Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 2, item 92

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S. 140

angesehen oder so tituliert, nun ja so ganz Unrecht hatten

sie ja nicht, denn oft genug mussten wir ran, denn

zunächst war man schüchtern und musste  sich auch

erst orientieren, wie hier der Hase lief, später stellte

es sich als das gemütlichste Kommando heraus was man

sich vorstellen kann, indem man möglichst wenig

Dienst tat, bezw. die Rekruten, welche von allen

Garderegimentern hier zusammentrafen damit belastete.

Wie es begann, weiss ich nicht mehr. Wir taten

dies und das, für den und jenen. Fuhren mit dem

Wagen zur Bäckerei nach Berlin um für 14 Tage Brot

zu holen, gaben Wäsche aus, führten die Bücher für

den Verpflegungsoffizier, oder den Küchen Unteroffizier oder

den Menagebuchführer. Später machten wir oft die Nacht

zum Tage und schliefen zum Ärger der

Ausbildungsmannschaften und Unteroffiziere bis in die Puppen.

Da wir uns als alte Leute fühlten und auch auf

der Bühne (des Schützenhauses) schliefen, waren wir

abgetrennt, und so kam es z.B. fast regelmäßig vor,

dass der Kompagniefeldwebel uns bei seinem

Inspektionsgang beim Frühstück fand oder uns sogar paarmal

noch aus den Betten holte. Eines unserer Hauptziele

war, dass wir die nötige innige Verbindung mit der

Küche behielten, denn es gab schon seiner Zeit

Essenmarken, und so konnten wir, ohne uns erst zum zweiten

Zuge anzustellen, immer kaptulieren, d.h. so viel Essen

empfangen, als wir gerade mochten.


S. 141

      Für unsere nächsten Vorgesetzten taten wir so ziemlich alles.

Auf dem Kriegsfusse standen wir dagegen immer mit dem Spion,

dem "Etatsmässigen" - Kompagniefeldwebel, welcher uns gerne

etwas am Zeuge flicken wollte, aber dank unseres Schützlings

des Leutnants Patzwald, Berliner Polizeioffizier und Maikäfer,

erreichten wir alles, und wenn es täglicher Urlaub war.

Trotzdem kam es oft genug vor, dass wir keinen erbaten

oder erhielten, dann wurde oft blinder Urlaub genommen,

indem das ganze Bett abgezogen wurde, auf den

Hängeboden zu den Kulissen gepackt wurde und wir dann für

die ganze Nacht verschwanden, durch das abgezogene Bett

fest davor bewahrt, dass das Fehlen des Einen heute und des

Anderen morgen auffallen könnte. Wir hielten zusammen wie

die Kletten, prellten die Wachtposten oder stiegen über Mauern

und Zäune, wenn wir statt um 12.00 erst um 1 oder 2.00

ins Quartier kamen. Einstmals waren 4 Mann beisammen

irgendwo waren wir des Sonntags gewesen, Bier, Musik und

nicht zuletzt die kleinen Mädel hatten uns aufgehalten. 3 Mann

hatten wir einen Urlaubsschein, so gingen wir Drei dann zum

Posten händigten demselben ziemlich schwerfällig unsere roten

Urlaubsscheine aus, um dann beim Erscheinen des Vierten

plötzlich zur Seite zu springen und strammzustehen. Der

Posten, ein Rekrut, fuhr zusammen, machte ebenfalls seine

Ehrenbezeugung vor dem vermeintlichen Feldwebel und das

Hindernis war beseitigt. Somit wurden allerlei Übeltaten

ausgefressen, Ich weiss noch als ein Kamerad und ich einmal

aus Berlin Bohnenkaffee zu 45 Pfennig holen mussten, wir uns


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S. 140

angesehen oder so tituliert, nun ja so ganz Unrecht hatten

sie ja nicht, denn oft genug mussten wir ran, denn

zunächst war man schüchtern und musste  sich auch

erst orientieren, wie hier der Hase lief, später stellte

es sich als das gemütlichste Kommando heraus was man

sich vorstellen kann, indem man möglichst wenig

Dienst tat, bezw. die Rekruten, welche von allen

Garderegimentern hier zusammentrafen damit belastete.

Wie es begann, weiss ich nicht mehr. Wir taten

dies und das, für den und jenen. Fuhren mit dem

Wagen zur Bäckerei nach Berlin um für 14 Tage Brot

zu holen, gaben Wäsche aus, führten die Bücher für

den Verpflegungsoffizier, oder den Küchen Unteroffizier oder

den Menagebuchführer. Später machten wir oft die Nacht

zum Tage und schliefen zum Ärger der

Ausbildungsmannschaften und Unteroffiziere bis in die Puppen.

Da wir uns als alte Leute fühlten und auch auf

der Bühne (des Schützenhauses) schliefen, waren wir

abgetrennt, und so kam es z.B. fast regelmäßig vor,

dass der Kompagniefeldwebel uns bei seinem

Inspektionsgang beim Frühstück fand oder uns sogar paarmal

noch aus den Betten holte. Eines unserer Hauptziele

war, dass wir die nötige innige Verbindung mit der

Küche behielten, denn es gab schon seiner Zeit

Essenmarken, und so konnten wir, ohne uns erst zum zweiten

Zuge anzustellen, immer kaptulieren, d.h. so viel Essen

empfangen, als wir gerade mochten.


S. 141

      Für unsere nächsten Vorgesetzten taten wir so ziemlich alles.

Auf dem Kriegsfusse standen wir dagegen immer mit dem Spion,

dem "Etatsmässigen" - Kompagniefeldwebel, welcher uns gerne

etwas am Zeuge flicken wollte, aber dank unseres Schützlings

des Leutnants Patzwald, Berliner Polizeioffizier und Maikäfer,

erreichten wir alles, und wenn es täglicher Urlaub war.

Trotzdem kam es oft genug vor, dass wir keinen erbaten

oder erhielten, dann wurde oft blinder Urlaub genommen,

indem das ganze Bett abgezogen wurde, auf den

Hängeboden zu den Kulissen gepackt wurde und wir dann für

die ganze Nacht verschwanden, durch das abgezogene Bett

fest davor bewahrt, dass das Fehlen des Einen heute und des

Anderen morgen auffallen könnte. Wir hielten zusammen wie

die Kletten, prellten die Wachtposten oder stiegen über Mauern

und Zäune, wenn wir statt um 12.00 erst um 1 oder 2.00

ins Quartier kamen. Einstmals waren 4 Mann beisammen

irgendwo waren wir des Sonntags gewesen, Bier, Musik und

nicht zuletzt die kleinen Mädel hatten uns aufgehalten. 3 Mann

hatten wir einen Urlaubsschein, so gingen wir Drei dann zum

Posten händigten demselben ziemlich schwerfällig unsere roten

Urlaubsscheine aus, um dann beim Erscheinen des Vierten

plötzlich zur Seite zu springen und strammzustehen. Der

Posten, ein Rekrut, fuhr zusammen, machte ebenfalls seine

Ehrenbezeugung vor dem vermeintlichen Feldwebel und das

Hindernis war beseitigt. Somit wurden allerlei Übeltaten

ausgefressen, Ich weiss noch als ein Kamerad und ich einmal

aus Berlin Bohnenkaffee zu 45 Pfennig holen mussten, wir uns



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  • April 8, 2017 21:25:26 Rolf Kranz

    S. 140

    angesehen oder so tituliert, nun ja so ganz Unrecht hatten

    sie ja nicht, denn oft genug mussten wir ran, denn

    zunächst war man schüchtern und musste  sich auch

    erst orientieren, wie hier der Hase lief, später stellte

    es sich als das gemütlichste Kommando heraus was man

    sich vorstellen kann, indem man möglichst wenig

    Dienst tat, bezw. die Rekruten, welche von allen

    Garderegimentern hier zusammentrafen damit belastete.

    Wie es begann, weiss ich nicht mehr. Wir taten

    dies und das, für den und jenen. Fuhren mit dem

    Wagen zur Bäckerei nach Berlin um für 14 Tage Brot

    zu holen, gaben Wäsche aus, führten die Bücher für

    den Verpflegungsoffizier, oder den Küchen Unteroffizier oder

    den Menagebuchführer. Später machten wir oft die Nacht

    zum Tage und schliefen zum Ärger der

    Ausbildungsmannschaften und Unteroffiziere bis in die Puppen.

    Da wir uns als alte Leute fühlten und auch auf

    der Bühne (des Schützenhauses) schliefen, waren wir

    abgetrennt, und so kam es z.B. fast regelmäßig vor,

    dass der Kompagniefeldwebel uns bei seinem

    Inspektionsgang beim Frühstück fand oder uns sogar paarmal

    noch aus den Betten holte. Eines unserer Hauptziele

    war, dass wir die nötige innige Verbindung mit der

    Küche behielten, denn es gab schon seiner Zeit

    Essenmarken, und so konnten wir, ohne uns erst zum zweiten

    Zuge anzustellen, immer kaptulieren, d.h. so viel Essen

    empfangen, als wir gerade mochten.


    S. 141

          Für unsere nächsten Vorgesetzten taten wir so ziemlich alles.

    Auf dem Kriegsfusse standen wir dagegen immer mit dem Spion,

    dem "Etatsmässigen" - Kompagniefeldwebel, welcher uns gerne

    etwas am Zeuge flicken wollte, aber dank unseres Schützlings

    des Leutnants Patzwald, Berliner Polizeioffizier und Maikäfer,

    erreichten wir alles, und wenn es täglicher Urlaub war.

    Trotzdem kam es oft genug vor, dass wir keinen erbaten

    oder erhielten, dann wurde oft blinder Urlaub genommen,

    indem das ganze Bett abgezogen wurde, auf den

    Hängeboden zu den Kulissen gepackt wurde und wir dann für

    die ganze Nacht verschwanden, durch das abgezogene Bett

    fest davor bewahrt, dass das Fehlen des Einen heute und des

    Anderen morgen auffallen könnte. Wir hielten zusammen wie

    die Kletten, prellten die Wachtposten oder stiegen über Mauern

    und Zäune, wenn wir statt um 12.00 erst um 1 oder 2.00

    ins Quartier kamen. Einstmals waren 4 Mann beisammen

    irgendwo waren wir des Sonntags gewesen, Bier, Musik und

    nicht zuletzt die kleinen Mädel hatten uns aufgehalten. 3 Mann

    hatten wir einen Urlaubsschein, so gingen wir Drei dann zum

    Posten händigten demselben ziemlich schwerfällig unsere roten

    Urlaubsscheine aus, um dann beim Erscheinen des Vierten

    plötzlich zur Seite zu springen und strammzustehen. Der

    Posten, ein Rekrut, fuhr zusammen, machte ebenfalls seine

    Ehrenbezeugung vor dem vermeintlichen Feldwebel und das

    Hindernis war beseitigt. Somit wurden allerlei Übeltaten

    ausgefressen, Ich weiss noch als ein Kamerad und ich einmal

    aus Berlin Bohnenkaffee zu 45 Pfennig holen mussten, wir uns


  • February 23, 2017 22:19:26 Rolf Kranz

    S. 140

    angesehen oder so tituliert, nun ja so ganz Unrecht hatten

    sie ja nicht, denn oft genug mussten wir ran, denn

    zunächst war man schüchtern und musste  sich auch

    erst orientieren, wie hier der Hase lief, später stellte

    es sich als das gemütlichste Kommando heraus was man

    sich vorstellen kann, indem man möglichst wenig

    Dienst tat, bezw. die Rekruten, welche von allen

    Garderegimentern hier zusammentrafen damit belastete.

    Wie es begann, weiss ich nicht mehr. Wir taten

    dies und das, für den und jenen. Fuhren mit dem

    Wagen zur Bäckerei nach Berlin um für 14 Tage Brot

    zu holen, gaben Wäsche aus, führten die Bücher für

    den Verpflegungsoffizier, oder den Küchen Unteroffizier oder

    den Menagebuchführer. Später machten wir oft die Nacht

    zum Tage und schliefen zum Ärger der

    Ausbildungsmannschaften und Unteroffiziere bis in die Puppen.

    Da wir uns als alte Leute fühlten und auch auf

    der Bühne (des Schützenhauses) schliefen, waren wir

    abgetrennt, und so kam es z.B. fast regelmäßig vor,

    dass der Kompagniefeldwebel uns bei seinem

    Inspektionsgang beim Frühstück fand oder uns sogar paarmal

    noch aus den Betten holte. Eines unserer Hauptziele

    war, dass wir die nötige innige Verbindung mit der

    Küche behielten, denn es gab schon seiner Zeit

    Essenmarken, und so konnten wir, ohne uns erst zum zweiten

    Zuge anzustellen, immer kaptulieren, d.h. so viel Essen

    empfangen, als wir gerade mochten.


    S. 141

    Für unsere nächsten Vorgesetzten taten wir so ziemlich alles.

    Auf dem Kriegsfusse standen wir dagegen immer mit dem Spion,

    dem "Etatsmässigen" - Kompagniefeldwebel, welcher uns gerne

    etwas am Zeuge flicken wollte, aber dank unseres Schützlings

    des Leutnants Patzwald, Berliner Polizeioffizier und Maikäfer,

    erreichten wir alles, und wenn es täglicher Urlaub war.

    Trotzdem kam es oft genug vor, dass wir keinen erbaten

    oder erhielten, dann wurde oft blinder Urlaub genommen,

    indem das ganze Bett abgezogen wurde, auf den

    Hängeboden zu den Kulissen gepackt wurde und wir dann für

    die ganze Nacht verschwanden, durch das abgezogene Bett

    fest davor bewahrt, dass das Fehlen des Einen heute und des

    Anderen morgen auffallen könnte. Wir hielten zusammen wie

    die Kletten, prellten die Wachtposten oder stiegen über Mauern

    und Zäune, wenn wir statt um 12.00 erst um 1 oder 2.00

    ins Quartier kamen. Einstmals waren 4 Mann beisammen

    irgendwo waren wir des Sonntags gewesen, Bier, Musik und

    nicht zuletzt die kleinen Mädel hatten uns aufgehalten. 3 mann

    hatten wir einen Urlaubsschein, so gingen wir Drei dann zum

    Posten händigten demselben ziemlich schwerfällig unsere roten

    Urlaubsscheine aus, um dann beim Erscheinen des Vierten

    plötzlich zur Seite zu springen und strammzustehen. Der

    Posten, ein Rekrut, fuhr zusammen, machte ebenfalls seine

    Ehrenbezeugung vor dem vermeintlichen Feldwebel und das

    Hindernis war beseitigt. Somit wurden allerlei Übeltaten

    ausgefressen, Ich weiss noch als ein Kamerad und ich einmal

    aus Berlin Bohnenkaffee zu 45 Pfennig holen mussten, wir uns



  • January 14, 2017 18:07:21 Corinna Pichler (AUT)

    S. 140

    angesehen oder so tituliert, un ja so ganz Unrecht hatten

    sie ja nicht, denn oft genug mussten wir ran, denn

    zunächst war man schüchtern und musste  sich auch

    erst orienieren, wie hier der Hase lief, später stellte

    es sich als das gemütlichste Kommando heraus was man

    sich vorstellen kann, indem man möglichst wenig

    Dienst tat, bezw. die Rekruten, welche von allen

    Garderegimentern hier zusammentrafen damit belastete.

    Wie es begann, weiss ich nicht mehr. Wir taten

    dies und das, für den und jenen. Fuhren mit dem

    Wagen zur Bäckerei nach Berlin um für 14 Tage Brot

    zu holen, gaben Wäsche aus, führten die Bäcker für

    den Verpflegungsoffizier, oder den Küchen Unteroffizier oder

    den Menagebückführer. Später machten wir oft die Nacht

    zum Tage und schliefen zum Ärger der

    Ausblidungsmannschaften und Unteroffiziere bis in die Puppen.

    Da wir uns als alte Leute fühlten und auch auf

    der Bühne (des Schützenhauses) schliefen, waren wir

    abgetrennt, und so kam es z.B. fast regelmäßig vor,

    dass der Kompagniefeldwebel uns bei seinem

    Inspektionsgang beim Frühstück fand oder uns sogar paarmal

    noch aus den Betten holte. Eines unserer Hauptziele

    war, dass wir die ötige einige Verbindung mit der

    Küche behielten, dess es gab schon seiner Zeit

    Essenmarken, und so konnten wir, ohne uns erst zum zweiten

    Zuge anzustellen, unser kapulieren, d.h. so viel Essen

    empfangen, als wir gerade machten.


    S. 141

    Für unsere nächsten Vorgesetzten taten wir so ziemlich alles.

    Auf dem Kriegsfusse standen wir dagegen immer mit dem Spion,

    dem "Etatsmässigen" - Kompagniefeldwebel, welcher uns gerne

    etwas am Zuge flicken wollte, aber dank unseres Schützlings

    des Leutnants Patzwald, Berliner Polizeioffizier und Maikäfer,

    erreichten wir alles, und wenn es täglicher Urlaub war.

    Trotzdem kam es oft genug vor, dass wir keinen erbaten

    oder erhielten, dann würde oft blinder Urlaub genommen,

    indem das ganze Bett abgezogen wurde, auf den

    Hängeboden zu den Kulissen gepackt wurde und wir dann für

    die ganze Nacht verschanden, durch das abgezogene Bett

    fast davor bewahrt, dass das Fehlen des Einen heute und des

    Anderen morgen auffallen könnte. Wir erhielten zusammen wie

    die Kletten, prellten die Wachtposten oder stiegen über Mauern

    und Zäune, wenn wir statt um 12.00 erst um 1 oder 2.00

    ins Quartier kamen. Einstmals waren 4 Mann beisammen

    irgend


  • January 14, 2017 18:06:15 Corinna Pichler (AUT)

    S. 140

    angesehen oder so tituliert, un ja so ganz Unrecht hatten

    sie ja nicht, denn oft genug mussten wir ran, denn

    zunächst war man schüchtern und musste  sich auch

    erst orienieren, wie hier der Hase lief, später stellte

    es sich als das gemütlichste Kommando heraus was man

    sich vorstellen kann, indem man möglichst wenig

    Dienst tat, bezw. die Rekruten, welche von allen

    Garderegimentern hier zusammentrafen damit belastete.

    Wie es begann, weiss ich nicht mehr. Wir taten

    dies und das, für den und jenen. Fuhren mit dem

    Wagen zur Bäckerei nach Berlin um für 14 Tage Brot

    zu holen, gaben Wäsche aus, führten die Bäcker für

    den Verpflegungsoffizier, oder den Küchen Unteroffizier oder

    den Menagebückführer. Später machten wir oft die Nacht

    zum Tage und schliefen zum Ärger der

    Ausblidungsmannschaften und Unteroffiziere bis in die Puppen.

    Da wir uns als alte Leute fühlten und auch auf

    der Bühne (des Schützenhauses) schliefen, waren wir

    abgetrennt, und so kam es z.B. fast regelmäßig vor,

    dass der Kompagniefeldwebel uns bei seinem

    Inspektionsgang beim Frühstück fand oder uns sogar paarmal

    noch aus den Betten holte. Eines unserer Hauptziele

    war, dass wir die ötige einige Verbindung mit der

    Küche behielten, dess es gab schon seiner Zeit

    Essenmarken, und so konnten wir, ohne uns erst zum zweiten

    Zuge anzustellen, unser kapulieren, d.h. so viel Essen

    empfangen, als wir gerade machten.


    S. 141

    Für unsere nächsten Vorgesetzten taten wir so ziemlich alles.

    Auf dem Kriegsfusse standen wir dagegen immer mit dem Spion,

    dem "Etatsmässigen" - Kompagniefeldwebel, welcher uns gerne

    etwas am Zuge flicken wollte, aber dank unseres Schützlings

    des Leutnants Patzwald, Berliner Polizeioffizier und Maikäfer,

    erreichten wir alles, und wenn es täglicher Urlaub war.

    Trotzdem kam es oft genug vor, dass wir keinen erbaten

    oder erhielten, dann würde oft blinder Urlaub genommen,

    indem das ganze Bett abgezogen wurde, auf den

    Hängeboden zu den Kulissen gepackt wurde und wir dann für

    die ganze Nacht verschanden, durch das abgezogene Bett

    fast davor bewahrt, dass das Fehlen des Einen heute und des

    Anderen morgen auffallen könnte.


  • January 14, 2017 18:06:05 Corinna Pichler (AUT)

    S. 140

    angesehen oder so tituliert, un ja so ganz Unrecht hatten

    sie ja nicht, denn oft genug mussten wir ran, denn

    zunächst war man schüchtern und musste  sich auch

    erst orienieren, wie hier der Hase lief, später stellte

    es sich als das gemütlichste Kommando heraus was man

    sich vorstellen kann, indem man möglichst wenig

    Dienst tat, bezw. die Rekruten, welche von allen

    Garderegimentern hier zusammentrafen damit belastete.

    Wie es begann, weiss ich nicht mehr. Wir taten

    dies und das, für den und jenen. Fuhren mit dem

    Wagen zur Bäckerei nach Berlin um für 14 Tage Brot

    zu holen, gaben Wäsche aus, führten die Bäcker für

    den Verpflegungsoffizier, oder den Küchen Unteroffizier oder

    den Menagebückführer. Später machten wir oft die Nacht

    zum Tage und schliefen zum Ärger der

    Ausblidungsmannschaften und Unteroffiziere bis in die Puppen.

    Da wir uns als alte Leute fühlten und auch auf

    der Bühne (des Schützenhauses) schliefen, waren wir

    abgetrennt, und so kam es z.B. fast regelmäßig vor,

    dass der Kompagniefeldwebel uns bei seinem

    Inspektionsgang beim Frühstück fand oder uns sogar paarmal

    noch aus den Betten holte. Eines unserer Hauptziele

    war, dass wir die ötige einige Verbindung mit der

    Küche behielten, dess es gab schon seiner Zeit

    Essenmarken, und so konnten wir, ohne uns erst zum zweiten

    Zuge anzustellen, unser kapulieren, d.h. so viel Essen

    empfangen, als wir gerade machten.


    S. 141

    Für unsere nächsten Vorgesetzten taten wir so ziemlich alles.

    Auf dem Kriegsfusse standen wir dagegen immer mit dem Spion,

    dem "Etatsmässigen" - Kompagniefeldwebel, welcher uns gerne

    etwas am Zuge flicken wollte, aber dank unseres Schützlings

    des Leutnants Patzwald, Berliner Polizeioffizier und Maikäfer,

    erreichten wir alles, und wenn es täglicher Urlaub war.

    Trotzdem kam es oft genug vor, dass wir keinen erbaten

    oder erhielten, dann würde oft blinder Urlaub genommen,

    indem das ganze Bett abgezogen wurde, auf den

    Hängebaden zu den Kulissen gepackt wurde und wir dann für

    die ganze Nacht verschanden, durch das abgezogene Bett

    fast davor bewahrt, dass das Fehlen des Einen heute und des

    Anderen morgen auffallen könnte.


  • January 14, 2017 18:04:37 Corinna Pichler (AUT)

    S. 140

    angesehen oder so tituliert, un ja so ganz Unrecht hatten

    sie ja nicht, denn oft genug mussten wir ran, denn

    zunächst war man schüchtern und musste  sich auch

    erst orienieren, wie hier der Hase lief, später stellte

    es sich als das gemütlichste Kommando heraus was man

    sich vorstellen kann, indem man möglichst wenig

    Dienst tat, bezw. die Rekruten, welche von allen

    Garderegimentern hier zusammentrafen damit belastete.

    Wie es begann, weiss ich nicht mehr. Wir taten

    dies und das, für den und jenen. Fuhren mit dem

    Wagen zur Bäckerei nach Berlin um für 14 Tage Brot

    zu holen, gaben Wäsche aus, führten die Bäcker für

    den Verpflegungsoffizier, oder den Küchen Unteroffizier oder

    den Menagebückführer. Später machten wir oft die Nacht

    zum Tage und schliefen zum Ärger der

    Ausblidungsmannschaften und Unteroffiziere bis in die Puppen.

    Da wir uns als alte Leute fühlten und auch auf

    der Bühne (des Schützenhauses) schliefen, waren wir

    abgetrennt, und so kam es z.B. fast regelmäßig vor,

    dass der Kompagniefeldwebel uns bei seinem

    Inspektionsgang beim Frühstück fand oder uns sogar paarmal

    noch aus den Betten holte. Eines unserer Hauptziele

    war, dass wir die ötige einige Verbindung mit der

    Küche behielten, dess es gab schon seiner Zeit

    Essenmarken, und so konnten wir, ohne uns erst zum zweiten

    Zuge anzustellen, unser kapulieren, d.h. so viel Essen

    empfangen, als wir gerade machten.


    S. 141

    Für unsere nächsten Vorgesetzten taten wir so ziemlich alles.

    Auf dem Kriegsfusse standen wir dagegen immer mit dem Spion,

    dem "Etatsmässigen" - Kompagniefeldwebel, welcher uns gerne

    etwas am Zuge flicken wollte, aber dank unseres Schützlings

    des Leutnants Patzwald, Berliner Polizeioffizier und Maikäfer,

    erreichten wir alles, und wenn es täglicher Urlaub war.


  • January 14, 2017 18:02:24 Corinna Pichler (AUT)

    S. 140

    angesehen oder so tituliert, un ja so ganz Unrecht hatten

    sie ja nicht, denn oft genug mussten wir ran, denn

    zunächst war man schüchtern und musste  sich auch

    erst orienieren, wie hier der Hase lief, später stellte

    es sich als das gemütlichste Kommando heraus was man

    sich vorstellen kann, indem man möglichst wenig

    Dienst tat, bezw. die Rekruten, welche von allen

    Garderegimentern hier zusammentrafen damit belastete.

    Wie es begann, weiss ich nicht mehr. Wir taten

    dies und das, für den und jenen. Fuhren mit dem

    Wagen zur Bäckerei nach Berlin um für 14 Tage Brot

    zu holen, gaben Wäsche aus, führten die Bäcker für

    den Verpflegungsoffizier, oder den Küchen Unteroffizier oder

    den Menagebückführer. Später machten wir oft die Nacht

    zum Tage und schliefen zum Ärger der

    Ausblidungsmannschaften und Unteroffiziere bis in die Puppen.

    Da wir uns als alte Leute fühlten und auch auf

    der Bühne (des Schützenhauses) schliefen, waren wir

    abgetrennt, und so kam es z.B. fast regelmäßig vor,

    dass der Kompagniefeldwebel uns bei seinem

    Inspektionsgang beim Frühstück fand oder uns sogar paarmal

    noch aus den Betten holte. Eines unserer Hauptziele

    war, dass wir die ötige einige Verbindung mit der

    Küche behielten, dess es gab schon seiner Zeit

    Essenmarken, und so konnten wir, ohne uns erst zum zweiten

    Zuge anzustellen, unser kapulieren, d.h. so viel Essen

    empfangen, als wir gerade machten.


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  • 50.2912494||2.7777485000000297||

    Schlacht von Arras

    ||1
Location(s)
  • Story location Schlacht von Arras
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ID
15872 / 168925
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Heike Knothe
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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