Tagebuch des Schülers Wilhelm Schenkel während des Krieges, item 26

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 Handschriftlich 

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Eingeklebt

Kommandorufe hallen über den Platz, die Gruppen schwenken

ein, ein kurzer Locker der Trommel, und nun geht´s

mit Pauken und Trompeten durch die Straßen Wilhelmshavens.

Überall öffnen sich "die Fenster und die Türen".

Aus den Wachtlokalen strömen die Matrosen, die Seeoffiziere

grüßen freundlich herüber, die Wilhelmshavener

Schuljugend, braungebrand, flachshaarig, läuft nebenher.

Die Marineuniform ist hier vorherrschend. Auf Schritt und

Tritt begegnen uns Matrosen aller Schiffe, Seeoffiziere,

hohe Stabsoffiziere. in den Schaufenstern der Buchhand

-lungen hängen Bilder von den Schiffen, Seebilder. Hier

sieht man die Wohnungen der Schiffskomandanten, dort

die Villa eines Admirals.

    Weiter geht der Marsch. Die Musik ist unermüdlich

ein Marsch folgt dem anderen. Bald sind die letzten Häuser

hinter uns. In der Ferne ragt ein hohes schwarzes Kreuz

zum Himmel: Dort liegt der Ehrenfriedhof der Marine,

unser erstes Ziel.



Mittwoch, den 30. Mai 1917.

   Noch einmal schmettert die Kapelle einen schneidigen

Marinemarsch durch die herrliche Pfingstlandschaft, dann

wird "abgeschlagen", und sang- und klanglos biegen wir in

den Marinefriedhof ein. Feierlich still wird es in den

Marschkolonnen. Vor uns taucht das große Holzkreuz auf,

rechts und links liegen die Heldengräber, eingerahmt von

prächtigen Tulpen- und Maiblumenbeeten. "S.M.S."Seydlitz"."

Hell leuchtet der Name von einem weißen

Kreuz herab, und die roten Rettungsringe, die fast jedes

Grab schmücken, geben der Stätte eine besondere Weihe.

"S.M.S."Thüringen","S.M.S."Ostfriesland"," so

geht es weiter, von Grab zu Grab, und immer wieder liest

man neue Namen.

    Morgen ist der Skagerraktag! Ueberall arbeiten Matrosen

an den Gräbern, tragen auf Stangen ganze Reihen von

Kränzen herbei und legen sie auf die Gräber nieder. An

einem kleinen Grabhügel abseits des Hauptweges kniet ein

Mütterlein und pflanzt Blumen hinein.  Sie sieht nichts von

der buntbemützten westfälischen Jugend, die an ihr vorbeizieht.

  Vor zwei kleinen Kreutzen machen wir halt: "S.M.S.Westfalen",

so lautet die Inschrift, und darunter stehen die

Namen der Gefallenen. Die Marschkolonnen rücken im

Viereck auf, und feierlich beginnt die Kapelle mit dem Altniederländischen

Dankgebet: "Wir treten zum Beten vor

Gott den Gerechten." In andächtiger Stille lauschen wir

den Klängen, die uns an dieser Stätte und zu dieser Erinnerungsstunde doppelt feierlich ergreifen. Auch das

Mütterlein ist hinausgetreten und horcht mit gefalteten

Händen. Dann nimmt Pfarrer Tönnißen das Wort. Er

spricht von deutschem Heldentum, von deutscher Treue bis

zum Tode, er redet von unserer westfälischen Heimat als dem

Land vieler Kämpfe, von unserem Patenschiff und von der großen Seeschlacht am Skagerrak , und all seinen Worte



 Rechte Seite 

 Handschriftlich 

36  


 Eingeklebt 

klingen aus in dem Liede: "Deutschland, Deutschland über

alles, über alles in der Welt", in das Orchester und wir

einstimmen, während die Kränze auf das Grab gelegt

wurden.

  Den letzten Gruß spricht Rudolf Fromme=Soest mit dem

Wilmschen Gedicht:

Hut ab, hier ruhen deutsche Helden,

Sie taten, was die Pflicht gebot.

Die schlichten ernsten Kreuze melden

Von deutscher Treue bis zum Tod.


Wir wollen unsern Dank bekunden

Und weihen Euch den Lorbeerkranz,

In dessen Grün wir eingewunden,

Den Gruß und Dank Westfalenlands.


Schlaft wohl, und kehren wir einst wieder

Wenn Gott uns Sieg und Freiheit gab,

Dann legen Kränze wir und Lieder.

Aufs neu' auf euer Heldengrab! --


Hiermit war unsere Gedächtnisfeier beendet. Unsere

Schritte lenkten sich nun zum großen Kreuz in der Mitte

der Westseite des Friedhofs, wo wir die "Den schlummernden

Helden der deutschen Flotte" gewidmeten Kränze niederlegten, die uns die Heimat mitgegeben hatte.

   Allmählich war es 7 Uhr geworden, und ich gab den Befehl

zum Sammeln an der Friedhofskapelle. Kurz darauf

marschierte der zweite Zug (Soest) ab in das Quartier nach

Wilhelmshaven, während der erste Zug (Hamm) noch einen

dreiviertelstündigen Weg zum Fort Schaar vor sich hatte.

Wieviel Poesie liegt nicht in dem Wort "Fort Schaar"! All

die Erinnerungen vom vorigen Jahr werden wieder lebendig

und lassen alle Müdigkeit vergessen, nicht minder aber auch

die geheimnisvolle Andeutung des uns begleitenden Feldwebels,

es gäbe noch heute abend Speckerbsen. Ich weiß

nicht, ob das letztere hauptsächlich schuld daran war, während

des Marsches fortwährend rufen zu müssen: "Spitze kurz

treten!" Wir benutzten den Fortifikationsweg, an dessen

Seite ein Schienenstrang für Munitionstransporte entlang

lief und der sonst weder betreten noch befahren werden

durfte. Wir Westfalen hatten natürlich wieder den Vorrang.

Bald tauchte das Fort auf. Auf den Wällen patrouillierten

die Posten auf und ab, zu beiden Seiten des Weges lagen

mächtige Kanonenrohre, und am Forteingang standen

Reservegeschütze. Kurze Zeit darauf donnerten unsere

Schritte über die eiserne Zugbrücke, wo uns in liebenswürdigster

Weise Leutnant v. Eicken, der Kommandant des

Forts, Leutnant Pratje und Leutnant Schütz begrüßten.

    Man hat wohl als Führer oft seine Sorgen, daß einem

dies und das zu langsam geht. Man möchte alles so erledigt

wissen, wie man es sich wochenlang vorher ausgedacht

hat, und da kann man doch manchmal Wunderdinge erleben,

Man hat eben die Rechnung ohne - die Westfalenjungen

gemacht. Anders beim Essen! " Da klappt alles! Man

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Eingeklebt

Kommandorufe hallen über den Platz, die Gruppen schwenken

ein, ein kurzer Locker der Trommel, und nun geht´s

mit Pauken und Trompeten durch die Straßen Wilhelmshavens.

Überall öffnen sich "die Fenster und die Türen".

Aus den Wachtlokalen strömen die Matrosen, die Seeoffiziere

grüßen freundlich herüber, die Wilhelmshavener

Schuljugend, braungebrand, flachshaarig, läuft nebenher.

Die Marineuniform ist hier vorherrschend. Auf Schritt und

Tritt begegnen uns Matrosen aller Schiffe, Seeoffiziere,

hohe Stabsoffiziere. in den Schaufenstern der Buchhand

-lungen hängen Bilder von den Schiffen, Seebilder. Hier

sieht man die Wohnungen der Schiffskomandanten, dort

die Villa eines Admirals.

    Weiter geht der Marsch. Die Musik ist unermüdlich

ein Marsch folgt dem anderen. Bald sind die letzten Häuser

hinter uns. In der Ferne ragt ein hohes schwarzes Kreuz

zum Himmel: Dort liegt der Ehrenfriedhof der Marine,

unser erstes Ziel.



Mittwoch, den 30. Mai 1917.

   Noch einmal schmettert die Kapelle einen schneidigen

Marinemarsch durch die herrliche Pfingstlandschaft, dann

wird "abgeschlagen", und sang- und klanglos biegen wir in

den Marinefriedhof ein. Feierlich still wird es in den

Marschkolonnen. Vor uns taucht das große Holzkreuz auf,

rechts und links liegen die Heldengräber, eingerahmt von

prächtigen Tulpen- und Maiblumenbeeten. "S.M.S."Seydlitz"."

Hell leuchtet der Name von einem weißen

Kreuz herab, und die roten Rettungsringe, die fast jedes

Grab schmücken, geben der Stätte eine besondere Weihe.

"S.M.S."Thüringen","S.M.S."Ostfriesland"," so

geht es weiter, von Grab zu Grab, und immer wieder liest

man neue Namen.

    Morgen ist der Skagerraktag! Ueberall arbeiten Matrosen

an den Gräbern, tragen auf Stangen ganze Reihen von

Kränzen herbei und legen sie auf die Gräber nieder. An

einem kleinen Grabhügel abseits des Hauptweges kniet ein

Mütterlein und pflanzt Blumen hinein.  Sie sieht nichts von

der buntbemützten westfälischen Jugend, die an ihr vorbeizieht.

  Vor zwei kleinen Kreutzen machen wir halt: "S.M.S.Westfalen",

so lautet die Inschrift, und darunter stehen die

Namen der Gefallenen. Die Marschkolonnen rücken im

Viereck auf, und feierlich beginnt die Kapelle mit dem Altniederländischen

Dankgebet: "Wir treten zum Beten vor

Gott den Gerechten." In andächtiger Stille lauschen wir

den Klängen, die uns an dieser Stätte und zu dieser Erinnerungsstunde doppelt feierlich ergreifen. Auch das

Mütterlein ist hinausgetreten und horcht mit gefalteten

Händen. Dann nimmt Pfarrer Tönnißen das Wort. Er

spricht von deutschem Heldentum, von deutscher Treue bis

zum Tode, er redet von unserer westfälischen Heimat als dem

Land vieler Kämpfe, von unserem Patenschiff und von der großen Seeschlacht am Skagerrak , und all seinen Worte



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 Eingeklebt 

klingen aus in dem Liede: "Deutschland, Deutschland über

alles, über alles in der Welt", in das Orchester und wir

einstimmen, während die Kränze auf das Grab gelegt

wurden.

  Den letzten Gruß spricht Rudolf Fromme=Soest mit dem

Wilmschen Gedicht:

Hut ab, hier ruhen deutsche Helden,

Sie taten, was die Pflicht gebot.

Die schlichten ernsten Kreuze melden

Von deutscher Treue bis zum Tod.


Wir wollen unsern Dank bekunden

Und weihen Euch den Lorbeerkranz,

In dessen Grün wir eingewunden,

Den Gruß und Dank Westfalenlands.


Schlaft wohl, und kehren wir einst wieder

Wenn Gott uns Sieg und Freiheit gab,

Dann legen Kränze wir und Lieder.

Aufs neu' auf euer Heldengrab! --


Hiermit war unsere Gedächtnisfeier beendet. Unsere

Schritte lenkten sich nun zum großen Kreuz in der Mitte

der Westseite des Friedhofs, wo wir die "Den schlummernden

Helden der deutschen Flotte" gewidmeten Kränze niederlegten, die uns die Heimat mitgegeben hatte.

   Allmählich war es 7 Uhr geworden, und ich gab den Befehl

zum Sammeln an der Friedhofskapelle. Kurz darauf

marschierte der zweite Zug (Soest) ab in das Quartier nach

Wilhelmshaven, während der erste Zug (Hamm) noch einen

dreiviertelstündigen Weg zum Fort Schaar vor sich hatte.

Wieviel Poesie liegt nicht in dem Wort "Fort Schaar"! All

die Erinnerungen vom vorigen Jahr werden wieder lebendig

und lassen alle Müdigkeit vergessen, nicht minder aber auch

die geheimnisvolle Andeutung des uns begleitenden Feldwebels,

es gäbe noch heute abend Speckerbsen. Ich weiß

nicht, ob das letztere hauptsächlich schuld daran war, während

des Marsches fortwährend rufen zu müssen: "Spitze kurz

treten!" Wir benutzten den Fortifikationsweg, an dessen

Seite ein Schienenstrang für Munitionstransporte entlang

lief und der sonst weder betreten noch befahren werden

durfte. Wir Westfalen hatten natürlich wieder den Vorrang.

Bald tauchte das Fort auf. Auf den Wällen patrouillierten

die Posten auf und ab, zu beiden Seiten des Weges lagen

mächtige Kanonenrohre, und am Forteingang standen

Reservegeschütze. Kurze Zeit darauf donnerten unsere

Schritte über die eiserne Zugbrücke, wo uns in liebenswürdigster

Weise Leutnant v. Eicken, der Kommandant des

Forts, Leutnant Pratje und Leutnant Schütz begrüßten.

    Man hat wohl als Führer oft seine Sorgen, daß einem

dies und das zu langsam geht. Man möchte alles so erledigt

wissen, wie man es sich wochenlang vorher ausgedacht

hat, und da kann man doch manchmal Wunderdinge erleben,

Man hat eben die Rechnung ohne - die Westfalenjungen

gemacht. Anders beim Essen! " Da klappt alles! Man


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  • February 11, 2018 18:06:08 Udo Bahl

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    Eingeklebt

    Kommandorufe hallen über den Platz, die Gruppen schwenken

    ein, ein kurzer Locker der Trommel, und nun geht´s

    mit Pauken und Trompeten durch die Straßen Wilhelmshavens.

    Überall öffnen sich "die Fenster und die Türen".

    Aus den Wachtlokalen strömen die Matrosen, die Seeoffiziere

    grüßen freundlich herüber, die Wilhelmshavener

    Schuljugend, braungebrand, flachshaarig, läuft nebenher.

    Die Marineuniform ist hier vorherrschend. Auf Schritt und

    Tritt begegnen uns Matrosen aller Schiffe, Seeoffiziere,

    hohe Stabsoffiziere. in den Schaufenstern der Buchhand

    -lungen hängen Bilder von den Schiffen, Seebilder. Hier

    sieht man die Wohnungen der Schiffskomandanten, dort

    die Villa eines Admirals.

        Weiter geht der Marsch. Die Musik ist unermüdlich

    ein Marsch folgt dem anderen. Bald sind die letzten Häuser

    hinter uns. In der Ferne ragt ein hohes schwarzes Kreuz

    zum Himmel: Dort liegt der Ehrenfriedhof der Marine,

    unser erstes Ziel.



    Mittwoch, den 30. Mai 1917.

       Noch einmal schmettert die Kapelle einen schneidigen

    Marinemarsch durch die herrliche Pfingstlandschaft, dann

    wird "abgeschlagen", und sang- und klanglos biegen wir in

    den Marinefriedhof ein. Feierlich still wird es in den

    Marschkolonnen. Vor uns taucht das große Holzkreuz auf,

    rechts und links liegen die Heldengräber, eingerahmt von

    prächtigen Tulpen- und Maiblumenbeeten. "S.M.S."Seydlitz"."

    Hell leuchtet der Name von einem weißen

    Kreuz herab, und die roten Rettungsringe, die fast jedes

    Grab schmücken, geben der Stätte eine besondere Weihe.

    "S.M.S."Thüringen","S.M.S."Ostfriesland"," so

    geht es weiter, von Grab zu Grab, und immer wieder liest

    man neue Namen.

        Morgen ist der Skagerraktag! Ueberall arbeiten Matrosen

    an den Gräbern, tragen auf Stangen ganze Reihen von

    Kränzen herbei und legen sie auf die Gräber nieder. An

    einem kleinen Grabhügel abseits des Hauptweges kniet ein

    Mütterlein und pflanzt Blumen hinein.  Sie sieht nichts von

    der buntbemützten westfälischen Jugend, die an ihr vorbeizieht.

      Vor zwei kleinen Kreutzen machen wir halt: "S.M.S.Westfalen",

    so lautet die Inschrift, und darunter stehen die

    Namen der Gefallenen. Die Marschkolonnen rücken im

    Viereck auf, und feierlich beginnt die Kapelle mit dem Altniederländischen

    Dankgebet: "Wir treten zum Beten vor

    Gott den Gerechten." In andächtiger Stille lauschen wir

    den Klängen, die uns an dieser Stätte und zu dieser Erinnerungsstunde doppelt feierlich ergreifen. Auch das

    Mütterlein ist hinausgetreten und horcht mit gefalteten

    Händen. Dann nimmt Pfarrer Tönnißen das Wort. Er

    spricht von deutschem Heldentum, von deutscher Treue bis

    zum Tode, er redet von unserer westfälischen Heimat als dem

    Land vieler Kämpfe, von unserem Patenschiff und von der großen Seeschlacht am Skagerrak , und all seinen Worte



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     Eingeklebt 

    klingen aus in dem Liede: "Deutschland, Deutschland über

    alles, über alles in der Welt", in das Orchester und wir

    einstimmen, während die Kränze auf das Grab gelegt

    wurden.

      Den letzten Gruß spricht Rudolf Fromme=Soest mit dem

    Wilmschen Gedicht:

    Hut ab, hier ruhen deutsche Helden,

    Sie taten, was die Pflicht gebot.

    Die schlichten ernsten Kreuze melden

    Von deutscher Treue bis zum Tod.


    Wir wollen unsern Dank bekunden

    Und weihen Euch den Lorbeerkranz,

    In dessen Grün wir eingewunden,

    Den Gruß und Dank Westfalenlands.


    Schlaft wohl, und kehren wir einst wieder

    Wenn Gott uns Sieg und Freiheit gab,

    Dann legen Kränze wir und Lieder.

    Aufs neu' auf euer Heldengrab! --


    Hiermit war unsere Gedächtnisfeier beendet. Unsere

    Schritte lenkten sich nun zum großen Kreuz in der Mitte

    der Westseite des Friedhofs, wo wir die "Den schlummernden

    Helden der deutschen Flotte" gewidmeten Kränze niederlegten, die uns die Heimat mitgegeben hatte.

       Allmählich war es 7 Uhr geworden, und ich gab den Befehl

    zum Sammeln an der Friedhofskapelle. Kurz darauf

    marschierte der zweite Zug (Soest) ab in das Quartier nach

    Wilhelmshaven, während der erste Zug (Hamm) noch einen

    dreiviertelstündigen Weg zum Fort Schaar vor sich hatte.

    Wieviel Poesie liegt nicht in dem Wort "Fort Schaar"! All

    die Erinnerungen vom vorigen Jahr werden wieder lebendig

    und lassen alle Müdigkeit vergessen, nicht minder aber auch

    die geheimnisvolle Andeutung des uns begleitenden Feldwebels,

    es gäbe noch heute abend Speckerbsen. Ich weiß

    nicht, ob das letztere hauptsächlich schuld daran war, während

    des Marsches fortwährend rufen zu müssen: "Spitze kurz

    treten!" Wir benutzten den Fortifikationsweg, an dessen

    Seite ein Schienenstrang für Munitionstransporte entlang

    lief und der sonst weder betreten noch befahren werden

    durfte. Wir Westfalen hatten natürlich wieder den Vorrang.

    Bald tauchte das Fort auf. Auf den Wällen patrouillierten

    die Posten auf und ab, zu beiden Seiten des Weges lagen

    mächtige Kanonenrohre, und am Forteingang standen

    Reservegeschütze. Kurze Zeit darauf donnerten unsere

    Schritte über die eiserne Zugbrücke, wo uns in liebenswürdigster

    Weise Leutnant v. Eicken, der Kommandant des

    Forts, Leutnant Pratje und Leutnant Schütz begrüßten.

        Man hat wohl als Führer oft seine Sorgen, daß einem

    dies und das zu langsam geht. Man möchte alles so erledigt

    wissen, wie man es sich wochenlang vorher ausgedacht

    hat, und da kann man doch manchmal Wunderdinge erleben,

    Man hat eben die Rechnung ohne - die Westfalenjungen

    gemacht. Anders beim Essen! " Da klappt alles! Man

  • February 11, 2018 17:19:06 Gabriele Kister-Schuler

     Linke Seite 


    Eingeklebt

    Kommandorufe hallen über den Platz, die Gruppen schwenken

    ein, ein kurzer Locker der Trommel, und nun geht´s

    mit Pauken und Trompeten durch die Straßen Wilhelmshavens.

    Überall öffnen sich "die Fenster und die Türen".

    Aus den Wachtlokalen strömen die Matrosen, die Seeoffiziere

    grüßen freundlich herüber, die Wilhelmshavener

    Schuljugend, braungebrand, flachshaarig, läuft nebenher.

    Die Marineuniform ist hier vorherrschend. Auf Schritt und

    Tritt begegnen uns Matrosen aller Schiffe, Seeoffiziere,

    hohe Stabsoffiziere. in den Schaufenstern der Buchhand

    -lungen hängen Bilder von den Schiffen, Seebilder. Hier

    sieht man die Wohnungen der Schiffskomandanten, dort

    die Villa eines Admirals.

        Weiter geht der Marsch. Die Musik ist unermüdlich

    ein Marsch folgt dem anderen. Bald sind die letzten Häuser

    hinter uns. In der Ferne ragt ein hohes schwarzes Kreuz

    zum Himmel: Dort liegt der Ehrenfriedhof der Marine,

    unser erstes Ziel.



    Mittwoch,d den 30. Mai 1917.

       Noch einmal schmettert die Kapelle einen schneidigen

    Marinemarsch durch die herrliche Pfingstlandschaft, dann

    wird "abgeschlagen", und sang- und klanglos biegen wir in

    den Marinefriedhof ein. Feierlich still wird es in den

    Marschkolonnen. Vor uns taucht das große Holzkreuz auf,

    rechts und links liegen die Heldengräber, eingerahmt von

    prächtigen Tulpen- und Maiblumenbeeten. "S.M.S."Seydlitz"."

    Hell leuchtet der Name von einem weißen

    Kreuz herab, und die roten Rettungsringe, die fast jedes

    Grab schmücken, geben der Stätte eine besondere Weihe.

    "S.M.S."Thüringen","S.M.S."Ostfriesland"," so

    geht es weiter, von Grab zu Grab, und immer wieder liest

    man neue Namen.

        Morgen ist der Skagerraktag! Ueberall arbeiten Matrosen

    an den Gräbern, tragen auf Stangen ganze Reihen von

    Kränzen herbei und legen sie auf die Gräber nieder. An

    einem kleinen Grabhügel abseits des Hauptweges kniet ein

    Mütterlein und pflanzt Blumen hinein.  Sie sieht nichts von

    der buntbemützten westfälischen Jugend, die an ihr vorbeizieht.

      Vor zwei kleinen Kreutzen machen wir halt: "S.M.S.Westfalen",

    so lautet die Inschrift, und darunter stehen die

    Namen der Gefallenen. Die Marschkolonnen rücken im

    Viereck auf, und feierlich beginnt die Kapelle mit dem Altniederländischen

    Dankgebet: "Wir treten zum Beten vor

    Gott den Gerechten." In andächtiger Stille lauschen wir

    den Klängen, die uns an dieser Stätte und zu dieser Erinnerungsstunde doppelt feierlich ergreifen. Auch das

    Mütterlein ist hinausgetreten und horcht mit gefalteten

    Händen. Dann nimmt Pfarrer Tönnißen das Wort. Er

    spricht von deutschem Heldentum, von deutscher Treue bis

    zum Tode, er redet von unserer westfälischen Heimat als dem

    Land vieler Kämpfe, von unserem Patenschiff und von der großen Seeschlacht am Skagerrak , und all seinen Worte



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     Eingeklebt 

    klingen aus in dem Liede: "Deutschland, Deutschland über

    alles, über alles in der Welt", in das Orchester und wir

    einstimmen, während die Kränze auf das Grab gelegt

    wurden.

      Den letzten Gruß spricht Rudolf Fromme=Soest mit dem

    Wilmschen Gedicht:

    Hut ab, hier ruhen deutsche Helden,

    Sie taten, was die Pflicht gebot.

    Die schlichten ernsten Kreuze melden

    Von deutscher Treue bis zum Tod.


    Wir wollen unsern Dank bekunden

    Und weihen Euch den Lorbeerkranz,

    In dessen Grün wir eingewunden,

    Den Gruß und Dank Westfalenlands.


    Schlaft wohl, und kehren wir einst wieder

    Wenn Gott uns Sieg und Freiheit gab,

    Dann legen Kränze wir und Lieder.

    Aufs neu' auf euer Heldengrab! --


    Hiermit war unsere Gedächtnisfeier beendet. Unsere

    Schritte lenkten sich nun zum großen Kreuz in der Mitte

    der Westseite des Friedhofs, wo wir die "Den schlummernden

    Helden der deutschen Flotte" gewidmeten Kränze niederlegten, die uns die Heimat mitgegeben hatte.

       Allmählich war es 7 Uhr geworden, und ich gab den Befehl

    zum Sammeln an der Friedhofskapelle. Kurz darauf

    marschierte der zweite Zug (Soest) ab in das Quartier nach

    Wilhelmshaven, während der erste Zug (Hamm) noch einen

    dreiviertelstündigen Weg zum Fort Schaar vor sich hatte.

    Wieviel Poesie liegt nicht in dem Wort "Fort Schaar"! All

    die Erinnerungen vom vorigen Jahr werden wieder lebendig

    und lassen alle Müdigkeit vergessen, nicht minder aber auch

    die geheimnisvolle Andeutung des uns begleitenden Feldwebels,

    es gäbe noch heute abend Speckerbsen. Ich weiß

    nicht, ob das letztere hauptsächlich schuld daran war, während

    des Marsches fortwährend rufen zu müssen: "Spitze kurz

    treten!" Wir benutzten den Fortifikationsweg, an dessen

    Seite ein Schienenstrang für Munitionstransporte entlang

    lief und der sonst weder betreten noch befahren werden

    durfte. Wir Westfalen hatten natürlich wieder den Vorrang.

    Bald tauchte das Fort auf. Auf den Wällen patrouillierten

    die Posten auf und ab, zu beiden Seiten des Weges lagen

    mächtige Kanonenrohre, und am Forteingang standen

    Reservegeschütze. Kurze Zeit darauf donnerten unsere

    Schritte über die eiserne Zugbrücke, wo uns in liebenswürdigster

    Weise Leutnant v. Eicken, der Kommandant des

    Forts, Leutnant Pratje und Leutnant Schütz begrüßten.

        Man hat wohl als Führer oft seine Sorgen, daß einem

    dies und das zu langsam geht. Man möchte alles so erledigt

    wissen, wie man es sich wochenlang vorher ausgedacht

    hat, und da kann man doch manchmal Wunderdinge erleben,

    Man hat eben die Rechnung ohne - die Westfalenjungen

    gemacht. Anders beim Essen! " Da klappt alles! Man


  • February 11, 2018 14:29:02 Udo Bahl

     Linke Seite 


    Eingeklebt

    Kommandorufe hallen über den Platz, die Gruppen schwenken

    ein, ein kurzer Loder der Trommel, und nun geht´s

    mit Pauken und Trompeten durch die Straßen Wilhelmshavens.

    Überall öffnen sich "die Fenster und die Türen".

    Aus den Wachtlokalen strömen die Matrosen, die Seeoffiziere

    grüßen freundlich herüber, die Wilhelmshavener

    Schuljugend, braungebrand, flachshaarig, läuft nebenher.

    Die Marineuniform ist hier vorherrschend. Auf Schritt und

    Tritt begegnen uns Matrosen aller Schiffe, Seeoffiziere,

    hohe Stabsoffiziere. in den Schaufenstern der Buchhand

    -lungen hängen Bilder von den Schiffen, Seebilder. Hier

    sieht man die Wohnungen der Schiffskomandanten, dort

    die Villa eines Admirals.

        Weiter geht der Marsch. Die Musik ist unermüdlich

    ein Marsch folgt dem anderen. Bald sind die letzten Häuser

    hinter uns. In der Ferne ragt ein hohes schwarzes Kreuz

    zum Himmel: Dort liegt der Ehrenfriedhof der Marine,

    unser erstes Ziel.



    Mittwoch,d den 30. Mai 1917.

       Noch einmal schmettert die Kapelle einen schneidigen

    Marinemarsch durch die herrliche Pfingstlandschaft, dann

    wird "abgeschlagen", und sang- und klanglos biegen wir in

    den Marinefriedhof ein. Feierlich still wird es in den

    Marschkolonnen. Vor uns taucht das große Holzkreuz auf,

    rechts und links liegen die Heldengräber, eingerahmt von

    prächtigen Tulpen- und Maiblumenbeeten. "S.M.S."Sehblitz"."

    Hell leuchtet der Name von einem weißen

    Kreuz herab, und die roten Rettungsringe, die fast jedes

    Grab schmücken, geben der Stätte eine besondere Weihe.

    "S.M.S."Thringen","S.M.S."Ostfriesland"," so

    geht es weiter, von Grab zu Grab, und immer wieder liest

    man neue Namen.

        Morgen ist der Skagerrakta! Ueberall arbeiten Matrosen

    an den Gräbern, tragen auf Stangen ganze Reihen von

    Kränzen herbei und legen sie auf die Gräber nieder. An

    einem kleinen Grabhügel abseits des Hauptweges kniet ein

    Mütterlein und pflanzt Blumen hinein.  Sie sieht nichts von

    der buntbemützten westfälischen Jugend, die an ihr vorbeizieht.

      Vor zwei kleinen Kreutzen machen wir halt: "S.M.S.Westfalen",

    so lautet die Inschrift, und darunter stehen die

    Namen der Gefallenen. Die Marschkolonnen rücken im

     Viereck  auf, und feierlich beginnt die Kapelle mit dem Altniederländischen

    Dankgebet: "Wir treten zum Beten vor

    Gott den Gerechten." In andächtiger Stille lauschen wir

    den Klängen, die uns an dieser Stätte und zu dieser Erinnerungsstunde doppelt feierlich ergreifen. Auch das

    Mütterlein ist hinausgetreten und horcht mit gefalteten

    Händen. Dann nimmt Pfarrer Tönnißen das Wort. Er

    spricht von missing Heldentum, von deutscher Treue bis

    zum Tode, er redet von unserer westfälischen Heimat als dem

    Land vieler Kämpfe, von unserem Patenschiff und von der großen Seeschlacht am Skagerrak , und all seinen Worte



     Rechte Seite 

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     Eingeklebt 

    klingen aus in dem Liede: "Deutschland, Deutschland über

    alles, über alles in der Welt", in das Orchester und wir

    einstimmen, während die Kränze auf das Grab gelegt

    wurden.

      Den letzten Gruß spricht Rudolf Fromme=Soest mit dem

    Wilmschen Gedicht:

    Hut ab, hier ruhen deutsche Helden,

    Sie taten, was die Pflicht gebot.

    Die schlichten ernsten Kreuze melden

    Von deutscher Treue bis zum Tod.


    Wir wollen unsern Dank bekunden

    Und weihen Euch den Lorbeerkranz,

    In dessen Grün wir eingewunden,

    Den Gruß und Dank Westfalenlands.


    Schlaft wohl, und  lehren  wir einst wieder

    Wenn Gott uns Sieg und Freiheit gab,

    Dann legen Kränze wir und Lieder.

    Aufs neu' auf euer Heldengrab! --


    Hiermit war unsere Gedächtnisfeier beendet. Unsere

    Schritte lenkten sich nun zum großen Kreuz in der Mitte

    der Westseite des Friedhofs, wo wir die "Den schlummernden

    Helden der deutschen Flotte" gewidmeten Kränze niederlegten, die uns die Heimat mitgegeben hatte.

       Allmählich war es 7 Uhr geworden, und ich gab den Befehl

    zum Sammeln an der Friedhofskapelle. Kurz darauf

    marschierte der zweite Zug (Soest) ab in das Quartier nach

    Wilhelmshaven, während der erste Zug (Hamm) noch einen

    dreiviertelstündigen Weg zum Fort Schaar vor sich hatte.

    Wieviel Poesie liegt nicht in dem Wort "Fort Schaar"! All

    die Erinnerungen vom vorigen Jahr werden wieder lebendig

    und lassen alle Müdigkeit vergessen, nicht minder aber auch

    die geheimnisvolle Andeutung des uns begleitenden Feldwebels,

    es gäbe noch heute abend  Speckerbsen . Ich weiß

    nicht, ob das letztere hauptsächlich schuld daran war, während

    des Marsches fortwährend rufen zu müssen: "Spitze  furz 

    treten!" Wir benutzten den Fortifikationsweg, an dessen

    Seite ein Schienenstrang für Munitionstransporte entlang

    lief und der sonst weder betreten noch befahren werden

    durfte. Wir Westfalen hatten natürlich wieder den Vorrang.

    Bald tauchte das Fort auf. Auf den Wällen patrouillierten

    die Posten auf und ab, zu beiden Seiten des Weges lagen

    mächtige Kanonenrohre, und am Forteingang standen

    Reservegeschütze. Kurze Zeit darauf donnerten unsere

    Schritte über die eiserne Zugbrücke, wo uns in liebenswürdigster

    Weise Leutnant v.  Eichen , der Kommandant des

    Forts, Leutnant  Bratje und Leutnant Schütz begrüßten.

        Man hat wohl als Führer oft seine Sorgen, daß einem

    dies und das zu langsam geht. Man möchte alles so erledigt

    wissen, wie man es sich wochenlang vorher ausgedacht

    hat, und da kann man doch manchmal Wunderdinge erleben,

    Man hat eben die Rechnung ohne - die Westfalenjungen

    gemacht. Anders beim Essen! " Da klappt alles! Man


  • February 11, 2018 11:41:15 Udo Bahl

     Linke Seite 


    Kommandorufe hallen über den Platz, die Gruppen schwenken

    ein, ein kurzer Loder der Trommel, und nun geht´s

    mit Pauken und Trompeten durch die Straßen Wilhelmshavens.

    Überall öffnen sich "die Fenster und die Türen".

    Aus den Wachtlokalen strömen die Matrosen, die Seeoffiziere

    grüßen freundlich herüber, die Wilhelmshavener

    Schuljugend, braungebrand, flachshaarig, läuft nebenher.

    Die Marineuniform ist hier vorherrschend. Auf Schritt und

    Tritt begegnen uns Matrosen aller Schiffe, Seeoffiziere,

    hohe Stabsoffiziere. in den Schaufenstern der Buchhand

    -lungen hängen Bilder von den Schiffen, Seebilder. Hier

    sieht man die Wohnungen der Schiffskomandanten, dort

    die Villa eines Admirals.

        Weiter geht der Marsch. Die Musik ist unermüdlich

    ein Marsch folgt dem anderen. Bald sind die letzten Häuser

    hinter uns. In der Ferne ragt ein hohes schwarzes Kreuz

    zum Himmel: Dort liegt der Ehrenfriedhof der Marine,

    unser erstes Ziel.



    Mittwoch,d den 30. Mai 1917.

       Noch einmal schmettert die Kapelle einen schneidigen

    Marinemarsch durch die herrliche Pfingstlandschaft, dann

    wird "abgeschlagen", und sang- und klanglos biegen wir in

    den Marinefriedhof ein. Feierlich still wird es in den

    Marschkolonnen. Vor uns taucht das große Holzkreuz auf,

    rechts und links liegen die Heldengräber, eingerahmt von

    prächtigen Tulpen- und Maiblumenbeeten. "S.M.S."Sehblitz"."

    Hell leuchtet der Name von einem weißen

    Kreuz herab, und die roten Rettungsringe, die fast jedes

    Grab schmücken, geben der Stätte eine besondere Weihe.

    "S.M.S."Thringen","S.M.S."Ostfriesland"," so

    geht es weiter, von Grab zu Grab, und immer wieder liest

    man neue Namen.

        Morgen ist der Skagerrakta! Ueberall arbeiten Matrosen

    an den Gräbern, tragen auf Stangen ganze Reihen von

    Kränzen herbei und legen sie auf die Gräber nieder. An

    einem kleinen Grabhügel abseits des Hauptweges kniet ein

    Mütterlein und pflanzt Blumen hinein.  Sie sieht nichts von

    der buntbemützten westfälischen Jugend, die an ihr vorbeizieht.

      Vor zwei kleinen Kreutzen machen wir halt: "S.M.S.Westfalen",

    so lautet die Inschrift, und darunter stehen die

    Namen der Gefallenen. Die Marschkolonnen rücken im

     Viereck  auf, und feierlich beginnt die Kapelle mit dem Altniederländischen

    Dankgebet: "Wir treten zum Beten vor

    Gott den Gerechten." In andächtiger Stille lauschen wir

    den Klängen, die uns an dieser Stätte und zu dieser Erinnerungsstunde doppelt feierlich ergreifen. Auch das

    Mütterlein ist hinausgetreten und horcht mit gefalteten

    Händen. Dann nimmt Pfarrer Tönnißen das Wort. Er

    spricht von missing Heldentum, von deutscher Treue bis

    zum Tode, er redet von unserer westfälischen Heimat als dem

    Land vieler Kämpfe, von unserem Patenschiff und von der großen Seeschlacht am Skagerrak , und all seinen Worte



     Rechte Seite 

    klingen aus in dem Liede: "Deutschland, Deutschland über

    alles, über alles in der Welt", in das Orchester und wir

    einstimmen, während die Kränze auf das Grab gelegt

    wurden.

      Den letzten Gruß spricht Rudolf Fromme=Soest mit dem

    Wilmschen Gedicht:

    Hut ab, hier ruhen deutsche Helden,

    Sie taten, was die Pflicht gebot.

    Die schlichten ernsten Kreuze melden

    Von deutscher Treue bis zum Tod.


    Wir wollen unsern Dank bekunden

    Und weihen Euch den Lorbeerkranz,

    In dessen Grün wir eingewunden,

    Den Gruß und Dank Westfalenlands.


    Schlaft wohl, und missing wir einst wieder

    Wenn Gott uns Sieg und Freiheit gab,

    Dann legen Kränze wir und Lieder.

    Aufs neu' auf euer Heldengrab! --


  • February 11, 2018 11:28:04 Udo Bahl

     Linke Seite 


    Kommandorufe hallen über den Platz, die Gruppen schwenken

    ein, ein kurzer Loder der Trommel, und nun geht´s

    mit Pauken und Trompeten durch die Straßen Wilhelmshavens.

    Überall öffnen sich "die Fenster und die Türen".

    Aus den Wachtlokalen strömen die Matrosen, die Seeoffiziere

    grüßen freundlich herüber, die Wilhelmshavener

    Schuljugend, braungebrand, flachshaarig, läuft nebenher.

    Die Marineuniform ist hier vorherrschend. Auf Schritt und

    Tritt begegnen uns Matrosen aller Schiffe, Seeoffiziere,

    hohe Stabsoffiziere. in den Schaufenstern der Buchhand

    -lungen hängen Bilder von den Schiffen, Seebilder. Hier

    sieht man die Wohnungen der Schiffskomandanten, dort

    die Villa eines Admirals.

        Weiter geht der Marsch. Die Musik ist unermüdlich

    ein Marsch folgt dem anderen. Bald sind die letzten Häuser

    hinter uns. In der Ferne ragt ein hohes schwarzes Kreuz

    zum Himmel: Dort liegt der Ehrenfriedhof der Marine,

    unser erstes Ziel.



    Mittwoch,d den 30. Mai 1917.

       Noch einmal schmettert die Kapelle einen schneidigen

    Marinemarsch durch die herrliche Pfingstlandschaft, dann

    wird "abgeschlagen", und sang- und klanglos biegen wir in

    den Marinefriedhof ein. Feierlich still wird es in den

    Marschkolonnen. Vor uns taucht das große Holzkreuz auf,

    rechts und links liegen die Heldengräber, eingerahmt von

    prächtigen Tulpen- und Maiblumenbeeten. "S.M.S."Sehblitz"."

    Hell leuchtet der Name von einem weißen

    Kreuz herab, und die roten Rettungsringe, die fast jedes

    Grab schmücken, geben der Stätte eine besondere Weihe.

    "S.M.S."Thringen","S.M.S."Ostfriesland"," so

    geht es weiter, von Grab zu Grab, und immer wieder liest

    man neue Namen.

        Morgen ist der Skagerrakta! Ueberall arbeiten Matrosen

    an den Gräbern, tragen auf Stangen ganze Reihen von

    Kränzen herbei und legen sie auf die Gräber nieder. An

    einem kleinen Grabhügel abseits des Hauptweges kniet ein

    Mütterlein und pflanzt Blumen hinein.  Sie sieht nichts von

    der buntbemützten westfälischen Jugend, die an ihr vorbeizieht.

      Vor zwei kleinen Kreutzen machen wir halt: "S.M.S.Westfalen",

    so lautet die Inschrift, und darunter stehen die

    Namen der Gefallenen. Die Marschkolonnen rücken im

     Viereck  auf, und feierlich beginnt die Kapelle mit dem Altniederländischen

    Dankgebet: "Wir treten zum Beten vor

    Gott den Gerechten." In andächtiger Stille lauschen wir

    den Klängen, die uns an dieser Stätte und zu dieser Erinnerungsstunde doppelt feierlich ergreifen. Auch das

    Mütterlein ist hinausgetreten und horcht mit gefalteten

    Händen. Dann nimmt Pfarrer Tönnißen das Wort. Er

    spricht von missing Heldentum, von deutscher Treue bis

    zum Tode, er redet von unserer westfälischen Heimat als dem

    Land vieler Kämpfe, von unserem Patenschiff und von der großen Seeschlacht am Skagerrak , und all seinen Worte



  • February 11, 2018 11:23:03 Udo Bahl

     Linke Seite 


    Kommandorufe hallen über den Platz, die Gruppen schwenken

    ein, ein kurzer Loder der Trommel, und nun geht´s

    mit Pauken und Trompeten durch die Straßen Wilhelmshavens.

    Überall öffnen sich "die Fenster und die Türen".

    Aus den Wachtlokalen strömen die Matrosen, die Seeoffiziere

    grüßen freundlich herüber, die Wilhelmshavener

    Schuljugend, braungebrand, flachshaarig, läuft nebenher.

    Die Marineuniform ist hier vorherrschend. Auf Schritt und

    Tritt begegnen uns Matrosen aller Schiffe, Seeoffiziere,

    hohe Stabsoffiziere. in den Schaufenstern der Buchhand

    -lungen hängen Bilder von den Schiffen, Seebilder. Hier

    sieht man die Wohnungen der Schiffskomandanten, dort

    die Villa eines Admirals.

        Weiter geht der Marsch. Die Musik ist unermüdlich

    ein Marsch folgt dem anderen. Bald sind die letzten Häuser

    hinter uns. In der Ferne ragt ein hohes schwarzes Kreuz

    zum Himmel: Dort liegt der Ehrenfriedhof der Marine,

    unser erstes Ziel.



    Mittwoch,d den 30. Mai 1917.

       Noch einmal schmettert die Kapelle einen schneidigen

    Marinemarsch durch die herrliche Pfingstlandschaft, dann

    wird "abgeschlagen", und sang- und klanglos biegen wir in

    den Marinefriedhof ein. Feierlich still wird es in den

    Marschkolonnen. Vor uns taucht das große Holzkreuz auf,

    rechts und links liegen die Heldengräber, eingerahmt von

    prächtigen Tulpen- und Maiblumenbeeten. "S.M.S."Sehblitz"."

    Hell leuchtet der Name von einem weißen

    Kreuz herab, und die roten Rettungsringe, die fast jedes

    Grab schmücken, geben der Stätte eine besondere Weihe.

    "S.M.S."Thringen","S.M.S."Ostfrie s land"," so

    geht es weiter, von Grab zu Grab, und immer wieder liest

    man neue Namen.

        Morgen ist der Skagerrakta! Ueberall arbeiten Matrosen

    an den Gräbern, tragen auf Stangen ganze Reihen von

    Kränzen herbei und legen sie auf die Gräber nieder. An

    einem kleinen Grabhügel abseits des Hauptweges kniet ein

    Mütterlein und pflanzt Blumen hinein.  Sie sieht nichts von

    der buntbemützten westfälischen Jugend, die an ihr vorbeizieht.

      Vor zwei kleinen Kreutzen machen wir halt: "S.M.S.Westfalen",

    so lautet die Inschrift, und darunter stehen die

    Namen der Gefallenen. Die Marschkolonnen rücken im

     Viereck  auf, und feierlich beginnt die Kapelle mit dem Altniederländischen

    Dankgebet: "Wir treten zum Beten vor

    Gott den Gerechten." In andächtiger Stille lauschen wir

    den Klängen, die uns an dieser Stätte und zu dieser Erinnerungsstunde doppelt feierlich ergreifen. Auch das

    Mütterlein ist hinausgetreten und horcht mit gefalteten

    Händen. Dann nimmt Pfarrer Tönnißen das Wort. Er

    spricht von missing Heldentum, von deutscher Treue bis

    zum Tode, er redet von unserer westfälischen Heimat als dem

    Land vieler Kämpfe, von unserem Patenschiff und von der großen Seeschlacht am Skagerrak , und all seinen Worte



  • February 11, 2018 11:22:33 Udo Bahl

     Linke Seite 


    Kommandorufe hallen über den Platz, die Gruppen schwenken

    ein, ein kurzer Loder der Trommel, und nun geht´s

    mit Pauken und Trompeten durch die Straßen Wilhelmshavens.

    Überall öffnen sich "die Fenster und die Türen".

    Aus den Wachtlokalen strömen die Matrosen, die Seeoffiziere

    grüßen freundlich herüber, die Wilhelmshavener

    Schuljugend, braungebrand, flachshaarig, läuft nebenher.

    Die Marineuniform ist hier vorherrschend. Auf Schritt und

    Tritt begegnen uns Matrosen aller Schiffe, Seeoffiziere,

    hohe Stabsoffiziere. in den Schaufenstern der Buchhand

    -lungen hängen Bilder von den Schiffen, Seebilder. Hier

    sieht man die Wohnungen der Schiffskomandanten, dort

    die Villa eines Admirals.

        Weiter geht der Marsch. Die Musik ist unermüdlich

    ein Marsch folgt dem anderen. Bald sind die letzten Häuser

    hinter uns. In der Ferne ragt ein hohes schwarzes Kreuz

    zum Himmel: Dort liegt der Ehrenfriedhof der Marine,

    unser erstes Ziel.



    Mittwoch,d den 30. Mai 1917.

       Noch einmal schmettert die Kapelle einen schneidigen

    Marinemarsch durch die herrliche Pfingstlandschaft, dann

    wird "abgeschlagen", und sang- und klanglos biegen wir in

    den Marinefriedhof ein. Feierlich still wird es in den

    Marschkolonnen. Vor uns taucht das große Holzkreuz auf,

    rechts und links liegen die Heldengräber, eingerahmt von

    prächtigen Tulpen- und Maiblumenbeeten. "S.M.S."Sehblitz"."

    Hell leuchtet der Name von einem weißen

    Kreuz herab, und die roten Rettungsringe, die fast jedes

    Grab schmücken, geben der Stätte eine besondere Weihe.

    "S.M.S."Thringen","S.M.S."Ostfrie s land"," so

    geht es weiter, von Grab zu Grab, und immer wieder liest

    man neue Namen.

        Morgen ist derSkagerrakta! Ueberall arbeiten Matrosen

    an den Gräbern, tragen auf Stangen ganze Reihen von

    Kränzen herbei und legen sie auf die Gräber nieder. An

    einem kleinen Grabhügel abseits des Hauptweges kniet ein

    Mütterlein und pflanzt Blumen hinein.  Sie sieht nichts von

    der buntbemützten westfälischen Jugend, die an ihr vorbeizieht.

      Vor zwei kleinen Kreutzen machen wir halt: "S.M.S.Westfalen",

    so lautet die Inschrift, und darunter stehen die

    Namen der Gefallenen. Die Marschkolonnen rücken im

     Viereck  auf, und feierlich beginnt die Kapelle mit dem Altniederländischen

    Dankgebet: "Wir treten zum Beten vor

    Gott den Gerechten." In andächtiger Stille lauschen wir

    den Klängen, die uns an dieser Stätte und zu dieser Erinnerungsstunde doppelt feierlich ergreifen. Auch das

    Mütterlein ist hinausgetreten und horcht mit gefalteten

    Händen. Dann nimmt Pfarrer Tönnißen das Wort. Er

    spricht von missing Heldentum, von deutscher Treue bis

    zum Tode, er redet von unserer westfälischen Heimat als dem

    Land vieler Kämpfe, von unserem Patenschiff und von der großen Seeschlacht am Skagerrak , und all seinen Worte



  • February 11, 2018 10:11:15 Udo Bahl

     Linke Seite 


    Kommandorufe hallen über den Platz, die Gruppen schwenken

    ein, ein kurzer Loder der Trommel, und nun geht´s

    mit Pauken und Trompeten durch die Straßen Wilhelmshavens.

    Überall öffnen sich "die Fenster und die Türen".

    Aus den Wachtlokalen strömen die Matrosen, die Seeoffiziere

    grüßen freundlich herüber, die Wilhelmshavener

    Schuljugend, braungebrand, flachshaarig, läuft nebenher.

    Die Marineuniform ist hier vorherrschend. Auf Schritt und

    Tritt begegnen uns Matrosen aller Schiffe, Seeoffiziere,

    hohe Stabsoffiziere. in den Schaufenstern der Buchhand

    -lungen hängen Bilder von den Schiffen, Seebilder. Hier

    sieht man die Wohnungen der Schiffskomandanten, dort

    die Villa eines Admirals.

        Weiter geht der Marsch. Die Musik ist unermüdlich

    ein Marsch folgt dem anderen. Bald sind die letzten Häuser

    hinter uns. In der Ferne ragt ein hohes schwarzes Kreuz

    zum Himmel: Dort liegt der Ehrenfriedhof der Marine,

    unser erstes Ziel.



    Mittwoch,d den 30. Mai 1917.

       Noch einmal schmettert die Kapelle einen schneidigen

    Marinemarsch durch die herrliche Pfingstlandschaft, dann

    wird "abgeschlagen", und sang- und klanglos biegen wir in

    den Marinefriedhof ein. Feierlich still wird es in den

    Marschkolonnen. Vor uns taucht das große Holzkreuz auf,

    rechts und links liegen die Heldengräber, eingerahmt von

    prächtigen Tulpen- und Maiblumenbeeten. "S.M.S."Sehblitz"."

    Hell leuchtet der Name von einem weißen

    Kreuz herab, und die roten Rettungsringe, die fast jedes

    Grab schmücken, geben der Stätte eine besondere Weihe.

    "S.M.S."Thringen","S.M.S."Ostfrie s land"," so

    geht es weiter, von Grab zu Grab, und immer wieder liest

    man neue Namen.

        Morgen ist der  Stagerraltag ! Ueberall arbeiten Matrosen

    an den Gräbern, tragen auf Stangen ganze Reihen von

    Kränzen herbei und legen sie auf die Gräber nieder. An

    einem kleinen Grabhügel abseits des Hauptweges kniet ein

    Mütterlein und pflanzt Blumen hinein.  Sie sieht nichts von

    der buntbemützten westfälischen Jugend, die an ihr vorbeizieht.

      Vor zwei kleinen Kreutzen machen wir halt: "S.M.S.Westfalen",

    so lautet die Inschrift, und darunter stehen die

    Namen der Gefallenen. Die Marschkolonnen rücken im

     Viereck  auf, und feierlich beginnt die Kapelle mit dem Altniederländischen

    Dankgebet: "Wir treten zum Beten vor

    Gott den Gerechten." In andächtiger Stille lauschen wir

    den Klängen, die uns an dieser Stätte und zu dieser Erinnerungsstunde doppelt feierlich ergreifen. Auch das

    Mütterlein ist hinausgetreten und horcht mit gefalteten

    Händen. Dann nimmt Pfarrer Tönnißen das Wort. Er

    spricht von missing Heldentum, von deutscher Treue bis

    zum Tode, er redet von unserer westfälischen Heimat als dem

    Land vieler Kämpfe, von unserem Patenschiff und von der großen Seeschlacht am  Stagerrat , und all seinen Worte



  • February 11, 2018 07:47:42 Udo Bahl

     Linke Seite 


    Kommandorufe hallen über den Platz, die Gruppen schwen-

    ken ein, ein kurzer Loder der Trommel, und nun geht´s

    mit Pauken und Trompeten durch die Straßen Wilhelms-

    havens. Überall öffnen sich "die Fenster und die Türen".

    Aus den Wachtlokalen strömen die Matrosen, die See-

    offiziere grüßen freundlich herüber, die Wilhelmshavener

    Schuljugend, braungebrand, flachshaarig, läuft nebenher.

    Die Marineuniform ist hier vorherrschend. Auf Schritt und

    Tritt begegnen uns Matrosen aller Schiffe, Seeoffiziere,

    hohe Stabsoffiziere. in den Schaufenstern der Buchhand

    -lungen hängen Bilder von den Schiffen, Seebilder. Hier

    sieht man die Wohnungen der Schiffskomandanten, dort

    die Villa eines Admirals.

        Weiter geht der Marsch. Die  Musik  ist unermüdlich

    ein Marsch folgt dem anderen. Bald sind die letzten Häuser

    hinter uns. In der Ferne ragt ein hohes schwarzes Kreuz

    zum Himmel: Dort liegt der Ehrenfriedhof der Marine,

    unser erstes Ziel.


  • February 11, 2018 07:46:43 Udo Bahl

     Linke Seite 


    Kommandorufe hallen über den Platz, die Gruppen schwen-

    ken ein, ein kurzer Loder der Trommel, und nun geht´s

    mit Pauken und Trompeten durch die Straßen Wilhelms-

    havens. Überall öffnen sich "die Fenster und die Türen".

    Aus den Wachtlokalen strömen die Matrosen, die See-

    offiziere grüßen freundlich herüber, die Wilhelmshavener

    Schuljugend, braungebrand, flachshaarig, läuft nebenher.

    Die Marineuniform ist hier vorherrschend. Auf Schritt und

    Tritt begegnen uns Matrosen aller Schiffe, Seeoffiziere,

    hohe Stabsoffiziere. in den Schaufenstern der Buchhand-lungen hängen Bilder von den Schiffen, Seebilder. Hier

    sieht man die Wohnungen der Schiffskomandanten, dort die Villa eines Admirals.

        Weiter geht der Marsch. Die  Musik  ist unermüdlich

    ein Marsch folgt dem anderen. Bald sind die letzten Häuser

    hinter uns. In der Ferne ragt ein hohes schwarzes Kreuz

    zum Himmel: Dort liegt der Ehrenfriedhof der Marine,

    unser erstes Ziel.


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    Soest

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ID
12583 / 143584
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Wilhelm Schenkel
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


May 30, 1917 – May 30, 1917
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