Zeitungen aus der Kriegszeit 1914, item 10

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 item 10 


 1. Spalte 

des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                            RussischeSpione in Spandau?

    In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

Spione handeln.

                      Ein russischer Großfürst

                                           in Gumbinnen verhaftet.

                                                                    Königsberg i. Pr., 4. August.

    In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                      Schutz den Brücken!

    Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

 Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

Aufruf anheften lassen:

    "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

nels zu schützen!"

    An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

gegen Zerstörung gesichert werden!"

                             Keine Brunnenvergiftung.

    Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

aber weiter geboten. 

                       Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                  Leipzig, 4. August.

    Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

    Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                  Spione als Nonnen.

                                                                           Wien, 4. August.

    Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                 Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                         Chemnitz, 4. August.

    In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                        Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                    Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                          Stockholm, 4. August.

    Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

nach Trelleborg fortgesetzt.

                 Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

    Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                  Der russische Höchstkommandierende.

                                                                         Petersburg, 4. August.

    Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

klärt worden.

                              Russisches Moratorium.

                                                                         Petersburg, 4. August.   

    Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

ein Moratorium angeordnet.

                                   Delcassé abgesägt.

                                                      Paris, 4. August (über Kopenhagen).

    Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

    Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                             Die Türkei macht mobil.

                                                                     Konstantinopel, 4. August.

    Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


 2. Spalte 

der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

sationstag.

                                                                  Konstantinopel, 4. August.

    Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

    Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

Dreibund günstig aufgefaßt.

                             D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                    Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                              Kaiser und Zar.

    Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                 Weißbuch

zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

    Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                   Einmischung Rußlands

heißt es dann weiter:

    Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.

    Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

gen über

                             russische Mobilmachungen  

nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

zu erklären:

    "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                       Das Ehrenwort des Kriegsministers.

    Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

linow dem deutschen  Militärattaché ehrenwörtlich, daß

noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-

zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

    In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

kung der Garnison Alexandrowc.

    Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.

                            Die gescheiterte Konferenz.

    Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des

Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte

am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward

Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-

Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-

renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs

und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag

Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran

gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-

auszusehen, ablehnend verhielt. 

    "Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-

mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-

gesetzt und haben

                                        in Wien geraten,

jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare

Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-

mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands

und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische

Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-

korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen

über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-

reichs zu Wasser und zu Lande ein."

                             Wieder ein "Ehrenwort".

    Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch

über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der

russischen Armee:

    "Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir

eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom

Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,

es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister


 3. Spalte 

mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung

an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß

nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines

einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-

tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft

nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß

in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner

Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.

    Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-

servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-

schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.

Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir

von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt

sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir

jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es

möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm

vorliegen.

    Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,

über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen

Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen

Maßnahmen irrezuführen."

    Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-

bemühungen Deutschlands und Englands und fährt

dann fort:

    "Während in der Zeit vom 29. bis 31. Juli diese unsere Be-

mühungen um Vermittlung von der englischen Diplo-

matie unterstützt, mit steigender Dringlichkeit fortgeführt

wurden, kamen, immer erneute und sich häufende Meldun-

gen über russische Mobilisierungsmaßnahmen.

Truppenansammlungen an der ostpreußischen Grenze, die Verhängung

des Kriegszustandes über sämtliche wichtigen Plätze der russischen

Westgrenze ließen keinen Zweifel mehr daran, daß die russische

                              Mobilisierung auch gegen uns

in vollem Gange war, während gleichzeitig unserem Ver-

treter in Petersburg alle derartigen Maßregeln erneut ehren-

wörtlich abgeleugnet wurden. Noch ehe die Wiener Ant-

wort auf den letzten englisch-deutschen Vermittlungsvorschlag, dessen

Tendenz und Grundlage in Petersburg bekannt gewesen sein mußte,

in Berlin eintreffen konnte, ordnete Rußland die allge-

meine Mobilmachung an.

                                    Die Kaisertelegramme.

    In den gleichen Tagen fand zwischen dem Kaiser und dem

Zaren Nikolaus ein Telegrammwechsel statt, in dem

der Kaiser den Zaren auf den drohenden Charakter der

russischen Mobilmachung und die Fortdauer seiner eigenen

vermittelnden Tätigkeit aufmerksam machte.

    Am 31. Juli richtete

                                    der Zar an den Kaiser

folgendes Telegramm:

    "Ich danke Dir von Herzen für Deine Vermitt-

lung, die eine Hoffnung aufleuchten läßt, daß doch noch

alles friedlich enden könnte. Es ist technisch un-

möglich, unsere militärischen Vorbereitungen einzustellen,

die durch Oesterreichs Mobilisierung notwendig geworden 

sind. Wir sind weit davon entfernt, einen Krieg zu wün-

schen. Solange wie die Verhandlungen mit Oesterreich

über Serbien andauern, werden meine Truppen keine

herausfordernde Aktion unternehmen. Ich gebe

Dir mein feierliches Wort darauf. Ich vertraue

mit aller Kraft auf Gottes Gnade und hoffe auf den Er-

folg Deiner Vermittlung in Wien für die Wohlfahrt

unserer Länder und den Frieden Europas.

                                               Dein Dir herzlich ergebener

                                                              Nicolaus." 

    Darauf erging an den Zaren eine

                                Antwort Kaiser Wilhelms,

die folgenden Wortlaut hatte:

    "Auf Deinen Appell an meine Freundschaft

und Deine Bitte um meine Hilfe habe ich eine Ver-

mittlungsaktion zwischen Deiner und der Oesterreichisch-

Ungarischen Regierung aufgenommen. Während diese

Aktion im Gange war, sind Deine Truppen gegen das mir

verbündete Oesterreich-Ungarn mobilisiert worden, wo-

durch, wie ich Dir schon mitgeteilt habe, meine Ver-

mittlung beinahe illusorisch gemacht wor-

den ist. Trotzdem habe ich sie fortgesetzt. Nun-

mehr erhalte ich zuverlässige Nachrichten über ernste 

Kriegsvorbereitungen auch an meiner östlichen

Grenze. Die Verantwortung für die Sicherheit meines

Reiches zwingt mich zu defensiven Gegenmaß-

regeln. Ich bin mit meinen Bemühungen um die Er-

haltung des Weltfriedens bis an die äußerste

Grenze des Möglichen gegangen. Nicht ich trage

die Verantwortung für das Unheil, das jetzt der ganzen

zivilisierten Welt droht. Noch in diesem Augenblicke

liegt es in Deiner Hand, es abzuwenden. Nie-

mand bedroht die Ehre und Macht Rußlands,

das wohl auf den Erfolg meiner Vermittlung

hätte warten können. Die mir von meinem

Großvater auf dem Totenbette über-

kommene Freundschaft für Dich und Dein

Reich ist mir immer heilig gewesen, und

ich habe treu zu Rußland gestanden, wenn es in

schwerer Bedrängnis war, besonders in seinem

letzten Kriege. Der Friede Europas kann von Dir noch jetzt

erhalten werden, wenn Rußland sich entschließt, die mili-

tärischen Maßnahmen einzustellen, die Deutschland und

Oesterreich-Ungarn bedrohen."

    Die diesen beiden Depeschen vorangegangenen Telegramme

                           I. Der Kaiser an den Zaren.

                                                                  28  Juli, 10,45 nachm.

    Mit der größten Beunruhigung höre ich von dem

Eindruck, den Oesterreich-Ungarns Vorgehen gegen

Serbien in Deinem Reiche hervorruft. Die skrupellose

Agitation, die seit Jahren in Serbien getrieben worden ist, hat

zu dem empörenden Verbrechen geführt, dessen Opfer Erzherzog

Franz Ferdinand geworden ist.  Der Geist, der die Serben ihren

eigenen König und seine Gemahlin morden ließ, herrscht heute

noch in jenem Lande. Zweifellos wirst Du mit mir

darin übereinstimmen, daß wir beide, Du und 

ich sowohl, als alle Souveräne ein gemeinsames

Interesse daran haben, darauf zu bestehen daß alle die-

jenigen, die für den scheußlichen Mord moralisch verantwortlich

sind, ihre  verdiente Strafe erleiden.

    Andererseits übersehe ich keineswegs, wie schwierig es für

Dich und Deine Regierung ist, den Strömungen der

öffentlichen Meinung entgegenzutreten. Eingedenk der herz-

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 item 10 


 1. Spalte 

des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                            RussischeSpione in Spandau?

    In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

Spione handeln.

                      Ein russischer Großfürst

                                           in Gumbinnen verhaftet.

                                                                    Königsberg i. Pr., 4. August.

    In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                      Schutz den Brücken!

    Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

 Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

Aufruf anheften lassen:

    "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

nels zu schützen!"

    An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

gegen Zerstörung gesichert werden!"

                             Keine Brunnenvergiftung.

    Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

aber weiter geboten. 

                       Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                  Leipzig, 4. August.

    Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

    Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                  Spione als Nonnen.

                                                                           Wien, 4. August.

    Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                 Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                         Chemnitz, 4. August.

    In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                        Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                    Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                          Stockholm, 4. August.

    Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

nach Trelleborg fortgesetzt.

                 Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

    Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                  Der russische Höchstkommandierende.

                                                                         Petersburg, 4. August.

    Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

klärt worden.

                              Russisches Moratorium.

                                                                         Petersburg, 4. August.   

    Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

ein Moratorium angeordnet.

                                   Delcassé abgesägt.

                                                      Paris, 4. August (über Kopenhagen).

    Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

    Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                             Die Türkei macht mobil.

                                                                     Konstantinopel, 4. August.

    Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


 2. Spalte 

der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

sationstag.

                                                                  Konstantinopel, 4. August.

    Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

    Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

Dreibund günstig aufgefaßt.

                             D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                    Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                              Kaiser und Zar.

    Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                 Weißbuch

zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

    Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                   Einmischung Rußlands

heißt es dann weiter:

    Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.

    Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

gen über

                             russische Mobilmachungen  

nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

zu erklären:

    "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                       Das Ehrenwort des Kriegsministers.

    Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

linow dem deutschen  Militärattaché ehrenwörtlich, daß

noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-

zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

    In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

kung der Garnison Alexandrowc.

    Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.

                            Die gescheiterte Konferenz.

    Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des

Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte

am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward

Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-

Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-

renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs

und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag

Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran

gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-

auszusehen, ablehnend verhielt. 

    "Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-

mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-

gesetzt und haben

                                        in Wien geraten,

jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare

Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-

mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands

und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische

Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-

korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen

über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-

reichs zu Wasser und zu Lande ein."

                             Wieder ein "Ehrenwort".

    Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch

über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der

russischen Armee:

    "Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir

eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom

Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,

es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister


 3. Spalte 

mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung

an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß

nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines

einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-

tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft

nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß

in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner

Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.

    Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-

servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-

schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.

Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir

von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt

sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir

jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es

möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm

vorliegen.

    Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,

über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen

Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen

Maßnahmen irrezuführen."

    Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-

bemühungen Deutschlands und Englands und fährt

dann fort:

    "Während in der Zeit vom 29. bis 31. Juli diese unsere Be-

mühungen um Vermittlung von der englischen Diplo-

matie unterstützt, mit steigender Dringlichkeit fortgeführt

wurden, kamen, immer erneute und sich häufende Meldun-

gen über russische Mobilisierungsmaßnahmen.

Truppenansammlungen an der ostpreußischen Grenze, die Verhängung

des Kriegszustandes über sämtliche wichtigen Plätze der russischen

Westgrenze ließen keinen Zweifel mehr daran, daß die russische

                              Mobilisierung auch gegen uns

in vollem Gange war, während gleichzeitig unserem Ver-

treter in Petersburg alle derartigen Maßregeln erneut ehren-

wörtlich abgeleugnet wurden. Noch ehe die Wiener Ant-

wort auf den letzten englisch-deutschen Vermittlungsvorschlag, dessen

Tendenz und Grundlage in Petersburg bekannt gewesen sein mußte,

in Berlin eintreffen konnte, ordnete Rußland die allge-

meine Mobilmachung an.

                                    Die Kaisertelegramme.

    In den gleichen Tagen fand zwischen dem Kaiser und dem

Zaren Nikolaus ein Telegrammwechsel statt, in dem

der Kaiser den Zaren auf den drohenden Charakter der

russischen Mobilmachung und die Fortdauer seiner eigenen

vermittelnden Tätigkeit aufmerksam machte.

    Am 31. Juli richtete

                                    der Zar an den Kaiser

folgendes Telegramm:

    "Ich danke Dir von Herzen für Deine Vermitt-

lung, die eine Hoffnung aufleuchten läßt, daß doch noch

alles friedlich enden könnte. Es ist technisch un-

möglich, unsere militärischen Vorbereitungen einzustellen,

die durch Oesterreichs Mobilisierung notwendig geworden 

sind. Wir sind weit davon entfernt, einen Krieg zu wün-

schen. Solange wie die Verhandlungen mit Oesterreich

über Serbien andauern, werden meine Truppen keine

herausfordernde Aktion unternehmen. Ich gebe

Dir mein feierliches Wort darauf. Ich vertraue

mit aller Kraft auf Gottes Gnade und hoffe auf den Er-

folg Deiner Vermittlung in Wien für die Wohlfahrt

unserer Länder und den Frieden Europas.

                                               Dein Dir herzlich ergebener

                                                              Nicolaus." 

    Darauf erging an den Zaren eine

                                Antwort Kaiser Wilhelms,

die folgenden Wortlaut hatte:

    "Auf Deinen Appell an meine Freundschaft

und Deine Bitte um meine Hilfe habe ich eine Ver-

mittlungsaktion zwischen Deiner und der Oesterreichisch-

Ungarischen Regierung aufgenommen. Während diese

Aktion im Gange war, sind Deine Truppen gegen das mir

verbündete Oesterreich-Ungarn mobilisiert worden, wo-

durch, wie ich Dir schon mitgeteilt habe, meine Ver-

mittlung beinahe illusorisch gemacht wor-

den ist. Trotzdem habe ich sie fortgesetzt. Nun-

mehr erhalte ich zuverlässige Nachrichten über ernste 

Kriegsvorbereitungen auch an meiner östlichen

Grenze. Die Verantwortung für die Sicherheit meines

Reiches zwingt mich zu defensiven Gegenmaß-

regeln. Ich bin mit meinen Bemühungen um die Er-

haltung des Weltfriedens bis an die äußerste

Grenze des Möglichen gegangen. Nicht ich trage

die Verantwortung für das Unheil, das jetzt der ganzen

zivilisierten Welt droht. Noch in diesem Augenblicke

liegt es in Deiner Hand, es abzuwenden. Nie-

mand bedroht die Ehre und Macht Rußlands,

das wohl auf den Erfolg meiner Vermittlung

hätte warten können. Die mir von meinem

Großvater auf dem Totenbette über-

kommene Freundschaft für Dich und Dein

Reich ist mir immer heilig gewesen, und

ich habe treu zu Rußland gestanden, wenn es in

schwerer Bedrängnis war, besonders in seinem

letzten Kriege. Der Friede Europas kann von Dir noch jetzt

erhalten werden, wenn Rußland sich entschließt, die mili-

tärischen Maßnahmen einzustellen, die Deutschland und

Oesterreich-Ungarn bedrohen."

    Die diesen beiden Depeschen vorangegangenen Telegramme

                           I. Der Kaiser an den Zaren.

                                                                  28  Juli, 10,45 nachm.

    Mit der größten Beunruhigung höre ich von dem

Eindruck, den Oesterreich-Ungarns Vorgehen gegen

Serbien in Deinem Reiche hervorruft. Die skrupellose

Agitation, die seit Jahren in Serbien getrieben worden ist, hat

zu dem empörenden Verbrechen geführt, dessen Opfer Erzherzog

Franz Ferdinand geworden ist.  Der Geist, der die Serben ihren

eigenen König und seine Gemahlin morden ließ, herrscht heute

noch in jenem Lande. Zweifellos wirst Du mit mir

darin übereinstimmen, daß wir beide, Du und 

ich sowohl, als alle Souveräne ein gemeinsames

Interesse daran haben, darauf zu bestehen daß alle die-

jenigen, die für den scheußlichen Mord moralisch verantwortlich

sind, ihre  verdiente Strafe erleiden.

    Andererseits übersehe ich keineswegs, wie schwierig es für

Dich und Deine Regierung ist, den Strömungen der

öffentlichen Meinung entgegenzutreten. Eingedenk der herz-


Transcription history
  • August 19, 2017 22:49:32 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:

        "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

    zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

    der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

    den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

    über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

    Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

    nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

    entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

    serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

    Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

    kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

    reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

    unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

    gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

    lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                           Das Ehrenwort des Kriegsministers.

        Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

    linow dem deutschen  Militärattaché ehrenwörtlich, daß

    noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

    lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

    kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

    Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

    Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

    Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

    den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

    attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

    Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

    zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-

    zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

    Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

        In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

    russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

    auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

    Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

    und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

    kung der Garnison Alexandrowc.

        Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

    Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

    die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.

                                Die gescheiterte Konferenz.

        Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des

    Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte

    am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward

    Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-

    Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-

    renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs

    und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag

    Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran

    gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-

    auszusehen, ablehnend verhielt. 

        "Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-

    mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-

    gesetzt und haben

                                            in Wien geraten,

    jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare

    Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-

    mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands

    und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische

    Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-

    korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen

    über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-

    reichs zu Wasser und zu Lande ein."

                                 Wieder ein "Ehrenwort".

        Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch

    über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der

    russischen Armee:

        "Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir

    eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom

    Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,

    es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister


     3. Spalte 

    mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung

    an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß

    nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines

    einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-

    tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft

    nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß

    in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner

    Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.

        Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-

    servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-

    schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.

    Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir

    von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt

    sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir

    jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es

    möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm

    vorliegen.

        Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,

    über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen

    Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen

    Maßnahmen irrezuführen."

        Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-

    bemühungen Deutschlands und Englands und fährt

    dann fort:

        "Während in der Zeit vom 29. bis 31. Juli diese unsere Be-

    mühungen um Vermittlung von der englischen Diplo-

    matie unterstützt, mit steigender Dringlichkeit fortgeführt

    wurden, kamen, immer erneute und sich häufende Meldun-

    gen über russische Mobilisierungsmaßnahmen.

    Truppenansammlungen an der ostpreußischen Grenze, die Verhängung

    des Kriegszustandes über sämtliche wichtigen Plätze der russischen

    Westgrenze ließen keinen Zweifel mehr daran, daß die russische

                                  Mobilisierung auch gegen uns

    in vollem Gange war, während gleichzeitig unserem Ver-

    treter in Petersburg alle derartigen Maßregeln erneut ehren-

    wörtlich abgeleugnet wurden. Noch ehe die Wiener Ant-

    wort auf den letzten englisch-deutschen Vermittlungsvorschlag, dessen

    Tendenz und Grundlage in Petersburg bekannt gewesen sein mußte,

    in Berlin eintreffen konnte, ordnete Rußland die allge-

    meine Mobilmachung an.

                                        Die Kaisertelegramme.

        In den gleichen Tagen fand zwischen dem Kaiser und dem

    Zaren Nikolaus ein Telegrammwechsel statt, in dem

    der Kaiser den Zaren auf den drohenden Charakter der

    russischen Mobilmachung und die Fortdauer seiner eigenen

    vermittelnden Tätigkeit aufmerksam machte.

        Am 31. Juli richtete

                                        der Zar an den Kaiser

    folgendes Telegramm:

        "Ich danke Dir von Herzen für Deine Vermitt-

    lung, die eine Hoffnung aufleuchten läßt, daß doch noch

    alles friedlich enden könnte. Es ist technisch un-

    möglich, unsere militärischen Vorbereitungen einzustellen,

    die durch Oesterreichs Mobilisierung notwendig geworden 

    sind. Wir sind weit davon entfernt, einen Krieg zu wün-

    schen. Solange wie die Verhandlungen mit Oesterreich

    über Serbien andauern, werden meine Truppen keine

    herausfordernde Aktion unternehmen. Ich gebe

    Dir mein feierliches Wort darauf. Ich vertraue

    mit aller Kraft auf Gottes Gnade und hoffe auf den Er-

    folg Deiner Vermittlung in Wien für die Wohlfahrt

    unserer Länder und den Frieden Europas.

                                                   Dein Dir herzlich ergebener

                                                                  Nicolaus." 

        Darauf erging an den Zaren eine

                                    Antwort Kaiser Wilhelms,

    die folgenden Wortlaut hatte:

        "Auf Deinen Appell an meine Freundschaft

    und Deine Bitte um meine Hilfe habe ich eine Ver-

    mittlungsaktion zwischen Deiner und der Oesterreichisch-

    Ungarischen Regierung aufgenommen. Während diese

    Aktion im Gange war, sind Deine Truppen gegen das mir

    verbündete Oesterreich-Ungarn mobilisiert worden, wo-

    durch, wie ich Dir schon mitgeteilt habe, meine Ver-

    mittlung beinahe illusorisch gemacht wor-

    den ist. Trotzdem habe ich sie fortgesetzt. Nun-

    mehr erhalte ich zuverlässige Nachrichten über ernste 

    Kriegsvorbereitungen auch an meiner östlichen

    Grenze. Die Verantwortung für die Sicherheit meines

    Reiches zwingt mich zu defensiven Gegenmaß-

    regeln. Ich bin mit meinen Bemühungen um die Er-

    haltung des Weltfriedens bis an die äußerste

    Grenze des Möglichen gegangen. Nicht ich trage

    die Verantwortung für das Unheil, das jetzt der ganzen

    zivilisierten Welt droht. Noch in diesem Augenblicke

    liegt es in Deiner Hand, es abzuwenden. Nie-

    mand bedroht die Ehre und Macht Rußlands,

    das wohl auf den Erfolg meiner Vermittlung

    hätte warten können. Die mir von meinem

    Großvater auf dem Totenbette über-

    kommene Freundschaft für Dich und Dein

    Reich ist mir immer heilig gewesen, und

    ich habe treu zu Rußland gestanden, wenn es in

    schwerer Bedrängnis war, besonders in seinem

    letzten Kriege. Der Friede Europas kann von Dir noch jetzt

    erhalten werden, wenn Rußland sich entschließt, die mili-

    tärischen Maßnahmen einzustellen, die Deutschland und

    Oesterreich-Ungarn bedrohen."

        Die diesen beiden Depeschen vorangegangenen Telegramme

                               I. Der Kaiser an den Zaren.

                                                                      28  Juli, 10,45 nachm.

        Mit der größten Beunruhigung höre ich von dem

    Eindruck, den Oesterreich-Ungarns Vorgehen gegen

    Serbien in Deinem Reiche hervorruft. Die skrupellose

    Agitation, die seit Jahren in Serbien getrieben worden ist, hat

    zu dem empörenden Verbrechen geführt, dessen Opfer Erzherzog

    Franz Ferdinand geworden ist.  Der Geist, der die Serben ihren

    eigenen König und seine Gemahlin morden ließ, herrscht heute

    noch in jenem Lande. Zweifellos wirst Du mit mir

    darin übereinstimmen, daß wir beide, Du und 

    ich sowohl, als alle Souveräne ein gemeinsames

    Interesse daran haben, darauf zu bestehen daß alle die-

    jenigen, die für den scheußlichen Mord moralisch verantwortlich

    sind, ihre  verdiente Strafe erleiden.

        Andererseits übersehe ich keineswegs, wie schwierig es für

    Dich und Deine Regierung ist, den Strömungen der

    öffentlichen Meinung entgegenzutreten. Eingedenk der herz-

  • August 19, 2017 22:47:39 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:

        "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

    zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

    der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

    den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

    über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

    Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

    nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

    entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

    serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

    Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

    kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

    reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

    unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

    gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

    lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                           Das Ehrenwort des Kriegsministers.

        Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

    linow dem deutschen  Militärattaché ehrenwörtlich, daß

    noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

    lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

    kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

    Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

    Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

    Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

    den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

    attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

    Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

    zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-

    zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

    Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

        In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

    russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

    auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

    Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

    und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

    kung der Garnison Alexandrowc.

        Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

    Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

    die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.

                                Die gescheiterte Konferenz.

        Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des

    Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte

    am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward

    Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-

    Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-

    renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs

    und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag

    Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran

    gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-

    auszusehen, ablehnend verhielt. 

        "Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-

    mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-

    gesetzt und haben

                                            in Wien geraten,

    jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare

    Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-

    mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands

    und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische

    Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-

    korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen

    über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-

    reichs zu Wasser und zu Lande ein."

                                 Wieder ein "Ehrenwort".

        Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch

    über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der

    russischen Armee:

        "Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir

    eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom

    Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,

    es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister


     3. Spalte 

    mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung

    an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß

    nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines

    einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-

    tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft

    nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß

    in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner

    Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.

        Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-

    servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-

    schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.

    Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir

    von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt

    sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir

    jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es

    möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm

    vorliegen.

        Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,

    über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen

    Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen

    Maßnahmen irrezuführen."

        Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-

    bemühungen Deutschlands und Englands und fährt

    dann fort:

        "Während in der Zeit vom 29. bis 31. Juli diese unsere Be-

    mühungen um Vermittlung von der englischen Diplo-

    matie unterstützt, mit steigender Dringlichkeit fortgeführt

    wurden, kamen, immer erneute und sich häufende Meldun-

    gen über russische Mobilisierungsmaßnahmen.

    Truppenansammlungen an der ostpreußischen Grenze, die Verhängung

    des Kriegszustandes über sämtliche wichtigen Plätze der russischen

    Westgrenze ließen keinen Zweifel mehr daran, daß die russische

                                  Mobilisierung auch gegen uns

    in vollem Gange war, während gleichzeitig unserem Ver-

    treter in Petersburg alle derartigen Maßregeln erneut ehren-

    wörtlich abgeleugnet wurden. Noch ehe die Wiener Ant-

    wort auf den letzten englisch-deutschen Vermittlungsvorschlag, dessen

    Tendenz und Grundlage in Petersburg bekannt gewesen sein mußte,

    in Berlin eintreffen konnte, ordnete Rußland die allge-

    meine Mobilmachung an.

                                        Die Kaisertelegramme.

        In den gleichen Tagen fand zwischen dem Kaiser und dem

    Zaren Nikolaus ein Telegrammwechsel statt, in dem

    der Kaiser den Zaren auf den drohenden Charakter der

    russischen Mobilmachung und die Fortdauer seiner eigenen

    vermittelnden Tätigkeit aufmerksam machte.

        Am 31. Juli richtete

                                        der Zar an den Kaiser

    folgendes Telegramm:

        "Ich danke Dir von Herzen für Deine Vermitt-

    lung, die eine Hoffnung aufleuchten läßt, daß doch noch

    alles friedlich enden könnte. Es ist technisch un-

    möglich, unsere militärischen Vorbereitungen einzustellen,

    die durch Oesterreichs Mobilisierung notwendig geworden 

    sind. Wir sind weit davon entfernt, einen Krieg zu wün-

    schen. Solange wie die Verhandlungen mit Oesterreich

    über Serbien andauern, werden meine Truppen keine

    herausfordernde Aktion unternehmen. Ich gebe

    Dir mein feierliches Wort darauf. Ich vertraue

    mit aller Kraft auf Gottes Gnade und hoffe auf den Er-

    folg Deiner Vermittlung in Wien für die Wohlfahrt

    unserer Länder und den Frieden Europas.

                                                   Dein Dir herzlich ergebener

                                                                  Nicolaus." 

        Darauf erging an den Zaren eine

                                    Antwort Kaiser Wilhelms,

    die folgenden Wortlaut hatte:

        "Auf Deinen Appell an meine Freundschaft

    und Deine Bitte um meine Hilfe habe ich eine Ver-

    mittlungsaktion zwischen Deiner und der Oesterreichisch-

    Ungarischen Regierung aufgenommen. Während diese

    Aktion im Gange war, sind Deine Truppen gegen das mir

    verbündete Oesterreich-Ungarn mobilisiert worden, wo-

    durch, wie ich Dir schon mitgeteilt habe, meine Ver-

    mittlung beinahe illusorisch gemacht wor-

    den ist. Trotzdem habe ich sie fortgesetzt. Nun-

    mehr erhalte ich zuverlässige Nachrichten über ernste 

    Kriegsvorbereitungen auch an meiner östlichen

    Grenze. Die Verantwortung für die Sicherheit meines

    Reiches zwingt mich zu defensiven Gegenmaß-

    regeln. Ich bin mit meinen Bemühungen um die Er-

    haltung des Weltfriedens bis an die äußerste

    Grenze des Möglichen gegangen. Nicht ich trage

    die Verantwortung für das Unheil, das jetzt der ganzen

    zivilisierten Welt droht. Noch in diesem Augenblicke

    liegt es in Deiner Hand, es abzuwenden. Nie-

    mand bedroht die Ehre und Macht Rußlands,

    das wohl auf den Erfolg meiner Vermittlung

    hätte warten können. Die mir von meinem

    Großvater auf dem Totenbette über-

    kommene Freundschaft für Dich und Dein

    Reich ist mir immer heilig gewesen, und

    ich habe treu zu Rußland gestanden, wenn es in

    schwerer Bedrängnis war, besonders in seinem

    letzten Kriege. Der Friede Europas kann von Dir noch jetzt

    erhalten werden, wenn Rußland sich entschließt, die mili-

    tärischen Maßnahmen einzustellen, die Deutschland und

    Oesterreich-Ungarn bedrohen."

        Die diesen beiden Depeschen vorangegangenen Telegramme

                               I. Der Kaiser an den Zaren.

                                                                      28  Juli, 10,45 nachm.

        Mit der größten Beunruhigung höre ich von dem

    Eindruck, den Oesterreich-Ungarns Vorgehen gegen

    Serbien in Deinem Reiche hervorruft. Die skrupellose

    Agitation, die seit Jahren in Serbien getrieben worden ist, hat

    zu dem empörenden Verbrechen geführt, dessen Opfer Erzherzog

    Franz Ferdinand geworden ist.  Der Geist, der die Serben ihren

    eigenen König und seine Gemahlin morden ließ, herrscht heute

    noch in jenem Lande. Zweifellos wirst Du mit mir

    darin übereinstimmen, daß wir beide, Du und 

    ich sowohl, als alle Souveräne ein gemeinsames

    Interesse daran haben, darauf zu bestehen daß alle die-

    jenigen, die für den scheußlichen Mord moralisch verantwortlich

    sind, ihre  verdiente Strafe erleiden.

        Andererseits übersehe ich keineswegs, wie schwierig es für

    Dich und Deine Regierung ist, den Strömungen der

    öffentlichen Meinung entgegenzutreten. Eingedenk der herz-


  • August 19, 2017 22:46:29 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:

        "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

    zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

    der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

    den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

    über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

    Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

    nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

    entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

    serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

    Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

    kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

    reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

    unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

    gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

    lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                           Das Ehrenwort des Kriegsministers.

        Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

    linow dem deutschen  Militärattaché ehrenwörtlich, daß

    noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

    lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

    kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

    Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

    Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

    Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

    den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

    attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

    Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

    zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-

    zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

    Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

        In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

    russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

    auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

    Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

    und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

    kung der Garnison Alexandrowc.

        Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

    Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

    die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.

                                Die gescheiterte Konferenz.

        Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des

    Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte

    am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward

    Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-

    Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-

    renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs

    und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag

    Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran

    gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-

    auszusehen, ablehnend verhielt. 

        "Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-

    mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-

    gesetzt und haben

                                            in Wien geraten,

    jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare

    Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-

    mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands

    und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische

    Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-

    korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen

    über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-

    reichs zu Wasser und zu Lande ein."

                                 Wieder ein "Ehrenwort".

        Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch

    über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der

    russischen Armee:

        "Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir

    eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom

    Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,

    es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister


     3. Spalte 

    mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung

    an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß

    nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines

    einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-

    tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft

    nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß

    in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner

    Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.

        Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-

    servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-

    schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.

    Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir

    von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt

    sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir

    jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es

    möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm

    vorliegen.

        Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,

    über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen

    Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen

    Maßnahmen irrezuführen."

        Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-

    bemühungen Deutschlands und Englands und fährt

    dann fort:

        "Während in der Zeit vom 29. bis 31. Juli diese unsere Be-

    mühungen um Vermittlung von der englischen Diplo-

    matie unterstützt, mit steigender Dringlichkeit fortgeführt

    wurden, kamen, immer erneute und sich häufende Meldun-

    gen über russische Mobilisierungsmaßnahmen.

    Truppenansammlungen an der ostpreußischen Grenze, die Verhängung

    des Kriegszustandes über sämtliche wichtigen Plätze der russischen

    Westgrenze ließen keinen Zweifel mehr daran, daß die russische

                                  Mobilisierung auch gegen uns

    in vollem Gange war, während gleichzeitig unserem Ver-

    treter in Petersburg alle derartigen Maßregeln erneut ehren-

    wörtlich abgeleugnet wurden. Noch ehe die Wiener Ant-

    wort auf den letzten englisch-deutschen Vermittlungsvorschlag, dessen

    Tendenz und Grundlage in Petersburg bekannt gewesen sein mußte,

    in Berlin eintreffen konnte, ordnete Rußland die allge-

    meine Mobilmachung an.

                                        Die Kaisertelegramme.

        In den gleichen Tagen fand zwischen dem Kaiser und dem

    Zaren Nikolaus ein Telegrammwechsel statt, in dem

    der Kaiser den Zaren auf den drohenden Charakter der

    russischen Mobilmachung und die Fortdauer seiner eigenen

    vermittelnden Tätigkeit aufmerksam machte.

        Am 31. Juli richtete

                                        der Zar an den Kaiser

    folgendes Telegramm:

        "Ich danke Dir von Herzen für Deine Vermitt-

    lung, die eine Hoffnung aufleuchten läßt, daß doch noch

    alles friedlich enden könnte. Es ist technisch un-

    möglich, unsere militärischen Vorbereitungen einzustellen,

    die durch Oesterreichs Mobilisierung notwendig geworden 

    sind. Wir sind weit davon entfernt, einen Krieg zu wün-

    schen. Solange wie die Verhandlungen mit Oesterreich

    über Serbien andauern, werden meine Truppen keine

    herausfordernde Aktion unternehmen. Ich gebe

    Dir mein feierliches Wort darauf. Ich vertraue

    mit aller Kraft auf Gottes Gnade und hoffe auf den Er-

    folg Deiner Vermittlung in Wien für die Wohlfahrt

    unserer Länder und den Frieden Europas.

                                                   Dein Dir herzlich ergebener

                                                                  Nicolaus." 

        Darauf erging an den Zaren eine

                                    Antwort Kaiser Wilhelms,

    die folgenden Wortlaut hatte:

        "Auf Deinen Appell an meine Freundschaft

    und Deine Bitte um meine Hilfe habe ich eine Ver-

    mittlungsaktion zwischen Deiner und der Oesterreichisch-

    Ungarischen Regierung aufgenommen. Während diese

    Aktion im Gange war, sind Deine Truppen gegen das mir

    verbündete Oesterreich-Ungarn mobilisiert worden, wo-

    durch, wie ich Dir schon mitgeteilt habe, meine Ver-

    mittlung beinahe illusorisch gemacht wor-

    den ist. Trotzdem habe ich sie fortgesetzt. Nun-

    mehr erhalte ich zuverlässige Nachrichten über ernste 

    Kriegsvorbereitungen auch an meiner östlichen

    Grenze. Die Verantwortung für die Sicherheit meines

    Reiches zwingt mich zu defensiven Gegenmaß-

    regeln. Ich bin mit meinen Bemühungen um die Er-

    haltung des Weltfriedens bis an die äußerste

    Grenze des Möglichen gegangen. Nicht ich trage

    die Verantwortung für das Unheil, das jetzt der ganzen

    zivilisierten Welt droht. Noch in diesem Augenblicke

    liegt es in Deiner Hand, es abzuwenden. Nie-

    mand bedroht die Ehre und Macht Rußlands,

    das wohl auf den Erfolg meiner Vermittlung

    hätte warten können. Die mir von meinem

    Großvater auf dem Totenbette über-

    kommene Freundschaft für Dich und Dein

    Reich ist mir immer heilig gewesen, und

    ich habe treu zu Rußland gestanden, wenn es in

    schwerer Bedrängnis war, besonders in seinem

    letzten Kriege. Der Friede Europas kann von Dir noch jetzt

    erhalten werden, wenn Rußland sich entschließt, die mili-

    tärischen Maßnahmen einzustellen, die Deutschland und

    Oesterreich-Ungarn bedrohen."

        Die diesen beiden Depeschen vorangegangenen Telegramme

                               I. Der Kaiser an den Zaren.

                                                                      28  Juli, 10,45 nachm.

        Mit der größten Beunruhigung höre ich von dem

    Eindruck, den Oesterreich-Ungarns Vorgehen gegen

    Serbien in Deinem Reiche hervorruft. Die skrupellose

    Agitation, die seit Jahren in Serbien getrieben worden ist, hat

    zu dem empörenden Verbrechen geführt, dessen Opfer Erzherzog

    Franz Ferdinand geworden ist.  Der Geist, der die Serben ihren

    eigenen König und seine Gemahlin morden ließ, herrscht heute

    noch in jenem Lande. Zweifellos wirst Du mit mir

    darin übereinstimmen, daß wir beide, Du und 

    ich sowohl, als alle Souveräne ein gemeinsames

    Interesse daran haben, darauf zu bestehen daß alle die-

    jenigen, die für den scheußlichen Mord moralisch verantwortlich

    sind, ihre  verdiente Strafe erleiden.

        Andererseits übersehe ich keineswegs, wie schwierig es für

    Dich und eine Regierung ist, den Strömungen der

    öffentlichen Meinung entgegenzutreten. Eingedenk der herz-


  • August 19, 2017 22:35:59 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:

        "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

    zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

    der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

    den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

    über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

    Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

    nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

    entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

    serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

    Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

    kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

    reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

    unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

    gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

    lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                           Das Ehrenwort des Kriegsministers.

        Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

    linow dem deutschen  Militärattaché ehrenwörtlich, daß

    noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

    lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

    kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

    Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

    Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

    Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

    den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

    attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

    Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

    zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-

    zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

    Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

        In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

    russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

    auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

    Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

    und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

    kung der Garnison Alexandrowc.

        Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

    Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

    die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.

                                Die gescheiterte Konferenz.

        Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des

    Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte

    am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward

    Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-

    Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-

    renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs

    und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag

    Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran

    gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-

    auszusehen, ablehnend verhielt. 

        "Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-

    mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-

    gesetzt und haben

                                            in Wien geraten,

    jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare

    Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-

    mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands

    und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische

    Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-

    korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen

    über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-

    reichs zu Wasser und zu Lande ein."

                                 Wieder ein "Ehrenwort".

        Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch

    über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der

    russischen Armee:

        "Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir

    eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom

    Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,

    es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister


     3. Spalte 

    mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung

    an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß

    nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines

    einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-

    tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft

    nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß

    in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner

    Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.

        Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-

    servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-

    schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.

    Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir

    von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt

    sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir

    jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es

    möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm

    vorliegen.

        Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,

    über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen

    Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen

    Maßnahmen irrezuführen."

        Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-

    bemühungen Deutschlands und Englands und fährt

    dann fort:

        "Während in der Zeit vom 29. bis 31. Juli diese unsere Be-

    mühungen um Vermittlung von der englischen Diplo-

    matie unterstützt, mit steigender Dringlichkeit fortgeführt

    wurden, kamen, immer erneute und sich häufende Meldun-

    gen über russische Mobilisierungsmaßnahmen.

    Truppenansammlungen an der ostpreußischen Grenze, die Verhängung

    des Kriegszustandes über sämtliche wichtigen Plätze der russischen

    Westgrenze ließen keinen Zweifel mehr daran, daß die russische

                                  Mobilisierung auch gegen uns

    in vollem Gange war, während gleichzeitig unserem Ver-

    treter in Petersburg alle derartigen Maßregeln erneut ehren-

    wörtlich abgeleugnet wurden. Noch ehe die Wiener Ant-

    wort auf den letzten englisch-deutschen Vermittlungsvorschlag, dessen

    Tendenz und Grundlage in Petersburg bekannt gewesen sein mußte,

    in Berlin eintreffen konnte, ordnete Rußland die allge-

    meine Mobilmachung an.

                                        Die Kaisertelegramme.

        In den gleichen Tagen fand zwischen dem Kaiser und dem

    Zaren Nikolaus ein Telegrammwechsel statt, in dem

    der Kaiser den Zaren auf den drohenden Charakter der

    russischen Mobilmachung und die Fortdauer seiner eigenen

    vermittelnden Tätigkeit aufmerksam machte.

        Am 31. Juli richtete

                                        der Zar an den Kaiser

    folgendes Telegramm:

        "Ich danke Dir von Herzen für Deine Vermitt-

    lung, die eine Hoffnung aufleuchten läßt, daß doch noch

    alles friedlich enden könnte. Es ist technisch un-

    möglich, unsere militärischen Vorbereitungen einzustellen,

    die durch Oesterreichs Mobilisierung notwendig geworden 

    sind. Wir sind weit davon entfernt, einen Krieg zu wün-

    schen. Solange wie die Verhandlungen mit Oesterreich

    über Serbien andauern, werden meine Truppen keine

    herausfordernde Aktion unternehmen. Ich gebe

    Dir mein feierliches Wort darauf. Ich vertraue

    mit aller Kraft auf Gottes Gnade und hoffe auf den Er-

    folg Deiner Vermittlung in Wien für die Wohlfahrt

    unserer Länder und den Frieden Europas.

                                                   Dein Dir herzlich ergebener

                                                                  Nicolaus." 

        Darauf erging an den Zaren eine

                                    Antwort Kaiser Wilhelms,

    die folgenden Wortlaut hatte:

        "Auf Deinen Appell an meine Freundschaft

    und Deine Bitte um meine Hilfe habe ich eine Ver-

    mittlungsaktion zwischen Deiner und der Oesterreichisch-

    Ungarischen Regierung aufgenommen. Während diese

    Aktion im Gange war, sind Deine Truppen gegen das mir

    verbündete Oesterreich-Ungarn mobilisiert worden, wo-

    durch, wie ich Dir schon mitgeteilt habe, meine Ver-

    mittlung beinahe illusorisch gemacht wor-

    den ist. Trotzdem habe ich sie fortgesetzt. Nun-

    mehr erhalte ich zuverlässige Nachrichten über ernste 

    Kriegsvorbereitungen auch an meiner östlichen

    Grenze. Die Verantwortung für die Sicherheit meines

    Reiches zwingt mich zu defensiven Gegenmaß-

    regeln. Ich bin mit meinen Bemühungen um die Er-

    haltung des Weltfriedens bis an die äußerste

    Grenze des Möglichen gegangen. Nicht ich trage

    die Verantwortung für das Unheil, das jetzt der ganzen

    zivilisierten Welt droht. Noch in diesem Augenblicke

    liegt es in Deiner Hand, es abzuwenden. Nie-

    mand bedroht die Ehre und Macht Rußlands,

    das wohl auf den Erfolg meiner Vermittlung

    hätte warten können. Die mir von meinem

    Großvater auf dem Totenbette über-

    kommene Freundschaft für Dich und Dein

    Reich ist mir immer heilig gewesen, und

    ich habe treu zu Rußland gestanden, wenn es in

    schwerer Bedrängnis war, besonders in seinem

    letzten Kriege. Der Friede Europas kann von Dir noch jetzt

    erhalten werden, wenn Rußland sich entschließt, die mili-

    tärischen Maßnahmen einzustellen, die Deutschland und

    Oesterreich-Ungarn bedrohen."


  • August 19, 2017 22:06:59 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:

        "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

    zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

    der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

    den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

    über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

    Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

    nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

    entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

    serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

    Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

    kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

    reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

    unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

    gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

    lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                           Das Ehrenwort des Kriegsministers.

        Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

    linow dem deutschen  Militärattaché ehrenwörtlich, daß

    noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

    lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

    kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

    Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

    Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

    Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

    den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

    attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

    Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

    zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-

    zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

    Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

        In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

    russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

    auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

    Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

    und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

    kung der Garnison Alexandrowc.

        Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

    Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

    die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.

                                Die gescheiterte Konferenz.

        Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des

    Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte

    am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward

    Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-

    Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-

    renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs

    und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag

    Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran

    gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-

    auszusehen, ablehnend verhielt. 

        "Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-

    mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-

    gesetzt und haben

                                            in Wien geraten,

    jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare

    Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-

    mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands

    und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische

    Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-

    korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen

    über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-

    reichs zu Wasser und zu Lande ein."

                                 Wieder ein "Ehrenwort".

        Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch

    über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der

    russischen Armee:

        "Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir

    eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom

    Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,

    es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister


     3. Spalte 

    mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung

    an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß

    nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines

    einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-

    tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft

    nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß

    in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner

    Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.

        Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-

    servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-

    schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.

    Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir

    von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt

    sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir

    jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es

    möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm

    vorliegen.

        Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,

    über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen

    Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen

    Maßnahmen irrezuführen."

        Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-

    bemühungen Deutschlands und Englands und fährt

    dann fort:

        "Während in der Zeit vom 29. bis 31. Juli diese unsere Be-

    mühungen um Vermittlung von der englischen Diplo-

    matie unterstützt, mit steigender Dringlichkeit fortgeführt

    wurden, kamen, immer erneute und sich häufende Meldun-

    gen über russische Mobilisierungsmaßnahmen.

    Truppenansammlungen an der ostpreußischen Grenze, die Verhängung

    des Kriegszustandes über sämtliche wichtigen Plätze der russischen

    Westgrenze ließen keinen Zweifel mehr daran, daß die russische

                                  Mobilisierung auch gegen uns

    in vollem Gange war, während gleichzeitig unserem Ver-

    treter in Petersburg alle derartigen Maßregeln erneut ehren-

    wörtlich abgeleugnet wurden. Noch ehe die Wiener Ant-

    wort auf den letzten englisch-deutschen Vermittlungsvorschlag, dessen

    Tendenz und Grundlage in Petersburg bekannt gewesen sein mußte,

    in Berlin eintreffen konnte, ordnete Rußland die allge-

    meine Mobilmachung an.

                                        Die Kaisertelegramme.

        In den gleichen Tagen fand zwischen dem Kaiser und dem

    Zaren Nikolaus ein Telegrammwechsel statt, in dem

    der Kaiser den Zaren auf den drohenden Charakter der

    russischen Mobilmachung und die Fortdauer seiner eigenen

    vermittelnden Tätigkeit aufmerksam machte.


  • August 19, 2017 22:04:01 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:

        "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

    zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

    der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

    den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

    über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

    Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

    nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

    entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

    serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

    Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

    kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

    reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

    unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

    gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

    lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                           Das Ehrenwort des Kriegsministers.

        Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

    linow dem deutschen  Militärattaché ehrenwörtlich, daß

    noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

    lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

    kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

    Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

    Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

    Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

    den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

    attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

    Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

    zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-

    zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

    Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

        In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

    russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

    auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

    Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

    und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

    kung der Garnison Alexandrowc.

        Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

    Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

    die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.

                                Die gescheiterte Konferenz.

        Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des

    Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte

    am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward

    Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-

    Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-

    renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs

    und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag

    Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran

    gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-

    auszusehen, ablehnend verhielt. 

        "Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-

    mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-

    gesetzt und haben

                                            in Wien geraten,

    jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare

    Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-

    mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands

    und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische

    Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-

    korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen

    über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-

    reichs zu Wasser und zu Lande ein."

                                 Wieder ein "Ehrenwort".

        Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch

    über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der

    russischen Armee:

        "Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir

    eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom

    Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,

    es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister


     3. Spalte 

    mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung

    an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß

    nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines

    einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-

    tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft

    nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß

    in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner

    Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.

        Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-

    servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-

    schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.

    Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir

    von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt

    sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir

    jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es

    möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm

    vorliegen.

        Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,

    über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen

    Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen

    Maßnahmen irrezuführen."

        Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-

    bemühungen Deutschlands und Englands und fährt

    dann fort:

        "Während in der Zeit vom 29. bis 31. Juli diese unsere Be-

    mühungen um Vermittlung von der englischen Diplo-

    matie unterstützt, mit steigender Dringlichkeit fortgeführt

    wurden, kamen, immer erneute und sich häufende Meldun-

    gen über russische Mobilisierungsmaßnahmen.

    Truppenansammlungen an der ostpreußischen Grenze, die Verhängung

    des Kriegszustandes über sämtliche wichtigen Plätze der russischen

    Westgrenze ließen keinen Zweifel mehr daran, daß die russische

                                  Mobilisierung auch gegen uns

    in vollem Gange war, während gleichzeitig unserem Ver-

    treter in Petersburg alle derartigen Maßregeln erneut ehren-

    wörtlich abgeleugnet wurden. Noch ehe die Wiener Ant-

    wort auf den letzten englisch-deutschen Vermittlungsvorschlag, dessen

    Tendenz und Grundlage in Petersburg bekannt gewesen sein mußte,

    in Berlin eintreffen konnte, ordnete Rußland die allge-

    meine Mobilmachung an.


  • August 19, 2017 00:16:20 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:

        "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

    zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

    der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

    den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

    über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

    Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

    nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

    entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

    serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

    Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

    kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

    reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

    unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

    gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

    lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                           Das Ehrenwort des Kriegsministers.

        Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

    linow dem deutschen  Militärattaché ehrenwörtlich, daß

    noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

    lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

    kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

    Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

    Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

    Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

    den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

    attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

    Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

    zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-

    zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

    Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

        In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

    russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

    auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

    Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

    und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

    kung der Garnison Alexandrowc.

        Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

    Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

    die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.

                                Die gescheiterte Konferenz.

        Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des

    Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte

    am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward

    Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-

    Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-

    renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs

    und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag

    Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran

    gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-

    auszusehen, ablehnend verhielt. 

        "Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-

    mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-

    gesetzt und haben

                                            in Wien geraten,

    jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare

    Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-

    mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands

    und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische

    Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-

    korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen

    über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-

    reichs zu Wasser und zu Lande ein."

                                 Wieder ein "Ehrenwort".

        Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch

    über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der

    russischen Armee:

        "Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir

    eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom

    Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,

    es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister


     3. Spalte 

    mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung

    an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß

    nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines

    einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-

    tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft

    nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß

    in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner

    Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.

        Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-

    servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-

    schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.

    Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir

    von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt

    sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir

    jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es

    möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm

    vorliegen.

        Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,

    über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen

    Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen

    Maßnahmen irrezuführen."

        Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-

    bemühungen Deutschlands und Englands und fährt

    dann fort:

        "Während in der Zeit vom 29. bis 31. Juli diese unsere Be-

    mühungen um Vermittlung von der englischen Diplo-

    matie unterstützt, mit steigender Dringlichkeit fortgeführt

    wurden, kamen, immer erneute und sich häufende Meldun-

    gen über russische Mobilisierungsmaßnahmen.

    Truppenansammlungen an der ostpreußischen Grenze, die Verhängung

    des Kriegszustandes über sämtliche wichtigen Plätze der russischen

    Westgrenze ließen keinen Zweifel mehr daran, daß die russische

                                  Mobilisierung auch gegen uns

    in vollem Gange war, während gleichzeitig unserem Ver-

    treter in Petersburg alle derartigen Maßregeln erneut ehren-

    wörtlich abgeleugnet wurden. Noch ehe die Wiener Ant-

    wort auf den letzten englisch-deutschen Vermittlungsvorschlag, dessen

    Tendenz und Grundlage in Petersburg bekannt gewesen sein mußte,

    in Berlin eintreffen konnte, ordnete Rußland die allge-

    meine Mobilmachung an.


  • August 19, 2017 00:05:44 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:

        "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

    zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

    der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

    den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

    über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

    Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

    nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

    entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

    serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

    Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

    kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

    reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

    unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

    gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

    lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                           Das Ehrenwort des Kriegsministers.

        Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

    linow dem deutschen  Militärattaché ehrenwörtlich, daß

    noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

    lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

    kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

    Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

    Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

    Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

    den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

    attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

    Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

    zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-

    zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

    Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

        In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

    russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

    auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

    Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

    und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

    kung der Garnison Alexandrowc.

        Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

    Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

    die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.

                                Die gescheiterte Konferenz.

        Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des

    Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte

    am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward

    Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-

    Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-

    renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs

    und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag

    Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran

    gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-

    auszusehen, ablehnend verhielt. 

        "Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-

    mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-

    gesetzt und haben

                                            in Wien geraten,

    jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare

    Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-

    mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands

    und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische

    Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-

    korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen

    über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-

    reichs zu Wasser und zu Lande ein."

                                 Wieder ein "Ehrenwort".

        Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch

    über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der

    russischen Armee:

        "Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir

    eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom

    Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,

    es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister


     3. Spalte 

    mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung

    an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß

    nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines

    einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-

    tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft

    nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß

    in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner

    Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.

        Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-

    servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-

    schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.

    Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir

    von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt

    sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir

    jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es

    möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm

    vorliegen.

        Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,

    über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen

    Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen

    Maßnahmen irrezuführen."

        Die Denkschrift schildert nun die weiteren Friedens-

    bemühungen Deutschlands und Englands und fährt

    dann fort:


  • August 19, 2017 00:04:05 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:

        "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

    zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

    der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

    den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

    über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

    Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

    nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

    entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

    serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

    Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

    kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

    reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

    unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

    gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

    lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                           Das Ehrenwort des Kriegsministers.

        Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

    linow dem deutschen  Militärattaché ehrenwörtlich, daß

    noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

    lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

    kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

    Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

    Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

    Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

    den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

    attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

    Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

    zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-

    zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

    Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

        In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

    russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

    auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

    Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

    und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

    kung der Garnison Alexandrowc.

        Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

    Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

    die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.

                                Die gescheiterte Konferenz.

        Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des

    Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte

    am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward

    Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-

    Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-

    renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs

    und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag

    Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran

    gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-

    auszusehen, ablehnend verhielt. 

        "Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-

    mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-

    gesetzt und haben

                                            in Wien geraten,

    jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare

    Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-

    mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands

    und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische

    Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-

    korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen

    über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-

    reichs zu Wasser und zu Lande ein."

                                 Wieder ein "Ehrenwort".

        Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch

    über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der

    russischen Armee:

        "Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir

    eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom

    Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,

    es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister


     3. Spalte 

    mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung

    an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß

    nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines

    einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-

    tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft

    nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß

    in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner

    Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.

        Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-

    servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-

    schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.

    Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir

    von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt

    sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir

    jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es

    möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm

    vorliegen.

        Ich muß das Gespräch in Anbetracht der positiven, zahlreichen,

    über erfolgte Einziehungen vorliegenden Nachrichten als einen

    Versuch betrachten, uns über den Umfang der bisherigen

    Maßnahmen irrezuführen."


  • August 19, 2017 00:00:59 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:

        "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

    zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

    der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

    den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

    über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

    Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

    nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

    entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

    serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

    Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

    kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

    reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

    unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

    gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

    lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                           Das Ehrenwort des Kriegsministers.

        Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

    linow dem deutschen  Militärattaché ehrenwörtlich, daß

    noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

    lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

    kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

    Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

    Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

    Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

    den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

    attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

    Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

    zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-

    zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

    Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

        In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

    russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

    auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

    Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

    und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

    kung der Garnison Alexandrowc.

        Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

    Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

    die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.

                                Die gescheiterte Konferenz.

        Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des

    Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte

    am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward

    Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-

    Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-

    renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs

    und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag

    Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran

    gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-

    auszusehen, ablehnend verhielt. 

        "Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-

    mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-

    gesetzt und haben

                                            in Wien geraten,

    jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare

    Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-

    mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands

    und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische

    Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-

    korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen

    über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-

    reichs zu Wasser und zu Lande ein."

                                 Wieder ein "Ehrenwort".

        Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch

    über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der

    russischen Armee:

        "Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir

    eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom

    Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,

    es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister


     3. Spalte 

    mitgeteilt habe. Er bot mir schriftliche Bestätigung

    an und gab mir sein Ehrenwort in feierlichster Form, daß

    nirgends eine Mobilmachung, das heißt Einziehung eines

    einzigen Mannes oder Pferdes bis zur Stunde, 3 Uhr nachmit-

    tags, erfolgt sei. Er könne sich dafür für die Zukunft

    nicht verbürgen, aber wohl nachdrücklich bestätigen, daß

    in den Fronten, die auf unsere Grenzen gerichtet seien, von Seiner

    Majestät keine Mobilisierung gewünscht würde.

        Es sind aber hier über erfolgte Einziehungen von Re-

    servisten in verschiedenen Teilen des Reiches, auch in War-

    schau und Wilna, vielfache Nachrichten eingegangen.

    Ich habe deshalb dem General vorgehalten, daß ich durch die mir

    von ihm gemachten Eröffnungen vor ein Rätsel gestellt

    sei. Auf Offiziersparole erwiderte er mir

    jedoch, daß solche Nachrichten unrichtig seien, es

    möge hier und da allenfalls ein falscher Alarm

    vorliegen.


  • August 18, 2017 23:46:55 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtalès.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:

        "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

    zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

    der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

    den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

    über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

    Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

    nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

    entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

    serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

    Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

    kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

    reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

    unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

    gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

    lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                           Das Ehrenwort des Kriegsministers.

        Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

    linow dem deutschen  Militärattaché ehrenwörtlich, daß

    noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

    lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

    kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

    Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

    Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

    Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

    den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

    attachés, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

    Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

    zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattaché be-

    zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

    Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

        In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

    russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

    auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

    Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

    und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

    kung der Garnison Alexandrowc.

        Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

    Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

    die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.

                                Die gescheiterte Konferenz.

        Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des

    Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte

    am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward

    Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-

    Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-

    renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs

    und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag

    Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran

    gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-

    auszusehen, ablehnend verhielt. 

        "Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-

    mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-

    gesetzt und haben

                                            in Wien geraten,

    jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare

    Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-

    mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands

    und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische

    Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-

    korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen

    über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-

    reichs zu Wasser und zu Lande ein."

                                 Wieder ein "Ehrenwort".

        Am 29. berichtete der Militärattaché in Petersburg telegraphisch

    über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der

    russischen Armee:

        "Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir

    eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom

    Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,

    es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister


  • August 18, 2017 23:42:19 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtales.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:

        "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

    zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

    der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

    den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

    über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

    Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

    nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

    entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

    serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

    Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

    kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

    reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

    unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

    gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

    lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                           Das Ehrenwort des Kriegsministers.

        Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

    linow dem deutschen  Militärattache ehrenwörtlich, daß

    noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

    lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

    kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

    Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

    Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

    Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

    den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

    attaches, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

    Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

    zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattache be-

    zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

    Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

        In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

    russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

    auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

    Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

    und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

    kung der Garnison Alexandrowc.

        Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

    Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

    die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.

                                Die gescheiterte Konferenz.

        Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des

    Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte

    am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward

    Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-

    Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-

    renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs

    und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag

    Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran

    gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-

    auszusehen, ablehnend verhielt. 

        "Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-

    mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-

    gesetzt und haben

                                            in Wien geraten,

    jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare

    Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-

    mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands

    und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische

    Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-

    korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen

    über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-

    reichs zu Wasser und zu Lande ein."

                                 Wieder ein "Ehrenwort".

        Am 29. berichtete der Militärattache in Petersburg telegraphisch

    über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der

    russischen Armee:

        "Der Generalstabschef hat mich zu sich bitten lassen und mir

    eröffnet, daß er von Seiner Majestät soeben komme. Er sei vom

    Kriegsminister beauftragt worden, mir nochmals zu bestätigen,

    es sei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister


  • August 18, 2017 23:41:39 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtales.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:

        "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

    zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

    der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

    den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

    über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

    Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

    nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

    entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

    serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

    Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

    kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

    reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

    unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

    gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

    lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                           Das Ehrenwort des Kriegsministers.

        Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

    linow dem deutschen  Militärattache ehrenwörtlich, daß

    noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

    lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

    kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

    Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

    Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

    Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

    den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

    attaches, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

    Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

    zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattache be-

    zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

    Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

        In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

    russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

    auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

    Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

    und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

    kung der Garnison Alexandrowc.

        Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

    Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

    die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.

                                Die gescheiterte Konferenz.

        Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des

    Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte

    am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward

    Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-

    Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-

    renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs

    und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag

    Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran

    gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-

    auszusehen, ablehnend verhielt. 

        "Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-

    mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-

    gesetzt und haben

                                            in Wien geraten,

    jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare

    Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-

    mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands

    und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische

    Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-

    korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen

    über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-

    reichs zu Wasser und zu Lande ein."

                                 Wieder ein "Ehrenwort".

        Am 29. berichtete der Militärattache in Petersburg telegraphisch

    über eine Unterredung mit dem Generalstabschef der

    russischen Armee:

        "Der Generalstabchef hat mich zu sich bitten lassen und mir

    eröffnet, daß er von SeinerMajestät soeben komme. Er sei vom

    Kriegsminister beauftragt worden, kir nochmals zu bestätigen,

    es ei alles so geblieben, wie es mir vor zwei Tagen der Minister


  • August 18, 2017 23:37:37 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtales.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:

        "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

    zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

    der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

    den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

    über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

    Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

    nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

    entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

    serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

    Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

    kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

    reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

    unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

    gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

    lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                           Das Ehrenwort des Kriegsministers.

        Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

    linow dem deutschen  Militärattache ehrenwörtlich, daß

    noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

    lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

    kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

    Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

    Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

    Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

    den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

    attaches, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

    Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

    zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattache be-

    zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

    Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

        In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

    russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

    auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

    Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

    und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

    kung der Garnison Alexandrowc.

        Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

    Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

    die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.

                                Die gescheiterte Konferenz.

        Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des

    Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte

    am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward

    Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-

    Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-

    renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs

    und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag

    Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran

    gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-

    auszusehen, ablehnend verhielt. 

        "Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-

    mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-

    gesetzt und haben

                                            in Wien geraten,

    jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare

    Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-

    mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands

    und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische

    Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-

    korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen

    über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-

    reichs zu Wasser und zu Lande ein."

                                 Wieder ein "Ehrenwort".


  • August 18, 2017 23:36:25 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtales.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:

        "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

    zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

    der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

    den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

    über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

    Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

    nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

    entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

    serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

    Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

    kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

    reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

    unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

    gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

    lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                           Das Ehrenwort des Kriegsministers.

        Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

    linow dem deutschen  Militärattache ehrenwörtlich, daß

    noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

    lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

    kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

    Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

    Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

    Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

    den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

    attaches, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

    Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

    zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattache be-

    zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

    Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

        In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

    russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

    auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

    Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

    und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

    kung der Garnison Alexandrowc.

        Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

    Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

    die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.

                                Die gescheiterte Konferenz.

        Inzwischen waren die Bemühungen zur Lokalisierung des

    Konflikts zwischen den Kabinetten weitergegangen. Vor allem hatte

    am 26. Juli der englische Minister des Äußeren, Sir Edward

    Grey den Vorschlag gemacht, die Differenzen zwischen Oesterreich-

    Ungarn und Serbien einer unter seinem Vorsitz tagenden Konfer-

    renz der Botschafter Deutschlands, Frankreichs

    und Italiens zu unterbreiten. Frankreich hat dem Vorschlag

    Sir Edward Greys zugestimmt, er ist jedoch schließlich daran

    gescheitert, daß Oesterreich sich ihm gegenüber, wie vor-

    auszusehen, ablehnend verhielt. 

        "Trotzdem", heißt es in dem Weißbuch, "haben wir unsere Ver-

    mittlungsversuche bis zum Aeußersten fort-

    gesetzt und haben

                                      in Wien geraten,

    jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare

    Entgegenkommen zu zeigen. Leider sind alle diese Ver-

    mittelungsaktionen von den militärischen Vorbereitungen Rußlands

    und Frankreichs überholt wurden. Am 20. Juli hat die russische

    Regierung in Berlin amtlich mitgeteilt, daß sie vier Armee-

    korps mobilisiert habe. Gleichzeitig trafen weitere Meldungen

    über schnell fortschreitende militärische Vorbereitungen Frank-

    reichs zu Wasser und zu Lande ein."


  • August 18, 2017 23:22:11 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtales.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:

        "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

    zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

    der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

    den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

    über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

    Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

    nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

    entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

    serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

    Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

    kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

    reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

    unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

    gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

    lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."

                           Das Ehrenwort des Kriegsministers.

        Am 27. Juli erklärte der russische Kriegsminister Suchom-

    linow dem deutschen  Militärattache ehrenwörtlich, daß

    noch keine Mobilmachungsorder ergangen sei. Es würden

    lediglich Vorbereitungsmaßregeln getroffen, kein Pferd ausgehoben,

    kein Reservist eingezogen. Wenn Oesterreich-Ungarn die serbische

    Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich gerichteten

    Militärbezirke Kiew, Odessa, Moskau, Kasan mobilisiert.

    Unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegen-

    den: Petersburg, Wilna und Warschau. Auf die Frage des Militär-

    attaches, zu welchem Zweck die Mobilmachung gegen Oesterreich-

    Ungarn erfolge, antwortete der russische Kriegsminister mit Achsel-

    zucken und dem Hinweis auf die Diplomaten. Der Militärattache be-

    zeichnete darauf die Mobilmachungsmaßnahmen gegen Oesterreich-

    Ungarn als auch für Deutschland höchst bedrohlich.

        In den darauf folgenden Tagen folgten sich die Nachrichten über

    russische Mobilisierungen im schnellen Tempo. Unter diesen waren

    auch Nachrichten über Vorbereitungen an der deutschen

    Grenze, so die Verhängung des Kriegszustandes über Kowno

    und der Abmarsch der Warschauer Garnison, Verstär-

    kung der Garnison Alexandrowc.

        Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende

    Maßnahmen auch Frankreichs ein. Das 14. Korps brach

    die Manöver ab und kehrte in die Garnison zurück.


  • August 18, 2017 23:01:19 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtales.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:

        "Vorbereitende militärische Maßnahmen werden uns 

    zu Gegenmaßregeln zwingen, die in der Mobilisierung

    der Armee bestehen müssen. Die Mobilisierung aber bedeutet

    den Krieg. Da uns Frankreichs Verpflichtungen gegen-

    über Rußland bekannt sind, würde diese Mobilisierung gegen 

    Rußland und Frankreich zugleich gerichtet sein. Wir können

    nicht annehmen, daß Rußland einen solchen europäischen Krieg

    entfesseln will. Da Oesterreich-Ungarn den Bestand des

    serbischen Königreichs nicht antasten will, so sind wir der Ansicht, daß 

    Rußland eine abwartende Stellung einnehmen

    kann. Den Wunsch Rußlands, den Bestand des serbischen König-

    reichs nicht in Frage stellen zu lassen, werden wir um so eher

    unterstützen können, als Oesterreich-Ungarn diesen Bestand

    gar nicht in Frage stellt. Es wird leicht sein, im weiteren  Ver-

    lauf der Angelegenheit die Basis einer Verständigung zu finden."


  • August 18, 2017 22:48:23 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter Grafen Pourtales.

        Am Nachmittag des 27. Juli ließ die k. u. k. Regierung aber-

    mals durch ihren Botschafter in St. Petersburg erklären, daß

    Oesterreich-Ungarn keinerlei Eroberungspläne

    habe und nur endlich an seinen Grenzen Ruhe haben wolle.

    Im Laufe des gleichen Tages gelangten indes bereits die ersten Meldun-

    gen über

                                 russische Mobilmachungen  

    nach Berlin. Noch am 26. abends wurden die kaiserlichen Bot-

    schafter in London, Paris und Petersburg angewiesen,

    bei den Regierungen Englands, Frankreichs und Rußlands energisch    

    auf die Gefahr dieser russischen Mobilisierungen

    hinzuweisen. Nachdem Oesterreich-Ungarn Rußland offiziell erklärt

    habe, daß es keinen territorialen Gewinn in Serbien anstrebe, liege

    die Entscheidung über den Weltfrieden ausschließlich in Petersburg.

    Noch am gleichen Tage wurde der kaiserliche Botschafter in

    St. Petersburg angewiesen, der russischen Regierung

    zu erklären:




  • August 18, 2017 22:33:37 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communiqué wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter





  • August 18, 2017 17:08:45 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 

                                       Einmischung Rußlands

    heißt es dann weiter:

        Die russische Regierung erließ am 24. Juli ein amt-

    liches Communique, wonach Rußland unmöglich in

    dem serbisch-österreichischen Konflikt indifferent bleiben könnte.

    Das gleiche erklärte der russische Minister des Auswärtigen, Herr

    Sasanow, dem kaiserlichen Botschafter





  • August 18, 2017 16:58:50 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.

                                 D e  r  T r e u e b r u c h  d e s  Z a r e n.

                        Aus dem Weißbuch. Depeschenwechsel zwischen

                                                  Kaiser und Zar.

        Dem Reichstag ist gestern das bereits angekündigte

                                                     Weißbuch

    zugegangen, das die Darstellung der Vorgeschichte des gegenwärtigen

    Krieges in amtlichen Dokumenten gibt.

        Das Weißbuch geht von dem Attentat von Sarajevo

    am 28. Juni d. J. aus und legt dar, aus welchen Gründen Oester-

    reich-Ungarn nach Ansicht der deutschen Regierung gezwungen war,

    gegen Serbien mit bestimmten Forderungen vorzugehen. Deutsch-

    land hat, wie weiter ausgeführt wird, in dieser Frage von Anfang

    den Standpunkt eingenommen, daß es sich hierbei um eine An-

    gelegenheit Oesterreichs handelte, die es allein

    mit Serbien zum Austrag zu bringen haben würde.

    Die Regierung hatte daher ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet,

    den Krieg zu lokalisieren und die anderen Mächte davon

    zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn in berechtigter Not-

    wehr sich zum  Appell an die Waffen habe entschließen müssen.

    Ueber die trotz aller dieser Bemühungen erfolgte 




  • August 17, 2017 22:17:21 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtalès in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    talès, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcassé abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcassé. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.



  • August 17, 2017 22:15:57 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtales in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    tales, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcasse abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcasse. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der


     2. Spalte 

    der Lebensmittel. Der heutige Tag gilt als erster Mobili-

    sationstag.

                                                                      Konstantinopel, 4. August.

        Ueber das ganze Reich wird der Belagerungszustand

    verhängt werden. Die ottomanischen Handelsschiffe haben ihren

    Dienst im Schwarzen und Aegäischen Meere eingestellt.

        Wien, 4. August. Die Anordnungen der allgemeinen Mobilisie-

    rung in der Türkei wird in hiesigen politischen Kreisen als für den

    Dreibund günstig aufgefaßt.



  • August 17, 2017 22:10:15 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtales in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    tales, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcasse abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcasse. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.

                                                                         Konstantinopel, 4. August.

        Eine teilweise Mobilisierung wurde nach dem im

    Palais abgehaltenen Ministerrate beschlossen. Die diesbezügliche

    Bekanntmachung ist bereits in Stambul plakatiert worden. Die

    Zensur ist für Auslandstelegramme eingeführt wor-

    den. Die Regierung trifft Maßnahmen gegen die Verteuerung der



  • August 17, 2017 22:06:18 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtales in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    tales, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.

                                       Delcasse abgesägt.

                                                          Paris, 4. August (über Kopenhagen).

        Der Marineminister Gauthier ist aus Gesundheitsrücksichten(!)

    zurückgetreten. Er wird durch Augagneur ersetzt. Albert

    Sarraut übernimmt das Unterrichtsministerium und

    Gaston Doumergue das Ministerium des Auswärtigen.

    Viviani behält den Vorsitz im Ministerrat ohne Portefeuille.

        Minister des Auswärtigen war seit einigen Tagen der

    Deutschenfresser Delcasse. Er ist also abgesägt worden.

                                 Die Türkei macht mobil.


  • August 17, 2017 21:59:46 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtales in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    tales, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.

                      Der russische Höchstkommandierende.

                                                                             Petersburg, 4. August.

        Großfürst Nikolai Nikolajewitsch ist zum Genera-

    lissimus der russischen Streitkräfte ernannt worden.

    In einer Reihe von Gouvernements ist der Kriegszustand er-

    klärt worden.

                                  Russisches Moratorium.

                                                                             Petersburg, 4. August.   

        Durch kaiserlichen Ukas werden angesichts der gegenwärtigen Lage

    die Reichsduma und der Staatsrat zu einer außerordent-

    lichen Sitzung einberufen. Ferner wird durch kaiserlichen Ukas

    ein Moratorium angeordnet.


  • August 17, 2017 21:51:45 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                            Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                                        Graf Pourtales in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    tales, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.

                     Czenstochau von deutschen Truppen besetzt.

        Wie wir schon in einem  großen Teil unserer gestrigen

    Ausgabe mitteilten, haben die deutschen 

    Grenzschutztruppen bei Lublinitz gestern nach

    kurzem Gefecht Czenstochau genommen; auch

    Bendzin ist von deutschen Truppen besetzt.




  • August 17, 2017 21:48:24 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.

                     Bombenwürfe eines französischen Fliegers.

                                                                             Chemnitz, 4. August.

        In der vergangenen Nacht zwischen 3 und 4 Uhr warf hier ein

    französischer Flieger Bomben über Chemnitz, die in den

    Straßen der Stadt, ohne Schaden anzurichten, explodierten.

    Schüsse, die auf den Flieger abgegeben wurden, blieben anscheinend 

    leider erfolglos. Die Meldung ist bestätigt.

                       Die Rückkehr des deutschen Gesandten.

                               Graf Pourtales in Schweden.

                                                                              Stockholm, 4. August.

        Der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pour-

    tales, ist mit dem Personal der Gesandtschaft und des Konsulats gestern

    nachmittag mit einem Dampfer, der die amerikanische Flagge

    führte, hier angekommen und hat am Abend seine Reise  mit Sonderzug

    nach Trelleborg fortgesetzt.




  • August 17, 2017 21:36:19 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

                                 Keine Brunnenvergiftung.

        Die  gestern vom Wolffschen Telegraphenbureau verbreiteten Mel-

    dung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt ver-

    gebliche Versuche der Infizierung eines Brunnens mit

    Cholerabazillen unternommen worden sein sollte, hat sich

    als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus

    anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine

    Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint

    aber weiter geboten. 

                           Haussuchungen auf der Bugra.

                                                                                      Leipzig, 4. August.

        Auf der Leipziger Buchgewerbeausstellung fand eine Haus-

    suchung im russischen Pavillon statt, der, ebenso wie der

    französische und englische, seine Pforten geschlossen hat. Das Personal

    der russischen Ausstellung wurde in Schutzhaft genommen. Auch

    sonst sind zahlreiche Verhaftungen verdächtiger Russen vorgekommen.

        Die rumänische Studentenschaft fordert in einem be-

    merkenswerten Aufruf alle nichtdeutschen Studenten, die

    nicht zur Waffe gerufen wurden, auf, in dieser kritischen Zeit hier-

    zubleiben und dem Lande ihre Dankbarkeit zu zeigen, dem sie

    ihre Ausbildung zu verdanken haben.

                                      Spione als Nonnen.

                                                                               Wien, 4. August.

        Die "Reichspost" berichtet: Feindliche Agenten versuchen

    in allen möglichen Verkleidungen Anschläge auf Brücken,

    Pulvermagazine und Wasserleitungen. In Eggen-

    burg wurden zwei angebliche Nonnen als Männer aus

    Serbien oder aus Rußland entlarvt, die Bomben bei sich hatten.

    In Budweis wurde ein Serbe aufgegriffen, der in einem aus-

    gehölten (sic) Spazierstock Bazillen zur Vergiftung des

    Trinkwassers bei sich führte. In seinem Rock fand man

    3200 Kronen eingenäht. Die Untersuchung ist eingeleitet.



  • August 17, 2017 21:16:37 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.

                                          Schutz den Brücken!

        Zum Schutze unserer Eisenbahnen gegen

     Bombenattentate hat die Staatsbahnverwaltung auf allen

    Bahnhöfen sowie in den Eisenbahnwagen soeben den nachfolgenden

    Aufruf anheften lassen:

        "Reisende, helft unsere Brücken und Tun-

    nels zu schützen!"

        An mehreren Stellen ist versucht worden, wichtige

    Kunstbauten der Eisenbahnen durch Bombenwürfe

    vom Zuge aus zu zerstören. Auf dem vom Zugper-

    sonal bekanntzugebenden Strecken sollen Fenster der

    Wagen geschlossen, Aborte nicht benutzt, Plattformen und

    Gänge nicht betreten werden. Reisende, helft, daß

    die für die Kriegsbereitschaft wichtigen Bauwerke

    gegen Zerstörung gesichert werden!"

        


  • August 17, 2017 21:08:14 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.

        In Gumbinnen wurde, wie das hiesige Gouvernement mit-

    teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet.


  • August 17, 2017 21:06:54 Beate Jochem

     item 10 


     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.

                                RussischeSpione in Spandau?

        In Spandau sind, wie wir erfahren, gestern abend drei

    Automobile angehalten und die Insassen durch Soldaten

    nach dem Gefängnis gebracht worden. Es soll sich um russische

    Spione handeln.

                          Ein russischer Großfürst

                                               in Gumbinnen verhaftet.

                                                                        Königsberg i. Pr., 4. August.


  • August 17, 2017 21:02:19 Beate Jochem

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     1. Spalte 

    des bereits standrechtlich erschossenen Wirtes Nicolai aus

    Kochem, der den Kochemer Tunnel zu sprengen versuchte und in

    dessen Keller man Sprengstoffe fand, gleichfalls abgeführt.



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15725 / 166520
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http://europeana1914-1918.eu/...
Contributor
Karl Döbling
License
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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