Kriegstagebuch von Hans-Joachim Röhr aus Görlitz - Band 2, item 40

Edit transcription:
...
Transcription saved
Enhance your transcribing experience by using full-screen mode

Transcription

You have to be logged in to transcribe. Please login or register and click the pencil-button again

S. 48

      Ich zog auf Posten, d.h. gab Obacht nach vorn, dann

auf "Draht", d.h. kampfbereit waren ja alle sofort. Zwei

Infanteristen krochen auf Deckung um 2 Engländern die Taschen

zu durchsuchen, deren Leichen 5 metr. vorm Graben lagen. Kaum

hatten sie aber den Graben verlassen, als 2 Schüsse fielen, ich

hörte nur ein leises "Auau", und beide lagen auch schon.

Während ich glaubte, sie hätten Deckung gesucht, sagte ein

Unteroffizier, die sind getroffen. Er kroch mit einem Mann vorsichtig

heraus bis zu den beiden und barg dieselben. Leider hatte

er recht, der Eine hatte einen Kopfschuss der sofort tötlich gewesen

sein muss, während der Andere durch Brust und Schulter schon

schwer verwundet war. Es war also grösste Vorsicht geboten,

Tommy hatte auch hier, gleich wie an der Somme seine

Pinkfritzen (Scharfschützen), welche besonders auch dadurch

begünstigt waren, da wir auch hier den Mond im Rücken hatten.

      Eigentümlich ruhig verlief die Nacht, kaum dass mehr

geschossen wurde als sonst, unsere Essenholer kamen um

1.00 zurück, da wurde nun erst gegessen, denn Hunger

hatten wir immer. Der Mond beleuchtete friedlich, das lebhafte

Treiben im Graben, denn Ordonnanzen, und Ablösungen und

Essenholer eilten denselben entlang. - Nach Ablösung, setzte

ich mich in mein Loch, welches in die Grabenwand gebuddelt

war, hüllte mich in den Mantel und schlief. Aber schon beim

Sonnenaufgang war alles wach, schon die Morgenfrische machte

es notwendig sich zu bewegen, und dann hatten auch einige

ihre Geschäfte zu erledigen. Da das Gelände flach war, konnte

man den Graben nicht verlassen, man protzte also in


S. 49

einem Winkel ab, und mittels eines Spatens wurden die

Exkrimente über Deckung geworfen, zur Fruchtbarmachung des

Bodens.

      Am Morgen wurde die Post durchlesen und die Zeitungen

wanderten von Hand zu Hand, und mochten dieselben noch so

alt sein, oder mochten sie als Einwickelpapier von Liebesgaben,

noch so zerknittert oder durchfettet sein, sie boten Lektüre

und Zerstreuung. Zeigte man somit Interesse an der

Aussenwelt, so war doch anderseits jegliches Gefühl tot, z.B. der Gedanke,

dass man hätte verwundet werden können, dieser Gedanke

der einem im Ruhequartier so oft beschäftigte, teils indem

man sich vor schwerer Verwundung fürchtete, teils dass man sich

einen Heimtschuss wünschte, in Stellung war er vollkommen

ausgeschaltet. Auch dieser Tag verlief ruhig, wie fast alle

folgenden. Das Hintergelände lag freilich sehr oft unter schwerstem

Feuer, so ging z.B. ein Einschlag dicht neben einem Reservergewehr

nieder, zerstörte einen Teil des Grabens, verwundete aber

niemanden. Äusserst lebhaft waren die zahlreichen Fliegerkämpfe,

die Engländer erschienen oft mit einer ganzen Reihe von

Apparaten, aber immer räumte Staffel Richthofen auf. Am Abend

war ich an der Reihe Essen zu holen. Um 10.00 Abmarsch.

Beim rechten Gewehr, welches etwas tiefer lag, verliessen wir 3 Mann

vom M.G. Zuge, den Graben und mussten ob der Helligkeit

und Sicht für den Engländer ein gutes Stück kriechen, dann

sprungweise bis zur Zwischenstellung und dann gemächliches

querfeldein auf Fresnes zu. In der Dunkelheit liefen wir direkt

auf eine Batteriestellung zu, und waren sehr erschreckt, als

Transcription saved

S. 48

      Ich zog auf Posten, d.h. gab Obacht nach vorn, dann

auf "Draht", d.h. kampfbereit waren ja alle sofort. Zwei

Infanteristen krochen auf Deckung um 2 Engländern die Taschen

zu durchsuchen, deren Leichen 5 metr. vorm Graben lagen. Kaum

hatten sie aber den Graben verlassen, als 2 Schüsse fielen, ich

hörte nur ein leises "Auau", und beide lagen auch schon.

Während ich glaubte, sie hätten Deckung gesucht, sagte ein

Unteroffizier, die sind getroffen. Er kroch mit einem Mann vorsichtig

heraus bis zu den beiden und barg dieselben. Leider hatte

er recht, der Eine hatte einen Kopfschuss der sofort tötlich gewesen

sein muss, während der Andere durch Brust und Schulter schon

schwer verwundet war. Es war also grösste Vorsicht geboten,

Tommy hatte auch hier, gleich wie an der Somme seine

Pinkfritzen (Scharfschützen), welche besonders auch dadurch

begünstigt waren, da wir auch hier den Mond im Rücken hatten.

      Eigentümlich ruhig verlief die Nacht, kaum dass mehr

geschossen wurde als sonst, unsere Essenholer kamen um

1.00 zurück, da wurde nun erst gegessen, denn Hunger

hatten wir immer. Der Mond beleuchtete friedlich, das lebhafte

Treiben im Graben, denn Ordonnanzen, und Ablösungen und

Essenholer eilten denselben entlang. - Nach Ablösung, setzte

ich mich in mein Loch, welches in die Grabenwand gebuddelt

war, hüllte mich in den Mantel und schlief. Aber schon beim

Sonnenaufgang war alles wach, schon die Morgenfrische machte

es notwendig sich zu bewegen, und dann hatten auch einige

ihre Geschäfte zu erledigen. Da das Gelände flach war, konnte

man den Graben nicht verlassen, man protzte also in


S. 49

einem Winkel ab, und mittels eines Spatens wurden die

Exkrimente über Deckung geworfen, zur Fruchtbarmachung des

Bodens.

      Am Morgen wurde die Post durchlesen und die Zeitungen

wanderten von Hand zu Hand, und mochten dieselben noch so

alt sein, oder mochten sie als Einwickelpapier von Liebesgaben,

noch so zerknittert oder durchfettet sein, sie boten Lektüre

und Zerstreuung. Zeigte man somit Interesse an der

Aussenwelt, so war doch anderseits jegliches Gefühl tot, z.B. der Gedanke,

dass man hätte verwundet werden können, dieser Gedanke

der einem im Ruhequartier so oft beschäftigte, teils indem

man sich vor schwerer Verwundung fürchtete, teils dass man sich

einen Heimtschuss wünschte, in Stellung war er vollkommen

ausgeschaltet. Auch dieser Tag verlief ruhig, wie fast alle

folgenden. Das Hintergelände lag freilich sehr oft unter schwerstem

Feuer, so ging z.B. ein Einschlag dicht neben einem Reservergewehr

nieder, zerstörte einen Teil des Grabens, verwundete aber

niemanden. Äusserst lebhaft waren die zahlreichen Fliegerkämpfe,

die Engländer erschienen oft mit einer ganzen Reihe von

Apparaten, aber immer räumte Staffel Richthofen auf. Am Abend

war ich an der Reihe Essen zu holen. Um 10.00 Abmarsch.

Beim rechten Gewehr, welches etwas tiefer lag, verliessen wir 3 Mann

vom M.G. Zuge, den Graben und mussten ob der Helligkeit

und Sicht für den Engländer ein gutes Stück kriechen, dann

sprungweise bis zur Zwischenstellung und dann gemächliches

querfeldein auf Fresnes zu. In der Dunkelheit liefen wir direkt

auf eine Batteriestellung zu, und waren sehr erschreckt, als


Transcription history
  • April 5, 2017 19:36:41 Rolf Kranz

    S. 48

          Ich zog auf Posten, d.h. gab Obacht nach vorn, dann

    auf "Draht", d.h. kampfbereit waren ja alle sofort. Zwei

    Infanteristen krochen auf Deckung um 2 Engländern die Taschen

    zu durchsuchen, deren Leichen 5 metr. vorm Graben lagen. Kaum

    hatten sie aber den Graben verlassen, als 2 Schüsse fielen, ich

    hörte nur ein leises "Auau", und beide lagen auch schon.

    Während ich glaubte, sie hätten Deckung gesucht, sagte ein

    Unteroffizier, die sind getroffen. Er kroch mit einem Mann vorsichtig

    heraus bis zu den beiden und barg dieselben. Leider hatte

    er recht, der Eine hatte einen Kopfschuss der sofort tötlich gewesen

    sein muss, während der Andere durch Brust und Schulter schon

    schwer verwundet war. Es war also grösste Vorsicht geboten,

    Tommy hatte auch hier, gleich wie an der Somme seine

    Pinkfritzen (Scharfschützen), welche besonders auch dadurch

    begünstigt waren, da wir auch hier den Mond im Rücken hatten.

          Eigentümlich ruhig verlief die Nacht, kaum dass mehr

    geschossen wurde als sonst, unsere Essenholer kamen um

    1.00 zurück, da wurde nun erst gegessen, denn Hunger

    hatten wir immer. Der Mond beleuchtete friedlich, das lebhafte

    Treiben im Graben, denn Ordonnanzen, und Ablösungen und

    Essenholer eilten denselben entlang. - Nach Ablösung, setzte

    ich mich in mein Loch, welches in die Grabenwand gebuddelt

    war, hüllte mich in den Mantel und schlief. Aber schon beim

    Sonnenaufgang war alles wach, schon die Morgenfrische machte

    es notwendig sich zu bewegen, und dann hatten auch einige

    ihre Geschäfte zu erledigen. Da das Gelände flach war, konnte

    man den Graben nicht verlassen, man protzte also in


    S. 49

    einem Winkel ab, und mittels eines Spatens wurden die

    Exkrimente über Deckung geworfen, zur Fruchtbarmachung des

    Bodens.

          Am Morgen wurde die Post durchlesen und die Zeitungen

    wanderten von Hand zu Hand, und mochten dieselben noch so

    alt sein, oder mochten sie als Einwickelpapier von Liebesgaben,

    noch so zerknittert oder durchfettet sein, sie boten Lektüre

    und Zerstreuung. Zeigte man somit Interesse an der

    Aussenwelt, so war doch anderseits jegliches Gefühl tot, z.B. der Gedanke,

    dass man hätte verwundet werden können, dieser Gedanke

    der einem im Ruhequartier so oft beschäftigte, teils indem

    man sich vor schwerer Verwundung fürchtete, teils dass man sich

    einen Heimtschuss wünschte, in Stellung war er vollkommen

    ausgeschaltet. Auch dieser Tag verlief ruhig, wie fast alle

    folgenden. Das Hintergelände lag freilich sehr oft unter schwerstem

    Feuer, so ging z.B. ein Einschlag dicht neben einem Reservergewehr

    nieder, zerstörte einen Teil des Grabens, verwundete aber

    niemanden. Äusserst lebhaft waren die zahlreichen Fliegerkämpfe,

    die Engländer erschienen oft mit einer ganzen Reihe von

    Apparaten, aber immer räumte Staffel Richthofen auf. Am Abend

    war ich an der Reihe Essen zu holen. Um 10.00 Abmarsch.

    Beim rechten Gewehr, welches etwas tiefer lag, verliessen wir 3 Mann

    vom M.G. Zuge, den Graben und mussten ob der Helligkeit

    und Sicht für den Engländer ein gutes Stück kriechen, dann

    sprungweise bis zur Zwischenstellung und dann gemächliches

    querfeldein auf Fresnes zu. In der Dunkelheit liefen wir direkt

    auf eine Batteriestellung zu, und waren sehr erschreckt, als

  • February 6, 2017 22:43:19 Rolf Kranz

    S. 48

    Ich zog auf Posten, d.h. gab Obacht nach vorn, dann

    auf "Draht", d.h. kampfbereit waren ja alle sofort. Zwei

    Infanteristen krochen auf Deckung um 2 Engländern die Taschen

    zu durchsuchen, deren Leichen 5 metr. vorm Graben lagen. Kaum

    hatten sie aber den Graben verlassen, als 2 Schüsse fielen, ich

    hörte nur ein leises "Auau", und beide lagen auch schon.

    Während ich glaubte, sie hätten Deckung gesucht, sagte ein

    Unteroffizier, die sind getroffen. Er kroch mit einem Mann vorsichtig

    heraus bis zu den beiden und barg dieselben. Leider hatte

    er recht, der Eine hatte einen Kopfschuss der sofort tötlich gewesen

    sein muss, während der Andere durch Brust und Schulter schon

    schwer verwundet war. Es war also grösste Vorsicht geboten,

    Tommy hatte auch hier, gleich wie an der Somme seine

    Pinkfritzen (Scharfschützen), welche besonders auch dadurch

    begünstigt waren, da wir auch hier den Mond im Rücken hatten.

    Eigentümlich ruhig verlief die Nacht, kaum dass mehr

    geschossen wurde als sonst, unsere Essenholer kamen um

    1.00 zurück, da wurde nun erst gegessen, denn Hunger

    hatten wir immer. Der Mond beleuchtete friedlich, das lebhafte

    Treiben im Graben, denn Ordonnanzen, und Ablösungen und

    Essenholer eilten denselben entlang. - Nach Ablösung, setzte

    ich mich in mein Loch, welches in die Grabenwand gebuddelt

    war, hüllte mich in den Mantel und schlief. Aber schon beim

    Sonnenaufgang war alles wach, schon die Morgenfrische machte

    es notwendig sich zu bewegen, und dann hatten auch einige

    ihre Geschäfte zu erledigen. Da das Gelände flach war, konnte

    man den Graben nicht verlassen, man protzte also in


    S. 49

    einem Winkel ab, und mittels eines Spatens wurden die

    Exkrimente über Deckung geworfen, zur Fruchtbarmachung des

    Bodens.

         Am Morgen wurde die Post durchlesen und die Zeitungen

    wanderten von Hand zu Hand, und mochten dieselben noch so

    alt sein, oder mochten sie als Einwickelpapier von Liebesgaben,

    noch so zerknittert oder durchfettet sein, sie boten Lektüre

    und Zerstreuung. Zeigte man somit Interesse an der

    Aussenwelt, so war doch anderseits jegliches Gefühl tot, z.B. der Gedanke,

    dass man hätte verwundet werden können, dieser Gedanke

    der einem im Ruhequartier so oft beschäftigte, teils indem

    man sich vor schwerer Verwundung fürchtete, teils dass man sich

    einen Heimtschuss wünschte, in Stellung war er vollkommen

    ausgeschaltet. Auch dieser Tag verlief ruhig, wie fast alle

    folgenden. Das Hintergelände lag freilich sehr oft unter schwerstem

    Feuer, so ging z.B. ein Einschlag dicht neben einem Reservergewehr

    nieder, zerstörte einen Teil des Grabens, verwundete aber

    niemanden. Äusserst lebhaft waren die zahlreichen Fliegerkämpfe,

    die Engländer erschienen oft mit einer ganzen Reihe von

    Apparaten, aber immer räumte Staffel Richthofen auf. Am Abend

    war ich an der Reihe Essen zu holen. Um 10.00 Abmarsch.

    Beim rechten Gewehr, welches etwas tiefer lag, verliessen wir 3 Mann

    vom M.G. Zuge, den Graben und mussten ob der Helligkeit

    und Sicht für den Engländer ein gutes Stück kriechen, dann

    sprungweise bis zur Zwischenstellung und dann gemächliches

    querfeldein auf Fresnes zu. In der Dunkelheit liefen wir direkt

    auf eine Batteriestellung zu, und waren sehr erschreckt, als


  • December 28, 2016 17:05:25 Corinna Pichler (AUT)

    S. 48

    Ich zog auf Posten, d.h. gab Obacht nach vorn, dann

    auf "Draht", d.h. kampfbereit waren ja alle sofort. Zwei

    Infanteristen krochen auf Deckung um 2 Engländer die Taschen

    zu durchsuchen, deren Leichen 5 metr. vorm Graben lagen. Kaum

    hatten sie aber den Graben verlassen, als 2 Schüsse fielen, ich

    hörte nur ein leises "Auau", und beide lagen auch schon.

    Während ich glaubte, sie hätten Deckung gesucht, sagte ein

    Unteroffizier, die sind getroffen. Er kroch mit einem Mann vorsichtig

    herauss bis zu den beiden und barg dieselben. Leider hatte

    er recht, der Eine hatte einen Kopfschuss der sofort tödlich geween

    sein muss, während der Andere durch Brust und Schulter schon

    schwer verwundet war. Es war also grösste Vorsicht geboten,

    Tommy hatte auch hier, gleich wie an der Somme seine

    Pinkfritzen (Scharfschützen), welche besoonders auch dadurch

    begünstigt waren, da wir auch hier den Mond im Rücken hatten.

    Eigentümlich ruhig verlief die Nacht, kaum dass mehr

    geschossn wurde als sonst, unsere Essenholer kamen um

    1.00 zurück, da wurde nun erst gegessen, denn Hunger

    hatten wir immer. Der Mond beleuchtete friedlich, das lebhafte

    Treiben im Graben, denn Ordennanzen, und Ablösungen und

    Essenholer eilten denselben entlang. - Nach Ablösung, setzte

    ich mich in mein Loch, welches in die Grabenwand gebuddelt

    war, hüllte mich in den Mantel und schlief. Aber schon beim

    Sonnenaufgang war alles wach, schon die Morgenfrische machte

    es notwendig sich zu bewegen, und dann hatten auch einige

    ihre Geschäfte zu erledigen. Da das Gelände flach war, konnte

    man den Graben nicht verlassen, man protzte also in


    S. 49

    einem Winkel ab, und mittels eines Spatens wurden die

    Exkrimente über Deckung geworfen, zur Fruchtbarmachung des

    Bodens.

    Am Morgen wurde die Post durchlesen und die Zeitungen

    wanderten von Hand zu Hand, und mochten dieselben noch so

    alt sein, oder mochten sie als Einwickelpapier von Liebesgaben,

    noch so zerknittert oder durchfettet sein, sie boten Lektüre

    und Zerstreuung. Zeigte man somit Interesse an der

    Aussenwelt, so war doch anderseits jegliches Gefühl tot, z.B. der Gedanke,

    dass man hätte verwundet werden können, dieser Gedanke

    der einem im Ruhequartier so oft beschäftigte, teil indem

    man sich vor schwerer Verwundung fürchtete, teils dass man sich

    einen Heimtschuss wünschte, in Stellung wr er vollkommen

    ausgeschaltet. Auch dieser Tag verlief ruhig, wie fast alle

    folgenden. Das Hintergelände lag freilich sehr oft unter schwerstem

    Feuer, so ging z.B. ein Einschlalg dicht neben einem Reservergewehr

    nieder, zerstörte einen Teil des Grabens, verwundete aber

    niemanden. Äusserst lebhaft waren die zahlreichen Fliegerkämpfe,

    die Engländer erschienen oft mit einer ganzen Reihe vpn

    Apparaten, aber immer räumte Staffel Richthofen auf. Am Abend

    war ich an der Reihe Essen zu holen. Um 10.00 Abmarsch.

    Beim rechten Gewehr, welches etwas tiefer lag, verliessen wir 3 Mann

    vom M.G. Zuge, den Graben und mussten ob der Helligkeit

    und Sicht für den Engländer ein gutes Stück kriechen, dann

    sprungweise bis zur Zwischenstellung und dann gemächliches

    querfeldein auf Fresnes zu. In der Dunkelheit liefen wir Direkt

    auf eine Batteriestellung zu, und waren sehr erschreckt, als


  • December 28, 2016 17:03:34 Corinna Pichler (AUT)

    S. 48

    Ich zog auf Posten, d.h. gab Obacht nach vorn, dann

    auf "Draht", d.h. kampfbereit waren ja alle sofort. Zwei

    Infanteristen krochen auf Deckung um 2 Engländer die Taschen

    zu durchsuchen, deren Leichen 5 metr. vorm Graben lagen. Kaum

    hatten sie aber den Graben verlassen, als 2 Schüsse fielen, ich

    hörte nur ein leises "Auau", und beide lagen auch schon.

    Während ich glaubte, sie hätten Deckung gesucht, sagte ein

    Unteroffizier, die sind getroffen. Er kroch mit einem Mann vorsichtig

    herauss bis zu den beiden und barg dieselben. Leider hatte

    er recht, der Eine hatte einen Kopfschuss der sofort tödlich geween

    sein muss, während der Andere durch Brust und Schulter schon

    schwer verwundet war. Es war also grösste Vorsicht geboten,

    Tommy hatte auch hier, gleich wie an der Somme seine

    Pinkfritzen (Scharfschützen), welche besoonders auch dadurch

    begünstigt waren, da wir auch hier den Mond im Rücken hatten.

    Eigentümlich ruhig verlief die Nacht, kaum dass mehr

    geschossn wurde als sonst, unsere Essenholer kamen um

    1.00 zurück, da wurde nun erst gegessen, denn Hunger

    hatten wir immer. Der Mond beleuchtete friedlich, das lebhafte

    Treiben im Graben, denn Ordennanzen, und Ablösungen und

    Essenholer eilten denselben entlang. - Nach Ablösung, setzte

    ich mich in mein Loch, welches in die Grabenwand gebuddelt

    war, hüllte mich in den Mantel und schlief. Aber schon beim

    Sonnenaufgang war alles wach, schon die Morgenfrische machte

    es notwendig sich zu bewegen, und dann hatten auch einige

    ihre Geschäfte zu erledigen. Da das Gelände flach war, konnte

    man den Graben nicht verlassen, man protzte also in


    S. 49

    einem Winkel ab, und mittels eines Spatens wurden die

    Exkrimente über Deckung geworfen, zur Fruchtbarmachung des

    Bodens.

    Am Morgen wurde die Post durchlesen und die Zeitungen

    wanderten von Hand zu Hand, und mochten dieselben noch so

    alt sein, oder mochten sie als Einwickelpapier von Liebesgaben,

    noch so zerknittert oder durchfettet sein, sie boten Lektüre

    und Zerstreuung. Zeigte man somit Interesse an der

    Aussenwelt, so war doch anderseits jegliches Gefühl tot, z.B. der Gedanke,

    dass man hätte verwundet werden können, dieser Gedanke

    der einem im Ruhequartier so oft beschäftigte, teil indem

    man sich vor schwerer Verwundung fürchtete, teils dass man sich

    einen Heimtschuss wünschte, in Stellung wr er vollkommen

    ausgeschaltet. Auch dieser Tag verlief ruhig, wie fast alle

    folgenden. Das Hintergelände lag freilich sehr oft unter schwerstem

    Feuer, so ging z.B. ein Einschlalg dicht neben einem Reservergewehr

    nieder, zerstörte einen Teil des Grabens, verwundete aber

    niemanden. Äusserst lebhaft waren die zahlreichen Fliegerkämpfe,

    die Engländer erschienen oft mit einer ganzen Reihe vpn

    Apparaten, aber immer räumte Staffel Richthofen auf. Am Abend

    war ich an der Reihe Essen zu holen. Um 10.00 Abmarsch.

    Beim rechten


  • December 28, 2016 16:58:16 Corinna Pichler (AUT)

    S. 48

    Ich zog auf Posten, d.h. gab Obacht nach vorn, dann

    auf "Draht", d.h. kampfbereit waren ja alle sofort. Zwei

    Infanteristen krochen auf Deckung um 2 Engländer die Taschen

    zu durchsuchen, deren Leichen 5 metr. vorm Graben lagen. Kaum

    hatten sie aber den Graben verlassen, als 2 Schüsse fielen, ich

    hörte nur ein leises "Auau", und beide lagen auch schon.

    Während ich glaubte, sie hätten Deckung gesucht, sagte ein

    Unteroffizier, die sind getroffen. Er kroch mit einem Mann vorsichtig

    herauss bis zu den beiden und barg dieselben. Leider hatte

    er recht, der Eine hatte einen Kopfschuss der sofort tödlich geween

    sein muss, während der Andere durch Brust und Schulter schon

    schwer verwundet war. Es war also grösste Vorsicht geboten,

    Tommy hatte auch hier, gleich wie an der Somme seine

    Pinkfritzen (Scharfschützen), welche besoonders auch dadurch

    begünstigt waren, da wir auch hier den Mond im Rücken hatten.

    Eigentümlich ruhig verlief die Nacht, kaum dass mehr

    geschossn wurde als sonst, unsere Essenholer kamen um

    1.00 zurück, da wurde nun erst gegessen, denn Hunger

    hatten wir immer. Der Mond beleuchtete friedlich, das lebhafte

    Treiben im Graben, denn Ordennanzen, und Ablösungen und

    Essenholer eilten denselben entlang. - Nach Ablösung, setzte

    ich mich in mein Loch, welches in die Grabenwand gebuddelt

    war, hüllte mich in den Mantel und schlief. Aber schon beim

    Sonnenaufgang war alles wach, schon die Morgenfrische machte

    es notwendig sich zu bewegen, und dann hatten auch einige

    ihre Geschäfte zu erledigen. Da das Gelände flach war, konnte

    man den Graben nicht verlassen, man protzte also in


    S. 49

    einem Winkel ab, und mittels eines Spatens wurden die

    Exkrimente über Deckung geworfen, zur Fruchtbarmachung des

    Bodens.


  • December 28, 2016 16:56:51 Corinna Pichler (AUT)

    S. 48

    Ich zog auf Posten, d.h. gab Obacht nach vorn, dann

    auf "Draht", d.h. kampfbereit waren ja alle sofort. Zwei

    Infanteristen krochen auf Deckung um 2 Engländer die Taschen

    zu durchsuchen, deren Leichen 5 metr. vorm Graben lagen. Kaum

    hatten sie aber den Graben verlassen, als 2 Schüsse fielen, ich

    hörte nur ein leises "Auau", und beide lagen auch schon.

    Während ich glaubte, sie hätten Deckung gesucht, sagte ein

    Unteroffizier, die sind getroffen. Er kroch mit einem Mann vorsichtig

    herauss bis zu den beiden und barg dieselben. Leider hatte

    er recht, der Eine hatte einen Kopfschuss der sofort tödlich geween

    sein muss, während der Andere durch Brust und Schulter schon

    schwer verwundet war. Es war also grösste Vorsicht geboten,

    Tommy hatte auch hier, gleich wie an der Somme seine

    Pinkfritzen (Scharfschützen), welche besoonders auch dadurch

    begünstigt waren, da wir auch hier den Mond im Rücken hatten.

    Eigentümlich ruhig verlief die Nacht, kaum dass mehr

    geschossn wurde als sonst, unsere Essenholer kamen um

    1.00 zurück, da wurde nun erst gegessen, denn Hunger

    hatten wir immer. Der Mond beleuchtete friedlich, das lebhafte

    Treiben im Graben, denn Ordennanzen, und Ablösungen und

    Essenholer eilten denselben entlang. - Nach Ablösung, setzte

    ich mich in mein Loch, welches in die Grabenwand gebuddelt

    war, hüllte mich in den Mantel und schlief. Aber schon beim

    Sonnenaufgang war alles wach, schon die Morgenfrische machte

    es notwendig sich zu bewegen, und dann hatten auch einige

    ihre Geschäfte zu erledigen. Da das Gelände flach war, konnte

    man den Graben nicht verlassen, man protzte also ein


    S. 49


Description

Save description
  • 50.2912494||2.7777485000000297||

    Schlacht von Arras

    ||1
Location(s)
  • Story location Schlacht von Arras
Login and add location


ID
15872 / 168834
Source
http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Heike Knothe
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


Login to edit the languages

Login to edit the fronts
  • Western Front

Login to add keywords
  • Artillery
  • Prisoners of War
  • Propaganda
  • Tanks and Armoured Fighting Vehicles
  • Trench Life

Login and add links

Notes and questions

Login to leave a note