Familientagebuch (1917-1922) von Gustav Braune (1870-1954), item 29

Edit transcription:
...
Transcription saved
Enhance your transcribing experience by using full-screen mode

Transcription

You have to be logged in to transcribe. Please login or register and click the pencil-button again

 linke Seite 

Wohnzimmers hinein. Auf der Polizei,

wo ich Anzeige mache, vermutet man

sofort, daß es Studenten vom Korps

Macaria gewesen seien, die um diese

Zeit von der Schlußkneipe heimgingen

u. vermutlich bei Frl. Girstenbrey

in der Traubengasse wohnten. Die

findige Polizei hat Recht. Ein Herr

Hähnlich (?) läßt uns sagen, daß

er die Scheibe zahlen wolle, den

Namen der Täter nenne er nicht.

Ich nehme die Anzeige zurück. -

Am Sonntag früh kommt ein Brief

von Augsburg, daß Schwager Georg

Hüttner (Studienerat am St. Anna-

Gymnasium in Augsburg) eine Unterleibsoperation

durchmachen

mußte u. dß sich Herzschwäche eingestellt

hat. Am Montag dem 15. Juli

früh 3/4 6 ist er dann nach schwerem

Kampf im Alter von 61 Jahren und

2 Mon. entschlafen. Er war im

Vincentinum von einem Dr. Marburg

operiert w., anscheinend an

einem Sarkomader-Karzinom,

das schon im Frühjahr hervergetreten

war, aber vom Schwager lang verheim=

 rechte Seite 

licht wurde. Der l. Schwager hatte für

alles bis aufs kleinste Vorsorge getroffen.

In seinem letzten Leiden bewies

er einen vorbildlichen, starken

Glauben u. betete zuletzt fast unaufhörlich,

bis ihm das mitleidige Morphium

das Bewußtsein nahm. Am

Donnerstag (18.) nachm. 5 U. wurde

er im Friedhof in Lehengütingen,

wo seine Eltern u. Verwandten liegen,

zur letzten Ruhe getragen. Der Geistliche

hielt die Predigt über den von dem Verstorbenen

selbst gewählten Text:

Römer 8.35: Wer will uns scheiden

von der Liebe Gottes? Er war ein

edler, seelenstarker Mensch, ein

aufrechter, ganzer Mann, begabt

mit scharfem Verstand, gutem Humor

u. reichem, gelehrten Wissen.

Ehre seinem Andenken. Wer so stirbt,

der stirbt wohl. - An Geschwistern

sind noch vorhanden: Der älteste

Bruder in Waldhaeuslein, ebenda die

jüngste Schwester, eine verwitwete

Ebert, dann noch eine Schwester, Witwe

Ebert in Lehengütingen. (Deren Männer

waren Brüder.) Letztere ist kinderlos, das

Anwesen hat der jetzt 32jährige Sohn

der Waldhäusleiner Schwester bekommen,


Transcription saved

 linke Seite 

Wohnzimmers hinein. Auf der Polizei,

wo ich Anzeige mache, vermutet man

sofort, daß es Studenten vom Korps

Macaria gewesen seien, die um diese

Zeit von der Schlußkneipe heimgingen

u. vermutlich bei Frl. Girstenbrey

in der Traubengasse wohnten. Die

findige Polizei hat Recht. Ein Herr

Hähnlich (?) läßt uns sagen, daß

er die Scheibe zahlen wolle, den

Namen der Täter nenne er nicht.

Ich nehme die Anzeige zurück. -

Am Sonntag früh kommt ein Brief

von Augsburg, daß Schwager Georg

Hüttner (Studienerat am St. Anna-

Gymnasium in Augsburg) eine Unterleibsoperation

durchmachen

mußte u. dß sich Herzschwäche eingestellt

hat. Am Montag dem 15. Juli

früh 3/4 6 ist er dann nach schwerem

Kampf im Alter von 61 Jahren und

2 Mon. entschlafen. Er war im

Vincentinum von einem Dr. Marburg

operiert w., anscheinend an

einem Sarkomader-Karzinom,

das schon im Frühjahr hervergetreten

war, aber vom Schwager lang verheim=

 rechte Seite 

licht wurde. Der l. Schwager hatte für

alles bis aufs kleinste Vorsorge getroffen.

In seinem letzten Leiden bewies

er einen vorbildlichen, starken

Glauben u. betete zuletzt fast unaufhörlich,

bis ihm das mitleidige Morphium

das Bewußtsein nahm. Am

Donnerstag (18.) nachm. 5 U. wurde

er im Friedhof in Lehengütingen,

wo seine Eltern u. Verwandten liegen,

zur letzten Ruhe getragen. Der Geistliche

hielt die Predigt über den von dem Verstorbenen

selbst gewählten Text:

Römer 8.35: Wer will uns scheiden

von der Liebe Gottes? Er war ein

edler, seelenstarker Mensch, ein

aufrechter, ganzer Mann, begabt

mit scharfem Verstand, gutem Humor

u. reichem, gelehrten Wissen.

Ehre seinem Andenken. Wer so stirbt,

der stirbt wohl. - An Geschwistern

sind noch vorhanden: Der älteste

Bruder in Waldhaeuslein, ebenda die

jüngste Schwester, eine verwitwete

Ebert, dann noch eine Schwester, Witwe

Ebert in Lehengütingen. (Deren Männer

waren Brüder.) Letztere ist kinderlos, das

Anwesen hat der jetzt 32jährige Sohn

der Waldhäusleiner Schwester bekommen,



Transcription history
  • October 7, 2017 14:15:54 Daniela Z

     linke Seite 

    Wohnzimmers hinein. Auf der Polizei,

    wo ich Anzeige mache, vermutet man

    sofort, daß es Studenten vom Korps

    Macaria gewesen seien, die um diese

    Zeit von der Schlußkneipe heimgingen

    u. vermutlich bei Frl. Girstenbrey

    in der Traubengasse wohnten. Die

    findige Polizei hat Recht. Ein Herr

    Hähnlich (?) läßt uns sagen, daß

    er die Scheibe zahlen wolle, den

    Namen der Täter nenne er nicht.

    Ich nehme die Anzeige zurück. -

    Am Sonntag früh kommt ein Brief

    von Augsburg, daß Schwager Georg

    Hüttner (Studienerat am St. Anna-

    Gymnasium in Augsburg) eine Unterleibsoperation

    durchmachen

    mußte u. dß sich Herzschwäche eingestellt

    hat. Am Montag dem 15. Juli

    früh 3/4 6 ist er dann nach schwerem

    Kampf im Alter von 61 Jahren und

    2 Mon. entschlafen. Er war im

    Vincentinum von einem Dr. Marburg

    operiert w., anscheinend an

    einem Sarkomader-Karzinom,

    das schon im Frühjahr hervergetreten

    war, aber vom Schwager lang verheim=

     rechte Seite 

    licht wurde. Der l. Schwager hatte für

    alles bis aufs kleinste Vorsorge getroffen.

    In seinem letzten Leiden bewies

    er einen vorbildlichen, starken

    Glauben u. betete zuletzt fast unaufhörlich,

    bis ihm das mitleidige Morphium

    das Bewußtsein nahm. Am

    Donnerstag (18.) nachm. 5 U. wurde

    er im Friedhof in Lehengütingen,

    wo seine Eltern u. Verwandten liegen,

    zur letzten Ruhe getragen. Der Geistliche

    hielt die Predigt über den von dem Verstorbenen

    selbst gewählten Text:

    Römer 8.35: Wer will uns scheiden

    von der Liebe Gottes? Er war ein

    edler, seelenstarker Mensch, ein

    aufrechter, ganzer Mann, begabt

    mit scharfem Verstand, gutem Humor

    u. reichem, gelehrten Wissen.

    Ehre seinem Andenken. Wer so stirbt,

    der stirbt wohl. - An Geschwistern

    sind noch vorhanden: Der älteste

    Bruder in Waldhaeuslein, ebenda die

    jüngste Schwester, eine verwitwete

    Ebert, dann noch eine Schwester, Witwe

    Ebert in Lehengütingen. (Deren Männer

    waren Brüder.) Letztere ist kinderlos, das

    Anwesen hat der jetzt 32jährige Sohn

    der Waldhäusleiner Schwester bekommen,


  • October 7, 2017 13:56:05 Daniela Z

     linke Seite 

    Wohnzimmers hinein. Auf der Polizei,

    wo ich Anzeige mache, vermutet man

    sofort, daß es Studenten vom Korps

    Macaria gewesen seien, die um diese

    Zeit von der  Schlußkarips  heimgingen

    u. vermutlich bei Frl.  Girstenbrey 

    in der Traubengasse wohnten. Die

    findige Polizei hat Recht. Ein Herr

    Hähnlich (?) läßt uns sagen, daß

    er die Scheibe zahlen wolle, den

    Namen der Täter nenne er nicht.

    Ich nehme die Anzeige zurück. -

    Am Sonntag früh kommt ein Brief

    von Augsburg, daß Schwager Georg

    Hüttner (Studeinerat am St. Anna-

    Gymnasium in Augsburg) eine Unterleibsoperation

    druchmachen

    mußte u.    sich Herzschwäche eingestellt

    hat. Am Montag dem 15. Juli

    früh 3/4 6 ist er dann nach schwerem

    Kampf im Alter von 61 Jahren und

    2 Mon. entschlafen. Er war im

    Vincentinum von einem Dr. Marburg

    operiert w., anscheinend an

    einem  Sorkomader  -Karzinom,

    das schon im Frühjahr hervergetreten

    war, aber vom Schwager lang verheim=

     rechte Seite 

    licht wurde. Der l. Schwager hatte für

    alles bis aufs Kleinste Vorsorge getroffen.

    In seinem letzten Leiden bewies

    er einen vorbildlichen, starken

    Glauben u. betet zuletzt fast unaufhörlich,

    bis ihm das mitleidige Morphium

    das Bewußtsein nahm. Am

    Donnerstag (18.) nachm. 5 U. wurde

    er im Friedhof in  Lehengutingen ,

    wo seine Eltern u. Verwandten liegen,

    zur letzten Ruhe getragen. Der Geistliche

    hielt die Predigt über den von dem Verstorbenen

    selbst gewählten Text:

    Römer 8.35: Wer will ausscheiden

    von der Liebe Gottes? Er war ein

    edler, seelenstarker Mensch, ein

    aufrechter, ganzer Mann, begabt

    mit scharfem Verstand, gutem Humor

    u. reichem, gelehrten Wissen.

    Ehre seinem Andenken. Wer so stirbt,

    der stirbt wohl. - An Geschwistern

    sind noch vorhanden: Der älteste

    Bruder in  Waldhaeuslein , ebenda die

    jüngste Schwester, eine verwitwete

    Ebert, dann noch eine Schwester, Witwe

    Ebert in  Lehengutingen . (Deren Männer

    waren Brüder.) Letztere ist kinderlos, das

    Anwesen hat der jetzt 32jährige Sohn

    der  Waldhäusleiner Schwester bekommen,



Description

Save description
  • 50.0491059||10.2311527||

    Schweinfurt

    ||1
Location(s)
  • Story location Schweinfurt
Login and add location


ID
1948 / 23379
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Vera Braune
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


Login to edit the languages

Login to edit the fronts
  • Western Front

Login to add keywords

Login and add links

Notes and questions

Login to leave a note