Familientagebuch (1917-1922) von Gustav Braune (1870-1954), item 27
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linke Seite
XXIV (16. - 22. Juni) Mit der ganzen
Familie Ausflug in den Hecken an der
Schweinfurter Straße beim Versbacher
Grund, wo wir das letzte
Mal vor fast genau 1 Jahr waren.
Ernst bekommt durch das Herumstreifen
in den Büschen einen Holzzecken,
der sich am Hinterkopf festbeißt
u. nicht losläßt, als sein Hinterkörper
weggerissen wird. Erst nach
einigen Tagen löst sich der Kopf aus der
Haut ab. Deinstag fährt Mutter
mit Hanna nach Schweinfurt. Das
regenlose Wetter, das unsere Ernte
bedroht, hat mehrfachen ergiebigen
Regen Platz gemacht. Dabei ist es
so kühl, daß man sogar in Würzburg
beinahe das Einheizen vertragen
könnte. Seit 1886 sollen wir kein
so kühles Frühjahr mehr gehabt haben.
Die Kinder sind vom Sanderrasen, wo
die Seiltänzer hausen, fast nicht mehr
wegzubringen. Interessant war
mir der Künstler, der nicht nur mit
dem Rad schnell vorwärts u. rückwärts
über das hohe Seil fährt, sond.
auch mitten auf dem Seil mit dem
Rad längere Zeit stillhält, während
rechte Seite
ihm ein anderer auf die Schultern springt,
alles bei hereinbrechendem Dunkel,
das die Kunststücke ncoh waghalsiger
erscheinen läßt.
XXV (23. - 29. Juni) Die Wirkungen
des Würzburger Klimas machen sich bald
wieder bemerkbar, so nach dem
Sonntagsspaziergang über Heidingsfeld
zur Randersackerer Brücke, es sind aber
auch 1700 Schritte. Heimwärts werden
wir in H. eingeregnet u. stehen in einem
Hausgang unter. Wir sammeln abgefallene,
unreife Äpfel. Ich mache ejtzt abends jeden
anderen Tag größere Spaziergänge, um
mich etwas in Übung zu halten, weinmal
durch die Weinberge auf die Keesburg 1 1/4 Std.
(2 x 6000 Schritt mit > 10 m Steigung),
das nächste Mal über die Löwenbrücke,
dann auf dem jenseitigen Mainufer
aufwärts über die Heidingsfelder Brücke
u. zurück (9 1/2 000 Schritt). Die Hauptsache ist
recht langsam gehen (auch ins Büro)
u. wenn möglich eine kleine Rast
einlegen auf einer Bank. Das Hasten
ist schädlich. Fliegerleutnant Lippe
hält einen Vortrag über seine grauenhaften
Erlebnisse in der franz. Gefangenschaft.
Seine Rückenmarksverletzung
infolge Absturzes hat man einfach ohne
Behandlung gelassen. Unglaublich,
wenn ein anderer es sagen würde. Am 29. ist
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XXIV (16. - 22. Juni) Mit der ganzen
Familie Ausflug in den Hecken an der
Schweinfurter Straße beim Versbacher
Grund, wo wir das letzte
Mal vor fast genau 1 Jahr waren.
Ernst bekommt durch das Herumstreifen
in den Büschen einen Holzzecken,
der sich am Hinterkopf festbeißt
u. nicht losläßt, als sein Hinterkörper
weggerissen wird. Erst nach
einigen Tagen löst sich der Kopf aus der
Haut ab. Deinstag fährt Mutter
mit Hanna nach Schweinfurt. Das
regenlose Wetter, das unsere Ernte
bedroht, hat mehrfachen ergiebigen
Regen Platz gemacht. Dabei ist es
so kühl, daß man sogar in Würzburg
beinahe das Einheizen vertragen
könnte. Seit 1886 sollen wir kein
so kühles Frühjahr mehr gehabt haben.
Die Kinder sind vom Sanderrasen, wo
die Seiltänzer hausen, fast nicht mehr
wegzubringen. Interessant war
mir der Künstler, der nicht nur mit
dem Rad schnell vorwärts u. rückwärts
über das hohe Seil fährt, sond.
auch mitten auf dem Seil mit dem
Rad längere Zeit stillhält, während
rechte Seite
ihm ein anderer auf die Schultern springt,
alles bei hereinbrechendem Dunkel,
das die Kunststücke ncoh waghalsiger
erscheinen läßt.
XXV (23. - 29. Juni) Die Wirkungen
des Würzburger Klimas machen sich bald
wieder bemerkbar, so nach dem
Sonntagsspaziergang über Heidingsfeld
zur Randersackerer Brücke, es sind aber
auch 1700 Schritte. Heimwärts werden
wir in H. eingeregnet u. stehen in einem
Hausgang unter. Wir sammeln abgefallene,
unreife Äpfel. Ich mache ejtzt abends jeden
anderen Tag größere Spaziergänge, um
mich etwas in Übung zu halten, weinmal
durch die Weinberge auf die Küsburg 1 1/4 Std.
(2 x 6000 Schritt mit > 10 m Steigung),
das nächste Mal über die Löwenbrücke,
dann auf dem jenseitigen Mainufer
aufwärts über die Heidingsfelder Brücke
u. zurück (9 1/2 000 Schritt). Die Hauptsache ist
recht langsam gehen (auch ins Büro)
u. wenn möglich eine kleine Rast
einlegen auf einer Bank. Das Hasten
ist schädlich. Fliegerleutnant Lippe
hält einen Vortrag über seine grauenhaften
Erlebnisse in der franz. Gefangenschaft.
Seine Rückenmarksverletzung
infolge Absturzes hat man einfach ohne
Behandlung gelassen. Unglaublich,
wenn ein anderer es sagen würde. Am 29. ist
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XXIV (16. - 22. Juni) Mit der ganzen
Familie Ausflug in den Hecken an der
Schweinfurter Straße beim Versbacher
Grund, wo wir das letzte
Mal vor fast genau 1 Jahr waren.
Ernst bekommt durch das Herumstreifen
in den Büschen einen Holzzecken,
der sich am Hinterkopf festbeißt
u. nicht losläßt, als sein Hinterkörper
weggerissen wird. Erst nach
einigen Tagen löst sich der Kopf aus der
Haut ab. Deinstag fährt Mutter
mit Hanna nach Schweinfurt. Das
regenlose Wetter, das unsere Ernte
bedroht, hat mehrfachen ergiebigen
Regen Platz gemacht. Dabei ist es
so kühl, daß man sogar in Würzburg
beinahe das Einheizen vertragen
könnte. Seit 1886 sollen wir kein
so kühles Frühjahr mehr gehabt haben.
Die Kinder sind vom Sanderrasen, wo
die Seiltänzer hausen, fast nicht mehr
wegzubringen. Interessant war
mir der Künstler, der nicht nur mit
dem Rad schnell vorwärts u. rückwärts
über das hohe Seil fährt, sond.
auch mitten auf dem Seil mit dem
Rad längere Zeit stillhält, während
rechte Seite
ihm ein anderer auf die Schultern springt,
alles bei hereinbrechendem Dunkel,
das die Kunststücke ncoh waghalsiger
erscheinen läßt.
XXV (23. - 29. Juni) Die Wirkungen
des Würzburger Klimas machen sich bald
wieder bemerkbar, so nach dem
Sonntagsspaziergang über Heidingsfeld
zur Randersackerer Brücke, es sind aber
auch 1700 Schritte. Heimwärts werden
wir in H. eingeregnet u. stehen in einem
Hausgang unter. Wir sammeln abgefallene,
unreife Äpfel. Ich mache ejtzt abends jeden
anderen Tag größere Spaziergänge, um
mich etwas in Übung zu halten, weinmal
durch die Weinberge auf die Rüsburg 1 1/4 Std.
(2 x 6000 Schritt mit > 10 m Steigung),
das nächste Mal über die Löwenbrücke,
dann auf dem jenseitigen Mainufer
aufwärts über die Heidingsfelder Brücke
u. zurück (9 1/2 000 Schritt). Die Hauptsache ist
recht langsam gehen (auch ins Büro)
u. wenn möglich eine kleine Rast
einlegen auf einer Bank. Das Hasten
ist schädlich. Fliegerleutnant Lippe
hält einen Vortrag über seine grauenhaften
Erlebnisse in der franz. Gefangenschaft.
Seine Rückenmarksverletzung
infolge Absturzes hat man einfach ohne
Behandlung gelassen. Unglaublich,
wenn ein anderer es sagen würde. Am 29. ist
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- Vera Braune
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