provinz Ostpreußen aber schon weiter östlich liegt als diese Stellung, glaubte man russischerseits, an den Schulterpunkt Nowogeorgiewsk eine nach Norden hin absperrende Flankendeckung erreichten zu müssen, deren Befestigungen durch den Njemen, Bobr und Narew eine willkommene Verstärkung fanden. Von diesem Teile der rechten Flankendeckung ist heute die Narewlinie von besonderem Interesse. Im Süden scheint man in bezug auf die Flankendeckung der Weichsellinie sorgloser gewesen zu sein, denn man hat sich dort auf die natürliche Stellungen zwischen Weichsel und Bug verlassen und stützt sich rückwärts der Linie Iwangorod-Warschau auf die große Festung Brest=Litowsk. Der wunde Punkt des Weichselverteidigungssystems liegt nun darin, daß die Zahl der großen Bahnen, welche















  • November 2, 2017 21:47:28 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     Karte in der 1. und 2. Spalte: Zu den Kämpfen im Osten: Von der galizischen Grenze bis zum Rigaer Busen.


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch verblieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur Windau, sondern auch tief im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=Autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

    Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


    Die russiche Weichselstellung.

    Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschauplätzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das Zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die Weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete Westfront, die wie ein fester Riegel den von Westen einbrechenden Feind zurückhält. End= und Schulterpunkte dieses Teiles bilden im Norden, am Einfluß des Narew in die Weichsel, die Festung Nowogeorgiewsk und im Süden, unweit der Sanmündung, die Festung Iwangorod. Von der letzteren ist es sehr fraglich, ob sie modernen Ansprüchen noch einigermaßen gewachsen ist, doch dürfen wie nicht übersehen, daß der Krieg Zeit zum feldmäßigen Ausbau der Verteidigungswerke bot. Das Zentrum, nicht der Lage, aber der Bedeutung nach, bildet die starke Festung Warschau. - Da nun jede Festungslinie umgangen werden kann, die stark in russisches Gebiet vorspringende Provinz Ostpreußen aber schon weiter östlich liegt als diese Stellung, glaubte man russischerseits, an den Schulterpunkt Nowogeorgiewsk eine nach Norden hin absperrende Flankendeckung erreichten zu müssen, deren Befestigungen durch den Njemen, Bobr und Narew eine willkommene Verstärkung fanden. Von diesem Teile der rechten Flankendeckung ist heute die Narewlinie von besonderem Interesse. Im Süden scheint man in bezug auf die Flankendeckung der Weichsellinie sorgloser gewesen zu sein, denn man hat sich dort auf die natürliche Stellungen zwischen Weichsel und Bug verlassen und stützt sich rückwärts der Linie Iwangorod-Warschau auf die große Festung Brest=Litowsk. Der wunde Punkt des Weichselverteidigungssystems liegt nun darin, daß die Zahl der großen Bahnen, welche















  • November 2, 2017 21:45:26 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     Karte in der 1. und 2. Spalte: Zu den Kämpfen im Osten: Von der galizischen Grenze bis zum Rigaer Busen.


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch verblieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur Windau, sondern auch tief im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

    Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


    Die russiche Weichselstellung.

    Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschauplätzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das Zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die Weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete Westfront, die wie ein fester Riegel den von Westen einbrechenden Feind zurückhält. End= und Schulterpunkte dieses Teiles bilden im Norden, am Einfluß des Narew in die Weichsel, die Festung Nowogeorgiewsk und im Süden, unweit der Sanmündung, die Festung Iwangorod. Von der letzteren ist es sehr fraglich, ob sie modernen Ansprüchen noch einigermaßen gewachsen ist, doch dürfen wie nicht übersehen, daß der Krieg Zeit zum feldmäßigen Ausbau der Verteidigungswerke bot. Das Zentrum, nicht der Lage, aber der Bedeutung nach, bildet die starke Festung Warschau. - Da nun jede Festungslinie umgangen werden kann, die stark in russisches Gebiet vorspringende Provinz Ostpreußen aber schon weiter östlich liegt als diese Stellung, glaubte man russischerseits, an den Schulterpunkt Nowogeorgiewsk eine nach Norden hin absperrende Flankendeckung erreichten zu müssen, deren Befestigungen durch den Njemen, Bobr und Narew eine willkommene Verstärkung fanden. Von diesem Teile der rechten Flankendeckung ist heute die Narewlinie von besonderem Interesse. Im Süden scheint man in bezug auf die Flankendeckung der Weichsellinie sorgloser gewesen zu sein, denn man hat sich dort auf die natürliche Stellungen zwischen Weichsel und Bug verlassen und stützt sich rückwärts der Linie Iwangorod-Warschau auf die große Festung Brest=Litowsk. Der wunde Punkt des Weichselverteidigungssystems liegt nun darin, daß die Zahl der großen Bahnen, welche















  • November 2, 2017 21:45:04 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     Karte in der 1. und 2. Spalte: Zu den Kämpfen im Osten: Von der galizischen Grenze bis zum Rigaer Busen.


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur Windau, sondern auch tief im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

    Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


    Die russiche Weichselstellung.

    Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschauplätzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das Zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die Weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete Westfront, die wie ein fester Riegel den von Westen einbrechenden Feind zurückhält. End= und Schulterpunkte dieses Teiles bilden im Norden, am Einfluß des Narew in die Weichsel, die Festung Nowogeorgiewsk und im Süden, unweit der Sanmündung, die Festung Iwangorod. Von der letzteren ist es sehr fraglich, ob sie modernen Ansprüchen noch einigermaßen gewachsen ist, doch dürfen wie nicht übersehen, daß der Krieg Zeit zum feldmäßigen Ausbau der Verteidigungswerke bot. Das Zentrum, nicht der Lage, aber der Bedeutung nach, bildet die starke Festung Warschau. - Da nun jede Festungslinie umgangen werden kann, die stark in russisches Gebiet vorspringende Provinz Ostpreußen aber schon weiter östlich liegt als diese Stellung, glaubte man russischerseits, an den Schulterpunkt Nowogeorgiewsk eine nach Norden hin absperrende Flankendeckung erreichten zu müssen, deren Befestigungen durch den Njemen, Bobr und Narew eine willkommene Verstärkung fanden. Von diesem Teile der rechten Flankendeckung ist heute die Narewlinie von besonderem Interesse. Im Süden scheint man in bezug auf die Flankendeckung der Weichsellinie sorgloser gewesen zu sein, denn man hat sich dort auf die natürliche Stellungen zwischen Weichsel und Bug verlassen und stützt sich rückwärts der Linie Iwangorod-Warschau auf die große Festung Brest=Litowsk. Der wunde Punkt des Weichselverteidigungssystems liegt nun darin, daß die Zahl der großen Bahnen, welche















  • November 2, 2017 21:43:40 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     Karte in der 1. und 2. Spalte: Zu den Kämpfen im Osten: Von der galizischen Grenze bis zum Rigaer Busen.


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

    Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


    Die russiche Weichselstellung.

    Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschauplätzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das Zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die Weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete Westfront, die wie ein fester Riegel den von Westen einbrechenden Feind zurückhält. End= und Schulterpunkte dieses Teiles bilden im Norden, am Einfluß des Narew in die Weichsel, die Festung Nowogeorgiewsk und im Süden, unweit der Sanmündung, die Festung Iwangorod. Von der letzteren ist es sehr fraglich, ob sie modernen Ansprüchen noch einigermaßen gewachsen ist, doch dürfen wie nicht übersehen, daß der Krieg Zeit zum feldmäßigen Ausbau der Verteidigungswerke bot. Das Zentrum, nicht der Lage, aber der Bedeutung nach, bildet die starke Festung Warschau. - Da nun jede Festungslinie umgangen werden kann, die stark in russisches Gebiet vorspringende Provinz Ostpreußen aber schon weiter östlich liegt als diese Stellung, glaubte man russischerseits, an den Schulterpunkt Nowogeorgiewsk eine nach Norden hin absperrende Flankendeckung erreichten zu müssen, deren Befestigungen durch den Njemen, Bobr und Narew eine willkommene Verstärkung fanden. Von diesem Teile der rechten Flankendeckung ist heute die Narewlinie von besonderem Interesse. Im Süden scheint man in bezug auf die Flankendeckung der Weichsellinie sorgloser gewesen zu sein, denn man hat sich dort auf die natürliche Stellungen zwischen Weichsel und Bug verlassen und stützt sich rückwärts der Linie Iwangorod-Warschau auf die große Festung Brest=Litowsk. Der wunde Punkt des Weichselverteidigungssystems liegt nun darin, daß die Zahl der großen Bahnen, welche















  • November 2, 2017 21:39:37 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     Karte in der 1. und 2. Spalte: Zu den Kämpfen im Osten: Von der galizischen Grenze bis zum Rigaer Busen.


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des 'Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

    Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


    Die russiche Weichselstellung.

    Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschauplätzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das Zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die Weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete Westfront, die wie ein fester Riegel den von Westen einbrechenden Feind zurückhält. End= und Schulterpunkte dieses Teiles bilden im Norden, am Einfluß des Narew in die Weichsel, die Festung Nowogeorgiewsk und im Süden, unweit der Sanmündung, die Festung Iwangorod. Von der letzteren ist es sehr fraglich, ob sie modernen Ansprüchen noch einigermaßen gewachsen ist, doch dürfen wie nicht übersehen, daß der Krieg Zeit zum feldmäßigen Ausbau der Verteidigungswerke bot. Das Zentrum, nicht der Lage, aber der Bedeutung nach, bildet die starke Festung Warschau. - Da nun jede Festungslinie umgangen werden kann, die stark in russisches Gebiet vorspringende Provinz Ostpreußen aber schon weiter östlich liegt als diese Stellung, glaubte man russischerseits, an den Schulterpunkt Nowogeorgiewsk eine nach Norden hin absperrende Flankendeckung erreichten zu müssen, deren Befestigungen durch den Njemen, Bobr und Narew eine willkommene Verstärkung fanden. Von diesem Teile der rechten Flankendeckung ist heute die Narewlinie von besonderem Interesse. Im Süden scheint man in bezug auf die Flankendeckung der Weichsellinie sorgloser gewesen zu sein, denn man hat sich dort auf die natürliche Stellungen zwischen Weichsel und Bug verlassen und stützt sich rückwärts der Linie Iwangorod-Warschau auf die große Festung Brest=Litowsk. Der wunde Punkt des Weichselverteidigungssystems liegt nun darin, daß die Zahl der großen Bahnen, welche















  • November 2, 2017 21:37:25 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des 'Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

    Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


    Die russiche Weichselstellung.

    Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschauplätzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das Zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die Weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete Westfront, die wie ein fester Riegel den von Westen einbrechenden Feind zurückhält. End= und Schulterpunkte dieses Teiles bilden im Norden, am Einfluß des Narew in die Weichsel, die Festung Nowogeorgiewsk und im Süden, unweit der Sanmündung, die Festung Iwangorod. Von der letzteren ist es sehr fraglich, ob sie modernen Ansprüchen noch einigermaßen gewachsen ist, doch dürfen wie nicht übersehen, daß der Krieg Zeit zum feldmäßigen Ausbau der Verteidigungswerke bot. Das Zentrum, nicht der Lage, aber der Bedeutung nach, bildet die starke Festung Warschau. - Da nun jede Festungslinie umgangen werden kann, die stark in russisches Gebiet vorspringende Provinz Ostpreußen aber schon weiter östlich liegt als diese Stellung, glaubte man russischerseits, an den Schulterpunkt Nowogeorgiewsk eine nach Norden hin absperrende Flankendeckung erreichten zu müssen, deren Befestigungen durch den Njemen, Bobr und Narew eine willkommene Verstärkung fanden. Von diesem Teile der rechten Flankendeckung ist heute die Narewlinie von besonderem Interesse. Im Süden scheint man in bezug auf die Flankendeckung der Weichsellinie sorgloser gewesen zu sein, denn man hat sich dort auf die natürliche Stellungen zwischen Weichsel und Bug verlassen und stützt sich rückwärts der Linie Iwangorod-Warschau auf die große Festung Brest=Litowsk. Der wunde Punkt des Weichselverteidigungssystems liegt nun darin, daß die Zahl der großen Bahnen, welche















  • November 2, 2017 21:33:32 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des 'Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

    Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


    Die russiche Weichselstellung.

    Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschauplätzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das Zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die Weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete Westfront, die wie ein fester Riegel den von Westen einbrechenden Feind zurückhält. End= und Schulterpunkte dieses Teiles bilden im Norden, am Einfluß des Narew in die Weichsel, die Festung Nowogeorgiewsk und im Süden, unweit der Sanmündung, die Festung Iwangorod. Von der letzteren ist es sehr fraglich, ob sie modernen Ansprüchen noch einigermaßen gewachsen ist, doch dürfen wie nicht übersehen, daß der Krieg Zeit zum feldmäßigen Ausbau der Verteidigungswerke bot. Das Zentrum, nicht der Lage, aber der Bedeutung nach, bildet die starke Festung Warschau. - Da nun jede Festungslinie umgangen werden kann, die stark in russisches Gebiet vorspringende Provinz Ostpreußen aber schon weiter östlich liegt als diese Stellung, glaubte man russischerseits, an den Schulterpunkt Nowogeorgiewsk eine nach Norden hin absperrende Flankendeckung erreichten zu müssen, deren Befestigungen durch den Njemen, Bobr und Narew eine willkomene Verstärkung fanden.















  • November 2, 2017 21:32:30 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des 'Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

    Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


    Die russiche Weichselstellung.

    Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschauplätzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das Zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die Weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete Westfront, die wie ein fester Riegel den von Westen einbrechenden Feind zurückhält. End= und Schulterpunkte dieses Teiles bilden im Norden, am Einfluß des Narew in die Weichsel, die Festung Nowogeorgiewsk und im Süden, unweit der Sanmündung, die Festung Iwangorod. Von der letzteren ist es sehr fraglich, ob sie modernen Ansprüchen noch einigermaßen gewachsen ist, doch dürfen wie nicht übersehen, daß der Krieg Zeit zum feldmäßigen Ausbau der Verteidigungswerke bot. Das Zentrum, nicht der Lage, aber der bedeutung nach, bildet sie starke Festung Warschau. - Da nun jede Festungslinie umgangen werden kann, die stark in russisches Gebiet vorspringende Provin Ostpreußen aber schon weiter östlich liegt als diese stellung, glaubte man russischerseits, an den Schulterpunkt Nowogeorgiewsk eine nach Norden hin absprrende Flankendeckung erreichten zu müssen, deren Befestigungen durch den Njemen, Bobr udn Narew eine willkomene Verstärkung fanden.















  • November 2, 2017 21:29:49 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des 'Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

    Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


    Die russiche Weichselstellung.

    Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschauplätzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das Zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die Weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete Westfront, die wie ein fester Riegel den von Westen einbrechenden Feind zurückhält. End= und Schulterpunkte dieses Teiles bilden im Norden, am Einfluß des Narew in die Weichsel, die Festung Nowogeorgiewsk und im Süden, unweit der Sanmündung, die Festung Iwangorod. Von der letzteren ist es sehr fraglich, ob sie modernen Ansprüchen noch einigermaßen gewachsen ist, doch dürfen wie nicht übersehen, daß der Krieg Zeit zum feldmäßigen Ausbau der Verteidigungswerke bot.















  • November 2, 2017 21:29:11 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des 'Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

    Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


    Die russiche Weichselstellung.

    Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschauplätzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das Zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die Weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete Westfront, die wie ein fester Riegel den von Westen einbrechenden Feind zurückhält. End= und Schulterpunkte dieses Teiles bilden im Norden, am Einfluß des Narew in die weichsel, die Festung Nowogeorgiewsk und im Süden, unweit der Sanmündung, die Festung Iwangorod. Von der letzteren ist es sehr fraglich, ob sie modernen Ansprüchen noch einigermaßen gewachsen ist, düch dürfen wie nicht übersehen, daß der Krieg Zeit zum feldmäßigen Ausbau der Verteidigungswerke bot.















  • November 2, 2017 21:26:51 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des 'Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

    Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


    Die russiche Weichselstellung.

    Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschauplätzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das Zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die Weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete Westfront, die wie ein fester Riegel den von Westen einbrechenden Feind zurückhält.















  • November 2, 2017 21:26:11 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des 'Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

    Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."


    Die russiche Weichselstellung.

    Die Ereignisse auf den übrigen Kriegsschaupltzen im Osten stehen in engem Zusammenhang zueinander. Ihr gemeinsames ZIel ist vorläufig das zertrümmern der feindlichen Stellung an der Weichel, mit möglichst großen Verlusten für den Feind. Wenn wir uns diese Stellung an der Hand der Karte ansehen, so finden wir als Hauptstellung die durch die weichsel mit ihren Befestigungswerken gebildete westfront, die wie ein fester Riegel den von -westen einbrechenden Feind zurückhält.















  • November 2, 2017 21:23:38 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des 'Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.

    Heute aber, wo ihnen ebenso noch der Mund verschlossen ist wie ihren deutschen Landesgenossen, und wo Deutsche wie Letten ein offenes Bekenntnis für die deutsche Sache noch mit Sibirien oder dem russischen Strang bezahlen müßten, scheint es nicht überflüssig, auf diese Tatsachen und Verhältnisse hinzuweisen, ehe sich in unserer Mitte Vorurteile herausbilden, die geeignet sind, auf die Bitternisse ihrer gegenwärtigen Lage auch noch die Kränkung einer ungerechten Verurteilung durch uns zu häufen."














  • November 2, 2017 21:19:43 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des 'Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten und sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen. Von diesen ist aber die Mehrzahl ihrer Volksgenossen reinlich zu scheiden, besonders die gesamte landbesitzliche Bauernschaft, die, wie gute Kenner der dortigen Volksstimmung versichern, sich nicht nur völlig passiv verhalten und den weiteren Gang der militärischen Ereignisse abwarten, sondern vielfach auch schon unzweideutig verlautbart haben, auch sie sähen in den einrückenden deutsche Truppen in erster Linie die rettenden Befreier von russischem Joch.














  • November 2, 2017 21:16:46 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des 'Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.

    Ein gleiches gilt von den Letten. Gewiß kann es nicht wundernehmen, daß ein Volk, wie das lettische, das in den letzten Jahrzehnten vom Russentum systematisch gegen die Deutschen aufgehetzt worden ist, Elemente aufweist, die für den reichlich rollenden Rubel bereit sind, Spionagedienste zu leisten ndn sich diesem traurigen Handwerk auch hingeben haben mögen.













  • November 2, 2017 21:14:20 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des 'Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um


     4. Spalte: 


    um wenigstens nicht Zeuge der Verwüstung des angestammten Besitzes durch Kosakenhorden sein zu müssen. Ein Vorwurf wird ihnen aus dieser Haltung wohl schwerlich gemacht werden können, am wenigstens der einer etwa feindlichen Gesinnung gegen unsere Truppen. Wer das behauptet, kennt die Psyche der Balten schlecht und verkennt die verzweifelte Lage, in der sie sich befinden, solange der Arm des russischen Henkers sie noch zu erreichen vermag.













  • November 2, 2017 21:11:06 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des 'Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt sich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenigen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in die Städte geflüchtet, um











  • November 2, 2017 21:10:28 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des 'Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.

    Aus diesem Umstande erklärt aich auch die von anderer Seite gemeldete Tatsache, daß unsere in Kurland vorrückenden Truppen die deutschen Besitzer auf ihren Rittergütern meist nicht mehr antreffen, denn entweder sind sie bereits verschickt oder bringen ihre Tage in Untersuchungsgefängnissen zu, dort des ihnen drohenden Schicksals harrend. Die wenogen, denen dieses barbarische Los von der russischen Soldateska noch nicht bereitet wurde, sind in di eStädte geflüchtet, um











  • November 2, 2017 21:07:59 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des 'Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Libau genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau und anscheinen auch auf dem Wege nach Riga. Bei Grünhof und Usingen, das heißt auf den beiden von Hofzumberge und auf der östlich davon auf Mitau führenden Straße, wurde der Freind zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany wich er vor dem deutschen Angriffe, und östlich Tuckum, bei Groß=Schmarden, wurde er in das Hochmoor an der Straße nach Riga gedrängt, aus dem er vermutlich gegen den bis Tuckum stehenden Feind vorzugehen beabsichtigt hatte. Das Gut Groß=Schmarden liegt an einer Straße, die in östlicher Richtung auf Riga führt.


    Land und Leute in Kurland.


    Zum besseren Verständnis der Ereignosse in dem hauptsächlich von Deutschen bewohnten Kurland haben wir geglaubt, unseren Lesern eine hochinteressante Betrachtung aus der Feder eines Kurländers selbst nicht vorenthalten zu wollen. Si ehat folgenden Wortlaut:

    "Die Bahnstation Autz (nicht Auz, wie der Ort nach der russischen Schreibweise auf einigen deutschen Karten geschrieben wird) liegt etwa 55 Kilometer von Mitau entfernt. In ihrer Nähe liegen die großen Rittergüter Alt=Autz, dem Reichsgrafen Medem gehörig, dessen naher Verwandter bis vor kurzem Hofmarschall an einem thüringischen Hof war, Groß-Autz, ein Herrensitz der Grafen v. der Pahlen, sowie Neu=Autz, das sich seit langem im Besitz der Familie des Freiherrn v. der Ropp befindet. Bei der bekannten barbarischen Kriegsführung der Russen ist leider anzunehmen, daß die prächtigen Wohn= und Wirtschaftsgebäude dieser und anderer Güter, die auf der Rückzugsstraße der Russen liegen, vorschriftsgemäß niedergebrannt worden sind, ihre Besitzer aber, falls sie sich nicht vorher in Sicherheit gebracht haben oder bereits zu Anfang des Krieges nach Ostsibirien verschickt worden sind, von zurückflutenden Kosakenschwärmen mitgeschleppt wurden. Vielen von ihnen ist das bedauernswerte Schicksal zuteil geworden, vor dem Abzug der Russen Zeugen sein zu müssen, wie ihre alten Herrensitze samt Hofgebäude von diesen verwüstet und niedergebrannt wurden. Wenn schon zu Friedenszeiten die baltischen Lande von den Russen als nichtrussisches und somit feindliches Gebiet betrachtet wurden, da ihre Bewohner fast ausschließlich deutsche oder lettische Protestanten sind, so hat sich ihre feindliche Haltung in diesem Kriege natürlich bis zu Akten unmenschlicher Brutalität gegen diese ihre eigenen Staatsangehörigen gesteigert.









  • November 1, 2017 13:14:22 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des 'Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Liabu genommen wurde.

    Der 19. Juli brachte neue Erfolge und Fortschritte auf dem Wege nach Mitau






  • November 1, 2017 13:13:47 Dagmar Veigel

     Nummer 30, Seite 2. 


     1. Spalte: 


    und 3 Maschinengewehre. - Immer schneller folgten sich nun die guten Nachrichten aus Kurland. Die "russische Dampfwalze" scheint in ein unhaltbares Rückwärtsrollen geraten zu sein.

    Windau, der einzige große Ort und Hafen an der Ostküste, der südlich des 'Einganges zum rigaischen Busen den Russen noch vebrlieb, fiel in deutsche Hände, und nicht nur windau, sondern auch tieg im Innern Kurlands bei Tuckum, nur 14 Kilometer südwestlich des Südendes


     2. Spalte: 


    der genannten Bucht, standen am 19. Juli die deutschen Truppen, während westlich von Mitau die Russen eine vorbereitete Stellung zur Verteidigung der Hauptstadt Kurlands hielten. Diese Verteidigung kann nunmehr von zwei Seiten gleichzeitig angefaßt werden. Schon waren die Sieger von Alt=Autz hinter dem geschlagenen Feinde bis nördlich Hofzumberge vorgedrungen, hatten demnach von Alt=autz bis Hofzumberge eine direkt östliche Richtung verfolgt, um nach Erreichen


     3. Spalte: 


    der von Shagory kommenden Heerstraße dem Gegner folgend die Richtung nach Norden, d. h. auf Mitau, zu nehmen. Hofzumberge ist nur noch 28 Kilometer von Mitau entfernt, während von Tuckum aus die Heerstraße in südöstlicher Richtung ebenfalls dorthin führt. Die Entfernung zwischen Tuckum und Mitau beträgt 50 Kilometer. Wir dürfen übrigens nicht aus dem Auge lassen, daß Tuckum nur noch 60 Kilometer westlich Riga liegt. Der Weg dorthin führt allerdings durch wenig günstiges Gelände, bietet jedoch immerhin neben der einzigen von Mitau aus auf die Hauptstadt Livlands führenden Straße eine zweite Annäherungsmöglichkeit. Ist Riga in deutschen Händen, so würde die Festung Dünamünde von der Landseite aus genommen werden können, wie Liabu genommen wurde.






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Jul, 1915
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