Zeitungen aus der Kriegszeit 1914, item 10
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item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
"Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns
zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung
der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet
den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-
über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen
Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können
nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg
entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des
serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß
Rußland eine abwartende Stellung einnehmen
kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-
reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher
unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand
gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren Ver-
lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."
Das Ehrenwort des Kriegsministers.
Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-
linow dem deutschen Militärattaché ehrenwörtlich, daß
noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden
lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,
kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische
Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten
Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.
Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-
den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-
attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-
Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-
zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-
zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-
Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.
In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über
russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren
auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen
Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno
und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-
kung der Garnison Alexandrowc.
Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende
Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach
die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.
Die gescheiterte Konferenz.
Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des
Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte
am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward
Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-
Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-
renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs
und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag
Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran
gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-
auszusehen, ablehnend verhielt.
"Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-
mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-
gesetzt und haben
in Wien geraten,
jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare
Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-
mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands
und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische
Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-
korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen
über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-
reichs zu Wasser und zu Lande ein."
Wieder ein "Ehrenwort".
Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch
über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der
russischen Armee:
"Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir
eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom
Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,
es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister
3. Spalte
mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung
an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß
nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines
einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-
tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft
nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß
in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner
Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.
Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-
servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-
schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.
Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir
von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt
sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir
jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es
möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm
vorliegen.
Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,
über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen
Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen
Maßnahmen irrezuführen."
Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-
bemühungen Deutschlands und Englands und fährt
dann fort:
"Während in der Zeit vom 29. bis 31. Juli diese unsere Be-
mühungen um Vermittlung von der englischen Diplo-
matie unterstützt, mit steigender Dringlichkeit fortgeführt
wurden, kamen, immer erneute und sich häufende Meldun-
gen über russische Mobilisierungsmaßnahmen.
Truppenansammlungen an der ostpreußischen Grenze, die Verhängung
des Kriegszustandes über sämtliche wichtigen Plätze der russischen
Westgrenze ließen keinen Zweifel mehr daran, daß die russische
Mobilisierung auch gegen uns
in vollem Gange war, während gleichzeitig unserem Ver-
treter in Petersburg alle derartigen Maßregeln erneut ehren-
wörtlich abgeleugnet wurden. Noch ehe die Wiener Ant-
wort auf den letzten englisch-deutschen Vermittlungsvorschlag, dessen
Tendenz und Grundlage in Petersburg bekannt gewesen sein mußte,
in Berlin eintreffen konnte, ordnete Rußland die allge-
meine Mobilmachung an.
Die Kaisertelegramme.
In den gleichen Tagen fand zwischen dem Kaiser und dem
Zaren Nikolaus ein Telegrammwechsel statt, in dem
der Kaiser den Zaren auf den drohenden Charakter der
russischen Mobilmachung und die Fortdauer seiner eigenen
vermittelnden Tätigkeit aufmerksam machte.
Am 31. Juli richtete
der Zar an den Kaiser
folgendes Telegramm:
"Ich danke Dir von Herzen für Deine Vermitt-
lung, die eine Hoffnung aufleuchten läßt, daß doch noch
alles friedlich enden könnte. Es ist technisch un-
möglich, unsere militärischen Vorbereitungen einzustellen,
die durch Oesterreichs Mobilisierung notwendig geworden
sind. Wir sind weit davon entfernt, einen Krieg zu wün-
schen. Solange wie die Verhandlungen mit Oesterreich
über Serbien andauern, werden meine Truppen keine
herausfordernde Aktion unternehmen. Ich gebe
Dir mein feierliches Wort darauf. Ich vertraue
mit aller Kraft auf Gottes Gnade und hoffe auf den Er-
folg Deiner Vermittlung in Wien für die Wohlfahrt
unserer Länder und den Frieden Europas.
Dein Dir herzlich ergebener
Nicolaus."
Darauf erging an den Zaren eine
Antwort Kaiser Wilhelms,
die folgenden Wortlaut hatte:
"Auf Deinen Appell an meine Freundschaft
und Deine Bitte um meine Hilfe habe ich eine Ver-
mittlungsaktion zwischen Deiner und der Oesterreichisch-
Ungarischen Regierung aufgenommen. Während diese
Aktion im Gange war, sind Deine Truppen gegen das mir
verbündete Oesterreich-Ungarn mobilisiert worden, wo-
durch, wie ich Dir schon mitgeteilt habe, meine Ver-
mittlung beinahe illusorisch gemacht wor-
den ist. Trotzdem habe ich sie fortgesetzt. Nun-
mehr erhalte ich zuverlässige Nachrichten über ernste
Kriegsvorbereitungen auch an meiner östlichen
Grenze. Die Verantwortung für die Sicherheit meines
Reiches zwingt mich zu defensiven Gegenmaß-
regeln. Ich bin mit meinen Bemühungen um die Er-
haltung des Weltfriedens bis an die äußerste
Grenze des Möglichen gegangen. Nicht ich trage
die Verantwortung für das Unheil, das jetzt der ganzen
zivilisierten Welt droht. Noch in diesem Augenblicke
liegt es in Deiner Hand, es abzuwenden. Nie-
mand bedroht die Ehre und Macht Rußlands,
das wohl auf den Erfolg meiner Vermittlung
hätte warten können. Die mir von meinem
Großvater auf dem Totenbette über-
kommene Freundschaft für Dich und Dein
Reich ist mir immer heilig gewesen, und
ich habe treu zu Rußland gestanden, wenn es in
schwerer Bedrängnis war, besonders in seinem
letzten Kriege. Der Friede Europas kann von Dir noch jetzt
erhalten werden, wenn Rußland sich entschließt, die mili-
tärischen Maßnahmen einzustellen, die Deutschland und
Oesterreich-Ungarn bedrohen."
Die diesen beiden Depeschen vorangegangenen Telegramme
I. Der Kaiser an den Zaren.
28 Juli, 10,45 nachm.
Mit der größten Beunruhigung höre ich von dem
Eindruck, den Oesterreich-Ungarns Vorgehen gegen
Serbien in Deinem Reiche hervorruft. Die skrupellose
Agitation, die seit Jahren in Serbien getrieben worden ist, hat
zu dem empörenden Verbrechen geführt, dessen Opfer Erzherzog
Franz Ferdinand geworden ist. Der Geist, der die Serben ihren
eigenen König und seine Gemahlin morden ließ, herrscht heute
noch in jenem Lande. Zweifellos wirst Du mit mir
darin übereinstimmen, daß wir beide, Du und
ich sowohl, als alle Souveräne ein gemeinsames
Interesse daran haben, darauf zu bestehen daß alle die-
jenigen, die für den scheußlichen Mord moralisch verantwortlich
sind, ihre verdiente Strafe erleiden.
Andererseits übersehe ich keineswegs, wie schwierig es für
Dich und Deine Regierung ist, den Strömungen der
öffentlichen Meinung entgegenzutreten. Eingedenk der herz-
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item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
"Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns
zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung
der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet
den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-
über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen
Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können
nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg
entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des
serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß
Rußland eine abwartende Stellung einnehmen
kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-
reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher
unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand
gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren Ver-
lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."
Das Ehrenwort des Kriegsministers.
Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-
linow dem deutschen Militärattaché ehrenwörtlich, daß
noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden
lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,
kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische
Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten
Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.
Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-
den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-
attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-
Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-
zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-
zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-
Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.
In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über
russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren
auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen
Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno
und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-
kung der Garnison Alexandrowc.
Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende
Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach
die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.
Die gescheiterte Konferenz.
Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des
Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte
am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward
Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-
Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-
renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs
und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag
Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran
gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-
auszusehen, ablehnend verhielt.
"Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-
mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-
gesetzt und haben
in Wien geraten,
jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare
Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-
mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands
und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische
Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-
korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen
über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-
reichs zu Wasser und zu Lande ein."
Wieder ein "Ehrenwort".
Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch
über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der
russischen Armee:
"Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir
eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom
Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,
es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister
3. Spalte
mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung
an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß
nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines
einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-
tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft
nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß
in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner
Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.
Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-
servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-
schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.
Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir
von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt
sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir
jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es
möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm
vorliegen.
Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,
über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen
Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen
Maßnahmen irrezuführen."
Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-
bemühungen Deutschlands und Englands und fährt
dann fort:
"Während in der Zeit vom 29. bis 31. Juli diese unsere Be-
mühungen um Vermittlung von der englischen Diplo-
matie unterstützt, mit steigender Dringlichkeit fortgeführt
wurden, kamen, immer erneute und sich häufende Meldun-
gen über russische Mobilisierungsmaßnahmen.
Truppenansammlungen an der ostpreußischen Grenze, die Verhängung
des Kriegszustandes über sämtliche wichtigen Plätze der russischen
Westgrenze ließen keinen Zweifel mehr daran, daß die russische
Mobilisierung auch gegen uns
in vollem Gange war, während gleichzeitig unserem Ver-
treter in Petersburg alle derartigen Maßregeln erneut ehren-
wörtlich abgeleugnet wurden. Noch ehe die Wiener Ant-
wort auf den letzten englisch-deutschen Vermittlungsvorschlag, dessen
Tendenz und Grundlage in Petersburg bekannt gewesen sein mußte,
in Berlin eintreffen konnte, ordnete Rußland die allge-
meine Mobilmachung an.
Die Kaisertelegramme.
In den gleichen Tagen fand zwischen dem Kaiser und dem
Zaren Nikolaus ein Telegrammwechsel statt, in dem
der Kaiser den Zaren auf den drohenden Charakter der
russischen Mobilmachung und die Fortdauer seiner eigenen
vermittelnden Tätigkeit aufmerksam machte.
Am 31. Juli richtete
der Zar an den Kaiser
folgendes Telegramm:
"Ich danke Dir von Herzen für Deine Vermitt-
lung, die eine Hoffnung aufleuchten läßt, daß doch noch
alles friedlich enden könnte. Es ist technisch un-
möglich, unsere militärischen Vorbereitungen einzustellen,
die durch Oesterreichs Mobilisierung notwendig geworden
sind. Wir sind weit davon entfernt, einen Krieg zu wün-
schen. Solange wie die Verhandlungen mit Oesterreich
über Serbien andauern, werden meine Truppen keine
herausfordernde Aktion unternehmen. Ich gebe
Dir mein feierliches Wort darauf. Ich vertraue
mit aller Kraft auf Gottes Gnade und hoffe auf den Er-
folg Deiner Vermittlung in Wien für die Wohlfahrt
unserer Länder und den Frieden Europas.
Dein Dir herzlich ergebener
Nicolaus."
Darauf erging an den Zaren eine
Antwort Kaiser Wilhelms,
die folgenden Wortlaut hatte:
"Auf Deinen Appell an meine Freundschaft
und Deine Bitte um meine Hilfe habe ich eine Ver-
mittlungsaktion zwischen Deiner und der Oesterreichisch-
Ungarischen Regierung aufgenommen. Während diese
Aktion im Gange war, sind Deine Truppen gegen das mir
verbündete Oesterreich-Ungarn mobilisiert worden, wo-
durch, wie ich Dir schon mitgeteilt habe, meine Ver-
mittlung beinahe illusorisch gemacht wor-
den ist. Trotzdem habe ich sie fortgesetzt. Nun-
mehr erhalte ich zuverlässige Nachrichten über ernste
Kriegsvorbereitungen auch an meiner östlichen
Grenze. Die Verantwortung für die Sicherheit meines
Reiches zwingt mich zu defensiven Gegenmaß-
regeln. Ich bin mit meinen Bemühungen um die Er-
haltung des Weltfriedens bis an die äußerste
Grenze des Möglichen gegangen. Nicht ich trage
die Verantwortung für das Unheil, das jetzt der ganzen
zivilisierten Welt droht. Noch in diesem Augenblicke
liegt es in Deiner Hand, es abzuwenden. Nie-
mand bedroht die Ehre und Macht Rußlands,
das wohl auf den Erfolg meiner Vermittlung
hätte warten können. Die mir von meinem
Großvater auf dem Totenbette über-
kommene Freundschaft für Dich und Dein
Reich ist mir immer heilig gewesen, und
ich habe treu zu Rußland gestanden, wenn es in
schwerer Bedrängnis war, besonders in seinem
letzten Kriege. Der Friede Europas kann von Dir noch jetzt
erhalten werden, wenn Rußland sich entschließt, die mili-
tärischen Maßnahmen einzustellen, die Deutschland und
Oesterreich-Ungarn bedrohen."
Die diesen beiden Depeschen vorangegangenen Telegramme
I. Der Kaiser an den Zaren.
28 Juli, 10,45 nachm.
Mit der größten Beunruhigung höre ich von dem
Eindruck, den Oesterreich-Ungarns Vorgehen gegen
Serbien in Deinem Reiche hervorruft. Die skrupellose
Agitation, die seit Jahren in Serbien getrieben worden ist, hat
zu dem empörenden Verbrechen geführt, dessen Opfer Erzherzog
Franz Ferdinand geworden ist. Der Geist, der die Serben ihren
eigenen König und seine Gemahlin morden ließ, herrscht heute
noch in jenem Lande. Zweifellos wirst Du mit mir
darin übereinstimmen, daß wir beide, Du und
ich sowohl, als alle Souveräne ein gemeinsames
Interesse daran haben, darauf zu bestehen daß alle die-
jenigen, die für den scheußlichen Mord moralisch verantwortlich
sind, ihre verdiente Strafe erleiden.
Andererseits übersehe ich keineswegs, wie schwierig es für
Dich und Deine Regierung ist, den Strömungen der
öffentlichen Meinung entgegenzutreten. Eingedenk der herz-
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
"Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns
zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung
der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet
den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-
über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen
Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können
nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg
entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des
serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß
Rußland eine abwartende Stellung einnehmen
kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-
reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher
unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand
gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren Ver-
lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."
Das Ehrenwort des Kriegsministers.
Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-
linow dem deutschen Militärattaché ehrenwörtlich, daß
noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden
lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,
kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische
Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten
Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.
Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-
den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-
attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-
Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-
zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-
zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-
Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.
In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über
russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren
auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen
Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno
und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-
kung der Garnison Alexandrowc.
Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende
Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach
die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.
Die gescheiterte Konferenz.
Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des
Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte
am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward
Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-
Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-
renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs
und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag
Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran
gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-
auszusehen, ablehnend verhielt.
"Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-
mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-
gesetzt und haben
in Wien geraten,
jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare
Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-
mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands
und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische
Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-
korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen
über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-
reichs zu Wasser und zu Lande ein."
Wieder ein "Ehrenwort".
Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch
über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der
russischen Armee:
"Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir
eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom
Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,
es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister
3. Spalte
mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung
an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß
nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines
einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-
tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft
nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß
in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner
Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.
Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-
servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-
schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.
Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir
von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt
sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir
jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es
möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm
vorliegen.
Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,
über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen
Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen
Maßnahmen irrezuführen."
Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-
bemühungen Deutschlands und Englands und fährt
dann fort:
"Während in der Zeit vom 29. bis 31. Juli diese unsere Be-
mühungen um Vermittlung von der englischen Diplo-
matie unterstützt, mit steigender Dringlichkeit fortgeführt
wurden, kamen, immer erneute und sich häufende Meldun-
gen über russische Mobilisierungsmaßnahmen.
Truppenansammlungen an der ostpreußischen Grenze, die Verhängung
des Kriegszustandes über sämtliche wichtigen Plätze der russischen
Westgrenze ließen keinen Zweifel mehr daran, daß die russische
Mobilisierung auch gegen uns
in vollem Gange war, während gleichzeitig unserem Ver-
treter in Petersburg alle derartigen Maßregeln erneut ehren-
wörtlich abgeleugnet wurden. Noch ehe die Wiener Ant-
wort auf den letzten englisch-deutschen Vermittlungsvorschlag, dessen
Tendenz und Grundlage in Petersburg bekannt gewesen sein mußte,
in Berlin eintreffen konnte, ordnete Rußland die allge-
meine Mobilmachung an.
Die Kaisertelegramme.
In den gleichen Tagen fand zwischen dem Kaiser und dem
Zaren Nikolaus ein Telegrammwechsel statt, in dem
der Kaiser den Zaren auf den drohenden Charakter der
russischen Mobilmachung und die Fortdauer seiner eigenen
vermittelnden Tätigkeit aufmerksam machte.
Am 31. Juli richtete
der Zar an den Kaiser
folgendes Telegramm:
"Ich danke Dir von Herzen für Deine Vermitt-
lung, die eine Hoffnung aufleuchten läßt, daß doch noch
alles friedlich enden könnte. Es ist technisch un-
möglich, unsere militärischen Vorbereitungen einzustellen,
die durch Oesterreichs Mobilisierung notwendig geworden
sind. Wir sind weit davon entfernt, einen Krieg zu wün-
schen. Solange wie die Verhandlungen mit Oesterreich
über Serbien andauern, werden meine Truppen keine
herausfordernde Aktion unternehmen. Ich gebe
Dir mein feierliches Wort darauf. Ich vertraue
mit aller Kraft auf Gottes Gnade und hoffe auf den Er-
folg Deiner Vermittlung in Wien für die Wohlfahrt
unserer Länder und den Frieden Europas.
Dein Dir herzlich ergebener
Nicolaus."
Darauf erging an den Zaren eine
Antwort Kaiser Wilhelms,
die folgenden Wortlaut hatte:
"Auf Deinen Appell an meine Freundschaft
und Deine Bitte um meine Hilfe habe ich eine Ver-
mittlungsaktion zwischen Deiner und der Oesterreichisch-
Ungarischen Regierung aufgenommen. Während diese
Aktion im Gange war, sind Deine Truppen gegen das mir
verbündete Oesterreich-Ungarn mobilisiert worden, wo-
durch, wie ich Dir schon mitgeteilt habe, meine Ver-
mittlung beinahe illusorisch gemacht wor-
den ist. Trotzdem habe ich sie fortgesetzt. Nun-
mehr erhalte ich zuverlässige Nachrichten über ernste
Kriegsvorbereitungen auch an meiner östlichen
Grenze. Die Verantwortung für die Sicherheit meines
Reiches zwingt mich zu defensiven Gegenmaß-
regeln. Ich bin mit meinen Bemühungen um die Er-
haltung des Weltfriedens bis an die äußerste
Grenze des Möglichen gegangen. Nicht ich trage
die Verantwortung für das Unheil, das jetzt der ganzen
zivilisierten Welt droht. Noch in diesem Augenblicke
liegt es in Deiner Hand, es abzuwenden. Nie-
mand bedroht die Ehre und Macht Rußlands,
das wohl auf den Erfolg meiner Vermittlung
hätte warten können. Die mir von meinem
Großvater auf dem Totenbette über-
kommene Freundschaft für Dich und Dein
Reich ist mir immer heilig gewesen, und
ich habe treu zu Rußland gestanden, wenn es in
schwerer Bedrängnis war, besonders in seinem
letzten Kriege. Der Friede Europas kann von Dir noch jetzt
erhalten werden, wenn Rußland sich entschließt, die mili-
tärischen Maßnahmen einzustellen, die Deutschland und
Oesterreich-Ungarn bedrohen."
Die diesen beiden Depeschen vorangegangenen Telegramme
I. Der Kaiser an den Zaren.
28 Juli, 10,45 nachm.
Mit der größten Beunruhigung höre ich von dem
Eindruck, den Oesterreich-Ungarns Vorgehen gegen
Serbien in Deinem Reiche hervorruft. Die skrupellose
Agitation, die seit Jahren in Serbien getrieben worden ist, hat
zu dem empörenden Verbrechen geführt, dessen Opfer Erzherzog
Franz Ferdinand geworden ist. Der Geist, der die Serben ihren
eigenen König und seine Gemahlin morden ließ, herrscht heute
noch in jenem Lande. Zweifellos wirst Du mit mir
darin übereinstimmen, daß wir beide, Du und
ich sowohl, als alle Souveräne ein gemeinsames
Interesse daran haben, darauf zu bestehen daß alle die-
jenigen, die für den scheußlichen Mord moralisch verantwortlich
sind, ihre verdiente Strafe erleiden.
Andererseits übersehe ich keineswegs, wie schwierig es für
Dich und eine Regierung ist, den Strömungen der
öffentlichen Meinung entgegenzutreten. Eingedenk der herz-
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
"Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns
zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung
der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet
den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-
über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen
Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können
nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg
entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des
serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß
Rußland eine abwartende Stellung einnehmen
kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-
reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher
unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand
gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren Ver-
lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."
Das Ehrenwort des Kriegsministers.
Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-
linow dem deutschen Militärattaché ehrenwörtlich, daß
noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden
lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,
kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische
Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten
Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.
Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-
den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-
attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-
Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-
zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-
zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-
Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.
In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über
russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren
auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen
Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno
und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-
kung der Garnison Alexandrowc.
Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende
Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach
die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.
Die gescheiterte Konferenz.
Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des
Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte
am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward
Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-
Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-
renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs
und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag
Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran
gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-
auszusehen, ablehnend verhielt.
"Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-
mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-
gesetzt und haben
in Wien geraten,
jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare
Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-
mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands
und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische
Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-
korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen
über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-
reichs zu Wasser und zu Lande ein."
Wieder ein "Ehrenwort".
Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch
über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der
russischen Armee:
"Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir
eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom
Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,
es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister
3. Spalte
mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung
an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß
nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines
einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-
tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft
nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß
in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner
Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.
Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-
servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-
schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.
Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir
von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt
sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir
jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es
möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm
vorliegen.
Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,
über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen
Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen
Maßnahmen irrezuführen."
Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-
bemühungen Deutschlands und Englands und fährt
dann fort:
"Während in der Zeit vom 29. bis 31. Juli diese unsere Be-
mühungen um Vermittlung von der englischen Diplo-
matie unterstützt, mit steigender Dringlichkeit fortgeführt
wurden, kamen, immer erneute und sich häufende Meldun-
gen über russische Mobilisierungsmaßnahmen.
Truppenansammlungen an der ostpreußischen Grenze, die Verhängung
des Kriegszustandes über sämtliche wichtigen Plätze der russischen
Westgrenze ließen keinen Zweifel mehr daran, daß die russische
Mobilisierung auch gegen uns
in vollem Gange war, während gleichzeitig unserem Ver-
treter in Petersburg alle derartigen Maßregeln erneut ehren-
wörtlich abgeleugnet wurden. Noch ehe die Wiener Ant-
wort auf den letzten englisch-deutschen Vermittlungsvorschlag, dessen
Tendenz und Grundlage in Petersburg bekannt gewesen sein mußte,
in Berlin eintreffen konnte, ordnete Rußland die allge-
meine Mobilmachung an.
Die Kaisertelegramme.
In den gleichen Tagen fand zwischen dem Kaiser und dem
Zaren Nikolaus ein Telegrammwechsel statt, in dem
der Kaiser den Zaren auf den drohenden Charakter der
russischen Mobilmachung und die Fortdauer seiner eigenen
vermittelnden Tätigkeit aufmerksam machte.
Am 31. Juli richtete
der Zar an den Kaiser
folgendes Telegramm:
"Ich danke Dir von Herzen für Deine Vermitt-
lung, die eine Hoffnung aufleuchten läßt, daß doch noch
alles friedlich enden könnte. Es ist technisch un-
möglich, unsere militärischen Vorbereitungen einzustellen,
die durch Oesterreichs Mobilisierung notwendig geworden
sind. Wir sind weit davon entfernt, einen Krieg zu wün-
schen. Solange wie die Verhandlungen mit Oesterreich
über Serbien andauern, werden meine Truppen keine
herausfordernde Aktion unternehmen. Ich gebe
Dir mein feierliches Wort darauf. Ich vertraue
mit aller Kraft auf Gottes Gnade und hoffe auf den Er-
folg Deiner Vermittlung in Wien für die Wohlfahrt
unserer Länder und den Frieden Europas.
Dein Dir herzlich ergebener
Nicolaus."
Darauf erging an den Zaren eine
Antwort Kaiser Wilhelms,
die folgenden Wortlaut hatte:
"Auf Deinen Appell an meine Freundschaft
und Deine Bitte um meine Hilfe habe ich eine Ver-
mittlungsaktion zwischen Deiner und der Oesterreichisch-
Ungarischen Regierung aufgenommen. Während diese
Aktion im Gange war, sind Deine Truppen gegen das mir
verbündete Oesterreich-Ungarn mobilisiert worden, wo-
durch, wie ich Dir schon mitgeteilt habe, meine Ver-
mittlung beinahe illusorisch gemacht wor-
den ist. Trotzdem habe ich sie fortgesetzt. Nun-
mehr erhalte ich zuverlässige Nachrichten über ernste
Kriegsvorbereitungen auch an meiner östlichen
Grenze. Die Verantwortung für die Sicherheit meines
Reiches zwingt mich zu defensiven Gegenmaß-
regeln. Ich bin mit meinen Bemühungen um die Er-
haltung des Weltfriedens bis an die äußerste
Grenze des Möglichen gegangen. Nicht ich trage
die Verantwortung für das Unheil, das jetzt der ganzen
zivilisierten Welt droht. Noch in diesem Augenblicke
liegt es in Deiner Hand, es abzuwenden. Nie-
mand bedroht die Ehre und Macht Rußlands,
das wohl auf den Erfolg meiner Vermittlung
hätte warten können. Die mir von meinem
Großvater auf dem Totenbette über-
kommene Freundschaft für Dich und Dein
Reich ist mir immer heilig gewesen, und
ich habe treu zu Rußland gestanden, wenn es in
schwerer Bedrängnis war, besonders in seinem
letzten Kriege. Der Friede Europas kann von Dir noch jetzt
erhalten werden, wenn Rußland sich entschließt, die mili-
tärischen Maßnahmen einzustellen, die Deutschland und
Oesterreich-Ungarn bedrohen."
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
"Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns
zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung
der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet
den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-
über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen
Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können
nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg
entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des
serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß
Rußland eine abwartende Stellung einnehmen
kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-
reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher
unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand
gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren Ver-
lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."
Das Ehrenwort des Kriegsministers.
Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-
linow dem deutschen Militärattaché ehrenwörtlich, daß
noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden
lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,
kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische
Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten
Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.
Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-
den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-
attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-
Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-
zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-
zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-
Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.
In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über
russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren
auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen
Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno
und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-
kung der Garnison Alexandrowc.
Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende
Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach
die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.
Die gescheiterte Konferenz.
Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des
Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte
am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward
Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-
Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-
renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs
und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag
Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran
gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-
auszusehen, ablehnend verhielt.
"Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-
mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-
gesetzt und haben
in Wien geraten,
jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare
Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-
mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands
und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische
Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-
korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen
über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-
reichs zu Wasser und zu Lande ein."
Wieder ein "Ehrenwort".
Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch
über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der
russischen Armee:
"Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir
eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom
Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,
es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister
3. Spalte
mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung
an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß
nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines
einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-
tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft
nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß
in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner
Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.
Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-
servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-
schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.
Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir
von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt
sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir
jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es
möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm
vorliegen.
Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,
über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen
Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen
Maßnahmen irrezuführen."
Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-
bemühungen Deutschlands und Englands und fährt
dann fort:
"Während in der Zeit vom 29. bis 31. Juli diese unsere Be-
mühungen um Vermittlung von der englischen Diplo-
matie unterstützt, mit steigender Dringlichkeit fortgeführt
wurden, kamen, immer erneute und sich häufende Meldun-
gen über russische Mobilisierungsmaßnahmen.
Truppenansammlungen an der ostpreußischen Grenze, die Verhängung
des Kriegszustandes über sämtliche wichtigen Plätze der russischen
Westgrenze ließen keinen Zweifel mehr daran, daß die russische
Mobilisierung auch gegen uns
in vollem Gange war, während gleichzeitig unserem Ver-
treter in Petersburg alle derartigen Maßregeln erneut ehren-
wörtlich abgeleugnet wurden. Noch ehe die Wiener Ant-
wort auf den letzten englisch-deutschen Vermittlungsvorschlag, dessen
Tendenz und Grundlage in Petersburg bekannt gewesen sein mußte,
in Berlin eintreffen konnte, ordnete Rußland die allge-
meine Mobilmachung an.
Die Kaisertelegramme.
In den gleichen Tagen fand zwischen dem Kaiser und dem
Zaren Nikolaus ein Telegrammwechsel statt, in dem
der Kaiser den Zaren auf den drohenden Charakter der
russischen Mobilmachung und die Fortdauer seiner eigenen
vermittelnden Tätigkeit aufmerksam machte.
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
"Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns
zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung
der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet
den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-
über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen
Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können
nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg
entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des
serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß
Rußland eine abwartende Stellung einnehmen
kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-
reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher
unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand
gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren Ver-
lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."
Das Ehrenwort des Kriegsministers.
Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-
linow dem deutschen Militärattaché ehrenwörtlich, daß
noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden
lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,
kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische
Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten
Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.
Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-
den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-
attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-
Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-
zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-
zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-
Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.
In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über
russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren
auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen
Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno
und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-
kung der Garnison Alexandrowc.
Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende
Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach
die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.
Die gescheiterte Konferenz.
Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des
Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte
am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward
Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-
Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-
renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs
und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag
Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran
gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-
auszusehen, ablehnend verhielt.
"Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-
mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-
gesetzt und haben
in Wien geraten,
jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare
Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-
mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands
und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische
Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-
korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen
über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-
reichs zu Wasser und zu Lande ein."
Wieder ein "Ehrenwort".
Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch
über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der
russischen Armee:
"Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir
eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom
Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,
es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister
3. Spalte
mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung
an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß
nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines
einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-
tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft
nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß
in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner
Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.
Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-
servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-
schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.
Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir
von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt
sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir
jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es
möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm
vorliegen.
Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,
über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen
Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen
Maßnahmen irrezuführen."
Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-
bemühungen Deutschlands und Englands und fährt
dann fort:
"Während in der Zeit vom 29. bis 31. Juli diese unsere Be-
mühungen um Vermittlung von der englischen Diplo-
matie unterstützt, mit steigender Dringlichkeit fortgeführt
wurden, kamen, immer erneute und sich häufende Meldun-
gen über russische Mobilisierungsmaßnahmen.
Truppenansammlungen an der ostpreußischen Grenze, die Verhängung
des Kriegszustandes über sämtliche wichtigen Plätze der russischen
Westgrenze ließen keinen Zweifel mehr daran, daß die russische
Mobilisierung auch gegen uns
in vollem Gange war, während gleichzeitig unserem Ver-
treter in Petersburg alle derartigen Maßregeln erneut ehren-
wörtlich abgeleugnet wurden. Noch ehe die Wiener Ant-
wort auf den letzten englisch-deutschen Vermittlungsvorschlag, dessen
Tendenz und Grundlage in Petersburg bekannt gewesen sein mußte,
in Berlin eintreffen konnte, ordnete Rußland die allge-
meine Mobilmachung an.
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
"Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns
zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung
der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet
den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-
über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen
Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können
nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg
entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des
serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß
Rußland eine abwartende Stellung einnehmen
kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-
reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher
unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand
gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren Ver-
lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."
Das Ehrenwort des Kriegsministers.
Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-
linow dem deutschen Militärattaché ehrenwörtlich, daß
noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden
lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,
kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische
Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten
Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.
Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-
den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-
attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-
Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-
zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-
zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-
Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.
In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über
russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren
auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen
Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno
und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-
kung der Garnison Alexandrowc.
Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende
Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach
die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.
Die gescheiterte Konferenz.
Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des
Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte
am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward
Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-
Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-
renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs
und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag
Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran
gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-
auszusehen, ablehnend verhielt.
"Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-
mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-
gesetzt und haben
in Wien geraten,
jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare
Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-
mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands
und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische
Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-
korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen
über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-
reichs zu Wasser und zu Lande ein."
Wieder ein "Ehrenwort".
Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch
über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der
russischen Armee:
"Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir
eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom
Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,
es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister
3. Spalte
mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung
an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß
nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines
einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-
tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft
nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß
in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner
Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.
Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-
servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-
schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.
Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir
von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt
sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir
jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es
möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm
vorliegen.
Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,
über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen
Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen
Maßnahmen irrezuführen."
Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-
bemühungen Deutschlands und Englands und fährt
dann fort:
"Während in der Zeit vom 29. bis 31. Juli diese unsere Be-
mühungen um Vermittlung von der englischen Diplo-
matie unterstützt, mit steigender Dringlichkeit fortgeführt
wurden, kamen, immer erneute und sich häufende Meldun-
gen über russische Mobilisierungsmaßnahmen.
Truppenansammlungen an der ostpreußischen Grenze, die Verhängung
des Kriegszustandes über sämtliche wichtigen Plätze der russischen
Westgrenze ließen keinen Zweifel mehr daran, daß die russische
Mobilisierung auch gegen uns
in vollem Gange war, während gleichzeitig unserem Ver-
treter in Petersburg alle derartigen Maßregeln erneut ehren-
wörtlich abgeleugnet wurden. Noch ehe die Wiener Ant-
wort auf den letzten englisch-deutschen Vermittlungsvorschlag, dessen
Tendenz und Grundlage in Petersburg bekannt gewesen sein mußte,
in Berlin eintreffen konnte, ordnete Rußland die allge-
meine Mobilmachung an.
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item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
"Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns
zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung
der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet
den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-
über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen
Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können
nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg
entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des
serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß
Rußland eine abwartende Stellung einnehmen
kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-
reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher
unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand
gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren Ver-
lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."
Das Ehrenwort des Kriegsministers.
Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-
linow dem deutschen Militärattaché ehrenwörtlich, daß
noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden
lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,
kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische
Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten
Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.
Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-
den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-
attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-
Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-
zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-
zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-
Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.
In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über
russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren
auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen
Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno
und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-
kung der Garnison Alexandrowc.
Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende
Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach
die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.
Die gescheiterte Konferenz.
Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des
Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte
am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward
Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-
Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-
renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs
und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag
Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran
gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-
auszusehen, ablehnend verhielt.
"Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-
mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-
gesetzt und haben
in Wien geraten,
jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare
Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-
mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands
und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische
Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-
korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen
über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-
reichs zu Wasser und zu Lande ein."
Wieder ein "Ehrenwort".
Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch
über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der
russischen Armee:
"Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir
eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom
Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,
es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister
3. Spalte
mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung
an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß
nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines
einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-
tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft
nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß
in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner
Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.
Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-
servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-
schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.
Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir
von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt
sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir
jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es
möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm
vorliegen.
Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,
über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen
Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen
Maßnahmen irrezuführen."
Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-
bemühungen Deutschlands und Englands und fährt
dann fort:
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
"Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns
zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung
der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet
den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-
über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen
Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können
nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg
entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des
serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß
Rußland eine abwartende Stellung einnehmen
kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-
reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher
unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand
gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren Ver-
lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."
Das Ehrenwort des Kriegsministers.
Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-
linow dem deutschen Militärattaché ehrenwörtlich, daß
noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden
lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,
kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische
Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten
Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.
Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-
den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-
attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-
Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-
zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-
zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-
Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.
In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über
russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren
auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen
Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno
und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-
kung der Garnison Alexandrowc.
Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende
Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach
die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.
Die gescheiterte Konferenz.
Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des
Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte
am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward
Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-
Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-
renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs
und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag
Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran
gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-
auszusehen, ablehnend verhielt.
"Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-
mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-
gesetzt und haben
in Wien geraten,
jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare
Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-
mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands
und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische
Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-
korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen
über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-
reichs zu Wasser und zu Lande ein."
Wieder ein "Ehrenwort".
Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch
über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der
russischen Armee:
"Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir
eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom
Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,
es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister
3. Spalte
mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung
an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß
nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines
einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-
tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft
nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß
in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner
Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.
Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-
servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-
schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.
Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir
von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt
sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir
jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es
möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm
vorliegen.
Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,
über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen
Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen
Maßnahmen irrezuführen."
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
"Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns
zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung
der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet
den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-
über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen
Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können
nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg
entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des
serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß
Rußland eine abwartende Stellung einnehmen
kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-
reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher
unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand
gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren Ver-
lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."
Das Ehrenwort des Kriegsministers.
Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-
linow dem deutschen Militärattaché ehrenwörtlich, daß
noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden
lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,
kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische
Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten
Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.
Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-
den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-
attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-
Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-
zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-
zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-
Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.
In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über
russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren
auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen
Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno
und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-
kung der Garnison Alexandrowc.
Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende
Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach
die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.
Die gescheiterte Konferenz.
Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des
Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte
am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward
Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-
Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-
renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs
und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag
Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran
gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-
auszusehen, ablehnend verhielt.
"Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-
mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-
gesetzt und haben
in Wien geraten,
jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare
Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-
mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands
und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische
Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-
korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen
über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-
reichs zu Wasser und zu Lande ein."
Wieder ein "Ehrenwort".
Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch
über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der
russischen Armee:
"Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir
eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom
Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,
es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister
3. Spalte
mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung
an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß
nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines
einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-
tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft
nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß
in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner
Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.
Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-
servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-
schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.
Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir
von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt
sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir
jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es
möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm
vorliegen.
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
"Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns
zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung
der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet
den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-
über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen
Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können
nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg
entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des
serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß
Rußland eine abwartende Stellung einnehmen
kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-
reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher
unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand
gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren Ver-
lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."
Das Ehrenwort des Kriegsministers.
Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-
linow dem deutschen Militärattaché ehrenwörtlich, daß
noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden
lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,
kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische
Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten
Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.
Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-
den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-
attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-
Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-
zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-
zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-
Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.
In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über
russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren
auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen
Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno
und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-
kung der Garnison Alexandrowc.
Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende
Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach
die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.
Die gescheiterte Konferenz.
Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des
Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte
am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward
Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-
Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-
renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs
und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag
Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran
gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-
auszusehen, ablehnend verhielt.
"Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-
mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-
gesetzt und haben
in Wien geraten,
jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare
Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-
mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands
und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische
Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-
korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen
über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-
reichs zu Wasser und zu Lande ein."
Wieder ein "Ehrenwort".
Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch
über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der
russischen Armee:
"Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir
eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom
Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,
es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtales.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
"Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns
zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung
der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet
den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-
über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen
Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können
nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg
entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des
serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß
Rußland eine abwartende Stellung einnehmen
kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-
reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher
unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand
gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren Ver-
lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."
Das Ehrenwort des Kriegsministers.
Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-
linow dem deutschen Militärattache ehrenwörtlich, daß
noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden
lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,
kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische
Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten
Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.
Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-
den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-
attaches, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-
Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-
zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattache be-
zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-
Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.
In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über
russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren
auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen
Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno
und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-
kung der Garnison Alexandrowc.
Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende
Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach
die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.
Die gescheiterte Konferenz.
Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des
Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte
am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward
Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-
Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-
renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs
und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag
Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran
gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-
auszusehen, ablehnend verhielt.
"Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-
mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-
gesetzt und haben
in Wien geraten,
jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare
Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-
mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands
und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische
Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-
korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen
über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-
reichs zu Wasser und zu Lande ein."
Wieder ein "Ehrenwort".
Am 29. berichtete der Militärattache in Petersburg telegraphisch
über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der
russischen Armee:
"Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir
eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom
Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,
es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtales.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
"Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns
zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung
der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet
den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-
über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen
Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können
nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg
entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des
serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß
Rußland eine abwartende Stellung einnehmen
kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-
reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher
unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand
gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren Ver-
lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."
Das Ehrenwort des Kriegsministers.
Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-
linow dem deutschen Militärattache ehrenwörtlich, daß
noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden
lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,
kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische
Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten
Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.
Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-
den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-
attaches, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-
Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-
zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattache be-
zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-
Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.
In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über
russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren
auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen
Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno
und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-
kung der Garnison Alexandrowc.
Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende
Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach
die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.
Die gescheiterte Konferenz.
Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des
Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte
am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward
Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-
Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-
renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs
und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag
Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran
gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-
auszusehen, ablehnend verhielt.
"Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-
mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-
gesetzt und haben
in Wien geraten,
jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare
Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-
mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands
und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische
Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-
korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen
über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-
reichs zu Wasser und zu Lande ein."
Wieder ein "Ehrenwort".
Am 29. berichtete der Militärattache in Petersburg telegraphisch
über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der
russischen Armee:
"Der Generalstabchef hat mich zu sich bitten lassen und mir
eröffnet, daß er von SeinerMajestät soeben komme. Er sei vom
Kriegsminister beauftragt worden, kir nochmals zu bestätigen,
es ei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtales.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
"Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns
zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung
der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet
den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-
über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen
Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können
nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg
entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des
serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß
Rußland eine abwartende Stellung einnehmen
kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-
reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher
unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand
gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren Ver-
lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."
Das Ehrenwort des Kriegsministers.
Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-
linow dem deutschen Militärattache ehrenwörtlich, daß
noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden
lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,
kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische
Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten
Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.
Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-
den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-
attaches, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-
Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-
zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattache be-
zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-
Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.
In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über
russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren
auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen
Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno
und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-
kung der Garnison Alexandrowc.
Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende
Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach
die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.
Die gescheiterte Konferenz.
Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des
Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte
am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward
Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-
Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-
renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs
und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag
Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran
gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-
auszusehen, ablehnend verhielt.
"Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-
mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-
gesetzt und haben
in Wien geraten,
jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare
Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-
mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands
und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische
Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-
korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen
über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-
reichs zu Wasser und zu Lande ein."
Wieder ein "Ehrenwort".
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtales.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
"Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns
zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung
der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet
den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-
über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen
Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können
nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg
entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des
serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß
Rußland eine abwartende Stellung einnehmen
kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-
reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher
unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand
gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren Ver-
lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."
Das Ehrenwort des Kriegsministers.
Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-
linow dem deutschen Militärattache ehrenwörtlich, daß
noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden
lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,
kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische
Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten
Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.
Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-
den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-
attaches, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-
Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-
zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattache be-
zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-
Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.
In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über
russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren
auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen
Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno
und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-
kung der Garnison Alexandrowc.
Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende
Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach
die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.
Die gescheiterte Konferenz.
Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des
Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte
am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward
Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-
Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-
renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs
und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag
Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran
gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-
auszusehen, ablehnend verhielt.
"Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-
mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-
gesetzt und haben
in Wien geraten,
jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare
Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-
mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands
und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische
Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-
korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen
über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-
reichs zu Wasser und zu Lande ein."
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtales.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
"Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns
zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung
der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet
den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-
über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen
Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können
nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg
entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des
serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß
Rußland eine abwartende Stellung einnehmen
kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-
reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher
unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand
gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren Ver-
lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."
Das Ehrenwort des Kriegsministers.
Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-
linow dem deutschen Militärattache ehrenwörtlich, daß
noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden
lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,
kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische
Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten
Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.
Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-
den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-
attaches, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-
Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-
zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattache be-
zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-
Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.
In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über
russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren
auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen
Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno
und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-
kung der Garnison Alexandrowc.
Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende
Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach
die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtales.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
"Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns
zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung
der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet
den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-
über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen
Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können
nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg
entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des
serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß
Rußland eine abwartende Stellung einnehmen
kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-
reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher
unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand
gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren Ver-
lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtales.
Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-
mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß
Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne
habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.
Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-
gen über
russische Mobilmachungen
nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-
schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,
bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch
auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen
hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt
habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege
die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.
Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in
St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung
zu erklären:
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communiqué wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
Einmischung Rußlands
heißt es dann weiter:
Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-
liches Communique, wonach Rußland unmöglich in
dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.
Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr
Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
D e r T r e u e b r u c h d e s Z a r e n.
Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen
Kaiser und Zar.
Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte
Weißbuch
zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen
Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.
Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo
am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-
reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,
gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-
land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang
den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-
gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein
mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.
Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,
den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon
zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-
wehr sich zum Appell an die Waffen habe entschließen müssen.
Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtalès in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcassé abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
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item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtales in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
tales, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcasse abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcasse. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
2. Spalte
der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-
sationstag.
Konstantinopel, 4. August.
Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand
verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren
Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.
Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-
rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den
Dreibund günstig aufgefaßt.
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtales in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
tales, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcasse abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcasse. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
Konstantinopel, 4. August.
Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im
Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche
Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die
Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-
den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtales in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
tales, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
Delcasse abgesägt.
Paris, 4. August (über Kopenhagen).
Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)
zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert
Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und
Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.
Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.
Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der
Deutschenfresser Delcasse. Er ist also abgesägt worden.
Die Türkei macht mobil.
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtales in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
tales, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
Der russische Höchstkommandierende.
Petersburg, 4. August.
Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-
lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.
In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-
klärt worden.
Russisches Moratorium.
Petersburg, 4. August.
Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage
die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-
lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas
ein Moratorium angeordnet.
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtales in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
tales, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.
Wie wir schon in einem großen Teil unserer gestrigen
Ausgabe mitteilten, haben die deutschen
Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach
kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch
Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.
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1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Bombenwürfe eines französischen Fliegers.
Chemnitz, 4. August.
In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein
französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den
Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.
Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend
leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.
Die Rückkehr des deutschen Gesandten.
Graf Pourtales in Schweden.
Stockholm, 4. August.
Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-
tales, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern
nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge
führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise mit Sonderzug
nach Trelleborg fortgesetzt.
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
Keine Brunnenvergiftung.
Die gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-
dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-
gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit
Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich
als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus
anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine
Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint
aber weiter geboten.
Haussuchungen auf der Bugra.
Leipzig, 4. August.
Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-
suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der
französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal
der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch
sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.
Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-
merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die
nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-
zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie
ihre Ausbildung zu verdanken haben.
Spione als Nonnen.
Wien, 4. August.
Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen
in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,
Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-
burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus
Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.
In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-
gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des
Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man
3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
Schutz den Brücken!
Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen
Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen
Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden
Aufruf anheften lassen:
"Reisende, helft unsere Brücken und Tun-
nels zu schützen!"
An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige
Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe
vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-
sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der
Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und
Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß
die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke
gegen Zerstörung gesichert werden!"
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-
teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
RussischeSpione in Spandau?
In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei
Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten
nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische
Spione handeln.
Ein russischer Großfürst
in Gumbinnen verhaftet.
Königsberg i. Pr., 4. August.
-
item 10
1. Spalte
des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus
Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in
dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.
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- Contributor
- Karl Döbling
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