Familientagebuch (1917-1922) von Gustav Braune (1870-1954), item 40
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linke Seite
ab. Österreich löst sich in einzelne nationale
Republiken auf. Auch Ungarn
wird Republik. Die Deutsch-Österreichische seitlich markiert mit "!"
Republik erklärt den Anschluß an
Deutschland. Deutscher Reichskanzler
wird der Sozialdemokrat Ebert.
Mittwoch: Ich fahre nach Schweinfurt,
um Hausrat fortzuschaffen. Gestern sind
bereits die Kinderbettstättchen u. ein
Schrank voll Betten fortgekommen. Donnerstag:
Mutter fährt nach Schweinf.
zu dem gleichen Zweck wie ich gestern.
Sie fährt 2. Klasse, muß aber trotzdem
fast die ganze Fahrt über stehen. Ein
Reisekorb, den sie als Passagiergut
mitnehmen wollte, wird, weil nicht
verschnürt, nicht angenommen u. soll
deswegen im Abteil die Reise machen.
Das sieht ein Jude, der wie soviele andere
lange vergeblich Platz im dichtgefüllten
Zug sucht, u. denunziert die
Mutter mit ihrem Korb beim Zugführer,
sodaß mir nichts übrig bleibt als
den Korb herauszunehmen u. in den
Gepäckwagen zu tragen. Der Denunziant
aber geht weiter u. sucht sich woanders
einen Platz. - Ich renne in der
Stadt herum, Besorgungen zu machen
Abends noch auf ein Stündchen im
Vereinsabend, zum letzten Mal.
Freitag: Der Eilgutverkehr ist seit heute
rechte Seite
gesperrt, weil das Zugsmaterial zur
Entleerung des besetzten Gebietes von
Vorräten gebraucht wird. Diese Nachricht
wirkt auf uns wie ein Donnerstchlag
denn jetzt haben wir eine Reihe von Sachen
fortgeschickt und der Rest soll zurückbleiben
müssen?! Und was machen wir ohne
Kinderbetten in Würzburg, ohne das, was
noch in Würzbg steht, in Schweinfurt! Aber
es glückt mir wie durch ein Wunder, beim
"Hauptmann der Kraftfahrtruppen" (Rechtsanwalt
Drescher von Schweinfurt) einen
3 Tonnen-Kraftwagen für morgen zu
mieten, der freilich an die 70 M kostet.
Christian Kleinschnitz macht die Fahrt
mit, ich wage es wegen der drohenden
Erkältung nicht. In fliegender Hast
wird noch alles eingepackt, es sind 30
Gepäckstücke, darunter 2 Sack Kohlen
u. 1 Sack Kartoffeln. Nachm. 5 Uhr fährt
Mutter mit den Kindern im übervollen,
mit Feldgrauen [volkstüml. für Soldaten] u. ihrer Ausrüstung bepackten
Zug fort. Das Dienstmädchen Babette
von Lotte Weidelich fährt mit, weil
sonst die Mutter ganz allein u. hilflos
dastünde. Samstag 8 U. früh fährt endlich
nach einstündiger Verspätung der Kraftwagen
vor. Die 30 Siebensachen werden
unter Christians Mithilfe verstaut u. dann
geht die Fahrt los in den grauen November
hinein. Ich fahre um 1 U. fort. So haben
-
linke Seite
ab. Österreich löst sich in einzelne nationale
Republiken auf. Auch Ungarn
wird Republik. Die Deutsch-Österreichische seitlich markiert mit "!"
Republik erklärt den Anschluß an
Deutschland. Deutscher Reichskanzler
wird der Sozialdemokrat Ebert.
Mittwoch: Ich fahre nach Schweinfurt,
um Hausrat fortzuschaffen. Gestern sind
bereits die Kinderbettstättchen u. ein
Schrank voll Betten fortgekommen. Donnerstag:
Mutter fährt nach Schweinf.
zu dem gleichen Zweck wie ich gestern.
Sie fährt 2. Klasse, muß aber trotzdem
fast die ganze Fahrt über stehen. Ein
Reisekorb, den sie als Passagiergut
mitnehmen wollte, wird, weil nicht
verschnürt, nicht angenommen u. soll
deswegen im Abteil die Reise machen.
Das sieht ein Jude, der wie soviele andere
lange vergeblich Platz im dichtgefüllten
Zug sucht, u. denunziert die
Mutter mit ihrem Korb beim Zugführer,
sodaß mir nichts übrig bleibt als
den Korb herauszunehmen u. in den
Gepäckwagen zu tragen. Der Denunziant
aber geht weiter u. sucht sich woanders
einen Platz. - Ich renne in der
Stadt herum, Besorgungen zu machen
Abends noch auf ein Stündchen im
Vereinsabend, zum letzten Mal.
Freitag: Der Eilgutverkehr ist seit heute
rechte Seite
gesperrt, weil das Zugsmaterial zur
Entleerung des besetzten Gebietes von
Vorräten gebraucht wird. Diese Nachricht
wirkt auf uns wie ein Donnerstchlag
denn jetzt haben wir eine Reihe von Sachen
fortgeschickt und der Rest soll zurückbleiben
müssen?! Und was machen wir ohne
Kinderbetten in Würzburg, ohne das, was
noch in Würzbg steht, in Schweinfurt! Aber
es glückt mir wie durch ein Wunder, beim
"Hauptmann der Kraftfahrtruppen" (Rechtsanwalt
Drescher von Schweinfurt) einen
3 Tonnen-Kraftwagen für morgen zu
mieten, der freilich an die 70 M kostet.
Christian Kleinschnitz macht die Fahrt
mit, ich wage es wegen der drohenden
Erkältung nicht. In fliegender Hast
wird noch alles eingepackt, es sind 30
Gepäckstücke, darunter 2 Sack Kohlen
u. 1 Sack Kartoffeln. Nachm. 5 Uhr fährt
Mutter mit den Kindern im übervollen,
mit Feldgrauen u. ihrer Ausrüstung bepackten
Zug fort. Das Dienstmädchen Babette
von Lotte Weidelich fährt mit, weil
sonst die Mutter ganz allein u. hilflos
dastünde. Samstag 8 U. früh fährt endlich
nach einstündiger Verspätung der Kraftwagen
vor. Die 30 Siebensachen werden
unter Christians Mithilfe verstaut u. dann
geht die Fahrt los in den grauen November
hinein. Ich fahre um 1 U. fort. So haben
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Schweinfurt
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Story location Schweinfurt
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- 1948 / 23390
- Contributor
- Vera Braune
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