Tagebuch des Schülers Wilhelm Schenkel während des Krieges, item 24
Transcription
Transcription history
-
linke Seite
31
Zeitungsausschnitt - Fortsetzung
Nun, man muß unsere blauen Jungen und ihre
wackern Offiziere kennen. Das Kommando S. M. S.
"Westfalen" schrieb kürzlich am Schlusse eines Briefes:
"Das Kommando hofft, somit alles zur Zufriedenheit
geordnet zu haben und sieht der Ankunft der Nordsee-
fahrer mit größter, herzlichster Freude entgegen."
Das ist schlichte, deutsche Gastfreundschaft nach nieder-
sächsischer Art. Ohne Prunk, ohne Redensarten. Die
Freude ist gegenseitig. Wie die Jugend sich auf das
Wiedersehen mit der deutschen Flotte, auf die Bewunde-
rung unserer Eisenkolosse, auf das blaue Meer freut, so
freuen sich die deutschen Seeleute auf die frischen Gesichter
und hellen Augen der westfälischen Jungen.
Im vorigen Jahre sagte der liebenswürdige Gast-
geber auf der "Westfalen" Kapitän Garzke, die Freund-
schaft zwischen der westfälischen Jugend und dem Paten-
schiff stehe einzig da. Keinem Schiff sei aus seinem
Patenlande solche Sympathie engegengebracht worden.
Wenn es so ist, dann möge die Besatzung der
"Westfalen" wissen, daß westfälische Freundschaft, die
sicher nicht leicht zu erringen ist, ein Ding von dauer-
haftem Stoff ist. Wohnt der Westfale auch weit vom
Meere, viele haben es noch nie gesehen, so hat er doch
Verständnis und großes Interesse für alles, was mit
unserer Flotte zusammenhängt. Nirgends war der
Jubel größer als im Westfalenlande, als der Sieg vom
Skagerrak dorthingemeldet wurde. Und niemand war
stolzer als der Westfale, als er von den unvergleichlichen
Heldentaten seines Patenschiffes hörte. Daß sich dadurch
das Band zwischen Provinz und Schiff enger knüpfte,
daß westfälische Jugend freudig an Bord kam, um den
Siegern zu huldigen, war selbstverständlich, auch wenn
der Westfale sonst nicht sehr freigebig mit seinen Ge-
fühlsäußerungen ist. Und auch für echte deutsche Gast-
freundschaft hat er Verständnis. Den guten, herzlichen
Empfang der westfälischen Jungen an Bord wird er
dem Kommando und der Besatzung der "Westfalen" nie
vergessen!
So ist das freudige Interesse zu verstehen, das dies-
mal der Nordseeferienfahrt westfälischer Schüler entgegen-
gebracht wird. Als es hieß, die Knaben sollten der Be-
satzung eine kleine Aufmerksamkeit erweisen, da flossen
die Spenden so reichlich, daß jedem Einzelnen dertausend Mann starken Besatzung eine kleine Liebesgabe
überreicht werden kann.
Diese enthält eine Zigarrentasche mit rauchbarem
Inhalt, einige Ansichtskarten und poetische Grüße.
Rudolf Herzog hat einen Gruß der Westfalenjungen an
die Flotte gedichtet, der von einem Schüler an Bord der
"Westfalen" vorgetragen wird und folgendermaßen
lautet:
rechte Seite
32
Zeitungsausschnitt - Fortsetzung
Nachts fuhren wir aus dem Linnen,
Im alten Westfalenland,
Und horchten mit fiebernden Sinnen,
Zum fernen Meerestrand.
Wir sahen die Weite sich füllen
Mit Schiffen luv und lee,
Wir hörten Kanonen brüllen
Ueber die brausende See.
Es war ein Mastzersplittern,
Wrack schoß herab zu Wrack,
Das tat ein deutsch Gewittern
In der Schlacht am Skagerrak.
Es legten die Briten das Prahlen
Zum ersten und letzten ab.
Seiner Majestät Schiff "Westfalen"
Senkte sechs allein hinab.
Unser Patenkind, die "Westfalen",
Wie ein heimischer Eber vorn!
In unser Aug' sich strahlen,
Tränen aus Dank und aus Zorn.
Die Flotte mit Pulver und Blei,
Aus Zorn - wir Westfalen, wir jungen,
Wir waren noch nicht dabei!
Wir kommen von roter Erde,
Wo weit die Kohle sich streckt,
Wo heiß in Schweiß und Beschwerde
Der Märker das Eisen reckt,
Wo die Panzerplatten sich biegen
Unter dröhnender Hammer Zahl,
Wo sprühend die Späne fliegen
Von deutschem Kanonenstahl.
Wir kommen von Sehnsucht bezwungen,
Zu schauen was Heldenbrauch.
Noch sind wir Westfalenjungen,
Doch Männer - werden wir auch!
Verwachsen mit Eisen und Kohlen,
Wenn alles im Leben auch trög',
Den müßte der Teufel holen,
Den 's zu Feuer und Stahl nicht zög'.
Herr Admiral, wir bitten,
Nehmt unsre Jugend zu gut,
Das Wasser ist wohlgelitten,
Doch besser gelitten ist Blut.
Noch leben die alten Hasser,
Noch oft dampft die Flotte zum Streit
Und braucht ihr Blut auf dem Wasser:
Unser Jungblut - und das steht bereit.
Wir sollen euch Grüße melden,
Und ihr - ihr grüßt durch die Tat!
Gott mit euch, ihr Meereshelden,
Vom Führer zum letzten Maat.
Es raunen die Lorbeerreiser
Vom Skagerraktag, der uns nah' -
Die Flotte, die Führer, der Kaiser
Westfalenjungen: Hurra!!!
-
Nun, man muß unsere blauen Jungen und ihre modern Offiziere kennen. Das Kommando S.M.S. "Westfalen" schrieb kürzlich am Schlusse eines Briefes: "Das Kommando hofft, somit alles zur Zufriedenheit geordnet zu haben und sieht der Ankunft der Nordseefahrer mit größter, herzlichster Freude entgegen."
Das ist schlichte, deutsche Gastfreundschaft nach niedersächsischer Art. Ohne Prunk, ohne Redensarten. Die Freude ist gegenseitig. Wie die Jugend sich auf das Wiedersehen mit der deutschen Flotte, auf die Bewunderung unserer Eisenkolosse, auf das blaue Meer freut, so freuen sich die deutschen Seeleute auf die frischen Gesichter und hellen Augen der westfälischen Jungen.
Im vorigen Jahre sagte der liebenswürdige Gastgeber auf der "Westfalen" Kapitän Garzke, die Freundschaft zwischen der westfälischen Jugend und dem Patenschiff stehe einzig da. Keinem Schiff sei aus seinem Patenlande solche Sympathie engegengebracht worden. Wenn es so ist, dann möge die Besatzung der "Westfalen" wissen, daß westfälische Freundschaft, die sicher nicht leicht zu erringen ist, ein Ding von bauerhaftem Stoff ist. Wohnt der Westfale auch weit vom Meere, viele haben es noch nie gesehen, so hat er doch Verständnis und großes Interesse für alles, was mit unserer Flotte zusammenhängt. Nirgends war der Jubel größer als im Westfalenlande, als der Sieg vom Skagerrak dorthingemeldet wurde. Und niemand war stolzer als der Westfale, als er von den unvergleichlichen Heldentaten seines Patenschiffes hörte. Daß sich dadurch das Band zwischen Provinz und Schiff enger knüpfte, daß westfälische Jugend freudig an Bord kam, um den Siegern zu huldigen, war selbstverständlich, auch wenn der Westfale sonst nicht sehr freigebig mit seinen Gefühlsäußerungen ist. Und auch für echte deutsche Gastfreundschaft hat er Verständnis. Den guten, herzlichen Empfang der westfälischen Jungen an Bord wird er dem Kommando und der Besatzung der "Westfalen" nie vergessen!
So ist das freudige Interesse zu verstehen, das diesmal der Nordseeferienfahrt westfälischer Schüler entgegengebracht wird. Als es hieß, die Knaben sollten der Besatzung eine kleine Aufmerksamkeit erweisen, da flossen die Spenden so reichlich, daß jedem Einzelnen der tausend Mann starken Besatzung eine kleine Liebesgabe überreicht werden kann.
Diese enthält eine Zigarrentasche mit rauchbarem Inhalt, einige Ansichtskarten und poetische Grüße. Rudolf Herzog hat einen Gruß der Westfalenjungen an die Flotte gedichtet, der von einem Schüler an Bord der "Westfalen" vorgetragen wird und folgendermaßen lautet:
Nachts fuhren wir aus dem Linnen,
Im alten Westfalenland,
Und horchten mit fiebernden Sinnen,
Zum fernen Meerestrand.
Wir haben die Weite sich füllen
Mit Schiffen Luv und Lee
Wir hörten Kanonen brüllen
Über die brausende See.
Es war ein Mastzersplittern
Wrack schoß herab zu Wrack
Das tat ein deutsch Gewittern
In der Schlacht am Skagerrak
Es legten die Briten das Prahlen
Zum ersten und letzten ab.
Seiner Majestät Schiff "Westfalen"
Senkte sechs allein hinab.
Unser Patenkind die "Westfalen"
Wie ein heimischer Eber vorn!
In unser Aug sich strahlen,
Tränen aus Dank und aus Zorn.
Die Flotte mit Pulver und Blei.
Aus Zorn - wirt Westfalen, wir jungen,
Wir waren noch nicht dabei!
Wir kommen von roter Erde
Wo weit die Kohle sich streckt
Wo heiß in Schweiß und Beschwerde
Der Wärter das Eisen reckt
Wo die Panzerplatten sich biegen
Unter dröhnender Hammer Zahl
Wo sprühend die Späne fliegen
Von deutschem Kanonenstahl.
Wir kommen von Sehnsucht bezwungen
Zu schauen was Heldenbrauch
Noch sind wir Westfalenjungen
Doch Männer - werden wir auch!
Verwachsen mit Eisen und Kohlen
Wenn alles im Leben auch trög
Den müßte der Teufel holen
Den`s zu Feuer und Stahl nicht zög.
Herr Admiral, wir bitten
Nehmt unsre Jugend zu gut
Das Wasser ist wohlgelitten
Doch besser gelitten ist Blut
Noch leben die alten Hasser
Noch oft dampft die Flotte zum Streit
Und braucht ihr Blut auf dem Wasser:
Unser Jungblut - und das steht bereit.
Wir sollen euch Grüße melden
Und ihr - ihr grüßt durch die Tat!
Gott mit euch, ihr Meereshelden
Vom Führer zum letzten Maat
Es raunen die Lorbeereifer
Vom Skagerraktag, der uns nah
Die FLotte, die Führer, der Kaiser
Westfalenjungen: Hurra!!!
Description
Save description- 51.5711564||8.105742200000009||||1
Soest
Location(s)
Story location Soest
- ID
- 12583 / 143582
- Contributor
- Wilhelm Schenkel
Login to edit the languages
Login to edit the fronts
Login to add keywords
- Home Front








































































































Login to leave a note