Deutsche Kriegszeitung - Illustrierte Wochenausgabe, herausgegeben vom Berliner Lokal-Anzeiger, item 16
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6. Seite:
in unserem Ponton der Zugführer und sieben Soldaten zusammen. Wir übrigen sprangen in großen Sätzen ans Ufer und stürzten uns auf die serbischen Feldbefestigungen, die nach einem Bajonettangriff vom Feinde geräumt wurden. Wir sahen reguläres Militär und bewaffnete Komitatschis vor uns her fliehen und eilten ihnen, querfeldeinlaufend, bis zur Ortschaft Schabatz nach. Es kam zu einem verzweifelten Straßenkampf, bei dem auch aus den verrammelten Fenstern und von Türmen auf uns geschossen wurde. Es langten jedoch von rückwärts fortwährend Verstärkungen an, und nach einstündigem Kampf hatten wir den Ort besetzt. Damit war aber nur die Hälfte der Arbeit getan. Eine Anzahl serbischer Soldaten hatte sich in Kellern und auf Dachböden versteckt, und es fielen fortwährend Schüsse, die vielen unserer wackeren Kameraden das Leben kosteten. Als wir mit gefälltem Bajonett in jedes Haus eindrangen, flüchteten die Serben in ein nahes Wäldchen, wo wir sie wie Spatzen einzeln abschossen, und auch von hier mußten wir den Feind mit dem Bajonett vetreiben."
Die Siegesbeute der Österreicher an Kriegsmaterial war groß, und es wurden auch zahlreiche Gefangene gemacht. In zweifacher Beziehung waren aber die Meldungen über die Kämpfe besonders erfreulich. Sie zeigten nämlich zunächst, daß die kroatischen Truppen, deren Anhänglichkeit an Österreich im Auslande angezweifelt worden war, sich ausgezeichnet schlugen, und sie beweisen ferner durch den Satz: "Die Verfolgung des Feindes ist in vollstem Gange", daß die österreichische Armee die Bequemlichkeit abgelegt hat, die man ihr in früheren Kriegen, wohl nicht ganz ohne Grund, zum Vorwurf machte.
Österreich und Montenegro.
Das soeben Gesagte erhellt übrigens auch aus den Vorgängen in Montenegro, wo die bisher so offensivlustigen Bergbewohner plötzlich in eine ihnen sehr peinliche Defensive gedrängt wurden. Dieser kleine Krakeeler aus den schwarzen Bergen sieht sich jetzt plötzlich den Angriffen zweier österreichischer Korps ausgesetzt, während die österreichische Flotte den Lovcen, auf dem die montenegrinische Armee sich wieder eimal eingenistet hatte, bombardierte. In der Tat, die Lage für die Montenegriner wurde so ungemütlich, daß sie sogar angefangen haben, Verluste zuzugeben, und das will für Montenegro etwas heißen. Der an "Väterchen" gerichtete Hilferuf der Serben und Montenegriner wird wohl nicht erhört werden können, da die russische Regierung es nicht wagen kann, eine Armee durch Rumänien und Bulgarien nach Serbien zu schicken. So werden denn die beiden Balkanstaaten heute wissen, daß sie etwas unvorsichtig waren, als sie den Krieg mit Österreich vom Zaune brachen.
Die Kämpfe im Elsaß und in Belgien.
Wenn auch die Kämpfe der deutschen Armee im Westen in ihrem Gesamtresultat eine Reihe von glänzenden Erfolgen genannt werden können, so warnte uns doch eine Nachricht aus dem Elsaß davor, uns in dem Glauben zu wiegen, daß wir nur Siege zuerwarten hätten. Eine aus Straßburg ausmarschierte Festungsabteilung von zwei Bataillonen mit Artillerie war in dem Gebirgsgelände von Schirmeck in dem gleichnamigen Vogesenpaß in einen Hinterhalt gefallen. Mag es nun sein, daß man zu vertrauensvoll marschierte, oder mögen die Seitendeckungen in dem schwierigen Gelände schließlich hinter der auf der Straße marschierenden Kolonne zurückgeblieben sein, kurz, der Feind eröffnete plötzlich von dem steilen Gipfel des Donon Artilleriefeuer auf die Abteilung, und es blieb, da die Wand der Höhe nicht erklimmbar war, nichts zu tun übrig, als dem Feinde die durch sein Feuer unbeweglich gemachten Geschütze, nachdem man sie unbrauchbar gemacht hatte, zu überlassen und wenigstens die Mannschaft zu retten. Daß in Paris ein unendlicher Jubel aüber diese kleine Affäre ausbrechen würde, war klar. Bisher hatte man immer Siege erlügen müssen, da war es selbstverständlich, daß man aus einer wirklichen kleinen Schlappe einen gewaltigen Sieg konstruierte, um den abflauenden Mut der Bevölkerung neu zu beleben. Freilich, die Siegesfreude blieb nur kurze Zeit ungetrübt, denn am Tage nach dieser uns so ungewohnten Meldung über einen, wenn auch kleinen Mißerfolg kam die Nachricht von einem kleinen deutschen Siege bei Weiler im Elsaß. Weiler liegt nordwestlich von Schlettstadt, und die Franzosen, die 55. Infanteriebrigade, werden nicht wenig stolz gewesen sein, daß es ihnen gelang, so weit in deutsches Gebiet vorgedrungen zu sein. Sie kamen freilich schneller wieder hinaus, als sie sich eingeschlichen hatten, und wir freuen uns, daß es bayerische und badische Truppen waren, die der Brigade schwere Verluste beibrachten und sie sodann über die Vogesen zurückwarfen.
Die englische Presse wird den Bayern diese Tat sehr krumm nehmen. Hatte sie doch mehrfach behauptet, daß die Bayern sich nur ungern an Preußens Seite an dem Krieg beteiligten und wahrscheinlich bald abfallen würden. Daß die Bayern diese englische Behauptung so prompt und in so deutlicher Weise widerlegten, wird man ihnen in London sobald nicht vergessen. - War es hier im Elsaß dem französischen Fußvolk schlecht gegangen, so sollte auf belgischem Grund und Boden eine französische Kavalleriedivision die für sie höchst unangenehme Bekannschaft deutscher Kavallerie machen. Diese stieß am 18. August bei Perwez, nördlich von Namur, auf die französische 5. Kavalleriedivision, die aus einer Dragoner= und aus einer leichten Kavallerie=Brigade zusammengesetzt ist. Die vier französischen Reiterregimente führten auch ihre Artillerie und Maschinengewehrabteilung mit sich, was sie freilich nicht vor gründlicher Keile rettete. - Die am 20. August eingelaufene Meldung, daß die französische Kavallerie nicht nur große Verluste hatte, sondern auch zwei Geschütze und zwei Maschinengewehre in den Händen der deutschen Kavallerie ließ, macht die Reiterschlacht von Perwez nur noch schmackhafter für uns. Jedenfalls war es von gewaltigem moralischen Wert, daß der französischen Kavallerie gleich im Anfang der Krieges schlagend bewiesen wurde, daß sie trotz ihres Dünkels deutscher Kavallerie nicht gewachsen ist. - Kaum war diese schöne Nachricht in unseren Händen, als wir durch einen neuen Erfolg auf belgischem Boden überrascht wurden.
Bei Tirlemont (in flämischer Sprache auch Thiene genannt) eroberten am 20. August unsere Truppen eine Feldbatterie, eine schwere Batterie und eine Fahne. Es ist demnach zu einem sehr heftigen Kampfe gekommen, da Fahnen immer und Geschütze fast immer mit der blanken Waffe genommen werden. Der Sieg ist aber auch wegen der geographischen Lage des Ortes Tirlemont von Bedeutung, denn der liegt nur 43 Kilometer von Brüssel, der Hauptstadt Belgiens, entfernt und ist eine wichtige Eisenbahnstation.
Die Einnahme von Brüssel.
Daß dem Gefecht bei Tirlemont die Besetzung von Brüssel auf dem Fuße
1. Bild, oben: Zu dem siegreichen Gefecht gegen die Russen bei Stallupönen: Der alte Markt der Stadt.
2. Bild, mittig: Von den Russen verbrannter Eisenbahnwagen bei Kalisch.
3. Bild, Mitte, links: Die von den Russen in Brand gesteckte Stadt. Kalisch nach dem Rückzug der Russen.
4. Bild, Mitte, rechts: Eine Eisenbahnbrücke, die die Russen vergeblich zu sprengen suchten.
5. Bild, unten: Speißung von Kindern und Frauen, deren Ernährer im Felde stehen. Phot. E. Kinz
Vom Vaterländischen Frauenverein Berlin=Lankwitz eingerichtete Notstandsküche.
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6. Seite:
in unserem Ponton der Zugführer und sieben Soldaten zusammen. Wir übrigen sprangen in großen Sätzen ans Ufer und stürzten uns auf die serbischen Feldbefestigungen, die nach einem Bajonettangriff vom Feinde geräumt wurden. Wir sahen reguläres Militär und bewaffnete Komitatschis vor uns her fliehen und eilten ihnen, querfeldeinlaufend, bis zur Ortschaft Schabatz nach. Es kam zu einem verzweifelten Straßenkampf, bei dem auch aus den verrammelten Fenstern und von Türmen auf uns geschossen wurde. Es langten jedoch von rückwärts fortwährend Verstärkungen an, und nach einstündigem Kampf hatten wir den Ort besetzt. Damit war aber nur die Hälfte der Arbeit getan. Eine Anzahl serbischer Soldaten hatte sich in Kellern und auf Dachböden versteckt, und es fielen fortwährend Schüsse, die vielen unserer wackeren Kameraden das Leben kosteten. Als wir mit gefälltem Bajonett in jedes Haus eindrangen, flüchteten die Serben in ein nahes Wäldchen, wo wir sie wie Spatzen einzeln abschossen, und auch von hier mußten wir den Feind mit dem Bajonett vetreiben."
Die Siegesbeute der Österreicher an Kriegsmaterial war groß, und es wurden auch zahlreiche Gefangene gemacht. In zweifacher Beziehung waren aber die Meldungen über die Kämpfe besonders erfreulich. Sie zeigten nämlich zunächst, daß die kroatischen Truppen, deren Anhänglichkeit an Österreich im Auslande angezweifelt worden war, sich ausgezeichnet schlugen, und sie beweisen ferner durch den Satz: "Die Verfolgung des Feindes ist in vollstem Gange", daß die österreichische Armee die Bequemlichkeit abgelegt hat, die man ihr in früheren Kriegen, wohl nicht ganz ohne Grund, zum Vorwurf machte.
Österreich und Montenegro.
Das soeben Gesagte erhellt übrigens auch aus den Vorgängen in Montenegro, wo die bisher so offensivlustigen Bergbewohner plötzlich in eine ihnen sehr peinliche Defensive gedrängt wurden. Dieser kleine Krakeeler aus den schwarzen Bergen sieht sich jetzt plötzlich den Angriffen zweier österreichischer Korps ausgesetzt, während die österreichische Flotte den Lovcen, auf dem die montenegrinische Armee sich wieder eimal eingenistet hatte, bombardierte. In der Tat, die Lage für die Montenegrinder wurde so ungemütlich, daß sie sogar angefangen haben, Verluste zuzugeben, und das will für Montenegro etwas heißen. Der an "Väterchen" gerichtete Hilferuf der Serben und Montenegriner wird wohl nicht erhört werden können, da die russische Regierung es nicht wagen kann, eine Armee durch Rumänien und Bulgarien nach Serbien zu schicken. So werden denn die beiden Balkanstaaten heute wissen, daß sie etwas unvorsichtig waren, als sie den Krieg mit Österreich vom Zaune brachen.
Die Kämpfe im Elsaß und in Belgien.
Wenn auch die Kämpfe der deutschen Armee im Westen in ihrem Gesamtresultat eine Reihe von glänzenden Erfolgen genannt werden können, so warnte uns doch eine Nachricht aus dem Elsaß davor, uns in dem Glauben zu wiegen, daß wir nur Siege zuerwarten hätten. Eine aus Straßburg ausmarschierte Festungsabteilung von zwei Bataillonen mit Artillerie war in dem Gebirgsgelände von Schirmeck in dem gleichnamigen Vogesenpaß in einen Hinterhalt gefallen. Mag es nun sein, daß man zu vertrauensvoll marschierte, oder mögen die Seitendeckungen in dem schwierigen Gelände schließlich hinter der auf der Straße marschierenden Kolonne zurückgeblieben sein, kurz, der Feind eröffnete plötzlich von dem steilen Gipfel des Donon Artilleriefeuer auf die Abteilung, und es blieb, da die Wand der Höhe nicht erklimmbar war, nichts zu tun übrig, als dem Feinde die durch sein Feuer unbeweglich gemachten Geschütze, nachdem man sie unbrauchbar gemacht hatte, zu überlassen und wenigstens die Mannschaft zu retten. Daß in Paris ein unendlicher Jubel aüber diese kleine Affäre ausbrechen würde, war klar. Bisher hatte man immer Siege erlügen müssen, da war es selbstverständlich, daß man aus einer wirklichen kleinen Schlappe einen gewaltigen Sieg konstruierte, um den abflauenden Mut der Bevölkerung neu zu beleben. Freilich, die Siegesfreude blieb nur kurze Zeit ungetrübt, denn am Tage nach dieser uns so ungewohnten Meldung über einen, wenn auch kleinen Mißerfolg kam die Nachricht von einem kleinen deutschen Siege bei Weiler im Elsaß. Weiler liegt nordwestlich von Schlettstadt, und die Franzosen, die 55. Infanteriebrigade, werden nicht wenig stolz gewesen sein, daß es ihnen gelang, so weit in deutsches Gebiet vorgedrungen zu sein. Sie kamen freilich schneller wieder hinaus, als sie sich eingeschlichen hatten, und wir freuen uns, daß es bayerische und badische Truppen waren, die der Brigade schwere Verluste beibrachten und sie sodann über die Vogesen zurückwarfen.
Die englische Presse wird den Bayern diese Tat sehr krumm nehmen. Hatte sie doch mehrfach behauptet, daß die Bayern sich nur ungern an Preußens Seite an dem Krieg beteiligten und wahrscheinlich bald abfallen würden. Daß die Bayern diese englische Behauptung so prompt und in so deutlicher Weise widerlegten, wird man ihnen in London sobald nicht vergessen. - War es hier im Elsaß dem französischen Fußvolk schlecht gegangen, so sollte auf belgischem Grund und Boden eine französische Kavalleriedivision die für sie höchst unangenehme Bekannschaft deutscher Kavallerie machen. Diese stieß am 18. August bei Perwez, nördlich von Namur, auf die französische 5. Kavalleriedivision, die aus einer Dragoner= und aus einer leichten Kavallerie=Brigade zusammengesetzt ist. Die vier französischen Reiterregimente führten auch ihre Artillerie und Maschinengewehrabteilung mit sich, was sie freilich nicht vor gründlicher Keile rettete. - Die am 20. August eingelaufene Meldung, daß die französische Kavallerie nicht nur große Verluste hatte, sondern auch zwei Geschütze und zwei Maschinengewehre in den Händen der deutschen Kavallerie ließ, macht die Reiterschlacht von Perwez nur noch schmackhafter für uns. Jedenfalls war es von gewaltigem moralischen Wert, daß der französischen Kavallerie gleich im Anfang der Krieges schlagend bewiesen wurde, daß sie trotz ihres Dünkels deutscher Kavallerie nicht gewachsen ist. - Kaum war diese schöne Nachricht in unseren Händen, als wir durch einen neuen Erfolg auf belgischem Boden überrascht wurden.
Bei Tirlemont (in flämischer Sprache auch Thiene genannt) eroberten am 20. August unsere Truppen eine Feldbatterie, eine schwere Batterie und eine Fahne. Es ist demnach zu einem sehr heftigen Kampfe gekommen, da Fahnen immer und Geschütze fast immer mit der blanken Waffe genommen werden. Der Sieg ist aber auch wegen der geographischen Lage des Ortes Tirlemont von Bedeutung, denn der liegt nur 43 Kilometer von Brüssel, der Hauptstadt Belgiens, entfernt und ist eine wichtige Eisenbahnstation.
Die Einnahme von Brüssel.
Daß dem Gefecht bei Tirlemont die Besetzung von Brüssel auf dem Fuße
1. Bild, oben: Zu dem siegreichen Gefecht gegen die Russen bei Stallupönen: Der alte Markt der Stadt.
2. Bild, mittig: Von den Russen verbrannter Eisenbahnwagen bei Kalisch.
3. Bild, Mitte, links: Die von den Russen in Brand gesteckte Stadt. Kalisch nach dem Rückzug der Russen.
4. Bild, Mitte, rechts: Eine Eisenbahnbrücke, die die Russen vergeblich zu sprengen suchten.
5. Bild, unten: Speißung von Kindern und Frauen, deren Ernährer im Felde stehen. Phot. E. Kinz
Vom Vaterländischen Frauenverein Berlin=Lankwitz eingerichtete Notstandsküche.
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in unserem Ponton der Zugführer und sieben Soldaten zusammen. Wir übrigen sprangen in großen Sätzen ans Ufer und stürzten uns auf die serbischen Feldbefestigungen, die nach einem Bajonettangriff vom Feinde geräumt wurden. Wir sahen reguläres Militär und bewaffnete Komitatschis vor uns her fliehen und eilten ihnen, querfeldeinlaufend, bis zur Ortschaft Schabatz nach. Es kam zu einem verzweifelten Straßenkampf, bei dem auch aus den verrammelten Fenstern und von Türmen auf uns geschossen wurde. Es langten jedoch von rückwärts fortwährend Verstärkungen an, und nach einstündigem Kampf hatten wir den Ort besetzt. Damit war aber nur die Hälfte der Arbeit getan. Eine Anzahl serbischer Soldaten hatte sich in Kellern und auf Dachböden versteckt, und es fielen fortwährend Schüsse, die vielen unserer wackeren Kameraden das Leben kosteten. Als wir mit gefälltem Bajonett in jedes Haus eindrangen, flüchteten die Serben in ein nahes Wäldchen, wo wir sie wie Spatzen einzeln abschossen, und auch von hier mußten wir den Feind mit dem Bajonett vetreiben."
Die Siegesbeute der Österreicher an Kriegsmaterial war groß, und es wurden auch zahlreiche Gefangene gemacht. In zweifacher Beziehung waren aber die Meldungen über die Kämpfe besonders erfreulich. Sie zeigten nämlich zunächst, daß die kroatischen Truppen, deren Anhänglichkeit an Österreich im Auslande angezweifelt worden war, sich ausgezeichnet schlugen, und sie beweisen ferner durch den Satz: "Die Verfolgung des Feindes ist in vollstem Gange", daß die österreichische Armee die Bequemlichkeit abgelegt hat, die man ihr in früheren Kriegen, wohl nicht ganz ohne Grund, zum Vorwurf machte.
Österreich und Montenegro.
Das soeben Gesagte erhellt übrigens auch aus den Vorgängen in Montenegro, wo die bisher so offensivlustigen Bergbewohner plötzlich in eine ihnen sehr peinliche Defensive gedrängt wurden. Dieser kleine Krakeeler aus den schwarzen Bergen sieht sich jetzt plötzlich den Angriffen zweier österreichischer Korps ausgesetzt, während die österreichische Flotte den Lovcen, auf dem die montenegrinische Armee sich wieder eimal eingenistet hatte, bombardierte. In der Tat, die Lage für die Montenegrinder wurde so ungemütlich, daß sie sogar angefangen haben, Verluste zuzugeben, und das will für Montenegro etwas heißen. Der an "Väterchen" gerichtete Hilferuf der Serben und Montenegriner wird wohl nicht erhört werden können, da die russische Regierung es nicht wagen kann, eine Armee durch Rumänien und Bulgarien nach Serbien zu schicken. So werden denn die beiden Balkanstaaten heute wissen, daß sie etwas unvorsichtig waren, als sie den Krieg mit Österreich vom Zaune brachen.
Die Kämpfe im Elsaß und in Belgien.
Wenn auch die Kämpfe der deutschen Armee im Westen in ihrem Gesamtresultat eine Reihe von glänzenden Erfolgen genannt werden können, so warnte uns doch eine Nachricht aus dem Elsaß davor, uns in dem Glauben zu wiegen, daß wir nur Siege zuerwarten hätten. Eine aus Straßburg ausmarschierte Festungsabteilung von zwei Bataillonen mit Artillerie war in dem Gebirgsgelände von Schirmeck in dem gleichnamigen Vogesenpaß in einen Hinterhalt gefallen. Mag es nun sein, daß man zu vertrauensvoll marschierte, oder mögen die Seitendeckungen in dem schwierigen Gelände schließlich hinter der auf der Straße marschierenden Kolonne zurückgeblieben sein, kurz, der Feind eröffnete plötzlich von dem steilen Gipfel des Donon Artilleriefeuer auf die Abteilung, und es blieb, da die Wand der Höhe nicht erklimmbar war, nichts zu tun übrig, als dem Feinde die durch sein Feuer unbeweglich gemachten Geschütze, nachdem man sie unbrauchbar gemacht hatte, zu überlassen und wenigstens die Mannschaft zu retten. Daß in Paris ein unendlicher Jubel aüber diese kleine Affäre ausbrechen würde, war klar. Bisher hatte man immer Siege erlügen müssen, da war es selbstverständlich, daß man aus einer wirklichen kleinen Schlappe einen gewaltigen Sieg konstruierte, um den abflauenden Mut der Bevölkerung neu zu beleben. Freilich, die Siegesfreude blieb nur kurze Zeit ungetrübt, denn am Tage nach dieser uns so ungewohnten Meldung über einen, wenn auch kleinen Mißerfolg kam die Nachricht von einem kleinen deutschen Siege bei Weiler im Elsaß. Weiler liegt nordwestlich von Schlettstadt, und die Franzosen, die 55. Infanteriebrigade, werden nicht wenig stolz gewesen sein, daß es ihnen gelang, so weit in deutsches Gebiet vorgedrungen zu sein. Sie kamen freilich schneller wieder hinaus, als sie sich eingeschlichen hatten, und wir freuen uns, daß es bayerische und badische Truppen waren, die der Brigade schwere Verluste beibrachten und sie sodann über die Vogesen zurückwarfen.
Die englische Presse wird den Bayern diese Tat sehr krumm nehmen. Hatte sie doch mehrfach behauptet, daß die Bayern sich nur ungern an Preußens Seite an dem Krieg beteiligten und wahrscheinlich bald abfallen würden. Daß die Bayern diese englische Behauptung so prompt und in so deutlicher Weise widerlegten, wird man ihnen in London sobald nicht vergessen. - War es hier im Elsaß dem französischen Fußvolk schlecht gegangen, so sollte auf belgischem Grund und Boden eine französische Kavalleriedivision die für sie höchst unangenehme Bekannschaft deutscher Kavallerie machen. Diese stieß am 18. August bei Perwez, nördlich von Namur, auf die französische 5. Kavalleriedivision, die aus einer Dragoner= und aus einer leichten Kavallerie=Brigade zusammengesetzt ist. Die vier französischen Reiterregimente führten auch ihre Artillerie und Maschinengewehrabteilung mit sich, was sie freilich nicht vor gründlicher Keile rettete. - Die am 20. August eingelaufene Meldung, daß die französische Kavallerie nicht nur große Verluste hatte, sondern auch zwei Geschütze und zwei Maschinengewehre in den Händen der deutschen Kavallerie ließ, macht die Reiterschlacht von Perwez nur noch schmackhafter für uns. Jedenfalls war es von gewaltigem moralischen Wert, daß der französischen Kavallerie gleich im Anfang der Krieges schlagend bewiesen wurde, daß sie trotz ihres Dünkels deutscher Kavallerie nicht gewachsen ist. - Kaum war diese schöne Nachricht in unseren Händen, als wir durch einen neuen Erfolg auf belgischem Boden überrascht wurden.
Bei Tirlemont (in flämischer Sprache auch Thiene genannt) eroberten am 20. August unsere Truppen eine Feldbatterie, eine schwere Batterie und eine Fahne. Es ist demnach zu einem sehr heftigen Kampfe gekommen, da Fahnen immer und Geschütze fast immer mit der blanken Waffe genommen werden. Der Sieg ist aber auch wegen der geographischen Lage des Ortes Tirlemont von Bedeutung, denn der liegt nur 43 Kilometer von Brüssel, der Hauptstadt Belgiens, entfernt und ist eine wichtige Eisenbahnstation.
Die Einnahme von Brüssel.
Daß dem Gefecht bei Tirlemont die Besetzung von Brüssel auf dem Fuße
1. Bild, oben: Zu dem siegreichen Gefecht gegen die Russen bei Stallupönen: Der alte Markt der Stadt.
2. Bild, mittig: Von den Russen verbrannter Eisenbahnwagen bei Kalisch.
3. Bild, Mitte, links: Die von den Russen in Brand gesteckte Stadt. Kalisch nach dem Rückzug der Russen.
4. Bild, Mitte, rechts: Eine eisenbahnbrücke, die die Russen vergeblich zu sprengen suchten.
5. Bild, unten: Speißung von Kindern und Frauen, deren Ernährer im Felde stehen. Phot. E. Kinz
Vom Vaterländischen Frauenverein Berlin=Lankwitz eingerichtete Notstandsküche.
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in unserem Ponton der Zugführer und sieben Soldaten zusammen. Wir übrigen sprangen in großen Sätzen ans Ufer und stürzten uns auf die serbischen Feldbefestigungen, die nach einem Bajonettangriff vom Feinde geräumt wurden. Wir sahen reguläres Militär und bewaffnete Komitatschis vor uns her fliehen und eilten ihnen, querfeldeinlaufend, bis zur Ortschaft Schabatz nach. Es kam zu einem verzweifelten Straßenkampf, bei dem auch aus den verrammelten Fenstern und von Türmen auf uns geschossen wurde. Es langten jedoch von rückwärts fortwährend Verstärkungen an, und nach einstündigem Kampf hatten wir den Ort besetzt. Damit war aber nur die Hälfte der Arbeit getan. Eine Anzahl serbischer Soldaten hatte sich in Kellern und auf Dachböden versteckt, und es fielen fortwährend Schüsse, die vielen unserer wackeren Kameraden das Leben kosteten. Als wir mit gefälltem Bajonett in jedes Haus eindrangen, flüchteten die Serben in ein nahes Wäldchen, wo wir sie wie Spatzen einzeln abschossen, und auch von hier mußten wir den Feind mit dem Bajonett vetreiben."
Die Siegesbeute der Österreicher an Kriegsmaterial war groß, und es wurden auch zahlreiche Gefangene gemacht. In zweifacher Beziehung waren aber die Meldungen über die Kämpfe besonders erfreulich. Sie zeigten nämlich zunächst, daß die kroatischen Truppen, deren Anhänglichkeit an Österreich im Auslande angezweifelt worden war, sich ausgezeichnet schlugen, und sie beweisen ferner durch den Satz: "Die Verfolgung des Feindes ist in vollstem Gange", daß die österreichische Armee die Bequemlichkeit abgelegt hat, die man ihr in früheren Kriegen, wohl nicht ganz ohne Grund, zum Vorwurf machte.
Österreich und Montenegro.
Das soeben Gesagte erhellt übrigens auch aus den Vorgängen in Montenegro, wo die bisher so offensivlustigen Bergbewohner plötzlich in eine ihnen sehr peinliche Defensive gedrängt wurden. Dieser kleine Krakeeler aus den schwarzen Bergen sieht sich jetzt plötzlich den Angriffen zweier österreichischer Korps ausgesetzt, während die österreichische Flotte den Lovcen, auf dem die montenegrinische Armee sich wieder eimal eingenistet hatte, bombardierte. In der Tat, die Lage für die Montenegrinder wurde so ungemütlich, daß sie sogar angefangen haben, Verluste zuzugeben, und das will für Montenegro etwas heißen. Der an "Väterchen" gerichtete Hilferuf der Serben und Montenegriner wird wohl nicht erhört werden können, da die russische Regierung es nicht wagen kann, eine Armee durch Rumänien und Bulgarien nach Serbien zu schicken. So werden denn die beiden Balkanstaaten heute wissen, daß sie etwas unvorsichtig waren, als sie den Krieg mit Österreich vom Zaune brachen.
Die Kämpfe im Elsaß und in Belgien.
Wenn auch die Kämpfe der deutschen Armee im Westen in ihrem Gesamtresultat eine Reihe von glänzenden Erfolgen genannt werden können, so warnte uns doch eine Nachricht aus dem Elsaß davor, uns in dem Glauben zu wiegen, daß wir nur Siege zuerwarten hätten. Eine aus Straßburg ausmarschierte Festungsabteilung von zwei Bataillonen mit Artillerie war in dem Gebirgsgelände von Schirmeck in dem gleichnamigen Vogesenpaß in einen Hinterhalt gefallen. Mag es nun sein, daß man zu vertrauensvoll marschierte, oder mögen die Seitendeckungen in dem schwierigen Gelände schließlich hinter der auf der Straße marschierenden Kolonne zurückgeblieben sein, kurz, der Feind eröffnete plötzlich von dem steilen Gipfel des Donon Artilleriefeuer auf die Abteilung, und es blieb, da die Wand der Höhe nicht erklimmbar war, nichts zu tun übrig, als dem Feinde die durch sein Feuer unbeweglich gemachten Geschütze, nachdem man sie unbrauchbar gemacht hatte, zu überlassen und wenigstens die Mannschaft zu retten. Daß in Paris ein unendlicher Jubel aüber diese kleine Affäre ausbrechen würde, war klar. Bisher hatte man immer Siege erlügen müssen, da war es selbstverständlich, daß man aus einer wirklichen kleinen Schlappe einen gewaltigen Sieg konstruierte, um den abflauenden Mut der Bevölkerung neu zu beleben. Freilich, die Siegesfreude blieb nur kurze Zeit ungetrübt, denn am Tage nach dieser uns so ungewohnten Meldung über einen, wenn auch kleinen Mißerfolg kam die Nachricht von einem kleinen deutschen Siege bei Weiler im Elsaß. Weiler liegt nordwestlich von Schlettstadt, und die Franzosen, die 55. Infanteriebrigade, werden nicht wenig stolz gewesen sein, daß es ihnen gelang, so weit in deutsches Gebiet vorgedrungen zu sein. Sie kamen freilich schneller wieder hinaus, als sie sich eingeschlichen hatten, und wir freuen uns, daß es bayerische und badische Truppen waren, die der Brigade schwere Verluste beibrachten und sie sodann über die Vogesen zurückwarfen.
Die englische Presse wird den Bayern diese Tat sehr krumm nehmen. Hatte sie doch mehrfach behauptet, daß die Bayern sich nur ungern an Preußens Seite an dem Krieg beteiligten und wahrscheinlich bald abfallen würden. Daß die Bayern diese englische Behauptung so prompt und in so deutlicher Weise widerlegten, wird man ihnen in London sobald nicht vergessen. - War es hier im Elsaß dem französischen Fußvolk schlecht gegangen, so sollte auf belgischem Grund und Boden eine französische Kavalleriedivision die für sie höchst unangenehme Bekannschaft deutscher Kavallerie machen. Diese stieß am 18. August bei Perwez, nördlich von Namur, auf die französische 5. Kavalleriedivision, die aus einer Dragoner= und aus einer leichten Kavallerie=Brigade zusammengesetzt ist. Die vier französischen Reiterregimente führten auch ihre Artillerie und Maschinengewehrabteilung mit sich, was sie freilich nicht vor gründlicher Keile rettete. - Die am 20. August eingelaufene Meldung, daß die französische Kavallerie nicht nur große Verluste hatte, sondern auch zwei Geschütze und zwei Maschinengewehre in den Händen der deutschen Kavallerie ließ, macht die Reiterschlacht von Perwez nur noch schmackhafter für uns. Jedenfalls war es von gewaltigem moralischen Wert, daß der französischen Kavallerie gleich im Anfang der Krieges schlagend bewiesen wurde, daß sie trotz ihres Dünkels deutscher Kavallerie nicht gewachsen ist. - Kaum war diese schöne Nachricht in unseren Händen, als wir durch einen neuen Erfolg auf belgischem Boden überrascht wurden.
Bei Tirlemont (in flämischer Sprache auch Thiene genannt) eroberten am 20. August unsere Truppen eine Feldbatterie, eine schwere Batterie und eine Fahne. Es ist demnach zu einem sehr heftigen Kampfe gekommen, da Fahnen immer und Geschütze fast immer mit der blanken Waffe genommen werden. Der Sieg ist aber auch wegen der geographischen Lage des Ortes Tirlemont von Bedeutung, denn der liegt nur 43 Kilometer von Brüssel, der Hauptstadt Belgiens, entfernt und ist eine wichtige Eisenbahnstation.
Die Einnahme von Brüssel.
Daß dem Gefecht bei Tirlemont die Besetzung von Brüssel auf dem Fuße
1. Bild, oben: Zu dem siegreichen Gefecht gegen die Russen bei Stallupönen: Der alte Markt der Stadt.
2. Bild, mittig: Von den Russen verbrannter Eisenbahnwagen bei Kalisch.
3. Bild, Mitte, links: Die von den Russen in Brand gesteckte Stadt. Kalisch nach dem Rückzug der Russen.
4. Bild, Mitte, rechts: Eine eisenbahnbrücke, die die Russen vergeblich zu sprengen suchten.
5. Bild, unten: Speißung von Kindern und Frauen, deren Ernährer im Felde stehen. Phot. E. Kinz
Vom Vaterländischen Frauenverein Berlin=Lankwitz eingerichtete Notstandsküche.
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6. Seite:
in unserem Ponton der Zugführer und sieben Soldaten zusammen. Wir übrigen sprangen in großen Sätzen ans Ufer und stürzten uns auf die serbischen Feldbefestigungen, die nach einem Bajonettangriff vom Feinde geräumt wurden. Wir sahen reguläres Militär und bewaffnete Komitatschis vor uns her fliehen und eilten ihnen, querfeldeinlaufend, bis zur Ortschaft Schabatz nach. Es kam zu einem verzweifelten Straßenkampf, bei dem auch aus den verrammelten Fenstern und von Türmen auf uns geschossen wurde. Es langten jedoch von rückwärts fortwährend Verstärkungen an, und nach einstündigem Kampf hatten wir den Ort besetzt. Damit war aber nur die Hälfte der Arbeit getan. Eine Anzahl serbischer Soldaten hatte sich in Kellern und auf Dachböden versteckt, und es fielen fortwährend Schüsse, die vielen unserer wackeren Kameraden das Leben kosteten. Als wir mit gefälltem Bajonett in jedes Haus eindrangen, flüchteten die Serben in ein nahes Wäldchen, wo wir sie wie Spatzen einzeln abschossen, und auch von hier mußten wir den Feind mit dem Bajonett vetreiben."
Die Siegesbeute der Österreicher an Kriegsmaterial war groß, und es wurden auch zahlreiche Gefangene gemacht. In zweifacher Beziehung waren aber die Meldungen über die Kämpfe besonders erfreulich. Sie zeigten nämlich zunächst, daß die kroatischen Truppen, deren Anhänglichkeit an Österreich im Auslande angezweifelt worden war, sich ausgezeichnet schlugen, und sie beweisen ferner durch den Satz: "Die Verfolgung des Feindes ist in vollstem Gange", daß die österreichische Armee die Bequemlichkeit abgelegt hat, die man ihr in früheren Kriegen, wohl nicht ganz ohne Grund, zum Vorwurf machte.
Österreich und Montenegro.
Das soeben Gesagte erhellt übrigens auch aus den Vorgängen in Montenegro, wo die bisher so offensivlustigen Bergbewohner plötzlich in eine ihnen sehr peinliche Defensive gedrängt wurden. Dieser kleine Krakeeler aus den schwarzen Bergen sieht sich jetzt plötzlich den Angriffen zweier österreichischer Korps ausgesetzt, während die österreichische Flotte den Lovcen, auf dem die montenegrinische Armee sich wieder eimal eingenistet hatte, bombardierte. In der Tat, die Lage für die Montenegrinder wurde so ungemütlich, daß sie sogar angefangen haben, Verluste zuzugeben, und das will für Montenegro etwas heißen. Der an "Väterchen" gerichtete Hilferuf der Serben und Montenegriner wird wohl nicht erhört werden können, da die russische Regierung es nicht wagen kann, eine Armee durch Rumänien und Bulgarien nach Serbien zu schicken. So werden denn die beiden Balkanstaaten heute wissen, daß sie etwas unvorsichtig waren, als sie den Krieg mit Österreich vom Zaune brachen.
Die Kämpfe im Elsaß und in Belgien.
Wenn auch die Kämpfe der deutschen Armee im Westen in ihrem Gesamtresultat eine Reihe von glänzenden Erfolgen genannt werden können, so warnte uns doch eine Nachricht aus dem Elsaß davor, uns in dem Glauben zu wiegen, daß wir nur Siege zuerwarten hätten. Eine aus Straßburg ausmarschierte Festungsabteilung von zwei Bataillonen mit Artillerie war in dem Gebirgsgelände von Schirmeck in dem gleichnamigen Vogesenpaß in einen Hinterhalt gefallen. Mag es nun sein, daß man zu vertrauensvoll marschierte, oder mögen die Seitendeckungen in dem schwierigen Gelände schließlich hinter der auf der Straße marschierenden Kolonne zurückgeblieben sein, kurz, der Feind eröffnete plötzlich von dem steilen Gipfel des Donon Artilleriefeuer auf die Abteilung, und es blieb, da die Wand der Höhe nicht erklimmbar war, nichts zu tun übrig, als dem Feinde die durch sein Feuer unbeweglich gemachten Geschütze, nachdem man sie unbrauchbar gemacht hatte, zu überlassen und wenigstens die Mannschaft zu retten. Daß in Paris ein unendlicher Jubel aüber diese kleine Affäre ausbrechen würde, war klar. Bisher hatte man immer Siege erlügen müssen, da war es selbstverständlich, daß man aus einer wirklichen kleinen Schlappe einen gewaltigen Sieg konstruierte, um den abflauenden Mut der Bevölkerung neu zu beleben. Freilich, die Siegesfreude blieb nur kurze Zeit ungetrübt, denn am Tage nach dieser uns so ungewohnten Meldung über einen, wenn auch kleinen Mißerfolg kam die Nachricht von einem kleinen deutschen Siege bei Weiler im Elsaß. Weiler liegt nordwestlich von Schlettstadt, und die Franzosen, die 55. Infanteriebrigade, werden nicht wenig stolz gewesen sein, daß es ihnen gelang, so weit in deutsches Gebiet vorgedrungen zu sein. Sie kamen freilich schneller wieder hinaus, als sie sich eingeschlichen hatten, und wir freuen uns, daß es bayerische und badische Truppen waren, die der Brigade schwere Verluste beibrachten und sie sodann über die Vogesen zurückwarfen.
Die englische Presse wird den Bayern diese Tat sehr krumm nehmen. Hatte sie doch mehrfach behauptet, daß die Bayern sich nur ungern an Preußens Seite an dem Krieg beteiligten und wahrscheinlich bald abfallen würden. Daß die Bayern diese englische Behauptung so prompt und in so deutlicher Weise widerlegten, wird man ihnen in London sobald nicht vergessen. - War es hier im Elsaß dem französischen Fußvolk schlecht gegangen, so sollte auf belgischem Grund und Boden eine französische Kavalleriedivision die für sie höchst unangenehme Bekannschaft deutscher Kavallerie machen. Diese stieß am 18. August bei Perwez, nördlich von Namur, auf die französische 5. Kavalleriedivision, die aus einer Dragoner= und aus einer leichten Kavallerie=Brigade zusammengesetzt ist. Die vier französischen Reiterregimente führten auch ihre Artillerie und Maschinengewehrabteilung mit sich, was sie freilich nicht vor gründlicher Keile rettete. - Die am 20. August eingelaufene Meldung, daß die französische Kavallerie nicht nur große Verluste hatte, sondern auch zwei Geschütze und zwei Maschinengewehre in den Händen der deutschen Kavallerie ließ, macht die Reiterschlacht von Perwez nur noch schmackhafter für uns. Jedenfalls war es von gewaltigem moralischen Wert, daß der französischen Kavallerie gleich im Anfang der Krieges schlagend bewiesen wurde, daß sie trotz ihres Dünkels deutscher Kavallerie nicht gewachsen ist. - Kaum war diese schöne Nachricht in unseren Händen, als wir durch einen neuen Erfolg auf belgischem Boden überrascht wurden.
Bei Tirlemont (in flämischer Sprache auch Thiene genannt) eroberten am 20. August unsere Truppen eine Feldbatterie, eine schwere Batterie und eine Fahne. Es ist demnach zu einem sehr heftigen Kampfe gekommen, da Fahnen immer und Geschütze fast immer mit der blanken Waffe genommen werden. Der Sieg ist aber auch wegen der geographischen Lage des Ortes Tirlemont von Bedeutung, denn der liegt nur 43 Kilometer von Brüssel, der Hauptstadt Belgiens, entfernt und ist eine wichtige Eisenbahnstation.
Die Einnahme von Brüssel.
Daß dem Gefecht bei Tirlemont die Besetzung von Brüssel auf dem Fuße
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in unserem Ponton der Zugführer und sieben Soldaten zusammen. Wir übrigen sprangen in großen Sätzen ans Ufer und stürzten uns auf die serbischen Feldbefestigungen, die nach einem Bajonettangriff vom Feinde geräumt wurden. Wir sahen reguläres Militär und bewaffnete Komitatschis vor uns her fliehen und eilten ihnen, querfeldeinlaufend, bis zur Ortschaft Schabatz nach. Es kam zu einem verzweifelten Straßenkampf, bei dem auch aus den verrammelten Fenstern und von Türmen auf uns geschossen wurde. Es langten jedoch von rückwärts fortwährend Verstärkungen an, und nach einstündigem Kampf hatten wir den Ort besetzt. Damit war aber nur die Hälfte der Arbeit getan. Eine Anzahl serbischer Soldaten hatte sich in Kellern und auf Dachböden versteckt, und es fielen fortwährend Schüsse, die vielen unserer wackeren Kameraden das Leben kosteten. Als wir mit gefälltem Bajonett in jedes Haus eindrangen, flüchteten die Serben in ein nahes Wäldchen, wo wir sie wie Spatzen einzeln abschossen, und auch von hier mußten wir den Feind mit dem Bajonett vetreiben."
Die Siegesbeute der Österreicher an Kriegsmaterial war groß, und es wurden auch zahlreiche Gefangene gemacht. In zweifacher Beziehung waren aber die Meldungen über die Kämpfe besonders erfreulich. Sie zeigten nämlich zunächst, daß die kroatischen Truppen, deren Anhänglichkeit an Österreich im Auslande angezweifelt worden war, sich ausgezeichnet schlugen, und sie beweisen ferner durch den Satz: "Die Verfolgung des Feindes ist in vollstem Gange", daß die österreichische Armee die Bequemlichkeit abgelegt hat, die man ihr in früheren Kriegen, wohl nicht ganz ohne Grund, zum Vorwurf machte.
Österreich und Montenegro.
Das soeben Gesagte erhellt übrigens auch aus den Vorgängen in Montenegro, wo die bisher so offensivlustigen Bergbewohner plötzlich in eine ihnen sehr peinliche Defensive gedrängt wurden. Dieser kleine Krakeeler aus den schwarzen Bergen sieht sich jetzt plötzlich den Angriffen zweier österreichischer Korps ausgesetzt, während die österreichische Flotte den Lovcen, auf dem die montenegrinische Armee sich wieder eimal eingenistet hatte, bombardierte. In der Tat, die Lage für die Montenegrinder wurde so ungemütlich, daß sie sogar angefangen haben, Verluste zuzugeben, und das will für Montenegro etwas heißen. Der an "Väterchen" gerichtete Hilferuf der Serben und Montenegriner wird wohl nicht erhört werden können, da die russische Regierung es nicht wagen kann, eine Armee durch Rumänien und Bulgarien nach Serbien zu schicken. So werden denn die beiden Balkanstaaten heute wissen, daß sie etwas unvorsichtig waren, als sie den Krieg mit Österreich vom Zaune brachen.
Die Kämpfe im Elsaß und in Belgien.
Wenn auch die Kämpfe der deutschen Armee im Westen in ihrem Gesamtresultat eine Reihe von glänzenden Erfolgen genannt werden können, so warnte uns doch eine Nachricht aus dem Elsaß davor, uns in dem Glauben zu wiegen, daß wir nur Siege zuerwarten hätten. Eine aus Straßburg ausmarschierte Festungsabteilung von zwei Bataillonen mit Artillerie war in dem Gebirgsgelände von Schirmeck in dem gleichnamigen Vogesenpaß in einen Hinterhalt gefallen. Mag es nun sein, daß man zu vertrauensvoll marschierte, oder mögen die Seitendeckungen in dem schwierigen Gelände schließlich hinter der auf der Straße marschierenden Kolonne zurückgeblieben sein, kurz, der Feind eröffnete plötzlich von dem steilen Gipfel des Donon Artilleriefeuer auf die Abteilung, und es blieb, da die Wand der Höhe nicht erklimmbar war, nichts zu tun übrig, als dem Feinde die durch sein Feuer unbeweglich gemachten Geschütze, nachdem man sie unbrauchbar gemacht hatte, zu überlassen und wenigstens die Mannschaft zu retten. Daß in Paris ein unendlicher Jubel aüber diese kleine Affäre ausbrechen würde, war klar. Bisher hatte man immer Siege erlügen müssen, da war es selbstverständlich, daß man aus einer wirklichen kleinen Schlappe einen gewaltigen Sieg konstruierte, um den abflauenden Mut der Bevölkerung neu zu beleben. Freilich, die Siegesfreude blieb nur kurze Zeit ungetrübt, denn am Tage nach dieser uns so ungewohnten Meldung über einen, wenn auch kleinen Mißerfolg kam die Nachricht von einem kleinen deutschen Siege bei Weiler im Elsaß. Weiler liegt nordwestlich von Schlettstadt, und die Franzosen, die 55. Infanteriebrigade, werden nicht wenig stolz gewesen sein, daß es ihnen gelang, so weit in deutsches Gebiet vorgedrungen zu sein. Sie kamen freilich schneller wieder hinaus, als sie sich eingeschlichen hatten, und wir freuen uns, daß es bayerische und badische Truppen waren, die der Brigade schwere Verluste beibrachten und sie sodann über die Vogesen zurückwarfen.
Die englische Presse wird den Bayern diese Tat sehr krumm nehmen. Hatte sie doch mehrfach behauptet, daß die Bayern sich nur ungern an Preußens Seite an dem Krieg beteiligten und wahrscheinlich bald abfallen würden. Daß die Bayern diese englische Behauptung so prompt und in so deutlicher Weise widerlegten, wird man ihnen in London sobald nicht vergessen. - War es hier im Elsaß dem französischen Fußvolk schlecht gegangen, so sollte auf belgischem Grund und Boden eine französische Kavalleriedivision die für sie höchst unangenehme Bekannschaft deutscher Kavallerie machen. Diese stieß am 18. August bei Perwez, nördlich von Namur, auf die französische 5. Kavalleriedivision, die aus einer Dragoner= und aus einer leichten Kavallerie=Brigade zusammengesetzt ist. Die vier französischen Reiterregimente führten auch ihre Artillerie und Maschinengewehrabteilung mit sich, was sie freilich nicht vor gründlicher Keile rettete. - Die am 20. August eingelaufene Meldung, daß die französische Kavallerie nicht nur große Verluste hatte, sondern auch zwei Geschütze und zwei Maschinengewehre in den Händen der deutschen Kavallerie ließ, macht die Reiterschlacht von Perwez nur noch schmackhafter für uns. Jedenfalls war es von gewaltigem moralischen Wert, daß der französischen Kavallerie gleich im Anfang der Krieges schlagend bewiesen wurde, daß sie trotz ihres Dünkels deutscher Kavallerie nicht gewachsen ist. -
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in unserem Ponton der Zugführer und sieben Soldaten zusammen. Wir übrigen sprangen in großen Sätzen ans Ufer und stürzten uns auf die serbischen Feldbefestigungen, die nach einem Bajonettangriff vom Feinde geräumt wurden. Wir sahen reguläres Militär und bewaffnete Komitatschis vor uns her fliehen und eilten ihnen, querfeldeinlaufend, bis zur Ortschaft Schabatz nach. Es kam zu einem verzweifelten Straßenkampf, bei dem auch aus den verrammelten Fenstern und von Türmen auf uns geschossen wurde. Es langten jedoch von rückwärts fortwährend Verstärkungen an, und nach einstündigem Kampf hatten wir den Ort besetzt. Damit war aber nur die Hälfte der Arbeit getan. Eine Anzahl serbischer Soldaten hatte sich in Kellern und auf Dachböden versteckt, und es fielen fortwährend Schüsse, die vielen unserer wackeren Kameraden das Leben kosteten. Als wir mit gefälltem Bajonett in jedes Haus eindrangen, flüchteten die Serben in ein nahes Wäldchen, wo wir sie wie Spatzen einzeln abschossen, und auch von hier mußten wir den Feind mit dem Bajonett vetreiben."
Die Siegesbeute der Österreicher an Kriegsmaterial war groß, und es wurden auch zahlreiche Gefangene gemacht. In zweifacher Beziehung waren aber die Meldungen über die Kämpfe besonders erfreulich. Sie zeigten nämlich zunächst, daß die kroatischen Truppen, deren Anhänglichkeit an Österreich im Auslande angezweifelt worden war, sich ausgezeichnet schlugen, und sie beweisen ferner durch den Satz: "Die Verfolgung des Feindes ist in vollstem Gange", daß die österreichische Armee die Bequemlichkeit abgelegt hat, die man ihr in früheren Kriegen, wohl nicht ganz ohne Grund, zum Vorwurf machte.
Österreich und Montenegro.
Das soeben Gesagte erhellt übrigens auch aus den Vorgängen in Montenegro, wo die bisher so offensivlustigen Bergbewohner plötzlich in eine ihnen sehr peinliche Defensive gedrängt wurden. Dieser kleine Krakeeler aus den schwarzen Bergen sieht sich jetzt plötzlich den Angriffen zweier österreichischer Korps ausgesetzt, während die österreichische Flotte den Lovcen, auf dem die montenegrinische Armee sich wieder eimal eingenistet hatte, bombardierte. In der Tat, die Lage für die Montenegrinder wurde so ungemütlich, daß sie sogar angefangen haben, Verluste zuzugeben, und das will für Montenegro etwas heißen. Der an "Väterchen" gerichtete Hilferuf der Serben und Montenegriner wird wohl nicht erhört werden können, da die russische Regierung es nicht wagen kann, eine Armee durch Rumänien und Bulgarien nach Serbien zu schicken. So werden denn die beiden Balkanstaaten heute wissen, daß sie etwas unvorsichtig waren, als sie den Krieg mit Österreich vom Zaune brachen.
Die Kämpfe im Elsaß und in Belgien.
Wenn auch die Kämpfe der deutschen Armee im Westen in ihrem Gesamtresultat eine Reihe von glänzenden Erfolgen genannt werden können, so warnte uns doch eine Nachricht aus dem Elsaß davor, uns in dem Glauben zu wiegen, daß wir nur Siege zuerwarten hätten. Eine aus Straßburg ausmarschierte Festungsabteilung von zwei Bataillonen mit Artillerie war in dem Gebirgsgelände von Schirmeck in dem gleichnamigen Vogesenpaß in einen Hinterhalt gefallen. Mag es nun sein, daß man zu vertrauensvoll marschierte, oder mögen die Seitendeckungen in dem schwierigen Gelände schließlich hinter der auf der Straße marschierenden Kolonne zurückgeblieben sein, kurz, der Feind eröffnete plötzlich von dem steilen Gipfel des Donon Artilleriefeuer auf die Abteilung, und es blieb, da die Wand der Höhe nicht erklimmbar war, nichts zu tun übrig, als dem Feinde die durch sein Feuer unbeweglich gemachten Geschütze, nachdem man sie unbrauchbar gemacht hatte, zu überlassen und wenigstens die Mannschaft zu retten. Daß in Paris ein unendlicher Jubel aüber diese kleine Affäre ausbrechen würde, war klar. Bisher hatte man immer Siege erlügen müssen, da war es selbstverständlich, daß man aus einer wirklichen kleinen Schlappe einen gewaltigen Sieg konstruierte, um den abflauenden Mut der Bevölkerung neu zu beleben. Freilich, die Siegesfreude blieb nur kurze Zeit ungetrübt, denn am Tage nach dieser uns so ungewohnten Meldung über einen, wenn auch kleinen Mißerfolg kam die Nachricht von einem kleinen deutschen Siege bei Weiler im Elsaß. Weiler liegt nordwestlich von Schlettstadt, und die Franzosen, die 55. Infanteriebrigade, werden nicht wenig stolz gewesen sein, daß es ihnen gelang, so weit in deutsches Gebiet vorgedrungen zu sein. Sie kamen freilich schneller wieder hinaus, als sie sich eingeschlichen hatten, und wir freuen uns, daß es bayerische und badische Truppen waren, die der Brigade schwere Verluste beibrachten und sie sodann über die Vogesen zurückwarfen.
Die englische Presse wird den Bayern diese Tat sehr krumm nehmen. Hatte sie doch mehrfach behauptet, daß die Bayern sich nur ungern an Preußens Seite an dem Krieg beteiligten und wahrscheinlich bald abfallen würden. Daß die Bayern diese englische Behauptung so prompt und in so deutlicher Weise widerlegten, wird man ihnen in London sobald nicht vergessen. - War es hier im Elsaß dem französischen Fußvolk schlecht gegangen, so sollte auf belgischem Grund und Boden eine französische Kavalleriedivision die für sie höchst unangenehme Bekannschaft deutscher Kavallerie machen. Diese stieß am 18. August bei Perwez, nördlich von Namur, auf die französische 5. Kavalleriedivision, die aus einer Dragoner= und aus einer leichten Kavallerie=Brigade zusammengesetzt ist. Die vier französischen Reiterregimente führten auch ihre Artillerie und Maschinengewehrabteilung mit sich, was sie freilich nicht vor gründlicher Keile rettete.
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in unserem Ponton der Zugführer und sieben Soldaten zusammen. Wir übrigen sprangen in großen Sätzen ans Ufer und stürzten uns auf die serbischen Feldbefestigungen, die nach einem Bajonettangriff vom Feinde geräumt wurden. Wir sahen reguläres Militär und bewaffnete Komitatschis vor uns her fliehen und eilten ihnen, querfeldeinlaufend, bis zur Ortschaft Schabatz nach. Es kam zu einem verzweifelten Straßenkampf, bei dem auch aus den verrammelten Fenstern und von Türmen auf uns geschossen wurde. Es langten jedoch von rückwärts fortwährend Verstärkungen an, und nach einstündigem Kampf hatten wir den Ort besetzt. Damit war aber nur die Hälfte der Arbeit getan. Eine Anzahl serbischer Soldaten hatte sich in Kellern und auf Dachböden versteckt, und es fielen fortwährend Schüsse, die vielen unserer wackeren Kameraden das Leben kosteten. Als wir mit gefälltem Bajonett in jedes Haus eindrangen, flüchteten die Serben in ein nahes Wäldchen, wo wir sie wie Spatzen einzeln abschossen, und auch von hier mußten wir den Feind mit dem Bajonett vetreiben."
Die Siegesbeute der Österreicher an Kriegsmaterial war groß, und es wurden auch zahlreiche Gefangene gemacht. In zweifacher Beziehung waren aber die Meldungen über die Kämpfe besonders erfreulich. Sie zeigten nämlich zunächst, daß die kroatischen Truppen, deren Anhänglichkeit an Österreich im Auslande angezweifelt worden war, sich ausgezeichnet schlugen, und sie beweisen ferner durch den Satz: "Die Verfolgung des Feindes ist in vollstem Gange", daß die österreichische Armee die Bequemlichkeit abgelegt hat, die man ihr in früheren Kriegen, wohl nicht ganz ohne Grund, zum Vorwurf machte.
Österreich und Montenegro.
Das soeben Gesagte erhellt übrigens auch aus den Vorgängen in Montenegro, wo die bisher so offensivlustigen Bergbewohner plötzlich in eine ihnen sehr peinliche Defensive gedrängt wurden. Dieser kleine Krakeeler aus den schwarzen Bergen sieht sich jetzt plötzlich den Angriffen zweier österreichischer Korps ausgesetzt, während die österreichische Flotte den Lovcen, auf dem die montenegrinische Armee sich wieder eimal eingenistet hatte, bombardierte. In der Tat, die Lage für die Montenegrinder wurde so ungemütlich, daß sie sogar angefangen haben, Verluste zuzugeben, und das will für Montenegro etwas heißen. Der an "Väterchen" gerichtete Hilferuf der Serben und Montenegriner wird wohl nicht erhört werden können, da die russische Regierung es nicht wagen kann, eine Armee durch Rumänien und Bulgarien nach Serbien zu schicken. So werden denn die beiden Balkanstaaten heute wissen, daß sie etwas unvorsichtig waren, als sie den Krieg mit Österreich vom Zaune brachen.
Die Kämpfe im Elsaß und in Belgien.
Wenn auch die Kämpfe der deutschen Armee im Westen in ihrem Gesamtresultat eine Reihe von glänzenden Erfolgen genannt werden können, so warnte uns doch eine Nachricht aus dem Elsaß davor, uns in dem Glauben zu wiegen, daß wir nur Siege zuerwarten hätten. Eine aus Straßburg ausmarschierte Festungsabteilung von zwei Bataillonen mit Artillerie war in dem Gebirgsgelände von Schirmeck in dem gleichnamigen Vogesenpaß in einen Hinterhalt gefallen. Mag es nun sein, daß man zu vertrauensvoll marschierte, oder mögen die Seitendeckungen in dem schwierigen Gelände schließlich hinter der auf der Straße marschierenden Kolonne zurückgeblieben sein, kurz, der Feind eröffnete plötzlich von dem steilen Gipfel des Donon Artilleriefeuer auf die Abteilung, und es blieb, da die Wand der Höhe nicht erklimmbar war, nichts zu tun übrig, als dem Feinde die durch sein Feuer unbeweglich gemachten Geschütze, nachdem man sie unbrauchbar gemacht hatte, zu überlassen und wenigstens die Mannschaft zu retten. Daß in Paris ein unendlicher Jubel aüber diese kleine Affäre ausbrechen würde, war klar. Bisher hatte man immer Siege erlügen müssen, da war es selbstverständlich, daß man aus einer wirklichen kleinen Schlappe einen gewaltigen Sieg konstruierte, um den abflauenden Mut der Bevölkerung neu zu beleben. Freilich, die Siegesfreude blieb nur kurze Zeit ungetrübt, denn am Tage nach dieser uns so ungewohnten Meldung über einen, wenn auch kleinen Mißerfolg kam die Nachricht von einem kleinen deutschen Siege bei Weiler im Elsaß. Weiler liegt nordwestlich von Schlettstadt, und die Franzosen, die 55. Infanteriebrigade, werden nicht wenig stolz gewesen sein, daß es ihnen gelang, so weit in deutsches Gebiet vorgedrungen zu sein. Sie kamen freilich schneller wieder hinaus, als sie sich eingeschlichen hatten, und wir freuen uns, daß es bayerische und badische Truppen waren, die der Brigade schwere Verluste beibrachten und sie sodann über die Vogesen zurückwarfen.
Die englische Presse wird den Bayern diese Tat sehr krumm nehmen. Hatte sie doch mehrfach behauptet, daß die Bayern sich nur ungern an Preußens Seite an dem Krieg beteiligten und wahrscheinlich bald abfallen würden. Daß die Bayern diese englische Behauptung so prompt und in so deutlicher Weise widerlegten, wird man ihnen in London sobald nicht vergessen.
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in unserem Ponton der Zugführer und sieben Soldaten zusammen. Wir übrigen sprangen in großen Sätzen ans Ufer und stürzten uns auf die serbischen Feldbefestigungen, die nach einem Bajonettangriff vom Feinde geräumt wurden. Wir sahen reguläres Militär und bewaffnete Komitatschis vor uns her fliehen und eilten ihnen, querfeldeinlaufend, bis zur Ortschaft Schabatz nach. Es kam zu einem verzweifelten Straßenkampf, bei dem auch aus den verrammelten Fenstern und von Türmen auf uns geschossen wurde. Es langten jedoch von rückwärts fortwährend Verstärkungen an, und nach einstündigem Kampf hatten wir den Ort besetzt. Damit war aber nur die Hälfte der Arbeit getan. Eine Anzahl serbischer Soldaten hatte sich in Kellern und auf Dachböden versteckt, und es fielen fortwährend Schüsse, die vielen unserer wackeren Kameraden das Leben kosteten. Als wir mit gefälltem Bajonett in jedes Haus eindrangen, flüchteten die Serben in ein nahes Wäldchen, wo wir sie wie Spatzen einzeln abschossen, und auch von hier mußten wir den Feind mit dem Bajonett vetreiben."
Die Siegesbeute der Österreicher an Kriegsmaterial war groß, und es wurden auch zahlreiche Gefangene gemacht. In zweifacher Beziehung waren aber die Meldungen über die Kämpfe besonders erfreulich. Sie zeigten nämlich zunächst, daß die kroatischen Truppen, deren Anhänglichkeit an Österreich im Auslande angezweifelt worden war, sich ausgezeichnet schlugen, und sie beweisen ferner durch den Satz: "Die Verfolgung des Feindes ist in vollstem Gange", daß die österreichische Armee die Bequemlichkeit abgelegt hat, die man ihr in früheren Kriegen, wohl nicht ganz ohne Grund, zum Vorwurf machte.
Österreich und Montenegro.
Das soeben Gesagte erhellt übrigens auch aus den Vorgängen in Montenegro, wo die bisher so offensivlustigen Bergbewohner plötzlich in eine ihnen sehr peinliche Defensive gedrängt wurden. Dieser kleine Krakeeler aus den schwarzen Bergen sieht sich jetzt plötzlich den Angriffen zweier österreichischer Korps ausgesetzt, während die österreichische Flotte den Lovcen, auf dem die montenegrinische Armee sich wieder eimal eingenistet hatte, bombardierte. In der Tat, die Lage für die Montenegrinder wurde so ungemütlich, daß sie sogar angefangen haben, Verluste zuzugeben, und das will für Montenegro etwas heißen. Der an "Väterchen" gerichtete Hilferuf der Serben und Montenegriner wird wohl nicht erhört werden können, da die russische Regierung es nicht wagen kann, eine Armee durch Rumänien und Bulgarien nach Serbien zu schicken. So werden denn die beiden Balkanstaaten heute wissen, daß sie etwas unvorsichtig waren, als sie den Krieg mit Österreich vom Zaune brachen.
Die Kämpfe im Elsaß und in Belgien.
Wenn auch die Kämpfe der deutschen Armee im Westen in ihrem Gesamtresultat eine Reihe von glänzenden Erfolgen genannt werden können, so warnte uns doch eine Nachricht aus dem Elsaß davor, uns in dem Glauben zu wiegen, daß wir nur Siege zuerwarten hätten. Eine aus Straßburg ausmarschierte Festungsabteilung von zwei Bataillonen mit Artillerie war in dem Gebirgsgelände von Schirmeck in dem gleichnamigen Vogesenpaß in einen Hinterhalt gefallen. Mag es nun sein, daß man zu vertrauensvoll marschierte, oder mögen die Seitendeckungen in dem schwierigen Gelände schließlich hinter der auf der Straße marschierenden Kolonne zurückgeblieben sein, kurz, der Feind eröffnete plötzlich von dem steilen Gipfel des Donon Artilleriefeuer auf die Abteilung, und es blieb, da die Wand der Höhe nicht erklimmbar war, nichts zu tun übrig, als dem Feinde die durch sein Feuer unbeweglich gemachten Geschütze, nachdem man sie unbrauchbar gemacht hatte, zu überlassen und wenigstens die Mannschaft zu retten. Daß in Paris ein unendlicher Jubel aüber diese kleine Affäre ausbrechen würde, war klar. Bisher hatte man immer Siege erlügen müssen, da war es selbstverständlich, daß man aus einer wirklichen kleinen Schlappe einen gewaltigen Sieg konstruierte, um den abflauenden Mut der Bevölkerung neu zu beleben. Freilich, die Siegesfreude blieb nur kurze Zeit ungetrübt, denn am Tage nach dieser uns so ungewohnten Meldung über einen, wenn auch kleinen Mißerfolg kam die Nachricht von einem kleinen deutschen Siege bei Weiler im Elsaß. Weiler liegt nordwestlich von Schlettstadt, und die Franzosen, die 55. Infanteriebrigade, werden nicht wenig stolz gewesen sein, daß es ihnen gelang, so weit in deutsches Gebiet vorgedrungen zu sein. Sie kamen freilich schneller wieder hinaus, als sie sich eingeschlichen hatten, und wir freuen uns, daß es bayerische und badische Truppen waren, die der Brigade schwere Verluste beibrachten und sie sodann über die Vogesen zurückwarfen.
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in unserem Ponton der Zugführer und sieben Soldaten zusammen. Wir übrigen sprangen in großen Sätzen ans Ufer und stürzten uns auf die serbischen Feldbefestigungen, die nach einem Bajonettangriff vom Feinde geräumt wurden. Wir sahen reguläres Militär und bewaffnete Komitatschis vor uns her fliehen und eilten ihnen, querfeldeinlaufend, bis zur Ortschaft Schabatz nach. Es kam zu einem verzweifelten Straßenkampf, bei dem auch aus den verrammelten Fenstern und von Türmen auf uns geschossen wurde. Es langten jedoch von rückwärts fortwährend Verstärkungen an, und nach einstündigem Kampf hatten wir den Ort besetzt. Damit war aber nur die Hälfte der Arbeit getan. Eine Anzahl serbischer Soldaten hatte sich in Kellern und auf Dachböden versteckt, und es fielen fortwährend Schüsse, die vielen unserer wackeren Kameraden das Leben kosteten. Als wir mit gefälltem Bajonett in jedes Haus eindrangen, flüchteten die Serben in ein nahes Wäldchen, wo wir sie wie Spatzen einzeln abschossen, und auch von hier mußten wir den Feind mit dem Bajonett vetreiben."
Die Siegesbeute der Österreicher an Kriegsmaterial war groß, und es wurden auch zahlreiche Gefangene gemacht. In zweifacher Beziehung waren aber die Meldungen über die Kämpfe besonders erfreulich. Sie zeigten nämlich zunächst, daß die kroatischen Truppen, deren Anhänglichkeit an Österreich im Auslande angezweifelt worden war, sich ausgezeichnet schlugen, und sie beweisen ferner durch den Satz: "Die Verfolgung des Feindes ist in vollstem Gange", daß die österreichische Armee die Bequemlichkeit abgelegt hat, die man ihr in früheren Kriegen, wohl nicht ganz ohne Grund, zum Vorwurf machte.
Österreich und Montenegro.
Das soeben Gesagte erhellt übrigens auch aus den Vorgängen in Montenegro, wo die bisher so offensivlustigen Bergbewohner plötzlich in eine ihnen sehr peinliche Defensive gedrängt wurden. Dieser kleine Krakeeler aus den schwarzen Bergen sieht sich jetzt plötzlich den Angriffen zweier österreichischer Korps ausgesetzt, während die österreichische Flotte den Lovcen, auf dem die montenegrinische Armee sich wieder eimal eingenistet hatte, bombardierte. In der Tat, die Lage für die Montenegrinder wurde so ungemütlich, daß sie sogar angefangen haben, Verluste zuzugeben, und das will für Montenegro etwas heißen. Der an "Väterchen" gerichtete Hilferuf der Serben und Montenegriner wird wohl nicht erhört werden können, da die russische Regierung es nicht wagen kann, eine Armee durch Rumänien und Bulgarien nach Serbien zu schicken. So werden denn die beiden Balkanstaaten heute wissen, daß sie etwas unvorsichtig waren, als sie den Krieg mit Österreich vom Zaune brachen.
Die Kämpfe im Elsaß und in Belgien.
Wenn auch die Kämpfe der deutschen Armee im Westen in ihrem Gesamtresultat eine Reihe von glänzenden Erfolgen genannt werden können, so warnte uns doch eine Nachricht aus dem Elsaß davor, uns in dem Glauben zu wiegen, daß wir nur Siege zuerwarten hätten. Eine aus Straßburg ausmarschierte Festungsabteilung von zwei Bataillonen mit Artillerie war in dem Gebirgsgelände von Schirmeck in dem gleichnamigen Vogesenpaß in einen Hinterhalt gefallen. Mag es nun sein, daß man zu vertrauensvoll marschierte, oder mögen die Seitendeckungen in dem schwierigen Gelände schließlich hinter der auf der Straße marschierenden Kolonne zurückgeblieben sein, kurz, der Feind eröffnete plötzlich von dem steilen Gipfel des Donon Artilleriefeuer auf die Abteilung, und es blieb, da die Wand der Höhe nicht erklimmbar war, nichts zu tun übrig, als dem Feinde die durch sein Feuer unbeweglich gemachten Geschütze, nachdem man sie unbrauchbar gemacht hatte, zu überlassen und wenigstens die Mannschaft zu retten. Daß in Paris ein unendlicher Jubel aüber diese kleine Affäre ausbrechen würde, war klar. Bisher hatte man immer siege erlügen müssen, da war es selbstverständlich, daß man aus einer wirklichen kleinen Schlappe einen gewaltigen Sieg konstruierte, um den abflauenden Mut der Bevölkerung neu zu beleben. Freilich, die Siegesfreude blieb nur kurze Zeit ungetrübt, denn am Tage nach dieser uns so ungewohnten Meldung über einen, wenn auch kleinen Mißerfolg kam die Nachricht von einem kleinen deutschen Siege bei Weiler im Elsaß. Weiler leigt nordwestlich von Schlettstadt, und die Franzosen, die 55. Infanteriebrigade, werden nicht wenig stolz gewesen sein, daß es ihnen gelang, so weit in deutsches Gebiet vorgedrungen zu sein. Sie kamen freilich schneller wieder hinaus, als sie sich eingeschlichen hatten, und wir freuen uns, daß es bayerische und badische Truppen waren, die der Brigade schwere Verluste beibrachten udn sie sodann über die Vogesen zurückwarfen.
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in unserem Ponton der Zugführer und sieben Soldaten zusammen. Wir übrigen sprangen in großen Sätzen ans Ufer und stürzten uns auf die serbischen Feldbefestigungen, die nach einem Bajonettangriff vom Feinde geräumt wurden. Wir sahen reguläres Militär und bewaffnete Komitatschis vor uns her fliehen und eilten ihnen, querfeldeinlaufend, bis zur Ortschaft Schabatz nach. Es kam zu einem verzweifelten Straßenkampf, bei dem auch aus den verrammelten Fenstern und von Türmen auf uns geschossen wurde. Es langten jedoch von rückwärts fortwährend Verstärkungen an, und nach einstündigem Kampf hatten wir den Ort besetzt. Damit war aber nur die Hälfte der Arbeit getan. Eine Anzahl serbischer Soldaten hatte sich in Kellern und auf Dachböden versteckt, und es fielen fortwährend Schüsse, die vielen unserer wackeren Kameraden das Leben kosteten. Als wir mit gefälltem Bajonett in jedes Haus eindrangen, flüchteten die Serben in ein nahes Wäldchen, wo wir sie wie Spatzen einzeln abschossen, und auch von hier mußten wir den Feind mit dem Bajonett vetreiben."
Die Siegesbeute der Österreicher an Kriegsmaterial war groß, und es wurden auch zahlreiche Gefangene gemacht. In zweifacher Beziehung waren aber die Meldungen über die Kämpfe besonders erfreulich. Sie zeigten nämlich zunächst, daß die kroatischen Truppen, deren Anhänglichkeit an Österreich im Auslande angezweifelt worden war, sich ausgezeichnet schlugen, und sie beweisen ferner durch den Satz: "Die Verfolgung des Feindes ist in vollstem Gange", daß die österreichische Armee die Bequemlichkeit abgelegt hat, die man ihr in früheren Kriegen, wohl nicht ganz ohne Grund, zum Vorwurf machte.
Österreich und Montenegro.
Das soeben Gesagte erhellt übrigens auch aus den Vorgängen in Montenegro, wo die bisher so offensivlustigen Bergbewohner plötzlich in eine ihnen sehr peinliche Defensive gedrängt wurden. Dieser kleine Krakeeler aus den schwarzen Bergen sieht sich jetzt plötzlich den Angriffen zweier österreichischer Korps ausgesetzt, während die österreichische Flotte den Lovcen, auf dem die montenegrinische Armee sich wieder eimal eingenistet hatte, bombardierte. In der Tat, die Lage für die Montenegrinder wurde so ungemütlich, daß sie sogar angefangen haben, Verluste zuzugeben, und das will für Montenegro etwas heißen. Der an "Väterchen" gerichtete Hilferuf der Serben und Montenegriner wird wohl nicht erhört werden können, da die russische Regierung es nicht wagen kann, eine Armee durch Rumänien und Bulgarien nach Serbien zu schicken. So werden denn die beiden Balkanstaaten heute wissen, daß sie etwas unvorsichtig waren, als sie den Krieg mit Österreich vom Zaune brachen.
Die Kämpfe im Elsaß und in Belgien.
Wenn auch die Kämpfe der deutschen Armee im Westen in ihrem Gesamtresultat eine Reihe von glänzenden Erfolgen genannt werden können, so warnte uns doch eine Nachricht aus dem Elsaß davor, uns in dem Glauben zu wiegen, daß wir nur Siege zuerwarten hätten. Eine aus Straßburg ausmarschierte Festungsabteilung von zwei Bataillonen mit Artillerie war in dem Gebirgsgelände von Schirmeck in dem gleichnamigen Vogesenpaß in einen Hinterhalt gefallen. Mag es nun sein, daß man zu vertrauensvoll marschierte, oder mögen die Seitendeckungen in dem schwierigen Gelände schließlich hinter der auf der Straße marschierenden Kolonne zurückgeblieben sein,
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in unserem Ponton der Zugführer und sieben Soldaten zusammen. Wir übrigen sprangen in großen Sätzen ans Ufer und stürzten uns auf die serbischen Feldbefestigungen, die nach einem Bajonettangriff vom Feinde geräumt wurden. Wir sahen reguläres Militär und bewaffnete Komitatschis vor uns her fliehen und eilten ihnen, querfeldeinlaufend, bis zur Ortschaft Schabatz nach. Es kam zu einem verzweifelten Straßenkampf, bei dem auch aus den verrammelten Fenstern und von Türmen auf uns geschossen wurde. Es langten jedoch von rückwärts fortwährend Verstärkungen an, und nach einstündigem Kampf hatten wir den Ort besetzt. Damit war aber nur die Hälfte der Arbeit getan. Eine Anzahl serbischer Soldaten hatte sich in Kellern und auf Dachböden versteckt, und es fielen fortwährend Schüsse, die vielen unserer wackeren Kameraden das Leben kosteten. Als wir mit gefälltem Bajonett in jedes Haus eindrangen, flüchteten die Serben in ein nahes Wäldchen, wo wir sie wie Spatzen einzeln abschossen, und auch von hier mußten wir den Feind mit dem Bajonett vetreiben."
Die Siegesbeute der Österreicher an Kriegsmaterial war groß, und es wurden auch zahlreiche Gefangene gemacht. In zweifacher Beziehung waren aber die Meldungen über die Kämpfe besonders erfreulich. Sie zeigten nämlich zunächst, daß die kroatischen Truppen, deren Anhänglichkeit an Österreich im Auslande angezweifelt worden war, sich ausgezeichnet schlugen, und sie beweisen ferner durch den Satz: "Die Verfolgung des Feindes ist in vollstem Gange", daß die österreichische Armee die Bequemlichkeit abgelegt hat, die man ihr in früheren Kriegen, wohl nicht ganz ohne Grund, zum Vorwurf machte.
Österreich und Montenegro.
Das soeben Gesagte erhellt übrigens auch aus den Vorgängen in Montenegro, wo die bisher so offensivlustigen Bergbewohner plötzlich in eine ihnen sehr peinliche Defensive gedrängt wurden. Dieser kleine Krakeeler aus den schwarzen Bergen sieht sich jetzt plötzlich den Angriffen zweier österreichischer Korps ausgesetzt, während die österreichische Flotte den Lovcen, auf dem die montenegrinische Armee sich wieder eimal eingenistet hatte, bombardierte. In der Tat, die Lage für die Montenegrinder wurde so ungemütlich, daß sie sogar angefangen haben, Verluste zuzugeben, und das will für Montenegro etwas heißen. Der an "Väterchen" gerichtete Hilferuf der Serben und Montenegriner wird wohl nicht erhört werden
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in unserem Ponton der Zugführer und sieben Soldaten zusammen. Wir übrigen sprangen in großen Sätzen ans Ufer und stürzten uns auf die serbischen Feldbefestigungen, die nach einem Bajonettangriff vom Feinde geräumt wurden. Wir sahen reguläres Militär und bewaffnete Komitatschis vor uns her fliehen und eilten ihnen, querfeldeinlaufend, bis zur Ortschaft Schabatz nach. Es kam zu einem verzweifelten Straßenkampf, bei dem auch aus den verrammelten Fenstern und von Türmen auf uns geschossen wurde. Es langten jedoch von rückwärts fortwährend Verstärkungen an, und nach einstündigem Kampf hatten wir den Ort besetzt. Damit war aber nur die Hälfte der Arbeit getan. Eine Anzahl serbischer Soldaten hatte sich in Kellern und auf Dachböden versteckt, und es fielen fortwährend Schüsse, die vielen unserer wackeren Kameraden das Leben kosteten. Als wir mit gefälltem Bajonett in jedes Haus eindrangen, flüchteten die Serben in ein nahes Wäldchen, wo wir sie wie Spatzen einzeln abschossen, und auch von hier mußten wir den Feind mit dem Bajonett vetreiben."
Die Siegesbeute der Österreicher an Kriegsmaterial war groß, und es wurden auch zahlreiche Gefangene gemacht. In zweifacher Beziehung waren aber die Meldungen über die Kämpfe besonders erfreulich. Sie zeigten nämlich zunächst, daß die kroatischen Truppen, deren Anhänglichkeit an Österreich im Auslande angezweifelt worden war, sich ausgezeichnet schlugen, und sie beweisen ferner durch den Satz: "Die Verfolgung des Feindes ist in vollstem Gange", daß die österreichische Armee die Bequemlichkeit abgelegt hat, die man ihr in früheren Kriegen, wohl nicht ganz ohne Grund, zum Vorwurf machte.
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in unserem Ponton der Zugführer und sieben Soldaten zusammen. Wir übrigen sprangen in großen Sätzen ans Ufer und stürzten uns auf die serbischen Feldbefestigungen, die nach einem Bajonettangriff vom Feinde geräumt wurden. Wir sahen reguläres Militär und bewaffnete Komitatschis vor uns her fliehen und eilten ihnen, querfeldeinlaufend, bis zur Ortschaft Schabatz nach. Es kam zu einem verzweifelten Straßenkampf, bei dem auch aus den verrammelten Fenstern und von Türmen auf uns geschossen wurde. Es langten jedoch von rückwärts fortwährend Verstärkungen an, und nach einstündigem Kampf hatten wir den Ort besetzt. Damit war aber nur die Hälfte der Arbeit getan. Eine Anzahl serbischer Soldaten hatte sich in Kellern und auf Dachböden versteckt, und es fielen fortwährend Schüsse, die vielen unserer wackeren Kameraden das Leben kosteten. Als wir mit gefälltem Bajonett in jedes Haus eindrangen, flüchteten die Serben in ein nahes Wäldchen, wo wir sie wie Spatzen einzeln abschossen, und auch von hier mußten wir den Feind mit dem Bajonett vetreiben."
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in unserem Ponton der Zugführer und sieben Soldaten zusammen. Wir übrigen sprangen in großen Sätzen ans Ufer und stürzten uns auf die serbischen Feldbefestigungen, die nach einem Bajonettangriff vom Feinde geräumt wurden. Wir sahen reguläres Militär und bewaffnete Komitatschis vor uns her fliehen und eilten ihnen, querfeldeinlaufend, bis zur Ortschaft Schabatz nach. Es kam zu einem verzweifelten Straßenkampf, bei dem auch aus den verrammelten Fenstern und von Türmen auf uns geschossen wurde. Es langten jedoch von rückwärts fortwährend Verstärkungen an, und nach einstündigem Kampf hatten wir den Ort besetzt.
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in unserem Ponton der Zugführer und sieben Soldaten zusammen. Wir übrigen sprangen in großen Sätzen ans Ufer und stürzten uns auf die serbischen Feldbefestigungen, die nach einem Bajonettangriff vom Feinde geräumt wurden. Wir sahen reguläres Militär und bewaffnete Komitatschis vor uns her fliehen und eilten ihnen, querfeldeinlaufend, bis zur Ortschaft Schabatz nach. Es kam zu einem verzweifelten Straßenkampf, bei dem auch aus den verrammelten Fenstern und von Türmen auf uns geschossen wurde.
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- Marie-Luise Polirock
Aug, 1914
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