Tagebuch des Schülers Wilhelm Schenkel während des Krieges, item 27

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 Linke Seite 

 Handschriftlich 

37

 Eingeklebt 


braucht noch nicht einmal dabei zu sein, und wenn man nach

Ablegung des eigenen Gepäcks die Gruppen antreten lassen

will, und die anderen Herren Führer auch Amtsmienen aufsetzen

wollen, wird einem lächelnd eröffnet, daß die Jungen

bereits die "zweite Lage Erbsensuppe binnen" und schon

als zweiten Gang Brot und Braunschweiger Mettwurst

empfangen hätten. Es geht also auch ohne uns! Der Gedanke

wäre mir vorher gar nicht aufgekommen.


Gbl. missingmissingmissing, daß die Jungen ihr schmackhaftes

Abendessen etwa an Tischen genossen hätten. So etwas

hatte man auch zuhause, und darum schlich man mit

seiner Beute in irgendeinen  poesievollen  Winkel des Forts,

in die Geschützstellungen, auf den Beobachtungshügel

oder an die Böschungen, setzte sich behaglich in das Gras und

begann zu löffeln. Manche bewiesen darin eine außergewöhnliche

Ausdauer.

   Irgendeiner hatte einen gutmütigen Matrosen ausfindig

gemacht, der sich bereit erklärte, mit einigen Kameraden

die Jungen durch die Wasseranlagen zu rudern. Bald

herrschte auf den Wassern ein reger Verkehr, und das

fröhliche Singen und Rufen drang bis in die Offiziersmesse,

wo es sich die Führer behaglich machten.

Der Abend verlief recht gemütlich. Wir standen noch

lange auf dem Geschützstand und sahen in die Ferne, wo

ein Blinkfeuer seine Signale gab. Die Spannung auf den

nächsten Tag, als dem Hauptereignis der Fahrt, war groß.

Um 10 Uhr gellten die Trommeln durch die Kasematten,

und bald lagen die Jungen zu 30 Mann in ihren Räumen,

um neue Kräfte für den folgenden Tag zu sammeln. An

sofortigen Schlaf war natürlich nicht zu denken. Die neue

Umgebung, die vielen Zimmergenossen: das alles trug dazu

bei, die Gemüter wach zu halten. Außerdem hatte jedes

Zimmer seinen Kobold, der natürlich stets schlief, wenn

die wachthabende Patrouille erschien.

Donnerstag, den 31. Mai 1917

Der Ehrentag der westfälischen Jugend.

    Schon um 5½ Uhr rasselten die Trommeln. Schnell

wurde Kaffee getrunken, und bald standen die Jungen

marschbereit. Der Tag war angebrochen, der uns so

Großes bringen sollte.

Fliegeralarm.

    Um 7 Uhr bat mich Leutnant v. Eiden, die Jungen

zur  B.=A.=K.= Batterie (Ballonabwehrkanonen) zu führen.


Die Gruppen wurden auf die einzelnen Geschütze verteilt,

doch mußten die Stände und die Zugangswege frei bleiben.

    Es ist 7,10. Plötzlich klingelt unten im Innern des

Forts die Alarmglocke, gleichzeitig tönt oben auf den

Geschützständen die große Stahlschiene.- Und nun kommt

es herangebraust: aus allen Oeffnungen des Forts stürzen

die Matrosen an die Batterien, im Nu sind die Hüllen

heruntergerissen, die Mündungsdeckel entfernt. Kommandos

hallen von Geschütz zu Geschütz, werden wiederholt und wie

ein Blitz ausgeführt, die Rohre fliegen herum und richten


 rechte Seite 

 handschriftlich 

38


 eingeklebt 

sich zum Himmel. Zahlen auf Zahlen werden ausgerufen:

Höhenangabe, Seitenrichtung. Immer wieder ändern die

Rohre die Richtung, fliegen hin und her, als gelte esm

einen Flieger herunterzuholen ...."Schuß!!...."

   7,15 ist die ganze Uebung beendet. Hei, was haben da

die Jungen die Augen aufgerissen! Das war etwas für

sie. So mußte der Tag anfangen!

---------------

Fröhlich wanderten wir zum Hafen. Stagerraktag.

Unterwegs begegneten uns zahlreiche Abordnungen der einzelnen

Schiffe, die zum Marinefriedhof marschierten, wo

die große Feier der ganzen Flotte stattfinden sollte.

    Punkt 8.15 langten wir an der Rüstringer Brücke an,

kurze Zeit darauf auch der 2. Zug (Soest). Die Führung

übernahm nun wiederum Kapitänleutnant Brunswig.

   Und jetzt kam der erste gropße Augenblick: vor uns lag

der Hafen mit seinen zahllosen Schiffen. Wir marschierten

über die Brücke zur Torpedowerft. Hier lagen sie nun, die

schwarzen Husaren des Meeres, die großen Hochseetorpedoboote.

Dicker Qualm quoll aus den gedrungenen Schornsteinen.

"Hier, dieses fährt gleich aus!" Daneben lagen

mehrere andere, die gerade eingelaufen waren. Die Jungen

waren begeistert. Rechts von uns dröhnte es in den Riesenwerkstätten,

vom Hafen aus heulte die Dampfsirene, große

Riesenkräne bewegten hunderte von Zentnern wie ein

Spielzeug voran. Das war ein Kettenrasseln und Hämmern.

Überall wurden Schiffe klargemacht. Wie eine

Kompanie ausgerichtet lagen Torpedoboote neben Torpedobooten

und dahinter ...., von der Spitze kommt ein Jubelruf:

"Die U=Boote!!"....

Im U=Boot.


Man kann sich in der Heimat nicht vorstelllen, welche

Gefühle den Menschen bewegen, wenn er zum ersten Male

ein U=Boot sieht, und dazu noch mitten im Weltkriege.

Ehrfurcht verbindet sich mit Bewunderung. Das war also

Deutschlands jüngste und schneidigste Waffe. So groß und

wuchtig hätte man sie sich doch nicht vorgestellt.

  Die Jungen stürmten gleich an die Anlegestellen, und im

Augenblick war das Deck erklettert, auf dem zwei mächtige

Geschütze ihre Mündungen in die Luft streckten. Ein

junger Seeoffizier trat auf uns zu: "Dürfte ich Ihnen

einmal mein U=Boot zeigen? Wir sind gerade gestern

heimgekehrt...."  In schlichter Weise erzählte er uns,

daß er 25000 Tonnen versenkt, neun Offiziere und einen

Kapitän mitgebracht und dann auch eine U=Bootfalle nach

hartem Kampf versenkt hätte. Wir haben ihm herzlich die

Hand geschüttelt und zu seinem Erfolge beglückwünscht.

Er zeigte uns die Außentanks, ließ das Sehrohr ausfahren

und bat uns dann, auf den Turm zu kommen. Das

ließen wir uns nicht zweimal sagen. Da stand man nun

auf dem engen Turm, der kaum Platz für zwei Personen

bot, und unter uns lag das U=Boot.

    Währenddessen waren noch andere U=Bootoffiziere erschienen:

"kommt mal, her Jungens, ich will Euch mein


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 Eingeklebt 


braucht noch nicht einmal dabei zu sein, und wenn man nach

Ablegung des eigenen Gepäcks die Gruppen antreten lassen

will, und die anderen Herren Führer auch Amtsmienen aufsetzen

wollen, wird einem lächelnd eröffnet, daß die Jungen

bereits die "zweite Lage Erbsensuppe binnen" und schon

als zweiten Gang Brot und Braunschweiger Mettwurst

empfangen hätten. Es geht also auch ohne uns! Der Gedanke

wäre mir vorher gar nicht aufgekommen.


Gbl. missingmissingmissing, daß die Jungen ihr schmackhaftes

Abendessen etwa an Tischen genossen hätten. So etwas

hatte man auch zuhause, und darum schlich man mit

seiner Beute in irgendeinen  poesievollen  Winkel des Forts,

in die Geschützstellungen, auf den Beobachtungshügel

oder an die Böschungen, setzte sich behaglich in das Gras und

begann zu löffeln. Manche bewiesen darin eine außergewöhnliche

Ausdauer.

   Irgendeiner hatte einen gutmütigen Matrosen ausfindig

gemacht, der sich bereit erklärte, mit einigen Kameraden

die Jungen durch die Wasseranlagen zu rudern. Bald

herrschte auf den Wassern ein reger Verkehr, und das

fröhliche Singen und Rufen drang bis in die Offiziersmesse,

wo es sich die Führer behaglich machten.

Der Abend verlief recht gemütlich. Wir standen noch

lange auf dem Geschützstand und sahen in die Ferne, wo

ein Blinkfeuer seine Signale gab. Die Spannung auf den

nächsten Tag, als dem Hauptereignis der Fahrt, war groß.

Um 10 Uhr gellten die Trommeln durch die Kasematten,

und bald lagen die Jungen zu 30 Mann in ihren Räumen,

um neue Kräfte für den folgenden Tag zu sammeln. An

sofortigen Schlaf war natürlich nicht zu denken. Die neue

Umgebung, die vielen Zimmergenossen: das alles trug dazu

bei, die Gemüter wach zu halten. Außerdem hatte jedes

Zimmer seinen Kobold, der natürlich stets schlief, wenn

die wachthabende Patrouille erschien.

Donnerstag, den 31. Mai 1917

Der Ehrentag der westfälischen Jugend.

    Schon um 5½ Uhr rasselten die Trommeln. Schnell

wurde Kaffee getrunken, und bald standen die Jungen

marschbereit. Der Tag war angebrochen, der uns so

Großes bringen sollte.

Fliegeralarm.

    Um 7 Uhr bat mich Leutnant v. Eiden, die Jungen

zur  B.=A.=K.= Batterie (Ballonabwehrkanonen) zu führen.


Die Gruppen wurden auf die einzelnen Geschütze verteilt,

doch mußten die Stände und die Zugangswege frei bleiben.

    Es ist 7,10. Plötzlich klingelt unten im Innern des

Forts die Alarmglocke, gleichzeitig tönt oben auf den

Geschützständen die große Stahlschiene.- Und nun kommt

es herangebraust: aus allen Oeffnungen des Forts stürzen

die Matrosen an die Batterien, im Nu sind die Hüllen

heruntergerissen, die Mündungsdeckel entfernt. Kommandos

hallen von Geschütz zu Geschütz, werden wiederholt und wie

ein Blitz ausgeführt, die Rohre fliegen herum und richten


 rechte Seite 

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 eingeklebt 

sich zum Himmel. Zahlen auf Zahlen werden ausgerufen:

Höhenangabe, Seitenrichtung. Immer wieder ändern die

Rohre die Richtung, fliegen hin und her, als gelte esm

einen Flieger herunterzuholen ...."Schuß!!...."

   7,15 ist die ganze Uebung beendet. Hei, was haben da

die Jungen die Augen aufgerissen! Das war etwas für

sie. So mußte der Tag anfangen!

---------------

Fröhlich wanderten wir zum Hafen. Stagerraktag.

Unterwegs begegneten uns zahlreiche Abordnungen der einzelnen

Schiffe, die zum Marinefriedhof marschierten, wo

die große Feier der ganzen Flotte stattfinden sollte.

    Punkt 8.15 langten wir an der Rüstringer Brücke an,

kurze Zeit darauf auch der 2. Zug (Soest). Die Führung

übernahm nun wiederum Kapitänleutnant Brunswig.

   Und jetzt kam der erste gropße Augenblick: vor uns lag

der Hafen mit seinen zahllosen Schiffen. Wir marschierten

über die Brücke zur Torpedowerft. Hier lagen sie nun, die

schwarzen Husaren des Meeres, die großen Hochseetorpedoboote.

Dicker Qualm quoll aus den gedrungenen Schornsteinen.

"Hier, dieses fährt gleich aus!" Daneben lagen

mehrere andere, die gerade eingelaufen waren. Die Jungen

waren begeistert. Rechts von uns dröhnte es in den Riesenwerkstätten,

vom Hafen aus heulte die Dampfsirene, große

Riesenkräne bewegten hunderte von Zentnern wie ein

Spielzeug voran. Das war ein Kettenrasseln und Hämmern.

Überall wurden Schiffe klargemacht. Wie eine

Kompanie ausgerichtet lagen Torpedoboote neben Torpedobooten

und dahinter ...., von der Spitze kommt ein Jubelruf:

"Die U=Boote!!"....

Im U=Boot.


Man kann sich in der Heimat nicht vorstelllen, welche

Gefühle den Menschen bewegen, wenn er zum ersten Male

ein U=Boot sieht, und dazu noch mitten im Weltkriege.

Ehrfurcht verbindet sich mit Bewunderung. Das war also

Deutschlands jüngste und schneidigste Waffe. So groß und

wuchtig hätte man sie sich doch nicht vorgestellt.

  Die Jungen stürmten gleich an die Anlegestellen, und im

Augenblick war das Deck erklettert, auf dem zwei mächtige

Geschütze ihre Mündungen in die Luft streckten. Ein

junger Seeoffizier trat auf uns zu: "Dürfte ich Ihnen

einmal mein U=Boot zeigen? Wir sind gerade gestern

heimgekehrt...."  In schlichter Weise erzählte er uns,

daß er 25000 Tonnen versenkt, neun Offiziere und einen

Kapitän mitgebracht und dann auch eine U=Bootfalle nach

hartem Kampf versenkt hätte. Wir haben ihm herzlich die

Hand geschüttelt und zu seinem Erfolge beglückwünscht.

Er zeigte uns die Außentanks, ließ das Sehrohr ausfahren

und bat uns dann, auf den Turm zu kommen. Das

ließen wir uns nicht zweimal sagen. Da stand man nun

auf dem engen Turm, der kaum Platz für zwei Personen

bot, und unter uns lag das U=Boot.

    Währenddessen waren noch andere U=Bootoffiziere erschienen:

"kommt mal, her Jungens, ich will Euch mein



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  • February 20, 2018 18:14:04 Udo Bahl

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    braucht noch nicht einmal dabei zu sein, und wenn man nach

    Ablegung des eigenen Gepäcks die Gruppen antreten lassen

    will, und die anderen Herren Führer auch Amtsmienen aufsetzen

    wollen, wird einem lächelnd eröffnet, daß die Jungen

    bereits die "zweite Lage Erbsensuppe binnen" und schon

    als zweiten Gang Brot und Braunschweiger Mettwurst

    empfangen hätten. Es geht also auch ohne uns! Der Gedanke

    wäre mir vorher gar nicht aufgekommen.


    Gbl. missingmissingmissing, daß die Jungen ihr schmackhaftes

    Abendessen etwa an Tischen genossen hätten. So etwas

    hatte man auch zuhause, und darum schlich man mit

    seiner Beute in irgendeinen  poesievollen  Winkel des Forts,

    in die Geschützstellungen, auf den Beobachtungshügel

    oder an die Böschungen, setzte sich behaglich in das Gras und

    begann zu löffeln. Manche bewiesen darin eine außergewöhnliche

    Ausdauer.

       Irgendeiner hatte einen gutmütigen Matrosen ausfindig

    gemacht, der sich bereit erklärte, mit einigen Kameraden

    die Jungen durch die Wasseranlagen zu rudern. Bald

    herrschte auf den Wassern ein reger Verkehr, und das

    fröhliche Singen und Rufen drang bis in die Offiziersmesse,

    wo es sich die Führer behaglich machten.

    Der Abend verlief recht gemütlich. Wir standen noch

    lange auf dem Geschützstand und sahen in die Ferne, wo

    ein Blinkfeuer seine Signale gab. Die Spannung auf den

    nächsten Tag, als dem Hauptereignis der Fahrt, war groß.

    Um 10 Uhr gellten die Trommeln durch die Kasematten,

    und bald lagen die Jungen zu 30 Mann in ihren Räumen,

    um neue Kräfte für den folgenden Tag zu sammeln. An

    sofortigen Schlaf war natürlich nicht zu denken. Die neue

    Umgebung, die vielen Zimmergenossen: das alles trug dazu

    bei, die Gemüter wach zu halten. Außerdem hatte jedes

    Zimmer seinen Kobold, der natürlich stets schlief, wenn

    die wachthabende Patrouille erschien.

    Donnerstag, den 31. Mai 1917

    Der Ehrentag der westfälischen Jugend.

        Schon um 5½ Uhr rasselten die Trommeln. Schnell

    wurde Kaffee getrunken, und bald standen die Jungen

    marschbereit. Der Tag war angebrochen, der uns so

    Großes bringen sollte.

    Fliegeralarm.

        Um 7 Uhr bat mich Leutnant v. Eiden, die Jungen

    zur  B.=A.=K.= Batterie (Ballonabwehrkanonen) zu führen.


    Die Gruppen wurden auf die einzelnen Geschütze verteilt,

    doch mußten die Stände und die Zugangswege frei bleiben.

        Es ist 7,10. Plötzlich klingelt unten im Innern des

    Forts die Alarmglocke, gleichzeitig tönt oben auf den

    Geschützständen die große Stahlschiene.- Und nun kommt

    es herangebraust: aus allen Oeffnungen des Forts stürzen

    die Matrosen an die Batterien, im Nu sind die Hüllen

    heruntergerissen, die Mündungsdeckel entfernt. Kommandos

    hallen von Geschütz zu Geschütz, werden wiederholt und wie

    ein Blitz ausgeführt, die Rohre fliegen herum und richten


     rechte Seite 

     handschriftlich 

    38


     eingeklebt 

    sich zum Himmel. Zahlen auf Zahlen werden ausgerufen:

    Höhenangabe, Seitenrichtung. Immer wieder ändern die

    Rohre die Richtung, fliegen hin und her, als gelte esm

    einen Flieger herunterzuholen ...."Schuß!!...."

       7,15 ist die ganze Uebung beendet. Hei, was haben da

    die Jungen die Augen aufgerissen! Das war etwas für

    sie. So mußte der Tag anfangen!

    ---------------

    Fröhlich wanderten wir zum Hafen. Stagerraktag.

    Unterwegs begegneten uns zahlreiche Abordnungen der einzelnen

    Schiffe, die zum Marinefriedhof marschierten, wo

    die große Feier der ganzen Flotte stattfinden sollte.

        Punkt 8.15 langten wir an der Rüstringer Brücke an,

    kurze Zeit darauf auch der 2. Zug (Soest). Die Führung

    übernahm nun wiederum Kapitänleutnant Brunswig.

       Und jetzt kam der erste gropße Augenblick: vor uns lag

    der Hafen mit seinen zahllosen Schiffen. Wir marschierten

    über die Brücke zur Torpedowerft. Hier lagen sie nun, die

    schwarzen Husaren des Meeres, die großen Hochseetorpedoboote.

    Dicker Qualm quoll aus den gedrungenen Schornsteinen.

    "Hier, dieses fährt gleich aus!" Daneben lagen

    mehrere andere, die gerade eingelaufen waren. Die Jungen

    waren begeistert. Rechts von uns dröhnte es in den Riesenwerkstätten,

    vom Hafen aus heulte die Dampfsirene, große

    Riesenkräne bewegten hunderte von Zentnern wie ein

    Spielzeug voran. Das war ein Kettenrasseln und Hämmern.

    Überall wurden Schiffe klargemacht. Wie eine

    Kompanie ausgerichtet lagen Torpedoboote neben Torpedobooten

    und dahinter ...., von der Spitze kommt ein Jubelruf:

    "Die U=Boote!!"....

    Im U=Boot.


    Man kann sich in der Heimat nicht vorstelllen, welche

    Gefühle den Menschen bewegen, wenn er zum ersten Male

    ein U=Boot sieht, und dazu noch mitten im Weltkriege.

    Ehrfurcht verbindet sich mit Bewunderung. Das war also

    Deutschlands jüngste und schneidigste Waffe. So groß und

    wuchtig hätte man sie sich doch nicht vorgestellt.

      Die Jungen stürmten gleich an die Anlegestellen, und im

    Augenblick war das Deck erklettert, auf dem zwei mächtige

    Geschütze ihre Mündungen in die Luft streckten. Ein

    junger Seeoffizier trat auf uns zu: "Dürfte ich Ihnen

    einmal mein U=Boot zeigen? Wir sind gerade gestern

    heimgekehrt...."  In schlichter Weise erzählte er uns,

    daß er 25000 Tonnen versenkt, neun Offiziere und einen

    Kapitän mitgebracht und dann auch eine U=Bootfalle nach

    hartem Kampf versenkt hätte. Wir haben ihm herzlich die

    Hand geschüttelt und zu seinem Erfolge beglückwünscht.

    Er zeigte uns die Außentanks, ließ das Sehrohr ausfahren

    und bat uns dann, auf den Turm zu kommen. Das

    ließen wir uns nicht zweimal sagen. Da stand man nun

    auf dem engen Turm, der kaum Platz für zwei Personen

    bot, und unter uns lag das U=Boot.

        Währenddessen waren noch andere U=Bootoffiziere erschienen:

    "kommt mal, her Jungens, ich will Euch mein



  • February 12, 2018 10:49:59 Udo Bahl

     Linke Seite 

     Handschriftlich 

    37

     Eingeklebt 


    braucht noch nicht einmal dabei zu sein, und wenn man nach

    Ablegung des eigenen Gepäcks die Gruppen antreten lassen

    will, und die anderen Herren Führer auch Amtsmienen aufsetzen

    wollen, wird einem lächelnd eröffnet, daß die Jungen

    bereits die "zweite Lage Erbsensuppe binnen" und schon

    als zweiten Gang Brot und Braunschweiger Mettwurst

    empfangen hätten. Es geht also auch ohne uns! Der Gedanke

    wäre mir vorher gar nicht aufgekommen.


    Gbl. missingmissingmissing, daß die Jungen ihr schmackhaftes

    Abendessen etwa an Tischen genossen hätten. So etwas

    hatte man auch zuhause, und darum schlich man mit

    seiner Beute in irgendeinen  poesievollen  Winkel des Forts,

    in die Geschützstellungen, auf den Beobachtungshügel

    oder an die Böschungen, setzte sich behaglich in das Gras und

    begann zu löffeln. Manche bewiesen darin eine außergewöhnliche

    Ausdauer.

       Irgendeiner hatte einen gutmütigen Matrosen ausfindig

    gemacht, der sich bereit erklärte, mit einigen Kameraden

    die Jungen durch die Wasseranlagen zu rudern. Bald

    herrschte auf den Wassern ein reger Verkehr, und das

    fröhliche Singen und Rufen drang bis in die Offiziersmesse,

    wo es sich die Führer behaglich machten.

    Der Abend verlief recht gemütlich. Wir standen noch

    lange auf dem Geschützstand und sahen in die Ferne, wo

    ein Blinkfeuer seine Signale gab. Die Spannung auf den

    nächsten Tag, als dem Hauptereignis der Fahrt, war groß.

    Um 10 Uhr gellten die Trommeln durch die Kasematten,

    und bald lagen die Jungen zu 30 Mann in ihren Räumen,

    um neue Kräfte für den folgenden Tag zu sammeln. An

    sofortigen Schlaf war natürlich nicht zu denken. Die neue

    Umgebung, die vielen Zimmergenossen: das alles trug dazu

    bei, die Gemüter wach zu halten. Außerdem hatte jedes

    Zimmer seinen Kobold, der natürlich stets schlief, wenn

    die wachthabende Patrouille erschien.

    Donnerstag, den 31. Mai 1917

    Der Ehrentag der westfälischen Jugend.

        Schon um 5½ Uhr rasselten die Trommeln. Schnell

    wurde Kaffee getrunken, und bald standen die Jungen

    marschbereit. Der Tag war angebrochen, der uns so

    Großes bringen sollte.

    Fliegeralarm.

        Um 7 Uhr bat mich Leutnant v. Eiden, die Jungen

    zur  B.=A.=K.= Batterie (Ballonabwehrkanonen) zu führen.


    Die Gruppen wurden auf die einzelnen Geschütze verteilt,

    doch mußten die Stände und die Zugangswege frei bleiben.

        Es ist 7,10. Plötzlich klingelt unten im Innern des

    Forts die Alarmglocke, gleichzeitig tönt oben auf den

    Geschützständen die große Stahlschiene.- Und nun kommt

    es herangebraust: aus allen Oeffnungen des Forts stürzen

    die Matrosen an die Batterien, im Nu sind die Hüllen

    heruntergerissen, die Mündungsdeckel entfernt. Kommandos

    hallen von Geschütz zu Geschütz, werden wiederholt und wie

    ein Blitz ausgeführt, die Rohre fliegen herum und richten


     rechte Seite 

     handschriftlich 

    38


     eingeklebt 

    sich zum Himmel. Zahlen auf Zahlen werden ausgerufen:

    Höhenangabe, Seitenrichtung. Immer wieder ändern die

    Rohre die Richtung, fliegen hin und her, als gelte esm

    einen Flieger herunterzuholen ...."Schuß!!...."

       7,15 ist die ganze Uebung beendet. Hei, was haben da

    die Jungen die Augen aufgerissen! Das war etwas für

    sie. So mußte der Tag anfangen!

    ---------------

    Fröhlich wanderten wir zum Hafen. Stagerraktag.

    Unterwegs begegneten uns zahlreiche Abordnungen der einzelnen

    Schiffe, die zum Marinefriedhof marschierten, wo

    die große Feier der ganzen Flotte stattfinden sollte.

        Punkt 8.15 langten wir an der Rüstringer Brücke an,

    kurze Zeit darauf auch der 2. Zug (Soest). Die Führung

    übernahm nun wiederum Kapitänleutnant Brunswig.

       Und jetzt kam der erste gropße Augenblick: vor uns lag

    der Hafen mit seinen zahllosen Schiffen. Wir marschierten

    über die Brücke zur Torpedowerft. Hier lagen sie nun, die

    schwarzen Husaren des Meeres, die großen Hochseetorpedoboote.

    Dicker Qualm quoll aus den gedrungenen Schornsteinen.

    "Hier, dieses fährt gleich aus!" Daneben lagen

    mehrere andere, die gerade eingelaufen waren. Die Jungen

    waren begeistert. Rechts von uns dröhnte es in den Riesenwerkstätten,

    vom Hafen aus heulte die Dampfsirene, große

    Riesenkräne bewegten hunderte von Zentnern wie ein

    Spielzeug voran. Das war ein Kettenrasseln und Hämmern.

    Überall wurden Schiffe klargemacht. Wie eine

    Kompanie ausgerichtet lagen Torpedoboote neben Torpedobooten

    und dahinter ...., von der Spitze kommt ein Jubelruf:

    "Die U=Boote!!"....

    Im U=Boot.


    Man kann sich in der Heimat nicht vorstelllen, welche

    Gefühle den Menschen bewegen, wenn er zum ersten Male

    ein U=Boot sieht, und dazu noch mitten im Weltkriege.

    Ehrfurcht verbindet sich mit Bewunderung. Das war also

    Deutschlands jüngste und schneidigste Waffe. So groß und

    wuchtig hätte man sie sich doch nicht vorgestellt.

      Die Jungen stürmten gleich an die Anlegestellen, und im

    Augenblick war das Deck erklettert, auf dem zwei mächtige

    Geschütze ihre Mündungen in die Luft streckten. Ein

    junger Seeoffizier trat auf uns zu: "Dürfte ich Ihnen

    einmal mein U=Boot zeigen? Wir sind gerade gestern

    heimgekehrt...."  In schlichter Weise erzählte er uns,

    daß er 25000 Tonnen versenkt, neun Offiziere und einen

    Kapitän mitgebracht und dann auch eine U=Bootfalle nach

    hartem Kampf versenkt hätte. Wir haben ihm herzlich die

    Hand geschüttelt und zu seinem Erfolge beglückwünscht.

    Er zeigte uns die Außentanks, ließ das Sehrohr ausfahren

    und bat uns dann, auf den Turm zu kommen. Das

    ließen wir uns nicht zweimal sagen. Da stand man nun

    auf dem engen Turm, der kaum Platz für zwei Personen

    bot, und unter uns lag das U=Boot.

        Währenddessen waren noch andere U=Bootoffiziere erschienen:

    "kommt mal, her Jungens, ich will Euch mein



  • February 12, 2018 08:59:44 Udo Bahl

     Linke Seite 

     Handschriftlich 

    37

     Eingeklebt 


    braucht noch nicht einmal dabei zu sein, und wenn man nach

    Ablegung des eigenen Gepäcks die Gruppen antreten lassen

    will, und die anderen Herren Führer auch Amtsmienen aufsetzen

    wollen, wird einem lächelnd eröffnet, daß die Jungen

    bereits die "zweite Lage Erbsensuppe binnen" und schon

    als zweiten Gang Brot und Braunschweiger Mettwurst

    empfangen hätten. Es geht also auch ohne uns! Der Gedanke

    wäre mir vorher gar nicht aufgekommen.


    Gbl. missingmissingmissing, daß die Jungen ihr schmackhaftes

    Abendessen etwa an Tischen genossen hätten. So etwas

    hatte man auch zuhause, und darum schlich man mit

    seiner Beute in irgendeinen  poesievollen  Winkel des Forts,

    in die Geschützstellungen, auf den Beobachtungshügel

    oder an die Böschungen, setzte sich behaglich in das Gras und

    begann zu löffeln. Manche bewiesen darin eine außergewöhnliche

    Ausdauer.

       Irgendeiner hatte einen gutmütigen Matrosen ausfindig

    gemacht, der sich bereit erklärte, mit einigen Kameraden

    die Jungen durch die Wasseranlagen zu rudern. Bald

    herrschte auf den Wassern ein reger Verkehr, und das

    fröhliche Singen und Rufen drang bis in die Offiziersmesse,

    wo es sich die Führer behaglich machten.

    Der Abend verlief recht gemütlich. Wir standen noch

    lange auf dem Geschützstand und sahen in die Ferne, wo

    ein Blinkfeuer seine Signale gab. Die Spannung auf den

    nächsten Tag, als dem Hauptereignis der Fahrt, war groß.

    Um 10 Uhr gellten die Trommeln durch die Kasematten,

    und bald lagen die Jungen zu 30 Mann in ihren Räumen,

    um neue Kräfte für den folgenden Tag zu sammeln. An

    sofortigen Schlaf war natürlich nicht zu denken. Die neue

    Umgebung, die vielen Zimmergenossen: das alles trug dazu

    bei, die Gemüter wach zu halten. Außerdem hatte jedes

    Zimmer seinen Kobold, der natürlich stets schlief, wenn

    die wachthabende Patrouille erschien.

    Donnerstag, den 31. Mai 1917

    Der Ehrentag der westfälischen Jugend.

        Schon um 5½ Uhr rasselten die Trommeln. Schnell

    wurde Kaffee getrunken, und bald standen die Jungen

    marschbereit. Der Tag war angebrochen, der uns so

    Großes bringen sollte.

    Fliegeralarm.

        Um 7 Uhr bat mich Leutnant v. Eiden, die Jungen

    zur  B.=A.=K.= Batterie (Ballonabwehrkanonen) zu führen.


    Die Gruppen wurden auf die einzelnen Geschütze verteilt,

    doch mußten die Stände und die Zugangswege frei bleiben.

        Es ist 7,10. Plötzlich klingelt unten im Innern des

    Forts die Alarmglocke, gleichzeitig tönt oben auf den

    Geschützständen die große Stahlschiene.- Und nun kommt

    es herangebraust: aus allen Oeffnungen des Forts stürzen

    die Matrosen an die Batterien, im Nu sind die Hüllen

    heruntergerissen, die Mündungsdeckel entfernt. Kommandos

    hallen von Geschütz zu Geschütz, werden wiederholt und wie

    ein Blitz ausgeführt, die Rohre fliegen herum und richten


     rechte Seite 

     handschriftlich 

    38


     eingeklebt 

    sich zum Himmel. Zahlen auf Zahlen werden ausgerufen:

    Höhenangabe, Seitenrichtung. Immer wieder ändern die

    Rohre die Richtung, fliegen hin und her, als gelte esm

    einen Flieger herunterzuholen ...."Schuß!!...."

       7,15 ist die ganze Uebung beendet. Hei, was haben da

    die Jungen die Augen aufgerissen! Das war etwas für

    sie. So mußte der Tag anfangen!

    ---------------

    Fröhlich wanderten wir zum Hafen. Stagerraktag.

    Unterwegs begegneten uns zahlreiche Abordnungen der einzelnen

    Schiffe, die zum Marinefriedhof marschierten, wo

    die große Feier der ganzen Flotte stattfinden sollte.

        Punkt 8.15 langten wir an der Rüstringer Brücke an,

    kurze Zeit darauf auch der 2. Zug (Soest). Die Führung

    übernahm nun wiederum Kapitänleutnant Brunswig.

       Und jetzt kam der erste gropße Augenblick: vor uns lag

    der Hafen mit seinen zahllosen Schiffen. Wir marschierten

    über die Brücke zur Torpedowerft. Hier lagen sie nun, die

    schwarzen Husaren des Meeres, die großen Hochseetorpedoboote.

    Dicker Qualm quoll aus den gedrungenen Schornsteinen.

    "Hier, dieses fährt gleich aus!" Daneben lagen

    mehrere andere, die gerade eingelaufen waren. Die Jungen

    waren begeistert. Rechts von uns dröhnte es in den Riesenwerkstätten,

    vom Hafen aus heulte die Dampfsirene, große Riesenkräne bewegten hunderte von Zentnern wie ein

    Spielzeug voran. Das war ein Kettenrasseln und Hämmern.

    Überall wurden Schiffe klargemacht. Wie eine

    Kompanie ausgerichtet lagen Torpedoboote neben Torpedobooten

    und dahinter ...., von der Spitze kommt ein Jubelruf:

    "Die U=Boote!!"....

    Im U=Boot.

    



  • February 11, 2018 18:52:11 Udo Bahl

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    braucht noch nicht einmal dabei zu sein, und wenn man nach

    Ablegung des eigenen Gepäcks die Gruppen antreten lassen

    will, und die anderen Herren Führer auch Amtsmienen aufsetzen

    wollen, wird einem lächelnd eröffnet, daß die Jungen

    bereits die "zweite Lage Erbsensuppe binnen" und schon

    als zweiten Gang Brot und Braunschweiger Mettwurst

    empfangen hätten. Es geht also auch ohne uns! Der Gedanke

    wäre mir vorher gar nicht aufgekommen.


    Gbl. missingmissingmissing, daß die Jungen ihr schmackhaftes

    Abendessen etwa an Tischen genossen hätten. So etwas

    hatte man auch zuhause, und darum schlich man mit

    seiner Beute in irgendeinen  poesievollen  Winkel des Forts,

    in die Geschützstellungen, auf den Beobachtungshügel

    oder an die Böschungen, setzte sich behaglich in das Gras und

    begann zu löffeln. Manche bewiesen darin eine außergewöhnliche

    Ausdauer.

       Irgendeiner hatte einen gutmütigen Matrosen ausfindig

    gemacht, der sich bereit erklärte, mit einigen Kameraden

    die Jungen durch die Wasseranlagen zu rudern. Bald

    herrschte auf den Wassern ein reger Verkehr, und das

    fröhliche Singen und Rufen drang bis in die Offiziersmesse,

    wo es sich die Führer behaglich machten.

    Der Abend verlief recht gemütlich. Wir standen noch

    lange auf dem Geschützstand und sahen in die Ferne, wo

    ein Blinkfeuer seine Signale gab. Die Spannung auf den

    nächsten Tag, als dem Hauptereignis der Fahrt, war groß.

    Um 10 Uhr gellten die Trommeln durch die Kasematten,

    und bald lagen die Jungen zu 30 Mann in ihren Räumen,

    um neue Kräfte für den folgenden Tag zu sammeln. An

    sofortigen Schlaf war natürlich nicht zu denken. Die neue

    Umgebung, die vielen Zimmergenossen: das alles trug dazu

    bei, die Gemüter wach zu halten. Außerdem hatte jedes

    Zimmer seinen Kobold, der natürlich stets schlief, wenn

    die wachthabende Patrouille erschien.

    Donnerstag, den 31. Mai 1917

    Der Ehrentag der westfälischen Jugend.

        Schon um 5½ Uhr rasselten die Trommeln. Schnell

    wurde Kaffee getrunken, und bald standen die Jungen

    marschbereit. Der Tag war angebrochen, der uns so

    Großes bringen sollte.

    Fliegeralarm.

        Um 7 Uhr bat mich Leutnant v. Eiden, die Jungen

    zur  B.=A.=K.= Batterie (Ballonabwehrkanonen) zu führen.


    Die Gruppen wurden auf die einzelnen Geschütze verteilt,

    doch mußten die Stände und die Zugangswege frei bleiben.

        Es ist 7,10. Plötzlich klingelt unten im Innern des

    Forts die Alarmglocke, gleichzeitig tönt oben auf den

    Geschützständen die große Stahlschiene.- Und nun kommt

    es herangebraust: aus allen Oeffnungen des Forts stürzen

    die Matrosen an die Batterien, im Nu sind die Hüllen

    heruntergerissen, die Mündungsdeckel entfernt. Kommandos

    hallen von Geschütz zu Geschütz, werden wiederholt und wie

    ein Blitz ausgeführt, die Rohre fliegen herum und richten


     rechte Seite 

     handschriftlich 

    38


     eingeklebt 

    sich zum Himmel. Zahlen auf Zahlen werden ausgerufen:

    Höhenangabe, Seitenrichtung. Immer wieder ändern die

    Rohre die Richtung, fliegen hin und her, als gelte esm

    einen Flieger herunterzuholen ...."Schuß!!...."

       7,15 ist die ganze Uebung beendet. Hei, was haben da

    die Jungen die Augen aufgerissen! Das war etwas für

    sie. So mußte der Tag anfangen!

    ---------------


  • February 11, 2018 18:35:01 Udo Bahl

     Linke Seite 

     Handschriftlich 

    37

     Eingeklebt 


    braucht noch nicht einmal dabei zu sein, und wenn man nach

    Ablegung des eigenen Gepäcks die Gruppen antreten lassen

    will, und die anderen Herren Führer auch Amtsmienen aufsetzen

    wollen, wird einem lächelnd eröffnet, daß die Jungen

    bereits die "zweite Lage Erbsensuppe binnen" und schon

    als zweiten Gang Brot und Braunschweiger Mettwurst

    empfangen hätten. Es geht also auch ohne uns! Der Gedanke

    wäre mir vorher gar nicht aufgekommen.


    Gbl. missingmissingmissing, daß die Jungen ihr schmackhaftes

    Abendessen etwa an Tischen genossen hätten. So etwas

    hatte man auch zuhause, und darum schlich man mit

    seiner Beute in irgendeinen  poesievollen  Winkel des Forts,

    in die Geschützstellungen, auf den Beobachtungshügel

    oder an die Böschungen, setzte sich behaglich in das Gras und

    begann zu löffeln. Manche bewiesen darin eine außergewöhnliche

    Ausdauer.

       Irgendeiner hatte einen gutmütigen Matrosen ausfindig

    gemacht, der sich bereit erklärte, mit einigen Kameraden

    die Jungen durch die Wasseranlagen zu rudern. Bald

    herrschte auf den Wassern ein reger Verkehr, und das

    fröhliche Singen und Rufen drang bis in die Offiziersmesse,

    wo es sich die Führer behaglich machten.

    Der Abend verlief recht gemütlich. Wir standen noch

    lange auf dem Geschützstand und sahen in die Ferne, wo

    ein Blinkfeuer seine Signale gab. Die Spannung auf den

    nächsten Tag, als dem Hauptereignis der Fahrt, war groß.

    Um 10 Uhr gellten die Trommeln durch die Kasematten,

    und bald lagen die Jungen zu 30 Mann in ihren Räumen,

    um neue Kräfte für den folgenden Tag zu sammeln. An

    sofortigen Schlaf war natürlich nicht zu denken. Die neue

    Umgebung, die vielen Zimmergenossen: das alles trug dazu

    bei, die Gemüter wach zu halten. Außerdem hatte jedes

    Zimmer seinen Kobold, der natürlich stets schlief, wenn

    die wachthabende Patrouille erschien.

    Donnerstag, den 31. Mai 1917

    Der Ehrentag der westfälischen Jugend.

        Schon um 5½


  • February 11, 2018 18:33:50 Udo Bahl

     Linke Seite 

     Handschriftlich 

    37

     Eingeklebt 


    braucht noch nicht einmal dabei zu sein, und wenn man nach

    Ablegung des eigenen Gepäcks die Gruppen antreten lassen

    will, und die anderen Herren Führer auch Amtsmienen aufsetzen

    wollen, wird einem lächelnd eröffnet, daß die Jungen

    bereits die "zweite Lage Erbsensuppe binnen" und schon

    als zweiten Gang Brot und Braunschweiger Mettwurst

    empfangen hätten. Es geht also auch ohne uns! Der Gedanke

    wäre mir vorher gar nicht aufgekommen.


    Gbl. missingmissingmissing, daß die Jungen ihr schmackhaftes

    Abendessen etwa an Tischen genossen hätten. So etwas

    hatte man auch zuhause, und darum schlich man mit

    seiner Beute in irgendeinen  poesievollen  Winkel des Forts,

    in die Geschützstellungen, auf den Beobachtungshügel

    oder an die Böschungen, setzte sich behaglich in das Gras und

    begann zu löffeln. Manche bewiesen darin eine außergewöhnliche

    Ausdauer.

       Irgendeiner hatte einen gutmütigen Matrosen ausfindig

    gemacht, der sich bereit erklärte, mit einigen Kameraden

    die Jungen durch die Wasseranlagen zu rudern. Bald

    herrschte auf den Wassern ein reger Verkehr, und das

    fröhliche Singen und Rufen drang bis in die Offiziersmesse,

    wo es sich die Führer behaglich machten.

    Der Abend verlief recht gemütlich. Wir standen noch

    lange auf dem Geschützstand und sahen in die Ferne, wo

    ein Blinkfeuer seine Signale gab. Die Spannung auf den

    nächsten Tag, als dem Hauptereignis der Fahrt, war groß.

    Um 10 Uhr gellten die Trommeln durch die Kasematten,

    und bald lagen die Jungen zu 30 Mann in ihren Räumen,

    um neue Kräfte für den folgenden Tag zu sammeln. An

    sofortigen Schlaf war natürlich nicht zu denken. Die neue

    Umgebung, die vielen Zimmergenossen: das alles trug dazu

    bei, die Gemüter wach zu halten. Außerdem hatte jedes

    Zimmer seinen Kobold, der natürlich stets schlief, wenn

    die wachthabende Patrouille erschien.

    Donnerstag, den 31. Mai 1917

    Der Ehrentag der westfälischen Jugend.

    


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12583 / 143585
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Wilhelm Schenkel
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


May 30, 1917 – May 31, 1917
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