Tagebuch des Schülers Wilhelm Schenkel während des Krieges, item 28

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 Linke Seite 

 Handschriftlich  

39


Boot zeigen. -- Seht mal, da drüben liegt "U 53" Das

kennt ihr doch durch seine Amerikafahrt:" Im Moment

stürmten die Jungen die nächsten U=Boote, und bald

tribbelte und trabbelte es auf allen Decks von Buntmützen.

Mit sichtlicher Freude sahen die Offiziere und Werftarbeiter

dem Treiben zu.  Handschriftlich  Ich war auf  U63.

   Wir Führer stiegen nun vom Kommandoturm herunter

und sahen durch eine Luke in das Innere des Bootes,  erstaunt

über die Tiefe. "Wenn die Herren mal hineinklettern

wollen ....?" Wohl selten haben wir eine Aufforderung

so schnell ausgeführt als diese. Das klang ja

wie ein Märchen. Das mußte ausgekostet werden.

  Nun denke man sich das hineinklettern nicht so einfach.

Bequeme Treppen gibt es nicht. Senkrecht geht es an

Stahlstangen hinunter. Das schadet aber nicht, je

schwieriger desto reizvoller. Wir sind sofort mitten in der

Zentrale. Da könnte man uns unbesorgt vierzehn Tage

hineinstecken, ohne Gefahr zu laufen, Mitwisser von

marinetechnischen Geheimnissen zu bekommen. Das war

ja ein Universum deutschen Erfindergeistes: Uhren, Kabel

über Kabel, Räder und Räderchen, Hebel über Hebel. An

der Seite zeigte man und die Tiefensteuer, den Tiefenmesser.

Ein Blick durch das Sehrohr ließ uns die Torpedowerft

sehen, wir sehen genau unsere Jungen umherlaufen.

Aber nun vorsichtig umgeschaut.

     Vor uns lag ein Matrose mitten im Gang in einer Decke

eingehüllt.

   "Wir sind über drei Wochen draußen gewesen, da sind

die Leute müde...." Vorsichtig wollten wir uns entfernen,

aber er schon aufgewacht und schaute uns mit

großen Augen ganz erstaunt an. Auf Zivilisten war er

sicher nicht gefaßt gewesen. Wie auf Kommando zogen

wir alle vom Leder, das heißt unsere Zigarrentaschen

heraus und reichten ihm unsere Zigarren. Er griff sofort

danach und war sichtlich erfreut. Unsere Jungen wetteiferten

mit ihren Führern und packten aus, was sie gerade

bieten konnten.

     Plötzlich heulten die Dampfsirenen der uns zur Hafenrundfahrt

gestellten beiden Werftdampfer los, sechs bis

siebenmal kurz hintereinander. Die Zeit war abgelaufen,

wir mußten zurück. Schnell noch ein Blick in die übrigen

Räume, ein kurzer Abschied und dann hinauf durch die

Turmluke. Aus allen anderen U=Booten tauchten hochgerötete

Westfalenköpfe auf. Im Galopp ging es dann

zum Dampfer. Wieder heulten die Sirenen mit

ohrenbetäubenden Geräusch, und immer neue Gestalten schoben

sich aus den turmlucken.----

     "Fertig! Ablegen!"--- Langsam schoben sich die

Dampfer von der Mauer ins freie Wasser hinaus, und

nun ging es an Torpedobooten und U=Booten vorbei durch

den Hafen.Links lag das Riesenschwimmbad der Kaiserlichen

Werft, etwas abseits ankerten die beiden schmucken

Kreuzer "Stralsund" und "Stettin". Kurz darauf begrüßten

wir an Steuerbord den gewaltigen Panzerkreuzer


 rechte Seite 

 Handschriftlich 


40


"Seydlitz" mit seinem bekannten hohen Bug und den drei

Fischen im Wappen. Voraus lag das große Lazarettschiff

"Sierra Ventana", ein wahrer Ozeanriese. Wir passierten

große Scheiben, die zu Scharfschießübungen in See ver-

wendet werden und nun auf kleinen Booten im Hafen

lagen. Das große Linienschiff "König Albert" wurde mit

Hurrarufen begrüßt, das freundlich von Bord aus erwidert

wurde. Nach einigen Minuten passierten wir die große

Hohenzollernbrücke. An den Kaimauern lagen Fischdampfer,

auf denen die Fische an langen Leinen über Deck gespannt

waren. Rechts lag der gekaperte englische Dampfer 

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 Handschriftlich  

39


Boot zeigen. -- Seht mal, da drüben liegt "U 53" Das

kennt ihr doch durch seine Amerikafahrt:" Im Moment

stürmten die Jungen die nächsten U=Boote, und bald

tribbelte und trabbelte es auf allen Decks von Buntmützen.

Mit sichtlicher Freude sahen die Offiziere und Werftarbeiter

dem Treiben zu.  Handschriftlich  Ich war auf  U63.

   Wir Führer stiegen nun vom Kommandoturm herunter

und sahen durch eine Luke in das Innere des Bootes,  erstaunt

über die Tiefe. "Wenn die Herren mal hineinklettern

wollen ....?" Wohl selten haben wir eine Aufforderung

so schnell ausgeführt als diese. Das klang ja

wie ein Märchen. Das mußte ausgekostet werden.

  Nun denke man sich das hineinklettern nicht so einfach.

Bequeme Treppen gibt es nicht. Senkrecht geht es an

Stahlstangen hinunter. Das schadet aber nicht, je

schwieriger desto reizvoller. Wir sind sofort mitten in der

Zentrale. Da könnte man uns unbesorgt vierzehn Tage

hineinstecken, ohne Gefahr zu laufen, Mitwisser von

marinetechnischen Geheimnissen zu bekommen. Das war

ja ein Universum deutschen Erfindergeistes: Uhren, Kabel

über Kabel, Räder und Räderchen, Hebel über Hebel. An

der Seite zeigte man und die Tiefensteuer, den Tiefenmesser.

Ein Blick durch das Sehrohr ließ uns die Torpedowerft

sehen, wir sehen genau unsere Jungen umherlaufen.

Aber nun vorsichtig umgeschaut.

     Vor uns lag ein Matrose mitten im Gang in einer Decke

eingehüllt.

   "Wir sind über drei Wochen draußen gewesen, da sind

die Leute müde...." Vorsichtig wollten wir uns entfernen,

aber er schon aufgewacht und schaute uns mit

großen Augen ganz erstaunt an. Auf Zivilisten war er

sicher nicht gefaßt gewesen. Wie auf Kommando zogen

wir alle vom Leder, das heißt unsere Zigarrentaschen

heraus und reichten ihm unsere Zigarren. Er griff sofort

danach und war sichtlich erfreut. Unsere Jungen wetteiferten

mit ihren Führern und packten aus, was sie gerade

bieten konnten.

     Plötzlich heulten die Dampfsirenen der uns zur Hafenrundfahrt

gestellten beiden Werftdampfer los, sechs bis

siebenmal kurz hintereinander. Die Zeit war abgelaufen,

wir mußten zurück. Schnell noch ein Blick in die übrigen

Räume, ein kurzer Abschied und dann hinauf durch die

Turmluke. Aus allen anderen U=Booten tauchten hochgerötete

Westfalenköpfe auf. Im Galopp ging es dann

zum Dampfer. Wieder heulten die Sirenen mit

ohrenbetäubenden Geräusch, und immer neue Gestalten schoben

sich aus den turmlucken.----

     "Fertig! Ablegen!"--- Langsam schoben sich die

Dampfer von der Mauer ins freie Wasser hinaus, und

nun ging es an Torpedobooten und U=Booten vorbei durch

den Hafen.Links lag das Riesenschwimmbad der Kaiserlichen

Werft, etwas abseits ankerten die beiden schmucken

Kreuzer "Stralsund" und "Stettin". Kurz darauf begrüßten

wir an Steuerbord den gewaltigen Panzerkreuzer


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"Seydlitz" mit seinem bekannten hohen Bug und den drei

Fischen im Wappen. Voraus lag das große Lazarettschiff

"Sierra Ventana", ein wahrer Ozeanriese. Wir passierten

große Scheiben, die zu Scharfschießübungen in See ver-

wendet werden und nun auf kleinen Booten im Hafen

lagen. Das große Linienschiff "König Albert" wurde mit

Hurrarufen begrüßt, das freundlich von Bord aus erwidert

wurde. Nach einigen Minuten passierten wir die große

Hohenzollernbrücke. An den Kaimauern lagen Fischdampfer,

auf denen die Fische an langen Leinen über Deck gespannt

waren. Rechts lag der gekaperte englische Dampfer 


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  • July 17, 2018 23:07:14 Christian Scheid

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    Boot zeigen. -- Seht mal, da drüben liegt "U 53" Das

    kennt ihr doch durch seine Amerikafahrt:" Im Moment

    stürmten die Jungen die nächsten U=Boote, und bald

    tribbelte und trabbelte es auf allen Decks von Buntmützen.

    Mit sichtlicher Freude sahen die Offiziere und Werftarbeiter

    dem Treiben zu.  Handschriftlich  Ich war auf  U63.

       Wir Führer stiegen nun vom Kommandoturm herunter

    und sahen durch eine Luke in das Innere des Bootes,  erstaunt

    über die Tiefe. "Wenn die Herren mal hineinklettern

    wollen ....?" Wohl selten haben wir eine Aufforderung

    so schnell ausgeführt als diese. Das klang ja

    wie ein Märchen. Das mußte ausgekostet werden.

      Nun denke man sich das hineinklettern nicht so einfach.

    Bequeme Treppen gibt es nicht. Senkrecht geht es an

    Stahlstangen hinunter. Das schadet aber nicht, je

    schwieriger desto reizvoller. Wir sind sofort mitten in der

    Zentrale. Da könnte man uns unbesorgt vierzehn Tage

    hineinstecken, ohne Gefahr zu laufen, Mitwisser von

    marinetechnischen Geheimnissen zu bekommen. Das war

    ja ein Universum deutschen Erfindergeistes: Uhren, Kabel

    über Kabel, Räder und Räderchen, Hebel über Hebel. An

    der Seite zeigte man und die Tiefensteuer, den Tiefenmesser.

    Ein Blick durch das Sehrohr ließ uns die Torpedowerft

    sehen, wir sehen genau unsere Jungen umherlaufen.

    Aber nun vorsichtig umgeschaut.

         Vor uns lag ein Matrose mitten im Gang in einer Decke

    eingehüllt.

       "Wir sind über drei Wochen draußen gewesen, da sind

    die Leute müde...." Vorsichtig wollten wir uns entfernen,

    aber er schon aufgewacht und schaute uns mit

    großen Augen ganz erstaunt an. Auf Zivilisten war er

    sicher nicht gefaßt gewesen. Wie auf Kommando zogen

    wir alle vom Leder, das heißt unsere Zigarrentaschen

    heraus und reichten ihm unsere Zigarren. Er griff sofort

    danach und war sichtlich erfreut. Unsere Jungen wetteiferten

    mit ihren Führern und packten aus, was sie gerade

    bieten konnten.

         Plötzlich heulten die Dampfsirenen der uns zur Hafenrundfahrt

    gestellten beiden Werftdampfer los, sechs bis

    siebenmal kurz hintereinander. Die Zeit war abgelaufen,

    wir mußten zurück. Schnell noch ein Blick in die übrigen

    Räume, ein kurzer Abschied und dann hinauf durch die

    Turmluke. Aus allen anderen U=Booten tauchten hochgerötete

    Westfalenköpfe auf. Im Galopp ging es dann

    zum Dampfer. Wieder heulten die Sirenen mit

    ohrenbetäubenden Geräusch, und immer neue Gestalten schoben

    sich aus den turmlucken.----

         "Fertig! Ablegen!"--- Langsam schoben sich die

    Dampfer von der Mauer ins freie Wasser hinaus, und

    nun ging es an Torpedobooten und U=Booten vorbei durch

    den Hafen.Links lag das Riesenschwimmbad der Kaiserlichen

    Werft, etwas abseits ankerten die beiden schmucken

    Kreuzer "Stralsund" und "Stettin". Kurz darauf begrüßten

    wir an Steuerbord den gewaltigen Panzerkreuzer


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    "Seydlitz" mit seinem bekannten hohen Bug und den drei

    Fischen im Wappen. Voraus lag das große Lazarettschiff

    "Sierra Ventana", ein wahrer Ozeanriese. Wir passierten

    große Scheiben, die zu Scharfschießübungen in See ver-

    wendet werden und nun auf kleinen Booten im Hafen

    lagen. Das große Linienschiff "König Albert" wurde mit

    Hurrarufen begrüßt, das freundlich von Bord aus erwidert

    wurde. Nach einigen Minuten passierten wir die große

    Hohenzollernbrücke. An den Kaimauern lagen Fischdampfer,

    auf denen die Fische an langen Leinen über Deck gespannt

    waren. Rechts lag der gekaperte englische Dampfer 


  • July 17, 2018 22:58:12 Christian Scheid

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    Boot zeigen. -- Seht mal, da drüben liegt "U 53" Das

    kennt ihr doch durch seine Amerikafahrt:" Im Moment

    stürmten die Jungen die nächsten U=Boote, und bald

    tribbelte und trabbelte es auf allen Decks von Buntmützen.

    Mit sichtlicher Freude sahen die Offiziere und Werftarbeiter

    dem Treiben zu.  Handschriftlich  Ich war auf  U63.

       Wir Führer stiegen nun vom Kommandoturm herunter

    und sahen durch eine Luke in das Innere des Bootes,  erstaunt

    über die Tiefe. "Wenn die Herren mal hineinklettern

    wollen ....?" Wohl selten haben wir eine Aufforderung

    so schnell ausgeführt als diese. Das klang ja

    wie ein Märchen. Das mußte ausgekostet werden.

      Nun denke man sich das hineinklettern nicht so einfach.

    Bequeme Treppen gibt es nicht. Senkrecht geht es an

    Stahlstangen hinunter. Das schadet aber nicht, je

    schwieriger desto reizvoller. Wir sind sofort mitten in der

    Zentrale. Da könnte man uns unbesorgt vierzehn Tage

    hineinstecken, ohne Gefahr zu laufen, Mitwisser von

    marinetechnischen Geheimnissen zu bekommen. Das war

    ja ein Universum deutschen Erfindergeistes: Uhren, Kabel

    über Kabel, Räder und Räderchen, Hebel über Hebel. An

    der Seite zeigte man und die Tiefensteuer, den Tiefenmesser.

    Ein Blick durch das Sehrohr ließ uns die Torpedowerft

    sehen, wir sehen genau unsere Jungen umherlaufen.

    Aber nun vorsichtig umgeschaut.

         Vor uns lag ein Matrose mitten im Gang in einer Decke

    eingehüllt.

       "Wir sind über drei Wochen draußen gewesen, da sind

    die Leute müde...." Vorsichtig wollten wir uns entfernen,

    aber er schon aufgewacht und schaute uns mit

    großen Augen ganz erstaunt an. Auf Zivilisten war er

    sicher nicht gefaßt gewesen. Wie auf Kommando zogen

    wir alle vom Leder, das heißt unsere Zigarrentaschen

    heraus und reichten ihm unsere Zigarren. Er griff sofort

    danach und war sichtlich erfreut. Unsere Jungen wetteiferten

    mit ihren Führern und packten aus, was sie gerade

    bieten konnten.

         Plötzlich heulten die Dampfsirenen der uns zur Hafenrundfahrt

    gestellten beiden Werftdampfer los, sechs bis

    siebenmal kurz hintereinander. Die Zeit war abgelaufen,

    wir mußten zurück. Schnell noch ein Blick in die übrigen

    Räume, ein kurzer Abschied und dann hinauf durch die

    Turmluke. Aus allen anderen U=Booten tauchten hochgerötete

    Westfalenköpfe auf. Im Galopp ging es dann

    zum Dampfer. Wieder heulten die Sirenen mit

    ohrenbetäubenden Geräusch, und immer neue Gestalten schoben

    sich aus den turmlucken.----

         "Fertig! Ablegen!"--- Langsam schoben sich die

    Dampfer von der Mauer ins freie Wasser hinaus, und

    nun ging es an Torpedobooten und U=Booten vorbei durch

    den Hafen.Links lag das Riesenschwimmbad der Kaiserlichen

    Werft, etwas abseits ankerten die beiden schmucken

    Kreuzer "Stralsund" und "Stettin". Kurz darauf begrüßten

    wir an Steuerbord den gewaltigen Panzerkreuzer


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    "Seydlitz" mit seinem bekannten hohen Bug und den drei

    Fischen im Wappen. Voraus lag das große Lazarettschiff

    "Sierra Ventana", ein wahrer Ozeanriese. Wir passierten

    große Scheiben, die zu Scharfschießübungen in See ver-

    wendet werden und nun auf kleinen Booten im Hafen

    lagen. Das große Linienschiff "König Albert" wurde mit

    Hurrarufen begrüßt, das freundlich von Bord aus erwidert

    wurde. Nach einigen Minuten passierten wir die große

    Hohenzollernbrücke. An den Kaimauern lagen Fischdampfer,

    auf denen die Fische an langen 


  • July 17, 2018 22:52:28 Christian Scheid

     Linke Seite 

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    Boot zeigen. -- Seht mal, da drüben liegt "U 53" Das

    kennt ihr doch durch seine Amerikafahrt:" Im Moment

    stürmten die Jungen die nächsten U=Boote, und bald

    tribbelte und trabbelte es auf allen Decks von Buntmützen.

    Mit sichtlicher Freude sahen die Offiziere und Werftarbeiter

    dem Treiben zu.  Handschriftlich  Ich war auf  U63.

       Wir Führer stiegen nun vom Kommandoturm herunter

    und sahen durch eine Luke in das Innere des Bootes,  erstaunt

    über die Tiefe. "Wenn die Herren mal hineinklettern

    wollen ....?" Wohl selten haben wir eine Aufforderung

    so schnell ausgeführt als diese. Das klang ja

    wie ein Märchen. Das mußte ausgekostet werden.

      Nun denke man sich das hineinklettern nicht so einfach.

    Bequeme Treppen gibt es nicht. Senkrecht geht es an

    Stahlstangen hinunter. Das schadet aber nicht, je

    schwieriger desto reizvoller. Wir sind sofort mitten in der

    Zentrale. Da könnte man uns unbesorgt vierzehn Tage

    hineinstecken, ohne Gefahr zu laufen, Mitwisser von

    marinetechnischen Geheimnissen zu bekommen. Das war

    ja ein Universum deutschen Erfindergeistes: Uhren, Kabel

    über Kabel, Räder und Räderchen, Hebel über Hebel. An

    der Seite zeigte man und die Tiefensteuer, den Tiefenmesser.

    Ein Blick durch das Sehrohr ließ uns die Torpedowerft

    sehen, wir sehen genau unsere Jungen umherlaufen.

    Aber nun vorsichtig umgeschaut.

         Vor uns lag ein Matrose mitten im Gang in einer Decke

    eingehüllt.

       "Wir sind über drei Wochen draußen gewesen, da sind

    die Leute müde...." Vorsichtig wollten wir uns entfernen,

    aber er schon aufgewacht und schaute uns mit

    großen Augen ganz erstaunt an. Auf Zivilisten war er

    sicher nicht gefaßt gewesen. Wie auf Kommando zogen

    wir alle vom Leder, das heißt unsere Zigarrentaschen

    heraus und reichten ihm unsere Zigarren. Er griff sofort

    danach und war sichtlich erfreut. Unsere Jungen wetteiferten

    mit ihren Führern und packten aus, was sie gerade

    bieten konnten.

         Plötzlich heulten die Dampfsirenen der uns zur Hafenrundfahrt

    gestellten beiden Werftdampfer los, sechs bis

    siebenmal kurz hintereinander. Die Zeit war abgelaufen,

    wir mußten zurück. Schnell noch ein Blick in die übrigen

    Räume, ein kurzer Abschied und dann hinauf durch die

    Turmluke. Aus allen anderen U=Booten tauchten hochgerötete

    Westfalenköpfe auf. Im Galopp ging es dann

    zum Dampfer. Wieder heulten die Sirenen mit

    ohrenbetäubenden Geräusch, und immer neue Gestalten schoben

    sich aus den turmlucken.----

         "Fertig! Ablegen!"--- Langsam schoben sich die

    Dampfer von der Mauer ins freie Wasser hinaus, und

    nun ging es an Torpedobooten und U=Booten vorbei durch

    den Hafen.Links lag das Riesenschwimmbad der Kaiserlichen

    Werft, etwas abseits ankerten die beiden schmucken

    Kreuzer "Stralsund" und "Stettin". Kurz darauf begrüßten

    wir an Steuerbord den gewaltigen Panzerkreuzer


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    "Seydlitz" mit seinem bekannten hohen Bug und den drei

    Fischen im Wappen. Voraus lag das große Lazarettschiff

    "Sierra Ventana", ein wahrer Ozeanriese. Wir passierten

    große Scheiben, die zu Scharfschießübungen in See ver-

    wendet werden und nun auf kleinen Booten im Hafen

    lagen. Das große Linienschiff "König Albert" wurde mit

    Hurrarufen begrüßt, das freundlich von Bord aus erwidert

    wurde. Nach einigen Minuten passierten wir die große

    Hohenzollernbrücke.


  • July 17, 2018 22:50:30 Christian Scheid

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    Boot zeigen. -- Seht mal, da drüben liegt "U 53" Das

    kennt ihr doch durch seine Amerikafahrt:" Im Moment

    stürmten die Jungen die nächsten U=Boote, und bald

    tribbelte und trabbelte es auf allen Decks von Buntmützen.

    Mit sichtlicher Freude sahen die Offiziere und Werftarbeiter

    dem Treiben zu.  Handschriftlich  Ich war auf  U63.

       Wir Führer stiegen nun vom Kommandoturm herunter

    und sahen durch eine Luke in das Innere des Bootes,  erstaunt

    über die Tiefe. "Wenn die Herren mal hineinklettern

    wollen ....?" Wohl selten haben wir eine Aufforderung

    so schnell ausgeführt als diese. Das klang ja

    wie ein Märchen. Das mußte ausgekostet werden.

      Nun denke man sich das hineinklettern nicht so einfach.

    Bequeme Treppen gibt es nicht. Senkrecht geht es an

    Stahlstangen hinunter. Das schadet aber nicht, je

    schwieriger desto reizvoller. Wir sind sofort mitten in der

    Zentrale. Da könnte man uns unbesorgt vierzehn Tage

    hineinstecken, ohne Gefahr zu laufen, Mitwisser von

    marinetechnischen Geheimnissen zu bekommen. Das war

    ja ein Universum deutschen Erfindergeistes: Uhren, Kabel

    über Kabel, Räder und Räderchen, Hebel über Hebel. An

    der Seite zeigte man und die Tiefensteuer, den Tiefenmesser.

    Ein Blick durch das Sehrohr ließ uns die Torpedowerft

    sehen, wir sehen genau unsere Jungen umherlaufen.

    Aber nun vorsichtig umgeschaut.

         Vor uns lag ein Matrose mitten im Gang in einer Decke

    eingehüllt.

       "Wir sind über drei Wochen draußen gewesen, da sind

    die Leute müde...." Vorsichtig wollten wir uns entfernen,

    aber er schon aufgewacht und schaute uns mit

    großen Augen ganz erstaunt an. Auf Zivilisten war er

    sicher nicht gefaßt gewesen. Wie auf Kommando zogen

    wir alle vom Leder, das heißt unsere Zigarrentaschen

    heraus und reichten ihm unsere Zigarren. Er griff sofort

    danach und war sichtlich erfreut. Unsere Jungen wetteiferten

    mit ihren Führern und packten aus, was sie gerade

    bieten konnten.

         Plötzlich heulten die Dampfsirenen der uns zur Hafenrundfahrt

    gestellten beiden Werftdampfer los, sechs bis

    siebenmal kurz hintereinander. Die Zeit war abgelaufen,

    wir mußten zurück. Schnell noch ein Blick in die übrigen

    Räume, ein kurzer Abschied und dann hinauf durch die

    Turmluke. Aus allen anderen U=Booten tauchten hochgerötete

    Westfalenköpfe auf. Im Galopp ging es dann

    zum Dampfer. Wieder heulten die Sirenen mit

    ohrenbetäubenden Geräusch, und immer neue Gestalten schoben

    sich aus den turmlucken.----

         "Fertig! Ablegen!"--- Langsam schoben sich die

    Dampfer von der Mauer ins freie Wasser hinaus, und

    nun ging es an Torpedobooten und U=Booten vorbei durch

    den Hafen.Links lag das Riesenschwimmbad der Kaiserlichen

    Werft, etwas abseits ankerten die beiden schmucken

    Kreuzer "Stralsund" und "Stettin". Kurz darauf begrüßten

    wir an Steuerbord den gewaltigen Panzerkreuzer


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    "Seydlitz" mit seinem bekannten hohen Bug und den drei

    Fischen im Wappen. Voraus lag das große Lazarettschiff

    "Sierra Ventana", ein wahrer Ozeanriese. Wir passierten

    große Scheiben, die zu Scharfschießübungen in See ver-

    wendet werden und nun auf kleinen Booten im Hafen

    lagen. Das große Linienschiff "König Albert" wurde mit

    Hurrarufen begrüßt, das freundlich von Bord aus erwidert

    wurde. 


  • July 17, 2018 22:33:15 Christian Scheid

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    Boot zeigen. -- Seht mal, da drüben liegt "U 53" Das

    kennt ihr doch durch seine Amerikafahrt:" Im Moment

    stürmten die Jungen die nächsten U=Boote, und bald

    tribbelte und trabbelte es auf allen Decks von Buntmützen.

    Mit sichtlicher Freude sahen die Offiziere und Werftarbeiter

    dem Treiben zu.  Handschriftlich  Ich war auf  U63.

       Wir Führer stiegen nun vom Kommandoturm herunter

    und sahen durch eine Luke in das Innere des Bootes,  erstaunt

    über die Tiefe. "Wenn die Herren mal hineinklettern

    wollen ....?" Wohl selten haben wir eine Aufforderung

    so schnell ausgeführt als diese. Das klang ja

    wie ein Märchen. Das mußte ausgekostet werden.

      Nun denke man sich das hineinklettern nicht so einfach.

    Bequeme Treppen gibt es nicht. Senkrecht geht es an

    Stahlstangen hinunter. Das schadet aber nicht, je

    schwieriger desto reizvoller. Wir sind sofort mitten in der

    Zentrale. Da könnte man uns unbesorgt vierzehn Tage

    hineinstecken, ohne Gefahr zu laufen, Mitwisser von

    marinetechnischen Geheimnissen zu bekommen. Das war

    ja ein Universum deutschen Erfindergeistes: Uhren, Kabel

    über Kabel, Räder und Räderchen, Hebel über Hebel. An

    der Seite zeigte man und die Tiefensteuer, den Tiefenmesser.

    Ein Blick durch das Sehrohr ließ uns die Torpedowerft

    sehen, wir sehen genau unsere Jungen umherlaufen.

    Aber nun vorsichtig umgeschaut.

         Vor uns lag ein Matrose mitten im Gang in einer Decke

    eingehüllt.

       "Wir sind über drei Wochen draußen gewesen, da sind

    die Leute müde...." Vorsichtig wollten wir uns entfernen,

    aber er schon aufgewacht und schaute uns mit

    großen Augen ganz erstaunt an. Auf Zivilisten war er

    sicher nicht gefaßt gewesen. Wie auf Kommando zogen

    wir alle vom Leder, das heißt unsere Zigarrentaschen

    heraus und reichten ihm unsere Zigarren. Er griff sofort

    danach und war sichtlich erfreut. Unsere Jungen wetteiferten

    mit ihren Führern und packten aus, was sie gerade

    bieten konnten.

         Plötzlich heulten die Dampfsirenen der uns zur Hafenrundfahrt

    gestellten beiden Werftdampfer los, sechs bis

    siebenmal kurz hintereinander. Die Zeit war abgelaufen,

    wir mußten zurück. Schnell noch ein Blick in die übrigen

    Räume, ein kurzer Abschied und dann hinauf durch die

    Turmluke. Aus allen anderen U=Booten tauchten hochgerötete

    Westfalenköpfe auf. Im Galopp ging es dann

    zum Dampfer. Wieder heulten die Sirenen mit

    ohrenbetäubenden Geräusch, und immer neue Gestalten schoben

    sich aus den turmlucken.----

         "Fertig! Ablegen!"--- Langsam schoben sich die

    Dampfer von der Mauer ins freie Wasser hinaus, und

    nun ging es an Torpedobooten und U=Booten vorbei durch

    den Hafen.Links lag das Riesenschwimmbad der Kaiserlichen

    Werft, etwas abseits ankerten die beiden schmucken

    Kreuzer "Stralsund" und "Stettin". Kurz darauf begrüßten

    wir an Steuerbord den gewaltigen Panzerkreuzer


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    "Seydlitz"


  • February 20, 2018 18:50:24 Udo Bahl

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    Boot zeigen. -- Seht mal, da drüben liegt "U 53" Das

    kennt ihr doch durch seine Amerikafahrt:" Im Moment

    stürmten die Jungen die nächsten U=Boote, und bald

    tribbelte und trabbelte es auf allen Decks von Buntmützen.

    Mit sichtlicher Freude sahen die Offiziere und Werftarbeiter

    dem Treiben zu.  Handschriftlich  Ich war auf  U63.

       Wir Führer stiegen nun vom Kommandoturm herunter

    und sahen durch eine Luke in das Innere des Bootes,  erstaunt

    über die Tiefe. "Wenn die Herren mal hineinklettern

    wollen ....?" Wohl selten haben wir eine Aufforderung

    so schnell ausgeführt als diese. Das klang ja

    wie ein Märchen. Das mußte ausgekostet werden.

      Nun denke man sich das hineinklettern nicht so einfach.

    Bequeme Treppen gibt es nicht. Senkrecht geht es an

    Stahlstangen hinunter. Das schadet aber nicht, je

    schwieriger desto reizvoller. Wir sind sofort mitten in der

    Zentrale. Da könnte man uns unbesorgt vierzehn Tage

    hineinstecken, ohne Gefahr zu laufen, Mitwisser von

    marinetechnischen Geheimnissen zu bekommen. Das war

    ja ein Universum deutschen Erfindergeistes: Uhren, Kabel

    über Kabel, Räder und Räderchen, Hebel über Hebel. An

    der Seite zeigte man und die Tiefensteuer, den Tiefenmesser.

    Ein Blick durch das Sehrohr ließ uns die Torpedowerft

    sehen, wir sehen genau unsere Jungen umherlaufen.

    Aber nun vorsichtig umgeschaut.

         Vor uns lag ein Matrose mitten im Gang in einer Decke

    eingehüllt.

       "Wir sind über drei Wochen draußen gewesen, da sind

    die Leute müde...." Vorsichtig wollten wir uns entfernen,

    aber er schon aufgewacht und schaute uns mit

    großen Augen ganz erstaunt an. Auf Zivilisten war er

    sicher nicht gefaßt gewesen. Wie auf Kommando zogen

    wir alle vom Leder, das heißt unsere Zigarrentaschen

    heraus und reichten ihm unsere Zigarren. Er griff sofort

    danach und war sichtlich erfreut. Unsere Jungen wetteiferten

    mit ihren Führern und packten aus, was sie gerade

    bieten konnten.

         Plötzlich heulten die Dampfsirenen der uns zur Hafenrundfahrt

    gestellten beiden Werftdampfer los, sechs bis

    siebenmal kurz hintereinander. Die Zeit war abgelaufen,

    wir mußten zurück. Schnell noch ein Blick in die übrigen

    Räume, ein kurzer Abschied und dann hinauf durch die

    Turmluke. Aus allen anderen U=Booten tauchten hochgerötete

    Westfalenköpfe auf. Im Galopp ging es dann

    zum Dampfer. Wieder heulten die Sirenen mit

    ohrenbetäubenden Geräusch, und immer neue Gestalten schoben

    sich aus den turmlucken.----

         "Fertig! Ablegen!"--- Langsam schoben sich die

    Dampfer von der Mauer ins freie Wasser hinaus, und

    nun ging es an Torpedobooten und U=Booten vorbei durch

    den Hafen.Links lag das Riesenschwimmbad der Kaiserlichen

    Werft, etwas abseits ankerten die beiden schmucken

    Kreuzer "Stralsund" und "Stettin". Kurz darauf begrüßten

    wir an Steuerbord den gewaltigen Panzerkreuzer


     rechte Seite 

     Handschriftlich 


    40

     




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    Soest

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Wilhelm Schenkel
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http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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