Tagebuch des Schülers Wilhelm Schenkel während des Krieges, item 25
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Zeitungsausschnitt - Fortsetzung
Natürlich werden den Helden zur See dabei auch einige
Kränze überreicht.
Es lag ja auf der Hand, daß die westfälischen Mäd-
chen in ihrer Verehrung für unser Marine den Knaben
nicht nachstehen wollten. Konnten sie sich auch nicht an
der Fahrt beteiligen, so wollten sie doch wenigstens an
der Huldigung teilnehmen. An der Sammlung für die
Liebesgaben beteiligten sich die Mädchen Hamms und
Soest sehr lebhaft. Die Schülerinnen des städischen
Lyceums in Hamm brachten rund 147 Mark, die des
städtischen Lyceums in Soest 62 Mark auf. Außerdem
stifteten die letzteren noch einen Lorbeerkranz.
Nun wollten sie aber auch einen poetischen Gruß den
Schülern mitgeben. Diese sollten den Blaujacken die
Verehrung westfälischer Jungmädel übermitteln. Haupt-
schriftleiter Lindemann verfaßte auf ihren Wunsch folgen-
den Gruß westfälischer Mädchen an die Besatzung
S. M. S. "Westfalen":
Die Jungen fahren zum Nordseestrand,
Es strahlt eines jeden Miene,
So fährt das junge Westfalenland
Als Gast zur deutschen Marine.
Es grüßt die Mannschaft, den Kapitän.
Und freut sich am Meeresgebrause,
So etwas möchten wir auch gern seh'n,
Doch bleiben wir leider zu Hause.
Nun, bleiben wir auch im Heimatland
Und sind zum Entsagen gezwungen,
Das Mädchenherz schlägt unverwandt
Für euch, ihr blauen Jungen!
Wie ihr gejagt habt das Britenpack
und in den Grund es geschossen,
Da haben die Helden vom Skagerrak
In unser Herz wir geschlossen!
Ei, wie der Brite die Flucht ergriff,
Um Fersengeld zu bezahlen!
Und allen voran unser Patenschiff:
Seiner Majestät Schiff "Westfalen"!
Nun jährt sich gerade der Siegestag,
Laßt uns aus dem Munde der Knaben
Euch sagen, daß Mädel, Westfälinger Schlag,
Euch immer bewundert haben.
Ihr Jungen ruft, daß vom Heck bis zur Back
Von jedem verstanden es werde:
Es lieben die Helden vom Skagerrak
Die Mädchen der roten Erde!
So ziehen nun die Knaben hinaus, reich bepackt mit
Gaben und Wünschen aller Art.
Geben wir neben den Wünschen nach gutem Verlauf
der Fahrt auch die Grüße der schönen westfälischen Heimat
an unsere tapfere Flotte und insbesondere an unser
lorbeergeschmücktes Patenschiff mit. Heimatgrüße mit
dem Wunsche: Möge ein siegreicher Frieden auch bald
unseren Helden zur See beschieden sein! (:)
rechte Seite
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Handschriftlich
Montag 28. V. 17.
Hurra, bald geht's los; alles bereitet
sich vor und ist in fieberhafter Unruhe.
Zeitungsausschnitt:
Nordsee- und Flottenfahrt west-
fälischer Schüler 1917.
Mittwoch, den 30. Mai 1917.
"Wilhelmshaven! Alles aussteigen!" Wie sehnsüchtig
war dieser Ruf erwartet worden. Schon in Sanda waren
alle Rucksäcke aufgeschnallt worden, und man stand in
spannender Erwartung und schaute aus den Fenstern nach
Wilhelmshaven herüber, wo hohe Masten und die Riesen-
schornsteine der Schlachtschiffe die Nähe des Wassers ver-
rieten. Nun endlich ist man am Ziel, und fröhlich springen
die Jungen auf den Bahnsteig. In stolzem Bewußtsein,
Inhaber zweiter großer Festungspassierscheine und noch vieler
anderer Schriftstücke zu sein, ging ich auf die Sperre zu.
Ueberall Marineposten, königliche Polizisten, die mit Argus-
augen den sehr schmalen Durchlaß bewachen. "Halt! -
Hier ist uns noch nichts gemeldet." Mißtrauisch sah mich
ein Deckoffizier an und versperrte mir den Durchgang, und
hinter ihm legte sich eine Kette über den Weg. Das schien
ja gut zu werden. Mit großer Freude begrüßten wir daher
das Eintreffen des Herrn Kapitänleutnants Brunswig
(S. M. S. "Westfalen"). Das schien auch wenig zu helfen,
ebenso meine Passierscheine, die ich in der Kartentasche hatte.
"Da fehlt ja die Unterschrift." Der Passierschein hatte sich
in der Tasche ein wenig geknickt, so daß die Unterschrift
unsichtbar war. Ich zog also die Scheine heraus und über-
gab sie dem Deckoffizier. - - - Pause .... "Alles in
Ordnung. Danke sehr. Passieren!" Die Posten treten
zur Seite, die Kette fällt, und nun strömen die Scharen
auf den Bahnhofsvorplatz. Jetzt hatte man erst Gelegen-
heit, Herrn Kapitänleutnant Brunswig, der uns im Namen
S. M. S. "Westfalen" empfing, zu begrüßen. Auch unser
verehrter "Westfahlenpfarrer", Pastor Tönnießen-Rüstringen,
fehlte nicht, und so feierten wir gleich ein fröhliches Wieder-
sehen. Noch ein anderer Gast hatte sich eingefunden: Jochen
Eberins, der Sohn des Kommandanten S. M. S. "West-
falen", der die Westfalenjugend auch einmal sehen wollte
und uns nachher durch sein possierliches Wesen viel Ver-
gnügen machte. Vor dem Bahnhofsportal stand die große
Matrosen-Artilleriekapelle, die sich an die Spitze stellte.
Noch war es keine Zeit zum Abmarsch. Hier begrüßte
ein Vater seinen Sohn, dort die Großmutter den Enkel,
die Schwester den Bruder, das war ein fröhliches Erzählen
und Fragen. Aber die Zeit drängt, da hilft alles nichts.
Bei einer Flottenfahrt muß alles genau nach der Uhr gehen.
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Natürlich werden den Helden zur See dabei auch einige Kränze überreicht.
Es lag ja auf der Hand, daß die westfälischen Mädchen in ihrer Verehrung für unser Marine den Knaben nicht nachstehen wollten. Konnten sie sich auch nicht an der Fahrt beteiligen, so wollten sie doch wenigstens an der Huldigung teilnehmen. An der Sammlung für die Liebesgaben beteiligten sich die Mädchen Hamms und Soest sehr lebhaft. Die Schülerinnen des städischen Lyceums in Hamm brachten rund 147 Mark, die des städtischen Lyceum in Soest 62 Mark auf. Außerdem stifteten die letzteren noch einen Lorbeerkranz.
Nun wollten sie aber auch einen poetischen Gruß den Schülern mitgeben. Diese sollten den Blaujacken die Verehrung westfälischer Jungmädel übermitteln. Hauptschriftleiter Lindemann verfaßte auf ihren Wunsch folgenden Gruß westfälischer Mädchen an die Besatzung S.M.S. "Westfalen":
Die Jungen fahren zum Nordseestrand.
Es strahlte eines jeden Miene.
So fährt das junge Westfalenland.
Als Gast zur deutschen Marine.
Es grüßt die Mannschaft den Kapitän.
Und freut sich am Meeresgebrause.
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Natürlich werden den Helden zur See dabei auch einige Kränze überreicht.
Es lag ja auf der Hand, daß die westfälischen Mädchen in ihrer Verehrung für unser Marine den Knaben nicht nachstehen wollten. Konnten sie sich auch nicht an der Fahrt beteiligen, so wollten sie doch wenigstens an der Huldigung teilnehmen. An der Sammlung für die Liebesgaben beteiligten sich die Mädchen Hamms und Soest sehr lebhaft. Die Schülerinnen des städischen Lyceums in Hamm brachten rund 147 Mark, die des städtischen Lyceum in Soest 62 Mark auf. Außerdem stifteten die letzteren noch einen Lorbeerkranz.
Nun wollten sie aber auch einen poetischen Gruß den Schülern mitgeben. Diese sollten den Blaujacken die Verehrung westfälischer Jungmädel übermitteln. Hauptschriftleiter Lindemann verfaßte auf ihren Wunsch folgenden Gruß westfälischer Mädchen an die Besatzung S.M.S. "Westfalen":
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Natürlich werden den Helden zur See dabei auch einige Kränze überreicht.
Es lag ja auf der Hand, daß die westfälischen Mädchen in ihrer Verehrung für unser Marine den Knaben nicht nachstehen wollten. Konnten sie sich auch nicht an der Fahrt beteiligen, so wollten sie doch wenigstens an der Huldigung teilnehmen. An der Sammlung für die Liebesgaben beteiligten sich die Mädchen Hamms und Soest sehr lebhaft. Die Schülerinnen des städischen Lyceums in Hamm brachten rund 147 Mark, die des städtischen Lyceum in Soest 62 Mark auf. Außerdem stifteten die letzteren noch einen Lorbeerkranz.
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