Tagebuch des Schülers Wilhelm Schenkel während des Krieges, item 35

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 [S.] 53 

und ehrenvolle Wunden haben unsere Schiffe
erhalten; auf dem Kampfplatz gelassen haben
wir nur die tapfere „Wiesbaden“, und auch sie
erst, als bei einem zweiten Vorstoß zu ihrer
Rettung unsere Spitze von der feindlichen Linie
umfasst zu werden drohte. In später Abendstunde
haben wir dann noch einmal das merkwürdige
Zischen und Heulen der englischen 38-Zentimetergranaten durch unsere Masten singen hören,
aber der Feind, der in einer dichten Wolkenwand
stand, nicht sehen und nicht beschießen können.
Nicht gerade ein angenehmes Gefühl.

Und dann kam die Nacht und

„Westfalen“ zog wieder ein anderes Kleid an.

denn nun galt es einem neuen Feind, der

sich im hellen Tageslicht nur selten ein aus

wagt, der sich aber im Dunkel der Nacht heranpirscht,

so heimlich und leise, daß nur geschulte

 [Seitenwechsel] [S.] 54 

Augen ihn entdecken können, um ihn rechtzeitig zu

vernichten. Die englischen Torpedoboote waren dieser

neue Feind, und „Westfalen“ hatte diesmal

das Glück, ihm am nächsten zu sein, jetzt nicht

mehr am Schluß, sondern als Spitzenschiff der

deutschen Flotte fahrend. Sechs mal in jenen

kurzen Nachtstunden hat der Feind sein Heil

an uns versucht, und sechs mal haben wir

ihm die Zähne eingeschlagen, daß er das Wiederkommen

vergaß.

Eine pechschwarze Nacht über dem Meer.

Mit den Fackeln brennender englischer Zerstörer

haben wir uns den Weg beleuchtet. – – – – –

Etwas merkwürdige um diese Stille und doch

zitternde Erwartung des Kampfes.

Totenstille auf der Brücke; nur hin und

wieder ein kurzes Wort, das Glas an den Augen,

 durch den fernen Hall einer Salve, das Auf-

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 [S.] 53 

und ehrenvolle Wunden haben unsere Schiffe
erhalten; auf dem Kampfplatz gelassen haben
wir nur die tapfere „Wiesbaden“, und auch sie
erst, als bei einem zweiten Vorstoß zu ihrer
Rettung unsere Spitze von der feindlichen Linie
umfasst zu werden drohte. In später Abendstunde
haben wir dann noch einmal das merkwürdige
Zischen und Heulen der englischen 38-Zentimetergranaten durch unsere Masten singen hören,
aber der Feind, der in einer dichten Wolkenwand
stand, nicht sehen und nicht beschießen können.
Nicht gerade ein angenehmes Gefühl.

Und dann kam die Nacht und

„Westfalen“ zog wieder ein anderes Kleid an.

denn nun galt es einem neuen Feind, der

sich im hellen Tageslicht nur selten ein aus

wagt, der sich aber im Dunkel der Nacht heranpirscht,

so heimlich und leise, daß nur geschulte

 [Seitenwechsel] [S.] 54 

Augen ihn entdecken können, um ihn rechtzeitig zu

vernichten. Die englischen Torpedoboote waren dieser

neue Feind, und „Westfalen“ hatte diesmal

das Glück, ihm am nächsten zu sein, jetzt nicht

mehr am Schluß, sondern als Spitzenschiff der

deutschen Flotte fahrend. Sechs mal in jenen

kurzen Nachtstunden hat der Feind sein Heil

an uns versucht, und sechs mal haben wir

ihm die Zähne eingeschlagen, daß er das Wiederkommen

vergaß.

Eine pechschwarze Nacht über dem Meer.

Mit den Fackeln brennender englischer Zerstörer

haben wir uns den Weg beleuchtet. – – – – –

Etwas merkwürdige um diese Stille und doch

zitternde Erwartung des Kampfes.

Totenstille auf der Brücke; nur hin und

wieder ein kurzes Wort, das Glas an den Augen,

 durch den fernen Hall einer Salve, das Auf-


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  • July 30, 2018 14:17:22 Kristina Krämer

     [S.] 53 

    und ehrenvolle Wunden haben unsere Schiffe
    erhalten; auf dem Kampfplatz gelassen haben
    wir nur die tapfere „Wiesbaden“, und auch sie
    erst, als bei einem zweiten Vorstoß zu ihrer
    Rettung unsere Spitze von der feindlichen Linie
    umfasst zu werden drohte. In später Abendstunde
    haben wir dann noch einmal das merkwürdige
    Zischen und Heulen der englischen 38-Zentimetergranaten durch unsere Masten singen hören,
    aber der Feind, der in einer dichten Wolkenwand
    stand, nicht sehen und nicht beschießen können.
    Nicht gerade ein angenehmes Gefühl.

    Und dann kam die Nacht und

    „Westfalen“ zog wieder ein anderes Kleid an.

    denn nun galt es einem neuen Feind, der

    sich im hellen Tageslicht nur selten ein aus

    wagt, der sich aber im Dunkel der Nacht heranpirscht,

    so heimlich und leise, daß nur geschulte

     [Seitenwechsel] [S.] 54 

    Augen ihn entdecken können, um ihn rechtzeitig zu

    vernichten. Die englischen Torpedoboote waren dieser

    neue Feind, und „Westfalen“ hatte diesmal

    das Glück, ihm am nächsten zu sein, jetzt nicht

    mehr am Schluß, sondern als Spitzenschiff der

    deutschen Flotte fahrend. Sechs mal in jenen

    kurzen Nachtstunden hat der Feind sein Heil

    an uns versucht, und sechs mal haben wir

    ihm die Zähne eingeschlagen, daß er das Wiederkommen

    vergaß.

    Eine pechschwarze Nacht über dem Meer.

    Mit den Fackeln brennender englischer Zerstörer

    haben wir uns den Weg beleuchtet. – – – – –

    Etwas merkwürdige um diese Stille und doch

    zitternde Erwartung des Kampfes.

    Totenstille auf der Brücke; nur hin und

    wieder ein kurzes Wort, das Glas an den Augen,

     durch den fernen Hall einer Salve, das Auf-


  • July 30, 2018 14:12:35 Kristina Krämer

    und ehrenvolle Wunden haben unsere Schiffe
    erhalten; auf dem Kampfplatz gelassen haben
    wir nur die tapfere „Wiesbaden“, und auch sie
    erst, als bei einem zweiten Vorstoß zu ihrer
    Rettung unsere Spitze von der feindlichen Linie
    umfasst zu werden drohte. In später Abendstunde
    haben wir dann noch einmal das merkwürdige
    Zischen und Heulen der englischen 38-Zentimetergranaten durch unsere Masten singen hören,
    aber der Feind, der in einer dichten Wolkenwand
    stand, nicht sehen und nicht beschießen können.
    Nicht gerade ein angenehmes Gefühl.

    Und dann kam die Nacht und

    „Westfalen“ zog wieder ein anderes Kleid an.

    denn nun galt es einem neuen Feind, der

    sich im hellen Tageslicht nur selten ein aus

    wagt, der sich aber im Dunkel der Nacht heranpirscht,

    so heimlich und leise, daß nur geschulte

    Augen ihn entdecken können, um ihn rechtzeitig zu

    vernichten. Die englischen Torpedoboote waren dieser

    neue Feind, und „Westfalen“ hatte diesmal

    das Glück, ihm am nächsten zu sein, jetzt nicht

    mehr am Schluß, sondern als Spitzenschiff der

    deutschen Flotte fahrend. Sechs mal in jenen

    kurzen Nachtstunden hat der Feind sein Heil

    an uns versucht, und sechs mal haben wir

    ihm die Zähne eingeschlagen, daß er das Wiederkommen

    vergaß.

    Eine pechschwarze Nacht über dem Meer.

    Mit den Fackeln brennender englischer Zerstörer

    haben wir uns den Weg beleuchtet. – – – – –

    Etwas merkwürdige um diese Stille und doch

    zitternde Erwartung des Kampfes.

    Totenstille auf der Brücke; nur hin und

    wieder ein kurzes Wort, das Glas an den Augen,

     durch den fernen Hall einer Salve, das Auf-


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Wilhelm Schenkel
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http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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