Deutsche Kriegszeitung - Illustrierte Wochenausgabe, herausgegeben vom Berliner Lokal-Anzeiger, item 4

Edit transcription:
...
Transcription saved
Enhance your transcribing experience by using full-screen mode

Transcription

You have to be logged in to transcribe. Please login or register and click the pencil-button again

 "Deutsche Kriegszeitung", Nummer 1 vom 16. August 1914, 4. Seite.  



4. Seite, 1. Bild (Karte), oben rechts: 

Skizze zu dem Gefecht bei Lagarde.


4. Seite, 1. Spalte: 

Es kam für die Russen auch noch ein anderer Faktor in Betracht, nämlich der, daß man in Polen die deutsche Kavallerie an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der Teufel soll Lust haben, in Feindesland einzureiten, wenn hinter ihm die eigene Landesbevölkerung aufzustehen beginnt! Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere, die nicht ganz an erfolgreichem Vordringen verzweifelten, wie einige am 5. A u g u st bei Schwiddern, östlich Johannisburg, und bei Grodtken, zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte Vorstöße zeigten, aber es scheinen nur noch schwache Stöße gewesen zu sein, denn die russische Kavalleriedivisionen sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder  über die Grenze zurückgegangen. Sie liebten offenbar, wie der berühmte General

Kuropatkin in der Mandschurei, nur s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste ausgeschlossen waren. Daß die Gärung  unter der polnischen Bevölkerung durchdie Beweise der russischen Schlappheit nur geschürt werden konnte, lag auf der  Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


 4. Seite, 2. Spalte: 

sich schämen, sich so lange einem so schlappen Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls erfolgte am 5. August in Krakau ein  Aufruf an polnische Männer und Frauen, den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten zu bereiten. - Die deutsche Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig, sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch dort unter dem Jubel der Bevölkerung einrückend. Der geringe Mut, den die Russen bisher noch gezeigt hatten, schien mittlerweile ganz ausgegangen zu  sein. So zog sich am 6. A u g u st die

3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten der Grenze südlich Eydtkuhnen sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien. In Russisch=Polen begannen aber die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe es keine russischen Kavalleriedivisionen, die Wiederherstellung der von den Russen zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st einlaufende Nachricht hervor, daß die von Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische Kavallerie mit den Grenztruppen des deutschen Heeres Fühlung gewonnen habe. Von jetzt an also gemeinsam weiter vor gegen den russischen Feind. - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich die russische Kavallerie am 9. August noch einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses Aufraffen, welches sich in einem Angriff äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung von Bialla um acht Geschütze und mehrere Munitionswagen ärmer, wenn auch vielleicht reicher an der Erkenntnis, daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei Landwehrkompagnien, die bei Schmalleningken, 3 Meilen östlich Tilsit, drei russische Kompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,


 4. Seite, 2. Bild, oben rechts: 

Nach dem ersten deutschen Sieg: Gefangengenommene Belgier.          Phot. Schubert


 4. Seite, 3. Spalte: 

zum Rückzug zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe, diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen von Eydtkuhnen müssen übrigens mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im  Grenzkrieg gewonnen haben, denn am 9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien und einige Geschütze stark, die

3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht wurde, daß sie d i e s s e i t s der russischen Grenze nichts zu suchen habe.


Österreichs energisches Verfahren mit

Serben, Russen und Montenegrinern.


Wie wollen nun betrachten, wie unser Bundesgenosse bis jetzt beschäftigt war.


 4. Seite, 4. Spalte 


Nach dem Kriegsausbruch mit Rußland verschob sich natürlich für ihn das Hauptinteresse von Serbien nach Rußland, von  der Donau nach Galizien. Die Serben können warten, denn sie sind keine ernste Gefahr für Österreich. Damit sie aber in Belgrad nicht ganz vergessen, daß sie sich im Kriege befinden,

schickt man ihnen von Zeit zu Zeit einige  Granaten zu und stört ihre Ruhe auch sonst durch kleinere Unternehmungen auf das serbische Ufer der Donau.


An der Österreisch=russischen Grenze hielt man zunächst die Augen offen und schoß nördlich Lemberg einen russsichen Aeroplan herunter. - Am 7. August wurde es lebendig an der Grenze Mittelgaliziens. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Kriegserklärung versuchten dort und auch an der ostgalizischen Grenze

russische Kavallerieabteilungen Vorstöße zu machen. Die Österreicher schlugen aber nicht nur alle Angriffe ab, sondern stürmten selbst eine gut verschanzte Grenzpostenstellung bei Mohile. Feindliche

Verstärkungen vermochten nichts auszurichten.


Mittlerweile waren am 8. A u g u st die österreichischen Truppen bis Mijechow, 30 Meilen nördlich von Krakau, vorgedrungen und ergriffen von dort die Offensive mit einem schönen Vormarsch von 40 Kilometer.

Auch die an der Weichsel stehenden östereichischen Truppen überschritten diese. In Ostgalizien wurden die Orte Radziwilow, (Grenzbahnhof westlich Lemberg), Wolotschisk (Grenzbahnhof im östlichen Galizien) und Nowocielica bei Czernowitz, Hauptstadt von der Bukowina, besetzt. Damit war die österreichische Offensive in

Polen eröffnet, und es verlautet, daß die Russen Warschau geräumt hätten. Sollte sich dies bestätigen, so wäre es wohl nicht in letzter Linie der Bewegung der Jungpolen oder der "Polnischen Jungschützen",

wie sie sich selbst nennen, zuzuschreiben.


Diese sollen bei Mijechow einen Nachtangriff auf ein russisches Detachement unternommen und diesem einen Verlust von 600 Toten zugefügt haben. Daß die polnischen Jungschützen ihr Möglichstes tun werden, um die abziehenden Russen zu schädigen, ist sicher, aber ihre Berichte sind doch wohl, wie nebenebei gesagt, alle Berichte von Freischärlern, mit einiger Vorsicht aufzunehmen. - Nun noch ein Blick auf die Montenegriner. Dieses kleine, unverschämte Bergvolk, welches jetzt auch Deutschland den Krieg erklärt hat, eröffnete ein resultatloses Geschützfeuer auf österreichisches Gebiet und machte am 8. A u g u st mit 4000 Mann einen Angriff auf die Grenzposten bei der Festung Trbinje. Dies bekam ihnen freilich übel, denn sie mußten sich mit einem Verlust von 200 Mann zurückziehen, während der Verlust


 4. Seite, 3. Bild, unten: 


Heldentaten unserer Marine im Mittelmeer.

S. M. S "Breslau"                                  Phot.  A.  Renard

 

 

 4. Seite, 4. Bild, unten: 

 


S. M S. "Goeben".                                 Phot.  A.  Renard.







Transcription saved

 "Deutsche Kriegszeitung", Nummer 1 vom 16. August 1914, 4. Seite.  



4. Seite, 1. Bild (Karte), oben rechts: 

Skizze zu dem Gefecht bei Lagarde.


4. Seite, 1. Spalte: 

Es kam für die Russen auch noch ein anderer Faktor in Betracht, nämlich der, daß man in Polen die deutsche Kavallerie an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der Teufel soll Lust haben, in Feindesland einzureiten, wenn hinter ihm die eigene Landesbevölkerung aufzustehen beginnt! Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere, die nicht ganz an erfolgreichem Vordringen verzweifelten, wie einige am 5. A u g u st bei Schwiddern, östlich Johannisburg, und bei Grodtken, zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte Vorstöße zeigten, aber es scheinen nur noch schwache Stöße gewesen zu sein, denn die russische Kavalleriedivisionen sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder  über die Grenze zurückgegangen. Sie liebten offenbar, wie der berühmte General

Kuropatkin in der Mandschurei, nur s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste ausgeschlossen waren. Daß die Gärung  unter der polnischen Bevölkerung durchdie Beweise der russischen Schlappheit nur geschürt werden konnte, lag auf der  Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


 4. Seite, 2. Spalte: 

sich schämen, sich so lange einem so schlappen Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls erfolgte am 5. August in Krakau ein  Aufruf an polnische Männer und Frauen, den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten zu bereiten. - Die deutsche Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig, sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch dort unter dem Jubel der Bevölkerung einrückend. Der geringe Mut, den die Russen bisher noch gezeigt hatten, schien mittlerweile ganz ausgegangen zu  sein. So zog sich am 6. A u g u st die

3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten der Grenze südlich Eydtkuhnen sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien. In Russisch=Polen begannen aber die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe es keine russischen Kavalleriedivisionen, die Wiederherstellung der von den Russen zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st einlaufende Nachricht hervor, daß die von Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische Kavallerie mit den Grenztruppen des deutschen Heeres Fühlung gewonnen habe. Von jetzt an also gemeinsam weiter vor gegen den russischen Feind. - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich die russische Kavallerie am 9. August noch einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses Aufraffen, welches sich in einem Angriff äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung von Bialla um acht Geschütze und mehrere Munitionswagen ärmer, wenn auch vielleicht reicher an der Erkenntnis, daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei Landwehrkompagnien, die bei Schmalleningken, 3 Meilen östlich Tilsit, drei russische Kompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,


 4. Seite, 2. Bild, oben rechts: 

Nach dem ersten deutschen Sieg: Gefangengenommene Belgier.          Phot. Schubert


 4. Seite, 3. Spalte: 

zum Rückzug zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe, diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen von Eydtkuhnen müssen übrigens mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im  Grenzkrieg gewonnen haben, denn am 9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien und einige Geschütze stark, die

3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht wurde, daß sie d i e s s e i t s der russischen Grenze nichts zu suchen habe.


Österreichs energisches Verfahren mit

Serben, Russen und Montenegrinern.


Wie wollen nun betrachten, wie unser Bundesgenosse bis jetzt beschäftigt war.


 4. Seite, 4. Spalte 


Nach dem Kriegsausbruch mit Rußland verschob sich natürlich für ihn das Hauptinteresse von Serbien nach Rußland, von  der Donau nach Galizien. Die Serben können warten, denn sie sind keine ernste Gefahr für Österreich. Damit sie aber in Belgrad nicht ganz vergessen, daß sie sich im Kriege befinden,

schickt man ihnen von Zeit zu Zeit einige  Granaten zu und stört ihre Ruhe auch sonst durch kleinere Unternehmungen auf das serbische Ufer der Donau.


An der Österreisch=russischen Grenze hielt man zunächst die Augen offen und schoß nördlich Lemberg einen russsichen Aeroplan herunter. - Am 7. August wurde es lebendig an der Grenze Mittelgaliziens. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Kriegserklärung versuchten dort und auch an der ostgalizischen Grenze

russische Kavallerieabteilungen Vorstöße zu machen. Die Österreicher schlugen aber nicht nur alle Angriffe ab, sondern stürmten selbst eine gut verschanzte Grenzpostenstellung bei Mohile. Feindliche

Verstärkungen vermochten nichts auszurichten.


Mittlerweile waren am 8. A u g u st die österreichischen Truppen bis Mijechow, 30 Meilen nördlich von Krakau, vorgedrungen und ergriffen von dort die Offensive mit einem schönen Vormarsch von 40 Kilometer.

Auch die an der Weichsel stehenden östereichischen Truppen überschritten diese. In Ostgalizien wurden die Orte Radziwilow, (Grenzbahnhof westlich Lemberg), Wolotschisk (Grenzbahnhof im östlichen Galizien) und Nowocielica bei Czernowitz, Hauptstadt von der Bukowina, besetzt. Damit war die österreichische Offensive in

Polen eröffnet, und es verlautet, daß die Russen Warschau geräumt hätten. Sollte sich dies bestätigen, so wäre es wohl nicht in letzter Linie der Bewegung der Jungpolen oder der "Polnischen Jungschützen",

wie sie sich selbst nennen, zuzuschreiben.


Diese sollen bei Mijechow einen Nachtangriff auf ein russisches Detachement unternommen und diesem einen Verlust von 600 Toten zugefügt haben. Daß die polnischen Jungschützen ihr Möglichstes tun werden, um die abziehenden Russen zu schädigen, ist sicher, aber ihre Berichte sind doch wohl, wie nebenebei gesagt, alle Berichte von Freischärlern, mit einiger Vorsicht aufzunehmen. - Nun noch ein Blick auf die Montenegriner. Dieses kleine, unverschämte Bergvolk, welches jetzt auch Deutschland den Krieg erklärt hat, eröffnete ein resultatloses Geschützfeuer auf österreichisches Gebiet und machte am 8. A u g u st mit 4000 Mann einen Angriff auf die Grenzposten bei der Festung Trbinje. Dies bekam ihnen freilich übel, denn sie mußten sich mit einem Verlust von 200 Mann zurückziehen, während der Verlust


 4. Seite, 3. Bild, unten: 


Heldentaten unserer Marine im Mittelmeer.

S. M. S "Breslau"                                  Phot.  A.  Renard

 

 

 4. Seite, 4. Bild, unten: 

 


S. M S. "Goeben".                                 Phot.  A.  Renard.








Transcription history
  • November 3, 2017 14:06:44 Dagmar Veigel

     "Deutsche Kriegszeitung", Nummer 1 vom 16. August 1914, 4. Seite.  



    4. Seite, 1. Bild (Karte), oben rechts: 

    Skizze zu dem Gefecht bei Lagarde.


    4. Seite, 1. Spalte: 

    Es kam für die Russen auch noch ein anderer Faktor in Betracht, nämlich der, daß man in Polen die deutsche Kavallerie an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der Teufel soll Lust haben, in Feindesland einzureiten, wenn hinter ihm die eigene Landesbevölkerung aufzustehen beginnt! Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere, die nicht ganz an erfolgreichem Vordringen verzweifelten, wie einige am 5. A u g u st bei Schwiddern, östlich Johannisburg, und bei Grodtken, zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte Vorstöße zeigten, aber es scheinen nur noch schwache Stöße gewesen zu sein, denn die russische Kavalleriedivisionen sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder  über die Grenze zurückgegangen. Sie liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste ausgeschlossen waren. Daß die Gärung  unter der polnischen Bevölkerung durchdie Beweise der russischen Schlappheit nur geschürt werden konnte, lag auf der  Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


     4. Seite, 2. Spalte: 

    sich schämen, sich so lange einem so schlappen Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls erfolgte am 5. August in Krakau ein  Aufruf an polnische Männer und Frauen, den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten zu bereiten. - Die deutsche Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig, sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch dort unter dem Jubel der Bevölkerung einrückend. Der geringe Mut, den die Russen bisher noch gezeigt hatten, schien mittlerweile ganz ausgegangen zu  sein. So zog sich am 6. A u g u st die

    3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten der Grenze südlich Eydtkuhnen sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien. In Russisch=Polen begannen aber die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe es keine russischen Kavalleriedivisionen, die Wiederherstellung der von den Russen zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st einlaufende Nachricht hervor, daß die von Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische Kavallerie mit den Grenztruppen des deutschen Heeres Fühlung gewonnen habe. Von jetzt an also gemeinsam weiter vor gegen den russischen Feind. - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich die russische Kavallerie am 9. August noch einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses Aufraffen, welches sich in einem Angriff äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung von Bialla um acht Geschütze und mehrere Munitionswagen ärmer, wenn auch vielleicht reicher an der Erkenntnis, daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei Landwehrkompagnien, die bei Schmalleningken, 3 Meilen östlich Tilsit, drei russische Kompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,


     4. Seite, 2. Bild, oben rechts: 

    Nach dem ersten deutschen Sieg: Gefangengenommene Belgier.          Phot. Schubert


     4. Seite, 3. Spalte: 

    zum Rückzug zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe, diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen von Eydtkuhnen müssen übrigens mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im  Grenzkrieg gewonnen haben, denn am 9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien und einige Geschütze stark, die

    3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht wurde, daß sie d i e s s e i t s der russischen Grenze nichts zu suchen habe.


    Österreichs energisches Verfahren mit

    Serben, Russen und Montenegrinern.


    Wie wollen nun betrachten, wie unser Bundesgenosse bis jetzt beschäftigt war.


     4. Seite, 4. Spalte 


    Nach dem Kriegsausbruch mit Rußland verschob sich natürlich für ihn das Hauptinteresse von Serbien nach Rußland, von  der Donau nach Galizien. Die Serben können warten, denn sie sind keine ernste Gefahr für Österreich. Damit sie aber in Belgrad nicht ganz vergessen, daß sie sich im Kriege befinden,

    schickt man ihnen von Zeit zu Zeit einige  Granaten zu und stört ihre Ruhe auch sonst durch kleinere Unternehmungen auf das serbische Ufer der Donau.


    An der Österreisch=russischen Grenze hielt man zunächst die Augen offen und schoß nördlich Lemberg einen russsichen Aeroplan herunter. - Am 7. August wurde es lebendig an der Grenze Mittelgaliziens. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Kriegserklärung versuchten dort und auch an der ostgalizischen Grenze

    russische Kavallerieabteilungen Vorstöße zu machen. Die Österreicher schlugen aber nicht nur alle Angriffe ab, sondern stürmten selbst eine gut verschanzte Grenzpostenstellung bei Mohile. Feindliche

    Verstärkungen vermochten nichts auszurichten.


    Mittlerweile waren am 8. A u g u st die österreichischen Truppen bis Mijechow, 30 Meilen nördlich von Krakau, vorgedrungen und ergriffen von dort die Offensive mit einem schönen Vormarsch von 40 Kilometer.

    Auch die an der Weichsel stehenden östereichischen Truppen überschritten diese. In Ostgalizien wurden die Orte Radziwilow, (Grenzbahnhof westlich Lemberg), Wolotschisk (Grenzbahnhof im östlichen Galizien) und Nowocielica bei Czernowitz, Hauptstadt von der Bukowina, besetzt. Damit war die österreichische Offensive in

    Polen eröffnet, und es verlautet, daß die Russen Warschau geräumt hätten. Sollte sich dies bestätigen, so wäre es wohl nicht in letzter Linie der Bewegung der Jungpolen oder der "Polnischen Jungschützen",

    wie sie sich selbst nennen, zuzuschreiben.


    Diese sollen bei Mijechow einen Nachtangriff auf ein russisches Detachement unternommen und diesem einen Verlust von 600 Toten zugefügt haben. Daß die polnischen Jungschützen ihr Möglichstes tun werden, um die abziehenden Russen zu schädigen, ist sicher, aber ihre Berichte sind doch wohl, wie nebenebei gesagt, alle Berichte von Freischärlern, mit einiger Vorsicht aufzunehmen. - Nun noch ein Blick auf die Montenegriner. Dieses kleine, unverschämte Bergvolk, welches jetzt auch Deutschland den Krieg erklärt hat, eröffnete ein resultatloses Geschützfeuer auf österreichisches Gebiet und machte am 8. A u g u st mit 4000 Mann einen Angriff auf die Grenzposten bei der Festung Trbinje. Dies bekam ihnen freilich übel, denn sie mußten sich mit einem Verlust von 200 Mann zurückziehen, während der Verlust


     4. Seite, 3. Bild, unten: 


    Heldentaten unserer Marine im Mittelmeer.

    S. M. S "Breslau"                                  Phot.  A.  Renard

     

     

     4. Seite, 4. Bild, unten: 

     


    S. M S. "Goeben".                                 Phot.  A.  Renard.







  • November 3, 2017 11:41:47 Dagmar Veigel

     "Deutsche Kriegszeitung", Nummer 1 vom 16. August 1914, 4. Seite.  



    4. Seite, 1. Bild (Karte), oben rechts: 

    Skizze zu dem Gefecht bei Lagarde.


    4. Seite, 1. Spalte: 

    Es kam für die Russen auch noch ein anderer Faktor in Betracht, nämlich der, daß man in Polen die deutsche Kavallerie an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der Teufel soll Lust haben, in Feindesland einzureiten, wenn hinter ihm die eigene Landesbevölkerung aufzustehen beginnt! Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere, die nicht ganz an erfolgreichem Vordringen verzweifelten, wie einige am 5. A u g u st bei Schwiddern, östlich Johannisburg, und bei Grodtken, zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte Vorstöße zeigten, aber es scheinen nur noch schwache Stöße gewesen zu sein, denn die russische Kavalleriedivisionen sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder  über die Grenze zurückgegangen. Sie liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste ausgeschlossen waren. Daß die Gärung  unter der polnischen Bevölkerung durchdie Beweise der russischen Schlappheit nur geschürt werden konnte, lag auf der  Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


     4. Seite, 2. Spalte: 

    sich schämen, sich so lange einem so schlappen Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls erfolgte am 5. August in Krakau ein  Aufruf an polnische Männer und Frauen, den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten zu bereiten. - Die deutsche Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig, sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch dort unter dem Jubel der Bevölkerung einrückend. Der geringe Mut, den die Russen bisher noch gezeigt hatten, schien mittlerweile ganz ausgegangen zu  sein. So zog sich am 6. A u g u st die

    3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten der Grenze südlich Eydtkuhnen sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien. In Russisch=Polen begannen aber die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe es keine russischen Kavalleriedivisionen, die Wiederherstellung der von den Russen zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st einlaufende Nachricht hervor, daß die von Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische Kavallerie mit den Grenztruppen des deutschen Heeres Fühlung gewonnen habe. Von jetzt an also gemeinsam weiter vor gegen den russischen Feind. - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich die russische Kavallerie am 9. August noch einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses Aufraffen, welches sich in einem Angriff äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung von Bialla um acht Geschütze und mehrere Munitionswagen ärmer, wenn auch vielleicht reicher an der Erkenntnis, daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei Landwehrkompagnien, die bei Schmalleningken, 3 Meilen östlich Tilsit, drei russische Kompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,


     4. Seite, 2. Bild, oben rechts: 

    Nach dem ersten deutschen Sieg: Gefangengenommene Belgier.          Phot. Schubert


     4. Seite, 3. Spalte: 

    zum Rückzug zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe, diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen von Eydtkuhnen müssen übrigens mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im  Grenzkrieg gewonnen haben, denn am 9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien und einige Geschütze stark, die

    3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht wurde, daß sie d i e s s e i t s derrussischen Grenze nichts zu suchen habe.


    Österreichs energisches Verfahren mit

    Serben, Russen und Montenegrinern.


    Wie wollen nun betrachten, wie unser Bundesgenosse bis jetzt beschäftigt war.


     4. Seite, 4. Spalte 


    Nach dem Kriegsausbruch mit Rußland verschob sich natürlich für ihn das Hauptinteresse von Serbien nach Rußland, von  der Donau nach Galizien. Die Serben können warten, denn sie sind keine ernste Gefahr für Österreich. Damit sie aber in Belgrad nicht ganz vergessen, daß sie sich im Kriege befinden,

    schickt man ihnen von Zeit zu Zeit einige  Granaten zu und stört ihre Ruhe auch sonst durch kleinere Unternehmungen auf das serbische Ufer der Donau.


    An der Österreisch=russischen Grenze hielt man zunächst die Augen offen und schoß nördlich Lemberg einen russsichen Aeroplan herunter. - Am 7. August wurde es lebendig an der Grenze Mittelgaliziens. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Kriegserklärung versuchten dort und auch an der ostgalizischen Grenze

    russische Kavallerieabteilungen Vorstöße zu machen. Die Österreicher schlugen aber nicht nur alle Angriffe ab, sondern stürmten selbst eine gut verschanzte Grenzpostenstellung bei Mohile. Feindliche

    Verstärkungen vermochten nichts auszurichten.


    Mittlerweile waren am 8. A u g u st die österreichischen Truppen bis Mijechow, 30 Meilen nördlich von Krakau, vorgedrungen und ergriffen von dort die Offensive mit einem schönen Vormarsch von 40 Kilometer.

    Auch die an der Weichsel stehenden östereichischen Truppen überschritten diese. In Ostgalizien wurden die Orte Radziwilow, (Grenzbahnhof westlich Lemberg), Wolotschisk (Grenzbahnhof im östlichen Galizien) und Nowocielica bei Czernowitz, Hauptstadt von der Bukowina, besetzt. Damit war die österreichische Offensive in

    Polen eröffnet, und es verlautet, daß die Russen Warschau geräumt hätten. Sollte sich dies bestätigen, so wäre es wohl nicht in letzter Linie der Bewegung der Jungpolen oder der "Polnischen Jungschützen",

    wie sie sich selbst nennen, zuzuschreiben.


    Diese sollen bei Mijechow einen Nachtangriff auf ein russisches Detachement unternommen und diesem einen Verlust von 600 Toten zugefügt haben. Daß die polnischen Jungschützen ihr Möglichstes tun werden, um die abziehenden Russen zu schädigen, ist sicher, aber ihre Berichte sind doch wohl, wie nebenebei gesagt, alle Berichte von Freischärlern, mit einiger Vorsicht aufzunehmen. - Nun noch ein Blick auf die Montenegriner. Dieses kleine, unverschämte Bergvolk, welches jetzt auch Deutschland den Krieg erklärt hat, eröffnete ein resultatloses Geschützfeuer auf österreichisches Gebiet und machte am 8. A u g u st mit 4000 Mann einen Angriff auf die Grenzposten bei der Festung Trbinje. Dies bekam ihnen freilich übel, denn sie mußten sich mit einem Verlust von 200 Mann zurückziehen, während der Verlust


     4. Seite, 3. Bild, unten: 


    Heldentaten unserer Marine im Mittelmeer.

    S. M. S "Breslau"                                  Phot.  A.  Renard

     

     

     4. Seite, 4. Bild, unten: 

     


    S. M S. "Goeben".                                 Phot.  A.  Renard.








  • November 3, 2017 11:40:40 Dagmar Veigel

    "Deutsche Kriegszeitung", Nummer 1, 4. Seite.



    4. Seite, 1. Bild (Karte), oben rechts: 

    Skizze zu dem Gefecht bei Lagarde.


    4. Seite, 1. Spalte: 

    Es kam für die Russen auch noch ein anderer Faktor in Betracht, nämlich der, daß man in Polen die deutsche Kavallerie an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der Teufel soll Lust haben, in Feindesland einzureiten, wenn hinter ihm die eigene Landesbevölkerung aufzustehen beginnt! Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere, die nicht ganz an erfolgreichem Vordringen verzweifelten, wie einige am 5. A u g u st bei Schwiddern, östlich Johannisburg, und bei Grodtken, zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte Vorstöße zeigten, aber es scheinen nur noch schwache Stöße gewesen zu sein, denn die russische Kavalleriedivisionen sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder  über die Grenze zurückgegangen. Sie liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste ausgeschlossen waren. Daß die Gärung  unter der polnischen Bevölkerung durchdie Beweise der russischen Schlappheit nur geschürt werden konnte, lag auf der  Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


     4. Seite, 2. Spalte: 

    sich schämen, sich so lange einem so schlappen Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls erfolgte am 5. August in Krakau ein  Aufruf an polnische Männer und Frauen, den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten zu bereiten. - Die deutsche Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig, sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch dort unter dem Jubel der Bevölkerung einrückend. Der geringe Mut, den die Russen bisher noch gezeigt hatten, schien mittlerweile ganz ausgegangen zu  sein. So zog sich am 6. A u g u st die

    3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten der Grenze südlich Eydtkuhnen sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien. In Russisch=Polen begannen aber die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe es keine russischen Kavalleriedivisionen, die Wiederherstellung der von den Russen zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st einlaufende Nachricht hervor, daß die von Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische Kavallerie mit den Grenztruppen des deutschen Heeres Fühlung gewonnen habe. Von jetzt an also gemeinsam weiter vor gegen den russischen Feind. - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich die russische Kavallerie am 9. August noch einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses Aufraffen, welches sich in einem Angriff äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung von Bialla um acht Geschütze und mehrere Munitionswagen ärmer, wenn auch vielleicht reicher an der Erkenntnis, daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei Landwehrkompagnien, die bei Schmalleningken, 3 Meilen östlich Tilsit, drei russische Kompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,


     4. Seite, 2. Bild, oben rechts: 

    Nach dem ersten deutschen Sieg: Gefangengenommene Belgier.          Phot. Schubert


     4. Seite, 3. Spalte: 

    zum Rückzug zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe, diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen von Eydtkuhnen müssen übrigens mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im  Grenzkrieg gewonnen haben, denn am 9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien und einige Geschütze stark, die

    3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht wurde, daß sie d i e s s e i t s derrussischen Grenze nichts zu suchen habe.


    Österreichs energisches Verfahren mit

    Serben, Russen und Montenegrinern.


    Wie wollen nun betrachten, wie unser Bundesgenosse bis jetzt beschäftigt war.


     4. Seite, 4. Spalte 


    Nach dem Kriegsausbruch mit Rußland verschob sich natürlich für ihn das Hauptinteresse von Serbien nach Rußland, von  der Donau nach Galizien. Die Serben können warten, denn sie sind keine ernste Gefahr für Österreich. Damit sie aber in Belgrad nicht ganz vergessen, daß sie sich im Kriege befinden,

    schickt man ihnen von Zeit zu Zeit einige  Granaten zu und stört ihre Ruhe auch sonst durch kleinere Unternehmungen auf das serbische Ufer der Donau.


    An der Österreisch=russischen Grenze hielt man zunächst die Augen offen und schoß nördlich Lemberg einen russsichen Aeroplan herunter. - Am 7. August wurde es lebendig an der Grenze Mittelgaliziens. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Kriegserklärung versuchten dort und auch an der ostgalizischen Grenze

    russische Kavallerieabteilungen Vorstöße zu machen. Die Österreicher schlugen aber nicht nur alle Angriffe ab, sondern stürmten selbst eine gut verschanzte Grenzpostenstellung bei Mohile. Feindliche

    Verstärkungen vermochten nichts auszurichten.


    Mittlerweile waren am 8. A u g u st die österreichischen Truppen bis Mijechow, 30 Meilen nördlich von Krakau, vorgedrungen und ergriffen von dort die Offensive mit einem schönen Vormarsch von 40 Kilometer.

    Auch die an der Weichsel stehenden östereichischen Truppen überschritten diese. In Ostgalizien wurden die Orte Radziwilow, (Grenzbahnhof westlich Lemberg), Wolotschisk (Grenzbahnhof im östlichen Galizien) und Nowocielica bei Czernowitz, Hauptstadt von der Bukowina, besetzt. Damit war die österreichische Offensive in

    Polen eröffnet, und es verlautet, daß die Russen Warschau geräumt hätten. Sollte sich dies bestätigen, so wäre es wohl nicht in letzter Linie der Bewegung der Jungpolen oder der "Polnischen Jungschützen",

    wie sie sich selbst nennen, zuzuschreiben.


    Diese sollen bei Mijechow einen Nachtangriff auf ein russisches Detachement unternommen und diesem einen Verlust von 600 Toten zugefügt haben. Daß die polnischen Jungschützen ihr Möglichstes tun werden, um die abziehenden Russen zu schädigen, ist sicher, aber ihre Berichte sind doch wohl, wie nebenebei gesagt, alle Berichte von Freischärlern, mit einiger Vorsicht aufzunehmen. - Nun noch ein Blick auf die Montenegriner. Dieses kleine, unverschämte Bergvolk, welches jetzt auch Deutschland den Krieg erklärt hat, eröffnete ein resultatloses Geschützfeuer auf österreichisches Gebiet und machte am 8. A u g u st mit 4000 Mann einen Angriff auf die Grenzposten bei der Festung Trbinje. Dies bekam ihnen freilich übel, denn sie mußten sich mit einem Verlust von 200 Mann zurückziehen, während der Verlust


     4. Seite, 3. Bild, unten: 


    Heldentaten unserer Marine im Mittelmeer.

    S. M. S "Breslau"                                  Phot.  A.  Renard

     

     

     4. Seite, 4. Bild, unten: 

     


    S. M S. "Goeben".                                 Phot.  A.  Renard.








  • October 22, 2017 18:02:00 Dagmar Veigel

     4. Seite, 1. Bild (Karte), oben rechts: 

    Skizze zu dem Gefecht bei Lagarde.


    4. Seite, 1. Spalte: 

    Es kam für die Russen auch noch ein anderer Faktor in Betracht, nämlich der, daß man in Polen die deutsche Kavallerie an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der Teufel soll Lust haben, in Feindesland einzureiten, wenn hinter ihm die eigene Landesbevölkerung aufzustehen beginnt! Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere, die nicht ganz an erfolgreichem Vordringen verzweifelten, wie einige am 5. A u g u st bei Schwiddern, östlich Johannisburg, und bei Grodtken, zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte Vorstöße zeigten, aber es scheinen nur noch schwache Stöße gewesen zu sein, denn die russische Kavalleriedivisionen sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder  über die Grenze zurückgegangen. Sie liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste ausgeschlossen waren. Daß die Gärung  unter der polnischen Bevölkerung durchdie Beweise der russischen Schlappheit nur geschürt werden konnte, lag auf der  Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


     4. Seite, 2. Spalte: 

    sich schämen, sich so lange einem so schlappen Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls erfolgte am 5. August in Krakau ein  Aufruf an polnische Männer und Frauen, den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten zu bereiten. - Die deutsche Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig, sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch dort unter dem Jubel der Bevölkerung einrückend. Der geringe Mut, den die Russen bisher noch gezeigt hatten, schien mittlerweile ganz ausgegangen zu  sein. So zog sich am 6. A u g u st die

    3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten der Grenze südlich Eydtkuhnen sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien. In Russisch=Polen begannen aber die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe es keine russischen Kavalleriedivisionen, die Wiederherstellung der von den Russen zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st einlaufende Nachricht hervor, daß die von Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische Kavallerie mit den Grenztruppen des deutschen Heeres Fühlung gewonnen habe. Von jetzt an also gemeinsam weiter vor gegen den russischen Feind. - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich die russische Kavallerie am 9. August noch einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses Aufraffen, welches sich in einem Angriff äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung von Bialla um acht Geschütze und mehrere Munitionswagen ärmer, wenn auch vielleicht reicher an der Erkenntnis, daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei Landwehrkompagnien, die bei Schmalleningken, 3 Meilen östlich Tilsit, drei russische Kompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,


     4. Seite, 2. Bild, oben rechts: 

    Nach dem ersten deutschen Sieg: Gefangengenommene Belgier.          Phot. Schubert


     4. Seite, 3. Spalte: 

    zum Rückzug zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe, diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen von Eydtkuhnen müssen übrigens mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im  Grenzkrieg gewonnen haben, denn am 9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien und einige Geschütze stark, die

    3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht wurde, daß sie d i e s s e i t s derrussischen Grenze nichts zu suchen habe.


    Österreichs energisches Verfahren mit

    Serben, Russen und Montenegrinern.


    Wie wollen nun betrachten, wie unser Bundesgenosse bis jetzt beschäftigt war.


     4. Seite, 4. Spalte 


    Nach dem Kriegsausbruch mit Rußland verschob sich natürlich für ihn das Hauptinteresse von Serbien nach Rußland, von  der Donau nach Galizien. Die Serben können warten, denn sie sind keine ernste Gefahr für Österreich. Damit sie aber in Belgrad nicht ganz vergessen, daß sie sich im Kriege befinden,

    schickt man ihnen von Zeit zu Zeit einige  Granaten zu und stört ihre Ruhe auch sonst durch kleinere Unternehmungen auf das serbische Ufer der Donau.


    An der Österreisch=russischen Grenze hielt man zunächst die Augen offen und schoß nördlich Lemberg einen russsichen Aeroplan herunter. - Am 7. August wurde es lebendig an der Grenze Mittelgaliziens. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Kriegserklärung versuchten dort und auch an der ostgalizischen Grenze

    russische Kavallerieabteilungen Vorstöße zu machen. Die Österreicher schlugen aber nicht nur alle Angriffe ab, sondern stürmten selbst eine gut verschanzte Grenzpostenstellung bei Mohile. Feindliche

    Verstärkungen vermochten nichts auszurichten.


    Mittlerweile waren am 8. A u g u st die österreichischen Truppen bis Mijechow, 30 Meilen nördlich von Krakau, vorgedrungen und ergriffen von dort die Offensive mit einem schönen Vormarsch von 40 Kilometer.

    Auch die an der Weichsel stehenden östereichischen Truppen überschritten diese. In Ostgalizien wurden die Orte Radziwilow, (Grenzbahnhof westlich Lemberg), Wolotschisk (Grenzbahnhof im östlichen Galizien) und Nowocielica bei Czernowitz, Hauptstadt von der Bukowina, besetzt. Damit war die österreichische Offensive in

    Polen eröffnet, und es verlautet, daß die Russen Warschau geräumt hätten. Sollte sich dies bestätigen, so wäre es wohl nicht in letzter Linie der Bewegung der Jungpolen oder der "Polnischen Jungschützen",

    wie sie sich selbst nennen, zuzuschreiben.


    Diese sollen bei Mijechow einen Nachtangriff auf ein russisches Detachement unternommen und diesem einen Verlust von 600 Toten zugefügt haben. Daß die polnischen Jungschützen ihr Möglichstes tun werden, um die abziehenden Russen zu schädigen, ist sicher, aber ihre Berichte sind doch wohl, wie nebenebei gesagt, alle Berichte von Freischärlern, mit einiger Vorsicht aufzunehmen. - Nun noch ein Blick auf die Montenegriner. Dieses kleine, unverschämte Bergvolk, welches jetzt auch Deutschland den Krieg erklärt hat, eröffnete ein resultatloses Geschützfeuer auf österreichisches Gebiet und machte am 8. A u g u st mit 4000 Mann einen Angriff auf die Grenzposten bei der Festung Trbinje. Dies bekam ihnen freilich übel, denn sie mußten sich mit einem Verlust von 200 Mann zurückziehen, während der Verlust


     4. Seite, 3. Bild, unten: 


    Heldentaten unserer Marine im Mittelmeer.

    S. M. S "Breslau"                                  Phot.  A.  Renard

     

     

     4. Seite, 4. Bild, unten: 

     


    S. M S. "Goeben".                                 Phot.  A.  Renard.








  • October 22, 2017 17:56:53 Dagmar Veigel

     4. Seite, 1. Bild (Karte), oben rechts: 

    Skizze zu dem Gefecht bei Lagarde.


    4. Seite, 1. Spalte: 

    Es kam für die Russen auch noch ein anderer Faktor in Betracht, nämlich der, daß man in Polen die deutsche Kavallerie an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der Teufel soll Lust haben, in Feindesland einzureiten, wenn hinter ihm die eigene Landesbevölkerung aufzustehen beginnt! Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere, die nicht ganz an erfolgreichem Vordringen verzweifelten, wie einige am 5. A u g u st bei Schwiddern, östlich Johannisburg, und bei Grodtken, zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte Vorstöße zeigten, aber es scheinen nur noch schwache Stöße gewesen zu sein, denn die russische Kavalleriedivisionen sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder  über die Grenze zurückgegangen. Sie liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste ausgeschlossen waren. Daß die Gärung  unter der polnischen Bevölkerung durchdie Beweise der russischen Schlappheit nur geschürt werden konnte, lag auf der  Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


     4. Seite, 2. Spalte: 

    sich schämen, sich so lange einem so schlappen Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls erfolgte am 5. August in Krakau ein  Aufruf an polnische Männer und Frauen, den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten zu bereiten. - Die deutsche Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig, sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch dort unter dem Jubel der Bevölkerung einrückend. Der geringe Mut, den die Russen bisher noch gezeigt hatten, schien mittlerweile ganz ausgegangen zu  sein. So zog sich am 6. A u g u st die

    3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten der Grenze südlich Eydtkuhnen sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien. In Russisch=Polen begannen aber die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe es keine russischen Kavalleriedivisionen, die Wiederherstellung der von den Russen zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st einlaufende Nachricht hervor, daß die von Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische Kavallerie mit den Grenztruppen des deutschen Heeres Fühlung gewonnen habe. Von jetzt an also gemeinsam weiter vor gegen den russischen Feind. - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich die russische Kavallerie am 9. August noch einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses Aufraffen, welches sich in einem Angriff äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung von Bialla um acht Geschütze und mehrere Munitionswagen ärmer, wenn auch vielleicht reicher an der Erkenntnis, daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei Landwehrkompagnien, die bei Schmalleningken, 3 Meilen östlich Tilsit, drei russische Kompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,


     4. Seite, 2. Bild, oben rechts: 

    Nach dem ersten deutschen Sieg: Gefangengenommene Belgier.          Phot. Schubert


     4. Seite, 3. Spalte: 

    zum Rückzug zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe, diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen von Eydtkuhnen müssen übrigens mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im  Grenzkrieg gewonnen haben, denn am 9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien und einige Geschütze stark, die

    3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht wurde, daß sie d i e s s e i t s derrussischen Grenze nichts zu suchen habe.


    Österreichs energisches Verfahren mit

    Serben, Russen und Montenegrinern.


    Wie wollen nun betrachten, wie unser

    Bundesgenosse bis jetzt beschäftigt war.


     4. Seite, 4. Spalte 


    Nach dem Kriegsausbruch mit Rußland

    verschob sich natürlich für ihn das Hauptinteresse

    von Serbien nach Rußland, von

    der Donau nach Galizien. Die Serben

    können warten, denn sie sind

    keine ernste Gefahr für Österreich.

    Damit sie aber in Belgrad nicht ganz vergessen,

    daß sie sich im Kriege befinden,

    schickt man ihnen von Zeit zu Zeit einige

    Granaten zu und stört ihre Ruhe auch

    sonst durch kleinere Unternehmungen auf

    das serbische Ufer der Donau.

    An der Österreisch=russischen Grenze

    hielt man zunächst die Augen offen und

    schoß nördlich Lemberg einen russischen

    Aeroplan herunter. - Am 7. August

    wurde es lebendig an der Grenze Mittelgaliziens.

    Unmittelbar nach dem Bekanntwerden

    der Kriegserklärung versuchten

    dort und auch an der ostgalizischen Grenze

    russische Kavallerieabteilungen Vorstöße

    zu machen. Die Österreicher schlugen

    aber nicht nur alle Angriffe ab, sondern

    stürmten selbst eine gut verschanzte Grenzpostenstellung

    bei Mohile. Feindliche

    Verstärkungen vermochten nichts auszurichten.

    Mittlerweile waren am 8. A u g u st

    die österreichischen Truppen bis Mijechow,

    30 Meilen nördlich von Krakau, vorgedrungen

    udn ergriffen von dort die Offensive

    mit einem schönen Vormarsch von 40 Kilometer.

    Auch die an der Weichsel

    stehenden östereichischen Truppen

    überschritten diese. In Ostgalizien

    wurden die Orte Radziwilow,

    (Grenzbahnhof westlich Lemberg),

    Wolotschisk (Grenzbahnhof im östlichen

    Galizien) und Nowocielica bei Czernowitz,

    Hauptstadt von der Bukowina, besetzt. Damit

    war die österreichische Offensive in

    Polen eröffnet, und es verlautet, daß die

    Russen Warschau geräumt hätten. Sollte

    sich dies bestätigen, so wäre es wohl nicht

    in letzter Linie der Bewegung der Jungpolen

    oder der "Polnischen Jungschützen",

    wie sie sich selbst nennen, zuzuschreiben.


    Diese sollen bei Mijechow einen Nachtangriff

    auf ein russisches Detachement

    unternommen und diesem einen Verlust

    von 600 Toten zugefügt haben. Daß die

    polnischen Jungschützen ihr Möglichstes tun

    werden, um die abziehenden Russen zu

    schädigen, ist sicher, aber ihre Berichte sind

    doch wohl, wie nebenebei gesagt, alle Berichte

    von Freischärlern, mit einiger Vorsicht

    aufzunehmen. - Nun noch ein Blick

    auf die Montenegriner. Dieses kleine, unverschämte

    Bergvolk, welches jetzt auch

    Deutschland den Krieg erklärt hat, eröffnete

    ein resultatloses Geschützfeuer auf österreichisches

    Gebiet und machte am 8. A u g u st

    mit 4000 Mann einen Angriff auf

    die Grenzposten bei der Festung Trbinje.

    Dies bekam ihnen freilich übel, denn sie

    mußten sich mit einem Verlust von 200

    Mann zurückziehen, während der Verlust


     4. Seite, 3. Bild, unten: 


    Heldentaten unserer Marine im Mittelmeer.

    S. M. S "Breslau"                                  Phot.  A.  Renard

     

     

     4. Seite, 4. Bild, unten: 

     


    S. M S. "Goeben".                                 Phot.  A.  Renard.








  • October 20, 2017 20:06:23 Dagmar Veigel

     4. Seite, 1. Bild (Karte), oben rechts: 

    Skizze zu dem Gefecht bei Lagarde.


    4. Seite, 1. Spalte: 

    Es kam für die Russen auch noch ein

    anderer Faktor in Betracht, nämlich der,

    daß man in Polen die deutsche Kavallerie

    an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der

    Teufel soll Lust haben, in Feindesland

    einzureiten, wenn hinter ihm die eigene

    Landesbevölkerung aufzustehen beginnt!

    Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere,

    die nicht ganz an erfolgreichem

    Vordringen verzweifelten, wie

    einige am 5. A u g u st bei Schwiddern,

    östlich Johannisburg, und bei Grodtken,

    zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte

    Vorstöße zeigten, aber es scheinen

    nur noch schwache Stöße gewesen zu sein,

    denn die russische Kavalleriedivisionen

    sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder

    über die Grenze zurückgegangen. Sie

    liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur

    s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste

    ausgeschlossen waren. Daß die Gärung

    unter der polnischen Bevölkerung durch

    die Beweise der russischen Schlappheit

    nur geschürt werden konnte, lag auf der

    Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


     4. Seite, 2. Spalte: 

    sich schämen, sich so lange einem so schlappen

    Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls

    erfolgte am 5. August in Krakau ein

    Aufruf an polnische Männer und Frauen,

    den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten

    zu bereiten. - Die deutsche

    Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig,

    sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch

    dort unter dem Jubel der Bevölkerung

    einrückend. Der geringe Mut,

    den die Russen bisher noch gezeigt hatten,

    schien mittlerweile ganz ausgegangen zu

    sein. So zog sich am 6. A u g u st die

    3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten

    der Grenze südlich Eydtkuhnen

    sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien.

    In Russisch=Polen begannen aber

    die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe

    es keine russischen Kavalleriedivisionen,

    die Wiederherstellung der von den Russen

    zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude

    rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st

    einlaufende Nachricht hervor, daß die von

    Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische

    Kavallerie mit den Grenztruppen

    des deutschen Heeres Fühlung gewonnen

    habe. Von jetzt an also gemeinsam

    weiter vor gegen den russischen Feind.

     - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei

    Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich

    die russische Kavallerie am 9. August noch

    einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses

    Aufraffen, welches sich in einem Angriff

    äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde

    durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung

    von Bialla um acht Geschütze und

    mehrere Munitionswagen ärmer, wenn

    auch vielleicht reicher an der Erkenntnis,

    daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit

    sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei

    Landwehrkompagnien, die bei Schmalleningken,

    3 Meilen östlich tilsit, drei russische

    Kompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,


     4. Seite, 2. Bild, oben rechts: 

    Nach dem ersten deutschen Sieg: Gefangengenommene Belgier.          Phot. Schubert


     4. Seite, 3. Spalte: 

    zum Rückzug

    zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe,

    diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen

    von Eydtkuhnen müssen übrigens

    mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im

    Grenzkrieg gewonnen haben, denn am

    9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien

    und einige Geschütze stark, die

    3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht

    wurde, daß sie d i e s s e i t s der

    russischen Grenze nichts zu suchen habe.


    Österreichs energisches Verfahren mit

    Serben, Russen und Montenegrinern.


    Wie wollen nun betrachten, wie unser

    Bundesgenosse bis jetzt beschäftigt war.


     4. Seite, 4. Spalte 


    Nach dem Kriegsausbruch mit Rußland

    verschob sich natürlich für ihn das Hauptinteresse

    von Serbien nach Rußland, von

    der Donau nach Galizien. Die Serben

    können warten, denn sie sind

    keine ernste Gefahr für Österreich.

    Damit sie aber in Belgrad nicht ganz vergessen,

    daß sie sich im Kriege befinden,

    schickt man ihnen von Zeit zu Zeit einige

    Granaten zu und stört ihre Ruhe auch

    sonst durch kleinere Unternehmungen auf

    das serbische Ufer der Donau.

    An der Österreisch=russischen Grenze

    hielt man zunächst die Augen offen und

    schoß nördlich Lemberg einen russischen

    Aeroplan herunter. - Am 7. August

    wurde es lebendig an der Grenze Mittelgaliziens.

    Unmittelbar nach dem Bekanntwerden

    der Kriegserklärung versuchten

    dort und auch an der ostgalizischen Grenze

    russische Kavallerieabteilungen Vorstöße

    zu machen. Die Österreicher schlugen

    aber nicht nur alle Angriffe ab, sondern

    stürmten selbst eine gut verschanzte Grenzpostenstellung

    bei Mohile. Feindliche

    Verstärkungen vermochten nichts auszurichten.

    Mittlerweile waren am 8. A u g u st

    die österreichischen Truppen bis Mijechow,

    30 Meilen nördlich von Krakau, vorgedrungen

    udn ergriffen von dort die Offensive

    mit einem schönen Vormarsch von 40 Kilometer.

    Auch die an der Weichsel

    stehenden östereichischen Truppen

    überschritten diese. In Ostgalizien

    wurden die Orte Radziwilow,

    (Grenzbahnhof westlich Lemberg),

    Wolotschisk (Grenzbahnhof im östlichen

    Galizien) und Nowocielica bei Czernowitz,

    Hauptstadt von der Bukowina, besetzt. Damit

    war die österreichische Offensive in

    Polen eröffnet, und es verlautet, daß die

    Russen Warschau geräumt hätten. Sollte

    sich dies bestätigen, so wäre es wohl nicht

    in letzter Linie der Bewegung der Jungpolen

    oder der "Polnischen Jungschützen",

    wie sie sich selbst nennen, zuzuschreiben.


    Diese sollen bei Mijechow einen Nachtangriff

    auf ein russisches Detachement

    unternommen und diesem einen Verlust

    von 600 Toten zugefügt haben. Daß die

    polnischen Jungschützen ihr Möglichstes tun

    werden, um die abziehenden Russen zu

    schädigen, ist sicher, aber ihre Berichte sind

    doch wohl, wie nebenebei gesagt, alle Berichte

    von Freischärlern, mit einiger Vorsicht

    aufzunehmen. - Nun noch ein Blick

    auf die Montenegriner. Dieses kleine, unverschämte

    Bergvolk, welches jetzt auch

    Deutschland den Krieg erklärt hat, eröffnete

    ein resultatloses Geschützfeuer auf österreichisches

    Gebiet und machte am 8. A u g u st

    mit 4000 Mann einen Angriff auf

    die Grenzposten bei der Festung Trbinje.

    Dies bekam ihnen freilich übel, denn sie

    mußten sich mit einem Verlust von 200

    Mann zurückziehen, während der Verlust


     4. Seite, 3. Bild, unten: 


    Heldentaten unserer Marine im Mittelmeer.

    S. M. S "Breslau"                                  Phot.  A.  Renard

     

     

     4. Seite, 4. Bild, unten: 

     


    S. M S. "Goeben".                                 Phot.  A.  Renard.








  • October 18, 2017 21:16:23 Dagmar Veigel

     4. Seite, 1. Bild (Karte), oben rechts: 

    Skizze zu dem Gefecht bei Lagarde.


    4. Seite, 1. Spalte: 

    Es kam für die Russen auch noch ein

    anderer Faktor in Betracht, nämlich der,

    daß man in Polen die deutsche Kavallerie

    an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der

    Teufel soll Lust haben, in Feindesland

    einzureiten, wenn hinter ihm die eigene

    Landesbevölkerung aufzustehen beginnt!

    Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere,

    die nicht ganz an erfolgreichem

    Vordringen verzweifelten, wie

    einige am 5. A u g u st bei Schwiddern,

    östlich Johannisburg, und bei Grodtken,

    zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte

    Vorstöße zeigten, aber es scheinen

    nur noch schwache Stöße gewesen zu sein,

    denn die russische Kavalleriedivisionen

    sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder

    über die Grenze zurückgegangen. Sie

    liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur

    s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste

    ausgeschlossen waren. Daß die Gärung

    unter der polnischen Bevölkerung durch

    die Beweise der russischen Schlappheit

    nur geschürt werden konnte, lag auf der

    Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


     4. Seite, 2. Spalte: 

    sich schämen, sich so lange einem so schlappen

    Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls

    erfolgte am 5. August in Krakau ein

    Aufruf an polnische Männer und Frauen,

    den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten

    zu bereiten. - Die deutsche

    Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig,

    sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch

    dort unter dem Jubel der Bevölkerung

    einrückend. Der geringe Mut,

    den die Russen bisher noch gezeigt hatten,

    schien mittlerweile ganz ausgegangen zu

    sein. So zog sich am 6. A u g u st die

    3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten

    der Grenze südlich Eydtkuhnen

    sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien.

    In Russisch=Polen begannen aber

    die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe

    es keine russischen Kavalleriedivisionen,

    die Wiederherstellung der von den Russen

    zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude

    rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st

    einlaufende Nachricht hervor, daß die von

    Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische

    Kavallerie mit den Grenztruppen

    des deutschen Heeres Fühlung gewonnen

    habe. Von jetzt an also gemeinsam

    weiter vor gegen den russischen Feind.

     - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei

    Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich

    die russische Kavallerie am 9. August noch

    einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses

    Aufraffen, welches sich in einem Angriff

    äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde

    durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung

    von Bialla um acht Geschütze und

    mehrere Munitionswagen ärmer, wenn

    auch vielleicht reicher an der Erkenntnis,

    daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit

    sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei

    Landwehrkompagnien, die bei Schmalleningken,

    3 Meilen östlich tilsit, drei russische

    Kompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,


     4. Seite, 2. Bild, oben rechts: 

    Nach dem ersten deutschen Sieg: Gefangengenommene Belgier.          Phot. Schubert


     4. Seite, 3. Spalte: 

    zum Rückzug

    zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe,

    diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen

    von Eydtkuhnen müssen übrigens

    mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im

    Grenzkrieg gewonnen haben, denn am

    9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien

    und einige Geschütze stark, die

    3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht

    wurde, daß sie d i e s s e i t s der

    russischen Grenze nichts zu suchen habe.


    Österreichs energisches Verfahren mit

    Serben, Russen und Montenegrinern.


    Wie wollen nun betrachten, wie unser

    Bundesgenosse bis jetzt beschäftigt war.


     4. Seite, 4. Spalte 


    Nach dem Kriegsausbruch mit Rußland

    verschob sich natürlich für ihn das Hauptinteresse

    von Serbien nach Rußland, von

    der Donau nach Galizien. Die Serben

    können warten, denn sie sind

    keine ernste Gefahr für Österreich.

    Damit sie aber in Belgrad nicht ganz vergessen,

    daß sie sich im Kriege befinden,

    schickt man ihnen von Zeit zu Zeit einige

    Granaten zu und stört ihre Ruhe auch

    sonst durch kleinere Unternehmungen auf

    das serbische Ufer der Donau.

    An der Österreisch=russischen Grenze

    hielt man zunächst die Augen offen und

    schoß nördlich Lemberg einen russischen

    Aeroplan herunter. - Am 7. August

    wurde es lebendig an der Grenze Mittelgaliziens.

    Unmittelbar nach dem Bekanntwerden

    der Kriegserklärung versuchten

    dort und auch an der ostgalizischen Grenze

    russische Kavallerieabteilungen Vorstöße

    zu machen. Die Österreicher schlugen

    aber nicht nur alle Angriffe ab, sondern

    stürmten selbst eine gut verschanzte Grenzpostenstellung

    bei Mohile. Feindliche

    Verstärkungen vermochten nichts auszurichten.

    Mittlerweile waren am 8. A u g u st

    die österreichischen Truppen bis Mijechow,

    30 Meilen nördlich von Krakau, vorgedrungen

    udn ergriffen von dort die Offensive

    mit einem schönen Vormarsch von 40 Kilometer.

    Auch die an der Weichsel

    stehenden östereichischen Truppen

    überschritten diese. In Ostgalizien

    wurden die Orte Radziwilow,

    (Grenzbahnhof westlich Lemberg),

    Wolotschisk (Grenzbahnhof im östlichen

    Galizien) und Nowocielica bei Czernowitz,

    Hauptstadt von der Bukowina, besetzt. Damit

    war die österreichische Offensive in

    Polen eröffnet, und es verlautet, daß die

    Russen Warschau geräumt hätten. Sollte

    sich dies bestätigen, so wäre es wohl nicht

    in letzter Linie der Bewegung der Jungpolen

    oder der "Polnischen Jungschützen",

    wie sie sich selbst nennen, zuzuschreiben.


    Dise sollen bei Mijechow einen Nachtangriff

    auf ein russisches Detachement

    unternommen und diesem einen Verlust

    von 600 Toten zugefügt haben. Daß die

    polnischen Jungschützen ihr Möglichstes tun

    werden, um die abziehenden Russen zu

    schädigen, ist sicher, aber ihre Berichte sind

    doch wohl, wie nebenebei gesagt, alle Berichte

    von Freischärlern, mit einiger Vorsicht

    aufzunehmen. - Nun noch ein Blick

    auf die Montenegriner. Dieses kleine, unverschämte

    Bergvolk, welches jetzt auch

    Deutschland den Krieg erklärt hat, eröffnete

    ein resultatloses Geschützfeuer auf österreichisches

    Gebiet und machte am 8. A u g u st

    mit 4000 Mann einen Angriff auf

    die Grenzposten bei der Festung Trbinje.

    Dies bekam ihnen freilich übel, denn sie

    mußten sich mit einem Verlust von 200

    Mann zurückziehen, während der Verlust


     4. Seite, 3. Bild, unten: 


    Heldentaten unserer Marine im Mittelmeer.

    S. M. S "Breslau"                                  Phot.  A.  Renard

     

     

     4. Seite, 4. Bild, unten: 

     


    S. M S. "Soeben".                                 Phot.  A.  Renard.








  • October 18, 2017 19:21:41 Dagmar Veigel

     4. Seite, 1. Bild (Karte), oben rechts: 

    Skizze zu dem Gefecht bei Lagarde.


    4. Seite, 1. Spalte: 

    Es kam für die Russen auch noch ein

    anderer Faktor in Betracht, nämlich der,

    daß man in Polen die deutsche Kavallerie

    an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der

    Teufel soll Lust haben, in Feindesland

    einzureiten, wenn hinter ihm die eigene

    Landesbevölkerung aufzustehen beginnt!

    Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere,

    die nicht ganz an erfolgreichem

    Vordringen verzweifelten, wie

    einige am 5. A u g u st bei Schwiddern,

    östlich Johannisburg, und bei Grodtken,

    zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte

    Vorstöße zeigten, aber es scheinen

    nur noch schwache Stöße gewesen zu sein,

    denn die russische Kavalleriedivisionen

    sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder

    über die Grenze zurückgegangen. Sie

    liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur

    s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste

    ausgeschlossen waren. Daß die Gärung

    unter der polnischen Bevölkerung durch

    die Beweise der russischen Schlappheit

    nur geschürt werden konnte, lag auf der

    Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


     4. Seite, 2. Spalte: 

    sich schämen, sich so lange einem so schlappen

    Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls

    erfolgte am 5. August in Krakau ein

    Aufruf an polnische Männer und Frauen,

    den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten

    zu bereiten. - Die deutsche

    Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig,

    sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch

    dort unter dem Jubel der Bevölkerung

    einrückend. Der geringe Mut,

    den die Russen bisher noch gezeigt hatten,

    schien mittlerweile ganz ausgegangen zu

    sein. So zog sich am 6. A u g u st die

    3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten

    der Grenze südlich Eydtkuhnen

    sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien.

    In Russisch=Polen begannen aber

    die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe

    es keine russischen Kavalleriedivisionen,

    die Wiederherstellung der von den Russen

    zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude

    rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st

    einlaufende Nachricht hervor, daß die von

    Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische

    Kavallerie mit den Grenztruppen

    des deutschen Heeres Fühlung gewonnen

    habe. Von jetzt an also gemeinsam

    weiter vor gegen den russischen Feind.

     - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei

    Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich

    die russische Kavallerie am 9. August noch

    einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses

    Aufraffen, welches sich in einem Angriff

    äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde

    durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung

    von Bialla um acht Geschütze und

    mehrere Munitionswagen ärmer, wenn

    auch vielleicht reicher an der Erkenntnis,

    daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit

    sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei

    Landwehrkompagnien, die bei Schmalleningken,

    3 Meilen östlich tilsit, drei russische

    Kompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,


     4. Seite, 2. Bild, oben rechts: 

    Nach dem ersten deutschen Sieg: Gefangengenommene Belgier.          Phot. Schubert


     4. Seite, 3. Spalte: 

    zum Rückzug

    zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe,

    diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen

    von Eydtkuhnen müssen übrigens

    mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im

    Grenzkrieg gewonnen haben, denn am

    9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien

    und einige Geschütze stark, die

    3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht

    wurde, daß sie d i e s s e i t s der

    russischen Grenze nichts zu suchen habe.


    Österreichs energisches Verfahren mit

    Serben, Russen und Montenegrinern.


    Wie wollen nun betrachten, wie unser

    Bundesgenosse bis jetzt beschäftigt war.


     4. Seite, 4. Spalte 


    Nach dem Kriegsausbruch mit Rußland

    verschob sich natürlich für ihn das Hauptinteresse

    von Serbien nach Rußland, von

    der Donau nach Galizien. Die Serben

    können warten, denn sie sind

    keine ernste Gefahr für Österreich.

    Damit sie aber in Belgrad nicht ganz vergessen,

    daß sie sich im Kriege befinden,

    schickt man ihnen von Zeit zu Zeit einige

    Granaten zu und stört ihre Ruhe auch

    sonst durch kleinere Unternehmungen auf

    das serbische Ufer der Donau.

    An der Österreisch=russischen Grenze

    hielt man zunächst die Augen offen und

    schoß nördlich Lemberg einen russischen

    Aeroplan herunter. - Am 7. August

    wurde es lebendig an der Grenze Mittelgaliziens.

    Unmittelbar nach dem Bekanntwerden

    der Kriegserklärung versuchten

    dort und auch an der ostgalizischen Grenze

    russische Kavallerieabteilungen Vorstöße

    zu machen. Die Österreicher schlugen

    aber nicht nur alle Angriffe ab, sondern

    stürmten selbst eine gut verschanzte Grenzpostenstellung

    bei Mohile. Feindliche

    Verstärkungen vermochten nichts auszurichten.

    Mittlerweile waren am 8. A u g u st

    die österreichischen Truppen bis Mijechow,

    30 Meilen nördlich von Krakau, vorgedrungen

    udn ergriffen von dort die Offensive

    mit einem schönen Vormarsch von 40 Kilometer.

    Auch die an der Weichsel

    stehenden östereichischen Truppen

    überschritten diese. In Ostgalizien

    wurden die Orte Radziwilow,

    (Grenzbahnhof westlich Lemberg),

    Wolotschisk (Grenzbahnhof im östlichen

    Galizien) und Nowocielica bei Czernowitz,

    Hauptstadt von der Bukowina, besetzt. Damit

    war die österreichische Offensive in

    Polen eröffnet, und es verlautet, daß die

    Russen Warschau geräumt hätten. Sollte

    sich dies bestätigen, so wäre es wohl nicht

    in letzter Linie der Bewegung der Jungpolen

    oder der "Polnischen Jungschützen",

    wie sie sich selbst nennen, zuzuschreiben.


    Dise sollen bei Mijechow einen Nachtangriff

    auf ein russisches Detachement

    unternommen und diesem einen Verlust

    von 600 Toten zugefügt haben. Daß die

    polnischen Jungschützen ihr Möglichstes tun

    werden, um die abziehenden Russen zu

    schädigen, ist sicher, aber ihre Berichte sind

    doch wohl, wie nebenebei gesagt, alle Berichte

    von Freischärlern, mit einiger Vorsicht

    aufzunehmen. - Nun noch ein Blick

    auf die Montenegriner. Dieses kleine, unverschämte

    Bergvolk, welches jetzt auch

    Deutschland den Krieg erklärt hat, eröffnete

    ein resultatloses Geschützfeuer auf österreichisches

    Gebiet und machte am 8. A u g u st

    mit 4000 Mann einen Angriff auf

    die Grenzposten bei der Festung Trbinje.

    Dies bekam ihnen freilich übel, denn sie

    mußten sich mit einem Verlust von 200

    Mann zurückziehen, während der Verlust


     4. Seite, 3. Bild, unten: 


    Heldentaten unserer Marine im Mittelmeer.

    S. M. S "Breslau"                                  Phot.  A.  Renard


    4. Seite, 4. Bild, unten:


    S. M S. "Soeben".                                 Phot.  A.  Renard.








  • October 18, 2017 19:15:13 Dagmar Veigel


     4. Seite, 1. Spalte: 

    Es kam für die Russen auch noch ein

    anderer Faktor in Betracht, nämlich der,

    daß man in Polen die deutsche Kavallerie

    an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der

    Teufel soll Lust haben, in Feindesland

    einzureiten, wenn hinter ihm die eigene

    Landesbevölkerung aufzustehen beginnt!

    Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere,

    die nicht ganz an erfolgreichem

    Vordringen verzweifelten, wie

    einige am 5. A u g u st bei Schwiddern,

    östlich Johannisburg, und bei Grodtken,

    zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte

    Vorstöße zeigten, aber es scheinen

    nur noch schwache Stöße gewesen zu sein,

    denn die russische Kavalleriedivisionen

    sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder

    über die Grenze zurückgegangen. Sie

    liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur

    s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste

    ausgeschlossen waren. Daß die Gärung

    unter der polnischen Bevölkerung durch

    die Beweise der russischen Schlappheit

    nur geschürt werden konnte, lag auf der

    Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


     4. Seite, 2. Spalte: 

    sich schämen, sich so lange einem so schlappen

    Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls

    erfolgte am 5. August in Krakau ein

    Aufruf an polnische Männer und Frauen,

    den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten

    zu bereiten. - Die deutsche

    Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig,

    sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch

    dort unter dem Jubel der Bevölkerung

    einrückend. Der geringe Mut,

    den die Russen bisher noch gezeigt hatten,

    schien mittlerweile ganz ausgegangen zu

    sein. So zog sich am 6. A u g u st die

    3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten

    der Grenze südlich Eydtkuhnen

    sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien.

    In Russisch=Polen begannen aber

    die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe

    es keine russischen Kavalleriedivisionen,

    die Wiederherstellung der von den Russen

    zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude

    rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st

    einlaufende Nachricht hervor, daß die von

    Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische

    Kavallerie mit den Grenztruppen

    des deutschen Heeres Fühlung gewonnen

    habe. Von jetzt an also gemeinsam

    weiter vor gegen den russischen Feind.

     - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei

    Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich

    die russische Kavallerie am 9. August noch

    einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses

    Aufraffen, welches sich in einem Angriff

    äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde

    durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung

    von Bialla um acht Geschütze und

    mehrere Munitionswagen ärmer, wenn

    auch vielleicht reicher an der Erkenntnis,

    daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit

    sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei

    Landwehrkompagnien, die bei Schmalleningken,

    3 Meilen östlich tilsit, drei russische

    Kompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,


     4. Seite, 3. Spalte: 

    zum Rückzug

    zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe,

    diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen

    von Eydtkuhnen müssen übrigens

    mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im

    Grenzkrieg gewonnen haben, denn am

    9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien

    und einige Geschütze stark, die

    3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht

    wurde, daß sie d i e s s e i t s der

    russischen Grenze nichts zu suchen habe.


    Österreichs energisches Verfahren mit

    Serben, Russen und Montenegrinern.


    Wie wollen nun betrachten, wie unser

    Bundesgenosse bis jetzt beschäftigt war.


     4. Seite, 4. Spalte 


    Nach dem Kriegsausbruch mit Rußland

    verschob sich natürlich für ihn das Hauptinteresse

    von Serbien nach Rußland, von

    der Donau nach Galizien. Die Serben

    können warten, denn sie sind

    keine ernste Gefahr für Österreich.

    Damit sie aber in Belgrad nicht ganz vergessen,

    daß sie sich im Kriege befinden,

    schickt man ihnen von Zeit zu Zeit einige

    Granaten zu und stört ihre Ruhe auch

    sonst durch kleinere Unternehmungen auf

    das serbische Ufer der Donau.

    An der Österreisch=russischen Grenze

    hielt man zunächst die Augen offen und

    schoß nördlich Lemberg einen russischen

    Aeroplan herunter. - Am 7. August

    wurde es lebendig an der Grenze Mittelgaliziens.

    Unmittelbar nach dem Bekanntwerden

    der Kriegserklärung versuchten

    dort und auch an der ostgalizischen Grenze

    russische Kavallerieabteilungen Vorstöße

    zu machen. Die Österreicher schlugen

    aber nicht nur alle Angriffe ab, sondern

    stürmten selbst eine gut verschanzte Grenzpostenstellung

    bei Mohile. Feindliche

    Verstärkungen vermochten nichts auszurichten.

    Mittlerweile waren am 8. A u g u st

    die österreichischen Truppen bis Mijechow,

    30 Meilen nördlich von Krakau, vorgedrungen

    udn ergriffen von dort die Offensive

    mit einem schönen Vormarsch von 40 Kilometer.

    Auch die an der Weichsel

    stehenden östereichischen Truppen

    überschritten diese. In Ostgalizien

    wurden die Orte Radziwilow,

    (Grenzbahnhof westlich Lemberg),

    Wolotschisk (Grenzbahnhof im östlichen

    Galizien) und Nowocielica bei Czernowitz,

    Hauptstadt von der Bukowina, besetzt. Damit

    war die österreichische Offensive in

    Polen eröffnet, und es verlautet, daß die

    Russen Warschau geräumt hätten. Sollte

    sich dies bestätigen, so wäre es wohl nicht

    in letzter Linie der Bewegung der Jungpolen

    oder der "Polnischen Jungschützen",

    wie sie sich selbst nennen, zuzuschreiben.


    Dise sollen bei Mijechow einen Nachtangriff

    auf ein russisches Detachement

    unternommen und diesem einen Verlust

    von 600 Toten zugefügt haben. Daß die

    polnischen Jungschützen ihr Möglichstes tun

    werden, um die abziehenden Russen zu

    schädigen, ist sicher, aber ihre Berichte sind

    doch wohl, wie nebenebei gesagt, alle Berichte

    von Freischärlern, mit einiger Vorsicht

    aufzunehmen. - Nun noch ein Blick

    auf die Montenegriner. Dieses kleine, unverschämte

    Bergvolk, welches jetzt auch

    Deutschland den Krieg erklärt hat, eröffnete

    ein resultatloses Geschützfeuer auf österreichisches

    Gebiet und machte am 8. A u g u st

    mit 4000 Mann einen Angriff auf

    die Grenzposten bei der Festung Trbinje.

    Dies bekam ihnen freilich übel, denn sie

    mußten sich mit einem Verlust von 200

    Mann zurückziehen, während der Verlust








  • October 18, 2017 19:12:31 Dagmar Veigel


     4. Seite, 1. Spalte: 

    Es kam für die Russen auch noch ein

    anderer Faktor in Betracht, nämlich der,

    daß man in Polen die deutsche Kavallerie

    an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der

    Teufel soll Lust haben, in Feindesland

    einzureiten, wenn hinter ihm die eigene

    Landesbevölkerung aufzustehen beginnt!

    Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere,

    die nicht ganz an erfolgreichem

    Vordringen verzweifelten, wie

    einige am 5. A u g u st bei Schwiddern,

    östlich Johannisburg, und bei Grodtken,

    zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte

    Vorstöße zeigten, aber es scheinen

    nur noch schwache Stöße gewesen zu sein,

    denn die russische Kavalleriedivisionen

    sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder

    über die Grenze zurückgegangen. Sie

    liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur

    s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste

    ausgeschlossen waren. Daß die Gärung

    unter der polnischen Bevölkerung durch

    die Beweise der russischen Schlappheit

    nur geschürt werden konnte, lag auf der

    Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


     4. Seite, 2. Spalte: 

    sich schämen, sich so lange einem so schlappen

    Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls

    erfolgte am 5. August in Krakau ein

    Aufruf an polnische Männer und Frauen,

    den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten

    zu bereiten. - Die deutsche

    Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig,

    sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch

    dort unter dem Jubel der Bevölkerung

    einrückend. Der geringe Mut,

    den die Russen bisher noch gezeigt hatten,

    schien mittlerweile ganz ausgegangen zu

    sein. So zog sich am 6. A u g u st die

    3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten

    der Grenze südlich Eydtkuhnen

    sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien.

    In Russisch=Polen begannen aber

    die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe

    es keine russischen Kavalleriedivisionen,

    die Wiederherstellung der von den Russen

    zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude

    rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st

    einlaufende Nachricht hervor, daß die von

    Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische

    Kavallerie mit den Grenztruppen

    des deutschen Heeres Fühlung gewonnen

    habe. Von jetzt an also gemeinsam

    weiter vor gegen den russischen Feind.

     - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei

    Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich

    die russische Kavallerie am 9. August noch

    einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses

    Aufraffen, welches sich in einem Angriff

    äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde

    durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung

    von Bialla um acht Geschütze und

    mehrere Munitionswagen ärmer, wenn

    auch vielleicht reicher an der Erkenntnis,

    daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit

    sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei

    Landwehrkompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,


     4. Seite, 3. Spalte: 

    zu Rückzug

    zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe,

    diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen

    von Eydtkuhnen müssen übrigens

    mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im

    Grenzkrieg gewonnen haben, denn am

    9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien

    und einige Geschütze stark, die

    3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht

    wurde, daß sie d i e s s e i t s der

    russischen Grenze nichts zu suchen habe.


    Österreichs energisches Verfahren mit

    Serben, Russen und Montenegrinern.


    Wie wollen nun betrachten, wie unser

    Bundesgenosse bis jetzt beschäftigt war.


     4. Seite, 4. Spalte 


    Nach dem Kriegsausbruch mit Rußland

    verschob sich natürlich für ihn das Hauptinteresse

    von Serbien nach Rußland, von

    der Donau nach Galizien. Die Serben

    können warten, denn sie sind

    keine ernste Gefahr für Österreich.

    Damit sie aber in Belgrad nicht ganz vergessen,

    daß sie sich im Kriege befinden,

    schickt man ihnen von Zeit zu Zeit einige

    Granaten zu und stört ihre Ruhe auch

    sonst durch kleinere Unternehmungen auf

    das serbische Ufer der Donau.

    An der Österreisch=russischen Grenze

    hielt man zunächst die Augen offen und

    schoß nördlich Lemberg einen russischen

    Aeroplan herunter. - Am 7. August

    wurde es lebendig an der Grenze Mittelgaliziens.

    Unmittelbar nach dem Bekanntwerden

    der Kriegserklärung versuchten

    dort und auch an der ostgalizischen Grenze

    russische Kavallerieabteilungen Vorstöße

    zu machen. Die Österreicher schlugen

    aber nicht nur alle Angriffe ab, sondern

    stürmten selbst eine gut verschanzte Grenzpostenstellung

    bei Mohile. Feindliche

    Verstärkungen vermochten nichts auszurichten.

    Mittlerweile waren am 8. A u g u st

    die österreichischen Truppen bis Mijechow,

    30 Meilen nördlich von Krakau, vorgedrungen

    udn ergriffen von dort die Offensive

    mit einem schönen Vormarsch von 40 Kilometer.

    Auch die an der Weichsel

    stehenden östereichischen Truppen

    überschritten diese. In Ostgalizien

    wurden die Orte Radziwilow,

    (Grenzbahnhof westlich Lemberg),

    Wolotschisk (Grenzbahnhof im östlichen

    Galizien) und Nowocielica bei Czernowitz,

    Hauptstadt von der Bukowina, besetzt. Damit

    war die österreichische Offensive in

    Polen eröffnet, und es verlautet, daß die

    Russen Warschau geräumt hätten. Sollte

    sich dies bestätigen, so wäre es wohl nicht

    in letzter Linie der Bewegung der Jungpolen

    oder der "Polnischen Jungschützen",

    wie sie sich selbst nennen, zuzuschreiben.


    Dise sollen bei Mijechow einen Nachtangriff

    auf ein russisches Detachement

    unternommen und diesem einen Verlust

    von 600 Toten zugefügt haben. Daß die

    polnischen Jungschützen ihr Möglichstes tun

    werden, um die abziehenden Russen zu

    schädigen, ist sicher, aber ihre Berichte sind

    doch wohl, wie nebenebei gesagt, alle Berichte

    von Freischärlern, mit einiger Vorsicht

    aufzunehmen. - Nun noch ein Blick

    auf die Montenegriner. Dieses kleine, unverschämte

    Bergvolk, welches jetzt auch

    Deutschland den Krieg erklärt hat, eröffnete

    ein resultatloses Geschützfeuer auf österreichisches

    Gebiet und machte am 8. A u g u st

    mit 4000 Mann einen Angriff auf

    die Grenzposten bei der Festung Trbinje.

    Dies bekam ihnen freilich übel, denn sie

    mußten sich mit einem Verlust von 200

    Mann zurückziehen, während der Verlust








  • October 18, 2017 19:02:42 Dagmar Veigel


     4. Seite, 1. Spalte: 

    Es kam für die Russen auch noch ein

    anderer Faktor in Betracht, nämlich der,

    daß man in Polen die deutsche Kavallerie

    an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der

    Teufel soll Lust haben, in Feindesland

    einzureiten, wenn hinter ihm die eigene

    Landesbevölkerung aufzustehen beginnt!

    Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere,

    die nicht ganz an erfolgreichem

    Vordringen verzweifelten, wie

    einige am 5. A u g u st bei Schwiddern,

    östlich Johannisburg, und bei Grodtken,

    zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte

    Vorstöße zeigten, aber es scheinen

    nur noch schwache Stöße gewesen zu sein,

    denn die russische Kavalleriedivisionen

    sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder

    über die Grenze zurückgegangen. Sie

    liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur

    s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste

    ausgeschlossen waren. Daß die Gärung

    unter der polnischen Bevölkerung durch

    die Beweise der russischen Schlappheit

    nur geschürt werden konnte, lag auf der

    Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


     4. Seite, 2. Spalte: 

    sich schämen, sich so lange einem so schlappen

    Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls

    erfolgte am 5. August in Krakau ein

    Aufruf an polnische Männer und Frauen,

    den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten

    zu bereiten. - Die deutsche

    Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig,

    sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch

    dort unter dem Jubel der Bevölkerung

    einrückend. Der geringe Mut,

    den die Russen bisher noch gezeigt hatten,

    schien mittlerweile ganz ausgegangen zu

    sein. So zog sich am 6. A u g u st die

    3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten

    der Grenze südlich Eydtkuhnen

    sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien.

    In Russisch=Polen begannen aber

    die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe

    es keine russischen Kavalleriedividionen,

    die Wiederherstellung der von den Russen

    zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude

    rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st

    einlaufende Nachricht hervor, daß die von

    Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische

    Kavallerie mit den Grenztruppen

    des deutschen Heeres Fühlung gewonnen

    habe. Von jetzt an also gemeinsam

    weiter vor gegen den russischen Feind.

     - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei

    Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich

    die russische Kavallerie am 9. August noch

    einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses

    Aufraffen, welches sich in einem Angriff

    äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde

    durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung

    von Bialla um acht Geschütze und

    mehrere Munitionswagen ärmer, wenn

    auch vielleicht reicher an der Erkenntnis,

    daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit

    sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei

    Landwehrkompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,


     4. Seite, 3. Spalte: 

    zu Rückzug

    zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe,

    diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen

    von Eydtkuhnen müssen übrigens

    mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im

    Grenzkrieg gewonnen haben, denn am

    9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien

    und einige Geschütze stark, die

    3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht

    wurde, daß sie d i e s s e i t s der

    russischen Grenze nichts zu suchen habe.


    Österreichs energisches Verfahren mit

    Serben, Russen und Montenegrinern.


    Wie wollen nun betrachten, wie unser

    Bundesgenosse bis jetzt beschäftigt war.


     4. Seite, 4. Spalte 


    Nach dem Kriegsausbruch mit Rußland

    verschob sich natürlich für ihn das Hauptinteresse

    von Serbien nach Rußland, von

    der Donau nach Galizien. Die Serben

    können warten, denn sie sind

    keine ernste Gefahr für Österreich.

    Damit sie aber in Belgrad nicht ganz vergessen,

    daß sie sich im Kriege befinden,

    schickt man ihnen von Zeit zu Zeit einige

    Granaten zu und stört ihre Ruhe auch

    sonst durch kleinere Unternehmungen auf

    das serbische Ufer der Donau.

    An der Österreisch=russischen Grenze

    hielt man zunächst die augen offen und

    schoß nördlich Lemberg einen russischen

    Aeroplan herunter. - Am 7. August

    wurde es lebendig an der Grenze Mittelgaliziens.

    Unmittelbar nach dem Bekanntwerden

    der Kriegserklärung versuchten

    dort und auch an der ostgalizischen Grenze

    russische Kavallerieabteilungen Vorstöße

    zu machen. Die Österreicher schlugen

    aber nicht nur alle Angriffe ab, sondern

    stürmten selbst eine gut verschanzte Grenzpostenstellung

    bei Mohile. Feindliche

    Verstärkungen vermochten nichts auszurichten.

    Mittlerweile waren am 8. A u g u st

    die österreichischen Truppen bis Mijechow,

    30 Meilen nördlich von Krakau, vorgedrungen

    udn ergriffen von dort die Offensive

    mit einem schönen Vormarsch von 40 Kilometer.

    Auch die an der Weichsel

    stehenden östereichischen Truppen

    überschritten diese. In Ostgalizien

    wurden die Orte Radziwilow,

    (Grenzbahnhof westlich Lemberg),

    Wolotschisk (Grenzbahnhof im östlichen

    Galizien) und Nowocielica bei Czernowitz,

    Hauptstadt von der Bukowina, besetzt. Damit

    war die österreichische Offensive in

    Polen eröffnet, und es verlautet, daß die

    Russen Warschau geräumt hätten. Sollte

    sich dies bestätigen, so wäre es wohl nicht

    in letzter Linie der Bewegung der Jungpolen

    oder der "Polnischen Jungschützen",

    wie sie sich selbst nennen, zuzuschreiben.


    Dise sollen bei Mijechow einen Nachtangriff

    auf ein russisches Detachement

    unternommen und diesem einen Verlust

    von 600 Toten zugefügt haben. Daß die

    polnischen Jungschützen ihr Möglichstes tun

    werden, um die abziehenden Russen zu

    schädigen, ist sicher, aber ihre Berichte sind

    doch wohl, wie nebenebei gesagt, alle Berichte

    von Freischärlern, mit einiger Vorsicht

    aufzunehmen. - Nun noch ein Blick

    auf die Montenegriner. Dieses kleine, unverschämte

    Bergvolk, welches jetzt auch

    Deutschland den Kreig erklärt hat, eröffnete

    ein resultatloses Geschützfeuer auf österreichisches

    Gebiet und machte am 8. A u g u st

    mit 4000 Mann einen Angriff auf

    die Grenzposten bei der Festung Trbinje.

    Dies bekam ihnen freilich übel, denn sie

    mußten sich mit einem Verlust von 200

    Mann zurückziehen, während der Verlust








  • October 18, 2017 18:54:08 Dagmar Veigel


     4. Seite, 1. Spalte: 

    Es kam für die Russen auch noch ein

    anderer Faktor in Betracht, nämlich der,

    daß man in Polen die deutsche Kavallerie

    an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der

    Teufel soll Lust haben, in Feindesland

    einzureiten, wenn hinter ihm die eigene

    Landesbevölkerung aufzustehen beginnt!

    Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere,

    die nicht ganz an erfolgreichem

    Vordringen verzweifelten, wie

    einige am 5. A u g u st bei Schwiddern,

    östlich Johannisburg, und bei Grodtken,

    zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte

    Vorstöße zeigten, aber es scheinen

    nur noch schwache Stöße gewesen zu sein,

    denn die russische Kavalleriedivisionen

    sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder

    über die Grenze zurückgegangen. Sie

    liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur

    s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste

    ausgeschlossen waren. Daß die Gärung

    unter der polnischen Bevölkerung durch

    die Beweise der russischen Schlappheit

    nur geschürt werden konnte, lag auf der

    Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


     4. Seite, 2. Spalte: 

    sich schämen, sich so lange einem so schlappen

    Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls

    erfolgte am 5. August in Krakau ein

    Aufruf an polnische Männer und Frauen,

    den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten

    zu bereiten. - Die deutsche

    Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig,

    sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch

    dort unter dem Jubel der Bevölkerung

    einrückend. Der geringe Mut,

    den die Russen bisher noch gezeigt hatten,

    schien mittlerweile ganz ausgegangen zu

    sein. So zog sich am 6. A u g u st die

    3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten

    der Grenze südlich Eydtkuhnen

    sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien.

    In Russisch=Polen begannen aber

    die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe

    es keine russischen Kavalleriedividionen,

    die Wiederherstellung der von den Russen

    zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude

    rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st

    einlaufende Nachricht hervor, daß die von

    Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische

    Kavallerie mit den Grenztruppen

    des deutschen Heeres Fühlung gewonnen

    habe. Von jetzt an also gemeinsam

    weiter vor gegen den russischen Feind.

     - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei

    Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich

    die russische Kavallerie am 9. August noch

    einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses

    Aufraffen, welches sich in einem Angriff

    äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde

    durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung

    von Bialla um acht Geschütze und

    mehrere Munitionswagen ärmer, wenn

    auch vielleicht reicher an der Erkenntnis,

    daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit

    sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei

    Landwehrkompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,


     4. Seite, 3. Spalte: 

    zu Rückzug

    zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe,

    diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen

    von Eydtkuhnen müssen übrigens

    mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im

    Grenzkrieg gewonnen haben, denn am

    9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien

    und einige Geschütze stark, die

    3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht

    wurde, daß sie d i e s s e i t s der

    russischen Grenze nichts zu suchen habe.


    Österreichs energisches Verfahren mit

    Serben, Russen und Montenegrinern.


    Wie wollen nun betrachten, wie unser

    Bundesgenosse bis jetzt beschäftigt war.


     4. Seite, 4. Spalte 


    Nach dem Kriegsausbruch mit Rußland

    verschob sich natürlich für ihn das Hauptinteresse

    von Serbien nach Rußland, von

    der Donau nach Galizien. Die Serben

    können warten, denn sie sind

    keine ernste Gefahr für Österreich.

    Damit sie aber in Belgraf nicht ganz vergessen,

    daß sie sich im Kriege befinden,

    schickt man ihnen von Zeit zu Zeit einige

    Granaten zu und stört ihre Ruhe auch

    sonst durch kleinere Unternehmungen auf

    das serbische Ufer der Donau.

    An der Österreisch=russischen Grenze

    hielt man zunächst die augen offen und

    schoß nördlich Lemberg einen russischen

    Aeroplan herunter. - Am 7. August

    wurde es lebendig an der Grenze Mittelgaliziens.

    Unmittelbar nach dem Bekanntwerden

    der Kriegserklärung versuchten

    dort und auch an der ostgalizischen Grenze

    russische Kavallerieabteilungen Vorstöße

    zu machen. Die Österreicher schlugen

    aber nicht nur alle Angriffe ab, sondern

    stürmten selbst eine gut verschanzte Grenzpostenstellung

    bei Mohile. Feindliche

    Verstärkungen vermochten nichts auszurichten.

    Mittlerweile waren am 8. A u g u st

    die österreichischen Truppen bis Mijechow,

    30 Meilen nördlich von Krakau, vorgedrungen

    udn ergriffen von dort die Offensive

    mit einem schönen Vormarsch von 40 Kilometer.

    Auch die an der Weichsel

    stehenden östereichischen Truppen

    überschritten diese. In Ostgalizien

    wurden die Orte Radziwilow,

    (Grenzbahnhof westlich Lemberg),

    Wolotschisk (Grenzbahnhof im östlichen

    Galizien) und Nowocielica bei Czernowitz,

    Hauptstadt von der Bukowina, besetzt. Damit

    war die österreichische Offensive in

    Polen eröffnet, und es verlautet, daß die

    Russen Warschau geräumt hätten. Sollte

    sich dies bestätigen, so wäre es wohl nicht

    in letzter Linie der Bewegung der Jungpolen

    oder der "Polnischen Jungschützen",

    wie sie sich selbst nennen, zuzuschreiben.


    Dise sollen bei Mijechow einen Nachtangriff

    auf ein russisches Detachement

    unternommen und diesem einen Verlust

    von 600 Toten zugefügt haben. Daß die

    polnischen Jungschützen ihr Möglichstes tun

    werden, um die abziehenden Russen zu

    schädigen, ist sicher, aber ihre Berichte sind

    doch wohl, wie nebenebei gesagt, alle Berichte

    von Freischärlern, mit einiger Vorsicht

    aufzunehmen. - Nun noch ein Blick

    auf die Montenegriner. Dieses kleine, unverschämte

    Bergvolk, welches jetzt auch

    Deutschland den Kreig erklärt hat, eröffnete

    ein resultatloses Geschützfeuer auf österreichisches

    Gebiet und machte am 8. A u g u st

    mit 4000 Mann einen Angriff auf

    die Grenzposten bei der Festung Trbinje.

    Dies bekam ihnen freilich übel, denn sie

    mußten sich mit einem Verlust von 200

    Mann zurückziehen, während der Verlust








  • October 18, 2017 18:53:59 Dagmar Veigel


     4. Seite, 1. Spalte: 

    Es kam für die Russen auch noch ein

    anderer Faktor in Betracht, nämlich der,

    daß man in Polen die deutsche Kavallerie

    an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der

    Teufel soll Lust haben, in Feindesland

    einzureiten, wenn hinter ihm die eigene

    Landesbevölkerung aufzustehen beginnt!

    Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere,

    die nicht ganz an erfolgreichem

    Vordringen verzweifelten, wie

    einige am 5. A u g u st bei Schwiddern,

    östlich Johannisburg, und bei Grodtken,

    zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte

    Vorstöße zeigten, aber es scheinen

    nur noch schwache Stöße gewesen zu sein,

    denn die russische Kavalleriedivisionen

    sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder

    über die Grenze zurückgegangen. Sie

    liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur

    s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste

    ausgeschlossen waren. Daß die Gärung

    unter der polnischen Bevölkerung durch

    die Beweise der russischen Schlappheit

    nur geschürt werden konnte, lag auf der

    Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


     4. Seite, 2. Spalte: 

    sich schämen, sich so lange einem so schlappen

    Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls

    erfolgte am 5. August in Krakau ein

    Aufruf an polnische Männer und Frauen,

    den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten

    zu bereiten. - Die deutsche

    Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig,

    sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch

    dort unter dem Jubel der Bevölkerung

    einrückend. Der geringe Mut,

    den die Russen bisher noch gezeigt hatten,

    schien mittlerweile ganz ausgegangen zu

    sein. So zog sich am 6. A u g u st die

    3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten

    der Grenze südlich Eydtkuhnen

    sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien.

    In Russisch=Polen begannen aber

    die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe

    es keine russischen Kavalleriedividionen,

    die Wiederherstellung der von den Russen

    zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude

    rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st

    einlaufende Nachricht hervor, daß die von

    Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische

    Kavallerie mit den Grenztruppen

    des deutschen Heeres Fühlung gewonnen

    habe. Von jetzt an also gemeinsam

    weiter vor gegen den russischen Feind.

     - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei

    Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich

    die russische Kavallerie am 9. August noch

    einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses

    Aufraffen, welches sich in einem Angriff

    äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde

    durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung

    von Bialla um acht Geschütze und

    mehrere Munitionswagen ärmer, wenn

    auch vielleicht reicher an der Erkenntnis,

    daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit

    sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei

    Landwehrkompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,


     4. Seite, 3. Spalte: 

    zu Rückzug

    zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe,

    diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen

    von Eydtkuhnen müssen übrigens

    mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im

    Grenzkrieg gewonnen haben, denn am

    9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien

    und einige Geschütze stark, die

    3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht

    wurde, daß sie d i e s s e i t s der

    russischen Grenze nichts zu suchen habe.


    Österreichs energisches Verfahren mit

    Serben, Russen und Montenegrinern.


    Wie wollen nun betrachten, wie unser

    Bundesgenosse bis jetzt beschäftigt war.


     4. Seite, 4. Spalte 


    Nach dem Kriegsausbruch mit Rußland

    verschob sich natürlich für ihn das Hauptinteresse

    von Serbien nach Rußland, von

    der Donau nach Galizien. Die Serben

    können warten, denn sie sind

    keine ernste Gefahr für Österreich.

    Damit sie aber in Belgraf nicht ganz vergessen,

    daß sie sich im Kriege befinden,

    schickt man ihnen von Zeit zu Zeit einige

    Granaten zu und stört ihre Ruhe auch

    sonst durch kleinere Unternehmungen auf

    das serbische Ufer der Donau.

    An der Österreisch=russischen Grenze

    hielt man zunächst die augen offen und

    schoß nördlich Lemberg einen russischen

    Aeroplan herunter. - Am 7. August

    wurde es lebendig an der Grenze Mittelgaliziens.

    Unmittelbar nach dem Bekanntwerden

    der Kriegserklärung versuchten

    dort und auch an der ostgalizischen Grenze

    russische Kavallerieabteilungen Vorstöße

    zu machen. Die Österreicher schlugen

    aber nicht nur alle Angriffe ab, sondern

    stürmten selbst eine gut verschanzte Grenzpostenstellung

    bei Mohile. Feindliche

    Verstärkungen vermochten nichts auszurichten.

    Mittlerweile waren am 8. A u g u st

    die österreichischen Truppen bis Mijechow,

    30 Meilen nördlich von Krakau, vorgedrungen

    udn ergriffen von dort die Offensive

    mit einem schönen Vormarsch von 40 Kilometer.

    Auch die an der Weichsel

    stehenden östereichischen Truppen

    überschritten diese. In Ostgalizien

    wurden die Orte Radziwilow,

    (Grenzbahnhof westlich Lemberg),

    Wolotschisk (Grenzbahnhof im östlichen

    Galizien) und Nowocielica bei Czernowitz,

    Hauptstadt von der Bukowina, besetzt. Damit

    war die österreichische Offensive in

    Polen eröffnet, und es verlautet, daß die

    Russen Warschau geräumt hätten. Sollte

    sich dies bestätigen, so wäre es wohl nicht

    in letzter Linie der Bewegung der Jungpolen

    oder der "Polnischen Jungschützen",

    wie sie sich selbst nennen, zuzuschreiben.


    Dise sollen bei Mijechow einen Nachtangriff

    auf ein russisches Detachement

    unternommen und diesem einen Verlust

    von 600 Toten zugefügt haben. Daß die

    polnischen Jungschützen ihr Möglichstes tun

    werden, um die abziehenden Russen zu

    schädigen, ist sicher, aber ihre Berichte sind

    doch wohl, wi enebenebei gesagt, alle Berichte

    von Freischärlern, mit einiger Vorsicht

    aufzunehmen. - Nun noch ein Blick

    auf die Montenegriner. Dieses kleine, unverschämte

    Bergvolk, welches jetzt auch

    Deutschland den Kreig erklärt hat, eröffnete

    ein resultatloses Geschützfeuer auf österreichisches

    Gebiet und machte am 8. A u g u st

    mit 4000 Mann einen Angriff auf

    die Grenzposten bei der Festung Trbinje.

    Dies bekam ihnen freilich übel, denn sie

    mußten sich mit einem Verlust von 200

    Mann zurückziehen, während der Verlust








  • October 18, 2017 18:52:35 Dagmar Veigel


     4. Seite, 1. Spalte: 

    Es kam für die Russen auch noch ein

    anderer Faktor in Betracht, nämlich der,

    daß man in Polen die deutsche Kavallerie

    an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der

    Teufel soll Lust haben, in Feindesland

    einzureiten, wenn hinter ihm die eigene

    Landesbevölkerung aufzustehen beginnt!

    Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere,

    die nicht ganz an erfolgreichem

    Vordringen verzweifelten, wie

    einige am 5. A u g u st bei Schwiddern,

    östlich Johannisburg, und bei Grodtken,

    zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte

    Vorstöße zeigten, aber es scheinen

    nur noch schwache Stöße gewesen zu sein,

    denn die russische Kavalleriedivisionen

    sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder

    über die Grenze zurückgegangen. Sie

    liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur

    s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste

    ausgeschlossen waren. Daß die Gärung

    unter der polnischen Bevölkerung durch

    die Beweise der russischen Schlappheit

    nur geschürt werden konnte, lag auf der

    Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


     4. Seite, 2. Spalte: 

    sich schämen, sich so lange einem so schlappen

    Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls

    erfolgte am 5. August in Krakau ein

    Aufruf an polnische Männer und Frauen,

    den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten

    zu bereiten. - Die deutsche

    Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig,

    sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch

    dort unter dem Jubel der Bevölkerung

    einrückend. Der geringe Mut,

    den die Russen bisher noch gezeigt hatten,

    schien mittlerweile ganz ausgegangen zu

    sein. So zog sich am 6. A u g u st die

    3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten

    der Grenze südlich Eydtkuhnen

    sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien.

    In Russisch=Polen begannen aber

    die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe

    es keine russischen Kavalleriedividionen,

    die Wiederherstellung der von den Russen

    zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude

    rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st

    einlaufende Nachricht hervor, daß die von

    Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische

    Kavallerie mit den Grenztruppen

    des deutschen Heeres Fühlung gewonnen

    habe. Von jetzt an also gemeinsam

    weiter vor gegen den russischen Feind.

     - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei

    Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich

    die russische Kavallerie am 9. August noch

    einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses

    Aufraffen, welches sich in einem Angriff

    äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde

    durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung

    von Bialla um acht Geschütze und

    mehrere Munitionswagen ärmer, wenn

    auch vielleicht reicher an der Erkenntnis,

    daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit

    sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei

    Landwehrkompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,


     4. Seite, 3. Spalte: 

    zu Rückzug

    zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe,

    diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen

    von Eydtkuhnen müssen übrigens

    mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im

    Grenzkrieg gewonnen haben, denn am

    9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien

    und einige Geschütze stark, die

    3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht

    wurde, daß sie d i e s s e i t s der

    russischen Grenze nichts zu suchen habe.


    Österreichs energisches Verfahren mit

    Serben, Russen und Montenegrinern.


    Wie wollen nun betrachten, wie unser

    Bundesgenosse bis jetzt beschäftigt war.


     4. Seite, 4. Spalte 


    Nach dem Kriegsausbruch mit Rußland

    verschob sich natürlich für ihn das Hauptinteresse

    von Serbien nach Rußland, von

    der Donau nach Galizien. Die Serben

    können warten, denn sie sind

    keine ernste Gefahr für Österreich.

    Damit sie aber in Belgraf nicht ganz vergessen,

    daß sie sich im Kriege befinden,

    schickt man ihnen von Zeit zu Zeit einige

    Granaten zu und stört ihre Ruhe auch

    sonst durch kleinere Unternehmungen auf

    das serbische Ufer der Donau.

    An der Österreisch=russischen Grenze

    hielt man zunächst die augen offen und

    schoß nördlich Lemberg einen russischen

    Aeroplan herunter. - Am 7. August

    wurde es lebendig an der Grenze Mittelgaliziens.

    Unmittelbar nach dem Bekanntwerden

    der Kriegserklärung versuchten

    dort und auch an der ostgalizischen Grenze

    russische Kavallerieabteilungen Vorstöße

    zu machen. Die Österreicher schlugen

    aber nicht nur alle Angriffe ab, sondern

    stürmten selbst eine gut verschanzte Grenzpostenstellung

    bei Mohile. Feindliche

    Verstärkungen vermochten nichts auszurichten.

    Mittlerweile waren am 8. A u g u st

    die österreichischen Truppen bis Mijechow,

    30 Meilen nördlich von Krakau, vorgedrungen

    udn ergriffen von dort die Offensive

    mit einem schönen Vormarsch von 40 Kilometer.

    Auch die an der Weichsel

    stehenden östereichischen Truppen

    überschritten diese. In Ostgalizien

    wurden die Orte Radziwilow,

    (Grenzbahnhof westlich Lemberg),

    Wolotschisk (Grenzbahnhof im östlichen

    Galizien) und Nowocielica bei Czernowitz,

    Hauptstadt von der Bukowina, besetzt. Damit

    war die österreichische Offensive in

    Polen eröffnet, und es verlautet, daß die

    Russen Warschau geräumt hätten. Sollte

    sich dies bestätigen, so wäre es wohl nicht

    in letzter Linie der Bewegung der Jungpolen

    oder der "Polnischen Jungschützen",

    wie sie sich selbst nennen, zuzuschreiben.


    Dise sollen bei Mijechow einen Nachtangriff

    auf ein russisches Detachement

    unternommen und diesem einen Verlust

    von 600 Toten zugefügt haben. Daß die

    polnischen Jungschützen ihr Möglichstes tun

    werden, um die abziehenden Russen zu

    schädigen, ist sicher, aber ihre Berichte sind

    doch wohl, wi enebenebei gesagt, alle Berichte

    von Freischärlern, mit einiger Vorsicht

    aufzunehmen. - Nun noch ein Blick

    auf die Montenegriner. Dieses kleine, unverschämte

    Bergvolk, welches jetzt auch

    Deutschland den Kreig erklärt hat, eröffnete

    ein resultatloses Geschützfeuer auf österreichisches

    Gebiet und machte am 8. A u g u st

    mit 4000 Mann einen Angriff auf

    die Grenzposten bei der Festung Trbinje.

    Dies bekam ihnen freilich übel, denn sie

    mußten sich mit einem Verlust von 200

    Mann zurückziehen, während der Verl








  • October 18, 2017 18:43:13 Dagmar Veigel


     4. Seite, 1. Spalte: 

    Es kam für die Russen auch noch ein

    anderer Faktor in Betracht, nämlich der,

    daß man in Polen die deutsche Kavallerie

    an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der

    Teufel soll Lust haben, in Feindesland

    einzureiten, wenn hinter ihm die eigene

    Landesbevölkerung aufzustehen beginnt!

    Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere,

    die nicht ganz an erfolgreichem

    Vordringen verzweifelten, wie

    einige am 5. A u g u st bei Schwiddern,

    östlich Johannisburg, und bei Grodtken,

    zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte

    Vorstöße zeigten, aber es scheinen

    nur noch schwache Stöße gewesen zu sein,

    denn die russische Kavalleriedivisionen

    sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder

    über die Grenze zurückgegangen. Sie

    liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur

    s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste

    ausgeschlossen waren. Daß die Gärung

    unter der polnischen Bevölkerung durch

    die Beweise der russischen Schlappheit

    nur geschürt werden konnte, lag auf der

    Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


     4. Seite, 2. Spalte: 

    sich schämen, sich so lange einem so schlappen

    Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls

    erfolgte am 5. August in Krakau ein

    Aufruf an polnische Männer und Frauen,

    den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten

    zu bereiten. - Die deutsche

    Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig,

    sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch

    dort unter dem Jubel der Bevölkerung

    einrückend. Der geringe Mut,

    den die Russen bisher noch gezeigt hatten,

    schien mittlerweile ganz ausgegangen zu

    sein. So zog sich am 6. A u g u st die

    3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten

    der Grenze südlich Eydtkuhnen

    sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien.

    In Russisch=Polen begannen aber

    die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe

    es keine russischen Kavalleriedividionen,

    die Wiederherstellung der von den Russen

    zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude

    rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st

    einlaufende Nachricht hervor, daß die von

    Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische

    Kavallerie mit den Grenztruppen

    des deutschen Heeres Fühlung gewonnen

    habe. Von jetzt an also gemeinsam

    weiter vor gegen den russischen Feind.

     - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei

    Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich

    die russische Kavallerie am 9. August noch

    einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses

    Aufraffen, welches sich in einem Angriff

    äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde

    durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung

    von Bialla um acht Geschütze und

    mehrere Munitionswagen ärmer, wenn

    auch vielleicht reicher an der Erkenntnis,

    daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit

    sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei

    Landwehrkompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,


     4. Seite, 3. Spalte: 

    zu Rückzug

    zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe,

    diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen

    von Eydtkuhnen müssen übrigens

    mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im

    Grenzkrieg gewonnen haben, denn am

    9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien

    und einige Geschütze stark, die

    3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht

    wurde, daß sie d i e s s e i t s der

    russischen Grenze nichts zu suchen habe.


    Österreichs energisches Verfahren mit

    Serben, Russen und Montenegrinern.


    Wie wollen nun betrachten, wie unser

    Bundesgenosse bis jetzt beschäftigt war.


     4. Seite, 4. Spalte 


    Nach dem Kriegsausbruch mit Rußland

    verschob sich natürlich für ihn das Hauptinteresse

    von Serbien nach Rußland, von

    der Donau nach Galizien. Die Serben

    können warten, denn sie sind

    keine ernste Gefahr für Österreich.

    Damit sie aber in Belgraf nicht ganz vergessen,

    daß sie sich im Kriege befinden,

    schickt man ihnen von Zeit zu Zeit einige

    Granaten zu und stört ihre Ruhe auch

    sonst durch kleinere Unternehmungen auf

    das serbische Ufer der Donau.

    An der Österreisch=russischen Grenze

    hielt man zunächst die augen offen und

    schoß nördlich Lemberg einen russischen

    Aeroplan herunter. - Am 7. August

    wurde es lebendig an der Grenze Mittelgaliziens.

    Unmittelbar nach dem Bekanntwerden

    der Kriegserklärung versuchten

    dort und auch an der ostgalizischen Grenze

    russische Kavallerieabteilungen Vorstöße

    zu machen. Die Österreicher schlugen

    aber nicht nur alle Angriffe ab, sondern

    stürmten selbst eine gut verschanzte Grenzpostenstellung

    bei Mohile. Feindliche

    Verstärkungen vermochten nichts auszurichten.

    Mittlerweile waren am 8. A u g u st

    die österreichischen Truppen bis Mijechow,

    30 Meilen nördlich von Krakau, vorgedrungen

    udn ergriffen von dort die Offensive

    mit einem schönen Vormarsch von 40 Kilometer.

    Auch die an der Weichsel






  • October 18, 2017 11:55:37 Dagmar Veigel


     4. Seite, 1. Spalte: 

    Es kam für die Russen auch noch ein

    anderer Faktor in Betracht, nämlich der,

    daß man in Polen die deutsche Kavallerie

    an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der

    Teufel soll Lust haben, in Feindesland

    einzureiten, wenn hinter ihm die eigene

    Landesbevölkerung aufzustehen beginnt!

    Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere,

    die nicht ganz an erfolgreichem

    Vordringen verzweifelten, wie

    einige am 5. A u g u st bei Schwiddern,

    östlich Johannisburg, und bei Grodtken,

    zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte

    Vorstöße zeigten, aber es scheinen

    nur noch schwache Stöße gewesen zu sein,

    denn die russische Kavalleriedivisionen

    sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder

    über die Grenze zurückgegangen. Sie

    liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur

    s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste

    ausgeschlossen waren. Daß die Gärung

    unter der polnischen Bevölkerung durch

    die Beweise der russischen Schlappheit

    nur geschürt werden konnte, lag auf der

    Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


     4. Seite, 2. Spalte: 

    sich schämen, sich so lange einem so schlappen

    Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls

    erfolgte am 5. August in Krakau ein

    Aufruf an polnische Männer und Frauen,

    den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten

    zu bereiten. - Die deutsche

    Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig,

    sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch

    dort unter dem Jubel der Bevölkerung

    einrückend. Der geringe Mut,

    den die Russen bisher noch gezeigt hatten,

    schien mittlerweile ganz ausgegangen zu

    sein. So zog sich am 6. A u g u st die

    3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten

    der Grenze südlich Eydtkuhnen

    sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien.

    In Russisch=Polen begannen aber

    die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe

    es keine russischen Kavalleriedividionen,

    die Wiederherstellung der von den Russen

    zerstörten Bahnstrecken. - Große Freude

    rief in Wien und Berlin die am 9. A u g u st

    einlaufende Nachricht hervor, daß die von

    Galizien aus energisch vorgedrungene österreichische

    Kavallerie mit den Grenztruppen

    des deutschen Heeres Fühlung gewonnen

    habe. Von jetzt an also gemeinsam

    weiter vor gegen den russischen Feind.

     - Kaum war diese frohe Kunde eingelaufen, als neue, gute Nachricht kam. Bei

    Bialla, östlich Johannisburg, scheint sich

    die russische Kavallerie am 9. August noch

    einmal aufgerafft zu haben. Aber dieses

    Aufraffen, welches sich in einem Angriff

    äußerte, bekam ihr schlecht. Sie wurde

    durch die Tapferkeit der Grenzschutzabteilung

    von Bialla um acht Geschütze und

    mehrere Munitionswagen ärmer, wenn

    auch vielleicht reicher an der Erkenntnis,

    daß diese ostpreußischen Jungen nicht mit

    sich spaßen lassen. Dies bewiesen auch drei

    Landwehrkompagnien, darunter eine Maschinengewehrkompagnie,

    zu Rückzug

    zwangen. Es sind verfluchte Dickköpfe,

    diese ostpreußischen Landwehrleute! - Die Grenzschutztruppen

    von Eydtkuhnen müssen übrigens

    mit der Zeit ein gut Teil Erfahrung im

    Grenzkrieg gewonnen haben, denn am

    9. A u  g u st fertigten sie wieder, 3 Kompagnien

    und einige Geschütze stark, die

    3. russische Kavalleriedivision, ab, der klargemacht

    wurde, daß sie d i e s s e i t s der

    russischen Grenze nichts zu suchen habe.



  • October 16, 2017 22:47:14 Dagmar Veigel


     4. Seite, 1. Spalte: 

    Es kam für die Russen auch noch ein

    anderer Faktor in Betracht, nämlich der,

    daß man in Polen die deutsche Kavallerie

    an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der

    Teufel soll Lust haben, in Feindesland

    einzureiten, wenn hinter ihm die eigene

    Landesbevölkerung aufzustehen beginnt!

    Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere,

    die nicht ganz an erfolgreichem

    Vordringen verzweifelten, wie

    einige am 5. A u g u st bei Schwiddern,

    östlich Johannisburg, und bei Grodtken,

    zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte

    Vorstöße zeigten, aber es scheinen

    nur noch schwache Stöße gewesen zu sein,

    denn die russische Kavalleriedivisionen

    sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder

    über die Grenze zurückgegangen. Sie

    liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur

    s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste

    ausgeschlossen waren. Daß die Gärung

    unter der polnischen Bevölkerung durch

    die Beweise der russischen Schlappheit

    nur geschürt werden konnte, lag auf der

    Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


     4. Seite, 2. Spalte: 

    sich schämen, sich so lange einem so schlappen

    Regiment gebeugt zu haben. Jedenfalls

    erfolgte am 5. August in Krakau ein

    Aufruf an polnische Männer und Frauen,

    den Russen alle nur denkbaren Schwierigkeiten

    zu bereiten. - Die deutsche

    Kavallerie blieb inzwischen nicht müßig,

    sondern drang am 5. A u g u st von Kalisch weiter vor bis Wielun, auch

    dort unter dem Jubel der Bevölkerung

    einrückend. Der geringe Mut,

    den die Russen bisher noch gezeigt hatten,

    schien mittlerweile ganz ausgegangen zu

    sein. So zog sich am 6. A u g u st die

    3. russische Kavalleriedivision nach Überschreiten

    der Grenze südlich Eydtkuhnen

    sofort zurück, als die deutsche Kavallerie erschien.

    In Russisch=Polen begannen aber

    die Deutschen in aller Ruhe, und als gäbe

    es keine russischen Kavalleriedividionen,

    die Wiederherstellung der von den Russen

    zerstörten Bahnstrecken.



  • October 16, 2017 22:39:29 Dagmar Veigel

    Es kam für die Russen auch noch ein

    anderer Faktor in Betracht, nämlich der,

    daß man in Polen die deutsche Kavallerie

    an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der

    Teufel soll Lust haben, in Feindesland

    einzureiten, wenn hinter ihm die eigene

    Landesbevölkerung aufzustehen beginnt!

    Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere,

    die nicht ganz an erfolgreichem

    Vordringen verzweifelten, wie

    einige am 5. A u g u st bei Schwiddern,

    östlich Johannisburg, und bei Grodtken,

    zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte

    Vorstöße zeigten, aber es scheinen

    nur noch schwache Stöße gewesen zu sein,

    denn die russische Kavalleriedivisionen

    sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder

    über die Grenze zurückgegangen. Sie

    liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur

    s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste

    ausgeschlossen waren. Daß die Gärung

    unter der polnischen Bevölkerung durch

    die Beweise der russischen Schlappheit

    nur geschürt werden konnte, lag auf der

    Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


  • October 16, 2017 22:36:03 Dagmar Veigel

    Es kam für die Russen auch noch ein

    anderer Faktor in Betracht, nämlich der,

    daß man in Polen die deutsche Kavallerie

    an allen Orten mit Jubel begrüßte. Der

    Teufel soll Lust haben, in Feindesland

    einzureiten, wenn hinter ihm die eigene

    Landesbevölkerung aufzustehen beginnt!

    Noch gab es allerdings russische Kavallerieoffiziere,

    die nicht ganz an erfolgreichem

    Vordringen verwzeifelten, wie

    einige am 5. A u g u st bei Schwiddern,

    östlich Johannisburg, und bei Grodtken,

    zwischen Lauenburg und Soldau, versuchte

    Vorstöße zeigten, aber es scheinen

    nur noch schwache Stöße gewesen zu sein,

    denn die russische Kavalleriedivisionen

    sind offenbar ohne ernsten Kampf wieder

    über die Grenze zurückgegangen. Sie

    liebten offenbar, wie der berühmte General

    Kuropatkin in der Mandschurei, nur

    s o l c h e Vorstöße, bei denen Verluste

    ausgeschlossen waren. Daß die Gärung

    unter der polnischen Bevölkerung durch

    die Beweise der russischen Schlappheit

    nur geschürt werden konnte, lag auf der

    Hand. Der Pole ist stolz, und er mochte


Description

Save description
  • 52.5201126||13.404510699999946||

    Berlin

    ||1
Location(s)
  • Story location Berlin
Login and add location


ID
19266 / 217778
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Marie-Luise Polirock
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


Aug, 1914
Login to edit the languages
  • Deutsch

Login to edit the fronts
  • Aerial Warfare
  • African Wars
  • Balkans
  • Eastern Front
  • Gallipoli Front
  • Italian Front
  • Middle East
  • Naval Warfare
  • Western Front

Login to add keywords
  • Kleiner Kreuzer S.M.S "Breslau"
  • Kreuzer S.M.S. "Goeben"
  • Polnische Jungschützen
  • Propaganda

  • www.marine.deOffizielle Seite der Marine, der Deutschen Bundeswehr.
Login and add links

Notes and questions

Login to leave a note